Eine Lanze für Michael Stürzenberger

von Manfred Kleine-Hartlage

Die "Weißmann-Stürzenberger-Kontroverse", aus der seit Martin Lichtmesz' Artikel "Weißmann, Stürzenberger und das Elend der Islamkritik" zusehends eine Lichtmesz-Stürzenberger-Kontroverse geworden ist, ist gestern von Martin Lichtmesz in diesem Blog um ein weiteres Kapitel bereichert worden. Die Antwort auf Stürzenbergers giftige Unterstellungen war notwendig, und Lichtmesz hat diese Unterstellungen - die ja letztlich nicht nur ihm galten, sondern der gesamten Neuen Rechten und ihrer politischen Theorie - Punkt für Punkt zerpflückt. So weit, so gut.

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Weni­ger gut und Anlaß für mei­nen Arti­kel sind die letz­ten drei Absät­ze, die ich des­halb hier noch ein­mal zitiere:

Soll­ten sol­che kras­sen Fehl­leis­tun­gen [Gemeint ist die Inter­pre­ta­ti­on des Anti-Moham­med-Vide­os als “Doku­men­tar­film”, MKH] kei­ne Aus­rut­scher sein, son­dern sym­pto­ma­tisch für den Wirk­lich­keits­zu­gang der „Islam­kri­tik“, dann haben wir es weni­ger mit „Kri­tik“ als mit blo­ßer Kra­wall­ma­che zu tun. Ich höre die­se Art von Akti­vis­mus oft mit dem Argu­ment ver­tei­digt, daß sie zumin­dest in einem Teil­be­reich auf­klä­rend und wach­rüt­telnd wir­ke. Wenn sich etwas ändern soll, dann brau­che man nicht nur Weiß­manns, son­dern auch Bier­zelt­red­ner, die die Mas­sen mobi­li­sie­ren und motivieren.

Ich habe Respekt vor den Macher­ty­pen und Prak­ti­kern, kann aber den Glau­ben an die­se Roman­tik des Bra­chia­len und des Pol­tern­den beim bes­ten Wil­len nicht tei­len. Ich hege die tiefs­te Skep­sis, daß aus blind­wü­ti­ger Schwarz­weiß­ma­le­rei etwas Ver­nünf­ti­ges und Brauch­ba­res erwach­sen kann. Rein prak­tisch sehe ich nur die Instal­la­ti­on eines Dampf­ab­laß­ven­tils, das von einem erkennt­nis­feind­li­chen welt­an­schau­li­chen Rah­men ummau­ert bleibt. Das Kli­schee­bild „Hemds­är­me­li­ge Täter gegen intel­lek­tu­el­le Quatsch­köp­pe“, das nun in Anschlag gebracht wird, ist irre­füh­rend, die fau­le Aus­re­de der getrof­fe­nen Hun­de, die laut bellen.

Es bleibt aber uner­läß­li­che Pflicht, stets eine genaue Erkennt­nis der Lage zu gewin­nen. Gera­de das Bei­spiel die­ser Art von „Islam­kri­tik“ zeigt, wie ein­engend und blo­ckie­rend sich der­ar­ti­ge Men­ta­li­tä­ten und Ein­äu­gig­kei­ten aus­wir­ken kön­nen. Die Qua­li­tät der Anspre­chen­den wird sich in der Qua­li­tät der Ange­spro­che­nen spie­geln, was nur erneut dazu füh­ren wird, daß der „colè­re des imbé­ci­les“ (Geor­ges Bernanos) die Welt überflutet.

Pro­vo­ka­ti­on ist kei­ne Kra­wall­ma­che, auch wenn sie Kra­wal­le der Gegen­sei­te her­vor­ruft; sie könn­te es nicht, wenn es das, was sie sicht­bar machen soll, nicht gäbe. Übri­gens: Wenn Stür­zen­ber­ger wirk­lich so naiv wäre, den bewuß­ten Film für eine Eins-zu-eins-Abbil­dung des Lebens von Moham­med zu hal­ten statt für eine simp­le Pro­vo­ka­ti­on, dann hät­ten wir es erst recht nicht mit “Kra­wall­ma­che” zu tun, son­dern eben mit Nai­vi­tät. Ich glau­be aber nicht, daß er so naiv ist.

