Sezession
1. Oktober 2008

Die Europäer, die anderen und die asymmetrische Evolution

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 26/Oktober 2008

sez_nr_261von Andreas Vonderach

Es gehört zu den elementaren Erfahrungen, daß die Menschen in verschiedenen Erdteilen sich in ihrem Aussehen unterscheiden. Niemand wird einen Norweger mit einem Somali, einem Chinesen, einem Inder oder einem australischen Ureinwohner verwechseln. Solche signifikanten Populationsunterschiede innerhalb einer Art werden Unterarten (lat. Subspezies) oder Rassen (Varies) genannt. Die Menschheit ist eine polytypische Spezies. Bei kaum einer Tierart gibt es so große sichtbare Unterschiede wie beim Menschen. Bei den meisten Tierarten muß man schon sehr genau hinsehen, um die unterschiedlichen Subspezies unterscheiden zu können. In der Regel ist nur ein Experte in der Lage, etwa unterschiedliche Vogel- oder Elefantenrassen auseinanderzuhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, daß zum Beispiel bei den Schädelproportionen die Unterschiede zwischen den Menschenrassen fast doppelt so groß sind wie die zwischen den Subspezies anderer Primaten.

Bei statistischen Untersuchungen, egal ob mit morphologischen oder genetischen Merkmalen, kann man die Menschen zu nahezu 100 Prozent ihren jeweiligen Herkunftsgruppen richtig zuordnen. Jüngst ergab eine Untersuchung, die die Zugehörigkeit von 3.636 Amerikanern zu empirisch ermittelten genetischen „Clustern" mit ihrer ethnisch-rassischen Selbstzuordnung verglich, bei nur fünf Individuen (0,14 Prozent) eine Nichtübereinstimmung.
Dennoch sind die Populationsunterschiede recht gering, wenn man sie mit er Variabilität zwischen den Individuen innerhalb der Populationen vergleicht. Sie tragen nur zu etwa 10 bis 15 Prozent zur Gesamtvariabilität bei, während etwa 85 Prozent der Variabilität auf den Unterschieden zwischen den Individuen innerhalb der Populationen beruhen. Dieser Wert von 10 bis 15 Prozent ist bemerkenswert gleichbleibend, egal ob man Blutgruppen, verschiedene Arten von DNS-Polymorphismen oder Schädelmaße betrachtet. Für einige politisch korrekte Wissenschaftler ist das der Grund, zu bestreiten, daß es überhaupt Rassen beim Menschen gibt. Allerdings ist die statistische Methode des FST-Index, auf der dieser Wert beruht, durchaus irreführend. Denn er ist ebenso ein Maß für die Heterogenität einer Bevölkerung. Je heterogener eine Bevölkerung ist, desto kleiner erscheinen die Unterschiede zu anderen Bevölkerungen. So ergab zum Beispiel die Berechnung des FST-Index aufgrund von Schädelmaßen süd- und mittelamerikanischer Bevölkerungen mit 24,2 Prozent einen Wert, der um 10 Prozent über dem Wert für die Gesamtmenschheit liegt. Das heißt in diesem Falle aber nicht, daß die Unterschiede zwischen den lateinamerikanischen Populationen größer wären als die zwischen den Hauptrassen des Menschen, sondern lediglich, daß die regionalen Bevölkerungen in Süd- und Mittelamerika in sich homogener sind. Neuere genetische Untersuchungen zeigen, daß die Rassenunterschiede erheblich größer sind, wenn man nicht die Gene selbst, sondern deren Umsetzung durch regulatorische Gene vergleicht (Genexpression).


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