Wahlanalyse Berlin

Auch die Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat einmal mehr gezeigt, dass die vormals stabilen Strukturmuster der alten Parteiordnung nicht mehr gelten.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Die Bun­des­haupt­stadt besitzt eine poli­ti­sche Kul­tur, die sich nur begrenzt mit jener in den deut­schen Flä­chen­län­dern ver­glei­chen lässt. Was anders­wo als Stadt-Land-Gegen­satz erscheint, ver­dich­tet sich hier auf weni­gen Kilo­me­tern zu einem Neben­ein­an­der gesell­schaft­li­cher und kul­tu­rel­ler Wel­ten. Zwi­schen Fried­richs­hain-Kreuz­berg und Mar­zahn-Hel­lers­dorf lie­gen kei­ne hun­dert Kilo­me­ter Pro­vinz, son­dern nur eini­ge S‑Bahn-Sta­tio­nen. Poli­tisch sind es jedoch inzwi­schen recht unter­schied­li­che Welten.

In die­ser Atmo­sphä­re erwei­sen sich die Groß­kon­flik­te der Moder­ne als Beschleu­ni­ger einer räum­li­chen Frag­men­tie­rung. Her­kunft, Alter, Bil­dung, Wohn­form, Lebens­stil und öko­no­mi­sche Sicher­heit ver­dich­ten sich zuneh­mend zu geo­gra­phisch sicht­ba­ren Wahlmilieus.

Die Lin­ke wur­de mit 25,7% zur stärks­ten Kraft, die CDU fiel auf 18,8% (das dritt­schlech­tes­te Ergeb­nis in der Geschich­te einer Ber­lin-Wahl, die AfD erreich­te mit 16,3% ihr bis­lang bes­tes Ber­li­ner Ergeb­nis, wäh­rend Grü­ne und SPD auf 14,3 bezie­hungs­wei­se 12,1% zurück­gin­gen und maß­geb­lich von der Links­par­tei als neue domi­nie­ren­de Kraft des Mit­te-Links-Spek­trums abge­löst wurden.

Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung erreich­ten CDU und SPD 1990 zusam­men mehr als 70% in Ber­lin. Inzwi­schen ist die­ser Anteil auf 30% zusam­men­ge­bro­chen. Hier zeigt sich inner­halb eines räum­li­chen Brenn­gla­ses die Ero­si­on der alten Kräf­te der Volks­par­tei­he­ge­mo­nie und ihre Ver­schie­bung hin zu neu­en par­tei­po­li­ti­schen Fak­to­ren. Dies zeich­net sich, wie bereits ein­gangs geäu­ßert, in einer räum­li­chen Dimen­si­on ab, die vor­mals alte geo­gra­phi­sche Dif­fe­ren­zen zwi­schen Ost vs. West zuneh­men in Rich­tung Innen­stadt­kern vs. Außen­be­zir­ke verschiebt.

Im stark ver­dich­te­ten Zen­trum domi­nie­ren Lin­ke und teil­wei­se Grü­ne. Im wohl­ha­ben­de­ren Süd­wes­ten kann sich die CDU hal­ten. Im Osten und Nord­os­ten gewin­nen AfD und teil­wei­se BSW an Gewicht. Das alte Ost-West-Sche­ma wird dadurch zwar nicht auf­ge­ho­ben, aber von einer Zen­trum-Peri­phe­rie-Ach­se zuneh­mend über­la­gert. Wäh­rend Die Lin­ke inner­halb des S‑Bahn-Rings auf 35,2% der Zweit­stim­men klet­ter­te, ver­zeich­ne­te sie außer­halb nur 22%. In inner­städ­ti­schen Wahl­krei­sen wie Neu­kölln und Mit­te durch­brach Die Lin­ke gar die Mar­ke von 50 %.

Inner­halb des lin­ken Spek­trums voll­zieht sich gleich­zei­tig ein Gene­ra­ti­ons­wech­sel. Die Grü­nen ver­lie­ren gera­de jene Milieus, deren poli­ti­sche Hei­mat sie im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt gewor­den waren. Die Lin­ke erreicht 43% bei den 16- bis 24-Jäh­ri­gen und 49% bei den 25- bis 34-Jäh­ri­gen. Bei jun­gen Frau­en liegt sie ins­ge­samt über 50%. Die Grü­nen fal­len in die­sen Alters­grup­pen zwar deut­lich zurück, aber lie­gen den­noch auf hohem Niveau.

Ins­ge­samt muss man hier kon­sta­tie­ren, dass in der Bun­des­haupt­stadt mehr als 80% der jun­gen Frau­en zwi­schen 16–24 Jah­ren Par­tei­en am links­pro­gres­si­ven Rand wäh­len. Die­se Geschlech­ter­lü­cke zeig­te sich unter Jung­wäh­lern auch schon bei ver­gan­ge­nen Wah­len, aber bil­det sich in Ber­lin noch­mals in einer extre­me­ren Pola­ri­sie­rung ab. Die Lin­ke konn­te sich durch eine kon­se­quen­te Zuspit­zung der Mie­ten­fra­ge („Ent­eig­nung“) und eine aggres­si­ve Akti­vie­rung migran­ti­scher Wäh­ler­po­ten­tia­le durch den Nah­ost-Kon­flikt als die kom­pro­miss­lo­se­re Pro­jek­ti­ons­flä­che für das fort­schritts­gläu­bi­ge, staat­lich ali­men­tier­te Pre­ka­ri­at der Innen­stadt etablieren.

