Wille zur Macht? Nicht doch!

von Gunther Konstanz

Lieber Herr Kubitschek,

das aufgekommene Thema "Wille zur Macht" sowie "die große Einfachheit" hat mich ein wenig irritiert.

 Gastbeitrag

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Nicht, weil ich die Unge­duld und das Auf­at­men nicht nach­voll­zie­hen könn­te, wenn der Gor­di­sche Kno­ten einer dau­er­re­fle­xi­ven und ‑bedenk­li­chen Unge­wiss­heit end­lich zer­schla­gen wird. Viel­mehr, weil ich dar­in trotz aller see­li­schen Befrei­ung einen Rück­fall und Niveau­ver­lust sehe.

Gestat­ten Sie daher ein paar Anmer­kun­gen zu den Begriffen:

1. “Wil­le zur Macht”: Dar­an man­gelt es in Deutsch­land gewiss nicht – gera­de in der sog. Eli­te. Die­sen Typus haben wir sogar reich­lich, und den hat­ten wir schon vor Jahr­zehn­ten, und wir wer­den ihn auch in unse­ren Rei­hen zu Dut­zen­den auf­tau­chen sehen, wenn es tat­säch­lich mal etwas zu ver­tei­len gäbe. Mit die­sen noto­ri­schen Mani­pu­la­teu­ren, für die “Wahr­heit” (falls es sie gibt) stets nur eine tak­ti­sche Grö­ße ist, Wer­te nur ver­tei­digt wer­den, wenn sie sich poli­tisch “loh­nen” und in Mode sind, Men­schen nur als Objek­te die­nen, die man zu Zwe­cken gebraucht und ent­spre­chend unvoll­stän­dig instru­iert – und anders ist “Wil­le zur Macht” zumin­dest heu­te nun mal nicht zu rea­li­sie­ren – , füh­le ich mich schlech­ter­dings nicht soli­da­risch. Viel­mehr mit denen, die im Wider­stand mit dem Zeit­geist ihren Kopf hin­hal­ten und dafür gera­de auf poli­ti­sche, öko­no­mi­sche, peku­niä­re oder die bür­ger­li­che Repu­ta­ti­on betref­fen­de Macht verzichten.

Auch weiß man bei sol­chen Wil­lens­trä­gern nie, ob ihre Hal­tung mit Ver­nunft und v.a. Ethos gepaart ist. Der Letz­te übri­gens, der das mit dem “Wil­len” in grö­ße­rem Stil aus­pro­biert hat, hin­ter­ließ einen Scher­ben­hau­fen, der uns noch über sechs Jahr­zehn­te zu men­ta­len Helo­ten und Zelo­ten gemacht hat. Vor sol­chen unge­dul­di­gen Polit­stra­te­gen graust es mir. Man geht nicht zwei­mal durch den­sel­ben Fluss, es sei denn zum Baden, im dop­pel­ten Wort­sinn. Als Kon­ser­va­ti­ver den­ke ich aber (aller orgas­mi­scher Ent­la­dungs­phan­ta­sien, von denen ich mich kei­nes­wegs frei weiß, zum Trotz) nicht nur in (sub­jek­tiv) erfüll­ten Augen­bli­cken, son­dern in meh­re­ren Genera­tio­nen, für die man Ver­ant­wor­tung trägt, und in Rück­sicht auf die Fol­gen, die einer Sache Gesamt­scha­den zufü­gen kön­nen. Und da rate ich zur rea­lis­ti­schen Lage­be­stim­mung: Wir (d.h. vor­wie­gend Sie und Ihr Umfeld) hal­ten glück­li­cher­wei­se mit rela­tiv weni­gen Trup­pen einen geis­ti­gen Brü­cken­kopf. Das erscheint viel­leicht als nicht viel, aber ange­sichts der erdrü­cken­den Über­macht ist es gewiss nicht wenig. Wer nun aber auch ohne wesent­li­che Ver­stär­kung (kon­kret: brei­te­re Zustim­mung) zur Erobe­rung des gan­zen jen­sei­ti­gen Ufers auf­bricht, könn­te böse erwachen.

2. Damit zum Emp­fin­dungs­to­pos des alles ver­ein­fa­chen­den Auf­bruchs, zur gro­ßen Säu­be­rung, zum Weg­fall aller Alter­na­ti­ven zuguns­ten einer ein­zi­gen Ent­schei­dung oder Bewäh­rung: O ja, das ist ein schö­nes Gefühl! Ich ken­ne es zur Genü­ge aus unter­schied­lichs­ten Lagern. Als eines der ein­dring­lichs­ten ist mir um 1968 der Auf­tritt von Dani­el Cohn-Ben­dit in Erin­ne­rung, als es ihm fast gelun­gen wäre, eine Stu­den­ten-Demo an der deutsch-fran­zö­si­schen Gren­ze in die Poli­zei­knüp­pel zu mani­pu­lie­ren. Auch ich per­sön­lich kann – wie Bis­marck – von mir sagen, dass ich so man­che Nacht hin­durch gehasst habe und mich dann selbst the­ra­pier­te mit der Vor­stel­lung, wie die­ser momen­tan herr­schen­de Polit- und Medi­en­klün­gel mit einem ein­zi­gen Schlag vom Tisch gefegt wer­de. Wie sie dann win­seln, um einen Job bet­teln, beteu­ern, es nicht so gemeint zu haben: Man hät­te damals eben so sagen oder schrei­ben müs­sen; dabei hät­ten sie per­sön­lich nie­mals … usw., usf.

Aus der Distanz fürch­te ich, dass sol­che Macht­träu­me nicht die bes­ten Stun­den mei­nes Lebens waren. Dann habe ich fast, aller­dings nur fast, ein wenig Mit­leid mit die­sem seit einem Jahr­hun­dert dau­er­päd­ago­gi­sier­ten Volk, das nie­mals wag­te, es selbst zu sein. Außer­dem, wer möch­te hier regie­ren oder im Wort­sinn herr­schen und damit den nun mal wie­der umge­dreh­ten Unter­ta­nen das Fürch­ten leh­ren und ihre Spei­chel­le­cke­rei­en gou­tie­ren, wäh­rend die weni­gen geg­ne­ri­schen Auf­rech­ten für alles büßen müss­ten. Eher schon behagt mir die Vor­stel­lung, dass sich dem­nächst die Pha­lanx einer Gegen­eli­te durch rea­len Pro­blem­druck zuneh­mend ver­brei­tert. Dass deren Kom­pe­tenz für die wei­te­re Exis­tenz des Staa­tes unver­zicht­bar wird. Und dass ihnen dies die Mög­lich­keit eröff­net, im Hin­ter­grund als eigent­li­che Akteu­re die schlimms­ten Gau­ke­lei­en der His­tr­io­nen-Poli­ti­ker zu verhindern.

