Drohnen, Helsing, Todeszone

Helsing: Der Mann, der als Technischer Leiter (CTO) bei der Firma Helsing in München arbeitet, wirkt wie ein Grüner, der in Sachen Windrad, Niedrigenergie oder Veggie nichts dem Zufall überläßt: Öko-Kapitalismus, knallhart innovativ, weich angepinselt – der Dutt und der Norwegerpulli sind verharmlosende, optische Einbettung des »Auftrags«.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Aber Hel­sing stellt kei­ne Wär­me­pum­pen her, son­dern KI-gesteu­er­te Kampf­droh­nen namens XR‑2, und Dr. Robert Fink spricht nicht von der Ener­gie­wen­de, son­dern davon, daß bemann­te Kampf­jets gegen die unbe­mann­ten, die er zu ent­wi­ckeln und zu bau­en begon­nen hat, kei­ner­lei Chan­ce mehr haben wer­den: Sei­ne wer­den zehn­mal güns­ti­ger, stets wach, nie lau­nisch, nie ner­vös und nie defä­tis­tisch sein. Sie wer­den mehr Infor­ma­tio­nen in kür­ze­rer Zeit ver­ar­bei­ten kön­nen als jemals der Mensch, und sie wer­den des­halb zu Manö­vern in der Lage sein, mit denen nur Tom Crui­se auf der Lein­wand noch mit­hal­ten kann.

Vor allem aber wird, wenn der CA‑1, den Hel­sing baut, vom Him­mel geholt wer­den soll­te, kein Mensch dabei ster­ben, son­dern nur ein Hau­fen Ver­bund­stoff samt Infor­ma­ti­ons­tech­nik kaputt­ge­hen. Das ist das­sel­be Argu­ment, das auch im Ukrai­ne­krieg ver­fan­gen soll, wenn man über die gebur­ten­schwa­chen Par­tei­en spricht: Wenn aus dün­nen Jahr­gän­gen 350 000 Män­ner ver­lo­ren­ge­hen (auf jeder Sei­te so vie­le), wird es wohl Zeit, auf tech­ni­schen Ersatz zu bauen.

Pod­cast: Was ist so fas­zi­nie­rend an der Hal­tung, der Spra­che und dem gan­zen Habi­tus Robert Finks, die man gründ­lich stu­die­ren kann, wäh­rend er in einem Pod­cast dem Mit­grün­der der Online Mar­ke­ting Rock­stars (OMR), Phil­ipp Wes­ter­mey­er, andert­halb Stun­den lang Rede und Ant­wort steht?

Fink ist am Vor­trieb der tech­ni­schen Kon­trol­le und Durch­leuch­tung des Men­schen betei­ligt, und das Berg­bau-Wort »Vor­trieb« meint: Er ist wirk­lich »vor Ort« (wie­der Berg­bau!), also an der Spit­ze. Das war er schon als Pro­gram­mie­rer und Ent­wick­ler bei Palantir.

Die­ses 2003 im 9/11-Schock von Peter Thiel und ande­ren gegrün­de­te Unter­neh­men bemän­tel­te von vorn­her­ein sei­ne Exper­ti­se der Daten­zu­sam­men­füh­rung mit dem Argu­ment, man wer­de ähn­li­che Ter­ror­an­schlä­ge in Zukunft zu ver­hin­dern wis­sen. Man müs­se nur Zugriff auf mög­lichst vie­le Daten erhal­ten, dann sei über Ver­knüp­fun­gen und Aus­wer­tun­gen kom­ple­xer Pro­fi­le ein Pro­fil­ing, eine Vor­her­sa­ge möglich.

Robert Fink erzählt im Pod­cast von der unfaß­ba­ren Dich­te an Exper­ten, die Palan­tir ver­sam­meln konn­te, und er gibt sei­ner Über­zeu­gung Aus­druck, daß jene Pro­gram­me, die er maß­geb­lich zu ent­wi­ckeln half, den Demo­kra­tien west­li­chen Zuschnitts das ter­ror­freie und nicht­ma­ni­pu­la­ti­ve Abhal­ten von Wah­len ermög­licht hätten.

Die­ses Selbst­bild, die­ser vor­geb­lich defen­si­ve Auf­trag ist auch das ers­te, das einem ins Auge springt, wenn man die Inter­net-Prä­senz der Rüs­tungs­fir­ma Hel­sing auf­ruft. »Zum Schutz unse­rer Demo­kra­tien« steht in Groß­buch­sta­ben über Video­clips von auf­stei­gen­den Droh­nen, absur­ren­den Auf­klä­rungs­tor­pe­dos und dem Pro­to­typ jenes Kampf­jets, von dem oben schon die Rede war.

