Mit Boomern leben

von Wiggo Mann -- Betrachtete man einen in seiner Substanz gefährdeten Staat wie ein Unternehmen, könnte man diskutieren, welche strafrechtlichen Konsequenzen anwendbar wären, wenn er finanziell mit Karacho gegen die Wand fährt, wie seinerzeit der legendäre Jürgen Schneider mit seinem Immobilien-Imperium.

Je nach kon­kre­tem Sach­ver­halt käme gege­be­nen­falls Ein­ge­hungs­be­trug nach § 263 StGB in Betracht, wenn über die wirt­schaft­li­che Lage getäuscht wur­de. Even­tu­ell auch Kre­dit­be­trug (§ 265b StGB), Insol­venz­ver­schlep­pung (§ 15a InsO), oder Bank­rott (§ 283 StGB) sofern man „Bestand­tei­le sei­nes Ver­mö­gens (…) bei­sei­te schafft oder ver­heim­licht oder in einer den Anfor­de­run­gen einer ord­nungs­ge­mä­ßen Wirt­schaft wider­spre­chen­den Wei­se zer­stört, beschä­digt oder unbrauch­bar macht.“ Die Haft­stra­fen wären erheb­lich. Sind aber rei­ne Theorie.

Poli­ti­ker einer Regie­rung sind kei­ne Geschäfts­füh­rer. Laut Grund­ge­setz sind sie „Ver­tre­ter des gan­zen Vol­kes“. Sie besit­zen ein frei­es Man­dat und sind nicht an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen gebun­den. Nicht ein­mal an ihre eige­nen Pro­gram­me. Im Gegen­teil. Arti­kel 38 des Grund­ge­set­zes ver­hin­dert gera­de­zu, dass man Poli­ti­ker für die Inhal­te eines Wahl- oder Par­tei­pro­gramms haft­bar machen kann.

Der Wäh­ler hat kei­ne Gewähr­leis­tungs­rech­te. Die gibt es nur bei Frisch­kä­se und Autos. Wenn ein Elek­tro­mo­bil 18% weni­ger Reich­wei­te hat, dann kann man sein Fahr­zeug zurück­ge­ben, sagt das Land­ge­richt Wup­per­tal. Leu­te, denen man die Ver­ant­wor­tung für einen gan­zen Staat über­trägt, dür­fen dage­gen machen, was sie wol­len. Nennt sich „Unse­re­de­mo­kra­tie“.

Die­ses Ach­sel­zu­cken ist ver­mut­lich die Selbst­recht­fer­ti­gung vie­ler Wäh­ler der deut­schen Regie­run­gen über die letz­ten zwei Jahr­zehn­te. Gekop­pelt mit purem Ego­is­mus. Durch Exter­na­li­sie­rung einer kogni­ti­ven Dis­so­nanz wer­den nega­ti­ve Kon­se­quen­zen einer Wahl­ent­schei­dung nicht mehr als per­sön­li­che Schuld erlebt. Die psy­cho­lo­gi­sche Hemm­schwel­le sinkt. Die Wahr­schein­lich­keit zur Wie­der­ho­lung steigt. Par­tei­en­kar­tell und kein Ende.

Der Kana­di­er Albert Bandu­ra wird zu den ein­fluss­reichs­ten Psy­cho­lo­gen des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts gezählt und hat die­se Phä­no­me­ne – aller­dings abseits von Poli­tik – erforscht. Das von ihm beschrie­be­ne Kon­zept des Moral Dis­en­ga­ge­ment führt zur Beschö­ni­gung eige­ner Hand­lun­gen, zu mora­li­scher Recht­fer­ti­gung und Ver­harm­lo­sung von Fol­gen, bis hin zur Ent­mensch­li­chung von Geschä­dig­ten. Die Eska­la­ti­on der Recht­fer­ti­gung, der soge­nann­te Slip­pery Slo­pe, macht das absur­de Behar­ren der Kar­tell­wäh­ler noch ein­fa­cher: „Jetzt reicht’s. Die­ses Mal wirk­lich CDU/SPD/Grüne.“

Womit wir beim The­ma Boo­mer wären. Der Slip­pery Slo­pe unse­rer Boo­mer ist, neben den Ent­schei­dun­gen weib­li­cher Wäh­ler, der wesent­li­che empi­ri­sche Grund für die gru­se­li­ge Kon­ti­nui­tät deut­scher Regie­run­gen und somit für den sich abzeich­nen­den Total­scha­den unse­res Landes.