Die Lin­ke ver­bin­det in Ber­lin eine Wäh­ler­ko­ali­ti­on, deren poli­ti­sche Inter­es­sen nicht zwangs­läu­fig iden­tisch sein müs­sen. Einer­seits jun­ge, hoch­ge­bil­de­te Groß­stadt­mi­lieus und öko­no­misch ver­un­si­cher­te Wäh­ler ande­rer­seits. Unter for­mal Hoch­ge­bil­de­ten erreicht sie 30% und bei Per­so­nen mit nega­tiv ein­ge­schätz­ter eige­ner Wirt­schafts­la­ge 32%. Die Grü­nen gera­ten dadurch in eine struk­tu­rell schwie­ri­ge Lage. Sie blei­ben die Par­tei eines geho­be­nen Bil­dungs­seg­ments, ver­lie­ren aber ihre frü­he­re Exklu­si­vi­tät bei jun­gen Aka­de­mi­kern. Die Lin­ke tritt nun in den­sel­ben Quar­tie­ren auf, ist jün­ger, weib­li­cher und zugleich sozi­al­po­li­tisch schär­fer profiliert.

Im inner­städ­ti­schen Par­tei­en­wett­be­werb ver­schiebt sich damit die Ach­se von Grün gegen Schwarz zuneh­mend zu Lin­ke gegen ein frag­men­tier­tes übri­ges Feld. Die Lin­ke wird damit zur kul­tu­rell und demo­gra­fisch moderns­ten Par­tei eines beträcht­li­chen Teils der urba­nen Lin­ken. Ihre his­to­ri­schen Wur­zeln lie­gen zwar in der ost­deut­schen PDS und der west­deut­schen Sozi­al- und Gewerk­schafts­lin­ken aber ihre Ber­li­ner Wäh­ler­schaft 2026 wird dage­gen maß­geb­lich von jun­gen Frau­en, Aka­de­mi­kern und Stu­den­ten geprägt. Zugleich bleibt sie an anschluss­fä­hig an mate­ri­ell depri­vier­te Grup­pen. Gera­de die­se Ver­bin­dung unter­schei­det ihr neu­es Pro­fil von dem der Grü­nen, deren Wäh­ler­schaft sich immer noch ver­stärkt auf finan­zi­ell abge­si­cher­te Wohl­stands­grup­pen bezieht.

Wo sich die Mus­ter der AfD-Sozi­al­struk­tur in den Flä­chen­bun­des­län­dern meist recht ähn­lich sind, weicht dies zumin­dest im Rah­men der Alters­grup­pie­run­gen teil­wei­se erheb­lich ab. Sie ist in Ber­lin eben nicht pri­mär eine jun­ge Par­tei. Unter 45-Jäh­ri­gen bleibt sie unter ihrem Lan­des­er­geb­nis, ihre stärks­ten Wer­te erreicht sie im mitt­le­ren und höhe­ren Erwerbs­al­ter. Die stärks­ten Zuge­win­ne fährt sie in der Alters­grup­pe 60–69-Jahren ein.

Selbst jun­ge Män­ner wei­sen in Ber­lin kei­ne erhöh­te AfD-Affi­ni­tät auf. Dafür bleibt jedoch die sozio­öko­no­mi­sche Struk­tur ver­traut. 30% der Arbei­ter stim­men für die AfD. Bei mitt­le­rer und nied­ri­ger Bil­dung erreicht sie Wer­te zwi­schen 26–26%. Men­schen, die ihre wirt­schaft­li­che Lage als weni­ger gut oder schlecht bewer­ten, wäh­len sie mit 26% bei­na­he dop­pelt so häu­fig wie Per­so­nen, die ihre Lage posi­tiv einschätzen.

Bemer­kens­wert ist dar­über hin­aus die Wäh­ler­wan­de­rung. Die AfD erhält net­to rund 60.000 frü­he­re CDU-Wäh­ler aber zugleich 61.000 ehe­ma­li­ge Nicht­wäh­ler. Der Zuge­winn aus der poli­ti­schen Nicht­teil­nah­me ist somit min­des­tens eben­so bedeut­sam wie jener aus den CDU-Milieus.

Die Befür­wor­ter eines eher bür­ger­lich- und klas­sisch libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Kur­ses in der AfD, wer­den sich über die­se Wäh­ler­strö­me selbst­ver­ständ­lich bestä­tigt füh­len. Es gäbe somit offen­sicht­lich noch kla­re Mobi­li­sie­rungs­re­ser­ven bei der CDU, die nur durch einen eher zurück­hal­ten­den und bewusst „bür­ger­lich“ auf­tre­ten­den Kurs in Groß­städ­ten zu akti­vie­ren wäre.

Dabei ist die­se The­se in ihrer umge­kehr­ten Les­art noch gar nicht abschlie­ßend wider­legt, da es auch his­to­ri­sche Gegen­bei­spie­le wie die Repu­bli­ka­ner Ende der 80er Jah­re in Ber­lin und die Schill-Par­tei Anfang der 2000er in Ham­burg zei­gen, dass urba­ne Wahl­kämp­fe für rech­te Par­tei­en durch­aus viel Zuspit­zungs­po­ten­ti­al haben, da die poli­ti­schen Dys­funk­tio­na­li­tä­ten sehr kon­kret und nicht nur abs­trakt und ima­gi­niert auf­ge­zeigt wer­den können.


Ein Punkt über dem gestri­chel­ten inne­ren Kreis weist auf einen über­durch­schnitt­li­chen Zusam­men­hang in der Wäh­ler­schaft der jewei­li­gen Par­tei hin.

Man kann sich in der Ber­li­ner AfD natür­lich auch unter die­ser neu­en sozio­struk­tu­rel­len Bedin­gung einer über­durch­schnitt­li­chen Wäh­ler­mo­bi­li­sie­rung der über 60-Jäh­ri­gen nun mit einer Son­der­rol­le in der Par­tei begnü­gen. Ob dies aber am Ende auch die Erzäh­lung sein soll, die kom­men­den Kam­pa­gnen und das Außen­bild der Lan­des­par­tei prägt ist zumin­dest diskussionswürdig.