Fazit: Ein schö­nes Gefühl, das ich nicht iro­ni­sie­ren will, in Ehren. Ich emp­feh­le aller­dings statt­des­sen Ben­ns “Den­noch die Schwer­ter hal­ten”. Von der Kom­ple­xi­tät wer­den wir via Roman­tik nicht mehr befreit. “O, wenn wir unse­re Urur­ah­nen wären, ein Klümp­chen Schleim in einem war­men Moor!” lau­tet eins mei­ner Lieb­lings­ge­dich­te des glei­chen Autors.

Ja, wenn wir es wären …! Aber die­se Erfah­rung aus­blen­den­de Nai­vi­tät ist künst­lich. Wir müs­sen es lei­der als “Hirn­tie­re” schaffen.

Mit freund­li­chem Gruß,
Gun­ther Konstanz

 Gastbeitrag

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Kommentare (22)

Simon Bruenler

10. Juli 2010 12:12

Douglas MacArthur sagte einmal: Es ist fatal, in einen Krieg zu ziehen ohne den Willen, ihn zu gewinnen.

Es mag sein, daß der Autor den Eindruck hat es würde in Deutschland bei vielen den Willen zur Macht geben. Doch hat es zu allen Zeiten immer nur wenige gegeben, die diesen Willen tatsächlich aufbrachten. Glaubt denn irgendjemand, daß Angela Merkel auf Dauer jemanden in ihrer Nähe duldete der tatsächlich diesen Willen zur Macht hat? Oder daß dieser Wille in den Amtsstuben und Parteizentralen bei vielen zu finden sei? Der Autor verwechselt hier Katzbuckeln, Anbiederung und Opportunismus mit dem Willen zur Macht.

Wenn der Auto hier meint, daß anders als mit kaltem Egoismus und Opportunismus heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist stellt er sich in die Reihe derer, meinetwegen ohne es zu wissen, die ihren Lebenszweck im Jammern sehen, daß ja alles so schlecht sei und gar keine Besserung möglich.

Auch wenn er meint, daß sich der Wille zur Macht schon wegen Hitler verbietet (ja, ich traue mich den Namen auszusprechen) geht er nur der Propaganda unserer rückgratlosen Polit-Elite auf den Leim. Nur weil beim letzten Mal ein augenscheinlich Irrer aus Braunau den Willen hatte die Macht zu ergreifen ist das für alle Konservativen die danach kommen also kein gangbarer Weg mehr....
Es tut mir leid, aber auf solche Weisheiten verzichte ich dankend und sehe mich nach echter Hilfe um.

Auch ist eines zu bedenken: Jemandem der sich selbst nicht den Sieg zutraut wird niemand der auch nur einen Rest von Verstand hat zu Hilfe eilen, es sei denn er leide unter einem ausgeprägten Helfersyndrom. Auch dürfte es weniger als zwecklos sein auf Zustimmung der Massen zu hoffen. Sind doch gerade die Massen durch andauernde Propaganda sediert bis zur Bewegungslosigkeit. Die größte Anstrengung zu der man sich heute noch aufraffen kann ist der wohlfeile "K(r)ampf gegen Rechts", symbolisiert durch Lichterketten und andere Folklore. Trotzdem täusche man sich nicht: Die gleichen Leute die bei den Lichterketten mitmachen, würden auch bei Veranstaltungen rechts-konservativer Prägung mitmachen, vorausgesetzt sie haben das Gefühl dabei auf der Seite derer zu sein die gewinnt oder schon gewonnen hat.

Das der Autor hofft, daß sich plötzlich eine Gegen-Elite bildet, zeigt zwar, daß er anscheinend romantisch veranlagt ist, aber die Geschichte zeigt leider immer wieder, daß Romantiker in der Mehrzahl der Fälle eben dieses bleiben, Romantiker.

Tatsächlich haben wir es heute mit folgender Lage zu tun:
Unser Volk liegt geknechtet und geknebelt darnieder und huldigt einem Schuldkult der ihm von außen aufgezwungen wird. Unsere Eliten und Politiker sind Männer und Frauen denen Begriffe wie Ehre und Gewissen so fremd sind, daß sie nicht einmal wissen was diese Begriffe auch nur bedeuten. Um es kurz und prägnant zu sagen: Früher nannte man es Hochverrat, heute nennt man es parlamentarische Arbeit.

Den Amtseid den unsere Regierenden bei Einsetzung leisten müssen haben sie, kaum daß ihnen die Worte von den Lippen gehen, auch schon wieder vergessen. Statt die Interessen des deutschen Volkes zu vertreten, übt man sich darin all unseren Nachbarn zu versichern ihr Knecht in Ewigkeit zu sein.

Dieses politische System ist verottet bis ins Mark. Es hat keine Selbstheilungskräfte mehr. Wer sich das Gegenteil einbildet könnte auch genausogut daran glauben, daß der Klapperstorch die kleinen Kinder bringt. Tatsache ist auch, daß unsere Eliten von dem gegenwärtigen System recht gut leben können. Warum sollten sie es also ändern?

Auch wer noch wähnt Deutschland habe eine freiheitlich, demokratische Grundordnung sollte sich dringend in psychologische Behandlung begeben. Derlei Wahnvorstellungen können allerdings durch eine Konfrontationstherapie mit der Realität geheilt werden. Als Aufbautherapie empfehle ich das Studium der alten Klassiker. Hier ist speziell Montesquieu zu empfehlen mit seiner Abhandlung über die Gewaltenteilung.

Freilich werde ich nicht so dumm sein mich an dieser Stelle über die Schlußfolgerungen zu verbreiten die aus dem gesagten zu ziehen sind. Das überlasse ich dem geneigten Leser.

Toni München

10. Juli 2010 15:42

Ich habe vor einigen Tagen eine Kündigung erhalten, die mich seither beschäftigt: Die Sezession – so schrieb der Leser – sei in ihrer Intellektualität aller Ehren wert, und wer solches suche, fände es wenn, dann bei uns. Er aber suche etwas anderes, er suche den Willen zur Macht. Und er habe den Eindruck gewonnen, daß die Sezessionisten diesen Willen nicht aufbrächten.

Wenn das, Herr Kubitschek, die ganze Begründung war, dann stellt sie dem Kündiger ein armseliges Zeugnis aus. Es sei denn, er verrät uns den besseren Weg zur Macht, den er doch wohl stattdessen mit allem Willen zum Wollen eingeschlagen hat.
Ich fürchte aber, hier hat nur ein Willensschwacher die Segel gestrichen, vielleicht auch nur, weil er seinen Jammer und die Abo-Gebühr für die „Sezession“ lieber am Ballermann oder zuhause mit der Billigmarke Öttinger Weißbier ersäuft. - Obwohl das Bier gar nicht schlecht ist, mein Schwiegervater trinkt es auch.

