Sezession
24. März 2011

Der Traum einer Reconquista (Gesammelte Raspailiana)

Martin Lichtmesz

Die Junge Freiheit widmet sich diese Woche gleich in mehreren Beiträgen dem französischen Schriftsteller Jean Raspail, dem Autor von "Das Heerlager der Heiligen", der auch auf Sezession im Netz schon des öfteren zu Gast war.  Leider wurde bisher nur ein kleiner Teil seines Werkes ins Deutsche übersetzt. Darum möchte ich heute ein paar ausgewählte und, wie ich meine, inspirierende "Raspailiana" zusammentragen. Die Französischkundigen können anschließend auch auf Raspails sehr schön gemachter Netzseite weiterstöbern. 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

* Raspails literarisches Schaffen umspannt inzwischen sieben Jahrzehnte und rund 40 Bücher. Er begann mit Reiseberichten über seine Expeditionen nach Südamerika. Dem folgten weitere Reisen unter anderem in den Nahen Osten, nach Japan, Hongkong, Afrika, die Karibik, die USA und die Mongolei. Dabei zeigte er ein besonderes Interesse für aussterbende, vergessene und abgedrängte Völker, denen er vor allem in seinem Buch "La Hache des Steppes" (Das Beil der Steppe, 1974) ein Denkmal setzte:

... die weißen Ainos von Japan, die Giljaken von Sachalin, die Katholiken der Katakomben von Kyūshū, die halbgöttlichen Urus der Anden, die Westgoten von Languedoc, die Bewohner der Karibik, die Taínos und Lukayen der Antillen, die Guanaquis des Amazonas, die Nachkommen der napoleonischen Husaren, die sich in die russischen Wälder geflüchtet hatten, die überlebenden Hunnen der katalaunischen Felder ....

* Bereits 1958 erschien sein erster Roman "Le Vent de Pins", der 1960 unter dem Titel "Miyamoto und die ehrenwerten Fremden" ins Deutsche übertragen wurde. Weitere Übersetzungen: "Das Heerlager der Heiligen" (1985), "Sie waren die ersten" (1986), über "Tragödie und Ende der Feuerlandindianer" und das "royalistische" moderne Märchen "Sire" (2005).

* Letzterer Roman kann durchaus als persönliches Bekenntnis des Autors gelesen werden. Dieser äußerte sich dazu folgendermaßen:

Der Royalismus, den ich vertrete, ist keine politische Position, sondern eine ethische, philosophische und religiöse. Der Royalismus ist eine schöne und vornehme Idee, die das Beste befriedigt, das in uns ist: den Heroismus, den Sinn für das Heilige und für das Ideal.

Die royalistische Idee wird niemals überholt sein, denn sie ist ewig. Im heutigen Frankreich gibt es niemanden, der die Kontinuität der Nation verkörpert. Ich glaube, daß man einen König lieben kann, einem König treu sein kann ... aber niemals einem Präsidenten einer Republik.

Ist Ihr Royalismus nicht eine Form des Dandyismus?

Wenn Sie mit Dandyismus die Bejahung des Einzelnen gegenüber der Masse verstehen, dann bin ich tatsächlich ein Dandy.

*Den modernen Individualismus hält Raspail allerdings für eine Illusion:

Ihre Romanhelden sind Einzelgänger, Individualisten, die sich dem Gesetz der Herde entziehen und sich gegen die Idee des "Kollektiven" erheben. Haben Sie nicht den Eindruck, daß das Individuum heute "König" ist, daß eine gewaltige Atomisierung im Gange ist und daß das Kollektiv verschwunden ist?

Wenn das Individuum König ist, dann gibt es kein Königreich... ich glaube nicht an den Individualismus von heute. Überall werden sich die Menschen von Tag zu Tag ähnlicher. Die Gesinnungen sind stromlinienförmig, es gab niemals soviel Konformismus wie heute. Ich meine damit nicht einmal die "politisch Korrekten" und ihre Phrasendrescherei. Es ist sehr schwierig, sich all diesen Dingen und dem kriecherischen Kollektivismus des Denkens entgegenzustellen, weil dann sofort die Wächter des universellen Gewissens im Chor über einen herfallen. Das Individuum zieht sich in sich selbst zurück, aber auf eine egoistische Weise. Es zieht sich in sich selbst zurück, aber es gleicht seinem Gegenüber aufs Haar. Das ist ja der Witz daran! Die Denkstrukturen sind überall gleich.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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