Mit klas­si­schen Sozi­al­the­men, die sich immer auch an eine iden­ti­täts­po­li­ti­sche Fra­ge­stel­lung rund um Gerech­tig­keit- und Ver­tei­lungs­fra­gen zwi­schen Deut­schen und Aus­län­dern ver­knüp­fen lie­ßen, hät­te man in Ber­lin womög­lich eben­falls eine Opti­on, um in neue Wäh­ler­mi­lieus aus­zu­grei­fen und bestehen­de Stamm­wäh­ler­mi­lieus zu verbreitern.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (29)

RMH

25. September 2026 09:22

Frage: Wurde, nachdem M.S. im Artikel zuvor bereits die ethnische Komponente der Wahl (oder besser: bestimmter Ethnien) gezeigt hatte, bei dieser Analyse jetzt bewusst auf dieses Element weitestgehend verzichtet (einen Satz dazu findet man ja)? Sie liest sich ansonsten so, als ob es keine Vielzahl an "Neuwählern" (im geringeren Maße durch Herabsetzung des Wahlalters und im höheren durch die unzähligen Einbürgerungen) gegeben hätte und ein Satz wie dieser in Bezug auf die Linken: 
".... ihre Berliner Wählerschaft 2026 wird dagegen maßgeblich von jungen Frauen, Akademikern und Studenten geprägt."
stellt dann die Frage im Hinblick auf die "Maßgeblichkeit", was die eingebürgerten jungen Frauen und die Studenten aus den migrantischen Millieus gewählt haben. Da wird wohl das Datenmaterial nicht genug hergeben, vermute ich.

Laurenz

25. September 2026 10:21

@DF ... Ihre Analyse hat einen gewaltigen Haken. Die Akademiker-Dichte bei der Ex-SED ist keine. Es handelt sich bei Linken meist um Bullshit-Studiengänge, die weder Mehrwert-Beschaffung vermitteln, noch nach Abschluß zur Erschaffung von Mehrwert befähigen. Philosophen, Theologen, ein großer Teil der Juristen, Soziologen, etcetc. sind keine echten Akademiker, vielleicht Intellektuelle, aber wer will das beurteilen? Der eigentliche politische Konflikt in den deutschen Stadtstaaten/-ländern, Berlin, Hamburg, Bremen, im weiteren Sinne das Saarland, findet zwischen Schmarotzern & Malochern statt. Die Schmarotzer haben in allen diesen Städten das Sagen. Deswegen weisen sie auch die höchste Länder-ProKopf-Verschuldung auf. Die einzige Entschuldigung, die man hier heranziehen kann, ist, daß viele Pendler, die in diesen Städten arbeiten, in einem anderen Bundesland ihre Steuern zahlen. Aber wie @RMH im letzten Artikel indirekt zu Recht bemerkte, produzieren Stadtstaaten zu hohe Kosten, ganz vorne liegt hier Bremen, eben weil Bremen sich 3 Berufsparlamente leistet, hier liegt die Landes-ProKopf-Verschuldung bei 37.418 €, in Berlin bei 17.980 €, in Hamburg bei 17.500 €, im Saarland bei 13.698 €, dann erst kommen NRW mit 10.900 & Schleswig-Holstein mit 9.592 €. Politische Lösungen sind hier extrem schwierig & funktionierten nur über eine Abschaffung von finanziellen Garantien des Bundes. Ohne Pump & Steuerknete anderer ist die Linke schnell tot.

Dietrichs Bern

25. September 2026 10:24

Mir fehlt bei dieser Analyse zuächst die Rolle der organisierten Kriminalität. Es sei denn, man will mir erzählen, dass die Kollegen nur rein zufällig da waren. 
Und: Wenn die Tatsache, dass ein Mitglied des Bundestages gezielt nach Polizei-Aktionen gegen Clans fragen kann,  ohne Konsequenzen, sollte einen - ich erinnere hier erneut an Stade- die Frage untreiben, inwieweit man sich mit der Überlegung für neue Wahlprogramme noch in der Wirklichkeit bewegt.

Mitleser2

25. September 2026 10:58

" .. mehr als 80% der jungen Frauen zwischen 16–24 Jahren Parteien am linksprogressiven Rand wählen."
und 
 "Die Linke konnte sich ...  als die kompromisslosere Projektionsfläche für das fortschrittsgläubige, staatlich alimentierte Prekariat der Innenstadt etablieren."
Also ganz grob, ca. 80% der jungen Frauen gehören zum staatlich alimentierten Prekariat? (Lassen wir mal Muslims außen vor). Was ist da passiert? Und warum wählen die links, wenn sie eh schon staatlich alimentiert sind? Wegen der Befürchtung, das zu verlieren?
 

fw87

25. September 2026 11:53

Dem letzten Abschnitt stimme ich zu. Das wäre ein in sich sinnvoller nächster Schritt, ohne sich zu verbiegen. Das Kernklientel der AfD halte ich für die untere Mittelschicht. Also die Arbeiterschicht, ein Begriff der heute aber nicht mehr ganz passt. 
Rolf Peter Sieferle charakterisiert die Sozialdemokratie als ein typisch deutsches Phänomen. Es würde doch lohnen, sich zu fragen, warum das so ist und ob man dem nicht etwas positives abgewinnen kann. Nach dem Krieg wollte Kurt Schumacher die SPD als "Sozialdemokratie von rechts" in Stellung bringen, also als wertkonservative, patriotische Partei mit sozialem Schwerpunkt. Allein die SPD hat dann natürlich einen völlig anderen Weg genommen.
Die Sozialdemokratie von rechts hätte für mich den Charme des Neuen. Im Gegensatz zu Kapitalismus und Sozialismus hat man das noch nicht probiert. Eine Idee, die in den Anfängen stecken blieb, die sich jedoch problemlos wieder aufgreifen und weiterdenken ließe. Die Sozialdemokratie von rechts könnte historische Irrwege der Rechten wie Darwinismus und Imperialismus von Anfang an vermeiden. Sie wäre die Gelegenheit, eine genuin deutsche Politiktradition aufzugreifen und in etwas positives zu transformieren.