Wegen der Begründung für die obige Kündigung sollten Sie, Herr Kubitschek, nicht allzu lange ins Grübeln geraten. Denn Form und Inhalt Ihres deutschen Gesamtauftritts verdienen allen Respekt. Hätten wir nur mehr von Ihrer Sorte.

„Oh Muttererde, Vaterland was wäre ohne euch das Leben.“ (aus: Das Eiserne Gebet)

Distelherz

10. Juli 2010 15:50

Im Grunde versteckt sich hinter dem langen Text die simple Erkenntnis, daß der Wille zur Macht keine Tugend für sich ist. Der Wille ist das notwendige Instrument, um eine zur Einsicht gereifte politische und ethische Auffassung zur normativen Kraft werden zu lassen.

Bei unserer derzeitigen politischen Klasse, da gebe ich dem Autor recht, finden wir den Willen zur Macht zu genüge, jedoch ohne das ethische Fundament oder eine ideelle Perspektive. In der intellektuellen politischen Rechten hingegen finden wir ethisches und ideelles Bewußtsein, aber keinen Willen zur Macht. Wir brauchen beides, wenn wir uns nicht in ewigwährender Larmoyanz weiter um uns selbst drehen wollen.

Rüdiger Happ

10. Juli 2010 16:47

Der Vorwurf, die SEZESSION habe keinen Willen zur Macht, ist ganz albern. Eine politische Zeitschrift ist eben eine ZEITSCHRIFT und keine PARTEI; ihre Aufgabe ist es zu analysieren, zu betrachten, Denkanstöße zu bieten - mehr nicht.

T.D

10. Juli 2010 19:30

Ich fürchte aber, hier hat nur ein Willensschwacher die Segel gestrichen, vielleicht auch nur, weil er seinen Jammer und die Abo-Gebühr für die „Sezession“ lieber am Ballermann oder zuhause mit der Billigmarke Öttinger Weißbier ersäuft.
++++++++++++

Diese Ferndiagnose sagt wohl mehr über sie aus, als über den Abo Kündiger. Nichts neues bei den Rechten, immer waren es nur "Halbe", welche eh nie "dazu gehört" haben. So voraussehbar wie langweilig.

Th.R.

11. Juli 2010 12:23

Der Wille zur Macht ist immer mit einer Idee, einer Vorstellung von einem bestimmten Ideal verbunden. Der Wille, eine bestimmte Idee in einer Position der "Macht" über die Wirklichkeit sehen zu wollen, erhält seine Kraft aus der bewußten Einsicht oder unbewußten Ahnung des Einzelnen, dass die Idee (individuelles) Heil verheißt.

Was der Mensch will, das hofft und glaubt er auch.
Die Idee ist die Hoffnung, auf die sich der Glaube des Einzelnen richtet. In diesem Sinne ist die Idee eine Macht- und Heilsquelle, die einen Willen im Einzelnen überhaupt erst generiert, und infolgedessen sich das Wollen, Denken, Fühlen und Handeln des Einzelnen auf diese Idee hin ausrichten ausrichten.

In diesem Sinne ist die Idee der positive Pol (d.h. Macht- und Heilsquelle), auf den hin der menschliche Wille einer jeden schwachen, mangelbehafteten, endlichen Menschenseele (das ist der negative Pol) zustrebt. Und eben diese Poligkeit zwischen Idee und Menschenseele ist die Ursache allen Idealismuses.

Das Problem, das sich ergibt, wenn man eine bestimmte Idee der Masse pur "zu verkaufen" beabsichtigt, ist die begrenzte geistige Aufnahmefähigkeit der Masse. Wenn man auf die Einsichtigkeit und Vernunft der Masse hofft, hat man als Ideenverkäufer schon verloren.
Denn es kommt auch auf die Form an, in der die Dogmen der Masse verabreicht werden. Sie muß eine der begrenzten Aufnahmefägigkeit der Masse entsprechende sein.

Am effektivsten hat sich das Mittel der "Personifizierung" einer Idee erwiesen. Der Wesensgehalt einer Idee wird der Masse hierbei so zusagen indirekt über die Charakterzüge und den Werdegang eine Ikone, eines Helden, eines Propheten usw. vermittelt: Jesus im Christentum, Mohammed im Islam, Lehrmeister Kong im Kunfuzianismus, Hiltler im NS, Stalin,Lenin, Marx, Brandt/Frahm in der BRD, usw. Insbesondere die fiktiven menschlichen Gottesbeauftragten und Gottesgesandten haben ihre Rolle als Mittler zwischen Idee und Einzelmensch hervorragend gemeistert, bis heute! Sie haben ihre geistige Strahlkraft auf ungezählte Glieder innerhalb der Generationenkette ausgeübt und werden dies wohl noch in tausend Jahren tun, weil sie es verstanden haben, der Masse ihre Idee (glaubhaft) als eine ewig seiende zu verkaufen.

Worauf ich hinaus will: Unsere Idee (d.i. schlicht die Erhaltung des deutschen Volkes und der w.R. im Dasein) müßte der Masse in einer völlig neuen Form verabreicht werden. Die Chinesen haben ihren Kunfuzianismus, der Moslem den Koran, die Söhne Israels ihre heiligen Schriften. WIr haben nichts dergleichen. Wir sollten von den anderen lernen.

Faschist

11. Juli 2010 20:46

Falsch, ganz falsch der obige Artikel.

Und in der Masse auch die darauf folgenden Kommentare.

Der Wille zur Macht ist nichts was man bejaht oder verneint, der Wille zur Macht ist der letzte Beweggrund alles Lebens.

Dieser Tatsache kann man sich stellen oder die Augen vor ihre verschließen, sich ihr entziehen kann man nicht.

Die Haltung in dieser Frage ist deshalb weitaus besser zur Kategorisierung des politischen Spektrums geeignet als links/rechts, konservativ/revolutionär etc..

Stalin und Mao waren zwar Kommunisten, aber sie waren das aus dem Bewusstseins des Willens zur Macht heraus, sprich sie waren Kommunisten weil der Kommunismus für sie die Zukunft war, die junge sieghafte Kraft in deren Zuge man selbst zu höchster Macht gelangen würde.

Im Gegensatz dazu stehen die v.a. die deutschen Kommunisten, die selten Kommunisten aus Machtbewusstsein waren, sondern Kommunisten aus Moral im Sinne von "die armen Arbeiter, so gebt ihnen doch endlich Brot" waren.
Dieser Typus des linken dt. Ideologen hat sich bis heute nicht wesentlich gewandelt.

