Identitäre Basisarbeit (2): Identitärer Lektüre-Kanon

Unter den Dutzenden Zuschriften, die uns in den vergangenen Tagen mit Bezug auf die Berichterstattung über die...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

“Iden­ti­tä­ren” erreich­ten, ent­hielt gut die Hälf­te Fra­gen nach Lek­tü­re rund um das The­ma “Iden­ti­tät”. Mich freut sol­ches Inter­es­se nicht nur als Ver­le­ger und Leser, son­dern auch, weil ich es für not­wen­dig hal­te, daß über aller Lust an der Akti­on die durch­dach­te Ver­or­tung nicht außer Acht bleibt.

Ich hal­te das für eine der gro­ßen Gefah­ren für eine “neu­es­te Rech­te”: daß sie einen Pro­test arti­ku­liert, der das Eige­ne nicht kennt und nicht lebt. Pro­vo­kant aus­ge­drückt: Wer unter der Ver­tei­di­gung des Eige­nen am Ende nicht mehr ver­steht als “Kon­su­mie­ren ohne Tür­ken”, hat nicht mehr Iden­ti­tät als jeder ande­re vater­lands­lo­se Gesell.

Lesen also: Nach Oran­ge führ­te ich von Alain de Benoist das Buch Wir und die ande­ren mit (in der her­vor­ra­gen­den Über­set­zung der edi­ti­on jf), unter ande­rem um es vor­zu­zei­gen, wenn es einen Anknüp­fungs­punkt für ein Gespräch hät­te geben müs­sen. Die­ses Buch ist eine sehr gründ­li­che, intel­lek­tu­el­le Beschäf­ti­gung mit dem Begriff der Iden­ti­tät und eine Annä­he­rung an kom­mu­ni­ta­ris­ti­sche Gesell­schafts­re­for­men. Es for­mu­liert kei­ne Kon­se­quen­zen, son­dern dekli­niert eine unaus­weich­li­che Grund­kon­stan­te durch.  Pflicht­lek­tü­re!

Ich hat­te als Schin­ken mit dabei: Die deut­sche See­le von Richard Wag­ner und Thea Dorn. Die­ses Buch hat mitt­ler­wei­le acht Auf­la­gen erlebt und ist in jeder Hin­sicht eine Fund­gru­be. Ellen Kositza hat es für die Sezes­si­on aus­führ­lich bespro­chen. Grenz­saum zwi­schen Theo­rie und Kul­tur. Pflicht­lek­tü­re!

Natür­lich hat­te ich mir Gedan­ken dar­über gemacht, wel­che Büchern aus mei­nem eige­nen Ver­lag ich wei­ter­rei­chen könn­te, um die Fran­zo­sen auf unse­re Struk­tu­ren und Denk­rich­tun­gen auf­merk­sam zu machen. Ich ent­schied mich für Die Ver­tei­di­gung des Eige­nen (Mar­tin Licht­mesz), ein kapla­ken-Bänd­chen, das wie kein zwei­tes das Dilem­ma eines mög­li­chen Angriffs­he­bels beschreibt: Es gibt kei­nen Zwei­fel dar­über, daß man unse­re Zukunft ver­spielt, aber wir sehen die Spie­ler nur durch eine Milch­glas­schei­be. Pflicht­lek­tü­re!

Ich nahm zwei­tens mein eige­nes kapla­ken mit, Pro­vo­ka­ti­on, weil ich hör­te, daß die­se 2007 ver­faß­te “Theo­rie der kon­ser­va­tiv-sub­ver­si­ven Akti­on” von jun­gen Akti­vis­ten aus Öster­reich und Deutsch­land sehr genau gele­sen und als Hand­lungs­an­lei­tung ver­stan­den wür­de. Einer der Köp­fe des Bloc plant nun eine Über­set­zung, und als ich fünf Exem­pla­re für Oran­ge ein­pack­te, sah ich, daß nur noch rund sech­zig lie­fer­bar sind. 

Es gehö­ren aus der rei­he kapla­ken mit Sicher­heit Das kon­ser­va­ti­ve Mini­mum (Karl­heinz Weiß­mann, Das kon­ser­va­ti­ve Prin­zip (Gün­ter Scholdt) und Wider­stand (Frank Lis­son) in den Bereich der Selbst­ver­or­tung – alle drei Bänd­chen sind fast ver­grif­fen. Von Weiß­mann stammt auch Band 1 des vom Insti­tut für Staats­po­li­tik her­aus­ge­ge­be­nen Staats­po­li­ti­schen Hand­buchs. In die­sen Leit­be­grif­fen wird neben dem Begriff Iden­ti­tät vie­les defi­niert und mit wei­ter­füh­ren­der Lite­ra­tur erschlos­sen, was zum argu­men­ta­ti­ven Grund­be­steck Iden­ti­tä­rer gehört. Pflicht­lek­tü­re!