Der mora­li­sche Kompaß der Fir­ma wird in Leit­li­ni­en fest­ge­hal­ten, das Binnen‑I signa­li­siert mehr als Wor­te, und man hat ein Ana­ly­se-Tool ent­wi­ckelt, mit dem man poten­ti­el­le Kun­den (also immer und aus­schließ­lich Staa­ten) einem Demo­kra­tie­check unter­wirft. (Man liegt nicht falsch, wenn man die­ses Ver­fah­ren abkürzt und »NATO und ein biß­chen dar­über hin­aus« annimmt. Und die Geschich­te lehrt, daß Leit­sät­ze dehn­bar sind, wenn der Absatz­markt sich öff­nen läßt.)

Robert Fink ist nicht so dumm, das, was er tut, im Sti­le eines unge­schick­ten Mar­ke­ting-Schü­lers vor allem als idea­lis­tisch zu bezeich­nen. Auf der Inter­net­sei­te sei­ner Fir­ma heißt es zwar:

Der Schutz frei­er, demo­kra­ti­scher Gesell­schaf­ten durch Abschre­ckung und Ver­tei­di­gung ist unse­re staats­bür­ger­li­che Pflicht und wird bei Hel­sing als kol­lek­ti­ve Ver­ant­wor­tung gese­hen. Des­halb inves­tie­ren wir viel Zeit und Auf­wand in die Ent­wick­lung und pro­fes­sio­nel­le Nut­zung von zukunfts­si­che­ren Tech­no­lo­gien wie der künst­li­chen Intelligenz

– aber man merkt dem CTO an, daß auch er dies für jenen Wort- und Stan­zen­schwall hält, der in einer Nati­on, die zwei Welt­krie­ge ver­lor und so tat, als kön­ne sie nie mehr kämp­fen, zum Geschäft gehört. Was, wenn das Land so wäre, daß auf der Start­sei­te von Hel­sing »Zum Schutz unse­rer Völ­ker« ste­hen könn­te? Es wür­de dort ste­hen, ganz sicher.

Robert Fink wird im Pod­cast mit der The­se kon­fron­tiert, daß sei­ne Ent­schei­dung, in Deutsch­land Wehr­tech­nik vom Feins­ten bau­en zu hel­fen, eine patrio­ti­sche Ent­schei­dung sei. Und: Er weist die­sen Beweg­grund nicht von sich, son­dern bestä­tigt ihn, stört sich bloß ein biß­chen am wor­ding und will es nicht gleich Patrio­tis­mus nennen.

Aber ein paar Abschnit­te spä­ter erzählt er, daß sogar Alex Karp, Palan­tir-CEO, mit Ver­weis auf sei­ne deut­schen Wur­zeln davon spricht, daß die Deut­schen anders und wesent­lich an Sachen her­an­ge­hen wür­den, und daß das not­wen­dig und nahe­lie­gend sei.

The­se: Der­je­ni­ge, der weiß, daß er vorn am Vor­trieb am rech­ten Fleck ist, macht das, was er kann, unter allen welt­an­schau­li­chen Stim­mun­gen und fast unter allen poli­ti­schen Sys­te­men. Wir über­schät­zen näm­lich die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten und die Küns­te (Rie­fen­stahl, Bre­ker, Tho­rak, Benn, Heid­eg­ger, Furtwäng­ler, Strauss, vie­le ande­re) und unter­schät­zen die Kon­ti­nui­tät, mit der Wirt­schaft und Inge­nieurs­we­sen über alle Stun­den Null hin­weg ihre Geschäf­te und ihre Ent­wick­lun­gen vor­an­trie­ben und »sich aufstellten«.

Man darf, wo es um Spit­zen­tech­no­lo­gie geht und über­haupt um den form­for­dern­den Drang, das Tun-Wol­len und Tun-Müs­sen, sowie­so kei­ne hohen mora­li­schen und ethi­schen Maß­stä­be anle­gen: Es gibt immer einen, der es tun wird, und war­um sol­len es, wenn es um die Nati­on geht, nicht die jeweils Bes­ten tun? War­um soll­te man sie zie­hen lassen?