Fer­ner ist an dem Argu­ment, daß man nicht nur die intel­lek­tu­el­len Vor­den­ker benö­tigt, son­dern auch die, die eine Bot­schaft ins Volk tra­gen, nicht die Spur von Roman­tik. Es ist ein­fach nur rea­lis­tisch. Poli­tik und Meta­po­li­tik sind unter­schied­li­che Schlacht­fel­der, auf denen unter­schied­li­che Geset­ze gel­ten. Meta­po­li­tik will Begrif­fe prä­gen, deu­ten und beset­zen, um Eli­ten (und erst auf die­sem Umweg Mas­sen) beein­flus­sen; Poli­tik, spe­zi­ell poli­ti­sche Pro­pa­gan­da, zielt direkt auf Mas­sen. Ich kann nicht erken­nen, wel­chen Sinn es haben soll, einem Kämp­fer vor­zu­wer­fen, daß er sich an die­je­ni­gen Regeln hält, die auf sei­nem Schlacht­feld nun ein­mal gel­ten. Die Fin­ger vom Schmutz der Poli­tik zu las­sen, wenn sie einem nun ein­mal nicht liegt, ist jeder­mann unbe­nom­men. Ob aller­dings ein Kon­zept, das aus­schließ­lich auf Meta­po­li­tik setzt und auf den direk­ten Appell ans Volk nicht nur selbst ver­zich­tet, son­dern ihn mit aris­to­kra­ti­schem Nase­rümp­fen auch dann ver­ächt­lich macht, wenn Ande­re ihn suchen, bezweif­le ich.

Prak­tisch die gesam­ten Funk­ti­ons­eli­ten unse­res Lan­des sind geis­tig, mora­lisch und mate­ri­ell kor­rupt. Sie sind für Argu­men­te nicht erreich­bar, weil Argu­men­te – zumin­dest gute Argu­men­te – weder kar­rie­re­för­dernd noch pres­ti­ge­träch­tig sind; nicht ein­mal essen kann man sie. Für Men­schen, die ihre eige­ne Ver­nunft rein instru­men­tell ver­wen­den, sind sie buch­stäb­lich “nicht zu gebrau­chen”. Meta­po­li­tik wird die eta­blier­ten Eli­ten nur mar­gi­nal errei­chen; sie wird sich dar­auf kon­zen­trie­ren müs­sen, Gegen­eli­ten her­an­zu­bil­den. Deren Ange­hö­ri­ge wer­den aber leicht zu komi­schen Figu­ren, wenn es ihnen an einem Reso­nanz­bo­den fehlt. Wo kei­ne Mas­se, da kei­ne Eli­te. Die Mas­senloya­li­tät gegen­über dem herr­schen­den Regime zu unter­mi­nie­ren: Das ist Poli­tik, nicht Meta­po­li­tik. Es ist im Kern Propaganda.

