Müntzerland

PDF der Druckausgabe aus Sezession 126/ Juni 2025

von Erik Lommatzsch –

An die­sem Tag war der Regen­bo­gen kein gutes Omen. Erschie­nen war er am Vor­mit­tag des 15. Mai 1525 über dem Haus­berg bei Fran­ken­hau­sen, unmit­tel­bar vor einer der größ­ten Schlach­ten des Deut­schen Bau­ern­krie­ges. Ver­schanzt in ihrer Wagen­burg, waren die Auf­stän­di­schen des Fran­ken­häu­ser Hau­fens hier ver­sam­melt, ver­mehrt um eini­ge Mühlhäuser.

Der cha­ris­ma­ti­sche Pre­di­ger Tho­mas Münt­zer hat­te sich an die Spit­ze des Rebel­len­heers gestellt. Als spi­ri­tu­el­ler, nicht als mili­tä­ri­scher Füh­rer ver­stand er sich, zumal ihm zu letz­te­rem auch von wohl­wol­len­der Sei­te die Fähig­kei­ten abge­spro­chen wur­den. Münt­zer ver­folg­te, bar jeden Selbst­zwei­fels, sei­ne Mis­si­on: die Wie­der­errich­tung des Rei­ches Gottes.

Ent­spre­chend stimm­te er die Ver­sam­mel­ten auf den bevor­ste­hen­den Kampf mit den drei den Haus­berg umla­gern­den Fürs­ten­hee­ren ein, als deren wich­tigs­ter Befehls­ha­ber Land­graf Phil­ipp von Hes­sen galt. Am Vor­tag hat­ten die Auf­stän­di­schen Angrif­fe aus dem Fürs­ten­heer zurück­schla­gen kön­nen. Die­ses hat­te sich nun tak­tisch vor­teil­haft auf­ge­stellt, vor allem hin­sicht­lich der auf die Wagen­burg gerich­te­ten Geschüt­ze, und war durch die erst an die­sem Mor­gen ein­ge­trof­fe­nen Trup­pen Her­zog Georgs von Sach­sen noch ein­mal ver­stärkt worden.

Münt­zer pre­dig­te mit­rei­ßend, man sang den Pfingst­cho­ral »Komm zu uns, Schöp­fer, Hei­li­ger Geist«, als der Artil­le­rie­be­schuß auf die Wagen­burg begann, der Sturm der Söld­ner folg­te. Mili­tär­his­to­ri­ker machen dar­auf auf­merk­sam, daß die Pre­digt ein güns­ti­ger Moment für den Angriff gewe­sen sein müs­se, da die Auf­stän­di­schen an einem Punkt kon­zen­triert gewe­sen sei­en und die Wagen­burg nur unzu­rei­chend geschützt gewe­sen sei.

Bei den ers­ten Ein­schlä­gen gab sich Münt­zer noch sie­ges­ge­wiß. Im Ver­trau­en auf die – greif­ba­re – Unter­stüt­zung Got­tes rief er sei­nen Mit­strei­tern zu, »kein Geschütz wür­de euch scha­den«. Was tat­säch­lich folg­te, waren pani­sche Flucht­ver­su­che, plan­lo­ses Aus­ein­an­der­lau­fen, von Gegen­wehr konn­te kei­ne Rede sein.

Das unter der euphe­mis­ti­schen Bezeich­nung »Schlacht bei Fran­ken­hau­sen« fir­mie­ren­de Ereig­nis ist weit tref­fen­der mit dem Begriff »Schlach­ten« zu beschrei­ben. Man habe »alles, was ergrif­fen, ersto­chen«, berich­te­te Phil­ipp von Solms, der im Heer des Land­gra­fen von Hes­sen dien­te. Die­ser ver­faß­te eben­falls einen Bericht, in dem er das Erste­chen der Geg­ner wie­der­holt deut­lich her­aus­stell­te. Ein Hohl­weg wur­de fort­an als Blut­rin­ne bezeich­net, bis heu­te der offi­zi­el­le Straßenname.