Ok, Boo­mer. Heu­te in aller Mun­de, war die Defi­ni­ti­on „Boo­mer“ (als Bezeich­nung der zwi­schen 1945 und 1965 Gebo­re­nen) lan­ge nur den Sta­tis­ti­kern und Sozio­lo­gen vor­be­hal­ten. Wie ent­stand der Hype um den Begriff?

Alles begann 2008 in einem japa­ni­schen Tier­heim. Die Kin­der­gärt­ne­rin Atsuko Sato adop­tier­te dort einen Shi­ba namens Kabo­su. Auf Social Media pos­te­te sie einen Schnapp­schuss des Hun­des auf der Couch. Läs­sig über­kreuz­te Pfo­ten, skep­tisch hoch­ge­zo­ge­ne Augen­brau­en, seit­li­cher Blick. Ein Sym­bol über­le­ge­ner Kon­tem­pla­ti­on? Der Hund wur­de zur Meme-Vor­la­ge ver­schie­dens­ter Repli­ken. Nach­dem Inter­net-Archäo­lo­gen die Wor­te „Ok, Boo­mer“ das ers­te Mal im Jahr 2013 auf Red­dit ent­deck­ten, wuch­sen Hund und Text zusam­men. Als Meme-Reak­ti­on einer ver­zwei­fel­ten Erschöp­fung der jun­gen Generation.

Brei­te Popu­la­ri­tät bekam die Boo­mer-Kenn­zeich­nung 2019 durch eine Abge­ord­ne­te aus Neu­see­land. Chlöe Swar­brick for­der­te in einer Rede mehr Bemü­hung des Staa­tes gegen den Kli­ma­wan­del. Sie kri­ti­sier­te dabei das rela­tiv hohe Durch­schnitts­al­ter der Par­la­men­ta­ri­er und wur­de vom Kol­le­gen Todd Mull­er harsch unter­bro­chen. Ihre Ant­wort an Mull­er war der end­gül­ti­ge Mul­ti­pli­ka­tor: „Ok, Boomer“.

Ist es fair, zum Nie­der­gang Deutsch­lands eine gan­ze Gene­ra­ti­on unter Gene­ral­ver­dacht zu stel­len? Natür­lich nicht. Sind auch klu­ge und ver­söhn­li­che Leu­te dazwi­schen. Aber die Sta­tis­tik ist ein­deu­tig: Hier ist ein Kern Unbe­lehr­ba­rer, die sich über Jahr­zehn­te fest­ge­bis­sen haben. Zum Nach­teil des Landes.

Ver­mut­lich wird es in Deutsch­land nie wie­der eine älte­re Gene­ra­ti­on geben, die so kom­for­ta­bel und abge­si­chert leben kann. Die Aus­wüch­se des Appa­ra­tes unse­rer 5,5 Mio Staats­be­diens­te­ten sto­ßen eben­falls an eine glä­ser­ne Decke. Auf der heu­ti­gen Gene­ra­ti­on von Rent­nern und Pen­sio­nä­ren ver­eint sich erst­mals in der Geschich­te die höchs­te Lebens­er­war­tung nach Ende der Arbeits­bio­gra­phie und die höchs­te medi­zi­ni­sche Leis­tungs­fä­hig­keit der Gesund­heits­in­dus­trie inklu­si­ve maxi­ma­ler Aus­wei­tung des Pflegesystems.

