Hitler-Comeback in Wien

Vor ein paar Monaten wurde in diesem Blog über die hysterische Kampagne gegen die braune Gefahr berichtet, die in Österreich angeblich von der FPÖ-Politikerin Barbara Rosenkranz ausgeht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Nun ist es also pas­siert: Ein anti­se­mi­ti­scher, fah­nen­schwen­ken­der, aggres­siv natio­na­lis­ti­scher Mob demons­trier­te in der Wie­ner Innen­stadt und trug dabei Trans­pa­ren­te mit Paro­len wie “Wach auf, Hitler”.

Offen­bar ist es also mal wie­der an der Zeit, euro­pa­wei­te Sank­tio­nen gegen das unver­bes­ser­li­che Öster­reich ein­zu­lei­ten und Lich­ter­ket­ten­auf­mär­sche zu orga­ni­sie­ren.  Aber Augen­blick, bit­te – die Fah­nen waren weder rot-weiß-rot noch schwarz-weiß-rot, son­dern ledig­lich weiß­rot, denn es han­del­te sich hier um eine anti-israe­li­sche, isla­mis­tisch auf­ge­la­de­ne Demons­tra­ti­on von Tür­ken und Palästinensern.

Ein aus einem You­tube-Video ent­nom­me­nes Foto von dem Hit­ler-Spruch­schild wur­de in der lin­ken Stadt­zei­tung Fal­ter abge­druckt (die das, ähm, “selt­sam” fin­det), Pro­test kam bis­her nur mar­gi­nal, etwa in der Online-Aus­ga­be der Zei­tung Die Jüdi­sche und auf diver­sen Anti­fan­ten-Sei­ten. Die Jüdi­sche hat schon – “Wer hat uns ver­ra­ten…?” – einen Schul­di­gen gefun­den, und zitiert (in skan­da­li­sie­ren­der Absicht) ein State­ment, unter­zeich­net von SPÖ-Abge­ord­ne­ten mit so ur-aus­tria­ki­schen Namen wie Omar Al-Rawi und Nur­ten Yilmaz:

Mit Schock und Ent­set­zen die Welt heu­te die Nach­rich­ten erhal­ten über das Vor­ge­hen der Israe­li­sche Mari­ne gegen den huma­ni­tä­ren Ein­satz einer inter­na­tio­na­len Hilfs­flot­te für die Bevöl­ke­rung im Gaza­strei­fen mit min­des­tens 10 Toten und meh­re­ren Verletzten.

Wir wol­len an die­ser Stel­le nicht uner­wähnt las­sen, daß der Jour­na­list, der in der Jüdi­schen den fahr­läs­si­gen Links­li­be­ra­len vom Fal­ter und den wohl fak­tisch weni­ger links­li­be­ra­len (und wohl auch weni­ger sozi­al­de­mo­kra­ti­schen) Fünf­ten Kolon­nen in der SPÖ eine Wat­schen ver­paßt, ein gewis­ser Karl Pfei­fer ist, einer der – vor allem wenn es Rich­tung FPÖ geht – schärfs­ten Anti­se­mi­ten- und Nazi-Rie­cher der Alpenrepublik.

Nun denn: Die Wie­ner Poli­zei gibt an, daß bei der besag­ten Demo vom 1. Juni ca. 600 bis 800, bei einer Fol­ge­de­mo am 4. Juni gar 5.500 Men­schen betei­ligt waren. Das ist eine beacht­li­che Men­ge, und die Auf­nah­men, die man auf You­tube anse­hen kann, sind in der Tat besorgniserregend.

Ich will hier nun aller­dings wohl­ge­merkt kei­ne Num­mer à la Poli­ti­cal­ly Incor­rect anstim­men. Dem Kon­flikt zwi­schen Isra­el, den Paläs­ti­nen­sern und der Hamas, und der erwei­ter­ten isla­mi­schen Welt, soll­ten wir uns nicht nach Vor­ga­be von bewäl­ti­gungs­kon­di­tio­nier­ten Refle­xen, son­dern strikt unter dem Blick­win­kel des poli­ti­schen Eigen­in­ter­es­ses nähern. Daß die isla­mi­sche und ara­bi­sche Mili­tanz gegen Isra­el ganz kla­re, nach­voll­zieh­ba­re Ursa­chen hat, die in der aggres­si­ven Poli­tik Isra­els begrün­det lie­gen, liegt deut­lich auf der Hand, für alle, die sehen wollen.

Weni­ger deut­lich ist da ange­sichts des media­len Betrof­fen­heits­ge­su­ders viel­leicht, daß die Akti­on mit dem Ver­sor­gungs­schiff nach Gaza unter tür­ki­scher Flag­ge, unter­stützt von ein paar west­li­chen Schwach­köp­fen, ver­mut­lich eine geziel­te Pro­vo­ka­ti­on war, die Isra­el in pro­pa­gan­dis­ti­scher Hin­sicht in eine Lose/Lose-Situa­ti­on gebracht hat.  Hier wird offen­bar auch von tür­ki­scher Sei­te etwas aus­ge­brü­tet, des­sen poli­ti­sche Kon­tu­ren noch nicht ganz klar sind.

Als Öster­rei­cher fra­ge ich mich ange­sichts die­ser Aus­wei­tung des israe­lisch-päläs­ti­nen­si­schen Kon­flikts auf öster­rei­chi­schen (und deut­schen) Boden: Was zum Teu­fel machen die­se Mas­sen an tür­ki­schen Natio­na­lis­ten, Paläs­ti­nen­sern und Hamas-Sym­pa­thi­san­ten eigent­lich über­haupt in Wien? Und wer hat es denn Jahr für Jahr, Tag für Tag mit poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen, pro­pa­gan­dis­ti­scher Pres­se­ar­beit und media­lem Druck über­haupt erst mög­lich gemacht, daß solch eine Situa­ti­on her­an­wach­sen konn­te? Wer von denen, denen nun die Knie schlot­tern und die nun erst Anti­se­mi­tis­mus-Alarm schla­gen, weil sie sich offen­bar mehr um die Gefähr­dung Isra­els als Öster­reichs sor­gen,  hat uns denn die­se täg­lich Zufluß bekom­men­de, ver­gif­te­te Sup­pe über­haupt erst eingebrockt?

Eines kann ich jeden­falls mit Sicher­heit sagen: Es ist nicht die FPÖ mit Rosen­kranz oder ihrem “Daham statt Islam”-Strache, die  für die­ses Hit­ler-Come­back (das nicht das ers­te sei­ner Art sein wird) ver­ant­wort­lich zeich­net – ganz im Gegenteil!

 

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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