Das gleiche gilt für die "rechte, konservative" Seite.

Auf der einen Seite gibt es Leute wie Gunther Konstanz, die meinen sie wären einem "Ideal", einem "Ethos" verpflichtet, und auf der anderen Seite Leute wie Ernst Jünger, Oswald Spengler, und als Begründer und Schöpfer dieser ganzen Geisteshaltung, in dessen Nachfolge Hitler und Stalin gleichermaßen stehen, Nietzsche, die sich über den Wert an sich erhoben und ihn ihrem Willen zur Macht unterordneten.

Was den Stalin/Mao von Hitler/Mussolini trennt ist ein Streit um die konkrete Ausführung des prinzipiell gleichen Grundgedankens.

Und was Hitler angeht, dessen 12 jährige Regentschaft angeblich dafür verantwortlich ist, dass das dt. Volk sich nun im Helotentum wiederfindet, so ist dieser Umstand den Herren Speer und Dönitz geschuldet: Ein Volk, das nicht kapituliert und im Angesichts der unausweichlichen Niederlage geschlossen in die eigene Vernichtung weitermarschiert hat den höchst möglichen Abstand vom Zustand des Helotentums erreicht.

Simon Bruenler

11. Juli 2010 23:58

Ein Punkt in dem ich Faschist zustimme ist, daß Männer wie Mao, Stalin, Hitler und Mussolini tatsächlich den Willen zur Macht hatten. Auch Männer wie Dschingis Khan, Napoleon, Marc Aurel und Cäsar hatten diesen Willen. Die Frage ist nur: Welche dieser Männer eignen sich zum Vorbild? Eignet sich ein Adolf Hitler oder Josef Stalin wirklich zum Vorbild? Und sei es nur in dem Punkt ihrer Willensstärke? Oder hat Faschist unrecht wenn er die Frage darauf reduziert, ob jemand den Willen zur Macht hat oder eben nicht?

Ich meine, daß es eben doch auf die Motivation ankommt aus der heraus man nach der Macht strebt. Es kommt eben darauf an, daß man einem Ethos verpflichtet ist, einem Wertekanon welchen man unbedingt befolgt.

Der Wille zur Macht ohne die selbst auferlegten Zügel eines Ethos, eines Wertekanons, endet unweigerlich in endloser Barbarei. Der unbedingte Wille zur Macht sowohl Hitlers als auch Churchills endete letztlich in den Trümmern Dresdens und Berlins. Der unbedingte Wille zur Macht eines Mao und Stalins endete in Millionen Toten. Ein Imperium das auf den Knochen der Toten erbaut wurde mag halten so lange der Erbauer lebt, aber es wird zusammenbrechen wenn die eiserne Faust sich lockert.

Wer glaubt, daß der Wille zur Macht das allein entscheidende Kriterium ist dem sich alles unterzuordnen hat, mag ein gefürchteter Herrscher werden. Bestand wird sein Erbe jedoch keinen haben.

Burnd Benkenstedt

12. Juli 2010 09:40

"Worauf ich hinaus will: Unsere Idee (d.i. schlicht die Erhaltung des deutschen Volkes und der w.R. im Dasein) müßte der Masse in einer völlig neuen Form verabreicht werden. Die Chinesen haben ihren Kunfuzianismus, der Moslem den Koran, die Söhne Israels ihre heiligen Schriften. WIr haben nichts dergleichen. Wir sollten von den anderen lernen."

Na dann mal Freiwillige vor...

"Und was Hitler angeht, dessen 12 jährige Regentschaft angeblich dafür verantwortlich ist, dass das dt. Volk sich nun im Helotentum wiederfindet, so ist dieser Umstand den Herren Speer und Dönitz geschuldet: Ein Volk, das nicht kapituliert und im Angesichts der unausweichlichen Niederlage geschlossen in die eigene Vernichtung weitermarschiert hat den höchst möglichen Abstand vom Zustand des Helotentums erreicht."

Wer hindert Sie daran, Ihrem Helotentum ein Ende zu setzten?

Herr Konstanz, Sie haben vollkommen recht. Traurig wird es dann, wenn Menschen, denen Redlichkeit, als ein Gegenpol des "reinen Willens zur Macht", auch noch etwas bedeutet, durch solch unsinnigen Positionen wie die der zwei zitierten Vorredner regelrecht in den Dreck gezogen werden. Meine Herren, wer will Ihre Monologe hören?

Natürlich lässt sich die Welt einzig und allein auf den "Willen zur Macht" reduzieren, natürlich findet sich beispielsweise in der Politik auch der passende Menschenschlag hierzu, der unter Punkt 1 recht treffend von Herrn Konstanz beschrieben wurde. Andererseits gibt es doch immer noch die reflexive Gegenprobe. Und da sehe ich mich weder rein libidogesteuert, wie die Freudianer und unsere moderne Konsumgesellschaft mit einreden wollen, noch vom "Willen zur Macht" dominiert. Was mich übrigens freut. :)

Das mag bei Ihnen natürlich anders sein, Faschist, dann müssen Sie sich aber auch die Frage gefallen lassen, wozu Sie überhaupt noch hier, im "neurechten Death Valley", schreiben, wenn Sie tatsächlich vom "Willen zur Macht" beseelt sind? Fehlt es Ihnen etwa an der Kraft, am natürlichen Rang, im freien Spiel der Kräfte genügend Mitstreiter zu finden? Ansonsten würde ich Ihnen dringend raten, schleunigst Ihr Image zu wechseln, und der jungen Union beizutreten. Oder den Grünen, die sollten momentan auch Konjunktur haben. Wenn Sie es dann geschafft haben, können Sie sich ja nochmal melden. Ein Tipp noch: halten Sie sich bei Ihrem Aufstieg von den "Willigen der Macht" fern. Mangel an Beständigkeit usw., Sie verstehen schon.

Wissen Sie, was ich Ihnen unterstellen würde?
Wer über den "Willen zur Macht" diskutiert geht tiefer, als ihn bloß zu verkörpern, er versucht eine redliche Fassung der Welt zu schaffen, er gesteht aus dem "Willen zur Redlichkeit" die Möglichkeit ein, es könne letzlich alles auf diesen "Willen zur Macht" hinauslaufen.
Na, was sagen Sie dazu?
Einem Stalin oder einer Merkel würden solche Worte niemals über die Lippen kommen. Sie würden sich damit schließlich selbst Ihre Wettbewerbsvorteile nehmen. ;)

Überhaupt: Der Wille zur Macht. Kollektiv oder doch lieber rein egoistisch?