Pro­pa­gan­da kann “bra­chi­al und pol­ternd” sein, muß es aber nicht, und was Stür­zen­ber­ger angeht, ist sie es nicht – oder doch zumin­dest weit­aus weni­ger als die Art von Pro­pa­gan­da, die die Gegen­sei­te uns täg­lich ser­viert, man den­ke allein an den “Kampf gegen Rechts” oder die Kriegs­het­ze gegen Syri­en. Was immer man Stür­zen­ber­ger (und über­haupt der libe­ra­len Islam­kri­tik, die aber nicht ein­fach die Islam­kri­tik ist) an Ver­kür­zun­gen vor­wer­fen mag: Was er über den Islam sagt, ist wahr, was auch Licht­mesz nicht bestrei­tet; und wenn es auch im poli­ti­schen Feld nicht die Wahr­heit gibt (auch das Moham­med-Film­chen ist selbst­ver­ständ­lich nicht ein­fach die Wahr­heit), so gibt es sehr wohl die Unwahr­heit, und eine Pro­pa­gan­da, die wenigs­tens ohne Unwahr­hei­ten aus­kommt, steht allein damit schon turm­hoch über allem, was in der eta­blier­ten deut­schen Poli­tik und Publi­zis­tik gang und gäbe ist. (Das gilt zumin­dest für Stür­zen­ber­gers Islam­kri­tik. Was sei­ne Aus­fäl­le gegen Licht­mesz und zum Teil auch gegen die Sezes­si­on angeht, so sei ihm zugu­te gehal­ten, daß sich hier der Zorn des hef­tig Kri­ti­sier­ten mit auf­rich­ti­gem Unver­ständ­nis gegen­über Posi­tio­nen mischt, mit denen er anschei­nend bis­her noch nicht kon­fron­tiert wur­de, und die in sei­ner poli­ti­schen Land­kar­te nicht vor­ge­se­hen sind.) Wenn es also stimmt, daß “die Qua­li­tät der Anspre­chen­den sich in der Qua­li­tät der Ange­spro­che­nen spie­gelt”, dann brau­chen die, die sich von Stür­zen­ber­ger ange­spro­chen füh­len, den Ver­gleich mit der Anhän­ger­schaft der eta­blier­ten Par­tei­en gewiß nicht zu scheuen.

Womit wir bei Stür­zen­ber­gers “welt­an­schau­li­chem Rah­men” wären, also der libe­ra­len Ideo­lo­gie, von der er aus­geht, und die in der Tat Erkennt­nis­blo­cka­den begüns­tigt, wie Licht­mesz rich­tig fest­stellt und hier bei der Sezes­si­on kei­ner bestrei­ten wird. Aller­dings ist “das Kli­schee­bild ‘Hemds­är­me­li­ge Täter gegen intel­lek­tu­el­le Quatsch­köp­pe’, das nun in Anschlag gebracht wird”, kei­ne Spe­zia­li­tät von libe­ra­len Islam­kri­ti­kern. Der vul­gä­re anti­in­tel­lek­tu­el­le Affekt zeig­te die­ser Tage in den Kom­men­tar­strän­gen sehr ver­schie­de­ner, auch rech­ter Blogs sei­ne Frat­ze; das ist eine Fra­ge der Bil­dung, nicht der Ideologie.

Die “uner­läß­li­che Pflicht, stets eine genaue Erkennt­nis der Lage zu gewin­nen”, ist unbe­strit­ten, aber Erkennt­nis ist etwas Indi­vi­du­el­les, um das Jeder sich selbst küm­mern muß. Es hie­ße aber das Kind mit dem Bade aus­zu­schüt­ten und sich selbst zur Poli­ti­kun­fä­hig­keit zu ver­ur­tei­len, wenn man es ablehn­te, mit benach­bar­ten poli­ti­schen Kräf­ten zu koope­rie­ren, nur weil man ihrer Ideo­lo­gie wegen ihre Erkennt­nis­fä­hig­keit anzwei­felt. Wenn Kom­men­ta­to­ren sowohl bei PI als auch bei der Sezes­si­on und anders­wo ver­kün­den, der jeweils Ande­re kön­ne sol­cher Unter­schie­de wegen kein Part­ner sein, dann drückt sich dar­in gera­de nicht eine rea­lis­ti­sche Ant­wort auf die zen­tra­le Fra­ge aus, wer Freund und wer Feind ist.

