Eurokrise: Die Putschisten Österreichs

Die ESM-Gegner kommen sich dieser Tage wohl vor wie die Pioniere in der von Indianern umzingelten Wagenburg, hoffend, daß sie die Kavallerie, etwa aus Karlsruhe, in letzter Sekunde retten werde. Die Zeit eilt davon, und man sieht Bundespräsident Gauck förmlich vor sich, wie er schon die Feder ansetzt zur finalen Unterschrift und jäh innehält. 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ande­re mögen sich wohl eher füh­len wie in Lars von Triers “Melan­cho­lia”, in läh­mend-pas­si­ver Erwar­tung des gro­ßen Unter­gangs­ko­me­ten, von des­sen weit fort­ge­schrit­te­nem Her­an­na­hen man eben erst beim Früh­stück erfah­ren hat. Das Erwa­chen kam spät, auch dank der weit­ge­hen­den Ver­schla­fen­heit oder Kom­pli­zen­schaft der Medi­en, und nun müs­sen die War­ner umso lau­ter die Glo­cke bimmeln.

Zu ihnen gehört in Öster­reich vor allem FPÖ-Chef Heinz Chris­ti­an Stra­che, der ges­tern auf dem Wie­ner Ball­haus-Platz, gleich gegen­über dem Bun­des­kanz­ler­amt, eine Anspra­che vor etwa 400 Zuhö­rern hielt. Die FPÖ und ihr Able­ger BZÖ sind zur Zeit die ein­zi­gen Par­tei­en Öster­reichs, die der Rati­fi­zie­rung des Ver­tra­ges Wider­stand entgegensetzen.

Über­ge­lau­fen zu den stramm hin­ter dem ESM-Ver­trag ste­hen­den Regie­rungs­par­tei­en SPÖ und ÖVP sind nun auch – wie kann’s anders sein? – die Grü­nen, mit deren Mit­wir­kung jene Mehr­heit im Natio­nal­rat gesi­chert wäre, die nötig ist, um die letz­ten hin­der­li­chen Klau­seln aus der Ver­fas­sung zu strei­chen.  Auf ihrer Netz­sei­te behaup­ten die Grü­nen lus­ti­ger­wei­se, sie stün­den für “eine gemein­sa­me Euro­päi­sche Alli­anz gegen Spe­ku­lan­ten & Finanz­lob­bys” und für “vol­le Mit­wir­kungs­rech­te der Par­la­men­te in Finanz­fra­gen”. In ihrem “Grund­satz­pro­gramm” steht zu lesen:

Demo­kra­tie ist ein Pro­zess der zuneh­men­den Aneig­nung von Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz durch die von Hand­lun­gen und Ent­schei­dun­gen betrof­fe­nen Men­schen; ein Pro­zess des Aus­gleichs zwi­schen unter­schied­li­chen Inter­es­sen, der Schaf­fung und Aus­wei­tung indi­vi­du­el­ler Frei­räu­me und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, der Zäh­mung der Macht.

Wie­der ein­mal macht sich eine nomi­nell lin­ke Par­tei zum Kol­la­bo­ra­teur des Kapi­tals. War­um wohl? Folgt man einer Erklä­rung des Grü­nen-Spre­chers Wer­ner Kog­ler, so bil­det man sich offen­bar allen Erns­tes ein, man kön­ne nun “Bedin­gun­gen zu dem ESM-Ver­trags­werk dik­tie­ren”. Die Macht­in­stink­te funk­tio­nie­ren also noch:  wäh­rend die nicht zum Kom­pro­miß berei­ten Rech­ten sich frei­wil­lig aus dem Klub kata­pul­tie­ren und sich als nicht “regie­rungs­fä­hig” zei­gen, bekom­men die Grü­nen ihren Kat­zen­tisch und wer­den von SPÖ-Klub­chef Josef Cap für ihr Brav­sein und Mar­schie­ren im Gleich­schritt  gekrault und getät­schelt:  “Sie sind momen­tan am kon­struk­tivs­ten. Sie zei­gen damit Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und Regierungsfähigkeit.”

