Sezession
9. August 2012

Vor vierzig Jahren starb Ernst von Salomon

Gastbeitrag

von Hans-Wilhelm Stein-Saaleck

Heute vor vierzig Jahren verstarb der Schriftsteller, Revolutionär, Terrorhelfer und Atomkraftgegner Ernst von Salomon. Ich bedaure es sehr, daß sein Werk (Pflichtlektüre rechter, des Lesens mächtiger Menschen) fast vergessen ist. Immerhin hat von Salomon eine eigene Internet-Seite, eingerichtet von seinem Biographen Markus Josef Klein.

Von Salomon wurde 1902 geboren, war Zögling in einer preußischen Kadetten-Anstalt, kämpfte nach dem Krieg in Freikorps gegen kommunistische Umsturzversuche im Innern, polnische, französische und russische Landräuber von Außen und übergeordnet gegen die Bestimmungen des Versailler Diktats. Im III. Reich spielte er - wie so viele Figuren der Konservativen Revolution - keine Rolle mehr und verdingte sich als Drehbuchautor.

Legendär ist der erste rechte Bestseller der noch jungen BRD, von Salomons Fragebogen - eine fünfhundert Seiten umfassende Beantwortung des Entnazifizierungskatalogs, den die amerikanischen Besatzer millionenfach ausgaben, um mit teils absurden Fragen zugleich dem nationalsozialistischen Geist und dem deutschen Wesen auf den Grund und dessen Trägern auf die Schliche zu kommen. Der Fragebogen - ein Schlüsselwerk, außerdem das einzige Buch von Salomons, das bis heute nachgedruckt wird.

Zankapfel war und ist von Salomons Beteiligung am berühmtesten Attentat der Weimarer Republik: Am 24. Juni 1922 ermordeten Erwin Kern und Hermann Fischer den Reichsaußenminister Walther Rathenau, unter anderem, weil sie ihn für fähig hielten, die verhaßte Weimarer Republik zu stabilisieren und so der Revolution und Revision von rechts das Wasser abzugraben.

Mich betrifft diese Sache insofern, als ich die Attentäter damals in einem Turm meiner halbruinösen Burg versteckte. Sie wurden aber entdeckt und von einem Großaufgebot der Polizei unter Feuer genommen. Kern wurde erschossen, Fischer erschoß sich selbst. Ernst von Salomon, der an Planung und Organisation des Attentats beteiligt war, beschrieb Atmosphäre, Attentat, Flucht und Ende in seinem Roman Die Geächteten, von dem es seit Kurzem einen lieblosen Nachdruck gibt. Er selbst büßte für fünf Jahre im Zuchthaus.

Man muß sich von Salomons Werk antiquarisch zusammenstupfen und man das alles lesen, um einen Begriff davon zu bekommen, wie aufgeladen, rastlos, idealistisch, unbekümmert, dynamisch, soldatisch, kompromislos und virulent die Zeit damals war. Heute ist doch alles ganz brav, bloß um den Grabstein für Kern und Fischer rangelt man unterhalb meiner Burg noch immer. Der jüngst gesetzte Stein ist mittlerweile schon wieder abgeräumt.


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