Sezession
6. Dezember 2010

Wie weiter? (XI): Sezession, Jahrgang 2011

Götz Kubitschek

Das Eigentümliche an der redaktionellen Arbeit für die Sezession ist leicht erklärt: Sezession erscheint in gedruckter Form so selten und ist so weit vor jeder Tagespolitik angesiedelt, daß die Arbeit an ihr nicht von Trends, Moden oder politischen Klimaschwankungen bestimmt wird.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Der Blick auf den nunmehr zu Ende gebrachten Jahrgang 2010 zeigt: Ein »Faschismus«-Heft (Februar) hätte auch zwei Jahre früher oder später erscheinen können, »Sexpolitik« (Juni) lag als Idee schon längere Zeit in der Schublade und rückte anläßlich der neuerlichen Gender-Wahn-Schübe und der Debatte um den Kindesmißbrauch an die Stelle der angekündigten »Geopolitik«.

Für das Oktober-Heft diktierte uns dann die Großwetterlage nur den Titel, nicht den Inhalt. Jene »Alternativen nach 45« oder »Alternativen von rechts« sind wie geplant Thema des Heftes – die Redaktion entschied sich erst kurz vor Druckbeginn für das Stichwort »Konservativ«, weil Roland Kochs anmaßende Begriffsbesetzung nicht unbeantwortet bleiben sollte: Sein Buch mit dem Titel Konservativ hat mit dem Sinn dieses Wortes nichts zu tun. Mittlerweile muß man fragen: Was war da einst mit Kochs Buch? Es ist doch schon wieder verschwunden aus der CDU-internen Debatte (die gar keine richtige war). Wenn es hochkommt, sind ein paar tausend Exemplare von diesem Profilierungsversuch verkauft worden – weniger jedenfalls als von Karlheinz Weißmanns Das konservative Minimum. Das Sezession-Themenheft »Konservativ« aber gilt, wenn wir den Leserzuschriften glauben dürfen, als eines unserer besten, als gültiger Überblick über das, was nach 1945 an konservativen Strömungen virulent war und es teilweise noch ist.

Wir erzählen, wir klären, wir erinnern, wir deuten, wir fassen zusammen, wir tradieren, wir halten fest: So arbeitend haben wir für 2011 die drei Themenhefte bestimmt und den Kernbestand der Artikel notiert : im Februar »Islam«, im Juni »Carl Schmitt« (die Reihe unserer personenbezogenen Hefte fortsetzend: Spengler, Eliade, Jünger, Lorenz), im Oktober »Konservative Revolution« – ein Programm, das sich nicht rechtfertigen muß und das auch dann angemessen bleibt, wenn beispielsweise im Frühsommer das Finanzsystem zusammenbricht oder bei vorgezogenen Wahlen die Grünen ihre erste BundeskanzlerIn stellen. Solches zunächst zu kommentieren und in seiner momentanen Bedeutung aufzuwerten, bleibt Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen und Trendverlagen vorbehalten. Sezession ist dem »Diktat der Welt« (Adorno) nicht im selben Maße unterworfen: Was wir bedenken und veröffentlichen, kann nicht unmittelbar benutzt und damit vernutzt werden, und wir sind uns sicher, daß unsere Abonnenten und Gelegenheitsleser Sezession aufblättern, um durch die Oberfläche auf den Grund zu kommen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.