Und da die öster­rei­chi­schen Grü­nen min­des­tens so erz­dumm, eitel und grund­ver­kom­men sind wie ihre deut­schen Pen­dants, haben sie den Köder auch gleich geschluckt, flugs die Räu­ber­lei­ter gemacht und den nütz­li­chen Idio­ten gespielt. Das gute Hünd­chen ist ganz stolz auf sei­ne ver­meint­li­che eige­ne Raffinesse:

“Wenn wir uns eini­gen, wird das zu 80 bis 90 Pro­zent ein grü­nes Gesetz. Da sieht man unse­re Kunst, von der Oppo­si­ti­on her­aus etwas durch­zu­set­zen”, sagt Kogler.

Ich gra­tu­lie­re. Wenn die öster­rei­chi­sche Lin­ke indes­sen noch einen halb­wegs behirn­ten Kopf auf ihrem Wen­de­hals sit­zen hät­te, dann wür­de ihr die Tat­sa­che schwe­re Migrä­ne berei­ten müs­sen, daß die FPÖ in Öster­reich die­sel­be Oppo­si­ti­ons­rol­le ein­nimmt wie in Deutsch­land die “Lin­ke”. Bei­de oppo­nie­ren gegen den ESM mit weit­ge­hend iden­ti­schen Argumenten.

Da spricht eine Sah­ra Wagen­knecht nicht anders als ein Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge oder ein Fried­rich Romig von einem “kal­ten Putsch gegen das Grund­ge­setz”, wäh­rend Gre­gor Gysi bereits im März auf die Grund­ge­setz­feind­lich­keit des Ver­tra­ges hin­wies und vor dem Bau eines “Euro­pas der Ban­ken und Hedge­fonds” gewarnt hat. Auch der “Linke”-Politiker Wolf­gang Nes­ko­vic spiel­te die Kar­te der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät aus: “Die deut­sche Poli­tik darf nicht fremd­be­stimmt wer­den.” (Da höre ich sie schon tri­um­phie­rend auf­heu­len, die Klas­sen­stre­ber der soge­nann­ten “Mit­te”: Mal wie­der die “Extre­mis­ten” und “Popu­lis­ten” von Links und Rechts, die sich bös­wil­lig gegen Wohl­stand und Demo­kra­tie, Ver­nunft, Euro­pa und Welt­geist auflehnen!)

Über die­se Über­schnei­dun­gen mag man sich wun­dern – aber im Grun­de soll­te man sich eher wun­dern, war­um sich nicht noch mehr Lin­ke gegen den ESM-Ver­trag enga­gie­ren. Da haben sie ihn nun in aller schau­ri­gen Evi­denz vor sich, ihren nim­mer­sat­ten, demo­kra­tie­feind­li­chen Finanz­mo­loch und Aus­beu­ter-Levia­than. Aber die Guy-Faw­kes-Mas­ken und Occu­py-Schild­chen blei­ben dies­mal zuhau­se. War­um wohl? Weil spä­tes­tens hier der natio­na­len Fra­ge, die von der Lin­ken so ger­ne ver­schwe­felt wird, nicht mehr aus dem Weg zu gehen ist. Hic Rho­dus, hic sal­ta! Man sieht, wie gut der “Anti­fa­schis­mus” funk­tio­niert hat, um die anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Lin­ke im Zaum zu hal­ten und ihr die Zäh­ne zu ziehen.

Stra­che und die FPÖ tou­ren nun land­auf land­ab, um vor den Gefah­ren des ESM-Ver­tra­ges zu war­nen, was zum Wett­lauf gegen die Zeit gewor­den ist. Man kann von dem Mann und sei­ner Par­tei hal­ten, was man will: in der Sache hat er recht, und jedem, der sich nur ein biß­chen in die Mate­rie ein­liest, muß däm­mern, daß hier ein unge­heu­er­li­ches, schwer­wie­gen­des Vor­ha­ben umge­setzt wer­den soll, das tief in die poli­ti­sche Struk­tur der betrof­fe­nen Län­der ein­grei­fen wird. Daß die­ses nach der bewähr­ten Jean-Clau­de Juncker-Metho­de (“Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt”) mehr oder weni­ger hin­ter dem Rücken der Bür­ger vor­bei­ge­wurs­telt wer­den soll­te, soll­te all­mäh­lich auch dem ein­ge­fleisch­tes­ten EU-Idea­lis­ten zu den­ken geben.