Maiordomus

25. September 2026 12:23

@Laurenz. Was Sie über Leute sagen, die mal ein paar Semester oder auch Jahre an der Hochschule verbracht haben, trifft trotz unangemessener Polemik ,"Bullshit" , zu. Aber wahrscheinlich sind wir uns übe "echte Akademiker" nicht einig. Wissenschaftshistorisch gesehen waren die meisten Theologen,die Mehrheit, nicht zuletzt in Geschichte des Protestantismus, Akademiker. Bei Direktforschungen nach Quellen über die Geschichte des Thermometers sowie Newtons und Réaumuirs Nachwirkungen fiel mir auf, dass es Pfarrer waren, die sich als erste mit wissenschaftlicher Meteorologie befasst haben, galt auch für die Leserschaft der Erstausgabe von Newtons Hauptwerk. Und Theologen, die alle Bibelsprachen erarbeitet haben, incl. das Aramäische, waren in einem Ausmass Akademiker, was Sie sich in Ihrer vermeintlichen Besserwisserei nicht vorstellen könen. Jesuiten des 18. Jahrhunderts, denen Aufklärer und Atheisten Grundbildung verdankten, waren Akademiker. Sie waren bei Erforschung von Wärme und Kälte Spitze, berechneten barometrisch Bergeshöhen und nach einem besonders gut Bekannten aus meiner Nähe ist ein Mondkrater benannt, war Spitzenakademiker wie auch etwa die gelehrtesten Slowenen der Vergangenheit.      

Karl

25. September 2026 12:31

Die Analyse bleibt an bestimmten Stellen merkwürdig unvollständig: Die Begriffe „Clan“ und „Antisemitismus“ kommen nicht vor – obwohl sie nicht nur anekdotisches Beiwerk sind, sondern angeblich selbst den Koalitionsprozess belasten. K. Fegebank (Grüne, Hamburg) hat gewarnt: Eine Regierung, die von Antisemiten und Terrorunterstützern abhängig sei, dürfe es in Deutschland nicht geben; die Linke müsse sich klar distanzieren und parteiinterne Konsequenzen ziehen. Die SPD-Bundesführung hat parallel verlangt, dass Antisemitismus und Clan-Kriminelle „keinen Millimeter Platz“ bekommen. Das sind keine AfD-Talking-Points, sondern Vorbehalte aus dem potenziellen rot-grün-roten Lager selbst. 
Laut Forschungsgruppe Wahlen wählten 51 Prozent der muslimischen Befragten (Nachwahlbefragung) die Linke – 36 Punkte mehr als 2023. Unter Christen lag diese Partei bei 16–17 Prozent. In den Stimmbezirken korreliert ein höherer Anteil Deutscher mit Migrationshintergrund mit stärkeren Linke-Ergebnissen. Die Partei warb gezielt auf Arabisch und Türkisch. 
Dazu kommen die Ereignisse der Wahlnacht: Das Oberhaupt des Remmo-Clans, erschien auf der Neuköllner Linke-Wahlparty und erklärte, er fühle sich erstmals von einer deutschen Partei unterstützt. Fotos zeigen ihn zusammen mit einem PFLP-nahen Aktivisten. Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hatte zuvor Chat-Kontakt zu einem Remmo-Familienmitglied. Das LKA-Lagebild 2025 zählt 685 dem Clan-Milieu zugerechnete Personen und 952 Straftaten

Wuwwerboezer

25. September 2026 12:42

Das zugrundeliegende Phänomen ist u. E. weithin noch nicht mal gesehen, geschweige denn verstanden worden. Es trägt einen Namen und dieser heißt Proletarisierung.

Es dürften jetzt 60 % der Deutschen sein, die nur noch nackte Abscheu gegenüber einem Herrn mit Scheitel, Anzug und Aktenkoffer oder z. B. gegenüber einer Mittfünfziger-CDU-Mittelstandsschranze mit Dauerwelle in Peter Hahn aprico mit Prosecco-Glas auf dem Sommerfest der örtlichen IHK empfinden. Nach der - unerklärlich langen - Bewunderungs- (Traumschiff, Schwarzwaldklinik, Denver, Dallas ...) und dann Neidzüchtungsphase (Geißens ...) ist die Stimmung diesbezüglich in jakobinische Wut gekippt. Diese 60 % interessieren sich inzwischen nicht mehr die Bohne für Herren- oder Damenmode oder auch nur noch für die angesagtesten Turnschuhe und erst recht nicht für Wohnkultur, ja, nicht mal der IKEA-Katalog ist für sie inzwischen noch interessant. (Hinsichtlich des Neids ist nur noch eine einzige Position übriggeblieben, vorwiegend bei Männern: Neid auf schwere Autos, lediglich diese allerletzte Klaviatur klimpern sie immer noch hartnäckig durch.) Folgerichtig werden jetzt auch im TV nur noch Kumpeltypen und Kumpeltypsimulanten akzeptiert (alles schon gehabt in der DDR: dort war Manfred Krug der größte Kumpeltypsimulant). Pech für Herrenreiter Merz und Hobbyjäger (oh, auch hier welch déjà-vu! Adels-Nachäffer!) Amthor, die geradezu wie der Magnet die Eisenspäne den Haß der 60 % auf sich ziehen. Wie dissoziiert muß Merz sein, jetzt ausgerechnet Amthor aufzubauen!