Herr Konstanz hat alles Nötige gesagt. Hinzuzufügen bleibt anlässlich der Diskussion eigentlich nur, dass man vielleicht streng zwischen zwei Sorten "Rechter" unterscheiden sollte:

Einmal den "umgedrehten Krisengewinnler", der den Mangel an natürlicher Begabung, eigener Substanz zumindest in der Rolle der Kassandra zu überspielen hofft, und dann als Gegenpol den "Redlichen", der die Nachteile einer aufrichtigen Haltung in Kauf nimmt, obwohl er die Krise nicht bräuchte, um "Jemand" zu sein.

Die Sezession steht damit vielleicht nicht für den "Willen zur Macht", aber doch oft genug für den "Willen zur Redlichkeit".

Ich halte mich an die Redlichen. :)

Anna

12. Juli 2010 10:22

Es mag nun wirklich profan sein, aber die Frage ist doch eigentlich, wie "wir" etwas ändern können.
Und dafür braucht man eben Macht. Die uns wiederum fehlt.
Dafür müssen wir Macht definieren. Handelt es sich nun Willen, oder vielleicht Geld (!), oder einem charismatischen Führer mit Volksverbundenheit à la Haider?

Überlege ich, was ICH dazu beitragen könnte, wird es dürftig. Mir fällt (leider) nur ein: Mund halten, damit ich einen Job bekomme, damit meine Kinder ihre Freunde behalten, damit ich meine Freunde behalte und heimlich "falsch" wählen und "falsch" lesen... Ab und zu wohldosiert "falsche" Ansichten verbreiten und viele Kinder zu bekommen. Was ist denn die Alternative? (Ohne Vermögen und mit Kindern)

"Ich meine, daß es eben doch auf die Motivation ankommt aus der heraus man nach der Macht strebt."

Welcher Machtmensch ist denn so ein moralisch überlegener Mensch?

"Jemandem der sich selbst nicht den Sieg zutraut wird niemand der auch nur einen Rest von Verstand hat zu Hilfe eilen, es sei denn er leide unter einem ausgeprägten Helfersyndrom." und: @ Distelherz

Natürlich. Richtig. Aber soll ich mich deswegen für die Partei xy aufstellen lassen? Mit personellen und privaten Konsequenzen? Teufelskreis: schlechte Wahlmänner, schlechte Mitglieder -> wenig Stimmen.
Aber mal ehrlich: durch "Geld" erreicht man doch ganz einfach Unterwanderung von Parteien und Kampagnen, wodurch sich Zersetzung ergibt.

"Die gleichen Leute die bei den Lichterketten mitmachen, würden auch bei Veranstaltungen rechts-konservativer Prägung mitmachen, vorausgesetzt sie haben das Gefühl dabei auf der Seite derer zu sein die gewinnt oder schon gewonnen hat."

Stimme Ihnen in der Konsequenz völlig zu. Bin allerdings nicht sicher, ob es um Macht geht oder nicht doch irgendwie um Gewissen.

@ Th. R.
Gefällt mir. Aber - es geht ja tatsächlich nicht nur um das dt. Volk und die w. R... Es geht ja auch um die s. R. etc. Man müsste den "Minderheitenschutz" und das Recht auf kulturelle Selbstbestimmung gegen die MultiK-Ideologie konsequent ausspielen.

@ Faschist
Aber wenn bei Jünger der Willen zur Macht erkennbar war, dann ist er doch nach Ihrer These auch bei der sezession...
Und: Hitler hat nicht kapituliert. Wieso sollten es dann die anderen..

Faschist

12. Juli 2010 14:51

@Burnd Benkenstedt

Danke für ihren Beitrag.
Gerade weil sie die gut-/letztmenschlich Argumente oder besser Affekte und Fehlschlüsse so überzeugt von sich geben ist ihr Geschreibsel perfektes Anschauungsmaterial dafür welche Haltung es zu überwinden gilt.

Wer hindert Sie daran, Ihrem Helotentum ein Ende zu setzten?

Der übermächtige Feind der dem Niedergeworfenen das Aufrappeln verwehrt würde ich mal sagen. Aus ihrer Aussage klingt aber heraus, dass sie um einen Königsweg aus der akutellen dt. Misere wissen, der mir in meiner Ignoranz nicht bewusst ist. Wenn dem so ist teilen sie ihn mir bitte mit.

Das mag bei Ihnen natürlich anders sein, Faschist, dann müssen Sie sich aber auch die Frage gefallen lassen, wozu Sie überhaupt noch hier, im „neurechten Death Valley“, schreiben, wenn Sie tatsächlich vom „Willen zur Macht“ beseelt sind? Fehlt es Ihnen etwa an der Kraft, am natürlichen Rang, im freien Spiel der Kräfte genügend Mitstreiter zu finden? Ansonsten würde ich Ihnen dringend raten, schleunigst Ihr Image zu wechseln, und der jungen Union beizutreten.

Ganz einfach deshalb, weil ich innerhalb des "rechten" Spektrums ein sehr viel größeres, tieferes und umfassenderes Potential zur Macht sehe als in den etablierten Verwaltern des Niedergangs. Sich in diesen Zeiten in die etablierte Parteienpolitik zu begeben heißt auf jede Möglichkeit den Kurs des eigenen Kollektivs, d.h. des dt. Volkes, noch in eine andere Richtung zu lenken zu verzichten und stattdessen dem schleichenden, gleichwohl unausweichlichen Niedergang Deutschlands vorzusitzen.

Überhaupt: Der Wille zur Macht. Kollektiv oder doch lieber rein egoistisch?

Guter Punkt, im Prinzip bleibt die konkrete Ausformung des Willens zur Macht dem Individuum/der Kultur überlassen, im Deutschen lautet das Zauberwort preußischer Sozialismus oder Jüngerscher Arbeiterstaat, in dem der bürgerliche Gegensatz ziwschen Individuum und Kollektiv aufgehoben ist. Der Wille zur Redlichkeit ist an und für sich verdienstvoll, führt aber in letzter Konsequenz zu seiner Selbstauflösung und, nach einer nihilistischen Zwischenphase, zum Willen zur Macht:

„Der Moral das Vertrauen gekündigt – warum doch! Aus Moralität" Friedrich Nietzsche

Oder woher haben sie denn ihre hehren konservativen Werte? Und was haben sie damit den Linken mit ihren Werten vorraus? Religion, Humanität etc. hatten ihre Berechtigung, aber Zeiten ändern und wer sich aus falsch verstandenem Konservatismus nicht mit ändert verdammt sich und sein Leben zur historischen Bedeutungslosigkeit.

