13. Februar 2013

Votivkirche in Wien besetzt – Kleiner Pressespiegel

Martin Lichtmesz

SeppEs ist in Wien vielleicht leichter als in Deutschland, "weltberühmt" zu werden, dennoch sind die Reaktionen auf die Protestaktion der Identitären Bewegung Österreich bemerkenswert. Der größte Triumph ist wohl die Ergatterung der Titelseite der Druckausgabe der Kronen-Zeitung vom letzten Montag:

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

"Kirchenbesetzung spitzt sich zu - Caritas befürchtet weitere Eskalation", hieß es da, gefolgt von einem Bericht mit großem Farbfoto. Die "Identitären" werden knapp als "rechte Gruppierung" geschildert, die sich "gegen Masseneinwanderung und Islamisierung" engagieren. Die Kronen-Zeitung hat schätzungsweise bis zu 3 Millionen Leser pro Tag, womit die Zeitung gemessen an der Bevölkerungszahl eine enorme Reichweite hat. Gut sichtbar ist im Artikelfoto das Lambda-Logo in den (habsburgischen!) Farben Schwarz-Gelb, das sich auch in anderen Medienberichten als exzellenter "Eye-Catcher" mit Wiedererkennungseffekt herausgestellt hat. Krone1 So auch im Fernsehbericht "Wien heute" des ORF vom 10. 02. Auch hier fällt die Berichterstattung, ungewohnt für bundesdeutsche Verhältnisse, recht sachlich aus; darauf, daß es sich bei den "Identitären" um eine "rechtsgerichtete" Gruppe handeln soll, wird erst gegen Ende der Reportage verwiesen. Auch der linksliberale Standard vom 12.02. brachte in der Druckausgabe ein großes Farbfoto mit knackig sichtbarem Bandlogo, sowie einen ausführlichen Artikel mit der Überschrift "Provokation bringt Votivkirche unter Druck": die Aktion hätte "alle bisher Beteiligten unter Druck gebracht".

Fokus ist die (etwas hysterisch anmutende) Angst der linkskatholischen Betreuungsorganisation "Caritas" um die Sicherheit der Asylanten: obwohl korrekt betont wird, daß die Aktivisten "gewaltfrei" und "harmlos" agiert haben, würde doch die "Sicherheitslücke" auf die Gefahr hinweisen, daß sich auch "gewaltbereite Personen" Zugang verschaffen könnten. Ein Schaukästchen "'Identitäre' gegen Zuwanderung" will einen kurzen Überblick geben, der Autor war aber nicht imstande, leicht in Erfahrung zu bringende Hintergründe zu recherchieren: so wird fälschlicherweise behauptet, die Wurzeln der Bewegung lägen im Umkreis des "Front National", was natürlich grundverkehrt ist: der "Bloc Identitaire" hat nicht nur nichts mit dem FN zu tun, sondern steht zu diesem in einem erheblichen Spannungsverhältnis.

Nicht verstanden haben die Autoren offenbar auch den satirischen Auftritt des "Sepp Unterrainer". Dieses Element muß das nächste Mal vielleicht deutlicher ausgespielt werden. Im ebenfalls eher linksliberal orientierten Boulevardblatt Kurier, das bereits am Sonntag als erste größere Zeitung dick von der Aktion berichtet hat, versucht man sich unterdessen an der Schadensbegrenzung. Den Feuerlöscher soll wieder einmal ein linker "Rechtsextremismusexperte", also: Berufsantifant eines einschlägig bekannten Instituts, spielen.

Im Gegensatz zu der überwiegend sachlichen Berichterstattung der österreichischen Leitmedien, spricht der aus kommunistischem Umfeld stammende Andreas Peham (vulgo "Dr. Heribert Schiedel"), natürlich von "Neonazis mit Latinum", und gibt sich auch sonst alle Mühe, die "Identitären" als "untrue" und uncool hinzustellen, damit nur ja kein Jugendlicher auf die Idee kommt, sich der Truppe anzuschließen:

KURIER: Unbekannte in Schweine- und Affenmasken tanzen am „Tanz der Toleranz“ der Caritas. Was war da Ihr erster Gedanke? Andreas Peham: Ich war peinlich berührt. Ein misslungener Versuch, poppig zu sein und jugendkulturelle Authentizität auszustrahlen. (...) Wen will man ansprechen? Selbst die elektronische Musik ist apolitisch. Das ist eher Prolo-Techno, ohne Arbeiter abwerten zu wollen. In der Szene lehnt man das total ab.

"Prolo-Techno", mit dem raschen Beisatz "ohne Arbeiter abwerten zu wollen" ist natürlich ulkig - gesprochen wie ein waschechter Bolscho-Bourgeois! Der Applaus des Kurier-Kommentariats hält sich indessen in Grenzen, fällt sogar, wenn ich meiner Stichprobe trauen kann, überwiegend kritisch aus. Um die Aktion lächerlich zu machen, hat sich auch mehrfach die Ente verbreitet, die Identitären hätten es vor Kälte nicht mehr in der Kirche ausgehalten, und hätten darum schon so früh die Segel gestrichen. Wie die Aktivisten im Gespräch mit Kubitschek und auf ihrer eigenen Netzseite berichteten, entsprachen sie vielmehr einer Aufforderung des verantwortlichen Pfarrers: die eigentliche Tat der Provokation der PC-Klientel war ohnehin schon erfolgreich vollbracht.