Die Bilanz bei den Auf­stän­di­schen war ver­hee­rend: Von den etwa 8000 Betei­lig­ten kamen wohl über drei Vier­tel zu Tode, 600 wur­den gefan­gen­ge­nom­men. Die For­schung stellt die von Sie­ger­sei­te über­lie­fer­te Zahl von ledig­lich sechs Gefal­le­nen auf der Sei­te der über 6000 Mann umfas­sen­den Trup­pen der Fürs­ten nicht in Frage.

Der deut­sche Bau­ern­krieg stellt sich als eine Viel­zahl von ein­zel­nen Erhe­bun­gen dar, begin­nend im Juni 1524 im süd­west­deut­schen Stüh­lin­gen, endend im Juli 1526 mit der Nie­der­schla­gung des Salz­bur­ger Auf­stan­des. Für den Thü­rin­ger Raum ist er im enge­ren Sin­ne ledig­lich auf weni­ge Wochen, auf den Zeit­raum von Mit­te April 1525 bis zur Schlacht bei Fran­ken­hau­sen, zu datieren.

Eine Rei­he von Ursa­chen läßt sich für den Bau­ern­krieg anfüh­ren, ohne letzt­lich den Grund für die umfas­sen­den Erhe­bun­gen voll­stän­dig befrie­di­gend erklä­ren zu kön­nen. Auf­be­geh­ren gegen Abga­ben, Fron­diens­te oder den Zehnt, die land­schaft­li­che Klein­tei­lig­keit oder eine klein­tei­li­ge poli­ti­sche Zer­split­te­rung, die mit­un­ter gleich­zei­ti­ge Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­se gegen­über meh­re­ren Her­ren zur Fol­ge hat­te, kurz, die sozio­öko­no­mi­schen Grün­de waren zwei­fels­frei maßgeblich.

Im bilan­zie­ren­den Rück­blick gel­ten sie jedoch gegen­über den recht­li­chen und poli­ti­schen Anlie­gen als nach­ge­ord­net. Man setz­te sich etwa gegen die Aus­deh­nung der lan­des­herr­li­chen Gerichts­herr­schaft zur Wehr.

Bei den Auf­stän­di­schen han­del­te es sich in der Regel nicht um ver­elen­de­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen. Gün­ther Franz for­mu­lier­te in sei­ner erst­mals 1933 erschie­ne­nen grund­le­gen­den Stu­die, daß es ihnen dar­um gegan­gen sei, »die Stel­lung im poli­ti­schen Leben« zu errin­gen, »die ihnen ihrer wirt­schaft­li­chen Lage nach zukam«. Das münd­lich über­lie­fer­te, von der Herr­schaft immer wei­ter aus­ge­höhl­te Alte Recht soll­te wie­der­her­ge­stellt werden.

Die Auf­stän­di­schen wer­den zwar oft ver­ein­fa­chend als Bau­ern klas­si­fi­ziert, jedoch han­delt es sich hier eher um ein Syn­onym für den »Gemei­nen Mann«. Für den 2017 ver­stor­be­nen His­to­ri­ker Peter Blick­le, der den Bau­ern­krieg als »Revo­lu­ti­on des Gemei­nen Man­nes« ver­stan­den wis­sen woll­te, stand die­ser für Unter­ta­nen in einem umfas­sen­de­ren Sinn. Es waren all die­je­ni­gen, die einer Herr­schaft unter­stan­den, also neben Bau­ern auch Bür­ger oder Berg­knap­pen, die die Auf­stän­de tru­gen. Nicht zum »Gemei­nen Mann« zäh­len jedoch die ihm Nach­ge­ord­ne­ten – wie Knech­te, Fah­ren­de oder Söldner. 

