Sezession
14. Februar 2010

Linke Gewalt in Dresden – Indifferenzen

Götz Kubitschek

Man tut gut daran, selbst vor Ort zu gehen, um hinterher zu wissen, was geschehen ist und was nicht. Auf der Rückfahrt von Dresden war mir klar, daß es über die linke Gewalt kein klares Wort in den Medien geben würde. Dabei gibt es zahlreiche Bilder und Filmausschnitte sowie Berichte über die Gewalt linker Schlägertrupps, die wahlweise rechte Trauermarschteilnehmer oder Polizisten angriffen. Ein paar Links setze ich unten.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Ein Bekannter von mir hatte einen Anmarsch von Radebeul (wo er den Zug verlassen mußte) bis zum Bahnhof Neustadt zurückzulegen. Die Mannschaft, der er sich anschloß, wuchs unterwegs auf etwa 700 Leute an. Sie wurde mehrmals in die Irre geführt und erreichte schließlich über die St.-Pauli-Ruine den Kern der Neustadt. Dort hagelte es Steine und Flaschen aus Häusern und vor allem von einer Brücke herunter, auf der sich - trotz massiven Polizei-Aufgebots - Linke postiert hatten. Es gab mehrere Verletzte.

Aber die Sprache der Reporter vor Ort blieb indifferent: Die Bilder werden mit einer Wortwahl kommentiert, die den Zuschauer ratlos zurückläßt: Ist der Bus nun von Linken oder von Rechten entglast worden? Brennen die Müllkontainer, weil ein Rechter oder ein Linker eine Barrikade bauen wollte?

Ich kann - nach allem, was unsere insgesamt fünf in der Stadt verteilten Beobachter zusammentrugen - sagen: 90 Prozent gehen auf die Kappe linker Gewalttäter. Gebrannt hat es nur dort, wo Linke gegen die Polizei agierten. Und: Es wundert mich letztlich sehr, daß Tausende doch ziemlich hartgesottene Kameradschaftsangehörige nicht zu einem Sturm auf ihre Gegner geblasen haben. Überwog dann doch die Trauer? Oder ist's am Ende der Respekt vor dem Staat? Oder gar Schwäche und eine schwache, unentschlossene Führung?

Und zuletzt doch noch ein alter Gedanke, der deswegen nicht weniger stimmt: Man stelle sich dieses Szenario einmal mit umgedrehten Vorzeichen vor - also ein paar hundert Nationalisten, die Gleise blockieren, um eine linke Demo zu verhindern. Vielleicht kann man's in Relation setzen mit unserer zweistündigen, gewaltfreien Blockade vor der Übermalung eines Kunstwerks: Wir haben danach finanziell ziemlich geblutet, obwohl's ein Klacks war im Vergleich zu dem, was gestern in Dresden so blockiert wurde.

Hier ein Film mit Szenen linker Gewalt.
Hier MDR-Indifferenz
Hier eine Fotostrecke.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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