Sezession
1. Dezember 2010

Familie Müller aus Lalendorf oder „Niemand wird hier diskriminiert“

Felix Menzel

Familie Müller in der Gemeinde Lalendorf bei Güstrow (Meck-Pomm) hat im Mai zum siebten Mal Nachwuchs bekommen. In der ansonsten recht kinderunfreundlichen Bundesrepublik ist es in solch seltenem Fall Sitte, daß der Bundespräsident die Patenschaft übernimmt - auf Elternwusch. Christian Wulff mußte also den Füller zücken, doch dann stockte dieser banale Behördenvorgang, weil herauskam, daß Müllers die „falsche“ Gesinnung haben. Mittlerweile ist es ein Fall mit landespolitischer Brisanz.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Der Streit in Lalendorf um die Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für das siebte Kind der Familie Müller, die offen zugibt, im Umkreis radikal rechter Organisationen aktiv zu sein, zeigt eindrücklich, wie „Das linke Netz“ funktioniert. Storchmeister Mathias Bordkorb mag das alles wahnsinnig satirisch finden. Petra und Marc Müller dagegen ist das Lachen vergangen: Aufgrund der Diffamierung, der die Familie seit einigen Tagen ausgesetzt ist, gehen die Kinder nur noch ungern zur Schule. Auf eine Nachfrage bei Brodkorb, ob nicht genau dieser Fall beweise, daß linke Politiker im Schulterschluß mit Antifa-Journalisten wehrlosen Bürgern in die Suppe spucken, kam keine Antwort.

Aber der Reihe nach: Mitte November erschien im „blick nach rechts“ von Andrea Röpke und Andreas Speit ein Beitrag über „Familienförderung für Völkische“. Darin stellen die beiden bekannten Antifa-Journalisten mit Kontakten ins linksextreme Lager fest: „Beide Müllers scheinen politisch dem Deutschen Reich näher als der Demokratie.“ Das sieht auch Lalendorfs Ortsbürgermeister, Reinhard Knaack (Die Linke), so. Deshalb verweigerte er die Übergabe der Urkunde für die Patenschaft und schickte sie statt dessen nach Berlin zurück.

Bis hier her mag das Ganze ein ärgerlicher Vorgang für die Müllers sein, denn was kann das Kind dafür, daß die Eltern im Umfeld von NPD-Organisationen und Funktionären politisch beheimatet sind? Ein handfester Skandal ist die Denunziation durch Röpke und Co. aber noch nicht. Vermutlich machen sie den ganzen Tag nichts anderes, als irgend jemand anzuschwärzen. Zu einem Skandal wurde der „Fall Lalendorf“ erst, als Politiker aller etablierten Parteien sowie regionale und überregionale Medien sich in den letzten Tagen auf Familie Müller einschossen.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Nieszery, setzte sogar einen Brief auf, in dem er den Bundespräsidenten aufforderte, „die Ehrenurkunde für das siebente Kind der Familie von Petra und Marc Müller aus Lalendorf zurückzuziehen“, weil das Paar eine „lange rechtsextreme Vita“ habe.

Unterzeichnet haben den Brief auch die Landtagsabgeordneten Torsten Renz (CDU), Fritz Tack (Linke) und Ralf Grabow (FDP). Alle Nachfragen meinerseits, warum sie das getan haben, blieben bis jetzt unbeantwortet. Auskunftsfreudiger war allein Wilfried Baldermann (CDU), Amtsvorsteher in Krakow am See, wozu Lalendorf zählt: „Es besteht kein Zusammenhang zwischen Kinderreichtum und Rechtsextremismus.“ Dennoch wolle man Müllers nicht hofieren. Der Forderung von Nieszery schließt er sich nicht an, aber die Urkunde soll trotzdem nicht übergeben werden, so seine Meinung. Er arbeite nur ehrenamtlich und deshalb mache er eben keine Sachen mit, von denen er nicht überzeugt ist. Basta!

Angesprochen auf die Probleme der älteren Kinder der Müllers, betont Baldermann: „Niemand wird hier diskriminiert.“ Die Kinder könnten ganz normal leben, Sport- oder Musikvereine besuchen und so weiter. Auch das ist nur seine Meinung. Die Kinder selbst empfinden die Situation etwas anders. Gegenüber der JF sagte die Mutter: „Unsere älteren Kinder wollen mittlerweile nicht mehr in die Schule gehen. Unser 14jähriger Sohn klagt über Bauchschmerzen, wenn er morgens los soll.“


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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