Mit­un­ter schreibt die For­schung der Refor­ma­ti­on ledig­lich die Funk­ti­on eines Aus­lö­sers und Kata­ly­sa­tors des Bau­er­krie­ges zu. Dies dürf­te zu kurz grei­fen, die Ver­we­bung war dich­ter, wenn auch weni­ger im Sin­ne der von Ost­block-His­to­ri­kern ent­wi­ckel­ten The­se einer »früh­bür­ger­li­chen Revolution«.

Das Evan­ge­li­um als allei­ni­ger Maß­stab, die Errich­tung einer neu­en Ord­nung, das durch die Leh­ren der Refor­ma­to­ren legi­ti­mier­te Vor­ge­hen der Auf­stän­di­schen, der Anspruch, selbst die Refor­ma­ti­on zu voll­zie­hen, das Vor­ge­hen gegen den prak­ti­zier­ten kirch­li­chen Amts­miß­brauch – all dies cha­rak­te­ri­sier­te den Bau­ern­krieg eben­so wie die rein säku­la­ren Bestre­bun­gen. Die genann­ten Ursa­chen waren für das gesam­te Auf­stands­ge­biet aus­zu­ma­chen und somit auch für Thüringen.

In sei­nem luzi­den, bei aller ideo­lo­gi­schen Absicht und poli­ti­schen Inten­ti­on nach wie vor lesens­wer­ten, 1850 erschie­ne­nen Essay Der deut­sche Bau­ern­krieg for­mu­lier­te Fried­rich Engels:

Nur in Thü­rin­gen unter dem direk­ten Ein­fluß Münt­zers und an ein­zel­nen Orten unter dem sei­ner Schü­ler wur­de die ple­be­ji­sche Frak­ti­on der Städ­te von dem all­ge­mei­nen Sturm so weit fort­ge­ris­sen, daß das embryo­ni­sche pro­le­ta­ri­sche Ele­ment in ihr momen­tan die Ober­hand über alle ande­ren Frak­tio­nen der Bewe­gung bekam.

Die­se Epi­so­de bil­de »den Kul­mi­na­ti­ons­punkt des gan­zen Bau­ern­kriegs« und grup­pie­re sich »um sei­ne groß­ar­tigs­te Gestalt, um Tho­mas Müntzer«.

Zumin­dest mit der Her­aus­he­bung der Per­sön­lich­keit Münt­zers für die Auf­stän­de im Thü­rin­ger Raum und der Beto­nung der von Münt­zer inten­dier­ten völ­li­gen Neu­ge­stal­tung der poli­ti­schen Ord­nung ist Engels recht zu geben. Münt­zers his­to­ri­sche Bedeu­tung steigt zudem, wenn man auch das nicht Rea­li­sier­te, das Vor­ge­dach­te in das Urteil einbezieht.

Tat­säch­lich ist bei Münt­zer ein Bemü­hen erkenn­bar, die loka­le Klein­tei­lig­keit der Inter­es­sen hint­an­zu­stel­len zuguns­ten einer umfas­sen­den Ver­än­de­rung. Aller­dings: Münt­zer hat­te sich zwar vom Refor­ma­tor zum Revo­lu­tio­när gewan­delt, sein Ziel war und blieb jedoch das Reich Got­tes. Die sich dar­aus erge­ben­den gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Ver­schie­bun­gen waren dem nach­ge­ord­net und ledig­lich eine Folge.

Die Maxi­me »Omnia sunt comm­nia«, alles gehö­re allen, zu der sich Münt­zer auch noch nach sei­ner Fest­nah­me nach der Schlacht bei Fran­ken­hau­sen bekann­te, ließ sich in die mar­xis­ti­sche Auf­fas­sung vom Sozi­al­re­vo­lu­tio­när Münt­zer ein­ord­nen, grün­de­te jedoch in sei­nem Ver­ständ­nis vom Wil­len Gottes.