Als wir aber mit dem Pfarrer näher ins Gespräch kamen, wurde uns seine Aufforderung verständlicher. Seine ehrliche Sorge darum, dass es zu Zusammenstößen kommen könnte (die Asylanten wurden immer unruhiger, weil sie wegen der Sperre die Kirche unter anderem zum Zigarettenkauf nicht verlassen konnten) und dass ein solcher Vorfall den sakralen Ort noch weiter entweihen würde, war verständlich. Wir waren zwar bereit uns zu wehren, aber der Gedanke an eine Rauferei in der Kirche und eines Matratzenlagers vor einem Altar, war auch für uns nicht sehr erstrebenswert. Vor allem aber wurde uns klar, wie sehr der sympathische Pfarrer unter der Besetzung litt (er musste u.a. die Mette unter Polizeischutz abhalten, von finanziellen Schwierigkeiten ganz zu schweigen!) und er versicherte uns, dass unsere Aktion keine Räumung der Kirche bewirken könne. Wir hatten also die Wahl uns einvernehmlich seiner Bitte die Kirche zu verlassen zu fügen, oder als Hausfriedensbrecher einen Polizeieinsatz vor dem Tabernakel zu provozieren.

Ein weiterer Propaganda-Gag, vor allem vom Kurier verbreitet, ist die Behauptung, die Flüchtlinge hätten "die rechtsextremen Besetzer sogar willkommen" geheißen, und ihnen Tee und Decken angeboten: "After all, we are human beings too!" Damit würden sie natürlich in einem menschlich sympathischen Licht dastehen, und hätten aus der "Besetzungs-Besetzung" noch Kapital für ihre Sache geschlagen. Allerdings ist die Story nicht mehr als ein Rührstück. Nach Aussage der Aktivisten und einem exterioren Augenzeugenbericht handelte es sich hier um einen von linker Seite eingefädelten Schachzug. Aufschluß gibt der Bericht auch darüber, daß das Verhältnis zwischen den drahtziehenden "Menschenfreunden" und ihren in schicker Anglisierung als "refugees" titulierten Spielfiguren in Wahrheit nicht allzu kuschelweich ist:

Dass das Verlassen der Kirche durch die vom Mob als Nazis bezeichneten noch andauern würde, war mittlerweile allen klar. Am Hintereingang standen immernoch die Asylanten, zwischen dem Absperrgitter und den Kirchentüren, davor der Mob, der sich langweilte. Ich stellte mich knapp zu den Asylanten, in der Hoffnung ein paar Gesprächsfetzen zu erhaschen, zu erfahren, wie sie die Situation eigentlich wirklich sehen würden, bereits ihr Gesichtsausdruck zeigte pure Abneigung und Genervtheit. Linke Anstifter teilten ihnen derweil in gebrochenem Englisch mit, was sie zu tun hätten. Sie müssten den „Nazis“ Tee anbieten und übertrieben gastfreundlich sein. Man reichte ihnen 2 Digitalkameras und dirigierte sie nach drinnen, sie sollen doch Fotos von den „Nazis“ machen. Zuerst möchten sie Zigaretten haben entgegnete einer der Asylanten, mit der Digitalkamera in Händen, empört. Wieder auf Deutsch rief man nach hinten, man solle Zigaretten nach vorne reichen, dies wurde gleich darauf getan. Ein weiterer Asylant beschwerte sich, während mich die anderen der Truppe ziemlich böse anglotzten, weil sie mich ja rauchen sahen und ich nichts dergleichen tat: „They shall go! We want to eat and drink and we can’t go out“, und er rüttelte an dem Gitter. Wieder ein anderer: “We want cigarettes, we want eat, when do the nazi go?” Ein Linker sagte, sie sollen erst einmal Fotos machen, dann würde man weitersehen, eine dunkelhäutige Frau neben mir besänftigte die anderen Männer, es würde alles gut werden und sie könnten sicher bald wieder rausgehen um zu Essen. Die beiden Asylanten, die jeweils eine Kamera innehatten bewegten sich in die Votivkirche. Es wurde still, man wartete. Einer kam zurück, teilte mit, er hätte acht oder neun Fotos gemacht, er möchte nun noch eine Zigarette haben und gab die Kamera wieder durch das Gitter durch. Nun kam auch wieder der andere Mann mit der zweiten Kamera bei der Tür heraus, ein Linker streckte bereits den Arm hinein, der Asylant meinte, er würde ihm die Kamera nicht geben. Verdutzt gaffte ihn der Eigentümer an und nun war ich gespannt, was passieren würde. Der Eigentümer meinte, er würde zumindest die SD-Karte haben wollen, der Asylant gab ihm diese raus und ging mit der Kamera zurück in die Kirche. Der Linke wirkte ziemlich sauer, sagte aber nichts und entfernte sich ein wenig vom Mob.

Mehr über die "Besetzung der Besetzung, wie sie war" aus der Sicht der Aktivisten gibt es hier nachzulesen.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.