Wolf Wiedensahl

12. Juli 2010 15:43

Klugschiß am Rande: Das mit dem 'Willen zur Macht' ist im Original (Nietzsche) ein bißchen komplizierter. Es lohnt sich, gelegentlich einmal dort nachzulesen (jenseits von Parteien, Pinschern, Panzern und Pappkameraden).

S.M.

12. Juli 2010 15:43

Antaios, Sezession, IfS: Das sind metapolitische Grundlagenwerke, KSA, Schulungen (Akademien) und - soweit ich sehe - zwei Großfamilien.

Mehr geht einfach nicht - oder was stellt sich der Abo-Kündiger vor? Soll die Sezession zu einer radikal-utopischen Kampfschrift werden und in einer Art "Marsch auf Berlin" einen Putschversuch starten?

Es ist absolut lächerlich, mangelnden Willen zu unterstellen. Die Grenzen des Möglichen sind schon lange ausgelotet. Was nun bleibt: Langsame Expansion, die sich z.B. an den Sezession-Abo-Zahlen ablesen läßt. Aber im Endeffekt wird dies politisch auch nichts bewirken. Irgendwann gehen K. und W. in Rente und dann löst sich die Gruppe wieder in alle Windrichtungen auf. Das hatten wir doch alles schon in der Vergangenheit: Erst das "Gewissen" um Heinrich von Gleichen, dann Criticon um Schrenck-Notzing und nun eben die Sezession um K. und W. Das ist sozusagen die ewige Wiederkunft des Gleichen. Die einzig theoretisch denkbare Option ist, daß irgendwann mal wieder eine faschistische Massenbewegung oder eine einflußreiche rechte Großpartei auf den Plan tritt. Dann könnten die Sezessionisten versuchen, dort anzudocken, um ihr Ideengut einzuspeisen. Allerdings ist das schon 1933 gescheitert und wird vermutlich wieder scheitern.

Was bleibt ist, wie Herr K. schon sagte, "eine Spur" zu hinterlassen. Wenn man Akzente setzt und nicht mit den BRD-Konsumschweinchen mitschwimmt, behält man immerhin einen Rest an Würde. Mehr kann das neurechte Milieu (leider) nicht bieten. Wer das nicht akzeptieren will, möge sein Abo getrost kündigen.

Burnd Benkenstedt

12. Juli 2010 20:10

@Burnd Benkenstedt

Danke für ihren Beitrag.
Gerade weil sie die gut-/letztmenschlich Argumente oder besser Affekte und Fehlschlüsse so überzeugt von sich geben ist ihr Geschreibsel perfektes Anschauungsmaterial dafür welche Haltung es zu überwinden gilt.

Man hilft, wo man kann. Selbst wenn es dann letzlich doch nur für "affektiertes Geschreibsel" reicht. :)

Wer hindert Sie daran, Ihrem Helotentum ein Ende zu setzten?

Der übermächtige Feind der dem Niedergeworfenen das Aufrappeln verwehrt würde ich mal sagen. Aus ihrer Aussage klingt aber heraus, dass sie um einen Königsweg aus der akutellen dt. Misere wissen, der mir in meiner Ignoranz nicht bewusst ist. Wenn dem so ist teilen sie ihn mir bitte mit.

Ich denke, Ihren sogenannten Königsweg haben Sie in der von mir zuletzt zitierten Passage bereits selbst dargelegt. Der heroische letzte Akt, niederträchtigerweise von Karl von Dönitz vereitelt, lässt sich doch aber jederzeit nachholen? Oder ist Ihnen ein individueller Selbstmord etwa zu schäbig, brauchen Sie Mitstreiter, um diesen "Akt" ins Sinnhafte zu heben?

Noch etwas: Ein "übermächtiger Feind" ist natürlich immer etwas Schönes: Weniger Verantwortung, mehr Ruhm für denjenigen, der sich dem trotz Übermacht und verlorener Lage entgegenstellt. Mehr als Gesinnung braucht es in solchen Situationen ja eh nicht, gell? ;)

Das mag bei Ihnen natürlich anders sein, Faschist, dann müssen Sie sich aber auch die Frage gefallen lassen, wozu Sie überhaupt noch hier, im „neurechten Death Valley“, schreiben, wenn Sie tatsächlich vom „Willen zur Macht“ beseelt sind? Fehlt es Ihnen etwa an der Kraft, am natürlichen Rang, im freien Spiel der Kräfte genügend Mitstreiter zu finden? Ansonsten würde ich Ihnen dringend raten, schleunigst Ihr Image zu wechseln, und der jungen Union beizutreten.

Ganz einfach deshalb, weil ich innerhalb des „rechten“ Spektrums ein sehr viel größeres, tieferes und umfassenderes Potential zur Macht sehe als in den etablierten Verwaltern des Niedergangs. Sich in diesen Zeiten in die etablierte Parteienpolitik zu begeben heißt auf jede Möglichkeit den Kurs des eigenen Kollektivs, d.h. des dt. Volkes, noch in eine andere Richtung zu lenken zu verzichten und stattdessen dem schleichenden, gleichwohl unausweichlichen Niedergang Deutschlands vorzusitzen.

Das überrascht mich dann doch.
Wenn Ihnen die jungen CDUler oder Grünen zu wenig Potential besitzten, warum marschieren Sie dann nicht direkt für die -immerhin schon- "nation building"- Zentrale in Washington? Irgendwie verträgt sich Ihr Machtwille jedenfalls nicht so ganz mit dem stumpfen Festhalten an einer spezifischene Nation.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, geht es aber auch gar nicht um konkrete Handlungsmöglichkeiten, sondern vielmehr das "Potential zur Macht", in letzter Instanz also die Radikalität der Entwürfe?!
Da wiederum sollen, so munkelt man, die Marxisten den "Rechten" (von denen Sie reden) druchaus das Wasser reichen können.
Nicht, dass ich dann am "Tag der nationalen Befreiung" an Ihrer Seite stehe, und die Frustwandlung durch die "Niederungen des Alltags" hin zum Marxismus miterleben muss?! ;)

„Der Moral das Vertrauen gekündigt – warum doch! Aus Moralität“ Friedrich Nietzsche

Sie spielen mir in die Hände. Was ist denn hier die Moralität? Doch wohl der Hang zur Redlichkeit!

Oder woher haben sie denn ihre hehren konservativen Werte? Und was haben sie damit den Linken mit ihren Werten vorraus? Religion, Humanität etc. hatten ihre Berechtigung, aber Zeiten ändern und wer sich aus falsch verstandenem Konservatismus nicht mit ändert verdammt sich und sein Leben zur historischen Bedeutungslosigkeit.

