Sezession
6. Juli 2010

Jean Raspail und die Fahne von Neukölln

Martin Lichtmesz / 70 Kommentare

Ich habe Jean Raspails Artikel "Das Vaterland wird von der Republik verraten" zum ersten Mal etwa 2005 gelesen. Er hatte eine erschütternde Wirkung auf mich, und sprach mit einer berückenden Klarheit aus, was mir selbst schon lange auf der Seele gelegen war. Besonders die Formel "Sie verwechseln das Vaterland mit der Republik" trifft präzise die Lage und bietet auch den Schlüssel, um zu verstehen, was in Deutschland vor sich geht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Hier müßte man sagen, "Sie verwechseln das Grundgesetz mit dem Vaterland", und das Grundgesetz wiederum mit dem "überspitzten utopischen Humanismus" der Menschenrechtsideologie. Das zweite starke Bild des Artikels ist das von den "Einsiedlerkrebsen", die in naher Zukunft die verlassenen Gehäuse dieser ausgestorbenen Spezies namens "Franzosen" bewohnen werden.

Raspails Thesen finden zur Zeit tagtäglich Bestätigung für den, der offenen Auges auf das Tamtam um die Fußball-WM blickt.  Mir wurde wegen eines polemischen Blogbeitrags zu dem Thema vorgeworfen, mal wieder den Spielverderber spielen zu wollen. Vielleicht hat Dieter Stein die Diskussion dort mitverfolgt, und daran gedacht, als er in seinem Leitartikel in der aktuellen JF schrieb: "Ich gebe zu, daß mich das intellektuelle Naserümpfen über die patriotische Begeisterung des Volkes abstößt."

Die Sache, um die es hier geht, hat allerdings weder etwas mit "Naserümpfen" noch mit Intellektualismus zu tun. Gerade für uns Konservative sollte es die vordringlichste Aufgabe sein, auch in solchen Lagen, in denen scheinbar alles endlich so läuft, wie wir es immer ersehnt haben, einen kühlen Kopf und die Beine auf dem Boden zu bewahren. Das bedeutet auch den Mut zum Unpopulären, und sich unempflindlich gegen den Vorwurf des "Spielverderbertums" zu machen.

Niemandem soll das Vergnügen an der WM benommen sein,  und selbstverständlich ist es zu begrüßen, wenn die Nation von großen Teilen des Volkes wieder positiv erlebt wird. Diese Gefühle und Erlebnisse sind ohne Frage unentbehrliche Grundlagen des Patriotismus, und schon die WM 2006 brachte einen deutlichen Sinneswandel mit sich. Die Frage ist nur, wie tragfest und verbindlich dergleichen Gefühlswallungen sind, wenn die Party erst vorbei ist, und etwa der Ernstfall eintritt, in dem Patriotismus wirklich gebraucht wird.

Was mich, wie gesagt, am Schwarz-Rot-Gold-Overkill der letzten Wochen am meisten frappiert, ist die bizarre Diskrepanz zwischen dem äußeren frenetischen Fahnengeschwenke und der faktischen inneren Desertation der Deutschen und ihrer führenden Eliten, die sich weiterhin politisch so verhalten, als hätten sie unsere Zukunft längst aufgegeben.

Was das "Volk" betrifft, sofern es noch als solches ansprechbar ist, so benennt "desertieren" hier die allgemein verbreitete lethargische "Nach-mir-die-Sintflut"-Attitüde, meint den mangelnden Wille, sich zu ehren,  zu wehren und zu vermehren. Erst wenn nach dem etwaigen deutschen WM-Sieg die deutschen Geburtenraten in die Höhe schnellen, dann bin ich vielleicht bereit, all das Tamtam optimistischer zu sehen.

Genauer hinzusehen empfiehlt sich auch angesichts der Flaggen-Farce von Neukölln. Die größte Deutschlandfahne Berlins haben die arabischen Brüder Bassal an ihrem Laden angebracht, und daraufhin prompt Ärger mit Antifanten bekommen, die die Fahne wieder abgerissen haben.  Was die Araber nicht entmutigen konnte: „Die deutsche Fahne hängt, und wir werden sie verteidigen”. Alle mal kurz gelacht über einen Schwank, wie er so nur in der Bundesrepublik stattfinden kann. Denken wir nicht darüber nach, wieso eigentlich weit und breit kein deutscher Ladenbesitzer eine solche Fahne aufgehängt hat, und wie es ihm ergehen würde, wenn er mit solchen Sprüchen käme.

Die besagten Araber jedenfalls können mit den Sympathien der meisten Deutschen rechnen, denn es ist ja so, daß diese sich, wenn sie nicht gerade Antifanten, sondern normale Menschen sind,  in der Regel über integrierte Ausländer aufrichtig freuen, und als Prügelknaben der Welt wohl auch froh darüber sind, wenn ihre Fahne von den anderen zur Abwechslung mal geliebt wird und man mit ihnen zusammen über die Fußballsiege jubelt. (Man wird indessen wohl auch nicht daran zweifeln, daß diese Aktion dem Geschäft der Bassals nicht gerade geschadet hat.)

Was hier allerdings geschehen ist, ist eher ein Akt der Okkupation als der Integration, denn:

Die Flagge hänge dort „nicht wegen des Zweiten Weltkriegs, sondern wegen der deutschen Mannschaft: Weil die deutsche Mannschaft ja nicht mehr richtig deutsch ist; das ist ja Multikulti, wir gehören dazu”, erläuterte Bassal gegenüber der JF.

Damit liegt Bassal durchaus im Trend. Nicht nur Christian Wulff möchte eine "buntere Republik", der ganze mediale Tenor läuft darauf hinaus, über die WM-Schiene den Patriotismus immer stärker in Richtung Multikulturalismus zu verschieben. Dies ist letztlich die mal ausgesprochene, mal unausgesprochene Generalklausel, unter der dieser überhaupt zugelassen wird.Vermutlich war bereits die auffällig ünerproportional "multikulturelle" Zusammensetzung der Nationalmannschaft in diese Richtung motiviert. Auffälligstes Indiz ist der übertriebene Kult, der um Mesut Özil getrieben wird, der auch für die in die Deutschland lebenden Türken als Identifikationsanker dient. Davor dürfen die Konservativen vor lauter Schwarz-Rot-Gold-Taumel nicht die Augen verschließen.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (70)

drieu
6. Juli 2010 09:13

Passend dazu ein Zitat aus dem Drama "des Teufels General" von Carl Zuckmeyer, auch verfilmt mit Curd Jürgens, welches dem
Fliegeras Ernst Udet von Zuckmeyer gewidmet wurde, wo es um Probleme mit dem "Ariernachweis" eines Kameraden geht:

"Vom Rhein - noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas! Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und der der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und - ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann - und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost."

Im Fußball sind es wirklich die Besten, die kommen und mitspielen wollen. Auf den Rest der Gesellschaft angewandt ist die Nationalmannschaft dadurch wirklich ein wichtiges Vorbild.

Benjamin Jahn Zschocke
6. Juli 2010 09:15

Es gibt einen Punkt, an dem ein angefangener Weg überdacht werden muß, von dem aus eine Rückschau notwenig ist, weil man sonst das Ziel aus den Augen verliert. Das gilt nicht nur für diejenigen, die sich derzeit in der Deutungshoheit befinden, die darüber befinden können, wer heute recht hat in diesem Land und wer im Unrecht bleiben muß. Dennoch halte ich es für eine fatale Fehlentwicklung der letzten Monate, wenn sich nun auch die intellektuelle Rechte in bester BRD-Manier in einen bodenlosen Plauderkasten verwandelt, der nicht nur keine wirklichen Veränderungen anzubieten hat, sondern auch sehr, sehr viele Energien bindet und seine Teilnehmer glauben läßt, mit Analysen zur ethnischen Zusammensetzung von Nationalmannschaften würde sich HIER vor Ort und in den Köpfen vieler, die nach einer wirklichen Antwort suchen, auch nur teilweise etwas verändern. Es ist leicht und geradezu komfortal, sich in der Opferrolle zu sehen, die einen sicher guten Alternativvorschlag in der Schublade liegen hat, diesen aber nicht umsetzen kann. So dreht man sich im Kreis und ejakuliert die Blogs der Rebublik voll, spielt sich Ping-Pong-Bälle mit Scheingegnern zu, beginnen Einzelpersonen sich als Speerspitze einer Web 2.0-Graswurzelrevolution zu betrachten, die aber keine ist.

Was hier gerade wirklich fehlt, ist ein gesundes Gefühl für Mäßigung und Verhältnismäßigkeit.

Roi Danton
6. Juli 2010 09:17

Sehr guter Artikel.

Das ist es auch, was mir bei dieser "National"elf Bauchschmerzen bereitet. Einerseits gebe ich ganz offen zu, dass ich als vernarrter Fußballfan ein solches Turnier genießen möchte, am liebsten würde ich mich einfach nur auf das Spiel konzentrieren und alle Politisierung rundherum ausblenden können. Ich meine mit solchen situativen, eskapistischen Sehnsüchten nicht alleine dazustehen, ich behaupte sogar, als Konservativer heutzutage hat man ohne kurze Momente der Ruhe sonst gar nicht mehr die Energie für den politischen Alltag bzw. sonst würde sich der Frust zu schnell breitmachen.

Andererseits tritt dann natürlich sofort das Gefühl ein, sich mit vielen in der Nationalelf nicht mehr identifizieren zu können. Damit meine ich jetzt nicht Klose oder Podolski, deren Abstammung von den Medien unisono als polnisch bezeichnet wird, obwohl beide ja aus Schlesien kommen. Sondern die Özils, Khediras, Boatengs. Mit ihnen habe ich nichts mehr gemein: Weder die Herkunft, weder die Sprache, noch die Werte. Es sind keine Deutschen und es werden auch nie welche werden.

Das alles bereitet mir während der WM ernsthafte Identitätsprobleme und ich sah mich gerade vor dem Englandspiel, als Özil in einer widerwärtigen Art und Weise von den Medien gefeiert wurde (dabei ist er einer der am wenigsten konstanten und am meisten überschätzten Spieler, aber das ist ja egal, solange er der multikulturelle Prototyp ist), im Zwiespalt, der "deutschen" Mannschaft das Aus zu wünschen, damit dieser ganze Albtraum zumindest für diesen Sommer ein Ende hat. Jetzt sind ja Gott sei Dank Müller und Klose in den Fokus gerückt, wobei Zwanziger und Co. nicht vergessen, uns das "neue Deutschland" jeden Tag als "besseres Deutschland" einzubläuen.

