Sezession
28. April 2009

Comics (3) – Jacques Martin und „Réfléchir & Agir“

Martin Lichtmesz

ra-martin1Wie ich bereits in der letzten Folge meiner kleinen Serie über Comics vues de droite angemerkt habe,  haben die bandes desinées bzw. fumetti in der populären Kultur Frankreichs und Italiens einen weitaus höheren Stellenwert als in Deutschland. Besonders im frankophonen Raum erfreuen sich die Bilderfolgen großer Wertschätzung, und Gestalten wie Tintin, Asterix oder Spirou gelten als nationale Klassiker.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das läßt sich z.B. von Fix und Foxi und ähnlichen deutschen Produkten, deren Qualität deutlich gegenüber den französischen abfällt, nur sehr eingeschränkt sagen. Kein Wunder also, daß Comics auch in der "Metapolitik" der diversen Nouvelle Droites eine nicht geringe Rolle spielen.

Gelegenheit, an dieser Stelle das Magazin Réfléchir & Agir ("Überlegen und Handeln") vorzustellen, untertitelt "revue autonome de désintoxication idéologique", also etwa "autonome Zeitschrift für ideologische Entgiftung", der freilich eine "intoxication" anderer Art gegenüber steht. Die Hefte sind nicht ganz leicht zu bekommen, und die Internetpräsenz des Magazins ist ziemlich dürftig.

Ein Freund hat mir vor einiger Zeit ein paar Hefte importiert, und ich war erstaunt bis begeistert über Aufmachung und Inhalt.  R&A ist aufwendig produziert, durchgehend attraktiv bebildert und auf hochwertigem Papier gedruckt, dabei scharfkantig rechts bis "fascisant", zugleich aber verblüffend eklektizistisch und undogmatisch. Vor allem eines ist das Magazin nicht: langweilig.

Man versteht sich als neuheidnisch, antichristlich und "identitär", die Themen sind klassisch "neurechts", wie etwa die obligate Pflege von Ikonen wie  Julius Evola, Ernst Jünger, René Guénon, Emil Cioran oder Jean Raspail und von Dauerbrennern wie "Ethnopluralismus", Regionalismus, Anti-Globalismus und Eurasienbewegung (Alexander Dugin);  dabei wird "libérons-nous des colonies" ebenso gefordert wie eine "jeunesse européenne du sang et du sol" und ein "Europe des patries".

konk1Die Autoren sind mitunter hochkarätig. In Heft 21/2005 schrieb der Schriftsteller Jean Parvulesco, Evolianer und Weggefährte der Nouvelle Vague, über "Angela Merkel au pouvoir, un danger pour Europe", ein weiterer prominenter Mitarbeiter des Heftes war der 2006 verstorbene  Jean Mabire. Garniert wird das Ganze mit Skurrilitäten wie einem Interview mit Brigitte Lahaie. Fixer Bestandteil sind Dossiers über Filmregisseure wie Jacques Becker,  Pierre Schoendoerffer, Bertrand Tavernier oder auch Tim Burton;  über Kultbands wie Joy Division und The Smiths und  Schriftsteller wie Jack London, D. H. Lawrence oder James Ellroy. Der Rezensionsteil behandelt Neuerscheinungen im Bereich Pop, Neofolk, Techno und Black Metal, ebenso Kinderbücher,  Sachbücher, Belletristik, und eben auch Comics. Heft 17/04 stellte den rechten Cartoonisten und Satiriker Konk (geb. 1944) mit einem "entretien choc" vor.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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