Sezession
27. Januar 2012

Zweierlei Maß in Dessau

Martin Lichtmesz

In der aktuellen Druckausgabe der Sezession untersuche ich den Fall "Emma West als Exempel", nämlich als mögliches Modell, wie eine sich verschärfende Repression bei zunehmender "Multikulturalisierung" auch in Deutschland aussehen könnte. In engem Zusammenhang damit steht die politische Ausschlachtung des Mordfalles Stephen Lawrence.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Der vermutlich aus Rassenhaß motivierte Mord an dem jungen Schwarzen im Jahr 1993 wurde von der britischen Presse und interessierten Lobbyisten und Politikern zum Fanal hochgeschrieben, um den vorgeblichen "institutionellen Rassismus" des ganzen Landes anzuprangern, ja seine Gesetze zu ändern. Der viel häufiger auftretende Fall, daß Weiße Opfer von Einwanderergewalt werden, die ebenfalls unverkennbare Züge von Rassenhaß trägt, wird dagegen von der Presse in der Regel heruntergespielt. So kam es, daß Stephen Lawrence zur Ikone à la Martin Luther King und Nelson Mandela stilisiert wurde, während die weißen Opfer vergleichbarer Verbrechen weitgehend namenlos und unbekannt blieben.

Dieses recht gut gemachte Video betrachtet etwa ein Dutzend solcher Fälle im entsprechenden Kontext - seit es hochgeladen wurde, hat es bis dato schlappe 4,000 Zugriffe bekommen, während Emma Wests "tram experience" im selben Zeitraum millionenfach angeklickt wurde. Eines der genannten Opfer wurde 2007 von zwei Schwarzen in einem Bus in Croydon erstochen, jenem Stadtviertel, aus dem auch West stammt.

 

https://www.youtube.com/watch?v=CgvOAhePIcI

 

Diese Tendenzen zeichen sich klar auch in Deutschland ab. Auf das jüngste Beispiel wurde ich durch Jürgen Elsässers Compact-Blog aufmerksam. Die Medienresonanz zu dem Gewaltverbrechen an dem Fußballer André Schubert in Dessau ist momentan nur spärlich. Der 29jährige wurde von einem senegalesischen Asylbewerber mit einem Messer in den Kopf gestochen, als dieser ihn daran hindern wollte, einem dritten Beteiligten ein Handy zu stehlen.

Elsässer dazu:

Niemand außerhalb von Dessau nimmt Notiz davon! Die überegionalen Medien boykottieren den Fall oder vermischen ihn bis zur Unkenntlichkeit mit anderen Vorfällen.  Was also ist passiert? Tatort ist Dessau, eine mitteldeutsche Stadt mit 77.000 Einwohnern, bekannt durch die Bauhaus-Architektur, ansonsten aber sehr verschlafen. Am Montag zur Mittagszeit kurz vor 12 Uhr wollte ein schwarzafrikanischer Asylbewerber aus dem Senegal einem älteren Mitbürger sein Handy klauen, auf offener Straße. André Schubert, ein 29jähriger Spieler des örtlichen Fußballvereins ASV Vorwärts, geht dazwischen. Da zückt der Dieb ein Messer und rammt es dem Fußballer in den Kopf. Das Messer kann erst im Krankenhaus entfernt werden. (...)

Der Vorfall spricht sich schnell herum. Noch am selben Abend demonstrieren 400 bis 500 Einheimische gegen die Bluttat – eine beachtliche Zahl für die Größe der Stadt. Es gibt Parolen wie „Kriminelle Ausländer raus!“, nach dem Vorgefallenen absolut verständlich. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet moderate Stimmen aus dem Protestzug: „Die demonstrieren auf unseren Straßen. Das können wir auch.“ Man habe nichts gegen Ausländer, wenn die „nicht gerade mit einem Messer zu McDonalds gehen“, sagt Versammlungsleiter Ralf Pflug. Viele meinen, „was dem André passiert ist, das geht gar nicht“.

Symptomatisch ist die Reaktion des Oberbürgermeisters von Dessau, der rasch versuchte, den Fall herunterzuspielen, indem er als "Täterversteher" auftrat:

Empörend ist, wie Oberbürgermeister Klemens Koschig die Tat und die anschließende Protestdemo beurteilt: „Das Problem ist, dass einige Menschen nach der Messerattacke in dem Täter immer nur den Schwarzafrikaner sehen. Vergessen wird, dass es sich bei ihm auch um einen kranken, depressiven Mann handelt.“ Was wäre wohl den den BRD-Medien los, wenn der OB bei einem umgekerten Tatvorgang – Deutscher als Täter, Schwarzafrikaner als Opfer – den Messerstecher so verharmlost hätte?

Das war aber nur das erste Manöver der Offensive, nach der sentimentalen wurde sogleich auf die Einschüchterungstube gedrückt:

Im „Neuen Deutschland“, einer von der Linkspartei finanzierten Tageszeitung, wird das Opfer und die um den Schwerverletzten Trauernden in den Verdacht des Rechtsextremismus gerückt. Ein Gewährsmann des Blattes „verweist darauf, dass die ASG Vorwärts ((der Verein des Opfers)) wiederholt mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wurde. So arbeitete ein Szenemitglied als Jugendtrainer. Der Anmelder der jetzigen Demo sei kürzlich wegen einer mutmaßlich rechtsextrem motivierten Körperverletzung verurteilt worden.“ Ekelhaft, wie hier Opfer zu Tätern gemacht werden. Im MDR war übrigens zu hören: „Nach Informationen von MDR1 RADIO SACHSEN-ANHALT hat der Verfassungsschutz aktuell keine Erkenntnisse über Bestrebungen im Fußballverein gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung.“

Test


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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