Das Monster, die Mitte und die Medien

Brüssel hat nun das norwegische Doppelattentat zum Anlaß genommen, einen europaweiten "Kampf gegen Rechts" auszurufen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das inklu­diert ein Gip­fel­tref­fen der Innen­mi­nis­ter im Sep­tem­ber mit dem Schwer­punkt “Frem­den­hass und Extre­mis­mus”, ver­stärk­te Zusam­men­ar­beit mit Euro­pol, um  “frem­den­feind­li­che Grup­pen” bes­ser erfas­sen zu kön­nen, und die Grün­dung eines 4 Mil­lio­nen Euro teu­ren “Anti-Radi­ka­li­sie­rungs­netz­wer­kes”, das einem “Erfah­rungs­aus­tausch von Wis­sen­schaft­lern, Sozi­al­ar­bei­tern, Reli­gi­ons­füh­rern und der Poli­zei im Kampf gegen Radi­ka­li­sie­rung” die­nen soll. Kurz, die EU macht ihrem Spitz­na­men als “EUdSSR” mal wie­der alle Ehre.

In der eng­li­schen Ver­si­on des Spie­gel-Arti­kels fin­det sich in der Titel­spal­te der Zusatz, daß “zwei rech­te Füh­rer einen Teil der Ideo­lo­gie hin­ter dem Mas­sa­ker ver­tei­digt” hät­ten. Ein Par­la­men­ta­ri­er der Lega Nord ließ ver­lau­ten: “Vie­le der Ideen Brei­viks sind rich­tig, man­che sind sogar aus­ge­zeich­net,” wäh­rend ein Mit­glied der Eng­lish Defen­se League (EDL) vor “wach­sen­der Frus­tra­ti­on” warnte:

Es ist eine ticken­de Zeit­bom­be. Wenn Frus­tra­ti­on und Zorn kei­ne Platt­form bekom­men, also ein demo­kra­ti­sches Ven­til für Emo­tio­nen, dann wird das Mons­ter wie die­sen Wahn­sin­ni­gen hervorbringen.

Ein Satz, der in der deut­schen Fas­sung, aus wel­chen Grün­den auch immer, unter­schla­gen wird, der aber ein Pro­blem anspricht, das sich mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ver­schär­fen wird, wenn nun euro­pa­weit die poli­tisch kor­rek­ten Zügel noch fes­ter ange­zo­gen wer­den. Klu­ge Beob­ach­ter in Deutsch­land ahnen dies bereits und haben sich dage­gen aus­ge­spro­chen. Die nor­we­gi­sche Druck­wel­le ist hier­zu­lan­de bis­her auf stär­ke­ren Wider­stand gestos­sen, als vie­le, auch ich, nach dem ers­ten Schock erwar­tet haben.

Das hat ver­mut­lich auch mit dem Over­kill an schwar­zen Petern zu tun, die sofort flei­ßig ver­teilt wur­den. Die Angriffs­wucht hat sich ver­läp­pert und ver­teilt, weil zuvie­le angeb­lich Mit­ver­ant­wort­li­che auf ein­mal ange­grif­fen wur­den. Inzwi­schen wur­de das gan­ze in Fra­ge kom­men­de Spek­trum, von den Sand­kas­ten­li­zenz­trä­gern und “Ach­se des Guten”-Affi­nen wie  Bro­der, Sar­ra­zin, Döpf­ner über “Poli­ti­cal­ly Incor­rect” und die eng­lisch­spra­chi­ge Coun­ter­ji­had-Sze­ne,  die “neue Rech­te”, die “christ­li­chen Fun­da­men­ta­lis­ten”, die “Rechts­po­pu­lis­ten” bis zur NPD  nach der Rei­he abge­watscht, dif­fa­miert und ver­däch­tigt. Die­sel­be Run­de ging durch ganz Euro­pa, wo von der FPÖ bis zum Front Natio­nal die Sün­den­bö­cke mar­kiert wur­den. Sogar die ame­ri­ka­ni­sche Tea Par­ty wur­de stel­len­wei­se in den Topf geworfen.

Aber Wat­schen, Beschimp­fun­gen und Ver­däch­ti­gun­gen rei­chen nicht mehr aus, um die Pro­blem­kom­ple­xe aus der Welt zu schaf­fen, die einen Anders Brei­vik her­vor­ge­bracht haben.  Wer die­se anders zu betrach­ten, zu beschrei­ben und ein­zu­schät­zen beliebt, als die mul­ti­kul­tu­ra­lis­tisch-libe­ra­le Ortho­do­xie vor­schreibt, wird in Zukunft damit rech­nen müs­sen, daß er sich der Gefahr der Kri­mi­na­li­sie­rung sei­ner Mei­nung und damit sei­ner gan­zen Per­son aussetzt.