Der um 1490 gebo­re­ne Theo­lo­ge, der auch mit­tels einer Liturgie­reform das Evan­ge­li­um in deut­scher Spra­che ver­mit­tel­te, beschränk­te sich in sei­nen refor­ma­to­ri­schen Bemü­hun­gen zunächst auf – klar for­mu­lier­te – Kri­tik am Geba­ren des Kle­rus. Nach und nach ent­wi­ckel­te Münt­zer aber sei­ne – nicht sys­te­ma­tisch aus­ge­ar­bei­te­te – Leh­re, der ein dua­lis­ti­sches Welt­bild zugrun­de lag. Danach hat­ten die Aus­er­wähl­ten Got­tes den Kampf gegen die Gott­lo­sen auf­zu­neh­men, und zwar aktiv.

Am Ende sah er es als Auf­ga­be der Aus­er­wähl­ten Got­tes, die vom Glau­ben abge­fal­le­ne Obrig­keit zu ver­nich­ten. Aus dem 13. Kapi­tel des Römer­brie­fes des Pau­lus lei­te­te er, im Gegen­satz zu Mar­tin Luther, der hier eine Mah­nung zur Obrig­keits­hö­rig­keit sah, nicht nur ein Wider­stands­recht, son­dern schließ­lich auch eine Wider­stands­pflicht ab.

Als Trä­ger sei­ner Ideen hat­te Münt­zer selbst lan­ge die Obrig­keit gese­hen, aller­dings auch gedroht: Wenn sie ihrer – von Münt­zer als gött­li­chem Wil­len aus­ge­mach­ten – Auf­ga­be nicht nach­kä­me, so wür­de ihr »das Schwert genom­men«. Münt­zer ver­wen­de­te die­se For­mu­lie­rung mehr­fach, so etwa wäh­rend der soge­nann­ten Fürs­ten­pre­digt, die er am 13. Juli 1524 in All­stedt gehal­ten hat­te. Erst als die Obrig­keit sein Ansin­nen zurück­wies, kam für Münt­zer dem Volk die ent­schei­den­de Rol­le bei der Errich­tung des Rei­ches Got­tes zu.

Thü­rin­gen war poli­tisch zer­split­tert, die ein­fluß­reichs­ten Her­ren waren die Sach­sen, die alber­ti­ni­sche und die ernes­ti­ni­sche Linie der Wet­ti­ner, letz­te­re führ­te auch die Kur­wür­de. Ein rela­tiv geschlos­se­nes Ter­ri­to­ri­um, zu dem das Eichsfeld und Erfurt zähl­ten, unter­stand dem Main­zer Erz­bi­schof. Münt­zer wirk­te seit August 1524 in der frei­en Reichs­stadt Mühl­hau­sen, hier traf er auf den ehe­ma­li­gen Zis­ter­zi­en­ser Hein­rich ­Pfeif­fer, der als refor­ma­to­ri­scher Pre­di­ger auftrat.

Münt­zers Inten­tio­nen fol­gend, grün­de­ten bei­de im Sep­tem­ber 1524 den »Ewi­gen Bund Got­tes«, der sich eine mili­tä­ri­sche Ord­nung gab. Nach dem Ver­such einer Erhe­bung wur­den bei­de ver­trie­ben, sie konn­ten aller­dings zurück­keh­ren. Im März wur­de der »Ewi­ge Rat« als Stadt­re­gi­ment in Mühl­hau­sen eingesetzt.

Ein bemer­kens­wer­tes Detail mag sein, daß gera­de in der Mit­glied­schaft auf Lebens­zeit ein Vor­teil gegen­über einer tur­nus­ge­mä­ßen Wahl gese­hen wur­de. So kön­ne sich der Amts­in­ha­ber weni­ger leicht der Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen, denn soll­te er nicht »Recht tun und Unrecht las­sen«, droh­te ihm die Todesstrafe.

Der Beginn des Bau­ern­krie­ges in Thü­rin­gen wird mit den Auf­stän­den in Ful­da am 18. April und in Hers­feld am 21. April 1525 und deren Über­grei­fen datiert, mit der Ent­ste­hung des Wer­ra­hau­fens am 18. April und der Erhe­bung in Sal­za am 25. April. Der Mühl­häu­ser und der Thü­rin­ger Hau­fen bil­de­ten sich wenig spä­ter, wei­te­re kamen hin­zu. Ins­ge­samt wur­de für die Bau­ern­hau­fen in Thü­rin­gen eine Stär­ke von etwa 63 500 Mann errechnet.