Fink spricht davon, daß die Bes­ten, die man an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten etwas schwie­ri­ger auf­fin­de als an den im Wort­sinn eli­tä­re­ren eng­li­schen und ame­ri­ka­ni­schen Orten – daß die­se Bes­ten durch­aus sehr gern nicht aus­wan­dern wür­den in ein zwar schnel­les, aber auch ober­fläch­li­che­res Land; son­dern, daß sie blei­ben woll­ten oder zurück­keh­ren, weil das alte Euro­pa eben das alte Eu­ropa sei.

(Das mit dem »alten Euro­pa« ist nun nicht mehr der Begriff, den Fink wähl­te, also: nicht expli­zit, aber dem Sinn nach schon, und er wür­de die­sen Gedan­ken, läse er ihn, viel­leicht umfor­mu­lie­ren, aber dadurch ganz ohne Zwei­fel bestä­ti­gen. Glaubt denn ernst­haft jemand, sol­che Leu­te bau­ten Droh­nen und unbe­mann­te Jets und dies in Mün­chen, weil es ihnen um die Ver­tei­di­gung einer woken Gesell­schaft gehe?)

Abschre­ckung: Hel­sing unter­hält in der Ukrai­ne ein dau­er­haf­tes »Büro«. Man ist »vor Ort« und ver­tei­digt »unse­re Demo­kra­tien«. Die Erpro­bung der HX‑2 war ein vol­ler Erfolg. Man ließ die KI-gesteu­er­te Droh­ne, die sich für die letz­ten tau­send Meter von manu­el­ler Steue­rung löst und ihr Ziel selbst fin­det, ana­ly­siert und zer­stört, fünf­zehn sol­cher Zie­le bei schlech­tes­ten Bedin­gun­gen (Schnee­trei­ben, Käl­te, Nacht) attackieren.

Die­se Akti­on war von sol­chem Erfolg gekrönt, daß die Ukrai­ne zu bestel­len begann. Geld, das zuvor maß­geb­lich von Deutsch­land zur Ver­fü­gung gestellt und nach dem Ende der Blo­cka­de durch Ungarn von der EU frei­ge­ge­ben wor­den war, floß und fließt nun also in deut­sche Rüs­tungs­pro­jek­te und Arbeits­plät­ze zurück.

Hel­sing hat sich dabei gegen ande­re Anbie­ter durch­ge­setzt, und Robert Fink kann sei­ne Freu­de dar­über im Pod­cast nicht ver­ber­gen. Er will zu denen gehö­ren, die sich durch­set­zen mit dem, was sie durch­ge­rech­net, kon­stru­iert und umge­setzt haben. Die Droh­ne sei der Ein­stieg in die Hard­ware-Welt, und die Stim­mung in der Fir­ma sei die ehr­gei­zi­ger Leu­te: Man wol­le »das an den Markt brin­gen«, man wol­le »das bau­en«, die­se Defen­se Technology.

Sicher­lich sind das die poli­tisch inter­es­san­tes­ten Minu­ten des Gesprächs. Wes­ter­mey­er fragt nach dem Fas­zi­no­sum, für eine so weit vorn im Ver­schmel­zungs­be­reich zwi­schen Indus­trie und Vir­tua­li­tät ope­rie­ren­de Fir­ma zu arbei­ten – und wäh­rend er fragt, ste­hen die Wor­te »Rüs­tung, Töten, Krieg« unaus­ge­spro­chen im Raum, und zwar nicht unwirk­lich his­to­risch oder theo­re­tisch, son­dern auf­ge­la­den mit dem soeben for­mu­lier­ten Ehr­geiz Finks, auf die­sen Fel­dern das wirk­sams­te, also töd­lichs­te Pro­dukt zu bauen.

Finks Ant­wort ist bemer­kens­wert: Er habe sich vom »nai­ven Pazi­fis­ten« der 1990er Jah­re zu jeman­dem ent­wi­ckelt, der in Hel­sing ein Instru­ment sehe, Krie­ge zu ver­hin­dern. Sei­ne Fir­ma sei mit ihren »Resi­li­enz­fa­bri­ken« in der Lage, jene hun­dert­tau­send Droh­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, mit denen die Ost­gren­ze der NATO ein für alle­mal mit einem Sper­rie­gel ver­se­hen wer­den könne.