An vor­ders­ter Front die­ser Art Het­ze steht natür­lich der Spie­gel, der den Atten­tä­ter von Oslo auf der Titel­sei­te sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be im dämo­ni­schen “Han­ni­bal Lector”-Look prä­sen­tiert, und die Marsch­rich­tung unver­blümt mar­kiert: “Die Spur des Bösen”, heißt es da, und: “Euro­pas rech­te Popu­lis­ten und der Kreu­zug des Anders B. Brei­vik”. Es soll also nach dem Mus­ter der “Naz­i­keu­le” sug­ge­riert wer­den, daß nicht nur Mas­sen­mord “böse” ist (was kein nor­ma­ler Mensch abstrei­ten wird), son­dern “Rechts­po­pu­lis­mus” an sich, und daß das eine mit dem ande­ren in einem unter­grün­di­gen Zusam­men­hang stehe.

Das ist eine alt­be­währ­te Metho­de der Lin­ken: es wird gar nicht erst dar­über dis­ku­tiert, ob der “Rech­te” viel­leicht in einer bestimm­ten Sache recht haben könn­te, es reicht, ihm von vorn­her­ein einen ethi­schen Defekt unter­zu­schie­ben und damit die Dis­kus­si­on zu been­den, denn mit bösen  Men­schen redet man nicht. Einen “ethi­schen Defekt” hat Brei­vik nun offen­bar in ganz erheb­li­chem Maße, womit er sich als vor­züg­li­cher und will­kom­me­ner Hexen­ham­mer in den Hän­den der Lin­ken eignet.

Gezähl­te 17 Autoren des Spie­gels, die sich vor­nah­men, über die “Brand­stif­ter” hin­ter Brei­vik auf­zu­klä­ren, waren nun nicht imstan­de, den, Zitat, “Kon­text der Welt­an­schau­ung” des Täters mehr als nur ober­fläch­lich wie­der­zu­ge­ben. Man möch­te zwar die soge­nann­ten “Rechts­po­pu­lis­ten”, Blog­ger und Islam­kri­ti­ker nach Kräf­ten anschwär­zen, möch­te aber nicht all­zu genau wis­sen, all­zu genau erklä­ren, wie sie argu­men­tie­ren und wie sie zu ihren Posi­tio­nen gekom­men sind.

Über Brei­viks Gedan­ken­welt heißt es, sie sei “wirr”, er schrei­be “selt­sa­mes Zeug”, was über wei­te Stre­cken sei­nes “Mani­fests” durch­aus nicht zutrifft, und wür­de der Inhalt gründ­li­cher bekannt wer­den, wür­de es wohl sehr vie­le Leu­te geben, denen man­che Ana­ly­sen und Sen­ti­ments dar­in alles ande­re als “wirr” vor­kä­men. (Ähn­lich ging es neben­bei ja auch vie­len Lesern des “Unabomber”-Manifests oder des im Hin­blick auf Gewalt eben­falls nicht zim­per­li­chen Pam­phlets “Der kom­men­de Auf­stand”, der letz­ten Herbst so man­ches bür­ger­li­che Feuil­le­to­nis­ten­herz warm gehal­ten hat.)

Was sich hier zuspitzt, ist ein gro­ßes “Ich sehe etwas, was Du nicht siehst”-Spielchen, des­sen Fron­ten sich scharf tei­len, wenn sie auch gewis­se Grau- und Über­gangs­zo­nen haben. Der Spie­gel  ver­tritt hier in Rein­form den einen Pol der Debat­te: die Furcht vor einer lang­fris­ti­gen demo­gra­phi­schen, poli­ti­schen, kul­tu­rel­len Macht­über­nah­me des Islam in Euro­pa sei eine pure Wahn­vor­stel­lung, der Wider­stand gegen Mul­ti­kul­tu­ra­li­sie­rung und Hete­ro­ge­ni­sie­rung blo­ßes irra­tio­na­les Res­sen­ti­ment, das mit aller­lei Brand­ei­sen gebrank­markt wird wie “Ras­sis­mus” und “Frem­den­feind­lich­keit”.

Wer von einem kom­men­den “Kul­tur­kampf” und “Bür­ger­krieg” spricht, wünscht ihn sich wohl ins­ge­heim her­bei, aus dunk­len, per­ver­sen Antrie­ben her­aus, viel­leicht ähn­lich jenen des Mas­sen­mör­ders.  Wer im Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus eine Gefahr erblickt, muß mensch­lich ver­bies­tert, böse, “into­le­rant”, geis­tig ver­wirrt oder sonst­wie defekt sein.  Das ein­zi­ge, was der “bun­ten” und “vie­fäl­ti­gen” und “tole­ran­ten” Uto­pie des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus ent­ge­gen­steht, sei­en also all die­se grund­los bösen, ver­däch­ti­gen und unauf­ge­klär­ten Men­schen mit ihren rück­stän­di­gen Wahn­vor­stel­lun­gen, die alles kaputt machen müssen.