Die kur­ze Peri­ode des Bau­ern­krie­ges in die­ser Regi­on war gekenn­zeich­net von – kaum ver­bun­de­nen – Erhe­bun­gen, Zügen der Bau­ern­hau­fen, der erzwun­ge­nen Annah­me von For­de­run­gen, in der Regel vor­ge­bracht in Form von »Arti­keln«, oder der Ent­eig­nung und der Abset­zung von ade­li­gen Her­ren, die sich als »Brü­der« den Auf­stän­di­schen anschlie­ßen muß­ten. Plün­de­run­gen und Zer­stö­run­gen, ins­be­son­de­re von Klös­tern, genannt sei stell­ver­tre­tend Vol­ken­ro­da, waren an der Tagesordnung.

Unter­wer­fen muß­ten sich etwa die Gra­fen Ernst von Hohn­stein und Botho zu Stol­berg oder die Gra­fen von Glei­chen. Graf Gün­ther von Schwarz­burg unter­zeich­ne­te nun als »Gun­ther der Jün­ge­re, Vor­ste­her christ­li­cher Gemeind, gebo­re­ner von Schwarz­burg«. Der eben­falls unter­wor­fe­ne Graf Wil­helm von Hen­ne­berg glaub­te erkannt zu haben: »Sie wol­len weder uns noch sonst gar kei­nen Herrn haben, son­dern Gott sei ihr Herr.« Der Salz­aer Amt­mann Sit­tich von Ber­lepsch muß­te auf die »Zwölf Arti­kel« schwö­ren und den Auf­stän­di­schen folgen. 

Graf Johann von Hen­ne­berg, der als Koad­ju­tor des ver­trie­be­nen Abts von Ful­da wirk­te, erhielt die Mög­lich­keit, in sei­ner Resi­denz zu ver­blei­ben, unter Ober­ho­heit der Auf­stän­di­schen, als »Fürst von Buchen«. Dies war wohl der ein­ma­li­ge Fall, in dem wäh­rend des Bau­ern­krie­ges einem Ade­li­gen die Fürs­ten­wür­de durch das Volk über­tra­gen wor­den war.

Die Mühl­häu­ser zogen, ent­ge­gen dem aus­drück­li­chen Wunsch Münt­zers, der umfas­sen­de­re Vor­stel­lun­gen hat­te, Anfang Mai 1525 durch das Eichsfeld, vor allem hat­ten sie hier die Beu­te im Blick, plün­der­ten, zer­stör­ten, schlepp­ten fort.

Nach­dem Mar­tin Luther im April 1524 schon ein­mal Thü­rin­gen bereist hat­te, ver­such­te er Anfang Mai 1525 mit­tels einer aber­ma­li­gen Rei­se auf die Auf­stän­di­schen ein­zu­wir­ken, auf Reso­nanz stieß er kaum. Mit sei­ner nach der – sei­tens der Auf­stän­di­schen began­ge­nen – Blut­tat von Weins­berg ver­faß­ten Schrift Wider die räu­be­ri­schen und mör­de­ri­schen Rot­ten der Bau­ern hat­te er sich ein­deu­tig posi­tio­niert. Der säch­si­sche Kur­fürst Fried­rich der Wei­se, einst Schutz­pa­tron Luthers, hin­ge­gen schrieb am 14. April: 

Viel­leicht hat man den armen Leu­ten zu sol­chem Auf­ruhr Ursa­che gege­ben […]. Will es Gott also so haben, so wird es so aus­ge­hen, daß der gemei­ne Mann regie­ren soll.