Es wurde im Prinzip schon alles zu diesem pathologischem Selbsthass der "deutschen" Multikulti-Prediger gesagt, trotzdem erstaunt es mich immer wieder. Kann man behaupten, dies ist mehr oder weniger einmalig in der Geschichte, dass Teile eines Volkes sich geradezu danach sehnen, sich selbst zu vernichten?

Wolfgang Ansbrecht
6. Juli 2010 09:40

Ob eine Multikultimannschaft gewinnt oder verliert, ist letztlich kein Hinweis darauf, ob nun die Multikultigesellschaft funktioniert oder nicht. Vielleicht bringt Frankreich in vier Jahren wieder eine gute Mannschaft an die WM, und dann werden alle jubeln, es funktioniere eben doch! Es ist aber in Wirklichkeit schlicht kein Parameter!

Als die Schweizer U-17-Mannschaft Weltmeister wurde, freuten sich dort auch alle, dass die Integration eben förderlich. Eine Woche später verriet der Spieler einem Familienblättchen, sein grosses Vorbild sei ein islamistischer Autor.

Anna
6. Juli 2010 09:46

Ich stimme dem Artikel völlig zu.
Vielleicht hat "Dany" das Problem richtig erkannt (Zitat aus taz-interview): "Wenn du solche Clans hast, kannst du nicht Fußball spielen. - Was für Clans? - Freundschaftsgruppen, die sich lange kennen, Netze. Weil sie einst in ähnlichen Banlieues aufgewachsen sind oder weil sie heute in denselben europäischen Städten spielen."
Vielleicht ist eine zwingende Folge einer mulitkulturelle Gesellschaft die "Grüppchenbildung" oder eben Clanbildung. Genau diese ist wohl unvermeidlich und kann auch nicht durch Versprechen einer blühenden Zukunft und bereits existierender bikulturelle Ehen wegdiskutiert werden... Gibt es ein Land, wo es anders läuft?
Eine Clanbildung unter Deutschen erübrigt sich m.E. mit den wachsenden Anforderungen an die Mobilität, gerade unter Akademikern. Dort ist wohl die Clanbildung und die Tiefe von Freundschaften am geringsten. Aber wenn wir erst Abitur für jeden und dann höhere Bafögsätze haben, kriegen wir dieses Problem auch in den Griff. Endlich gibt es dann gar keine Clans mehr ;-)

.exe
6. Juli 2010 11:09

Gut, Drieu,

dann schick z.B. Deine Kinder doch vorzugsweise in die Schulen, wo sich die Völker treffen wie Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen und nicht auf Schulen einer weißen, privilegierten Mittelschicht.

Lies Raspail und versuch den Unterschied zwischen kulturellen Einflüssen und ethnischer Verdrängung einmal zur Kenntnis zu nehmen!

@ Zschocke

Mäßigung? Ist das Dein Ernst?

Sugus
6. Juli 2010 11:43

1.) Vor nicht allzu langer Zeit hat die deutsche Rechte über die mangelnde Präsenz nationaler Symbole im Alltag gejammert, heute wird der "Schwarz-Rot-Gold-Overkill" beklagt. Ja watt denn nu?
2.) Es ist richtig, daß die Integrations-Fanatiker das Fahnenmeer in ihrem Sinne deuten wollen. Warum gibt Lichtmeß so große Stücke auf deren Geschwurbel? Nur weil sie die Mainstream-Medien besetzen? Hat er sich schon mal gefragt, wie viel der Fahnenschwenker in deren Sinne flaggen? 0,5% oder 1%?
3.) Unzählige deutsche Ladenbesitzer haben ihr Geschäft schwarz-rot-gold drapiert, wenn auch nicht mit so einem Riesen-Ding wie die Araber in Neukölln.
4.) Ja, Lichtmeß ist mir zu kleinkariert, zu intellektuell, zu griesgrämig. Sieht im Goldwasch-Sieb nur den Dreck und die Kiesel und nicht die fetten Nuggets.
5.) WM 2006 ist kein Einzelfall gewesen. Deutschland flaggt. Und das ist auch gut so!

M.L. Danke für die Demonstration, das ist genau diese Art von Naivität, um die es hier geht.

Karl Eduard
6. Juli 2010 12:02

Auf jeden Fall können wir sagen, Fußball hat Deutschland groß gemacht, insbesondere seine Multikultifußballer, wer will da noch forschen, entwickeln und studieren, wo wir bald unsere bunten Fußballtalente gegen russisches Gas oder chinesische Solarzellen eintauschen werden müssen?

Wozu braucht es noch Facharbeiter oder Professoren, wenn Frau oder Mann nur richtig den Fußball schießt? Wozu sich mit Wissenschaften plagen, wenn man nur flink auf den Beinen ist?

Und deshalb taugt dieser Özil-Hype überhaupt nicht. Im Übrigen war die Presse nach den letzten Spielen ziemlich ruhig und Heirats- sowie Konvertierungsanträge hat es auch nicht gegeben. Vielleicht haben auch nur die Falschen den Ball ins Tor befördert.

Druide
6. Juli 2010 12:19

Wir leben im Massenzeitalter und der Brot-und-Spiele-Charakter des Fußballs ist nicht wegzudenken.
Es war zu erwarten, dass das ideolgisch mißbraucht werden wird.

Dem verständigen Beobachter war klar: Sollte die Deutsche Mannschaft verlieren, dann lag es daran, dass die “Junge Mannschaft” noch zu wenig multikulturell und zu übermäßig mit deutsch-faschistischen Genen unterfüttert war. Sollte die Mannschaft aber gewinnen, dann lag es an der bereits fortgeschrittenen Multikulturalisierung der Truppe. Ha, also eine Win-Win-Situation für Multikulti, wie man auf schlechtem Deutsch formulieren kann.

Dass das mehr von Bescheuertheit als von kühlem Sachverstand zeugt, steht seiner propagandistischen Wirkung im Massenzeitalter leider nicht entgegen. Unterbewusst haben die Zuschauer verinnerlicht, dass Multikulti immer siegen wird.

So habe ich es kommentiert.

Dennoch nehme ich unabhängig davon an, dass gerade die Kleinen den positiven Bezug zu Deutschland verinnerlichern werden, was zukünftig von Vorteil sein kann. Und die Linken kotzen, ob des Fahnenmeers trotzdem ab, weswegen ich Freude empfinde.

Rudolf
6. Juli 2010 13:07

Wenn die Nationalmannschaft tatsächlich der neuen "multikulturelle" Gesellschaft entspräche, wäre dies kein Problem. Denn auch die MiHigru-Spieler können schließlich was. Anders sieht es leider bei vielen MiHiGrus im "echten" Leben aus. Die können meistens leider nichts...

drieu
6. Juli 2010 13:19

Werte(r) Exe,

Raspail wurde gelesen und verschenkt.
Eine Einheitsschule (analog zur DDR oder Skandinavien) wäre schön - ist in der BRD aber nur ein Wunschtraum.
Knick-Knack: die Kinder. Ich kenne unzählige "Rechte", die haben keine. Vollkommen analog zum "BRD-Mainstream". Aber frei werdende Räume gibt es im "reichen" Westen nunmal nicht - da rücken Mohr, Tatar und Muselmann potzblitz nach. Was nun?

.exe
6. Juli 2010 13:51

WM 2006 ist kein Einzelfall gewesen. Deutschland flaggt. Und das ist auch gut so!

Ja, so wie auch schon in jeder ostdeutschen Datsche die rot-weißen Fähnchen mit dem Rennauto zu gewissen Anlässen geflaggt werden. Lichtmesz sagts doch deutlich:

Was mich, wie gesagt, am Schwarz-Rot-Gold-Overkill der letzten Wochen am meisten frappiert, ist die bizarre Diskrepanz zwischen dem äußeren frenetischen Fahnengeschwenke und der faktischen inneren Desertation der Deutschen und ihrer führenden Eliten, die sich weiterhin politisch so verhalten, als hätten sie unsere Zukunft längst aufgegeben.

Mach mal die Probe, geh hin zum Public viewing, frage konkret nach der Beziehung zu Schwarzrotgold. Stein und Co. machens sich deutlich zu einfach, denn die schwarzrotgold-Beschmierten, -Beflaggten und -Besoffenen sind die gleichen, die ihr Land bei jeder Gelegenheit preisgeben. Da hilft auch kein Fähnchen-Bausatz in der Druckausgabe oder das Gratis-Winkelement aus Polyester (wasser- aber nicht sturmfest) zum Kasten Hasseröder fürs Auto.
Ich meine, früher hat man für die Fahne schonmal was riskiert, heute liegt sie in jedem Straßengraben, denn wie gesagt, sie ist nicht windfest.

Sebastian
6. Juli 2010 13:52

Auch wenn man über die Figur Klaus Beier denken darf, was man will, aber dieser kleine Beitrag spiegelt die hiesige Atmosphäre des undifferenzierten Jubelzwangs exemplarisch wider: http://www.youtube.com/watch?v=jmPIuX0AG_I&feature=player_embedded

Martin Lichtmesz
6. Juli 2010 13:53

@ Drieu

Das Zitat ist alles andere als passend. Harras hatte ganz andere Rassenideologien vor der Nase als die heutigen, insofern ist seine Antwort nicht auf unsere Lage anwendbar, und meint auch andere Dinge, als die, um die es hier geht.

Ist Dir nebenbei aufgefallen, daß sich außer dem Juden nur Europäer in diesen Strom mischen, und daß Harras betont, daß dieser dezidiert "abendländisch" sei?

Reinhard Gnauck
6. Juli 2010 14:12

Dieter Stein hat recht: wenn sich jetzt anläßlich der WM viele junge (und alte) Deutsche eine Fahne ans Auto stecken oder an die Wange malen, ist das ein Phänomen, über das man sich freuen kann. Ob es den Beginn eines nachhaltigen Umschwungs in deren Einstellung zu Deutschland bedeutet, ist eine völlig andere Frage. Die Linke ist jedenfalls alarmiert.

drieu
6. Juli 2010 14:14

Martin,

natürlich ist mir das aufgefallen, aber die Erde hat sich weiter gedreht.
Letztens war ich mit einem Russen und einem gebürtigen Türken essen. Irgendwann fragte ich ihn, wie er fühlen würde und er sagte, er fühle sich als Deutscher, sei Deutscher. Wenn er es ernst gemeint hat - und davon gehe ich aus - warum sollte ich ihm sagen: Du bist Türke?
Ein Fußballer wie Özil spricht perfektes Deutsch, ist hier geboren und spielt für Deutschland. Er hat eine deutsche Freundin. Was wisst Ihr (Roi D.) von seinen Werten? Warum ihn nicht als Beispiel einer gelungenen Integration sehen und hoffen das seinem Beispiel viele folgen werden?