Dem gegen­über steht die Sicht der Geg­ner des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, die in der Regel alles ande­re wün­schen als einen Bür­ger­krieg, ja eine tief­sit­zen­de Angst davor haben, und die wach­sen­de inne­re Desta­bi­li­sie­rung und Defrag­men­tie­rung der Gesell­schaft durch das lau­fen­de uto­pi­sche Expe­ri­ment mit größ­ter Sor­ge beob­ach­ten. Die “Brand­stif­ter”, Pul­ver­faß­stop­fer und Lun­ten­le­ger sind in ihren Augen die Mul­ti­kul­tu­ra­lis­ten selbst, die in fahr­läs­si­ger Wei­se an den Fun­da­men­ten der euro­päi­schen Natio­nal­staa­ten sägen.

Sie beru­fen sich dabei nicht nur auf die Leh­ren der Geschich­te, son­dern auf zuneh­men­de Sym­pto­me der Rebar­ba­ri­sie­rung (Aus­län­der­ge­walt, eth­ni­sche Pola­ri­sie­rung, Par­al­lell­ge­sell­schaf­ten, dschi­ha­dis­ti­sche Netz­wer­ke), deren Beschrei­bung in allen west­li­chen Län­dern durch erheb­li­che öffent­li­che Tabus behin­dert wird. Die Kri­ti­ker des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus sen­den den Vor­wurf der Wahn­vor­stel­lung und des abstru­sen Den­kens an jene zurück, die blind­lings und trotz aller Gege­nevi­denz an einer Uto­pie fest­hal­ten, die die gan­ze Gesell­schaft aufs Spiel setzt.

Weil die Lin­ke die Rech­nung ohne den Wirt macht, ist es ihre Poli­tik, die nur noch mehr Haß, Span­nun­gen, Pola­ri­sie­run­gen und Frag­men­tie­rung för­dert. Weil sie nicht ertra­gen kann, daß die Men­schen in Wirk­lich­keit nicht so funk­tio­nie­ren, wie sie es ger­ne hät­te, braucht sie einen Sün­den­bock, einen Dämon, ohne den alle Rech­nun­gen auf­ge­hen wür­den: die Rechte.

Es kommt also alles dar­auf an, ob man die Gefahr der Isla­mi­sie­rung und die Mög­lich­keit des eth­ni­schen Bür­ger­kriegs für real hält, oder nicht. Dar­aus lei­tet sich auch ab, wel­che Sei­te man nun für den “Brand­stif­ter” hält.

Wie schwer auch immer man die Gefah­ren der Mas­sen­ein­wan­de­rung und des Anwach­sens des Islams intra muros nun ein­schät­zen mag – die oben skiz­zier­te, durch den Spie­gel wohl am mar­kan­tes­ten ver­tre­te­ne Posi­ti­on, wird sich auf die Dau­er unmög­lich hal­ten lassen.

Ihr wird nun in ihrem Flagg­schiff selbst gekon­tert, wenn deren Quo­ten-Kon­ser­va­ti­ver Jan Fleisch­hau­er sich zumin­dest für die akzep­tier­te­ren Rän­der des islam­kri­ti­schen Dis­kur­ses stark macht und vor genau jenen Ten­den­zen warnt, die sei­ne eige­ne Zeit­schrift nach Kräf­ten för­dert, indem er vor der “Sym­pa­thi­san­ten­jagd” à la Anno RAF warnt:

Stel­len wir uns für einen Moment vor, der Atten­tä­ter hät­te das Jugend­la­ger der rech­ten Fort­schritts­par­tei heim­ge­sucht und im Netz eine Ankla­ge gegen den Atom­staat hin­ter­las­sen. Wür­den wir nun Clau­dia Roth zur geis­ti­gen Brand­stif­te­rin erklä­ren und den Atom­aus­stieg in Fra­ge stel­len? Wohl kaum. Wir wür­den das Nahe­lie­gen­de tun und den Atten­tä­ter als da sehen, was er ist: ein ver­wirr­ter Geist, der sich eine Wahn­welt zusam­men­ge­zim­mert hat, die am Ende zum Mas­sen­mord führt.

Das ange­führ­te Bei­spiel ist übri­gens nicht so weit her­ge­holt, wie es erschei­nen mag. Auch für den Öko-Ter­ro­ris­mus gibt es ein Vor­bild in der jün­ge­ren Ter­ror­ge­schich­te. Der Una-Bom­ber, aus des­sen Mani­fest sich Brei­vik für sei­ne eige­ne Pro­kla­ma­ti­on aus­führ­lich bedien­te, war ein fana­ti­scher Natur­schüt­zer, der den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt für das Übel in der Welt ver­ant­wort­lich mach­te. Der Ter­ro­rist führt jeden Gedan­ken an sein ulti­ma­ti­ves Ende. Das gilt theo­re­tisch für alles, was einen ideo­lo­gi­schen Kern besitzt: die Islam­kri­tik, den Tier­schutz oder den Kampf gegen gen­ver­än­der­ten Mais.