Der Feind selbst ist da viel wei­ter: In gewis­ser Hin­sicht haben des­sen Pro­pa­gan­dis­ten, Ideo­lo­gen und Sturm­ab­tei­lun­gen näm­lich voll­kom­men Recht, wenn sie alles, was irgend­wie rechts ist, in einen Topf wer­fen. Das hat selbst­re­dend nichts mit ideo­lo­gie­kri­ti­scher Ana­ly­se zu tun – dazu sind die auf­ge­bla­se­nen, aber wohl­sub­ven­tio­nier­ten “Rechts­ex­tre­mis­mus­ex­per­ten” des Regimes weder in der Lage, noch ent­spricht es ihrem Kampf­auf­trag -, son­dern mit der Erkennt­nis, daß Jeder, der irgend­ei­nen Aspekt des Eige­nen ver­tei­digt, damit den Pro­jek­ten der Eli­ten im Weg steht, über deren Inhalt sie die Öffent­lich­keit kei­nes­wegs belü­gen, son­dern mit gefäl­li­gen Phra­sen ein­lul­len: Da wird das Cha­os zur “Bunt­heit”, die Zer­stö­rung gan­zer Völ­ker zur “Viel­falt”, Dis­kri­mi­nie­rung zur “Anti­dis­kri­mi­nie­rung”, Han­deln gegen die eige­nen Inter­es­sen zur “Tole­ranz”, die Aus­plün­de­rung des deut­schen Steu­er­zah­lers zur “euro­päi­schen Soli­da­ri­tät”, die Zer­stö­rung des Natio­nal­staa­tes zum “euro­päi­schen Pro­jekt” oder zur “glo­ba­len Zusam­men­ar­beit”, und so wei­ter und so fort.

Sie wis­sen genau, was sie wol­len, und des­halb wis­sen sie auch, wer ihr Feind ist, näm­lich Jeder, der an irgend­ei­nem der Güter und Wer­te fest­hält, die auf ihrer Abschuß­lis­te ste­hen: am Natio­nal­staat, an der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung, an der Mei­nungs­frei­heit, an der Inte­gri­tät des eige­nen Vol­kes, der Sou­ve­rä­ni­tät des eige­nen Staa­tes, oder auch schlicht an der ver­trau­ten Lebens­welt, in der man auf­ge­wach­sen ist, und die den gigan­ti­schen Men­schen­ver­su­chen der soge­nann­ten Eli­ten geop­fert wer­den soll. Men­schen, die sich nicht dar­an gewöh­nen wol­len, daß ihre Töch­ter auf der Stra­ße mit “Isch fick disch” ange­pö­belt wer­den; die mer­ken, wie das Faust­recht eine vor­mals fried­li­che Lebens­kul­tur ver­drängt; die fest­stel­len, daß ihr eige­nes sozia­les Ver­hal­ten von Schma­rot­zern aus­ge­nutzt wird; die das, was sie in den Zei­tun­gen lesen, nicht mit ihrer Wahr­neh­mung in Ein­klang brin­gen können.

Sie ver­su­chen, sich dar­auf einen Reim zu machen, Erklä­run­gen zu fin­den und sich poli­tisch zu ori­en­tie­ren. Die Erklä­run­gen und Ori­en­tie­run­gen wer­den sich unter­schei­den, allein schon des­halb, weil nicht Alle von den­sel­ben Fra­gen aus­ge­hen und die­sel­ben Pro­ble­me im Vor­der­grund sehen; aber auch des­halb, weil sie ein­fach – Men­schen sind.