Wissen Sie, um ehrlich zu sein, lese ich diese Seite, weil ich im Innern ein gläubiger Mensch bin. Vielleicht kein Dogmatiker, aber doch jemand mit dem Gespür für "das Wahre, Gute, Schöne"?!
Wenn ich hier also antworte, dann geschieht das nicht etwa aus einem Willen zur Macht, da könnte ich Zielführenderes leisten, sondern auch aus dem Bedürfniss dieses "Wahre, Gute, Schöne" zu seinem Recht kommen zu lassen. Und was Sie, Faschist, hier leisten, ist einfach nur geistige Ejakulation auf niedrigstem Niveau. Insofern muss ich Ihnen sogar zustimmen: Es geht Ihnen nicht um ein Sache, die persönliche Befriedigung reicht schon vollkommen aus. Einen Gefallen tuen Sie dieser Seite mit Ihren Kommentarn aber sicherlich nicht.

Was ist denn die eigentliche Misere der Rechten? In der Masse zu wenige wirklich durchsetzungsstarke, positiv denkende Persönlichkeiten zu besitzen. Niemand will ständig nur vom "übermächtigen Feind" hören. Arbeiten Sie an Sich selbst!

Martin Lichtmesz

12. Juli 2010 21:37

In der Masse zu wenige wirklich durchsetzungsstarke, positiv denkende Persönlichkeiten zu besitzen. Niemand will ständig nur vom „übermächtigen Feind“ hören. Arbeiten Sie an Sich selbst!

Wir werden daran arbeiten, von nun an fromme Lügen aufzutisc hen. Und das, obwohl wir keine Politiker, sondern nur Publizisten sind!

Nihil

12. Juli 2010 22:10

Faschist hat schon einige wichtige Punkte angeschnitten und manches korrigiert. Ich will hier anknüpfen: wenn wir vom "Willen zur Macht" sprechen, dann kommen wir um Nietzsche nicht herum - diese Formel ist quasi untrennbar mit seinen Texten verbunden. Wenn Nietzsche den Willen zur Macht aber als das Lebensprinzip schlechthin begreift, so ist der Wille zur Macht letztlich nichts weniger als der allgemeine Lebenswille ... oder der Wille zur "Selbstbehauptung", wie hier öfters geschrieben wird. Ich würde hier noch einen kleinen Unterschied interpretieren: Nietzsches "Wille zur Macht" ist nicht unbedingt "konservativ", da es dabei auch darum geht sich nicht nur zu behaupten sondern dem Anderen seinen Willen radikal und total *aufzuzwingen*. In Nietzsches Texten kann man vieles (auch [scheinbar] Widersprüchliches) finden, aber sicher keine Begrenzung dieses Prinzips. Zum Ausgangspunkt: wenn der Sezession-Kündiger also vom Willen zur Macht schreibt und diesen in einer Zeitschrift sucht, liegt er mMn von Anfang an falsch. Der Wille zur Macht ist intrinsisch, er findet im Leben statt, er ist das Leben und keine Abstraktion. Eine intellektuelle Auseinandersetzung - wie sie eine Zeitschrift bestenfalls leisten kann - ist zwar real, aber dennoch immer eine Abstraktion des Lebens, eine Metaebene (-> Metapolitik!). Also: die wahren Abenteuer sind im "echten" Leben und sind sie nicht im "echten" Leben, dann sind sie nirgendwo (PS: André Heller lag falsch, aber das ist wohl mindestens seinem "Migrationshintergrund" geschuldet).

Emorechter

13. Juli 2010 03:26

In dieser Diskussion scheinen mir zwei Dinge durcheinander zu gehen.

1. Zunächst mal sehe ich keinen Grund, hier auf dem kündigenden Abonennten herumzuhacken. Er hatte etwas anderes erwartet und wurde enttäuscht. Warum sollte er nicht kündigen und seinen Grund dafür zum Ausdruck bringen?

2. Grundsätzlich müssen die Sezessionisten an ihren eigenen Ansprüchen gemessen werden. Insofern sehe ich ihrerseits keinen Grund, sich dafür zu rechtfertigen, daß man darüber hinausgehenden Ansprüchen nicht genügt. Schon gar nicht in Form solch trotziger Repliken.

Zum Artikel von Herrn Konstanz und einigen Kommentaren dazu noch folgendes. Nachdem man das gegenwärtige System nicht per Dekret abschaffen kann, wird man es wohl zunächst im System zur Macht schaffen müssen, um es anschließend zu verändern. Wenn einem dieser Gedanke zu schmutzig ist (iehh die Masse!) oder zu sehr nach JU klingt, findet man sich de facto mit der Marginalität der eigenen Position ab. Mir scheint, zwischen Opportunismus und Hitler müsste es noch andere Machtoptionen geben...

drieu

13. Juli 2010 09:31

Was ist denn die eigentliche Misere der Rechten? In der Masse zu wenige wirklich durchsetzungsstarke, positiv denkende Persönlichkeiten zu besitzen. Niemand will ständig nur vom „übermächtigen Feind“ hören. Arbeiten Sie an Sich selbst!

Danke für diese kurze, präzise Einschätzung der Lage.
Ich versuch's zumindest.

Kreuzweis

13. Juli 2010 13:24

Ich kann den Kündiger etwas verstehen - vielleicht weckte der Name "Sezession" bei ihm zu viele konkrete Erwartungen.
(Zum Versuch einer konkreten historischen Sezession findet man bei
ef-magazin.de/2010/07/13/2319-wieder-gelesen--heute-vor-zehn-jahren-in-eigentuemlich-frei-nr-11-juli-2000-der-ursprung-des--amerikanischen-buergerkrieges
einen guten Einstiegsartikel.)
Nach dem Motto "die Gedanken sind frei" war es den Herrschern zu allen Zeiten ziemlich egal, was die Untertanen bei sich dachten. Sie auszusprechen, das war das eigentliche Verbrechen.
So gesehen ist zwar die Reklame für abweichende Gedanken schon etwas verbrecherisches, doch, solange es im berühmten Elfenbeinturm verbleibt und keine weiteren Handlungen verursacht, auch systemstabilisierend; da ist man heute etwas moderner. Und solange die Sezessionisten brav Steuern zahlen und sich den Machtsprüchen der Herrschaft unterwerfen, mögen sie von ihrer Sezession gerne träumen.
Gedanklich bin ich von dieser 'brd' schon lange sezessioniert - auch ohne Mithilfe der "Sezession". Meine Erfahrungen und zerplatzten Hoffnungen beim Projekt "JF-Lesrkreise" habe ich ja bereits in einer Stellungnahme zum "Du machst nicht mehr mit" geschildert.