Gefühlsmäßig bin ich mir sicher: der Rassismus - egal ob in Form der positiven oder negativen Diskriminierung - ist eine Sackgasse.

Richard Vonderwahl
6. Juli 2010 14:34

«Deutschland flaggt. Und das ist auch gut so!»

Wie kann man diesen hysterischen, völlig sinnfreien und missbräuchlichen Gebrauch der Staatsflagge gutheissen?!
Bezeichnend war für mich ein Schulhaus in meinem Wohnort. Riesenfahne über der Ballustrade, während die drei Fahnenstangen leer blieben. Das sah ungemein bizarr aus!
Von mir aus sollen die Leute ruhig Party machen. Aber wenn jemand in diesem betrunkenen Gegröhle die Wiederkunft des Reiches ausmachen will, ist er m. E. nicht ganz bei Trost!

Timotheus
6. Juli 2010 14:36

Ich glaube Multikulti wäre auch in Deutschland überhaupt kein Problem und würde selbst die Rechte kaum stören, wenn es eben die Besten gewesen wären, die in Deutschland heimisch geworden sind. Allein, so war es nicht.

Die Nationalelf ist eben deshalb nicht symptomatisch für die Gesellschaft, weil dort - auf den Sport übertragen - der Rahm der Gesellschaft spielt, während sich Multikulti sonst eher in Nähe des Bodensatzes abspielt.

Martin Lichtmesz
6. Juli 2010 14:41

aber die Erde hat sich weiter gedreht.

Eben darum kannst Du heute auch nicht mehr mit dem Harras-Zitat ankommen.

Letztens war ich mit einem Russen und einem gebürtigen Türken essen. Irgendwann fragte ich ihn, wie er fühlen würde und er sagte, er fühle sich als Deutscher, sei Deutscher. Wenn er es ernst gemeint hat – und davon gehe ich aus – warum sollte ich ihm sagen: Du bist Türke?

Typisch ist das aber nicht. Meiner Erfahrung definieren sich 99 % der "Deutschtürken" in erster Linie als Türken und nicht als Deutsche. Ehrlich gesagt, ist mir noch kein einziger Türke begegnet, der sich allen Ernstes als Deutscher betrachtet hätte. Wozu auch? Nicht einmal die Deutschen wollen heute noch Deutsche sein.

Eine besonders lustige Geschichte gibt es hier:
http://faaanblogg.blog.de/2010/07/03/tuerk-nationalismus-8904462/

G. kommt nach der Stunde zur mir: "Jetzt müsst ihr Deutschen uns Türken aber dankbar sein."
Ich: "Wieso?"
G.: "Na, Özil hat doch das Tor geschossen. Jetzt hat ein Türke für Euch Deutsche das wichtige Tor gemacht, damit Ihr weiterkommt."
Ich: "Wieso denn ein Türke? Özil spielt in der deutschen Nationalmannschaft, und Özil ist ein Deutscher."
G.: "Nein, Özil ist ein Türke. Der hat nur einen deutschen Pass. Ich habe ja auch einen deutschen Pass, aber ich bin doch nicht deutsch. Ich bin Türkin! Eine Türkin kann gar nicht deutsch werden. Also ist Özil ein Türke, der für euch in der Nationalmannschaft spielt."
Ich: "Nein. Schau: Die Eltern von Özil, die stammen aus der Türkei. Aber der Özil selbst ist in Deutschland geboren, ist hier großgeworden, der fühlt sich als Deutscher [habe ich mal behauptet], und deswegen ist er auch Bürger von Deutschland geworden."
G.: "Nein, ein Türke ist etwas ganz anderes als ein Deutscher. Man kann nicht aufhören ein Türke zu sein."

Apropos Russe: ausgerechnet der Urgroßvater von Puschkin, dem russischen Nationaldichter schlechthin, war ein Schwarzer. Puschkin selbst hatte noch schwarze, etwas gekräuselte Haare. Dergleichen ist möglich und hat es immer wieder gegeben, aber eben nur als Ausnahme und in kleinen Quantitäten und Dosierungen.

Gefühlsmäßig bin ich mir sicher: der Rassismus – egal ob in Form der positiven oder negativen Diskriminierung – ist eine Sackgasse.

Eher sollte man sagen, der Begriff des "Rassismus" ist eine Sackgasse. Oder eine Falle, je nachdem.

Martin
6. Juli 2010 14:42

Wer in der DFB Auswahl jetzt spielt, ist mir eigentlich egal - und ob nur aufgrund des Fußballs oder sonst eines Sports nun schwarz rot gold zum Marketing Produkt der Beliebigkeit wird oder Ausruck eines wie auch immer gearteten "Nationalgefühls" sein kann, ist auch nicht wirklich wichtig - die Grenze läuft woanders auch wenn es vielleicht ein paar kleinkarierte Linke noch nicht gemerkt haben.

Interessant würde das mit der Flagge dann, wenn sie auf dezidiert politischen Veranstaltungen/Demonstrationen, wie damals zu DDR- Wende- Zeiten gezeigt werden würde ... dann wäre echter Diskussionbedarf - aber wenn ein paar Flaggen wegen einer Fußballmanschaft als Fanausrüstung herhalten ...

Martin Lichtmesz
6. Juli 2010 15:12

Der Witz ist: man soll ja nicht farbenblind sind, nur ist eine einzige Reaktion darauf erlaubt.

Nochmal hingewiesen auf diesen sehr guten Kommentar des Druiden, der noch mehr einschlägiges Material gesammelt hat.

http://www.blauenarzisse.de/blog/1382/wm-bescheuertheit-und-die-lust-am-aussterben.html

Besonders frappiert hat mich der Kommentar des englischen Korrespondenten - da ist die unverhohlene Genugtuung über das Verschwinden der Biodeutschen kaum zu übersehen. Da leben alte, anachronistische Feindschaften auf.

Das hier ist richtig kraß unverschämt:

Jedes Land, das in der Endrunde der WM spielt, hat Spieler mit Migrationshintergrund im Team. Deutschland muss schon noch etwas mehr tun, wenn es sein Image verändern will. Es ist immer noch ziemlich blond. Sehen Sie sich den neuen Bundespräsidenten und seine Frau an.

Ich wünsche England normalerweise nicht an den Hals ein "wenig bunter, ein wenig fröhlicher" zu werden, außer in solchen Momenten wie diesen. Dabei straft Gott England ja schon genug mit "bunter Fröhlichkeit", mehr als Deutschland bislang. Vielleicht sind das ja bloß neue Rachegelüste, nach dem Motto "Wenn wir schon im Dreck sind, ziehen wir euch auch noch mit runter." Aber vielleicht ist das alles ja auch sarkastisch gemeint, britischer Humor usw.

Ähnliche Gefühle scheint man in Israel zu hegen, und auch hier ist das, was sich hinter dem Wörtchen "Integration" verbirgt, mit den Händen zu greifen:

Eldad Beck von der Yedioth Achronoth freut sich über die Popularität, die die “deutsche” Multikulti- Mannschaft im Volksstaat Israel genießt:

"[Das] hat damit zu tun, dass die Mannschaft so bunt ist. Das heißt, dass wir eine Multikulti-Mannschaft vor uns sehen, die die verschiedensten Regionen der Welt repräsentiert. Man ist in Israel nicht gewöhnt, Deutschland so zu sehen. Es ist ein tolles Beispiel für eine sehr gute und funktionierende Integration."

Der Druide:

Dieses unsägliche Propagandagedöns nervt nicht nur, es ist im Grunde genommen eine absolut dreiste, nicht mal mehr dezente Aufforderung zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Genpool dieser Welt.

lieber_aal
6. Juli 2010 15:15

Interessanter Artikel, und soweit auch sicher zustimmenswert. Dennoch bleibt (wie bei so vielen Veröffentlichungen der Sezession) die Frage, ob und wenn ja welche Handlungsempfehlungen sich nun konkret daraus ableiten, oder ob es doch bei einer (zuweilen tatsächlich etwas griesgrämig wirkenden) intellektualisierten Kritik bleibt.

Und was Özil angeht: Entscheidend ist hier m.E. weniger die biologisch-genetische Abstammung, sondern die allererste Sozialisation. Und wenn diese im Kreise einer türkischen Familie erfolgt, dann ist das eigene Empfinden in der Folge wohl türkisch und bleibt das auch. Wenn ich selbst mal auswandern sollte, würde ich mich in dem neuen Land auch stets als Deutscher fühlen. Aber das heißt ja nicht, dass man einer "zweiten Heimat" nicht durchaus positiv verbunden sein kann und auch Identitätssplitter selbiger übernimmt.

Entscheidend ist wohl letztlich der Anteil der Neudeutschen mit fremdkultureller Prägung. Zumindest bei Menschen aus einem deutlich anderen Kulturkreis.

M.L. Sorry, wer das immer noch als "Intellektualismus" oder gar als "Griesgrämigkeit" bezeichnet, hat nichts begriffen. Den etwas naiven Ruf nach "Handlungsempfehlungen" kann ich zwar nachvollziehen, aber wir können hier erst mal auch nichts anderes tun, als möglichst genau eine Lage zu beschreiben, wo anderen die Sinne stumpf werden.

Yvonne
6. Juli 2010 15:24

@ Lichtmesz: Okkupation statt Integration: Genau! Das Sinnbild für Deutschland heute ist vermutlich weniger unsere Multikultifußballtruppe, sondern sind eben die fahnenschwenkenden Türken oder Araber. Es zeugt nicht von gelungener Integration, sondern ist das wohl bittere Zeichen für deren bevorstehende endgültige Machtübernahme hier.
Die politische Leitidee eines Volkes qua Abstammung birgt aber nach wie vor eine große geistige und emotionale Kraft und sollte nicht aufgegeben werden, schon gar nicht wegen ein paar Fußballerfolgen. Dagegenhalten!
Im übrigen lasse ich mir die Fahne trotzdem nicht verbieten, nur am Auto finde ich die Dinger indiskutabel.

drieu
6. Juli 2010 16:00

Der Druide:... zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Genpool dieser Welt.

