Mit der Wurzel ausmerzen

Von unserem Nachbarn zur Linken fiel vor Jahren, kurz nachdem wir hierher gezogen waren, mal die Aussage: „Was ihr sonst so treibt; angeblich, sag ich mal, das ist mir unheimlich. Damit will ich nichts zu tun haben. Aber wir können ja dennoch gute Nachbarn sein.“ Ein wahnsinnig wahrer Satz, weil er auf einer vollständigen Symmetrie beruht. Sprich: Wir sehen es umgekehrt genauso.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wie andern­orts auch, ist hier heu­te Fei­er­tag, Chris­ti Him­mel­fahrt sagen wir, Män­ner­tag sagen die andern; und das ist gut mit­tel­deutsch eine ver­gleichs­wei­se ehr­li­che Aus­sa­ge, der west­deut­sche „Vater­tag“ ist ja ein erbärm­lich euphe­mis­ti­scher Titel. Ob sich die Gen­der­wis­sen­schaf­ten da mal drum küm­mern könnten?

Unser Nach­bar zur Lin­ken ist Mann und Vater, sau­fen geht er nicht. Er hat eine Gas­mas­ke auf dem Gesicht, und die dient mit­nich­ten als Fetisch. So ist er nicht, im Gegen­teil.  Auf dem Rücken trägt er einen Plas­te­ka­nis­ter, in der Hand hält er eine Düse. Er geht kon­zen­triert vor, wie ein Chir­urg, nein, wie ein Kos­mo­naut, es ist jeden­falls kei­ne unwich­ti­ge Mis­si­on. Es gilt, all das Zeug aus­zu­mer­zen, das da in den Fugen des Kopf­stein­pflas­ters vor sei­nem Anwe­sen sich breit­zu­ma­chen droht. Schon wie­der! Er hat wirk­lich alles aus­pro­biert. In frü­he­ren Jah­ren kro­chen er samt Frau, Mut­ter und Toch­ter mit Fuge­mes­sern in monat­li­chen Rhyth­mus, bei Regen auch mal häu­fi­ger, über die Kat­zen­köp­fe, um aus­zu­krat­zen, was sich dort breit­macht, wo es def­in­tiv nicht hin­ge­hört. Stun­den­lan­ge Arbeits­ein­sät­ze! Hau weg den Unrat, Dein Name sei mir gleich­gül­tig, ob Löwen­zahn, Taub­nes­sel oder wil­des Veil­chen, hier gehörst du nicht hin! Aber die Bies­ter sind ver­dammt hin­ter­häl­tig, kaum hast Du sie ent­deckt, haben sie sich schon hin­ter­rücks durch Samen­ab­wurf ver­mehrt, alles wächst nach, nichts ist mit Aus­rot­ten! Hät­te man ihn gefragt, den Herrn Gründ­lich, er hät­te Abhil­fe gewußt: War­um braucht so ein Rit­ter­guts­platz so ein olles Pflas­ter, wo leben wir denn? In der Stein­zeit? Ein­mal Asphalt druff und Ruhe ist!

Im ver­gan­ge­nen Jahr kam im Mai ein strom­be­trie­be­nes Infra­rot­ge­rät zum Ein­satz, um das Kropp­zeug gründ­lich zu bestrah­len. Zell­zer­stö­rung, klang ver­dammt gründ­lich! War ers­tens zu teu­er (Leih­ge­rät), zwei­tens kehr­te ja den­noch kei­ne Ruhe ein. Die Din­ger sind nicht tot­zu­krie­gen! Beein­dru­ckend mar­tia­lisch war hin­ter­her der Ein­satz mit dem Abflamm­ge­rät. Oder der Ein­satz mit der Salz­was­ser­gieß­kan­ne, der exakt abge­grenz­te weiß­li­che Spu­ren hin­ter­ließ. Mil­li­me­ter­ar­beit! Bis zur Grund­stück­gren­ze und kein Haar wei­ter! Man kennt die Geset­ze und hält sich dran. Doch der Schoß ist frucht­bar noch und läßt sich von Salz nur kur­zei­tig in die Schran­ken wei­sen. Jetzt also die Gift­ka­no­ne. Der Enkel zieht mit, samt wich­tig­tue­risch­ter Mie­ne, die so ein Drei­jäh­ri­ger auf­set­zen kann. Kin­der­gas­mas­ken gibt’s lei­der nicht, man muß sol­che Schutz­maß­nah­men ja auch nicht über­trei­ben. Man wird eh sehen, Unkraut ver­geht nicht, das ver­damm­te Zeug wird wie­der­kom­men, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wie ver­schie­den die Geschmä­cker doch sind! Wir fin­den unse­ren Hof­teil schö­ner. Die­ses Jahr macht sich in den Fugen sogar unan­ge­for­der­ter Laven­del breit. Des­sen aro­ma­ti­sche Tei­le sol­len ja ent­span­nend wirken.
Test

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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