Sezession, von was und wohin, dies ist mir auch nicht ganz klar. Unter Sezession verstehe ich das konkrete Bemühen, sich zumindest partiell der fauligen Herrschaft zu entwinden. Die Juden lehren uns, wie man sowas macht und wie erfolgreich es werden kann.

Ansonsten wäre zu überlegen, ob "Elfenbeinturm" nicht auch ein schöner Name ist?

Toni München

13. Juli 2010 23:13

Ansonsten wäre zu überlegen, ob „Elfenbeinturm“ nicht auch ein schöner Name ist?

Entschuldigung, aber was soll die Anspielung? Die Leute der Sezession versuchen mit ihrem publizistischen Bemühen doch gerade nicht, sich in einem „Elfenbeinturm“ einzurichten.

Anders herum wird ein Schuh drauß: Sie werden ausgegrenzt, bekommen keinen Zugang zu den gesellschaftlichen Plattformen, wohingegen jede abnorme Perversität zum öffentlichen Suhlen stets ihre tägliche Talkshow findet.

Was von den „Sezessionisten“ an aktuellen, kritischen Beiträgen zum Zeitgeschehen geleistet wird, ist aller Ehren, Unterstützung und Dankbarkeit wert.

Gemessen an den zur Verfügung stehenden Mitteln, frage ich: Soviel in die Öffentlichkeit gerichtete, substantielle, scharfe, stets intelligente und gelebte Provokation gegen den in Deutschland herrschenden antideutschen Zeitgeist, wo findet man die sonst? Man betrachte hier nur stellvertretend das großartige „Werk“ der Publizisten Götz Kubitschek, Karlheinz Weißmann, Thorsten Hinz und anderen aus ihrem Kreis.

Der Knackpunkt ist, dass es an der notwendigen Masse an Gefolgschaft, an Resonanzraum fehlt, um eine wirkmächtige, schlagkräftige Gegenöffentlichkeit herstellen zu können. – Und drum auch habe ich keinerlei Verständnis für Abwinker, die sich von den wenigen, echten Kämpfern mit der geringschätzigen Geste „Ihr habt zu wenig Willen zur Macht“ aus dem geistigen Widerstandskreis verabschieden. Das ist mir zu billig. - Es sei denn ...

Kreuzweis

15. Juli 2010 14:18

Der Knackpunkt ist, daß es an der notwendigen Masse an Gefolgschaft, an Resonanzraum fehlt, um eine wirkmächtige, schlagkräftige Gegenöffentlichkeit herstellen zu können“.

Das bestreite ich!
Ohne ‚Kristallisationskeime‘, ohne ‚Initialzündungen‘, ohne Persönlichkeiten/Charaktere bleibt auch die Masse wirkungslos.
Andererseits wäre genügend Masse durchaus vorhanden, es fehlt nur an beständigen Strukturen, zu denen die ‚Masse‘ der vereinzelten (lokalen) Deutschwilligen Vertrauen entwickeln kann.
Dies zu initialisieren ist zuerst mal nur ein Willensakt.
Wieso es nicht möglich sein sollte, Leserkreise von Abonenten der Sezession, der JF und andere rechter Zeitungen zu bewerben, verstehe ich nicht ganzs.

Menschen scharren sich um Menschen oder doch wenigstens um eine Fahne, die eine Idee verkörpert.
Meine Idee wäre ganz schlicht: „Deutsche, die noch Deutsche sein wollen, organiseren sich.“
Wobei der Zweck weniger das Ausdikutieren schöner ‚Weltrettungstheorien‘ sein sollte, sondern das praktische „Man kennt sich, man hilft sich“. Erst wenn Spezialisten – der Charismatiker ohne Spezialwissen, der fähige Computerspezialist mit Sprachproblemen, der geniale mausgraue Organisator etc. – zusammenarbeiten, kann es zu synergetischen Effekten kommen.
Zudem muß die Kunst des guten Organisierens derart gestaltet sein, daß nicht jeder schäbige ‚Enthüllungskournalist‘ sein rufmörderisches Handwerk betreiben kann.
Dann bestünde die Chance, daß mehr deutsche ‚Masse‘ sich davon angezogen fühlte, denn die ‚Masse‘ folgt stets nur den Erfolgreichen.

Die Nationalen sind scheinbar nicht imstande zu begreifen, welch eine mächtige Resource „Vitamin B“ darstellt. Daß „die Juden“ dagegen sehr gut darum wissen, ahne ich nicht erst seit „Kostolanys Bilanz der Zukunft“…

„Und drum auch habe ich keinerlei Verständnis für Abwinker, die sich von den wenigen, echten Kämpfern mit der geringschätzigen Geste „Ihr habt zu wenig Willen zur Macht“ aus dem geistigen Widerstandskreis verabschieden. Das ist mir zu billig. – Es sei denn …“

Oh – das schätze ich durchaus sehr.
Nur erscheinen mir viele dieser Projekte als ‚Insellösungen‘ ohne ‚kommunizierende Röhren‘; doch diese sind nicht minder wichtig.
Und es gilt nach wie vor, was die Linken früher skandierten: „Nur gemeinsam sind wir stark – allein mache sie dich ein!“

Toni München

17. Juli 2010 16:49

Noch ein Nachklapp auf @Kreuzweis:

Ohne ‚Kristallisationskeime‘, ohne ‚Initialzündungen‘, ohne Persönlichkeiten/Charaktere bleibt auch die Masse wirkungslos.

Ja, dem kann ich zustimmen. - Und auch den weiteren Ausführungen von @Kreuzweis zum Aufbau von "ständigen Strukturen" kann ich folgen.

Aber zum Wirkungsmechanismus: Ein Blitz braucht zuerst einmal die hinreichend aufgeladenen Umgebungsvoraussetzungen, um überhaupt zünden zu können.

Sinngemäß müssen wir - „als Deutsche, die noch Deutsche sein wollen“ - zuerst einmal selber den Resonanzraum und die Plattformen für unsere Meinungsbeiträge herstellen. Der Donnerblitz kommt dann von alleine. Das ist doch die Befürchtung der Todfeinde Deutschlands, dass die Deutschen vielleicht doch noch einmal zu sich selbst kommen könnten.

Aber vorläufig haben wir nun mal keinen Zugang zu den massenmedialen Meinungsbühnen (siehe etwa das berufliche Schicksal der völlig harmlosen, braven Eva Hermann).

Daher kommt es heutzutage auch auf jeden „Abonnenten“ an, der im Rahmen seiner Möglichkeiten (z.B. Kaufgebühren für nationale Medien aller Art) beim Aufbau einer Gegenöffentlichkeit Unterstützung leistet. Und deshalb habe ich in dem Zusammenhang für „Abwinker“ keinerlei Verständnis.

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