Was ist das? Fink ver­tritt die alte Über­zeu­gung, daß, wer den ­Frie­den wol­le, sich auf den Krieg vor­zu­be­rei­ten habe – eine Über­zeu­gung, die über das latei­ni­sche »si vis pacem para bel­lum« in den Namen einer Kurz­waf­fe mün­de­te (»Pea­ce­ma­ker« für Neusprachler).

Die­se Form der Frie­dens­be­we­gung mit­tels Auf­rüs­tung ist in den 1970er und 1980er Jah­ren vehe­ment theo­re­tisch und hand­fest hin­ter­fragt wor­den, und die Leit­the­se, daß jener, der am bes­ten vor­be­rei­tet und auf­ge­rüs­tet sei, bei­des nie unter Beweis und auf die Pro­be stel­len müs­se, beglei­te­te die Bun­des­wehr­jahr­gän­ge noch weit in jene Neun­zi­ger hin­ein, in denen Fink noch naiv und Pazi­fist war.

Was ist Fink heu­te? Pro­fes­sio­nel­ler Pazi­fist? Ernüch­ter­ter Pazi­fist? Abschreckungspazifist?

Der Unter­schied zur ato­ma­ren Abschre­ckung liegt auf der Hand: Wäh­rend das Patt zwi­schen der Sowjet­uni­on und den USA auf der schlich­ten Tat­sa­che beruh­te, daß die Aus­lö­schung gan­zer Kon­ti­nen­te nie­mals wirk­lich eine mili­tä­ri­sche Opti­on war, ist die Ver­fol­gung, Ein­krei­sung, Aus­spä­hung und Tötung ein­zel­ner Sol­da­ten mit­tels auto­no­mer Kampf-KI ein Wett­be­werb, der nicht das Wei­ter­le­ben der gan­zen Mensch­heit aufs Spiel setzt, son­dern nur das von »Tar­gets«, die auf­ge­spürt und aus­ge­löscht wer­den wie Figu­ren in einem Computerspiel.

Fink hat recht: Das ist der Krieg der Zukunft, und in die­se Zukunft hin­ein ent­wi­ckelt man sich am bes­ten und authen­tischs­ten, indem man sich am Krieg in der Ukrai­ne beteiligt.

Todes­zo­ne: Wäre der Ukrai­ne­krieg, wie geplant, durch einen blitz­ar­ti­gen Vor­stoß auf Kiew oder durch die rasche Ein­nah­me der vier Oblas­te im Süd­os­ten nach vier Wochen been­det gewe­sen, hät­te sich die Waf­fen­tech­nik nicht im sel­ben Maße wei­ter­ent­wi­ckelt, wie sie es seit vier Jah­ren tut. Den Mili­tär­ex­per­ten gehen dar­über die Ver­glei­che aus.

Vor drei Jah­ren war noch von einem Stel­lungs­krieg die Rede, der an den Ers­ten Welt­krieg erin­ner­te, und vor des­sen Hin­ter­grund sich die Auf­ga­be stell­te, wie man wie­der Bewe­gung in die Sache bekom­men könn­te (Jagd­kampf klei­ner Ein­hei­ten, schnel­ler Vor­stoß, Bre­sche, nach­rü­cken­de Beset­zung, also das, was unter ande­rem Ernst Jün­ger vor über hun­dert Jah­ren mit der Ent­wick­lung des Stoß­trupps versuchte).

Aber die­ser neu­er­li­che Bewe­gungs­krieg in der Ukrai­ne ist nach einer sehr kur­zen Pha­se bereits wie­der zum Erlie­gen gekom­men. Dies liegt an der Waf­fen­tech­nik, die Fir­men wie ­Hel­sing zur Ver­fü­gung stel­len. Droh­nen­auf­klä­rung, Droh­nen­kampf und KI-Unter­stüt­zung haben dazu geführt, daß sich der Mensch, der Sol­dat nicht mehr ver­ber­gen und daß er nicht mehr ent­kom­men kann.

Man spricht von einer Todes­zo­ne, die sich von der Front­li­nie aus in bei­de Rich­tun­gen drei­ßig, vier­zig Kilo­me­ter weit aus­dehnt. In die­ser Zone ist kaum mehr Bewe­gung mög­lich. Die Sol­da­ten kön­nen nicht ver­sorgt, Ver­wun­de­te kön­nen nicht gebor­gen wer­den, Ruhe­pha­sen (in den Welt­krie­gen ende­te jedes Trom­mel­feu­er nach ein, zwei Tagen – der Feind hat­te sich ver­schos­sen) gibt es nicht mehr, immer ist der Him­mel voll von sur­ren­den Spä­hern und Angrei­fern, und die Kame­ra­tech­nik spürt auch nachts und bei Nebel und unter dich­tes­tem Laub den Men­schen auf, der kei­ne Chan­ce mehr hat.

