Dominique Venners Freitod und ausgewählte Reaktionen in Frankreich

Diskutiert die konservative Publizistik in Deutschland noch die Bedeutung der Vennerschen Tat und Haltung, bleiben die entsprechenden Nachrichten der etablierten bundesdeutschen Medien und Politik einsilbig. In Frankreich ist dies erwartungsgemäß anders.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Zunächst fällt auf, daß das im wei­tes­ten Sin­ne dor­ti­ge rech­te Lager sich im wei­tes­ten Sin­ne einig zeigt, daß Ven­ners letz­te Tat Respekt verlange.

Die Ideen­schmie­de Polé­mia nimmt in Ven­ners Frei­tod die „Rück­kehr der Geschich­te“ wahr und ver­neigt sich vor dem „Mär­ty­rer“. Ähn­lich reagier­te das strö­mungs­über­grei­fen­de Radio Cour­toi­sie, das Ven­ner zwei Son­der­sen­dun­gen wid­me­te. Die Zeit­schrift Élé­ments aus dem engs­ten Umfeld Alain de Benoists zeig­te sich in einer knap­pen Mit­tei­lung geschockt; Benoist selbst sprach in einem ita­lie­ni­schen Inter­view von einer „Ethik der Ehre“, in einem fran­zö­si­schen über die Ver­wur­ze­lung Ven­ners Gedan­ken in der anti­ken Phi­lo­so­phie. Wei­te­re Freun­de und Kol­le­gen Ven­ners, dar­un­ter Xavier Eman, Michel Tibaut (GRECE) und der katho­li­sche Pater Guil­laume de Tano­üarn, zol­len ihren Respekt mit eige­nen Bei­trä­gen, die von Élé­ments gesam­melt wur­den.

Nicht nur Ven­ners intel­lek­tu­el­le Weg­ge­fähr­ten wür­dig­ten des­sen Akti­on, auch füh­ren­de Poli­ti­ker der fran­zö­si­schen Rech­ten sahen in ihr eine dezi­diert poli­ti­sche Dimen­si­on. Der Bloc Iden­ti­taire um Fab­ri­ce Robert ver­neig­te sich vor dem Lebens­werk des His­to­ri­kers mit den ers­ten, leicht abge­wan­del­ten Zei­len des Lie­des „Der gute Kame­rad“ und sprach in einer Pres­se­mit­tei­lung von einer Hand­lung, die Ven­ners Leben so voll­ende, wie des Künst­lers Signum das gezeich­ne­te Bild. Mari­ne Le Pen (Front Natio­nal, FN) twit­ter­te, Ven­ner habe ver­sucht, das fran­zö­si­sche Volk auf­zu­we­cken. Bru­no Goll­nisch, eben­falls FN, sag­te gegen­über BFMTV, der Frei­tod sei ein Pro­test gegen die „Deka­denz unse­rer Gesell­schaft“ und reih­te Ven­ner in die Ahnen­rei­he Dri­eu la Rochel­le – Mon­ther­lant – Mishi­ma ein, mit denen sich der ver­stor­be­ne Schrift­stel­ler in sei­nem vor­letz­ten Buch Le Choc de l’Histoire tat­säch­lich inten­siv beschäftigte.

Von Respekt getra­ge­ne Bekun­dun­gen kamen von zahl­rei­chen wei­te­ren Poli­ti­kern des FN und ande­rer Rechts­grup­pie­run­gen des Lan­des, aber auch aus dem Aus­land. In Ita­li­en erfolg­ten in der gest­ri­gen Nacht unter dem Mot­to „Domi­ni­que Ven­ner – Samu­rai des Abend­lan­des“ lan­des­wei­te Aktio­nen durch die Bewe­gung Casa­Pound Ita­lia (CPI).

Kri­tik kam dem­ge­gen­über von Pseud­ony­mus “Fri­gi­de Bar­jot”, einer der wich­tigs­ten Per­so­nen im Kampf gegen „Homo-Ehe“ und „Loi Tau­bi­ra“ in Frank­reich. Sie sah in Ven­ners Sui­zid die „schlim­me Ges­te eines Ver­wirr­ten“. Ähn­lich argu­men­tier­te mit Alexis Cor­biè­re ein füh­ren­der Poli­ti­ker der radi­ka­len Lin­ken. Für den Pari­ser ist der Frei­tod Ven­ners eine „ver­zwei­fel­te Ges­te eines Ideo­lo­gen der Ver­zweif­lung“. Ver­gleich­ba­re Reak­tio­nen sam­mel­te Le Mon­de. Die links­li­be­ra­le Tages­zei­tung berichtet(e) – wie der gro­ße Kon­kur­rent Le Figa­ro – aus­führ­lich. Zu erwäh­nen ist in die­sem Zuge auch die gro­tes­ke Reak­ti­on einer „Femen“-Aktivistin, die einen Tag nach dem Selbst­mord in Not­re-Dame Ven­ners Hand­lung nach­stell­te, sich in der Kathe­dra­le ent­blöß­te und auf der nack­ten Haut die Sprü­che „In gay we trust“ und „May fascist rest in hell“ prä­sen­tier­te, bevor sie krei­schend („Tod den Faschis­ten!“) ent­fernt wurde.

Es bleibt abzu­war­ten, wie sich die auf­ge­la­de­ne und mit­un­ter erreg­te Stim­mung in Frank­reich wei­ter ent­wi­ckelt, zumal bereits für kom­men­den Sonn­tag, den 26. Mai, die nächs­te Demons­tra­ti­on des Prin­temps fran­çais („Fran­zö­si­scher Früh­ling“) in Paris ange­kün­digt ist, auf die sich Ven­ner bezog und die weit­hin für Unru­he sorgt. Der sozia­lis­ti­sche Innen­mi­nis­ter Manu­el Valls erwägt mitt­ler­wei­le ein Ver­bot der ver­an­stal­ten­den Samm­lungs­be­we­gung und stellt sie in einen Zusam­men­hang mit poli­ti­schem Ter­ro­ris­mus.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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