Es tut mir leid, die Leser mit einer Pla­ti­tü­de zu beläs­ti­gen, aber Men­schen sind ver­schie­den. Sie den­ken unter­schied­lich und emp­fin­den unter­schied­lich, und des­we­gen wird ein und das­sel­be Argu­ment, ein und die­sel­be Ideo­lo­gie oder Theo­rie den einen über­zeu­gen und den ande­ren eben nicht. Es ist schlicht unmög­lich, ein gan­zes Volk, oder auch nur eine Mehr­heit, unter der Flag­ge einer ein­zi­gen Welt­an­schau­ung zu ver­sam­meln. Das muß­ten die Kom­mu­nis­ten ler­nen, die es trotz mas­si­ver Pro­pa­gan­da nicht schaff­ten, wie auch die Nazis, die fest­stel­len muß­ten, daß sie die Deut­schen nicht zu einem Volk von Anti­se­mi­ten umer­zie­hen konn­ten; und die­sel­be frus­trie­ren­de Erfah­rung machen die heu­ti­gen Herr­scher, die sich mit einem Phä­no­men kon­fron­tiert sehen, das ihre Ideo­lo­gen in der ihnen eige­nen Orwell­spra­che den “Extre­mis­mus der Mit­te” nen­nen, also die hart­nä­cki­ge Resis­tenz gera­de des ein­fa­chen Vol­kes gegen ihre kon­zer­tier­ten päd­ago­gi­schen Bemü­hun­gen. Oppo­si­tio­nel­len Bewe­gun­gen wird es erst recht nicht gelingen.

Poli­ti­sche Koali­ti­ons­bil­dung ist nur mög­lich, wo man die Viel­falt (hier paßt das Wort wirk­lich) der ideo­lo­gi­schen Aus­gangs­punk­te nicht als zu über­win­den­des Hin­der­nis, son­dern als selbst­ver­ständ­li­che Vor­ga­be betrach­tet. Die Fra­ge lau­tet dann nicht, wer die­sel­ben Ansich­ten ver­tritt wie ich, son­dern wes­sen Ansich­ten und Zie­le mit mei­nen kom­pa­ti­bel sind. Gemein­sam muß nur der Feind sein.

Wenn ich als Kon­ser­va­ti­ver eine frei­heit­li­che Ord­nung ver­tei­di­ge, dann ver­tei­di­ge ich die Rech­te von Homo­se­xu­el­len mit: nicht, weil sie mir beson­ders am Her­zen lägen, son­dern impli­zit, weil ich nicht anders kann. Ein Natio­na­list, der die Iden­ti­tät und Inte­gri­tät des eige­nen Vol­kes ver­tei­digt und des­halb gegen Mas­sen­ein­wan­de­rung ist, kämpft impli­zit auch gegen Isla­mi­sie­rung, auch wenn er per­sön­lich mit dem Islam viel­leicht sogar sym­pa­thi­siert. Ein libe­ra­ler Islam­kri­ti­ker wie­der­um kann gar nicht anders, als zugleich mit sei­ner Islam­kri­tik auch die Vor­stel­lung von der Exis­tenz kul­tu­rel­ler Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten zu unter­mau­ern, und so wei­ter. Instink­tiv wis­sen die meis­ten durch­aus, wer der Feind ist, auch in der PI-Sze­ne. Es spricht Bän­de, mit wel­cher Selbst­ver­ständ­lich­keit dort zum Bei­spiel die Über­tra­gung von Kom­pe­ten­zen an die EU abge­lehnt wird, obwohl das The­ma mit Islam­kri­tik auf den ers­ten Blick über­haupt nichts zu tun hat.

Über­haupt soll­te man nicht unter­schät­zen, wie­viel iden­ti­tä­res Poten­zi­al auch in der PI-Sze­ne (und dar­über hin­aus sogar bis weit in den Main­stream hin­ein) vor­han­den ist. Als rech­ter Intel­lek­tu­el­ler ärgert man sich über nai­ve Ansich­ten wie: “Wer loy­al zum Grund­ge­setz steht, ist hier will­kom­men”. Man soll­te nur nicht den Sub­text über­se­hen: “Dies ist unser Land, und hier gel­ten unse­re Regeln”; das Grund­ge­setz ist dann nicht viel mehr als eine Chif­fre für “unse­re Regeln”. Ideo­lo­gi­sche Kon­sis­tenz ist für Intel­lek­tu­el­le, die sich öffent­lich äußern, natur­ge­mäß enorm wich­tig und muß es auch sein. Den meis­ten unse­rer Mit­bür­ger aber lie­fert eine poli­ti­sche Ideo­lo­gie nur die Wor­te, in die sie ihre Gefüh­le klei­den. Nein, es ist kei­ne Intel­lek­tu­el­len-Arro­ganz, dies aus­zu­spre­chen: Es ist ein­fach so.