Wer hindert Euch zwei daran, Eure Gene mannigfach weiterzugeben?

quer
6. Juli 2010 16:28

"Ein Fußballer wie Özil spricht perfektes Deutsch, ist hier geboren..."

@drieu,
Sie haben merkwürdige Vorstellungen von perfektem Deutsch. Besonders dann, wenn Sie bereits das Glück hatten, diesen Herren vor einem Reporter lallen zu hören. Mir ist von diesem Herrn kein einziger vollkommener Satz und schon garnicht die vollkommene Wiedergabe deutscher Worte überliefert. Würden Sie selbst hier so schreiben, wie jener spricht (warum eigentlich nicht?), könnten Sie gar als Vorbild migrantischer Sprachübungen gelten.

Ansonsten ist dem von Lichtmesz wenig hinzuzufügen.

Nico
6. Juli 2010 17:26

Neulich war ich hier um die Ecke spazieren und habe dabei eine Gruppe von etwa sieben Kindern (so zwischen 6 und 9 Jahren) gesehen. Alle waren schwarz-rot-gold "geschmückt" und sie haben ein selbst gedichtetes Lied gesungen, dass jeder Links-Spießer wohl als "chauvinistisch" denunziert hätte.
Ich genieße diese WM obwohl/weil ich mit offenen Augen spazieren gehe.

Raskolnikow
6. Juli 2010 17:28

Moin,

wieso, lieber Lichtmesz, soll Würde- oder Maßlosigkeit jetzigen Fahneschwenkens "frappierend" sein? Die Tatsache, dass Schwarz-Rot-Gold die "Befreiung" des Volkes an die Stelle der gottgegebenen Ordnung (der hierarchischen Gesellschaft) gesetzt hat und den Begriff des Reiches durch den der Republik ersetzte (unbenommen der Exzesse im 20. Jhd.), zwingt doch geradezu zu diesem Endergebnis.

Ein betrunkener Depp mit SRG-Fahne, den Deutschland nicht interessiert und dem weder das Wartburg-Fest, noch der Frankfurter Reichstag oder 1848 oder überhaupt irgendein Numinosum etwas zu sagen in der Lage wären, ist doch nur der unvermeidliche Schlusspunkt des Zeitalters der Ideologien - perfekt symbolisiert durch Schwarz-Rot-Gold.

Ich würde mich sorgen, wenn Millionen Bundesbürger plötzlich ordentlich bekleidet wären und Fahnen des H-R-Reiches schwenkten ...

Die deutsche Trikolore ist für mich nationalistisch-demokratischer Zinnober ohne Tiefe. Ein Zeichen der bürgerlichen Revolution.

Soll sich der Stein doch in seiner Art und Weise über die Trottel freuen, ich tu´s auf meine. Konterrevolution tut not!

Dominus vobiscum,

R.

d.n.
6. Juli 2010 17:42

Der Versuch, einen Patriotismus, ja gar eine Art „Nationalstolz“ zu etablieren, der einem bunten, multikulturellen Deutschland huldigt, ist schon seit längerem zu beobachten. Mir sind noch Plakate von vor sieben, acht Jahren in Erinnerung, auf denen ein Schwarzer – Assamoah? – über dem Spruch „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ abgebildet war. Bei der Fußball-WM 2006 kam dann diese Propagandamaschine so richtig in Fahrt, bis schließlich bei der EM vor zwei Jahren immer wieder Rufe zu hören waren, endlich einen Türken in die deutsche Nationalelf zu schicken. Das Ergebnis sieht man ja bei der jetzigen WM – einschließlich des WM-Gesangs eines Bushido, der nun trällert: „Wir Deutsche sind grad so stolz“.

Wie alle groß angelegten Propagandaprojekte wird auch dieses nicht über die Realität hinwegtäuschen können. Ich bin mir also sicher, daß die regelmäßige abendliche Fahrt mit der S-Bahn oder der Besuch einer Haupt- bzw. Realschule den durchschnittlichen Deutschen im Hinblick auf Multikulti mehr prägen werden als der momentane Özil-Hype.

Klar, die Nachwehen der WM sind jetzt schon ersichtlich, die erfolgreiche bunte Nationalelf wird als gesellschaftliches Vorbild gepriesen und Wulff wird auch irgendetwas von einer bunten Republik faseln – nur dürfte die bunte Realität in Wedding, Chorweiler und Marxloh bereits jetzt anders aussehen, als propagiert wird.

Ich frage mich nur, wie lange es dauern wird, bis es etwa für einen Bushido wieder opportun sein wird, in seinen „Liedern“ deutsche Sänger als „unintelligentes Stück deutsche Scheiße“ zu beschimpfen – wie noch zu jener Zeit, als er noch relativ unbekannt war und eine andere Zielgruppe im Visier hatte…

Thomas Faust
6. Juli 2010 18:36

@ Lichtmesz: Sie haben zwar mit Ihrer Bewertung der Situation und den Gefahren recht und meine vollste Zustimmung.

Allerdings verkennen Sie, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Und hier bedeutet dies, dass die Identifikation mit der Heimat durch so ein Fahnenmeer immer weniger zum Tabu wird. Man kann es also auch als Chance begreifen. Eine Chance dahingehend, dass vielleicht der eine oder andere sich doch Gedanken darüber macht: "Was ist eigentlich meine Heimat? Wo stehe ich darin? Und sind alle, die ihre Heimat lieben gleich Nazis?" Letztlich wird der eine oder andere Jugendliche, vor allem unter den ansonsten linksliberal geprägten, zu der Erkenntnis kommen, dass es eine andere Welt geben kann; eine Welt in der die Heimat nichts schlechtes ist.

Wie dann diese Heimat letztlich definiert wird, welche gesellschaftlichen und politischen Konzepte dahinter stehen usw., das steht auf einem anderen Blatt und wird nicht mehr durch den Fußball oder deren Akteure bestimmt. An diesem Punkt sind dann "wir" gefragt und müssen diesen durch den Fußball interessierten Jugendlichen informieren, aufklären und für "uns" gewinnen.

Man muss nicht jede offensichtlich verlorene Schlacht als Niederlage begreifen, sondern als Chance für den letztendlichen Sieg.

M.L: Ja, das will ich auch nicht abstreiten. Ich hoffe, das auch klargemacht zu haben.

Harry
6. Juli 2010 18:53

@ quer

Testfrage: Wer spricht ein besseres Deutsch?

Mesut oder Rudolf? 4:0 für Mesut, würde ich sagen ;)

@ Martin Lichtmesz

Im Gegensatz zu dem BN-Kommentar von Druide lohnt es sich, Ihren Beitrag mehrmals zu lesen (und - pardon - sogar noch mehr den Artikel von Jean Raspails!). Trotzdem: Auch wenn man berücksichtigt, dass Sie "hier erst mal auch nichts anderes tun (können), als möglichst genau eine Lage zu beschreiben", bleiben doch viele Fragen offen.

Warum sollte das Beispiel von drieu "nicht typisch" sein, Ihre Beispiele aber sollen pars pro toto gelten?

Warum sollte Ihre "Erfahrung" deckungsgleich mit der Realität sein, während jemand mit anderen Erfahrungen "abgestumpfte Sinne" unterstellt werden?

Verbaut man nicht "Migranten" Deutsche zu werden, wenn man diese Zugehörigkeit ethnisch definiert? "Ausnahmsweise" ist das ja sogar für Sie noch hinnehmbar (siehe Urgroßvater Puschkin).

Verwechseln nicht manche (wie Bassal) multikulturell mit multiethnisch?

Wäre ein dekadentes und überaltertes Deutschland, kulturell zersplittert (multi...), besser als ein vitaler multiethnischer deutscher Nationalismus?

Ist nicht auch ein signifikanter Unterschied zwischen bestimmten Migrantengruppen im Bezug auf Leistungsvermögen, Integrationsgrad etc. festzustellen (Türken, Araber usw. versus Vietnamesen, Polen, Italienern), und sollte dies nicht bei der Lagebeurteilung Berücksichtigung finden?

Vielleicht liegt ein völkischer Türke (um Ihr Beispiel aus dem faaanblogg aufzugreifen) ja genauso falsch mit seinen Grundannahmen wie ein völkischer Deutscher?

Zur Debatte 8D

@ Benjamin Jahn Zschochke

Was hier gerade wirklich fehlt, ist ein gesundes Gefühl für Mäßigung und Verhältnismäßigkeit.

Sic! Ein wunderbarer Satz.

Druide
6. Juli 2010 19:01

@ Drieu
Niemand. Doch das ist überhaupt nicht der Punkt. Man muss schon zwischen allgemeiner und besonderer Sphäre zu unterscheiden wissen. Das journalistische Dauerfeuer dringt aus dem Allgemeinen auf das Besondere ein (Rundfunk, etc.) und vermittelt eine irgendgeartete Sinnhaftigkeit, sowie moralische Vorstellungen, die sich das Individuum zueigen machen kann oder auch nicht. Das ändert aber nichts daran, dass die Propaganda eine spezifische (wenn auch statistische) Wirkung hat. --> In diesem Falle eine, die nicht nur explizit deutschen Interessen widerstrebt, sondern die das Sein seines Financiers angreift. Nichts anderes macht der Staatsfunk.

Insofern ist es ein Unterschied, ob ein Privatmensch so agiert, oder die Zersetzung ins "System" eingebaut wurde.

Dass die Zersetzung sich nun mit Schwarz-Rot-Gold schmückt ändert nichts an ihrem Charakter. Macht sie sogar gefährlicher, weil verführerischer.
Doch bin ich mir sicher, dass auf die Jüngsten ein positiver Bezug zu Deutschland hängen bleibt, was ich ausdrücklich begrüße. Dennoch gibt es keinen Grund eine eigentliche Entspannung der Lage anzunehmen und Entwarnung zu geben.

MARAUG
6. Juli 2010 19:10

Dieter Stein schreibt natürlich zu recht, dass wenn sich jetzt anläßlich der Weltmeisterschaft viele Deutsche eine Fahne ans Auto stecken oder an die Wange malen, ist das ein Phänomen, über das man sich zunächst einmal freuen kann

Jedoch ist auch einiges an diesem Party-Patriotismus bedenklich, was Martin Lichtmesz sehr gut in seinem Essay schreibt, es ist das, was mir bei dieser Nationalmannschaft einem Bauchweh bereitet. Einerseits gebe ich ganz offen zu, dass ich als Fan so ein solches Turnier genießen möchte, am liebsten würde ich mich einfach nur auf das Spiel konzentrieren und alle Politik rundherum einfach mal zu vergessen. Weder von irgendwelchen rot-sozialistischen Ideologen, die jetzt rumjubeln, wie tolles ist oder braun-sozialitische Ideologen, die nicht wissen, ob sie sich freuen sollen oder nicht, wenn der Özil ein Tor schießt.