Ist das ein Über­gang? Sind die Ukrai­ner und die Rus­sen, von denen Tag für Tag vie­le fal­len und von deren pani­schen, aus­sichts­lo­sen Ver­su­chen, der Maschi­ne zu ent­kom­men, es musi­ka­lisch unter­legt Hun­der­te Clips im Inter­net zu sehen gibt – sind die­se Sol­da­ten nur durch eine dum­me, schick­sal­haf­te Fügung noch immer zwi­schen den Fron­ten gefan­gen, an denen sich bald wohl nur noch Kriegs­tech­nik und KI gegen­über­ste­hen werden?

Wehr­dienst: Der Her­aus­ge­ber der Jun­gen Frei­heit, Die­ter Stein, äußer­te sich jüngst in einem Inter­view mit der Jour­na­lis­tin Jas­min Kosu­b­ek zum Wehr­dienst in unse­rer Zeit. Er argu­men­tier­te ganz nach alter Schu­le und strich her­aus, daß im Ver­lauf unse­rer Geschich­te immer wie­der Män­ner bereit waren, ihr Leben für die Nati­on hin­zu­ge­ben. Er wür­de sei­nen Sohn nicht davon abbrin­gen, sich für die Ver­tei­di­gung des Vater­lands zu opfern.

Ich hin­ge­gen wür­de unter den gege­be­nen Umstän­den mei­nem Sohn die­ses Opfer aus­re­den. Die­se Umstän­de gab es auch in frü­he­ren Krie­gen immer wie­der: Die Abnut­zungs­stra­te­gie, die vor Ver­dun auf Kos­ten Hun­dert­tau­sen­der Leben ange­wandt wur­de, gehört eben­so dazu wie der Durch­hal­te­be­fehl, der an alte Män­ner und Kna­ben erging, als der Zwei­te Welt­krieg unwi­der­ruf­lich ver­lo­ren und der Schutz flüch­ten­der Zivi­lis­ten nur noch im Osten ein guter Grund war, stand­zu­hal­ten und weiterzukämpfen.

Man muß wis­sen, wann der Mensch kei­ne Chan­ce mehr hat. Wenn nun heu­te ein Krieg Gestalt annimmt, in dem (mit patrio­ti­schem Impuls ent­wi­ckel­te) Sys­te­me auf die Sys­te­me des Fein­des tref­fen, müs­sen unse­re jun­gen Män­ner nicht als Relik­te »im Fel­de« ihren Dienst versehen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (4)

Ein gebuertiger Hesse

19. Juni 2026 21:07

"Et si j’avais cent fils, ils auraient cent chevaux / Pour vite déserter le Sergent et l’Armée" (Paul Verlaine) 
Unter den heutigen Umständen umso mehr. Danke für diesen wichtigen Aufsatz.

Le Chasseur

19. Juni 2026 21:52

"Wenn aus dünnen Jahrgängen 350 000 Männer verlorengehen (auf jeder Seite so viele), wird es wohl Zeit, auf technischen Ersatz zu bauen."
Oder man wirbt Kanonenfutter aus dem Ausland an, das mit dem Geld der europäischen Steuerzahler bezahlt wird: https://www.telepolis.de/article/Bis-zu-11-000-Dollar-Sold-Ukraine-wirbt-Auslaender-mit-EU-Milliarden-an-11331499.html
 
 

Christa

19. Juni 2026 22:02

Wer für den Einsatz von Drohnen zu Kriegszwecken ist, kann nicht gleichzeitig Verfechter der sog. Demokratie sein ... Habe ich das falsch verstanden?! Ius in bello  bzw. das sonst so hochgelobte Völkerrecht steht dem in ethischer Hinsicht entgegen. 
Purer Euphemismus. Auf dem Weg zum Totalitarismus.
 
 

Dieter Rose

19. Juni 2026 22:02

Spannend und interessant wird es, wenn die anderen Seiten - wodurch auch immer - in den Besitz von Konstruktionsunterlagen und Knowhow dieser Systeme gelangen. Gibt es dann ein Patt oder muss einer schnell sein und den ersten Schlag zur Auslöschung des Anderen ausführen?