Sezession
18. Juni 2010

Bitte, ich will da nicht mehr mitmachen

Gastbeitrag

von Claus Wolfschlag

Ellen Kositza hat sich in ihrem Beitrag dem Mobbing von Normalbürgern gewidmet, die als Leser oder Freunde von Presseerzeugnissen der politischen Rechten, speziell Junge Freiheit und Sezession, in Erscheinung getreten sind. Eigentlich wollte ich nur einen kleinen Kommentar dazu abgeben, aber nun ist doch ein ganzer Tagebuch-Eintrag daraus geworden.

In Kositzas Beitrag kam die Frage auf, wer, wann und warum Opfer von beruflicher und sozialer Ausgrenzung wird. Schließlich bemerkt man ja schon im eigenen Umkreis unterschiedliche Intensitäten solcher Erfahrung. Manche Leute bekommen davon gar nichts mit, andere offenbar sind etwas härter von solchen Dingen betroffen.

Das alles ist natürlich ein altes Thema. Und einige Fälle aus unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sind ja bereits in diversen Büchern, Broschüren und Artikeln gut dokumentiert (auch wenn das aus dokumentarischen Gründen noch bei weitem nicht ausreicht). Indes, es wäre ein guter Gegenstand einer gesellschaftswissenschaftlichen Untersuchung, warum bestimmte Kampagnen oder Mobbing-Aktionen zu bestimmten Zeiten starten und warum sie dann bestimmte Personen treffen.

Ich kann dazu nur eine nicht empirisch belegte These beisteuern. Es trifft heute wohl primär zwei Gruppen von Leuten (es gibt daneben natürlich noch Sonderfälle):

Die Opfer sind zum einen Leute, die sich sozial tendenziell unten bewegen. Hier greift bei der Beschreibung der Täter das alte Bild des ewigen Spießbürgers, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Er nimmt die Parolen von oben auf, macht den Knicks vor irgendwelchen Leitern von beruflich-sozialen Institutionen oder Politikern. Nach unten aber tritt er, wenn er mitbekommt, daß irgendein Müllwagen-Fahrer der Straßenreinigung irgendein "rechtes" Blättchen auf dem Beifahrersitz liegengelassen hat. Oder wenn ein Dachdecker beim Schleppen von Schindeln einen „rechten“ Anstecker an der Jacke getragen hat. Oder wenn eine Kindergärtnerin irgendeine entfernte „rechte“ Verwandtschaft hat. Dann erwacht im Spießbürger die Lust, sich aufzuspielen und den Gut- und Machtmenschen heraushängen zu lassen. Es ist im Grunde wieder einmal Fromms alter „autoritär-masochistischer Charakter“, nun unter den Bedingungen eines geistigen Antifa-Überbaus in der Gesamtgesellschaft.

Zum anderen sind es Leute, die einen Karrieresprung vor sich haben. Das trifft meist jüngere, gebildete Leute, die einen neuen Beruf anstreben, eine Beförderung erhalten oder in eine Position gelangen, bei der sie Einfluß, z.B. auf andere jüngere Menschen, nehmen könnten (Erziehungswesen usw.; gerade Lehrer wurden ja in diesem Beitrag angesprochen). Hier treffen zwei Motive der Täter zusammen. Zum einen Angst vor einer diffus-bedrohlichen Macht, die nun in eine höhere Einflußposition gelangen könnte, zum anderen purer Sozialneid. Über das Mobben kann man schließlich die eigene soziale Position oder die von engen Freunden verteidigen. Auch ein uraltes Thema. Und gerade im Erziehungssystem laufen diese Mechanismen natürlich ganz schnell heiß, denn hier gibt es grünes Licht von „oben“. Die Leute von „oben“ versuchen schließlich stets ihre eigenen Machtpositionen durch die Indoktrination Jugendlicher auch für die Zukunft abzusichern.

Ansonsten haben die von Ellen Kositza geschilderten Einzelfälle einen ausgesprochen skurrilen Charakter. Sind die Aufpasser Leute mit einem IQ unter 70? Was ist denn das für eine ominöse „Hausgemeinschaft“, die sich darum kümmert, welche Zeitung ein Mitmieter im Garten liest? Und dieser komische Vermieter? Leben diese Leute alle in Nordkorea? Und dieser Kindergarten? Will man bei solchen Charakteren überhaupt sein Kind einen halben Tag lassen? Und diese Mitarbeiter, die mit einer jungen Doktorandin, mit der sie sich ja offenbar vorher gut verstanden, kein Wort mehr reden? Hat diese Doktorandin ausgerechnet bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung oder bei indymedia gearbeitet?


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