Ich bin wirk­lich der Letz­te, der eine sau­ber begrün­de­te theo­re­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Posi­ti­on gering­schätzt, oder der Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten auf die­sen Gebie­ten für unwich­tig hiel­te. Man muß sich nur dar­über im Kla­ren sein, in wel­chen Zusam­men­hän­gen sie wich­tig sind und in wel­chen nicht. In meta­po­li­ti­schen Zusam­men­hän­gen sind sie ent­schei­dend, in poli­ti­schen meist weni­ger. Poli­ti­sche Kräf­te nach ihren ideo­lo­gi­schen Moti­ven zu beur­tei­len statt nach ihren prak­ti­schen Wir­kun­gen ist ein unpo­li­ti­scher Standpunkt.

Die ent­schei­den­den Fra­gen lau­ten: 1. Hat die­se Kraft den­sel­ben Feind wie ich? (Im Zwei­fel lie­fert der Feind selbst die zuver­läs­sigs­te Ant­wort.) 2. Beein­flußt ihr Han­deln das poli­ti­sche Kräf­te­par­al­le­lo­gramm in einem Sin­ne, der mei­nen Zie­len ent­ge­gen­kommt, oder nicht? Alles ande­re ist Judäi­sche Volksfront.

Wer unter die­sem Gesichts­punkt, also dem der Wir­kung, nicht der Ideo­lo­gie, die Arbeit von Micha­el Stür­zen­ber­ger beur­teilt, kann über das Urteil kei­nen Zwei­fel hegen.

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Kommentare (3)

Ben_Diako

19. Oktober 2012 08:00

Ich wäre ingesamt dankbar, wenn die Frequenz der Artikel auf Sezession.de abnehmen würde. Mehr Innerlichkeit!

antwort kubitschek
es kommen auch wieder ruhigere zeiten. derzeit brennt halt ein feuerchen. lesen Sie fleißig, es geht ja um essentielles.

Druide

19. Oktober 2012 08:34

Diese ganze Problematik scheint mir - wie so oft - mit einem gründlichen Mangel an politischem Instinkt unter uns Deutschen verknüpft zu sein. Dieser verrät nämlich, wann und wofür Metapolitik und wann und wofür das genuin Politische maßgeblich und sinnvoll ist. Wann Kompromiß und wann die ganze wahrheit auf den Tisch muss.

Viele wollen immer sofort alles ("Komm wir gründen wieder eine neue Partei.."). Andere sehen mangels einer tragenden Basis jedenfalls momentan keinen Sinn sich unnütz zu verschleißen (Stichwort: Elfenbeinturm).

Immerhin müssen sich die Macher der Sezession nicht vorhalten lassen ihre begrenzeten Resourcen zu verschwenden. (Und das erst recht nicht von Großmäulern, die sich hinter Pseudonymen verbergen.)
Was den Kosten-Nutzen-Vergleich angeht habe ich bei den Praktikern aber erhebliche Zweifel. Da wird mit viel viel Aufwand immerhin nicht nichts geschafft.

Dass Du, Manfred, dem Leser hier die elementaren Grundzüge politisch tatktierenden Handelns und Abwägens erläutern musst, verrät aber die Unreife unseres der Machtausübung gänzlich entwöhnten Spektrums. Es sind letztlich Kindergartendiskussionen, die insoweit ihren Sinn haben, als dass wir häufig anonym Kommunizierenden noch herausfinden müssen/mussten, inwieweit ein Zusammengehen für beide Seiten gewinnbringend ist.