Vom Regie­ren waren die Auf­stän­di­schen in Thü­rin­gen weit ent­fernt. Nach den Anfangs­er­fol­gen lie­ßen sie sich viel­fach beschwich­ti­gen. Die Zusi­che­rung, daß kon­kre­ten For­de­run­gen im loka­len Rah­men nach­ge­ge­ben wer­de, hieß für sie, das Unter­neh­men zu been­den. In der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen radi­ka­len und gemä­ßig­ten Kräf­ten hat­ten die gemä­ßig­ten in der Regel die Oberhand.

Inkon­se­quent zog die – zah­len­mä­ßig bedeu­tends­te – Auf­stands­be­we­gung, der Erfur­ter Hau­fen, immer­hin 10 000 Mann, nach der Beset­zung der Stadt wie­der ab. Von Plä­nen, einen »Ewi­gen Rat« wie in Mühl­hau­sen zu instal­lie­ren oder ein Wei­ter­zug nach Naum­burg und Pfor­ta, blieb nicht mehr viel übrig. Die Mans­fel­der Berg­knap­pen wur­den mit Ver­spre­chun­gen ruhiggestellt.

Der Salz­aer Hau­fen schei­ter­te vor Wei­ßen­see, nahe Erfurt, in Sal­za selbst setz­ten sich die Gemä­ßig­ten durch. Der Wer­ra­hau­fen lös­te sich nach der Erfül­lung von For­de­run­gen auf, sein Anfüh­rer Hans Sip­pel wur­de hingerichtet. 

Am 10. Mai 1525 begab Münt­zer sich mit einer gerin­gen Zahl von Mühl­häu­sern zum Fran­ken­häu­ser Hau­fen. Im Ange­sicht der bevor­ste­hen­den gro­ßen Aus­ein­an­der­set­zung schrieb er am 12. Mai 1525 an einen sei­ner per­sön­li­chen Haupt­wi­der­sa­cher, den Gra­fen Ernst von Mansfeld:

Sag an, du elen­der bedürf­ti­ger Maden­sack, wer hat dich zu einem Fürs­ten über das Volk gemacht, das Gott mit sei­nem teu­ren Blut erwor­ben hat? […] Wirst du dich nicht demü­ti­gen vor den Klei­nen, so wird dir eine ewi­ge Schan­de vor der gan­zen Chris­ten­heit auf den Hals fal­len […] du bist der Chris­ten­heit zu nichts nütze

Nach dem kläg­li­chen Ende bei Fran­ken­hau­sen sprach Münt­zer in der Gefan­gen­schaft, mög­li­cher­wei­se auch unter der Fol­ter, in einem Schrei­ben vom 17. Mai 1525 vom Volk, »das mich nicht ver­stan­den hat, son­dern nur auf Eigen­nutz gese­hen hat«. Am 27. Mai 1527 wur­de er ent­haup­tet, Kopf und Kör­per wur­den zur Abschre­ckung auf­ge­stellt. Luther beklag­te sich noch 1531 über den regen Besuch des Ortes, an dem nun­mehr wohl ledig­lich noch der Schä­del zu sehen gewe­sen sein dürf­te. Er hat­te Sor­ge, Münt­zer kön­ne als Hei­li­ger ver­ehrt werden. 

Was ist für die Auf­stän­di­schen vom Bau­ern­krieg geblie­ben? Die viel­fach getä­tig­ten herr­schaft­li­chen Zusa­gen wur­den nach der Nie­der­schla­gung in der Regel igno­riert. Mit Mühe sind eini­ge Erleich­te­run­gen von mate­ri­el­len Bedrü­ckun­gen und die Beru­fungs­mög­lich­keit vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt als Fol­ge zu erken­nen, alles im Bestre­ben, ähn­li­chen Auf­stän­den vor­zu­beu­gen. Die Erhe­bung, die erheb­li­ches Poten­ti­al gehabt hät­te, nicht nur in Thü­rin­gen, steht im Rück­blick weit­ge­hend iso­liert und dien­te erst spä­ter wie­der als ideel­ler Anknüpfungspunkt.

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