Die Gesund­heits­aus­ga­ben sind seit 1992 um 162% ange­stie­gen. Erstaun­li­che 12% des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes flie­ßen in die­sen Zweig. Mit 4,7 Ärz­ten und 7,7 Kran­ken­haus­bet­ten pro 1000 Ein­woh­nern liegt Deutsch­land in fast jedem Maß­stab an der Spit­ze. Die Alters­ko­hor­te Ü80 erzeugt 5- bis 10-fach höhe­re medi­zi­ni­sche Kos­ten als der durch­schnitt­li­che Pati­ent. Das war der Gip­fel. Ab jetzt geht’s berg­ab, wie die „Refor­men“ aus Ber­lin bereits zeigen.

Das Median­ver­mö­gen liegt in den Boo­mer-Jahr­gän­gen bei Wer­ten ober­halb 200.000 Euro durch gutes Lebens­ein­kom­men, schul­den­freie Eigen­hei­me und Betriebs­ren­ten – da sind die staat­li­chen Alters­zu­wen­dun­gen noch nicht ein­mal enthalten.

Der Ver­mö­gens­me­di­an über alle deut­schen Haus­hal­te beträgt dage­gen nur trau­ri­ge 100.000 Euro. Damit liegt die deut­sche Bevöl­ke­rung laut Euro­päi­scher Zen­tral­bank („House­hold Finan­ce and Con­sump­ti­on Sur­vey“) weit hin­ter Frank­reich, Spa­ni­en oder Ita­li­en. Knapp vor Grie­chen­land, das wir im Jahr 2010 mit bila­te­ra­len Kre­di­ten im Wert von 15 Mrd Euro und einem Haf­tungs­ri­si­ko von zeit­wei­se 80 Mrd Euro ret­ten durf­ten.

Machen wir uns nichts vor: Die Boo­mer hin­ter­las­sen den kom­men­den Gene­ra­tio­nen eine Kata­stro­phe. Im gesam­ten Wes­ten, aber ins­be­son­de­re in Deutsch­land. Selbst die auf diplo­ma­ti­sche For­mu­lie­run­gen bedach­te mul­ti­na­tio­na­le OECD (Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung) kon­sta­tiert in ihrem „Employ­ment Out­look 2025“:

Älte­re Gene­ra­tio­nen (…) haben seit Mit­te der 1990er-Jah­re in den meis­ten OECD-Län­dern von einem stär­ke­ren Ein­kom­mens­wachs­tum pro­fi­tiert als jun­ge Erwachsene.

Gleich­zei­tig ste­hen jün­ge­re Gene­ra­tio­nen vor erheb­li­chen Hür­den beim Ver­mö­gens­auf­bau, und Wohn­ei­gen­tum wird für vie­le zuneh­mend unerschwinglich.

Die Ein­kom­mens­lü­cke beim äqui­va­li­sier­ten ver­füg­ba­ren Haus­halts­ein­kom­men zwi­schen älte­ren Men­schen im Erwerbs­al­ter und jun­gen Erwach­se­nen hat sich seit Mit­te der 1990er-Jah­re in den meis­ten OECD-Län­dern vergrößert.

Die sozia­len Aus­wir­kun­gen der Auf­lö­sung des Gene­ra­tio­nen­ver­trags sind dra­ma­tisch. Wer sich per­spek­ti­visch kein Haus leis­ten kann, will auch kei­ne Kin­der, sagt die OECD in einem wei­te­ren Report mit dem Titel „Socie­ty at a Glan­ce“:

Für jun­ge Men­schen ist es schwie­ri­ger gewor­den, finan­zi­ell unab­hän­gig zu wer­den und auf dem Arbeits- und Woh­nungs­markt Fuß zu fas­sen. Stei­gen­de Wohn­kos­ten wir­ken sich zudem nach­weis­lich nega­tiv auf die Gebur­ten­ra­te aus.

