Herren und Sklaven

pdf der Druckfassung aus Sezession 31 / August 2009

von Horst Föhl

Wenn der multikulturalistischen Rücksicht auf allerlei Empfindlichkeiten das wissenschaftliche Ethos geopfert wird, kann selbst einem Gelehrten der Kragen platzen. So ist Egon Flaig – einer der originellsten Köpfe der althistorischen Zunft – einem größeren Publikum bekannt geworden durch furiose Attacken auf mancherlei politisch-korrekte Zumutungen.

 Gastbeitrag

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Im vor­lie­gen­den Buch zeich­net er – nach einer gelun­ge­nen sys­te­ma­ti­schen Ein­füh­rung und einem vor­züg­li­chen Abriß über die Skla­ve­rei im Alten Ori­ent und der Anti­ke – von der isla­mi­schen Welt das düs­te­re Bild des aus »här­tes­ten Unter­wer­fungs­krie­gen« her­vor­ge­gan­ge­nen »größ­ten und lang­le­bigs­ten skla­vis­ti­schen Sys­tems der Welt­ge­schich­te«, das sei­ne Skla­ven­mas­sen erdurch per­ma­nen­te Krie­ge ergänz­te, das sub­sa­ha­ri­sche Afri­ka – lan­ge vor dem Erschei­nen der Euro­pä­er – zu einer »Skla­ven-Lie­fer­zo­ne« degra­dier­te und Euro­pa bei­na­he das­sel­be Schick­sal berei­tet hätte.
Trotz man­cher Ein­sei­tig­keit eine in ihrer Wucht und Här­te not­wen­di­ge Kor­rek­tur ver­brei­te­ter Weich­zeich­nung der isla­mi­schen Geschichte.
Im wei­te­ren fin­det der Leser noch manch Wis­sens­wer­tes. Flaig betont, daß es nur Euro­pa gelang, sich aus eige­ner Kraft von dem ubi­qui­tä­ren Phä­no­men der Skla­ve­rei zu befrei­en; doch über­wie­gen lei­der die einer Idea­li­sie­rung des »Wes­tens« geschul­de­ten, teil­wei­se das Absur­de strei­fen­den Verzeichnungen:
Den bri­ti­schen und fran­zö­si­schen Kolo­nia­lis­mus in Afri­ka sieht er aus­schließ­lich durch aboli­tio­nis­ti­sche Ziel­set­zun­gen moti­viert, weist ihm des­we­gen gar eine welt­ge­schicht­li­che Vor­zugs­stel­lung zu. Daß im Ergeb­nis die Skla­ve­rei besei­tigt wur­de, mag zutref­fen; den­noch hät­te man etwas Dif­fe­ren­zie­rung erwar­tet und eini­ge Über­le­gun­gen dazu, wie sich ein »huma­ni­tä­rer Kolo­nia­lis­mus « zu den gleich­zei­ti­gen Opi­um- und Buren­krie­gen verhält.
Auch den ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krieg schlägt er über den ein­zi­gen Leis­ten des Aboli­tio­nis­mus: »Die­ser Krieg ist nicht um öko­no­mi­sche oder sons­ti­ge Inter­es­sen geführt wor­den, son­dern es ging um eine ein­zi­ge fun­da­men­ta­le Ange­le­gen­heit: ob die Skla­ve­rei sieg­te oder nicht.« (S. 209), was man getrost für abwe­gig hal­ten darf. So endet Flaig sei­ner­seits bei einer Instru­men­ta­li­sie­rung der Geschich­te für ein abs­trakt­uni­ver­sa­lis­ti­sches Kon­zept der Men­schen­rech­te und west­lich­li­be­ra­les Sen­dungs­be­wußt­sein – mit der Skla­ve­rei als dunk­ler Folie. Ob damit einer geis­ti­gen Selbst­be­haup­tung der euro­päi­schen Natio­nen gedient ist?

(Egon Flaig: Welt­ge­schich­te der Skla­ve­rei Mün­chen: C.H.Beck 2009. 238 S., 12.95 €)

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