Denn die kommunikative Hauptregel des "getrennt Marschieren und vereint Schlagens" lautet: Ich äußere mich öffentlich grundsätzlich nur zu den Dingen der Mitstreiter, die ich unterstütze. Zu dem Rest schweige ich einfach. Punkt.

Der größte Gag bislang war jedoch, als man bei PI die Nazikeule gegen Sezession & Co. auspackte, während Kewil sich darüber beschwerte, dass die Gutmenschen immer die Nazikeule einsetzen. Ich konnte (diesmal) noch darüber lachen.

Raskolnikow

19. Oktober 2012 09:35

Bedauerlicherweise,

zeigen diese Dispute vor allem Eines: die Korrumpierung der Begriffe durch die Herrschenden, die auch Kleine-Hartlage (in einem überaus präzisen Beobachtungen entsprungenen Beitrag) anspricht, machte auch vor den Dissidenten nicht halt.

"Konservative Vordenker" und "Rechtsintellektuelle" aus dem Umfeld von Sezession, JF etc... , die ich momentan als die einzig ernstzunehmenden Oppositionellen erkennen kann, setzen ihren Franz-Joseph unter Pamphlete und Begriffe, die man nur als liberal-sozialistische Programme auffassen kann.

Man fordert Meinungsfreiheit (!), Mitbestimmung für das Volk (Offenbar eine Wurst nach der jeder, wirklich jeder, schnappen muss!), sind stolz auf Schwarz-Rot-Gold (die deutsche Tricolore, Symbol der Revolution, kratzt man am Lack, sind Hakenkreuz und Hammer-Sichel-Ährenkranz schon zu erkennen), gleiches Recht für alle und ist sich nicht so ganz im Klaren über den Kapitalismus ...

Und alle sitzen diesem seit 300 Jahren völlig unbewiesenen Postulat auf, die Wahrheit läge irgendwie bei der Mehrheit - man bekennt sich dann, natürlich, auch zur Demokratie, zur wahren und echten Demokratie natürlich, die ja noch nicht verwirklicht sei. (Die diesbezüglichen Paralellen zu den Kommunisten bringen einen zum Lachen, dass man schier bersten möchte. )

Man könnte noch eine Weile so weitermachen, denn im Grunde, sind sich doch alle auf der vielbesungenen metapolitischen Ebene viel näher, als sie es wahrhaben wollen. Sozusagen als ein paar stichelnde und subtil streitende Damen beim Kaffeekränzchen im metasozialistischen Salon. (Gerade auf den Fauteuils zur Rechten!)

Damit ist klar geworden, dass es eine ernstzunehmende konservative Opposition nicht gibt. Wer spricht denn aus, dass "das Volk" weder zu einer qualifizierten Meinung oder, logisch!, noch zu einem vernünftigen Urteil in der Lage ist? Wer zweifelt die "Errungenschaften" der Aufklärung denn wirklich, tief und nachhaltig an (Blöder Goethe!)? Wer widerspricht dem revolutionären Prinzip des "Fortschritts"? Wer will den Staat legitimiert von oben und nicht von unten? Und so weiter ...

Tragischerweise hat der Comte de Maistre diesen ganzen Quatsch schon zu Zeiten der Revolution 1789 argumentativ völlig zerlegt. Damals hat ihn keiner gelesen, alle waren berauscht vom Fortschritt, von der Befreiung ... Und heute? Wer kann als großer, nein größter, Kämpfer für die Rechte des Volkes und der Nation noch was mit de Maistre anfangen ...

Kurz: Ich denke, Ihr solltet Euch alle vertragen! Denn das, was da gerade herrscht, vernichtet Europa, und damit die Welt, in einer solchen Rasanz, dass uns allen die Spucke wegbleibt. Eure Wege zögern das Verglimmen noch etwas hinaus ...

Gnadenerheischendst,

R.

antwort kubitschek:
dieser hinweis auf die gut getarnten fallen der mitmach-demokratie gefällt mir so gut, daß ich hiermit die debatte schließe.

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