Ein OECD-Report über „House­hold Wealth“ prä­sen­tiert die Beschrei­bung der Ver­mö­gens­lü­cke für zukünf­ti­ge Gene­ra­tio­nen noch düsterer:

Die Ana­ly­se zeigt zudem erheb­li­che Ver­mö­gens­un­ter­schie­de zwi­schen ver­schie­de­nen Bevöl­ke­rungs­grup­pen, ins­be­son­de­re zwi­schen jün­ge­ren und älte­ren Gene­ra­tio­nen. (…) …ein Trend, der die Ver­mö­gens­un­gleich­heit wei­ter ver­schär­fen könnte.

Wenn wir ehr­lich sind, ist das alles längst bekannt. Nicht seit der letz­ten Wahl. Son­dern seit min­des­tens ein bis zwei Jahr­zehn­ten. Ste­ve Ban­non, der genia­le Ana­ly­ti­ker und Spin Doc­tor, hat die Zuhö­rer an der Uni­ver­si­tät Oxford bereits 2018 mit dem The­ma so nach­drück­lich kon­fron­tiert, wie es wohl nur jemand kann, der in sei­ner Vita unter­schied­li­che Posi­tio­nen von Sol­dat, Film­pro­du­zent, Invest­ment­ban­ker, Medi­en-Vor­stand und Polit­be­ra­ter vereint.

Sein impli­zi­ter Auf­ruf zu einer Revo­lu­ti­on der Jugend beein­druck­te die jun­gen Stu­den­ten erkenn­bar, obwohl sie sich fest vor­ge­nom­men hat­ten, den „Rechts­extre­mis­ten“ doof zu finden:

Denkt dar­an, was die Eli­ten dem Finanz­sys­tem ange­tan haben: Durch die enor­me Über­schul­dung und den Anstieg der Asset-Bewer­tun­gen haben sie die Mil­len­ni­als und die Gene­ra­ti­on Z im Grun­de zu Leib­ei­ge­nen gemacht. Ihr seid bes­ser ernährt, bes­ser geklei­det, gesün­der und habt mehr Zugang zu Infor­ma­tio­nen – aber ihr besitzt nichts und wer­det auch nichts besitzen.

War­um glaubt ihr, dass das Leben im Sili­con Val­ley, in New York oder in Lon­don so teu­er ist? Das wird eure Gene­ra­ti­on ver­ar­men las­sen. Die Sta­tis­ti­ken sind schon heu­te ein­deu­tig: Men­schen Mit­te zwan­zig ste­hen im Durch­schnitt rund 20 % schlech­ter da als ihre Eltern im glei­chen Alter.“

Ihr besitzt kei­ne Ver­mö­gens­wer­te und wer­det vor­aus­sicht­lich auch kei­ne besit­zen – außer dem, was ihr ein­mal erbt. Aus eige­ner Kraft könnt ihr kaum Ver­mö­gen auf­bau­en. Spa­ren lohnt sich prak­tisch nicht, und ein Eigen­heim könnt ihr euch nicht leisten.

Den meis­ten ist bewusst, dass sie nur zwei Gehalts­schecks vom finan­zi­el­len Absturz ent­fernt sind.

Tja. Reich Erben, oder arm ster­ben. Und da war KI mit der gro­ßen Aka­de­mi­ker-Kri­se noch kein The­ma. Boo­mer haben ange­rich­tet, was die jun­ge Gene­ra­ti­on aus­löf­feln darf. Und sie schä­men sich nicht ein­mal dafür.