Die Ant­wort der Mei­nungs­ma­cher fällt indes­sen recht vage und unsi­cher aus. Der ESM-Ver­trags­text ist so ein­deu­tig demo­kra­tie- und sou­ve­rä­ni­täts­feind­lich, daß sei­ne Recht­fer­ti­gung die größ­ten Schwie­rig­kei­ten berei­tet. Man bemüht sich also, die Sach­ver­hal­te durch Begriffs­hül­sen-Rhe­to­rik zu ver­schlei­ern. Mei­ne Lieb­lings-Bête-Noi­re Hans Rau­scher , der “Einserkastl”-Schreiber des Stan­dard, meint etwa, man müs­se ent­we­der Euro-Befür­wor­ter oder häß­li­cher, klei­ner, selbst­süch­ti­ger “Mir-san-Mir”-Krümel sein, denn man kön­ne doch in der heu­ti­gen Zeit “kei­ne ruhi­ge Schre­ber­gar­ten­exis­tenz” als ” klei­nes, abge­schot­te­tes Land” füh­ren. Was für ein Argu­ment hat er dann für gro­ße, zen­tral gele­ge­ne Län­der wie Deutsch­land? “Wir sind da alle gemein­sam drin!”

Der links­li­be­ra­le Kurier gibt die nicht weni­ger irre­füh­ren­de For­mel aus, die Par­tei­en­land­schaft hät­te sich in eine (gute, pro­gres­si­ve) “pro-euro­päi­sche” (Schwarz-Rot-Grün) und in eine (böse, rück­stän­di­ge) “anti-euro­päi­sche” Frak­ti­on (blau-oran­ge) gespal­ten. Ein spür­bar gereiz­ter Kom­men­ta­tor des Blat­tes, der befürch­tet, bei einer etwai­gen Volks­ab­stim­mung wäre ein “Nein der Öster­rei­cher vor­pro­gram­miert”,  fährt schwe­re rhe­to­ri­sche Geschüt­ze auf – die ESM-Geg­ner sei­en blo­ße Radau­brü­der, Angst­ma­cher und Ignoranten:

Blei­ben wir bei der aktu­el­len Debat­te um die Ein­füh­rung des ESM. Dass die blau-oran­gen Total­ver­wei­ge­rer einen “Staats­streich” und “schwär­zes­te Tage des Par­la­men­tes” her­bei­fa­seln, ist dümm­li­cher Popu­lis­mus, dass Stra­che in einer offi­zi­el­len Aus­sendung nicht ein­mal die rich­ti­ge Abkür­zung kennt und vor einem “EMS” warnt, ist nur ein zusätz­li­cher Beweis von schwe­ren Informationsmängeln.

Aber der oppo­si­tio­nel­le Radau gewinnt Gehör, so lan­ge nicht die Wahr­heit über den ESM und ande­re, grö­ße­re Pro­jek­te euro­päi­scher Zusammenarbeit/Zentralisierung klar aus­ge­spro­chen wird.

Das wäre ein­mal eine gran­dio­se Idee! Alle Welt war­tet dar­auf, daß die ESM-Befür­wor­ter (und das ist momen­tan fast die gesam­te öster­rei­chi­sche Regie­rung), “die Wahr­heit” klar aus­spre­chen und die Bür­ger auf­klä­ren, was sie mit ihrem Ver­mö­gen, ihren Steu­er­gel­dern, mit­hin ihrer gan­zen Zukunft vor­ha­ben. Auch sie sagen einen Kata­stro­phen­ko­me­ten vor­aus, den man aber durch Bank­no­ten­ma­gie abweh­ren kön­ne. In Wirk­lich­keit sind sie selbst die “Angst­ma­cher”. Statt alter­na­ti­ve Ansät­ze auch nur zu dis­ku­tie­ren, wird bedeu­tet, es gäbe nichts ande­res als die “TINA”-Wahl zwi­schen dem gro­ßen Knall und dem ESM.
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Der (übri­gens seit drei Mona­ten spur­los ver­schol­le­ne) You­tube-Sati­ri­ker “Clown-Uni­on” hat das ein­mal in einem sei­ner legen­dä­ren Vide­os  kari­kiert: da kommt Lloyd Blank­fein von Gold­man-Sachs ins Bild getrip­pelt, mit Vam­pir­zäh­nen und einem Spreng­stoff­gür­tel um den Bauch: “Ich bin ein Sui­zid-Ban­ker! Wenn ihr mich nicht gebt, was ich will, drü­cke ich auf den Knopf und die gan­ze Finanz­welt fliegt in die Luft.”  Mer­kel und Ber­lus­co­ni dar­auf: “Oh nein! Wir machen alles, was du sagst!”