Angeb­lich geht es jetzt dar­um, Erklä­run­gen zu fin­den für die Schre­ckens­tat, Ver­ständ­nis für die Beweg­grün­de, aber das ist Mum­men­schanz. Tat­säch­lich zie­len die Ver­däch­ti­gun­gen dar­auf ab, die Dis­kursräu­me zu ver­en­gen, Publi­ka­ti­ons­ge­he­ge abzu­ste­cken. Wer in die geis­ti­ge Nach­bar­schaft zu einem Mas­sen­mör­der gerät, soll sich bes­ser vor­se­hen, was er künf­tig von sich gibt.

So etwas kommt von so etwas, lau­tet kurz gefasst die Bot­schaft, die aus den Kom­men­ta­ren spricht. Gegen die­se Beweis­füh­rung hilft kein genau­es Lesen mehr, da kann man nur noch den Kopf einziehen.

Letz­te­res ist rich­tig, aber Fleisch­hau­er macht es sich zu ein­fach, wenn er, ähn­lich wie das “Unabomber”-Opfer David Gelern­ter in der FAZ die Sache über die Schie­ne “weder rechts, noch links, son­dern nur böse” abha­ken zu kön­nen glaubt. Der Fall liegt wesent­lich kom­pli­zier­ter, aber ange­sichts der Spiel­re­geln der öffent­li­chen Debat­ten müs­sen die Kon­ser­va­ti­ven wohl ihrer­seits zu Ver­ein­fa­chun­gen grei­fen, um sich den Rücken frei zu halten.

Eine ähn­li­che Stra­te­gie wie Fleisch­hau­er hat auch der Focus ein­ge­schla­gen. Der ewi­ge Spie­gel-Kon­tra­hent hat sich in sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be wohl­tu­en­der­wei­se der Stim­mungs­ma­che um den Fall Brei­vik her­um ver­wei­gert, indem er statt­des­sen eine ver­gleichs­wei­se unspek­ta­ku­lä­re Titel­ge­schich­te über die “Söh­ne der Mäch­ti­gen” gebracht hat. Das hat ihm zwei­fel­los kei­nen gerin­gen Auf­la­gen­ab­satz gekos­tet hat, paßt aber fol­ge­rich­tig zu dem Kurs, der Lin­ken den pro­pa­gan­dis­ti­schen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Im Edi­to­ri­al wer­tet etwa Uli Baur jeg­li­che Ver­su­che, im Fahr­was­ser von Oslo “Generalverdachts”-Strategien auf­zu­fah­ren, als “Pein­lich­keit”. Ein Arti­kel ver­schiebt die Dis­kus­si­on auf die medi­zi­nisch-patho­lo­gi­sche Ebe­ne und behan­delt neu­ro­lo­gi­sche Stö­run­gen von Gewalt­tä­tern (auch Ulri­ke Mein­hof fin­det Erwäh­nung, deren nach ihrem Tode unter­such­tes Gehirn abnor­me Schä­di­gun­gen des lim­bi­schen Sys­tems aufwies).

Der Phi­lo­soph Wolf­gang Sof­sky trennt die Mord­tat scharf von ihrem ideo­lo­gi­schen Unterfutter:

Das Sam­mel­su­ri­um aus auf­ge­schnapp­ten Zita­ten, Pla­gia­ten und Phra­sen, Hass­ti­ra­den und peni­blen Tage­buch­no­ti­zen erklärt nichts. Gro­ße Ver­bre­chen bedür­fen kei­ner beson­de­ren Ideen, und sie atta­ckie­ren auch kei­ne höhe­ren Wer­te.  Der Mas­sen­tod ist kei­ne Bot­schaft, kein Akt der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das Mas­sa­ker besagt nichts. Es als poli­ti­sche Akti­on miß­zu­ver­ste­hen, tappt gera­de­wegs in in die Fal­le heh­rer Bedeu­tung, die der Täter sei­nem Publi­kum auf­ge­stellt hat.

Schon anläß­lich des Amok­laufs von Win­nen­den hat­te Sof­sky vor vor­ei­li­gen Schlüs­sen gewarnt:

Nüch­tern warn­te er vor dem Ruf nach Prä­ven­tiv­maß­nah­men, denn »die Welt besteht nun ein­mal aus Ereig­nis­sen, die man beein­flus­sen kann, und Wider­fähr­nis­sen, bei denen das unmög­lich ist. Das muß man wis­sen, sonst ent­steht in einer Medi­en­ge­sell­schaft fal­scher Aktio­nis­mus, der in die Irre führt und oben­drein Frei­heits­rech­te bedroht.« Doch hin­ter For­de­run­gen nach Prä­ven­ti­on steckt kei­nes­wegs nur Hys­te­rie der Mas­sen, son­dern die Sinn­fra­ge des Ein­zel­nen. Der Mensch will Sinn­lo­ses nicht ertra­gen: »Ver­zwei­felt sucht man nach Grün­den und muß dann regel­mä­ßig fest­stel­len, daß die Moti­ve von unge­heu­rer Bana­li­tät sind und mil­lio­nen­fach in der Gesell­schaft vorkommen.«