Fünf Jah­re vor Ban­nons Oxford-Rede konn­te man das The­ma bereits unter dem Titel „Das Kapi­tal – im 21. Jahr­hun­dert“ nach­le­sen. Der fran­zö­si­sche Öko­nom Tho­mas Piket­ty ent­wi­ckel­te die For­mel „r>g“, was zum Aus­druck brin­gen soll, dass zukünf­tig die Ver­zin­sung von Ver­mö­gen (return on capi­tal) noch wich­ti­ger wird, als die Stei­ge­rung von leis­tungs­be­zo­ge­nem Lohn (growth of inco­me): «Le pas­sé dévore l’avenir. »

Die Ver­gan­gen­heit ver­schlingt die Zukunft. Hier sind Piket­ty und Ban­non einig, obwohl sie in ihren Emp­feh­lun­gen als spie­gel­bild­lich gese­hen wer­den kön­nen. Piket­tys lin­ke Ideen lau­ten a) Steu­ern, b) mehr Steu­ern und c) inter­na­tio­na­le Steu­ern. Ban­non sieht das Pro­blem hin­ge­gen nicht in einem Man­gel an Abschöp­fung, son­dern in einem Man­gel an Kon­trol­le der Staatsfinanzen.

Dabei ist Ban­non kein Liber­tä­rer, son­dern ver­kün­det „I belie­ve in govern­ment“. Er glaubt jedoch nicht, dass der heu­ti­ge Staat ver­ant­wor­tungs­voll mit dem Geld der Bür­ger umgeht. Die Ret­tung von Ban­ken oder schwä­cheln­den Län­dern, Bil­lio­nen für fer­ne Krie­ge, die Finan­zie­rung supra-natio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen oder natio­na­ler NGOs, die Kli­ma-Psy­cho­se und die offe­nen Gren­zen füh­ren zu einem Ader­lass, der effek­ti­ves Wirt­schaf­ten unmög­lich macht. Sogar dann, wenn der Staat die Ein­nah­men erhöht, indem er (wie bei unse­rer Strom-Rech­nung) auch noch Steu­ern auf Steu­ern kassiert.

All das hät­ten die Boo­mer wis­sen kön­nen. Es hät­te zu einer brei­ten Dis­kus­si­on und zu dis­rup­ti­ven Lösungs­an­sät­zen füh­ren müs­sen. Statt­des­sen zwei Jahr­zehn­te Augen zu und durch. Merz oder Mer­kel, Haupt­sa­che SPD – könn­te man in Anleh­nung an ein Zitat des Fuß­bal­lers Andy Möl­ler formulieren.

Erstaun­lich, dass die jun­ge Gene­ra­ti­on nicht wüten­der ist und die Boo­mer deut­li­cher auf ihre Ver­ant­wor­tung hin­weist. Liegt es dar­an, dass es oft Eltern, Ver­wand­te, älte­re Freun­de, Ver­eins­kol­le­gen sind, die man dann mit ihren Feh­lern kon­fron­tie­ren müss­te? Wol­len wir das letz­te Quänt­chen Zusam­men­halt in der Gesell­schaft und dem pri­va­ten Umfeld bewusst nicht gefähr­den, oder fehlt nur Mut?

Boo­mer sind oft­mals freund­li­che, aber stu­re Wie­der­ho­lungs­tä­ter, die das Leben der nächs­ten Gene­ra­tio­nen weni­ger zu inter­es­sie­ren scheint, als ein Kom­men­tar aus dem Pres­se-Team des Bun­des­kanz­lers zur Fuß­ball-WM. Ken­nen Sie einen Boo­mer, der sich für sein letz­tes Kreuz­chen und die lan­ge Igno­ranz ent­schul­digt hat? Doch, einer hat es gemacht. Er schreibt:

Die letz­ten drei­ßig Jah­re waren ein poli­ti­sches Desas­ter. Für Men­schen mei­ner Gene­ra­ti­on ist es leicht, in einem längst abbe­zahl­ten Eigen­heim zu sit­zen – einem Haus, das wir einst für einen Bruch­teil sei­nes heu­ti­gen Wer­tes gekauft haben – und den jun­gen Men­schen die Schuld für ihre Lage zu geben. Ich wer­de das nicht tun. Ja, es gibt immer Leu­te, die das Sys­tem aus­nut­zen. Die gab es schon, als ich jung war. Aber die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der jun­gen Män­ner und Frau­en in unse­rem Land will nichts ande­es, als hart arbei­ten, sich ein eige­nes Leben auf­bau­en und eine Fami­lie gründen.