Viele verkennen einfach, dass eine Nationalmannschaft eben nicht ein Verein, ist der wenn er Spieler braucht, die er nicht hat einfach kauft oder hier die entsprechende Staatsangehörígkeit bekommt, dann scheiden wir in der Vorrunde aus, ich ärgere mich als Fan kann aber nichts machen.

Harry
6. Juli 2010 19:39

Nachtrag. Um den Punkt, der mich interessiert, noch einmal hervorzuheben: Ist ein monoethnisches und multikulturelles Deutschland besser als ein multiethnisches und monokulturelles Deutschland? Claudia Roth oder Bassal? Wer von beiden ist leichter für Deutschland zu gewinnen?

Druide
6. Juli 2010 20:11

@ Harry

Die Frage ist falsch gestellt, wenn - wie ich vermute - die Kultur ein Ausfluss des stabilen Ethnos ist. Die adjektivischen Begriffspaare verhalten sich unter dieser Voraussetzung kontradiktorisch zueinander. Entweder (fast) monoethnisch oder multikuturell, entweder multiethnisch oder monokulturell.

Monoethnische Staaten, die sich zu einem multiethnischen entwickeln, verabschieden sich regelmäßig aus der Geschichte und verlieren ihre (Mono-)Kultur. Multikulturalität im eigentlichen Sinn gibt es nicht, was nicht heißt, dass nicht Angehörige verschiedener Kulturkreise auf einem Territorium zusammenleben können, sondern nur, dass das nur im positiven Sinne funktioniert, wenn eine Kultur dominant ist und normativ den öffentlichen Kultus bestimmt. Alle anderen Zustände der Gleichzeitigkeit liegen in relativistischen Epochen des Niederganges.

Harry
6. Juli 2010 23:21

@ Druide

An der Frage Zusammenhang Kultur - Ethnie kaue ich durchaus (ohne auch nur für mich eine abschließende Antwort darauf zu haben). Trotzdem halte ich meine Frage nicht für falsch gestellt, selbst wenn ein Zusammenhang zu bejahen wäre. Selbst dann wäre doch eine kleine Zahl an Migranten "verkraftbar" (remember Grandpa Puschkin...). Zudem gibt es jedenfalls noch andere prägende Kräfte für eine Kultur (Geist, Technik, Geographie, Klima usw). Eine Analyse der Geschichte verliert sich zudem allzu leicht in einem Dickicht von Definitionen, Ursache/Wirkung-Theorien und einfachen Formeln und ist für mich damit nicht geeignet, daraus eine "Weltformel" (wie Kultur folgt aus Ethnie) zu destillieren.

Harry
6. Juli 2010 23:33

@ Druide

Nachtrag II. Ich habe gerade den Kommentar von Götz Kubitschek zu dem "Eisernen Gebet" gelesen. Ja, vielleicht klärt tatsächlich erst eine andere Lage gewisse Fragen, und nicht eine Debatte.

blixa
6. Juli 2010 23:57

Ich teile die von M.L. geäußerte Skepsis. In der gestrigen FAZ erschien ein Artikel von 2 Soziologen der FU, der belegte, dass der WM-Patriotismus völlig unpolitisch ist. Er kommt eruptiv und rein anlassbezogen und flaut nachher ebenso schnell und folgenlos wieder ab.

Die Art und Weise, wie der Erfolg der Nationalelf instrumentalisiert wird, um die Wahnideologie des Multi-Kulturalismus zu propagieren, ist ebenso durchsichtig wie widerwärtig. Da in den vorherigen Beiträgen von Rassismus die Rede war: Rassismus ist durchaus im Spiel, und zwar anti-deutscher Rassismus nach dem Motto: Je weniger deutsch, desto besser und sympathischer. I.Ü. sind es ja tatsächlich die deutschstämmigen Spieler (Schweinsteiger, Müller, Klose und Friedrich), die herausragen, während die Migranten eher eine Mitläuferrolle spielen. Aber das wird von den Medien natürlich systematisch unterschlagen.

Ich wette übrigens auf Deutschland: So bekomme ich wenigstens etwas Schmerzensgeld, wenn der multi-kulturelle Irrsinn sich wieder Bahn bricht ;-)

eo
7. Juli 2010 09:33

Viel zuviel
Tamtam um die
generelle Zickigkeit für einen,
der offenen Auges in den
Abgrund blickt und dort
nur Feuerfarben
sieht ...

PS
Schreibe sonst verständlicher,
aber hab mich mal angepaßt.

Pat Bateman
7. Juli 2010 10:53

@Blixa

Es wird nicht unterschlagen, es wird sogar das Gegenteil behauptet.
Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Es ist wirklich ekelhaft.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,704732,00.html

Toni Roidl
7. Juli 2010 10:58

1. Noch vor 10 und erst recht vor 20 Jahren, wäre ein so befreiter Umgang mit nationalen Symbolen undenkbar gewesen. Jetzt ist er etwas Natürliches geworden. Das finde ich erstmal gut.
2. Natürlich gibt es viele "Bauchschmerzen". Aber besser, man hat heute einen Fortschritt von 50 % als in irgendeiner Zukunft 120.
3. Was die Medien aus der neuen Schwarzrotgold-Identifikation machen, ist doch unerheblich. Wer liest das? Wichtig ist, welcher Eindruck bei den Menschen auf der Straße, in der Kneipe und auf der Fanmeile hängenbleibt. Und das ist sicher nicht zuerst der Multukulti-Gedanke, sondern ein gutes Deutschland-Gefühl.
4. Ich hoffe, dass die Leute ihre Fahnen, Wimpel, Außenspiegelhüllen etc. möglichst lange hängenlassen. Wenn sie die auch tragen, ohne dass WM ist, hätte sich wirklich etwas ein bisschen bewegt.

Sugus
7. Juli 2010 11:04

Da sitzt er, der die Masse stets verachtende Rechts-Intellektuelle, und beißt in die Tischkante. Die Masse schwenkt schwarz-rot-goldene Fahnen: einfach nur widerlich! Da muß doch ein Haar in der Suppe zu finden sein.
Da sitzt er, der den Mainstream-Medien stets mißtrauende Rechts-Intellektuelle. Diese behaupten, Schwarz-Rot-Gold sei jetzt ein Ausdruck des Multikulturalismus. Aber natürlich! Übernehmen wir doch die Meinung der Mainstream-Medien zu 100%! Keine Zweifel, keine Fragen!

M.L. Deutschland 2010. Jedes Autodach, jedes Yoghurt und jedes von Yogi Löw empfohlene Herrenshampoo ist beflaggt. Endlich! Wir habens geschafft! Wir gehen herrlichen Zeiten entgegen! Keine Zweifel? Keine Fragen? Da schwimmt er mit in der warmen schwarzrotgoldenen Suppe, inmitten der flüssig, mobil und wachsweich gemachten Masse, und sieht vor lauter Besoffenheit den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da tropft ihm der Speichel herab zusammen mit all den anderen unterversorgten Pawlowhunden, die glauben, daß sie jetzt endlich ihr feines Happa bekommen, auf das sie so lange gewartet haben. Völlig wurscht, daß die National-Elf gezielt zur Hälfte aus migrantischen Söldnern besteht, die zum Teil das Maul nicht aufkriegen, wenn die Hymne ertönt, dazu ermutigt von der "Integrationsbeauftragten" der Regierung. Völlig wurscht, was die so unerheblichen und einflußlosen Mainstreammedien dazu sagen, Mensch, wann hätten deren Kampagnen denn schon jemals Einfluß auf den unantastbaren Willen des Volkes und die unfehlbare Schwarmintelligenz der Masse gehabt? Absurd! Die Volksmassen wissen bekanntlich schon selber, was sie wollen, sie werden ihre Schleusenwärter hinwegschwemmen wie nix. Darauf trinken wir einen! Täterätä!

Sugus
7. Juli 2010 12:40

@ Lichtmeß

Man kann nicht immer alles haben. Zum Singen der Nationalhymne: früher hatten wir ethnisch-homogene deutsche Mannschaften, von denen aber nicht einer das Maul aufgemacht hat. Der jetzige Zustand ist also eindeutig eine Verbesserung!

Jetzt sind es gemischte Mannschaften, bei denen die Nicht-Deutschen demonstrativ nicht singen. Das macht die Freund-Feind-Unterscheidung doch gleich einfacher. Glauben Sie etwa, daß das Volk (ja, das Volk, nicht die eklige "Masse") diese Verweigerungshaltung sympathisch findet? Da geht ein offensichtlicher Riß durch die "National-Mannschaft", und ich habe keinen Zweifel daran, daß das Volk sich durch die Nicht-Singer in diesem Augenblick eben nicht repräsentiert fühlt. Daß man später bei einem Özil-Tor jubelt, mag inkonsequent sein, aber die wenigsten Menschen sind durchgehend konsequent. Hänschen Müller wird sich nach dem Spiel trotzdem Gedanken darüber machen, wer warum nicht singt - und was das für unser aller Gemeinwesen bedeutet.

M.L.: Wollen wir's hoffen.

Turmkönig
7. Juli 2010 13:13

Geehrter oder lieber Herr oder Martin Lichtmesz,

ich liebe Ihre oder Deine Kommentare; anders kann ich es nicht ausdrücken - jetzt gerade wieder Ihre oder Deine Reaktion auf einen Beitrag von "Sugus".
Herrlich furchtbar, wie der Stand der Dinge von Ihnen oder Dir politisch auf den Punkt gebracht wird: herrlich, weil Ihre oder Deine Hiebe und Stiche das Ziel treffen; furchtbar, weil ich nach dem Lesen immer wieder desillusioniert sein muß. "Wennde glaubst, ein Licht kommt her, klärt Martin auf, es geht nichts mehr", so kann man das zusammenfassen.
Wir politisch Frustrierten greifen ja nach jedem Strohhalm, der aus dem verkalkten Wasser hervorblitzt. Und bevor ich merke, daß dieser selbst ebenso verkalkt ist wie das Wasser, woraus er entspringt, muß ich Ihre oder Deine Beiträge lesen, um wieder klar zu denken und eine ewig wiederkehrende depressive Verstimmung zu erleiden.
Zuvor setzt bei mir stets so eine Art Verdrängungsprozeß ein, der mir ein "Wohlfühlgefühl" (Buahaha!) verleihen soll. Leider schaue ich jeden Tag hier bei Sezession.de hinein und lese jedes Ihrer oder Eurer Hefte, dazu noch einige kleine Büchlein aus dem Antaios-Verlag und sowieso zuviel konservatives und rechtes Zeug. Deshalb wird das vorerst nichts mit dem euphorisch positiven, optimistischen Wegdenken des "Haars in der Suppe", das eigentlich ein ganzer Riesenhaarschopf ist - mit extra viel Schuppen und Läusen zum Tunken.

bernardo
7. Juli 2010 13:51

@toni roidl "Noch vor 10 und erst recht vor 20 Jahren, wäre ein so befreiter Umgang mit nationalen Symbolen undenkbar gewesen."