Das lie­ße sich frei­lich auch in einem ande­ren Sin­ne wei­ter­den­ken. Ob nun die Gedan­ken und Emo­tio­nen Brei­viks “mil­lio­nen­fach in der Gesell­schaft” vor­kom­men, ist zur Zeit eine häu­fig gestell­te Fra­ge. Tei­le der Lin­ken glau­ben nun end­lich ihren “Beweis” für den soge­nann­ten “Extre­mis­mus der Mit­te” gefun­den zu haben. “Alles ist gefähr­lich”, schrieb ein Kom­men­ta­tor der taz am 26. Juli. “Das Mas­sa­ker von Oslo war nicht extre­mis­tisch: Es war pure rech­te Gewalt.” Am sel­ben Tag schrieb Hans Hütt in FAZ, Brei­vik sei “ein Extre­mist, ohne Zwei­fel.” Er sei aber auch ein “Kind unse­rer Welt”, denn “sei­ne Ideen stam­men weni­ger aus obsku­ren Quel­len als aus der Mit­te, aus der Nor­ma­li­tät des Inter­nets.” Auch er ver­sucht, wie Sof­sky und Fleisch­hau­er, die  poli­ti­sche Instru­men­ta­li­sie­rung des Atten­tats abzufangen.

Aus sei­nem Text spricht der Chor der Ernied­rig­ten und Belei­dig­ten, die im Aus­druck ihres Has­ses auf alle und alles zu gran­dio­ser Form fin­den. Er ist ein gut erzo­ge­nes Kind aus der Mit­te der Gesell­schaft, der den Stolz der ara­bi­schen Stra­ßen­kämp­fer bewun­dert, ihn sich zu eigen macht, um sie zu schla­gen. Der Kämp­fer, der aus ihm spricht, ist nicht zu schla­gen – nicht wegen sei­ner Waf­fen, sei­ner Umsicht, sei­ner Klug­heit, son­dern weil er bloß ein Kopf unter vie­len die­ser Hydra ist, die sich aus dem Mani­fest erheben.

Die Idee der schär­fe­ren Über­wa­chung, die gleich wie­der erklang, noch ehe die Aus­wer­tung begon­nen hat, ver­kennt den Befund am Ende der Lek­tü­re. Brei­vik ist ein Kind der Mit­te. Die Über­wa­chung wäre der Ver­such, die­ser Selbst­er­kennt­nis mit ver­geb­li­chem Auf­wand aus dem Weg zu gehen.

Selbst­er­kennt­nis? Noch deut­li­cher wird die ehe­ma­li­ge nor­we­gi­sche Jus­tiz­mi­nis­te­rin Anne Holt in einem ansons­ten inhalt­lich dürf­ti­gen Bei­trag im Focus: “Er ist einer von uns”, heißt es da.

Anders Brei­vik ist die Sum­me des Lebens, das er unter uns gelebt hat, der Erfah­run­gen, die mit uns gemacht hat, und der Gedan­ken, die er inner­halb eines Sys­tems gedacht hat: des norwegischen.

In unse­rer Kul­tur hat die­ser Mann sich von einem schüch­ter­nen, höf­li­chen Jun­gen zu einem eis­kal­ten Mons­ter ent­wi­ckelt, das neun Jah­re sei­nes Lebens dazu ver­wen­det hat, einen Angriff auf die Zivi­li­sa­ti­on vor­zu­be­rei­ten und durch­zu­füh­ren. Wir müs­sen des­halb bereit sein, die Schein­wer­fer auf uns selbst zu richten.

Zur Fra­ge, was nun schief­ge­lau­fen ist, fällt Holt aller­dings nur sehr wenig ein, allen­falls, daß im öffent­li­chen Raum Nor­we­gens eine “Ver­schär­fung der Wort­wahl, wenn es um mar­gi­na­li­sier­te Grup­pen geht” statt­ge­fun­den hät­te – also genau das Gegen­teil von dem, was die skan­di­na­vi­schen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus­kri­ti­ker wie Fjor­d­man behaup­ten, näm­lich, daß der ohne­hin schon erheb­li­che poli­tisch kor­rek­te Kon­for­mi­täts­druck in den nor­di­schen Län­dern wei­ter­hin am Anstei­gen ist. (Was übri­gens jeder, der die­se Län­der aus eige­ner Anschau­ung kennt, bestä­ti­gen kann. ) Was Holt hier wahr­nimmt, etwa den “viel kras­se­ren Sprach­ge­brauch als noch vor weni­gen Jah­ren” (der Zeit­raum übri­gens, in dem dank mus­li­mi­scher Zuwan­de­rung die Ver­ge­wal­ti­gungs­ra­te von Oslo um 40% ange­stie­gen ist) mag die direk­te Gegen­rea­ki­on dar­auf sein.

