1. August 2009

Herren und Sklaven

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 31 / August 2009

von Horst Föhl

Wenn der multikulturalistischen Rücksicht auf allerlei Empfindlichkeiten das wissenschaftliche Ethos geopfert wird, kann selbst einem Gelehrten der Kragen platzen. So ist Egon Flaig – einer der originellsten Köpfe der althistorischen Zunft – einem größeren Publikum bekannt geworden durch furiose Attacken auf mancherlei politisch-korrekte Zumutungen.

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Im vorliegenden Buch zeichnet er – nach einer gelungenen systematischen Einführung und einem vorzüglichen Abriß über die Sklaverei im Alten Orient und der Antike – von der islamischen Welt das düstere Bild des aus »härtesten Unterwerfungskriegen« hervorgegangenen »größten und langlebigsten sklavistischen Systems der Weltgeschichte«, das seine Sklavenmassen erdurch permanente Kriege ergänzte, das subsaharische Afrika – lange vor dem Erscheinen der Europäer – zu einer »Sklaven-Lieferzone« degradierte und Europa beinahe dasselbe Schicksal bereitet hätte.
Trotz mancher Einseitigkeit eine in ihrer Wucht und Härte notwendige Korrektur verbreiteter Weichzeichnung der islamischen Geschichte.
Im weiteren findet der Leser noch manch Wissenswertes. Flaig betont, daß es nur Europa gelang, sich aus eigener Kraft von dem ubiquitären Phänomen der Sklaverei zu befreien; doch überwiegen leider die einer Idealisierung des »Westens« geschuldeten, teilweise das Absurde streifenden Verzeichnungen:
Den britischen und französischen Kolonialismus in Afrika sieht er ausschließlich durch abolitionistische Zielsetzungen motiviert, weist ihm deswegen gar eine weltgeschichtliche Vorzugsstellung zu. Daß im Ergebnis die Sklaverei beseitigt wurde, mag zutreffen; dennoch hätte man etwas Differenzierung erwartet und einige Überlegungen dazu, wie sich ein »humanitärer Kolonialismus « zu den gleichzeitigen Opium- und Burenkriegen verhält.
Auch den amerikanischen Bürgerkrieg schlägt er über den einzigen Leisten des Abolitionismus: »Dieser Krieg ist nicht um ökonomische oder sonstige Interessen geführt worden, sondern es ging um eine einzige fundamentale Angelegenheit: ob die Sklaverei siegte oder nicht.« (S. 209), was man getrost für abwegig halten darf. So endet Flaig seinerseits bei einer Instrumentalisierung der Geschichte für ein abstraktuniversalistisches Konzept der Menschenrechte und westlichliberales Sendungsbewußtsein – mit der Sklaverei als dunkler Folie. Ob damit einer geistigen Selbstbehauptung der europäischen Nationen gedient ist?

(Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei München: C.H.Beck 2009. 238 S., 12.95 €)


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