Die Arro­ganz der Ent­schei­dungs­trä­ger läßt sich jeden­falls vor­treff­lich an der gest­ri­gen ORF-Fern­seh­kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Josef Cap und H.C. Stra­che stu­die­ren. Sie ist so auf­fäl­lig, daß sogar der Mode­ra­tor Cap mehr­fach ermahnt, er habe sei­ne und Stra­ches Fra­gen ja gar nicht beant­wor­tet. Bei­spiels­wei­se kann Cap kei­nen ein­zi­gen trif­ti­gen Grund nen­nen, war­um man bei einem so ein­schnei­den­den poli­ti­schen Ein­griff wie dem ESM-Ver­trag kei­nen Volks­ent­scheid durch­füh­ren sol­le. In der Tat ver­wehrt er sich vehe­ment dage­gen, ähn­lich gereizt wie der oben zitier­te Kom­men­ta­tor des Kurier, der expli­zit fürch­te­te, die Wäh­ler wür­den die uner­wünsch­te Wahl treffen.

Mode­ra­tor: Jetzt gibt es die­se Debat­te über direk­te Demo­kra­tie. Alle sind plötz­lich für direk­te Demo­kra­tie. Am aller­meis­ten die FPÖ, aber auch die ÖVP, und auch die SPÖ ist plötz­lich für direk­te Volks­ab­stim­mun­gen und für Demo­kra­tie. War­um will man über soet­was Wesent­li­ches nicht abstimmen?

Cap: Des kaun i Ihna sogn. Der ESM-Schutz­schirm hat dafür zu sor­gen, daß die Euro­zo­ne nicht in die Luft fliegt, daß der Euro wei­ter sta­bil bleibt. Was Herr Stra­che ris­kiert, ist, daß, wenn das in die Luft fliegt – im übri­gen könn ma gor net all­an aus­tre­ten, weil wir immer an die D‑Mark gekop­pelt waren, nun daher ohne Deit­sch­land auf­grund der engen Ver­flech­tung ohne­hin kaum was…

Mode­ra­tor: Ent­schul­di­gen Sie, Sie wei­chen mir aus.

Cap: I glaub, daß die Fra­ge zwar wich­tig ist, aber was jetzt fast no wich­ti­ger is, was pas­siert, wenn alles in die Luft fliegt?

Mode­ra­tor: Beant­wor­ten Sie doch mei­ne Frage.

Cap: Mach ich ger­ne, sofort. Aber des Ent­schei­den­de ist, Ein­bruch der Wirt­schafts­leis­tung, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, das ist die Fol­ge von dem, was Sie (Stra­che) da for­dern. Wir sind für die direk­te Demo­kra­tie, wir sind für die Volks­ab­stim­mung, wenn’s wirk­lich zu einem Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fer füh­ren soll­te, das haben wir aber nicht vor.

Ein paar Sät­ze spä­ter hat Cap die Fra­ge immer noch nicht beant­wor­tet, und die Sen­de­zeit ist aus­ge­lau­fen. Es ist an sich schon wenig ver­trau­en­er­we­ckend, wenn sol­che Din­ge erst dann dis­ku­tiert wer­den, wäh­rend der Pro­zeß schon in vol­lem Gan­ge und auf dem Weg zur Tat­sa­chen­voll­endung ist. Die offen­sicht­li­che Lüge aber, daß die Regie­rung (oder meint er sei­ne Par­tei?) kei­nen “Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fer” vor­ha­be und für “direk­te Demo­kra­tie” ein­ste­he, ist so dreist, daß einem die Spu­cke wegbleibt.