Es ist nicht ihre Schuld, dass die Infla­ti­on wei­ter steigt, die Löh­ne nicht mit­hal­ten, der Woh­nungs­markt gegen sie arbei­tet, explo­die­ren­de Ener­gie­kos­ten alles ver­teu­ern, ihre Innen­städ­te ver­fal­len und kaum noch Per­spek­ti­ven bie­ten, har­te Arbeit zu Tode besteu­ert wird und Mil­lio­nen Migran­ten aus der Drit­ten Welt Vor­rang vor ihnen erhal­ten. Wir schi­cken sie ohne über­zeu­gen­den Grund an die Uni­ver­si­tät – und belas­ten sie anschlie­ßend mit absurd hohen Kre­di­ten und Zin­sen, die letzt­lich nichts ande­res sind als eine wei­te­re Steu­er. Das ist nicht ihre Schuld. Das ist unse­re. Mei­ne Gene­ra­ti­on soll­te end­lich Ver­ant­wor­tung für das Cha­os über­neh­men, das wir hin­ter­las­sen haben.

Und wir soll­ten ehr­lich dar­über spre­chen, wel­che Opfer nötig sein wer­den, um die­ses Land wie­der in Ord­nung zu brin­gen. Denn wir hat­ten es leicht. Bezah­len wer­den unse­re Kin­der und Enkel. Unse­re gewal­ti­ge Staats­ver­schul­dung ist eine Schan­de für mei­ne Gene­ra­ti­on. Eine ech­te Schan­de. Wir haben uns eine Schein­welt geschaf­fen – finan­ziert mit Schul­den und frisch gedruck­tem Geld. Das ist ein gigan­ti­scher Etikettenschwindel.

Ich emp­fin­de dafür Ver­ant­wor­tung. Und ich ver­su­che, mei­nen Bei­trag zu leis­ten. Mein Ziel ist es, ein bes­se­res Land zu hin­ter­las­sen, als das, das wir selbst über­nom­men haben. Ein Land, in dem jun­ge Män­ner und Frau­en wie­der dar­an glau­ben kön­nen, eine Fami­lie zu grün­den und sich eine Zukunft aufzubauen.

Die­ses kur­ze Boo­mer-Mani­fest stammt von Rupert Lowe, dem Vor­sit­zen­den der eng­li­schen Par­tei „Res­to­re Bri­tain“. Es lässt an Deut­lich­keit und ehr­li­cher Ein­ord­nung nichts zu wün­schen übrig. Hof­fen wir, dass die Kom­mis­si­on zur Erar­bei­tung des neu­en Grund­satz­pro­gramms der AfD sich mit sol­chen Bau­stei­nen der stra­te­gi­schen Mar­ken­füh­rung beschäf­tigt, statt den Dis­kurs wei­ter mit schil­lern­den Sei­fen­bla­sen wie „libe­ral und kon­ser­va­tiv“ zu füllen.

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Kommentare (6)

Dietrichs Bern

9. Juli 2026 13:24

Naja, ich bin alterstechnisch wohl gerade raus aus der Klassifizierung, aber ich kann damit auch wenig anfangen. Man kann der Altersgruppe vielleicht eine Gewisse Naivität gegenüber der nackten Boshaftigkeit des linken Marsches durch Institutionen mit all seinen Folgen attestieren. Aber als ich 2005 in die CDU eintrat und dieser seltsam verhuschten Frau ohne Redetalent und Charisma begegnet bin, konnte ich mir ihre Zerstörungskraft auch nicht vorstellen, so bleibt dieser rund 2 Jahre andauernde Lernprozess eine Episode. An den Autor gewandt: Hinterher ist man immer schlauer.