Genaugenommen datiert der erste schwarz-rot-goldene Flaggenrausch auf die WM 1990 und wurde damals von der Linken als widerwärtig-bedenkliches-nationalistisches Signal in Sachen Wiedervereinigung attackiert. War wohl nichts? Oder doch? Schließlich sind jetzt schon die arabischen Gemüsehändler infiziert...

Wie kommt man von Neurechts eigentlich dazu, Migranten das Singen der kupierten Hymne a la Dritte Strophe abzuverlangen? Und wenn sie es täten, wäre das dann nicht auch "Okkupation"?

Es ist wirklich schwer, auf diese Debatte hier keine Satire zu schreiben.

Niedriger hängen!

Martin Lichtmesz
7. Juli 2010 14:34

Wie kommt man von Neurechts eigentlich dazu, Migranten das Singen der kupierten Hymne a la Dritte Strophe abzuverlangen? Und wenn sie es täten, wäre das dann nicht auch „Okkupation“?

1. Ja, aber eine Okkupation "von oben", vom Nationalstaat her, der die Spielregeln setzt, wie es sich gehört. Aber diese Anpassung wird nicht mehr einverlangt, siehe unsere Tante Böhmer zu dem Problem. In dieses Vakuum dann von der anderen Richtung her zu stossen, ist ein Leichtes.

2. Es macht einen Unterschied, ob einer aktiv mitspielen darf oder bloß am Zaun steht und jubelt. In der Nationalelf spielen sollte eine Ehre sein, und wer dafür ausgewählt ist, sollte sich dessen auch würdig erweisen, und der Nation, für die er spielt, seinen Respekt erweisen. Eigentlich ganz gut, daß unser Özdil nun demonstriert, daß Blut eben doch stärker ist als Wasser.

3. Was z.B. die Fahne von Neukölln zu einem Akt der Okkupation eher als einen der Integration macht, ist nicht so sehr das Aufhängen an sich, als dessen Begründung: die Araber sagen nicht: "Wir sind jetzt Deutsche", sondern eher "Die Deutschen sind gar nicht mehr deutsch, die sind dank Multikulti nun eher schon so wie wir, darum gehört die Fahne jetzt auch uns." Das ist nur ein Beispiel unter vielen, die nach ähnlichem Muster laufen.

Also, erstmal die Tinte halten mit der Satire, und vorher in Ruhe nachdenken.

Turmkönig
7. Juli 2010 15:41

Obwenn die DFB-Mannschaft heute verlöre, träte sie zu einem Endspiel um Platz 3 an. Das Gespenst des Partyidiotismus geht also in jedem Falle weiter um. Özil darf zwei weitere Spiele als "man of the match" gefeiert werden, egal, wie oft er den Ball verstolpert oder zum Gegner spielt. Daß die mediale Euphorie um diesen einen Spieler nicht koscher ist, merkt selbst der ein oder andere politisch unverdächtige Normalo.
Am liebsten würde ich den Fußball einfach nur Fußball sein lassen, aber die Politisierung kommt ja nicht in erster Linie von uns politisch Verlorenen. http://www.youtube.com/watch?v=T3m4c8j780E : Ist das, was der DFB da abzieht, völlig unpolitisch und nur Fußball? Die Politisierung des Fußballs ist mittlerweile nervtötender als seine Kommerzialisierung und Ökonomisierung.

bernardo
7. Juli 2010 20:20

@ML "Ja, aber eine Okkupation „von oben“, vom Nationalstaat her, der die Spielregeln setzt, wie es sich gehört. Aber diese Anpassung wird nicht mehr einverlangt, siehe unsere Tante Böhmer zu dem Problem."

Womit wir bei dem Punkt wären, daß der Nationalstaat BRD in der Tat weiterhin die Spielregeln setzt, nur nicht die, die man sich aus Neurechter Position wünscht. Statt dessen gelten andere Regeln, gegen die man doch als Konservativ-Neurechter gerne auch mal verstößt, ungebeten und subversiv. Der Staat ist als Normengeber vielfach nicht anerkennswert.

M.L. Ja, aber eben deswegen weil er seine Normen und seinen Erhalt nicht ernst nimmt, als Anti-Staat auftritt.

"die Araber sagen nicht: „Wir sind jetzt Deutsche“, sondern eher „Die Deutschen sind gar nicht mehr deutsch, die sind dank Multikulti nun eher schon so wie wir, darum gehört die Fahne jetzt auch uns.“

Sie sagen halt: Sie sind Bundesdeutsche. Daß das nicht mehr das gleiche ist wie früher, ist bekannt.

Ist es nicht eher so, daß die BRD-Realität aus vielen Blickwinkeln mangelhaft ist und Fußball nichts weiter als eine Nebensache, die vielleicht integrierend wirkt, vielleicht auch nicht? Auch in einer "tadellos deutschblütigen" DFB-Auswahl wären nur Kicker, weiter nichts, was eine existentielle Aufregung wert wäre.

Also eben: niedriger hängen.

M.L.: Sagen Sie das mal den Milionen von Deutschen in den letzten Wochen. Ich weiß nicht, aufgrund welcher Tatsache Sie diese Dinge so runterspielen, oder meinen, sich ein Schulterzucken erlauben zu können, während das ganze Land, so oder so, der Ansicht ist, dass Fußball eben nicht bloß Fußball ist. Das sind alles Symptome und Entwicklungen, die überdeutlich, in riesigen Lettern auf der Wand stehen.

Harry
7. Juli 2010 21:27

Bassal ist mein Held 2010. Die Linken negieren den Stolz auf das Land. Die Bürgerlichen sind so lauwarm, dass man sie nur noch ausspeien möchte. Die Rechten verneinen, dass das Land auch sein Land sein könnte. Und dann heißt es noch, er macht es des Geldes wegen... Er will "unser" Land "okkupieren"... Uswusf. Das braucht man nicht zu kommentieren.

Was macht mein Held? Er hängt SEINE Fahne in den Wind und zeigt der Welt den Mittelfinger.

Tatsächlich, die Lage klärt die Fragen und die Antwort ist die Tat. :)

M.L: Nun, Basal hat sich ja deutlich dazu geäußert. Er hat die Fahne hängen, weil Deutschland nicht mehr deutsch ist, sondern multikulturell. Wenn Sie ebenfalls ein multikulturelles Deutschland wollen, dann dürfen Sie mit allem Recht "unser Land" in Anführungsstriche setzen.

Ijon Tichy
7. Juli 2010 23:41

Wenn akzentbelastetes Gegurre perfektes Deutsch sein soll, dann haben gewisse Leute einen ziemlich großzügigen Begriff von Perfektion.

Patricius
7. Juli 2010 23:41

Vorschlag zur Güte:

Wir locken alle Menschen auf dieser Gottes Erde, welche ihre dumpfen, atavistisch-völkischen Landsleute ob deren Mangel an emanzipierter Erleuchtung nicht zu ertragen im Stande sind, hierher auf unsere grüne Wiese (ehem. Deutschland) und begründen ein neues, herrliches Utopia deutscher Gesinnung.
Wir pfeiffen auf solch primitives Geschwätz von vorpolitischen Grundlagen ethnischer Art, eine individualistische Geistaritokratie hat derlei doch nicht nötig!

Ohne Claudia Roth, nur mit stramm deutschnationalen Türken, Arabern, Kongolesen und derer mehr, hin zum einzig wahren geistigen regnum teutonicum (gleich beim Wolkenkuckucksheim ums Eck).

An solchen Beiträgen, wie dem von M. Lichtmesz scheidet sich die Rechte. Es geht hier um viel mehr als um Fußball. Die gleichen Diskussionen hatten wir schon beim Thema Zuwanderung/Integration/nat. Identität.
Um etwas zu entwirren: Lichtmesz hat recht !

Turmkönig
8. Juli 2010 00:26

"Niedriger hängen", das war heute abend auch das Motto der DFB-Mannschaft. Es scheint überhaupt das Lebensmotto von den meisten Menschen zu sein. Mit möglichst wenig Aufwand sei viel Profit zu erreichen, auf daß man sich frühzeitig mit sich selbst zufriedengeben könne und scheinbar sowieso nichts mehr zu verlieren, sondern nur noch immer etwas dazu zu gewinnen habe.