Pech auch und gerade für Wüst, ihr werdet sehen! - denn diese Abscheu kennt kein Rechts-Links-Schema mehr, und dies wiederum wird auch die Herzogin von Oldenburg noch böse zu merken bekommen.

Siegmund bedient allein mit seiner ikonischen Billiggouda-Packung auf dem Küchentisch diesen Megatrend - nur: ob er eigentlich weiß, daß dieser Megatrend das Thema Grosser Oustousch verdrängt hat, daß der proletarische Internationalismus - jetzt absehbar - siegen wird; daß es von rechts her allein angesichts der Benzinpreise nicht gelungen ist und nicht mehr gelingen wird, die proletarische Wut auf das Heerlager der Heiligen hin zu kanalisieren?!

Ein anderer Aspekt hierbei ist die proletarische Sehnsucht nach Wärme und Herzlichkeit, welche nebenbei gesagt in der klassischen proletarisch-revolutionären Erzählung den proletarischen Helden immer mit Nachdruck künstlich angedichtet werden mußte, Anna Seghers war die Meisterin hierin. Es gibt hierbei eine Oben-Unten-Spaltung: das "höhere" sich immer noch gegen die Desillusionierung sperrende (Haferlatte-)Proletariat sah - fragt mich, warum - in Habeck diese Herzlichkeit verkörpert (wofür die Kommunikationsindustrie eigens den Topos "Nahbarkeit" erfand). Das "untere" Proletariat spaltet sich wiederum auf: ein Teil genießt mit der durchaus sehr herzlich und warm lächelnden und lachenden Erat den Tanz auf dem Vulkan - ebenso den Unsereins das Blut gefrieren lassenden Hintergrund ausblendend. Der andere (östliche, maskulinitätsgekränkte und noch tiefer desillusionierte) Teil orientiert sich an Typen wie Activist Man, Shlomo, Kellner, Barghoorn, Kirchner und Brandner, die sozusagen die Inkarnationen der Eiseskälte sind. Nicht gesund!

Leider reicht das küchenpsychologische Instrumentarium nicht so weit, um auch das Phänomen der Haßlust zu untersuchen, mit welcher ja neuerdings Stromberg wieder aus der Büchse geholt und vermutlich mit völlig anderen Augen als im Jahr 2010 angeschaut wird. Merz trägt ja den Spitznamen Stromberg ...

Majestyk

25. September 2026 13:21

@ Dietrichs Bern:
Deutschland gilt laut BKA und Interpol als wichtiger Rückzugsraum internationaler organisierter Kriminalität. Von Camorra über Ndrangheta, Russenmafia bis Triaden ist eigentlich alles hier versammelt. Rückzugs- und Logistikraum für Terrorismus ist man sowieso, die geben sich auch ein Stelldichein. Wenn ich Clan- oder Mafiaboss wäre, wen würde ich wohl politisch fördern mit all meinem Geld?
@ Mitleser2:
"Also ganz grob, ca. 80% der jungen Frauen gehören zum staatlich alimentierten Prekariat?"Man muß nicht zum Prekariat gehören, um staatlich alimentiert zu sein. Der Wasserkopf ist auch eine Form von Alimentierung. Und wer sitzt da vorwiegend?

Majestyk

25. September 2026 13:24

Ich habe einige grundsätzliche Fragen. Woher bezieht man die Daten, wer gerade was wählt, was er vorher gewählt hat, welches Einkommen er hat, welchen Beruf, welches Alter? Ich habe am Wahltag noch nie irgendwo persönliche Daten angegeben, woher will man so exakt wissen, wer was genau wählt? Sind solche Umfragen oder Exit Polls während der Wahl eigentlich legal und falls ja warum? Immerhin gilt doch angeblich Wahlgeheimnis. Wer gibt da wirklich ehrlich an, was er wählt und wie zuverlässig sollen die auf den Umfragen basierenden statistischen Berechnungen übers Wählerverhalten und Wählerwanderungen sein? Und wenn diese Berechnungen auf Umfragen basieren, woher stammen dann die Erkenntnisse über die Briefwähler? Sind Wahlumfragen nicht auch Wahlbeeinflußung? Warum gibt man so viel Geld für die Erforschung des Wahlverhaltens aus und welchen Nutzen hat man davon?

Claus Wolfschlag

25. September 2026 13:33

@Mitleser2
Die hier beschriebenen urbanen Milieus wählen doch nicht allein nach ökonomischen Interessen. Würden sie das tun, müssten sie z.B. das in diesen Milieus omnipräsente Klimaschutz-Narrativ zumindest mal kritisch prüfen. Viele Wahlentscheidungen passieren auch aus dem Bauchgefühl heraus. Und aus einem inneren Konformitätsdruck aus Selbstschutz. Bei den Frauen ist das ganze noch stärker ausgeprägt. 
Der Weg nach rechts ist vielen versperrt, da ihnen über viele Jahre hinweg in der Schule, den Universitäten, den Medien sowie im sozialen Umfeld beigebracht wurde, dass rechts = nationalsozialistisch = Hass und Gewalt = satanisch ist. Das ist in den Köpfen völlig verinnerlicht und wird auch nicht hinterfragt. Links hingegen wurde sozial, menschlich, moralisch geframed und verfängt vor allem bei Frauen mit ihrem Fürsorge-Anspruch. Und Frauen sind häufig viel schneller emotional und machen die Fensterläden für andere Argumente zu. Ich bin in der Vergangenheit schon jungen Frauen begegnet, die mit sofortigem Kontaktabbruch drohten, wenn ich ihnen weiter widersprechen würde. Bekannte haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein Kumpel, der gegenüber seiner linksakademischen Patentochter mal etwas kritisches zu CO2 äußerte, erhielt sinngemäß die Antwort: "Bitte jetzt keine Klimaleugner-Diskussion. Das ist ein No-Go."
Außerdem würden deutliche Abweichungen von diesem Konsens in diesem Milieu die Gefahr von Ärger und sozialer Isolierung mit sich bringen.