Majestyk

9. Juli 2026 13:33

Aufhetzen der Jugend gegen die Alten und antikapitalistische Stimmungsmache kommt mir bekannt vor. Kommt aber davon, wenn man nur in Gruppen und nicht in Individuen denken kann.
Ich würde ja mal die Lebensleistung eines solchen "Boomers" (bin selber keiner) mit der Leistung und dem Leistungswillen von U-30 vergleichen. Die Boomer holten im Fußball WM und EM Titel. Was schafft die heutige Jugend?
Die Gesundheitsausgaben und die Staatsquote sind gestiegen, weil Deutschland zunehmend sozialistischer geworden ist. Darauf mit Umverteilungsphantasien antworten machen schon Linke. Dazu braucht es keine ähnlich klingenden Vorschläge von Rechts. 
"Hoffen wir, dass die Kommission zur Erarbeitung des neuen Grundsatzprogramms der AfD sich mit solchen Bausteinen der strategischen Markenführung beschäftigt, statt den Diskurs weiter mit schillernden Seifenblasen wie „liberal und konservativ“ zu füllen."
Von mir aus. Wird sicher ein Verkaufsschlager bei Boomern, Gen X, Liberalen, Konservativen, Unternehmern und Leuten, die sich Wohlstand erarbeitet haben. Irgendwann schafft Ihr es schon die AfD auf links zu drehen. Wird ein schönes Beispiel für eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Laurenz

9. Juli 2026 13:47

Die meisten Mitbürger können abstrakte Zahlen zwar lesen, aber nicht verstehen. Deswegen griffen die Briten bei ihrer Propaganda gegen Bonaparte zu grausamen Einzelschicksalen, weil Massen an Toten dem Normalsterblichen nichts sagen. Das wird bis heute so praktiziert. Auch ein Scholz, Habeck, Klingbeil wissen nicht, was 100 Mrd. € sind. Falls hier mir einer die Frage stellen sollte, was 100 Mrd. € sind. Ich sehe die als Bild, nicht als Zahl, vor mir.

Majestyk

9. Juli 2026 13:56

„I believe in government"
Das ist das Problem und ich persönlich vertraue niemandem, der sich mehr Regierung wünscht. 
Im Grunde sind die rechten Vordenker ja genau wie die linken Intellektuellen. Viel Geld haben, leichte Arbeit, aus einem schlechten Gewissen heraus woke Ideen entwickeln und glauben man hätte den Stein der Weisen gefunden. Ich empfehle 60 Wochenstunden harte körperliche Arbeit über Jahre. Danach hat man keine Flausen mehr im Kopf, denkt nicht mehr in Ideologien und braucht auch keinen Psychologen.
Ich bin für eine Gegenschrift und dafür endlich mal klarzustellen, wer wirklich die Probleme verursacht oder notfalls sogar welche erfindet. Es sind die Akademiker und Intellektuellen.

MARCEL

9. Juli 2026 13:59

Niemand kann etwas für seine Generation.
Und doch: Die Boomer, eine Generation der Selbstverständlichkeiten, von der Wiege bis zur Bahre:
selbstverständlich bleibt der Wohlstand, selbstverständlich reicht die Rente, selbstverständlich meint es der Staat immer gut, selbstverständlich ist man stets weltoffen, selbstverständlich ist man einer Meinung, selbstverständlich lässt sich Russland alles gefallen, selbstverständlich sollen die Jungen jetzt mal ran in der Ukraine! Selbstverständlich wird es uns nicht treffen und wenn, dann hauen uns die Amerikaner selbstverständlich wieder raus etc.
Und dann noch das unvergessene Bonmot von Ex-Kanzler Kohl: die Gnade der späten Geburt!
Für alle Nach-Boomer sei ergänzt: Der Fluch der noch späteren Geburt!

Ein gebuertiger Hesse

9. Juli 2026 14:12

DER Satz dieses Artikels:
"Machen wir uns nichts vor: Die Boomer hinterlassen den kommenden Generationen eine Katastrophe."