Ähn­li­che zag­haft selbst­kri­ti­sche Töne wie Holt hat nun sogar einer der von Brei­vik in sei­nem Mani­fest zitier­ten Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus-Ideo­lo­gen, Tho­mas Hyl­land Erik­sen, ange­schla­gen. Erik­sen hat sein poli­ti­sches Pro­gramm so for­mu­liert:

Unse­re wich­tigs­te Auf­ga­be ist die Dekon­struk­ti­on der Mehr­heit, und wir müs­sen sie so gründ­lich dekon­stru­ie­ren, daß sie sich nicht mehr als die Mehr­heit bezeich­nen kann.

Nun schreibt er:

Jedes Land braucht eine gewis­sen Grad an Zusam­men­halt. Wie viel davon nötig ist, ist eine legi­ti­me Streit­fra­ge. Man­che glau­ben, daß der kul­tu­rel­le Plu­ra­lis­mus ein Rezept für Frag­men­tie­rung und den Ver­lust des Ver­trau­en ist. Das mag sein, aber nicht not­wen­di­ger­wei­se. So lan­ge die öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen für jeder­mann glei­cher­ma­ßen funk­tio­nie­ren – Bil­dung, Woh­nungs­we­sen, Arbeit und so wei­ter -, solan­ge kann eine Gesell­schaft mit einem beträcht­li­chen Maß an Diver­si­tät leben.

Wenn wir jedoch auf­hö­ren, mit­ein­an­der zu reden, dann kann es ernst wer­den. Das ist genau das, was mit Brei­vik und vie­len sei­ner Gesin­nungs­ge­nos­sen pas­siert ist: sie haben im Inter­net eine Par­al­lel­wirk­lich­keit aufgebaut.

Einer von uns, und zwar von uns allen! Wir haben ihn ver­lo­ren, weil wir nicht mit ihm gere­det, ihn womög­lich übel aus­ge­grenzt haben! Das erin­nert nun fast schon an den berühm­ten Auf­tritt des Schock­ro­ckers Mari­lyn Man­son in Micha­el Moo­res “Bow­ling for Colum­bi­ne”, den eini­ge “christ­li­che Rech­te” als Sün­den­bock für das berüch­tig­te Schul­mas­sa­ker der Colum­bi­ne-High­school in Litt­le­ton erko­ren hatten.

Moo­re:  Wenn du nun direkt mit den Kids von Colum­bi­ne spre­chen könn­test, und den Men­schen dort, was wür­dest du zu ihnen sagen, wenn sie jetzt hier sein könnten?

Man­son:  Ich wür­de kein ein­zi­ges Wort zu ihnen sagen, ich wür­de zuhö­ren, was sie zu sagen haben. Denn das hat nie­mand gemacht.

Nun scheint Erik­sen zu glau­ben, daß Brei­vik sei­ne Flau­sen schon los­ge­wor­den wäre, wenn er anstel­le islam­kri­ti­scher Blogs, die “die Öffent­lich­keit frag­men­tie­ren”, brav die Main­stream­pres­se gele­sen hätte:

Brei­vik muß wil­lent­lich zuge­las­sen haben, sich von isla­mo­pho­bi­schen und rechts­ex­tre­men Netz­sei­ten gehirn­wa­schen zu las­sen. Wäre er statt­des­sen gezwun­gen (sic! M. L.) gewe­sen, sei­ne Infor­ma­tio­nen durch eine Tages­zei­tung zu erhal­ten, in der sich nicht alle Geschich­ten um Euro­pas man­geln­des Selbst­be­wußt­sein und den Auf­stieg des mili­tan­ten Islam dre­hen, dann hät­te sei­ne Welt womög­lich ein wenig anders aus­ge­se­hen. Viel­leicht ist das eine Leh­re aus die­sem Wochen­en­de von Schock und Fas­sungs­lo­sig­keit, daß nicht unbe­dingt der kul­tu­rel­le Plu­ra­lis­mus eine Bedro­hung des natio­na­len Zusam­men­halts dar­stellt, son­dern der Tun­nel­blick, der durch ein selek­ti­ves Durch­stö­bern des Inter­nets entsteht.

All das ist natür­lich links­li­be­ra­les Wirr­den­ken at its worst: der Mul­ti­kul­tu­ra­list, des­sen erklär­tes Ziel die Dekon­struk­ti­on der Gesell­schaft und ihre Zer­le­gung in Min­der­hei­ten ist, – mit ande­ren Wor­ten ihre eth­nisch-kul­tu­rel­le Frag­men­tie­rung, die anschlie­ßend durch ein hof­fent­lich in alle Ewig­keit funk­tio­nie­ren­des Sozi­al­sys­tem wie­der gekit­tet wer­den soll -, schwingt sich zum Ver­tei­di­ger ihres Zusam­men­halts auf, und beklagt ihre Spal­tung durch jene, die sich von den Main­stream­m­edi­en abwen­den.  Dabei könn­te doch alles so wun­der­bar funk­tio­nie­ren, wenn alle die­sel­ben Zei­tun­gen lesen wür­den! Natür­lich fiel Brei­vik einem “Tun­nel­blick”, der sich zum nihi­lis­ti­schen Sog aus­wuchs, zum Opfer; aber daß er sei­ne grund­sätz­li­chen Mei­nun­gen geän­dert hät­te, hät­te man ihn öffent­lich mit­re­den las­sen, ist unwahrscheinlich.