Es ist nicht die ers­te Lüge aus der Füh­rungs­rie­ge der SPÖ – im Juni 2008 hat­te der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Gusen­bau­er zusam­men mit dem jet­zi­gen Bun­des­kanz­ler Fay­mann einen medi­en­wirk­sa­men offe­nen Brief an die Kro­nen-Zei­tung geschrieben:

Auf der Basis einer kon­ti­nu­ier­li­chen Infor­ma­ti­on und einer offe­nen Dis­kus­si­on sind wir der Mei­nung, dass zukünf­ti­ge Ver­trags­än­de­run­gen, die die öster­rei­chi­schen Inter­es­sen berüh­ren, durch eine Volks­ab­stim­mung in Öster­reich ent­schie­den wer­den sollen.

Das stellt sich heu­te als ein gebro­che­nes Ver­spre­chen, als typi­sche Wahl­kampflü­ge her­aus. Der erwei­ter­te Witz ist frei­lich, daß auch der ORF, der immer­hin die­se Dis­kus­si­on ermög­lich­te, nicht all­zu viel zu einer “kon­ti­nu­ier­li­chen Infor­ma­ti­on” bei­trägt, wenn er im Vor­spann als blo­ße Min­der­hei­ten­in­ter­pre­ta­ti­on von FPÖ und BZÖ hin­stell­te, was im Ver­trag selbst ein­deu­tig nach­zu­le­sen ist.

Ich bin bekannt­lich kein all­zu gro­ßer Freund der Blau­mie­sen, aber mein Respekt vor Stra­che und sei­nem glaub­haft zor­ni­gen Enga­ge­ment ist in die­sen Tagen erheb­lich gestie­gen. Er hat, wie gesagt, in der Sache nach­weis­bar völ­lig recht, und man wird ihm nicht ver­übeln kön­nen, wenn er die ent­spre­chen­den Sach­ver­hal­te auch für eine Kli­en­tel grif­fig ver­packt, die nicht gar so anspruchs­in­tel­lek­tu­ell unter­wegs ist wie der durch­schnitt­li­che Stan­dard-Leser. Er geht dabei auch nicht grö­ber vor als jene, die stän­dig von “Euro­pa” faseln,wenn sie “Brüs­sel” und “Fis­kal­uni­on” mei­nen. Indes­sen sind die Kom­men­tar­spal­ten des rosa­ro­ten Tag­blat­tes zum Teil kaum mehr vom euro­skep­ti­schen bis ‑feind­li­chen Kom­men­ta­ri­at der Kro­nen-Zei­tung zu unter­schei­den. Das ist eine bemer­kens­wer­te Entwicklung.

Es kann durch­aus sein, daß mit der ESM-Zumu­tung und den immer offen­sicht­li­cher zu Tage tre­ten­den Lügen und Mani­pu­la­tio­nen der Regie­rung der Bogen über­spannt ist. Nun müß­te aber auch der seit Jahr­zehn­ten pas­siv­de­mo­kra­tisch dul­den­de und däm­mern­de Bür­ger sei­ne Feig­heit und Bequem­lich­keit auf­ge­ben, selbst wenn es ihn Über­win­dung kos­tet, sich der FPÖ anzu­schlie­ßen. Es wird alles dar­auf ankom­men, ob Stra­che ein brei­te­res, par­tei­über­grei­fen­des Bewußt­sein schaf­fen kann, und nicht nur dem übli­chen Stra­ßen­plebs und Fan­club auf die Schul­ter klopft (“Ihr seid das Volk”) und ihn mit popu­lis­ti­schem Affen­zu­cker anheizt.

(Lesen Sie aus der Feder von Mar­tin Licht­mesz auch “Ver­fas­sungs­putsch – Umset­zung und Fin­te”, abge­druckt in der 48. Sezes­si­on)
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Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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