Sezession
1. Oktober 2010

Rechte Intelligenz

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 38 / Oktober 2010

von Erik Lehnert und Karlheinz Weißmann

Gerd Bergfleth wurde 1936 geboren, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Gräzistik. Seine Heimat Dithmarschen ist ein Synonym für deutsche Widerständigkeit, dementsprechend hat man es bei Bergfleth mit einem ausgesprochenen und widerborstigen Einzelgänger zu tun, der sich altersgemäß, aber nur vorübergehend den Achtundsechzigern anschloß, um dann den Konflikt zwischen den eigenen und deren Anschauungen zu erkennen. Das hatte auch mit seiner Bezugnahme auf Georges Bataille zu tun, dessen Werk er in Deutschland herausgibt und zu erheblichen Teilen übersetzt hat. Bergfleths Theorie der Verschwendung geht ganz wesentlich auf diesen Einfluß zurück.
Den Ruf als Hauptfigur der »Matthes-und-Seitz-Faschisten« (Die Zeit) verdankt Bergfleth allerdings seiner Kritik der palavernden Aufklärung (1984), einer scharf rationalismusfeindlichen Schrift, die ihn für Augenblicke der Existenz als einsamer Denker entriß und in Kontakt mit der politischen Gegenseite brachte. Sein Beitrag in dem Sammelband Die selbstbewußte Nation über »Erde und Heimat« zeigte die Fruchtbarkeit der neuen Verbindung. Nach Auskunft seines Verlages arbeitet er momentan an einem Buch über Ernst Jünger. (KHW)

Hellmut Diwald wurde 1924 in einem kleinen Ort in Mähren geboren, 1938 zog die Familie nach Nürnberg. Als Soldat machte er das Notabitur und belegte einige Semester Maschinenbau. Nach dem Krieg schloß er das Studium als Ingenieur ab und studierte anschließend Philosophie, Germanistik und Geschichte in Hamburg und Erlangen. 1952 wurde er bei Hans-Joachim Schoeps in Erlangen promoviert, war dort Assistent und habilitierte sich ebenfalls in Erlangen 1958 in Geistesgeschichte. Auf Anregung von Schoeps gab er eine Auswahl aus dem Nachlaß von Ernst Ludwig von Gerlach heraus und lehrte von 1965 bis 1989 in Erlangen Mittlere und Neuere Geschichte. Noch vor Golo Manns berühmten Buch konnte Diwald mit einer Wallenstein-Biographie (1969) einen ersten, großen Bucherfolg feiern. Bis zum Ende der siebziger Jahre galt Diwald als hervorragender Historiker, der es verstand, dem breiten Publikum Geschichte auf hohem Niveau zu vermitteln. Daran änderte auch seine konservative Haltung nichts (Die Anerkennung, 1970). Zahlreiche Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften sowie regelmäßige Fernsehauftritte zeugen davon. Das änderte sich 1978 mit Erscheinen seiner Geschichte der Deutschen, in der er die Ausbeutung eines der »grauenhaftesten Geschehnisse der Moderne durch bewußte Irreführungen, Täuschungen, Übertreibungen« zur »totalen Disqualifikation eines Volkes« beklagte. Das wurde als Tabubruch wahrgenommen und als Beginn einer »Re-Nationalisierung« bezeichnet. Die Passagen wurden bereits in der zweiten Auflage geändert. Diwald galt seitdem als Revisionist und damit als Außenseiter in der Geschichtswissenschaft. In der Folge begann er sich politisch stärker zu engagieren und bald kaum noch Rücksichten zu nehmen. Er war Mitbegründer der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt (1981) und des Deutschlandrates in Bad Homburg (1983), dem außerdem noch Hans-Joachim Arndt, Robert Hepp, Armin Mohler, Franz Schönhuber, Wolfgang Seiffert und Bernard Willms angehörten, und er unterstützte die Republikaner als Berater. Bei seinem Eintreten für die deutsche Einheit konnte sich noch auf ein recht intaktes Netzwerk von Verlagen stützen, das es ihm ermöglichte, auch in den achtziger Jahren noch historische Bestseller zu schreiben. Sein Ziel war es, die deutsche Identität und Einheit über den Weg des historischen Zusammengehörigkeitsgefühls zu retten (Mut zur Geschichte, 1983). Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der DDR unternahm er mit Deutschland einig Vaterland (1990) seinen letzten Versuch, Geschichte im Sinne einer selbstbewußten Nation zu schreiben und der Wiedervereinigung so einen nationalen Stempel aufzudrücken. Diwald starb 1993 in Würzburg. (EL)


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