Die logi­sche Kon­se­quenz aus Erik­sens Aus­füh­run­gen wäre eher die umge­kehr­te, näm­lich die tabui­sier­te Islam- und Libe­ra­lis­mus­kri­tik end­lich aus dem Bann­be­reich zu ent­las­sen, und ihr ein mög­lichst brei­tes öffent­li­ches Forum zu geben. Das ahnt viel­leicht auch Nor­we­gens Pre­mier­mi­nis­ter Stol­ten­berg, der in der Bild am Sonn­tag sag­te: „Die Rede- und Mei­nungs­frei­heit sind das Fun­da­ment einer jeden Demo­kra­tie, und so müs­sen wir alle Arten von Ansich­ten tole­rie­ren, auch wenn sie extrem sind.“

Aber es geht, wie gesagt, heu­te gar nicht um “extre­me” Ansich­ten. Auf all das zur Zeit wie­der modi­sche rhe­to­ri­sche Geschwätz von der Ver­tei­di­gung der “offe­nen Gesell­schaft” gibt es nur eine Ant­wort: eh bien – laßt uns doch erst­mal über­haupt eine “offe­ne Gesell­schaft” haben, ehe wir vor­ei­lig ihre “Fein­de” definieren.

Bis dahin bleibt Brei­vik so etwas wie die self-ful­fil­ling pro­phe­cy der poli­tisch kor­rek­ten Gehirn­wä­sche des Main­streams. In einer Stel­le sei­nes “Mani­fest” genann­ten Kon­vo­luts klagt er die Dis­kurs­stra­te­gien der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­ten an:

Das sind typi­sche kul­turm­ar­xis­ti­sche, mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche EUdSSR-Tech­ni­ken, nach denen alle, die es wagen, den Mul­ti­ku­lu­ra­lis­mus zu kri­ti­sie­ren, Ras­sis­ten, into­le­ran­te Bigot­te oder wüten­de, unter­pri­vi­le­gier­te Män­ner und so wei­ter sind.

Die­se Art von Den­ken scheint davon aus­zu­ge­hen, daß es nur zwei Ver­sio­nen von Euro­pä­ern gibt. Wenn man den Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus nicht 100% unter­stützt, ist man ein Nazi. Außer­dem ein Faschis­ten­schwein, ein Ras­sist, ein Homo­pho­ber, mit ande­ren Wor­ten, ein Unter­mensch. Die­se Auf­fas­sung zeugt von einem durch­drin­gen­den Haß, der alles ver­teu­felt, was Euro­pä­er tun, um ihre Wür­de, ihre Kul­tur und ihr Erbe zu schüt­zen. In die­ser Hin­sicht sind sie die Nazis, nicht wir.  Ich sehe mich als anti-ras­sis­tisch, anti-faschis­tisch und anti-nazis­tisch. Das ist der wah­re Grund, war­um ich gegen den kul­tu­rel­len Kommunismus/europäischen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus bin. SIE sind die Nazis, sie sind die Faschis­ten, sie sind die Rassisten!

Auch Pas­sa­gen wie die­se zei­gen Brei­vik als “einen von uns”, der eben­so wie alle ande­ren (außer uns Sezes­sio­nis­ten natür­lich, wie der Name schon sagt) im Koor­di­na­ten­sys­tem der west­li­chen Dis­kurs­schlei­fe gefan­gen ist, in der jeder des ande­ren Nazi wer­den kann.  Da könn­te man einen Kalau­er dar­aus machen: es gibt Leu­te, die so fana­tisch Anti-Nazi sind, daß sie Nazi-Nazi wer­den. Und dann gibt es Leu­te wie Brei­vik, die so fana­tisch Anti-Anti-Nazi sind, daß sie auch Nazi-Nazi werden.

Wie dem auch sei: der Wider­stand gegen die Zumu­tun­gen der poli­ti­schen Kor­rekt­heit wird unab­hän­gig von den noch nicht abseh­ba­ren Fol­gen von Oslo wei­ter­hin anwach­sen, so oder so. Ich habe wie­der­holt gesagt, daß heu­te die eigent­li­che Front­li­nie nicht zwin­gend zwi­schen (nomi­nell) “Lin­ken” und (nomi­nell) “Rech­ten” ver­läuft, son­dern zwi­schen com­mon sen­se und poli­ti­cal cor­rect­ness. Letz­te­re ist dog­ma­tisch der­art zube­to­niert und von der Lebens­wirk­lich­keit abge­ho­ben, daß es kein ver­mit­teln­des Drit­tes mehr gibt.  Aber auch kei­ne Quer­front, denn Mas­sen­mord und Ter­ro­ris­mus sind, soweit wird mir nun hof­fent­lich jeder Leser zustim­men, eben kein com­mon sen­se.