Das hat man während des Spiels und danach bei einigen Spielern gemerkt: Sie erschienen zwar schüchtern, aber gleichzeitig auch satt von den vorherigen "Erfolgserlebnissen". Sie haben bei ein paar Spielen eine gute Figur gemacht, das reicht nun aus, mehr war nicht nötig. Das ist auch die Hauptsache für die Medienleute: daß die Jungs kurzfristig eine prima Rolle gespielt und eine gute Show abgeliefert haben.
Daher ist es anscheinend völlig unerheblich gewesen, ob sie nun das eine Spiel gewannen oder nicht. Der unbedingte Siegeswille wäre unangebracht gewesen, denn schließlich hätte man dann eine innere Auseinandersetzung, einen Kampf um alles oder nichts geführt. Und ehe das Nichts übrigbliebe, begnügt man sich lieber mit einem "Niedriger hängen", klopft sich auf die Schenkel und ist stolz auf das Vorhergeleistete, womit man sich eigentlich nichts Konkretes kaufen kann, wie Thomas Müller (wohl einer der wenigen, die noch einen echten Sportsgeist in sich tragen, wenn auch nicht so absolut und total wie einst Oliver Kahn) in einem Interview sagte.
Am Ende wollten nur wenige den Weltmeistertitel wirklich erlangen - und wenn, dann nur für einen niedrigen Preis und mit maximaler Sicherheitsgarantie, daß ja keine Enttäuschung einsetzen und den "Spaß" verdrängen könnte. Die meisten werden sich nicht als Verlierer fühlen; sie sind selbstgenügsam, um nicht zu sagen: gönnerhaft - so, wie Verlierer eben sind. Das Verlierergeschwätz à la "Sie/Wir haben wirklich alles / sich/uns Mühe gegeben" oder "Aber über das gesamte Turnier gesehen, waren sie/wir hervorragend" wird auch noch entweder über sie hereinbrechen oder von den Spielern selbst gepflegt.
Die Konzentration auf ein Idealziel, den WM-Titel, hinter dem alles Vorhergeschehene verblaßt und dessen Nichterreichen durch keine Wohlgefühlreden mehr beschönigt werden kann, die ist einfach nicht mehr zeitgemäß. "Tiefer stapeln" ist angesagt, weil "zu hohe Ansprüche" an sich selbst zu stellen ungesund wäre und einen die gute Laune vermiesen könnte. Gegen diese Gefahr des Verlust- oder Ermangelungsgefühls ist das sich "liberal, tolerant, weltoffen, vielfältig, flexibel und mobil" gerierende Einerlei des Wohlfühlgefühls eines Niedrighängers vollkommen immun.
Wer dagegen ist, kann folglich nur ein Spießer sein, der "die Meßlatte zu hoch ansetzt" - im Politischen wie im Sportlichen. Daher: Erst mal einen auf "Let it be!" machen und später, wenn das Licht wieder angeht, so tun, als sei man wenigstens geistig schon immer ein Widerstandskämpfer gewesen.

J. Nusser
8. Juli 2010 00:48

Herr Bassal flaggt aus, weil er Fußballfan ist. Vermutlich hätte er auch so gehandelt, wenn er der einzige Libanese in Berlin wäre. Zu viele politische Hintergedanken mag ich Herrn Bassal nicht unterstellen.
Viel interessanter ist der Rassismus von links:
"Die linke Bewegung will uns nicht als Deutsche sehen, sondern als Migranten." Badr Mohammed, CDU-Verordneter für Integration

Herr Bassal hat Deutschland dadurch einen Dienst erwiesen, dass er die Linken mal wieder dazu brachte, ihre rassistische Fratze auch dem Bildzeitungsleser zu entblößen.

blixa
8. Juli 2010 01:02

Eine ausschließlich mit Spaniern bestückte Elf zerlegt die DFB-Multi-Kulti-Truppe und damit auch die von der durchgeknallten Presse und wie immer ahnungslosen Grünen-Politikern herbeifabulierte Überlegenheit zusammengewürfelter Söldnermannschaften. Boateng ausgewechselt, Khedira orientierungslos und der besonders gehypte Özil ein Totalausfall. Das Einzige, was Özil kann, ist bei 3:0 zum 4:0 aufzulegen. Wenn es drauf ankommt, ist er eine Null .

Ist übrigens jemandem aufgefallen, dass in der Stammelf kein einziger Ostdeutscher vertreten war, nachdem Boateng - auch so ein Migrantenschatz - Ballack ins Lazarett getreten hat? Hieran hat sich natürlich niemand gestört, Hauptsache Türken und Afro-Heinis sind dabei.

gk: Ostdeutsche waren schon dabei, Podolski und Klose, und sogar ein Rußlanddeutscher hat mitgespielt: Pjotr. Jedoch fehlte ein Mitteldeutscher.

El viva Espana

Richard Vonderwahl
8. Juli 2010 08:55

Da ja nun das «Sommermärchen» vorüber ist, nun nochmals kurz zur Integration.

Wenn sich Türken in Deutschland nicht integrieren, ist das nicht der Fehler der Türken. Und das meine ich ernst. Integration ist nicht etwas, das man staatlich anordnen kann. Das ist ein innerer Prozess, der nur vonstatten geht, wenn die «Leitkultur» so stark ist, dass sie eine zwanglose Anpassung motiviert (bekanntlich kann es ja auch vorkommen, dass Eroberer sich den Eroberten integrieren, s. mittelalterliches Frankreich).

Manchmal integrieren sich eben Einwanderer auch nie. So gibt es z. B. in Italien jahrhundertealte Dörfer von albanischen Einwanderern, die albanisch geblieben sind. Das Beispiel lässt sich auf die türkische Einwanderung heute aber nicht übertragen, weil die Türken nicht in eigenen Dörfern leben.

Die grosse Crux heute ist, dass sich diese türkische Unterschicht nicht integriert, umgekehrt aber auch nicht das Zeug hat, selber eine Leitkultur zu bilden. Das bedeutet, die heutige Immigration ist keine Okkupation, vielmehr ein Herunterziehen, Herunterfallen, Niedergehen in die tiefsten Formen menschlicher Gemeinschaft. Es hat mit der Türkei eigentlich nichts zu tun. Die Linke versucht, einfach überall alles, was unten ist, nach oben zu hieven. Und sie tut dies nicht, um den Unteren zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Denn mit Auflösung der natürlichen Strukturen wird niemandem zu nichts verholfen. Zerfall, Chaos und Ödnis für alle herrschen, wo immer die Linken gewütet haben.

Danke für die Aufmerksamkeit. Ende meines Sermons.

Harry
8. Juli 2010 09:55

Was Bassal tatsächlich ganz deutlich gemacht hat, ist, dass er sich jetzt mit Deutschland identifizieren kann. Mit dem linken Anti-Patriotismus kann er ja erkennbar gar nichts anfangen. Und mit "multikulturell" meint er doch einfach nur, dass jetzt ein paar Jungs mit Migrationshintergrund in der deutschen Nationalelf mitspielen. Und er überträgt das eben auf sich. Er will auch mitspielen (ML nennt das "Okkupation", na ja...) und nicht immer nur "Migrant" sein. Kein linker Opfermigrant und kein rechter Schmarotzermigrant. Eigentlich ganz einfach, oder?

Ja, klar, man kann da jetzt - wie geschehen - den Metahammer auspacken und bejammern, dass nicht sein kann, was nicht sein darf und schlechte Motive unterstellen etc. Geschenkt und letzlich doch nur ein Sturm im Wasserglas.

Panta rhei. Ein Blick in die Geschichtsbücher: Deutschland 1813 war eben anders als Deutschland 1914 oder Deutschland 1949. Und Tacitus hat ein ganz ganz anderes Land gekannt. Wie sagte doch Kreisky? "Lernen`s Geschichte".

M.L.: Deutschland 1813 hatte mit dem Deutschland von 1914 und sogar dem von 1949 mehr zu tun, als das Deutschland von 1949 mit dem von 2010. Und nun, viel Spaß beim freiwilligen "Zerfließen", jedem soll nach seiner Facon geschehen.

tacitus
8. Juli 2010 10:36

Übrigens: Im Frühstücksfernsehen der ARD heute morgen hatte man über Nacht alle schwarz-rot-goldenen Fanartikel abgeräumt. Die Feier ist vorbei, damit auch der Partyotismus im TV.
Das zeigt m.E. deutlich, welchen Wert die Medien den deutschen Nationalfarben beimessen: Denselben, den sie Luftschlangen und Konfetti am Neujahrmorgen zuerkennen.

Harry
8. Juli 2010 10:38

@ ML: Sie haben mich ja am 16. Juni belehrt, dass "Deutschland als historische Größe" bis zu Tacitus zurückreicht. Wenn der Sprung von Deutschland 98 zu Deutschland 1813 Ihrer Ansicht nach ohne "Substanz"verlust möglich gewesen sein soll, dann verstehe ich Ihr Problem mit dem Katzensprung zu Deutschland 2010 nicht.

M.L.: Das bleibt Ihr Problem. Wie gesagt, "lernen'S Geschichte". Aber schnell, bevor sich Ihr historisches Identitätsbewußtsein endgültig wie eine Brausetablette aufgelöst hat.

Wie gesagt, Ihr Artikel ist gut und eine lesenswerte Sicht der Dinge.

Eine genaue Beschreibung der Lage ist er aber bestimmt nicht.

Übrigens: Willy Sagnol hat seine Karriere in der französischen Nationalelf 2008 beendet. Das obige Bild kann deshalb nicht von 2010 sein.

M.L.: Danke, erledigt. Nun hat sich die Aussage natürlich wesentlich geändert.

Hannibal
8. Juli 2010 10:39

Was hier allerdings geschehen ist, ist eher ein Akt der Okkupation als der Integration, denn:

Die Flagge hänge dort „nicht wegen des Zweiten Weltkriegs, sondern wegen der deutschen Mannschaft: Weil die deutsche Mannschaft ja nicht mehr richtig deutsch ist; das ist ja Multikulti, wir gehören dazu”, erläuterte Bassal gegenüber der JF.

Herr Lichtmesz, was erwarten Sie denn eigentlich von Bassal?

M.L.: Gar nix. Was soll ich mir schon von ihm erwarten? Ich versuche nur zu beschreiben, was hier vorgegangen ist. Vor allem auch, um diejenigen Konservativen zu kontern, die das mit einem besonders engagierten Akt der Integration verwechseln.

Letzlich sind Sie und er doch gar nicht so weit voneinander entfernt: Er begreift das von ihm im obigen Zitat benannte Deutsche als Ausdruck ethnischer Exklusivität. Genau wie Sie. Daraus folgert er als arabischstämmiger deutscher Staatsbürger, dass er eigentlich nicht dazu gehört. Vermutlich genau wie die Mehrzahl hier. Nun versteht er unter dem von ihm wenig reflektierten Schlagwort "Multikulti" (das für ihn eben nicht das absolute Feindbild bzw. Reizwort darstellt, wie für die Rechte), dass ihm fortan die Möglichkeit gegeben wird, auch zu diesem Land dazuzugehören, in seinem Sinne deutsch zu sein. Deswegen hängt er die Fahne raus und setzt damit ein recht deutliches Zeichen, dass auch verbiesterte Zitatexegese ("Okkupation") nicht umdeuten kann.

Und dann heißt es noch, er macht es des Geldes wegen… Er will „unser“ Land „okkupieren“… Uswusf. Das braucht man nicht zu kommentieren.

Richtig.

