Sezession
3. April 2009

Warum Giordano die Feigheit bei sich selbst suchen muß

Götz Kubitschek

mutig mutigDie ältere Dame nebenan auf dem Bild ist Ralph Giordano. Sie hat unter der Überschrift "Schluß mit der deutschen Feigheit" in der FAZ-Kolumne Fremde Federn die Wirkungsmacht der Umerziehung beschrieben und ein Verbot der Faschismuskeule gefordert.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Leider kommen beide unterstrichenen Wörter in Giordanos Artikel nicht vor, in dem es um den Bau von Großmoscheen und den mangelnden deutschen Widerstand dagegen geht. Es kommen aber die Wörter Holocaust und Rechtsextremismus vor, und jetzt darf man dreimal raten, wer schon immer genau wußte, an wessen Seite er zum einen gegen die Moscheen und zum anderen gegen die Rechtsextremisten kämpfen möchte.

Als beispielsweise am 19. und 20. September vergangenen Jahres Pro Köln gegen den Bau der Großmoschee in Köln einen "Anti-Islamismuskongreß" und eine Kundgebung durchführen wollten, distanzierte sich Giordano lautstark und bezeichnete die Gruppierung als "lokale zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus", deren Mitglieder "wenn sie könnten, mich in eine Gaskammer stecken würden." Das ist nun so ziemlich die größte Keule, die man schwingen kann, und unter dem Eindruck dieser Worte fanden Regionalpolitiker zu Ausdrücken wie "braune Exkremente", "braune Soße" und "Nazi-Dreck".

Nun kenne ich mindestens fünf führende Politiker von Pro Köln persönlich, und vielleicht fünfzig Leute, die im September 2008 in Köln mit dabei waren, als die Antifa alte Männer und Frauen, nicht aber Ralph Giordano wegprügelte (er war gar nicht dort, wo es weh tun konnte). Und ich muß aus eigener Anschauung sagen: Die Pro Kölner, das sind genau die mutigen Bürger, die das tun, was Giordano jetzt beschreibt:

Also endlich Schluss gemacht mit der deutschen Scheu, ja, der deutschen Feigheit, Kritik am Islam und dem inflationären Bau von Großmoscheen zu üben; Schluss mit der Blauäugigkeit einer von der Regierung einberufenen "Islamkonferenz", an deren Tisch in Gestalt muslimischer Verbandsfunktionäre potentielle Zerstörer der demokratischen Republik sitzen und sich eins ins Fäustchen lachen, weil ihnen Freiheiten gewährt werden, die sie sofort abschaffen würden, wenn sie könnten, wie sie wollten. Schluss vor allem aber mit dem niederträchtigsten aller niederträchtigen Totschlagargumente der Political Correctness, dem "Wer sich islamkritisch äußert, ist ein Rassist und macht die Sache der Nazis von heute": Nein und dreimal nein!

Und Giordano? Auch sich selbst beschreibt er ja ganz trefflich:

Was sind das für Leute, die mit Erfolg versuchen, ein ganzes Volk in Kritikstarre zu versetzen, jede Hinterfragung in eine Beleidigung zu verfälschen und den moralischen Cicerone zu mimen? Ich habe sie "Gutmenschen vom Dienst" genannt, "deutsche Pauschalumarmer", "xenophile Einäugige", "Multikulti-Illusionisten" und "Beschwichtungsapostel". Es ist genau jene Spezies von Zeitgenossen, deren Philosophie in die Misere der bisher gescheiterten Integrationspolitik geführt hat, die aus Furcht, ausländerfeindlich geschimpft zu werden, bei der Einwanderung von Millionen alle berechtigten Eigennutzinteressen des Aufnahmelandes außer Acht gelassen haben. Hier muss der politischen Klasse, und zwar parteiübergreifend, der Vorwurf gemacht werden, den aus der Nazizeit nachwirkenden Schulddruck für die eigene verdrängerische Position instrumentalisiert zu haben.

Schulddruck, ja, bei uns heißt das Schuldstolz. Und nein, ich glaube, wir brauchen Giordano nicht in dieser Auseinandersetzung. Wer nicht mit Selbstkritik beginnt, wo sie so offensichtlich ist, der ist ein unzuverlässiger Kombattant.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.