Claus Wolfschlag

25. September 2026 13:47

Nachtrag: Ich war zum Beispiel in diesem Jahr abends auf einer Party, auf der sich Vertreter eines solchen urbanen Milieus einfanden, zum Teil auch aus Berlin. Keine unsympathischen Menschen, und auch nicht mehr von dem hier behandelten jugendlichen Alter, sondern eher Leute von Ende 40 bis 60. Vermutlich primär Wähler der "Grünen" oder "Linken". Man sollte deshalb also keine zu große Toleranz voraussetzen.Die Leute auf dieser Party waren ökonomisch abgesichert. Einige Lehrer, öffentlicher Dienst. Das widerspricht eher dem in dem Artikel beschriebenen akademischen Proletariat, das jünger ist. Insofern könnte die Tendenz der Gäste doch eher Richtung "grün" gegangen sein, ich weiß es nicht. Doch ihre politische Positionierung erfolgt nicht aus finanziellem Kalkül, sondern aus Emotion und angelernten Mustern. Zudem sind die meisten wohl auch nie direkt mit anderen Meinungen konfrontiert worden.Ich war primär wegen einer rechtsgerichteten Veranstaltung in dem Ort und suchte danach mit einer Freundin, die das wusste, diese Party auf. Die Gäste standen ihr sehr nahe. Ich sagte ihr im Vorfeld: "Was ich vorab mit Dir absprechen möchte. Wenn jemand fragt, warum ich heute hier vor Ort bin, dann war es ein Verwandtenbesuch. Das erspart unnötige Diskussionen, die die Feier stören würden." Sie antwortete: "Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Das ist besser so. So machen wir es."

Laurenz

25. September 2026 14:27

@Claus Wolfschlag ... Gäste doch eher Richtung "grün" ... Wie viel Grüne Unternehmer, die ohne Subventionen auskommen, werden wir finden? Ich behaupte nicht, daß wir völlig ohne Dienstleister, wie Lehrer etc. auskommen, aber wir haben davon eindeutig zu viele. Verwaltung erzeugt immer Bedarf nach sich selbst. Ich teile deswegen die Gesellschaft der Einfachheit halber in Schmarotzer & Malocher ein. Wobei für mich auch der Geschäftsführer eines Maschinenbau-Betriebs unter Malocher residiert. In unserem Staat mit einer Staatsquote von über 50%, statt einer angemessenen Staatsquote von 15%, werden die Malocher zu informellen Leibeignenen oder bereits Sklaven degradiert. Die Würde des Deutschen Steuer- & Beitragszahlers ist anstastbar.

Majestyk

25. September 2026 14:39

@ Claus Wolfschlag:
"Der Weg nach rechts ist vielen versperrt, da ihnen über viele Jahre hinweg in der Schule, den Universitäten, den Medien sowie im sozialen Umfeld beigebracht wurde, dass rechts = nationalsozialistisch = Hass und Gewalt = satanisch ist."
Kann schon sein. Und genau deswegen finde ich es völlig richtig, daß Alice Weidel oder Elon Musk genau das aufzubrechen versuchen. Auf Differenzierungen diesbzüglich pfeife ich, falls es Erfolg hat. Auch Team Kickl ist ein Geniestreich gelungen. Ob die neue Partnerschaft koscher ist, ist völlig uninteressant. Wichtig ist nur die Entstigmatisierung. Bei schwarze Sau muß man auch die Pik Dame loswerden, egal wie. Nur der Sieg zählt, nicht der Weg dahin.
Herr Wolfschlag, die von mir zitierte Schlußfolgerung von Ihnen, beinhaltet aber auch, daß dieses Klientel, gemeint ist ja wohl vor allem der weibliche Teil, über keinerlei mentalen Möglichkeiten verfügt Konditionierung zu hinterfragen. Was mich zur Frage verleitet, kann man Intellektualität überhaupt mit Intelligenz gleichsetzen? Und falls nicht, welchen Wert hat eine solch unkritische Intellektualität fürs Gemeinwesen?

Freier

25. September 2026 14:47

Wegen der Bürgerlichen: Inzwischen kann man vielleicht eine Kampagne "AfD oder Gulag" machen, und muss dafür sein Programm nicht verwässern, nur wegen einiger Ex-CDUler.
Thema bleibt für mich der Defätismus genau dieser bürgerlichen Boomer. Ich meine hier z.B. "Deutschland ist verloren" oder "Zum Glück bin ich im Ausland/plane zu fliehen, das wird noch lustig (für euch Deutsche)". Mit deren absoluter Weigerung sich für die Deutschen einzusetzen möchte ich mich nicht gemein machen.
 
Weiter denke ich, der Split Uni vs. Arbeiter und Selbstständige/Handwerker zeigt gut den geistigen Kampf zwischen Orthodoxie und Orthopraxie.Einmal der Arbeiter/ Handwerker als Handelnder, der Lügen und Vernebelung ablehnen muss weil er sofort den Schaden hätte.
Dann der Intelektuelle in Unis und anderswo, für den nur der erwünschte Gedanke, der vorgeschriebene Glaube zählt, und für den Wahrheit oder Realität dahinter zurückstehen.
Sehr sichtbar das Ganze bei der Berufsgenossenschaft mit weltfremden Vorschriften, welche den "richtigen Glauben" (hier an Sicherheit) zeigen sollen, aber die der Handwerker nur noch als bewusste Schikane empfinden kann.

