Sezession
15. Februar 2013

Deutscher Blätterwald (1) – Papst, Besetzung, Entweihung, Syrien

Benedikt Kaiser

1a731df68eDie aktuelle Ausgabe der Jungen Freiheit (Nr. 8/13), ab heute im Handel, steht im Zeichen der Religion, angesichts des überraschenden Papst-Rücktritts nicht verwunderlich. In seiner wöchentlichen Kolumne nähert sich Chefredakteur Dieter Stein Benedikt XVI. respektvoll.  Zustimmend zitiert er den deutschen Papst, der bei seinem Deutschlandbesuch 2011 erklärte:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.

Stein schlußfolgert:

Es ist zu hoffen, daß Benedikt ein Papst nachfolgt, der der Verweltlichung und Auflösung seiner Kirche durch Relativismus ähnlich mannhaft entgegentritt.

Diesem Wunsch gibt es nichts hinzuzufügen - außer vielleicht einer Liste von potentiellen Nachfolgern, die auf S. 8 von Ronald Gläser präsentiert wird. Eine Seite zuvor würdigt Gernot Facius die Ära Benedikt XVI. Abgerundet wird die Eloge auf den deutschen Papst durch eine Zusammenstellung von kurzen Stellungnahmen zum ersten Amtsverzicht eines Stellvertreters Christi seit 1294 (es äußern sich unter anderem Martin Lohmann und Jürgen Liminski).

Michael Paulwitz widmet sich indes einem Vorfall in Hamburg. Dort wird eine (evangelische) Kirche in eine Moschee umgewandelt. Offensive Verdrängung? Nein, stellt Paulwitz klar:

Die Diktatur des Relativismus, die der scheidende Papst Benedikt XVI. kritisiert hat – in Hamburg-Horn und Eschweiler kann man sie in all ihren Spielarten studieren. Hier liegt der Kardinalfehler, der die Einwanderung aus anderen Kulturraumen erst zum Problem anwachsen last. Wer die eigene Identität aufgibt, überläßt das Terrain denen, die sich ihrer Identität gewiß sind. Nicht die vermeintliche Stärke des Islam, sondern eigene Schwäche läßt immer mehr Deutschen die Heimat zur Fremde werden.

Die Heimat wird zur Fremde: Ähnliches könnte auch manchem Einwohner der nordrhein-westfälischen Stadt Eschweiler drohen. Dort wurde die Turmuhrglocke der katholischen Sankt-Bonifatius-Kirche abgestellt. Sie sei zu laut, so die Begründung der Stadtverwaltung. Den Dezibel-Vorgaben entspricht aber offensichtlich der Ruf des Muezzins am lokalen Marktplatz. Der wird nun jeden Freitag erklingen, um die muslimischen Gläubigen zum Gebet zu rufen - so wie bereits in drei anderen Städten der Region Aachen auch. Doch auch hier darf man die „Schuld“ für die Preisgabe christlichen Raumes keineswegs bei den Muslimen suchen: Sie haben mit dem Kirchturmbeschluß nichts zu tun, überkorrekte Stadtbedienstete und glaubensferne Politiker reichen völlig aus. Das Urteil über die Glocke sprach natürlich nicht die türkisch-islamische DITIB (die in ihrem Falle auf das fünfmalige freitagliche Ausrufen zugunsten eines einzigen Males verzichtet), sondern die Stadtverwaltung, der Beschluß bezüglich des Muezzin-Rufes erfolgte letzten Endes durch den Bürgermeister.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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