Nach der HDJ ist jetzt der Sturmvogel an der Reihe

Im März 2009 verbot das Innenministerium die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). Bereits wenige Monate danach machten staatlich subventionierte Journalisten mit Kontakten zu Linksextremisten Jagd auf weitere Jugendbünde. Besonders ins Visier geraten ist dabei die bündische Gruppe „Sturmvogel“. Die SPD-Fraktion hat zu ihr jetzt eine kleine Anfrage im Bundestag gestellt.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Der Sturm­vo­gel gilt als eine „lin­ke“ Abspal­tung der Wiking-Jugend. Da kann man sich schon den­ken, auf was der Bund in Deutsch­land redu­ziert wird. So macht es auch die SPD-Fraktion:

Die Klei­ne Anfra­ge dient der öffent­li­chen Auf­klä­rung über die poli­ti­schen Hin­ter­grün­de und Akti­vi­tä­ten des „Sturm­vo­gels“ sowie sons­ti­ger völ­kisch-natio­na­lis­ti­scher Jugend­grup­pen des extrem rech­ten Spek­trums. Auch sol­len mög­li­che Defi­zi­te im Kampf gegen Indok­tri­na­ti­ons­ver­su­che durch rechts­ex­tre­me Jugend­ar­beit hin­ter­fragt und mög­li­che Ver­bo­te der ent­spre­chen­den Orga­ni­sa­tio­nen ange­regt werden.

Das End­ziel der Kam­pa­gne gegen den Sturm­vo­gel ist also klar defi­niert: Ver­bot. Auf dem Weg dahin bedie­nen sich lin­ke Jour­na­lis­ten und Poli­ti­ker jener Metho­den, die schon bei der HDJ zum gewünsch­ten Ergeb­nis führ­ten. Im Som­mer 2009 begann die Schlamm­schlacht mit einer pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­ti­on von Jour­na­lis­ten mit Kon­tak­ten ins links­ex­tre­me Milieu namens „Wer trägt die schwar­ze Fah­ne dort“, die durch das Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um sub­ven­tio­niert wur­de. In die­ser Bro­schü­re wird die Gefahr, die vom Sturm­vo­gel und ande­ren Bün­den aus­ge­hen soll, her­aus­ge­stellt und flei­ßig „name drop­ping“ betrieben.

Wei­ter ging es mit der ver­such­ten Kri­mi­na­li­sie­rung der Ver­an­stal­tun­gen des Sturm­vo­gels. Über Sil­ves­ter führ­te die­ser ein Jugend­la­ger in Meck­len­burg-Vor­pom­mern durch. Jour­na­lis­ten infor­mier­ten den Betrei­ber der Jugend­her­ber­ge über die „rechts­ex­tre­men Gäs­te“ und die­ser schal­te­te dar­auf­hin die Poli­zei ein. Schluß­fol­ge­rung: Wo die Poli­zei auf­taucht, sind Kri­mi­nel­le am Werk.

„Das rech­te Zelt­la­ger im Ver­bor­ge­nen“ war dann Mit­te Janu­ar der Grund für die ZEIT, das The­ma grö­ßer auf­zu­zie­hen. Inzwi­schen sind wir an jenem Punkt der Kam­pa­gne ange­langt, wo die SPD-Frak­ti­on unter Beru­fung auf die­se Medi­en­be­rich­te staat­li­ches Han­deln einfordert.

Bereits kurz nach dem Bericht in der ZEIT habe ich dem Sturm­vo­gel mit­ge­teilt, daß ich ger­ne über die Kam­pa­gne gegen sie schrei­ben möch­te und ihnen selbst­ver­ständ­lich die Mög­lich­keit bie­te, Klar­text zu reden. Dar­an hat­ten die Ver­ant­wort­li­chen aus gutem Grund kein Inter­es­se mehr. Sei­ne Öffent­lich­keits­ar­beit hat­te der Sturm­vo­gel also ein­ge­stellt und Anfang Janu­ar sei­ne Inter­net­sei­te abgeschaltet.

Eine sorg­fäl­ti­ge Arbeits­wei­se vor­aus­ge­setzt, müs­sen auch ande­re Jour­na­lis­ten Anfra­gen an den Sturm­vo­gel gestellt haben. Eine Stel­lung­nah­me des Bun­des habe ich aber bis­her in kei­nem Bericht gefun­den. Was soll ein Jour­na­list, der einen objek­ti­ven Bericht zustan­de brin­gen möch­te, nun dar­über den­ken? Wenn sich der Sturm­vo­gel zu den gemach­ten Vor­wür­fen nicht äußert, dann muß doch etwas dran sein, oder? Wer nichts zu ver­ber­gen hat, kann schließ­lich rei­nen Gewis­sens mit mir spre­chen. Aber so ein­fach ist es nicht, wenn die “Herr­schaft des Ver­dachts” durch­ge­setzt wird: Jede Äuße­rung wür­de als ein Ver­ber­gen, jede Harm­lo­sig­keit als Mimi­kry gewertet.

Da ich selbst in der Bün­di­schen Jugend aktiv bin, ken­ne ich eini­ge Sturm­vö­gel flüch­tig. Es han­delt sich um völ­lig nor­ma­le Men­schen, die ger­ne wan­dern, sin­gen und tan­zen. Extre­me poli­ti­sche Mei­nun­gen sind mir bei ihnen nicht auf­ge­fal­len. Kei­ner der Sturm­vö­gel erschien mir über­haupt beson­ders poli­tisch, eher völ­kisch, jeden­falls authentisch.

Um mal bei den per­sön­li­chen Ein­drü­cken zu blei­ben: Sturm­vö­gel habe ich noch nie „extre­mis­tisch“ erlebt. Ich ken­ne aber eine Rei­he von CDU-Mit­glie­dern, die zu fort­ge­schrit­te­ner Stun­de durch das Into­nie­ren des Horst-Wes­sel-Lie­des dar­auf auf­merk­sam machen müs­sen, wie steil sie doch sind.

 

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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