M.L: Es ist ganz einfach. Entweder definiert sich Deutschland als deutsch oder als multikulturell. Beides zusammen geht nicht. Bisher war traditionell ersteres der Fall, nun findet seit etwa zwei, drei Jahrzehnten, seit dem Ansteigen der unassimilierbaren Masseneinwanderung eine Umdefinition statt, für die Bassal nur eine Anekdote, ein kleines pars pro toto unter vielen Beispielen abgibt. Letztere Neudefinition hat den Fluchtpunkt eines Vielvölkergemischs und Vielvölkerstaates, in dem die Stammdeutschen nach ein paar Jahrzehnten nur noch eine Minderheit unter anderen sein werden. Darüber kann es keine Diskussion geben: nicht nur die demographischen Fakten sind eindeutig, auch die Welt, die sich um uns verändert, zeigt uns deutlich die Richtung. Sie müssen entscheiden, ob Sie ein solches Deutschland für wünschenswert, akzeptabel, problemlos oder wertvoll halten.

Anna
8. Juli 2010 12:26

1. Ist es nicht so: Wer eine erweiterte Auffassung des Deutsch-Seins hat (deutsche und Ausländer, die sich mit einem multi-kulti Dtl & wegen mir auch dt Werten identifizieren), bringt mehr Leute dazu, hinter der Fahne zu stehen.
Entweder will man also einen veränderten Begriff der Nation, um mehr Leute auf seiner Seite zu haben (ungeachtet von Meinungsänderungen), oder nicht. Vergessen wir nicht: Je weiter die attitude am Rande liegt, desto weniger Verfechter.
2. Die Libanesen, die ich kennengelernt hatte, waren entweder "muslimische Terroristen" oder "Kommunisten". Letztere insofern interessant, da von Hause aus muslimisch, von katholischen Klosterschwestern erzogen, und ihr ganzes Leben die Erfahrung gemacht, daß weder Religion noch Nationalität für Freundschaften/Loyalitäten wichtig sind, sondern Sympathie/politische Weltanschauung etc. (der Libanon ist/war Bürgerkriegsgebiet). Hierzulande ist die Situation aber eine andere...

Distelherz
8. Juli 2010 21:14

Da haben wir nun die Lage in allen möglichen Schattierungen betrachtet, Lichtmesz' Beitrag und viele kluge und weniger kluge Kommentare dazu gelesen und wissen dennoch nicht so genau, wohin uns das gelehrte Geschnatter eigentlich führen soll.

Ich denke, kritische Analysen haben wir zu genüge hie und dorten gelesen, immer wieder gern, sofern mit scharfem Geist geschrieben, aber eben zu genüge.

Was ich vermisse, sind konkrete Perspektiven. Wo sind sie, wer mag sie aufzeigen? Was tun wir mit dem Land, das - noch? - das unsrige ist, in dieser Problemlage? Lamentiert und angeklagt wurde ja nun. Tacheles bittesehr. Gern in einem neuen Artikel, zur Debatte frei gestellt.

Harry
9. Juli 2010 08:57

@ Ellen Kositza

Ich hatte bis noch vor wenigen Minuten die Hoffnung aufgegeben, auf SiN Teile einer "Wahrnehmungselite" schreiben zu sehen. Danke deshalb für den herrlichen Artikel über "Rassismus und Antirassismus in Schnellroda". Besser kann man des Thema in all seiner Komplexität in einem kurzen Text nicht darstellen. Danke.

Richard Vonderwahl
9. Juli 2010 09:16

Distelherz, das ist nicht so einfach, wie Sie sich das vielleicht denken. Manche Altersprozesse lassen sich eben nicht einfach umkehren. Und Europa wird sicher nie mehr so sein, wie es einmal war. Die Vorstellung, mit viel Willen könne man das ändern, führt in eine Sackgasse. Dies bedeutet aber nicht, man habe nun Pfeife rauchend in den Sessel zu liegen und alles aufzugeben. Es lässt sich an der gegenwärtigen Lage viel verbessern, und ein kleiner Aufschwung ist immer möglich. Wichtig hierbei ist, die hypertrophen Konzepte, welche in den 30er-Jahren im Schwange waren, und auf die sich leider immer noch die meisten Rechten beziehen, zu vergessen. Es gilt, mit sich selbst ins Reine zu kommen und seine kleine Welt nach den richtigen Gesetzen auszugestalten, simple Regeln zu beachten, wie sie etwa im Hagakure niedergeschrieben sind. Das Ehepaar, welche «Sezession» führt, macht es vor, wie man so etwas zum Beispiel leben kann. Noch viel wichtiger als dies ist aber, dass dass der Niedergang der bürgerlichen Welt im Einzelnen Impulse auslösen kann, die zu etwas führen, was weit über der bürgerlichen Welt steht.

Distelherz
9. Juli 2010 16:19

Richard Vonderwahl, woher nehmen Sie die Annahme, ich dächte, so ein Vorhaben sei einfach? Wir sollten einmal darüber reden, welche Therapie helfen könnte und, mindestens ebenso wichtig, was überhaupt das Therapieziel sein soll. Übrigens: Mit dem Einzelkämpferprinzip und innerer Emigration kann man vielleicht seine eigene Existenz erträglich gestalten - so verfahren auch wir - aber darüberhinaus ist damit nichts zu gewinnen.

Le Coq
9. Juli 2010 16:43

Ich hatte bis noch vor wenigen Minuten die Hoffnung aufgegeben, auf SiN Teile einer „Wahrnehmungselite“ schreiben zu sehen. Danke deshalb für den herrlichen Artikel über „Rassismus und Antirassismus in Schnellroda“. Besser kann man des Thema in all seiner Komplexität in einem kurzen Text nicht darstellen. Danke.

Da rutscht mal wieder einer auf der Schmalspur zwischen abwechselnd unverschämt Daherkommen und Ranschleimen.

bernardo
9. Juli 2010 17:30

@R. Vonderwahl "simple Regeln zu beachten, wie sie etwa im Hagakure niedergeschrieben sind."

Sollten wir das Eigene nicht besser retten, indem wir es mal zu Rate ziehen, statt nach Asien zu schauen? Eher mal Goethe lesen, Hutten, vielleicht die EDDA oder selbst Marx, den alten Deutschnationalen.

@Le Coq

"Da rutscht mal wieder einer auf der Schmalspur zwischen abwechselnd unverschämt Daherkommen und Ranschleimen."

Neulich gelesen, ein Kommentar eines US-Umerziehungsoffiziers, was nach seiner Meinung und Erfahrung eigentlich das typisch Deutsche sei: They don't love each other.

Ist nicht falsch, wie die Debatten auch hier wieder zeigen.

Richard Vonderwahl
10. Juli 2010 09:04

bernardo, Goethe und Hutten sind sicherlich grosse Männer, von denen man viel lernen kann, und deren Lektüre, nebenbei gesagt, auch einfach Genuss bereitet. Man sollte aber nicht vergessen, dass sie sich im Rahmen von sehr engen bürgerlichen Grenzen bewegen. Marx möchte ich lieber nicht kommentieren... Mit der Edda – der älteren oder der jüngeren? – fahren sie sicher gut, obgleich das kein einheitliches Buch wie das Hagakure sondern im einen Fall eine Sammlung und im anderen ein distanzierter Akademikertext ist. Ausserdem ist sie ja, abgesehen von einigen Stellen, keine Handlungsanleitung, und kann deshalb nicht wirklich mit dem Hagakure verglichen werden.

Ich schlage zur Lektüre an «Eigenem» fürs Erste Meister Eckhart, Wolfram von Eschenbach und Arnold Neher vor.

Um das «Eigene» müssen wir uns in der Tat kümmern. Erstens, weil wir dafür verantwortlich sind, zweitens weil wir es am besten verstehen und drittens weil wir einfach den natürlichsten Bezug dazu haben. Aber zu glauben, der Mutternabel sei der einzige Faden zur Welt, ist dann doch etwas albern.

bernardo
10. Juli 2010 12:13

"Aber zu glauben, der Mutternabel sei der einzige Faden zur Welt, ist dann doch etwas albern."

Sehen Sie, da haben wir's wieder. Ein dummfrecher Spruch mit einer Watsche auf etwas, das niemand gesagt hat, muß in "Schland" einfach sein.

Das empfehlen weder das Hagakure noch Meister Eckart.

Wenn ich wie Sie wäre, müßte ich jetzt noch sagen:

Wahrscheinlich haben Sie in beides überhaupt noch nicht reingesehen, sonst hätten Sie mehr zu bieten als pathetisches Gequatsche wies dies:

"Noch viel wichtiger als dies ist aber, dass dass der Niedergang der bürgerlichen Welt im Einzelnen Impulse auslösen kann, die zu etwas führen, was weit über der bürgerlichen Welt steht."

Martin Lichtmesz
10. Juli 2010 12:26

Das europäische "Hagakure" stammt von Geoffroy de Charny, dem Kreuzritter und ersten historisch erfaßten Besitzer des Grabtuchs von Turin, leider gibt es das noch nicht auf Deutsch.

http://www.alternativeright.com/main/blogs/virtus/way-of-the-knight/

Richard Vonderwahl
10. Juli 2010 12:54

Lichtmesz, vielen Dak für den Tip!

bernardo, erst führen sie sich hier als engstirniger Deutschnationaler auf, der sich mit Marx ein «weltoffenes» Mäntelchen umhängt, und dann führen sie plötzlich Gossenbildungen wie «Schland» in ihrem Mund. Erst führen sie sie sich als Mimose auf, die jede argumentative Auseinandersetzung im Namen des Friedens unterbinden möchte, und dann versuchen sie, böse Sprüchlein gegen mich auszudenken. Wo ist ihre Richtung?

Und um nochmals auf das Thema des Artikels zurückzukommen, seit gestern befinden sich die Deutschlandfahnen bereits im Ramschverkauf.

bernardo
11. Juli 2010 13:31

"bernardo, erst führen sie sich hier als engstirniger Deutschnationaler auf, der sich mit Marx ein «weltoffenes» Mäntelchen umhängt, "

Goethe nehmen Sie als Zeichen für Deutschnational? Und Marx für Weltoffen? Ich würde wirklich ernsthaft die Lektüre von beidem empfehlen.

"und dann führen sie plötzlich Gossenbildungen wie «Schland» in ihrem Mund. "

Dann wäre ein Großteil der bundesdeutschen Realität Gosse, wo dieser Ausdruck sich immer mehr ausbreitet. Kann man natürlich so sehen...

Meine Richtung (s.o.) war eigentlich eher diese:

"Und um nochmals auf das Thema des Artikels zurückzukommen, seit gestern befinden sich die Deutschlandfahnen bereits im Ramschverkauf."

Das war absehbar. Also "niedriger hängen". Es ist doch nur Gekicke, ob sie nun alle die Hymne schmettern und Migrationshintergrund haben oder nicht.

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