Sezession
15. Dezember 2011

Aktuelles zu Fjordman

Martin Lichtmesz

Ich möchte noch ein paar Anmerkungen zu der von Manfred Kleine-Hartlage und mir besorgten Ausgabe von Essays des "Fjordman" Peder Jensen machen.  Dieser hat seit Oktober 2011 wieder zu schreiben begonnen, und es in den letzten Wochen geschafft, gleich mehrere Artikel in norwegischen Mainstream-Blättern wie Verdens Gang, Aftenposten und Dagbladet zu publizieren (einen beinah kompletten Index seiner Texte gibt es hier), die allerdings zum Teil an entscheidenden Stellen "gekürzt" wurden.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Zu Hilfe kamen Jensen dabei norwegische Pressegesetze, die ein Recht auf Gegendarstellung einräumen. So hat er nun zumindest teilweise die Chance erhalten, sich gegen schwere Anwürfe zu verteidigen. Diese werden allerdings unvermindert erhoben, und die Presse versucht den Autor weiterhin als Schreibtischtäter zu brandmarken.

Insbesondere Verdens Gang, für die Jensen in Prä-"Fjordman"-Zeiten gelegentlich schrieb, legt sich dabei mächtig ins Zeug. Und Anders Breiviks Anwalt, nebenbei Mitglied der sozialistischen "Arbeiter"-Partei, versucht zur Zeit, Jensen zumindest teilweise für den Doppelanschlag von Oslo und Utoya verantwortlich zu machen.

Dazu muß man erneut festhalten, daß die Phrase vom "Vordenker" oder (noch abgedroschener) "Stichwortgeber" rein faktisch nicht richtig ist: Breivik hat sich in seinem Manifest zwar zum "Fan" erklärt, aber nie behauptet, von Fjordman kausal beeinflußt zu sein, erst recht nicht, was seine Wahnsinnstat betrifft. Weiters berichtet er, daß sowohl seine Weltsicht als auch seine nach eigenen Angaben seit 2002 gehegten Attentatspläne bereits voll ausgebildet waren, ehe er auf die Essays seines etwa gleichaltrigen Landsmanns stieß, der indessen niemals zu Gewalt aufgerufen hat, und sich über die Taten Breiviks ebenso entsetzt zeigte wie jeder andere normale Mensch auch. Darüberhinaus hat Breivik unzählige weitere Autoren und Politiker zitiert, unter ihnen auch Winston Churchill, John Stuart Mill und Angela Merkel.

Der Druck, der nun auf Jensen lastet, ist ungeheuer, und im Hintergrund steht freilich der Versuch, die Islam- und Liberalismuskritik überhaupt zu ächten.  Dies geschieht wie immer in erster Linie durch bloße "ad hominen"-Attacken ohne jegliche Argumente. Wir befinden uns hier wieder mitten im Schlachtfeld der bewährten Mechanismen und Strategien, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.

Jensen schreibt:

Vom Standpunkt der Mainstream-Medien ist es wichtig, einen gründlichen Rufmord an mir zu begehen. Sie wissen, daß ein großer Teil der Bevölkerung meine Ansichten in vielen Punkten teilt, und wir müssen zum Schweigen gebracht werden.

Seit den ruhmreichen Tagen des Vorsitzenden Mao gibt es eine besonders wirksame Methode, abweichende Meinungen im Keim zu ersticken. Man nimmt ein paar exemplarische Individuen und zerquetscht sie vor den Augen der Öffentlichkeit, damit niemand wagt, etwas ähnliches zu sagen.

Nebenbei: genau dieses "scapegoating" geschieht gerade auch in England mit der "Tram Lady" Emma West, an der ebenfalls ein öffentliches Exempel statuiert wurde (momentan wurde sie bis zu ihrer Gerichtsverhandlung wieder auf freien Fuß gesetzt).

Jensen weiter:

Ich werde nicht schweigen. Ich werde weiter schrieben und die Wahrheit sagen über den Islam, die EU, den Multikulturalismus und die Masseneinwanderung in die westliche Welt. Die Einschüchterungskampagne wird scheitern.

Diese Verpflichtung zur Wahrheit ist es auch, die letztlich Kleine-Hartlage, Kubitschek und mich bewogen hat, die Texte trotz aller Bedenken zu veröffentlichen. Man muß jetzt sprechen, solange man noch kann. Diese Dinge sind zu wichtig, als daß man schweigen dürfe.

Wenn ich mir ansehe, wie die Mechanismen der öffentlichen Meinungsmache funktionieren, ohne Rücksicht auf Anstand und das Ethos der Wahrheitssuche,  frage ich mich manchmal, ob die Edition nicht ein Fehler war. Lese ich Jensens Essays wieder, dann weiß ich, daß wir richtig gehandelt haben. Sie sind wahre Augenöffner, sachlich in der Argumentation und von einem aufklärerischen Geist getragen. Sie verlangen nach einer ernsthaften Auseinandersetzung und keiner leichtfertigen Abstempelung durch Schlagworte. Das von den Medien verbreitete Bild vom "Haßblogger" ist falsch und bewußt irreführend.

Jensens Aufsätze schärfen den Blick, die Sprache und die Taten der herrschenden politischen Klassen im richtigen Kontext zu sehen. Wenige Leute kapieren wahrscheinlich, was für ungeheuerliche Implikationen es hat, wenn ein Armin Laschet fordert, "angesichts des demographischen Wandels" müsse Deutschland „offensiv für mehr Zuwanderung werben“: „Wir brauchen einen viel größeren Wurf."  "Viel größer" als was? Um was zu erreichen? Und was bedeutet hier eigentlich: "angesichts"?
Test


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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