Ein gebuertiger Hesse

25. September 2026 15:01

@Majestyk
"Und wenn diese Berechnungen auf Umfragen basieren, woher stammen dann die Erkenntnisse über die Briefwähler?"
Das ist eine wichtige Frage! Herr Fiß - wissen Sie, wie diese Briefwähler-Erhebungen der offiziellen Erklärung zufolge zustande kommen?

Le Chasseur

25. September 2026 15:16

@fw87
"Das Kernklientel der AfD halte ich für die untere Mittelschicht."
Eher obere Unterschicht. Ich weiß, in Deutschland will jeder zur Mittelschicht gehören. Tatsächlich gehören die allermeisten aber zur Unterschicht.

Le Chasseur

25. September 2026 15:31

@Karl
"Dazu kommen die Ereignisse der Wahlnacht: Das Oberhaupt des Remmo-Clans, erschien auf der Neuköllner Linke-Wahlparty und erklärte, er fühle sich erstmals von einer deutschen Partei unterstützt."
Der Sprecher der Linken erklärte, man hätte die fragliche Person umgehend wieder hinauskomplimentiert. Übrigens: https://www.tagesspiegel.de/politik/verbindungen-ins-clanmilieu-abou-chaker-helfer-besuchte-wahlparty-der-afd-in-magdeburg-16091970.html

Mitleser2

25. September 2026 15:33

@Wolfschlag, Majestyk: ich hab das mit dem alimentierten Prekariat ja auch als Frage formuliert. Das scheint mit viel zu scheuklappig gesehen. Das Prekariat erklärt das Wahlverhalten viel zu wenig. Der gesamte staatlich alimentierte Komplex ist das Problem: NGOs, ÖD, Bürgergeldler, Sozialindustrie, Gewerkschaften, Kirchen, ...
Und die wissen genau wen sie wählen müssen, damit es so weitergeht. 
Und richtig, die ethnische Wahl kommt zu kurz.
@Majestyk: Mich hat nach der Wahl auch noch nie jemand gefragt. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass die 18 Uhr Prognosen sehr gut sind. Und die basieren ja wohl auf Exit-Polls.

Morgner

25. September 2026 15:58

Exit-Polls hab ich selbst und viele meiner Bekannten noch nie erlebt. Trotzdem will ich die Befragungen nicht grundsätzlich anzweifeln. 
Aber sind die wirklich so stark aussagekräftig bezüglich eines (wie oben dargestellt) vielfältig aufgeschlüsselten Wahlverhaltens seitens der Wähler?
Ich frag ja nur....

Le Chasseur

25. September 2026 16:20

@Majestyk
"Sind solche Umfragen oder Exit Polls während der Wahl eigentlich legal und falls ja warum? Immerhin gilt doch angeblich Wahlgeheimnis."
Niemand muss seinen Namen angeben, die Befragung erfolgt anonym. Nach der Stimmabgabe dürfen Sie auch jedem erzählen, wen Sie gewählt oder nicht gewählt haben.
"Wer gibt da wirklich ehrlich an, was er wählt und wie zuverlässig sollen die auf den Umfragen basierenden statistischen Berechnungen übers Wählerverhalten und Wählerwanderungen sein?"
Die Demoskopen vergleichen ihr exit-poll-Ergebnis mit dem späteren amtlichen Endergebnis und dadurch wissen sie, wie aussagekräftig eine Befragung nach der Stimmabgabe ist. Und offenbar sind die Abweichungen gering, sonst würde man sich die exit polls sparen.

Le Chasseur

25. September 2026 16:25

@Majestyk
"Warum gibt man so viel Geld für die Erforschung des Wahlverhaltens aus und welchen Nutzen hat man davon?"
Erkenntnisgewinn? Und für die Parteien ist es natürlich höchst interessant zu wissen, wer sie wählt bzw. nicht wählt, weil man dann zielgerichteter seine Strategie ändern kann, um neue Wählerschichten zu erschließen (was das Ziel der meisten Parteien ist).

Maiordomus

25. September 2026 16:54

@Majestyk. Was Sie über "Prekariat ausführen und Ihr Respekt vor Weidel, die im Detail möglicherweise weniger mit Ihnen übereinstimmt als ich, bezeugt,  wie Sie sachlich analysieren. Mit dem "Prekariat" treffen Sie es in Ihrer Kritik, als es sich beim Abschöpfen ideologisch bedingter Leistungen vielfach im geradezu indirekt marxistischen Sinn um eine neue Form von Ausbeutung handelt. Mit "richtigen" Absichten und  Gesinnung ans Geld herankommen, so wie solche, die Geld investierten , um nach Deutschland zu kommen um hier umso mehr "abzugreifen", wiewohl viele "arbeiten" wollen, aber gewiss nicht dort, wo Gastarbeiter früher hauptsächlich gebraucht wurden. Dass dann deren Kinder studieren konnten, ist ein anderes Thema, gilt bereits für jetzige Berliner Linken-Chefin. Deren "Karriere" in der Lücke, die sie anstelle von SED-Nahen propagandistisch  ausfüllt, ist alles andere als "türkentypisch". Bei diesem Thema, aber @Majestyk, haben Sie offenbaar nicht nur mit Ausbeutern und Missbrauchspraktizierenden Mühe. Da tönt Weidel anders, verzichtet überdies auf Anti-US-Zungenschlag. 