Aus der Feder Gün­ter Masch­kes zäh­le ich die Essay-Samm­lung Das bewaff­ne­te Wort zum unver­zicht­ba­ren Kanon. Drei Tex­te dar­aus sind Augen­öff­ner, die einem die Lek­tü­re gan­zer Regal­me­ter erspa­ren: “Die schö­ne Ges­te des Unter­gangs”, “Die Ver­schwö­rung der Flak­hel­fer” und eben “Das bewaff­ne­te Wort”. Pflicht­lek­tü­re!

Außer­dem haben wir eines der ers­ten Sezes­si­on-Hef­te zum The­ma “Iden­ti­tät” gemacht: Okto­ber 2004, längst ver­grif­fen, aber hier ein­seh­bar (mit dem gran­dio­sen Auf­satz von Harald Seu­bert über die “Ver­or­tung”) und hier als Gesamt-pdf zum download.

Es könn­te so nun noch wei­ter­ge­hen, und ich wür­de weg von der Theo­rie den Bogen leicht schla­gen kön­nen zu dem, was so recht eigent­lich die Iden­ti­tät begrün­det: Sie ist etwas theo­re­tisch letzt­lich nicht for­mu­lier­ba­res, poe­tisch indes sehr wohl, und ich kann ansto­ßend auf die ein oder ande­re Lite­ra­tur­lis­te ver­wei­sen, die wir schon ein­mal auf­ge­stellt haben.

Viel­leicht wird dies das Schwie­rigs­te für eine deut­sche Iden­ti­tä­re Bewe­gung über­haupt: Im Eige­nen zu sein bedeu­tet, in der 1. Per­son (Sin­gu­lar oder Plu­ral!) zu leben. Dies ver­or­tet, ver­wur­zelt, schnürt ein, beschwert, hemmt (immer im guten Sin­ne!). Vor allem weckt es nicht das Bedürf­nis, auf Moscheen zu stei­gen. Akti­vis­ten sind immer auch Despe­ra­dos. Oder (jetzt kann ich aus Pro­vo­ka­ti­on zitieren):

Wir sehen es wirk­lich so, wir tra­gen kei­ne Tarn­kap­pe, wenn wir davon spre­chen, daß wir das Leben ins Zen­trum unse­res Den­kens und Han­delns rücken. Wir mei­nen es ernst mit die­ser grund­sätz­lich güti­gen Ein­stel­lung dem Leben gegen­über, und wir wis­sen genau, daß die­se Güte nicht das ist, was einem poli­tisch erwa­chen­den jun­gen Mann auf den ers­ten Blick gefal­len kann. Sie ver­setzt ihn vom Pos­ten des Akti­vis­ten, der er sein möch­te, auf den Pos­ten des Gärt­ners, den er für unhe­ro­isch hält. Erst mit der Zeit tritt zuta­ge, daß er, der stür­mi­sche Täter, so oft ins Lee­re han­delt, so oft in sei­ner Nai­vi­tät Din­ge betreibt, die er bes­ser unter­las­sen hät­te, so oft ent­täuscht vom eige­nen Anspruch um so wüten­der und zer­stö­ren­der han­delt oder in eine Resi­gna­ti­on und einen Hader über die ver­geb­li­che Mühe verfällt.

Wäh­rend­des­sen wird der Gärt­ner – von dem wir mit Hoch­ach­tung spre­chen – hier einen Zaun zie­hen und dort ein Beet anle­gen und inmit­ten jener „wun­der­ba­ren Welt“, von der Armin Moh­ler sprach, in jeder Hin­sicht hegend tätig sein – und leben. Er wird eben nicht den „Ver­schie­be­bahn­hof für die Zukunft“ auf­su­chen, son­dern im Hier und Jetzt mit dem Leben begin­nen, ganz kon­kret, ganz ent­schie­den, jeden­falls formgebend.

(…)

Aber täuscht Euch nicht! Ver­geßt nie, daß so man­cher gute Gärt­ner einen gro­ßen Knüp­pel bereit­ste­hen hat, ein Schwert, eine Waf­fe, und daß er ein Krie­ger sein kann, wenn er einer sein soll. Er wird aber in der Zer­stö­rung nur ein not­wen­di­ges Übel sehen und wis­sen, daß jede Brü­cke, jedes Haus, jede Insti­tu­ti­on nach der Zer­stö­rung wie­der auf­ge­baut wer­den müs­sen. Er wird sich auf den Tag freu­en, da er wie­der pflan­zen kann. Er wird recht­zei­tig mit dem Kämp­fen auf­hö­ren, in sei­nen Gar­ten gehen und sein Feld bestel­len, das er nur zögernd verließ.

Es ist dies das ein­zi­ge Zögern, das wir uns gestat­ten und das wir uns gefal­len lassen.

Und nun: Lest!

 

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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