Inwie­fern die öffent­li­che “Tabui­sie­rung” der Wirk­lich­keit wie ein Preß­de­ckel auf dem kochen­den Topf wirkt, der noch mehr Gewalt und täti­gen “Extre­mis­mus” her­vor­bringt, die­se Fra­ge soll­te auf jeden Fall im Auge behal­ten wer­den. Ihre Dring­lich­keit wird schon längst weit über die Rand­be­rei­che der öffent­li­chen Mei­nung hin­aus wahrgenommen.

Als Bei­spiel dafür sei zum Schluß auf die­sen lesens­wer­ten Blog­ein­trag eines Infor­ma­ti­kers ver­wie­sen, der sich selbst nicht als “rechts” sieht und etwa Sar­ra­zin “für einen Idio­ten” hält. Nichts­des­to­trotz hält er die “Tabui­sie­rung” für einen mög­li­chen “Aus­lö­ser” des Atten­tats, und kommt zu ähn­li­chen Schlüs­sen über den Nähr­bo­den des Täters, wie sie wie in die­sem Blog geäu­ßert wurden.

Ich hal­te die­se Tabui­sie­rung, die sich in unse­rer Gesell­schaft gebil­det hat, daß man jede kri­ti­sche Mei­nung sofort in das äuße­re rech­te Spek­trum ver­la­gert und ver­dammt, für aller­höchst gefähr­lich. Nicht jeder, der Kri­tik an sol­chem ander­s­kul­tu­rel­len Ver­hal­ten äußert, ist rechts­las­tig. Manch­mal hat er auch nur das Hirn ein­ge­schal­tet und nicht die ideo­lo­gisch vor­ge­schrie­be­nen Sicht­wei­sen kri­tik­los über­nom­men. Es ist auch so eine Zeit­geis­ter­schei­nung, daß man jeder kri­ti­schen Mei­nung unlau­te­re Absich­ten unter­stellt, und die völ­li­ge Mei­nungs- und Kri­tik­lo­sig­keit zum Maß der Din­ge macht.

(…)

Könn­te es am Ende sein, daß in der nor­we­gi­schen Gesell­schaft eine ähn­li­che Tabui­sie­rung des The­mas statt­ge­fun­den hat, wie ich sie hier in Deutsch­land sehe, und daß die dort eben­falls aus dem lin­ken poli­ti­schen Lager betrie­ben wird? 

De fac­to ist es durch­aus so, daß – an sich erstre­bens­wer­te – Wer­te wie Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit, Ver­mei­dung von Frem­den­feind­lich­keit, Chan­cen­gleich­heit, Offen­heit, Mul­ti­Kul­ti, Migra­ti­on, isla­mi­sche Ein­wan­de­rung, typisch lin­ke The­men sind, die aber dann, wenn sie ideo­lo­gisch, aggres­siv, töricht betrie­ben wer­den, zu eben jener Tabui­sie­rung und Beschnei­dung der Mei­nungs­frei­heit führen.

(…)

Könn­te es am Ende sein, daß die Tat von Nor­we­gen – und viel­leicht vie­le ande­re rechts­ex­tre­me Taten – letzt­lich nicht so sehr von rech­ter Poli­tik und rechts­ex­tre­men Orga­ni­sa­tio­nen, son­dern mehr von lin­ker Rhe­to­rik und einer in die Gesell­schaft ein­ge­brach­ten Tabui­sie­rung der Kri­tik an der Ein­wan­de­rung von Mus­li­men ver­ur­sacht wur­de? Daß da der Druck­be­häl­ter explo­diert ist, weil man das Ven­til ver­schlos­sen hat?

Daß man die Tat also nicht wie kol­por­tiert dem rech­ten Lager, son­dern – indi­rekt, aber letzt­lich – dem lin­ker Poli­tik zuschrei­ben muß? Daß eine Tabui­sie­rung mehr Druck auf­ge­baut hat als die fron­ta­le Frem­den­feind­lich­keit? Und daß der des­halb auf die links­ori­en­tier­te Regie­rungs­par­tei los­ge­gan­gen ist? Denn gera­de die Dis­kus­si­on woll­te der Täter ja – vor­geb­lich – erreichen.

Und schließ­lich die Kernfrage:

Oder anders gefragt: Wäre es zu der Tat gekom­men, wenn es eine öffent­li­che und offen geführ­te Debat­te über die Ein­wan­de­rungs­po­li­tik gege­ben hät­te, in der auch offen dar­über dis­ku­tiert wird, war­um man­che Leu­te das nicht wol­len, und ob das berech­tigt oder unbe­grün­det ist?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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