SMHJanssen

25. September 2026 17:00

@Laurenz: Was sind denn bitte für Sie "echte" Akademiker? Das Sie keine hohe Meinung von Geisteswissenschaftlern haben ist deutlich - das dann zum Thema: Kultur und Leitkultut bei der nationalistischen Rechten. Immer über die vermeintliche Kulturlosigkeit von Linken, Liberalen, MigrantInnen herziehen, den Untergang des Abendlandes wort- und gestenreich beschwören und dann in einem Nebensatz Philosophie, Theologie, Jurispudenz, Soziologie (wahrscheinlich auch Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Theoretische Physik und Mathematik) abräumen, ist schon selbstentlarvend! Was bleibt in Ihrem Deutschland außer stramm-rechter Desinformationskampagnen als Pseudowissenschaft? Wohl nur BWL und das unmittelbar verwertbare Wissen - der Mensch als Human Ressource...und ich dachte immer der libertär-neoliberale Ansatz wäre, zumindest in Europa, tot. Aber hier im Kommentariat lebt er in einer unerquicklichen Symbiose mit Remigrationsfantasien und nationalistischen Ladenhütern fort. Auch das ist eine wertvolle Erkenntnis so kurz vor dem Wochenende!
Herzliche Grüße aus Ostfriesland,
Siebo M. H. Janssen

Karl

25. September 2026 17:06

@Le Chasseur 25. September 2026 15:31
"Der Sprecher der Linken erklärte, man hätte die fragliche Person umgehend wieder hinauskomplimentiert.": Na dann ist ja alles gut. Klar. Ist ja "hinauskomplimentiert". Weiter so!
Und "Übrigens..." ist unter Whataboutism einzuordnen. Der Vorgang bei der Linken wird nicht dadurch weniger skandalös, indem man auf die AfD zeigt.

Gimli

25. September 2026 18:26

Mitleser2
"Der gesamte staatlich alimentierte Komplex ist das Problem: NGOs, ÖD, Bürgergeldler, Sozialindustrie, Gewerkschaften, Kirchen, ..."
Hübscher Zirkelschluss. Auch die sind Staat ...

RMH

25. September 2026 18:49

Ich glaube mal gelesen zu haben, dass die Datenerhebung mittlerweile stark telefonisch erfolgt und zwar auch schon vor der Wahl, wobei auch gefragt werden soll, ob die Stimme schon per Briefwahl abgegeben wurde.
Vor Jahrzehnten haben Studienkollegen von mir sich ein paar Euro dazu verdient, in dem sie Umfragen vor den Wahllokalen gemacht haben. Ich selber habe solche Umfragen schon im Nachbarwahllokal gesehen, wurde selbst aber auch noch nie befragt, weder telefonisch noch vor Ort.
Nebenbei; Wenn Umfrageinstitute tatsächlich vor der Wahl bereits erheben können, wie gerade der Stand bei den Briefwahlen sind, dann würde dies einer "Vorabauszählung" nahe kommen, was ein weiteres Argument GEGEN die Briefwahl als mittlerweile Regel-Wahlausübungsmöglichkeit spricht. 

Majestyk

25. September 2026 19:31

@ Laurenz:
"Ohne Pump & Steuerknete anderer ist die Linke schnell tot."
Was ich nicht verstehe. Die DDR war doch sozialistisch, die Sowjetunion und China kommunistisch. Sie sagen ja China sei jetzt nationalsozialistisch, mag so sein. Aber weder in China noch Vietnam haben die Parteien die Macht abgegeben. Und Bürgerrechte oder frühere Planwirtschaft mal außen vor, auch eine DDR hat als Staat ja funktioniert. Man hat in die Bildung investiert, in innere wie äußere Sicherheit. Hat auf Disziplin geachtet und anders als bei uns echte Kriminelle auch entsprechend bestraft. Wie kann es sein, daß westliche Linke, ob nun in Berlin, Seattle oder San Francisco alles daran setzen ein Gemeinwesen abzuwirtschaften, Drogenverkauf zulassen, die Polizei abbauen und bildlich gesprochen auch mal die Stromversorgung kappen, aber sobald Linke einen Staat regieren, achten sie darauf ,daß der Müll pünktlich abgeholt wird. Liegt es daran, daß Linke nur im Westen destruktiv sind oder in Demokratien oder werden Linke irgendwie was die Organisation betrifft rechts, sobald sie die Macht haben? 
Die Frage ist ernst gemeint und nicht ironisch. Beschäftigt mich schon länger, genau wie die Frage, was linkes Denken wirklich von rechtem Denken trennt. Kapitalismus, Militarismus, Nationalismus kann es ja nicht sein, findet sich ja hüben wie drüben, genau wie die Abneigung gegen ein biblisches Volk. Was macht das eine Gehirn links, das andere Gehirn rechts? Kann man das umkehren oder beeinflußen?

Majestyk

25. September 2026 19:58

@ Mitleser2:
"Und die basieren ja wohl auf Exit-Polls."
So sagt man.
@ Ein gebuertiger Hesse:
"wissen Sie, wie diese Briefwähler-Erhebungen der offiziellen Erklärung zufolge zustande kommen?"
Zuweilen schreiben Sie subtil verpackte, schön böse Spitzfindigkeiten. Gefällt mir zunehmend.
@ Freier:
Bürgerliche/ Konservative können im besten Fall eine Stellung eine Weile halten, mehr als Defensive geht nicht. Zurückgewinnen kann man auch geistigen Boden nur offensiv. Nach meinem Dafürhalten braucht es mehr Restauration als Konservatismus. Rein persönlich habe ich den Unterschied zwischen mit das erste Mal bewußt gespürt als in den 90ern die erste Welle von Kriegsflüchtlingen ins Land kam. So wie ich das wahrnahm, waren die mit den Lichterketten nämlich die Bürgerlichen. 
"Deutschland ist verloren" ist faktisch falsch. Der Staat ist ja nicht in seiner Existenz bedroht. Was ernsthaft bedroht ist, daß ist die deutsche Oberhoheit über Deutschland. Weswegen es bei einem Thema keine Kompromisse geben darf, Zuzugsstop und Rückführungen.