Soldatentum – Böcker, Springer und Kempf präsentieren ihr Buch

Das Bild der Bundeswehr war in den letzten Wochen von der Unfähigkeit geprägt, vernünftiges Großgerät zu beschaffen. Ob es um Kampfdrohnen oder Hubschrauber ging - immer blieb der Eindruck von organisierter Verantwortungslosigkeit zurück.  Der Eindruck, der dadurch entstand, könnte ungünstiger nicht sein, denn man durfte vermuten, daß die Bundeswehrführung ähnlich mit den ihr anvertrauten Soldaten umgeht.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Daß die­se Ver­mu­tung nicht unbe­rech­tigt ist, macht ein Buch deut­lich, das ges­tern in Ber­lin der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert wur­de. Es heißt Sol­da­ten­tum und die Autoren befin­den sich dar­in Auf der Suche nach Iden­ti­tät und Beru­fung der Bun­des­wehr heu­te. Her­aus­ge­ge­ben haben es die Ober­leut­nan­te Böcker, Kempf und Sprin­ger, die sich im Spät­som­mer 2011 gegen einen Maul­korb­er­laß an der Bun­des­wehr-Uni­ver­si­tät Mün­chen weh­ren muß­ten. Das Buch ist nicht zuletzt die Fol­ge aus die­ser Erfah­rung, weil die Uni­ver­si­täts­lei­tung damals Anstoß an der offen geführ­ten Dis­kus­si­on über das sol­da­ti­sche Selbst­ver­ständ­nis in der Gegen­wart nahm.

Daß die drei Ober­leut­nan­te den Gesprächs­fa­den mit die­sem Buch wie­der auf­neh­men, ist bemer­kens­wert und wird dadurch erstaun­lich, wenn man bedenkt, daß der ehe­ma­li­ge Gene­ral­inspek­teur Klaus Nau­mann und der aktu­el­le Vor­sit­zen­de des Bun­des­wehr­ver­ban­des Ulrich Kirsch Geleit­wor­te bei­gesteu­ert haben. Bei der gest­ri­gen Vor­stel­lung waren neben Kirsch und den drei Her­aus­ge­bern noch die Mit­au­toren Prof. Car­lo Masa­la und Haupt­mann Boh­nert sowie der Wehr­be­auf­tra­ge Hel­mut Königs­haus nicht nur anwe­send, son­dern auch durch Wort­be­trä­ge beteiligt.

Über man­geln­de Unter­stüt­zung kön­nen sich die Her­aus­ge­ber damit nicht bekla­gen und es ist zu hof­fen, daß es ihnen gelingt, die Wahr­neh­mungs­schwel­le zu über­sprin­gen. Das Anlie­gen, das sie mit die­sem Buch vor­brin­gen, ist für die Zukunft der deut­schen Armee ent­schei­dend. Es geht ihnen um eine ehr­li­che Ant­wort auf die Fra­ge, wozu und wem sie eigent­lich die­nen, wenn sie sich frei­wil­lig bereit­erklä­ren, für die Bun­des­re­pu­blik den Kopf hin­zu­hal­ten. Daß es dar­auf kei­ne selbst­ver­ständ­li­che Ant­wort mehr gibt, zeig­te die Buch­vor­stel­lung, bei der sich vor allem über die man­geln­de Wert­schät­zung der Sol­da­ten durch die Gesell­schaft beschwert wurde.

Von den eigent­li­chen Grün­den für die­ses Miß­ver­hält­nis wur­den eini­ge wenigs­tens erwähnt. Neben der Abschaf­fung der Wehr­pflicht und dem demo­gra­phi­schen Nie­der­gang Deutsch­lands dürf­ten aber die man­geln­de Sou­ve­rä­ni­tät unse­res Staa­tes, die bewuß­te Femi­ni­sie­rung unse­rer Gesell­schaft und unse­re Distan­zie­rung von der eige­nen Geschich­te die Haupt­rol­le spie­len. Die Autoren hat­ten dazu ein The­sen­pa­pier vor­be­rei­tet, das ges­tern lei­der kaum zur Spra­che kam, was nicht zuletzt an die offi­zi­el­len Unter­stüt­zung für die Her­aus­ge­ber lie­gen dürf­te. Deren Janus­köp­fig­keit besteht dar­in, daß sie den radi­ka­len Fra­gen die Spit­ze abbre­chen muß, weil die Inter­es­sen­ver­tre­ter der Bun­des­wehr für die Mise­re mit­ver­ant­wort­lich sind. Und auch hier wird der Schwar­ze Peter mun­ter zwi­schen Poli­tik und Bun­des­wehr hin- und hergeschoben.

Man hat gelernt, daß es eines Ven­tils bedarf, wenn der Druck steigt und der Kes­sel zu plat­zen droht. Die gewoll­te Fol­gen­lo­sig­keit der Fra­gen nach Iden­ti­tät und Selbst­bild der Bun­des­wehr könn­te sich aller­dings in Zukunft als ver­hee­rend erwei­sen. Was die Ver­ant­wort­li­chen über­se­hen, ist, daß die Fra­gen aus einer ech­ten Not her­aus gestellt wer­den und daß es die Bes­ten sind, die durch die wohl­wol­len­de Inter­es­sen­loig­keit der Ant­wor­ten ver­prellt wer­den. Klar ist auch, daß die­se Fra­gen nur für eine Min­der­heit ein exis­ten­ti­el­les Pro­blem dar­stel­len. Die meis­ten füh­ren Befeh­le aus und erfül­len damit, was man von ihnen erwar­tet. Doch eine Armee muß nicht nur mili­tä­risch, son­dern auch geis­tig geführt wer­den, wenn sie ihren Auf­trag ver­ant­wor­tungs­voll erfül­len soll.

 

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Kommentare (5)

Raskolnikow

26. Juni 2013 20:36

Ein so grundlegendes Sujet,

das Konservative wohl nur noch wenig interessiert ... Spricht für die Verfettung einer ganzen Geistesrichtung.

In der Bundeswehr laufen, wie in allen Armeen, zu neun Zehnteln Karrieristen und Geldverdiener durch die Flure. Die interessieren nicht!

Das eine Zehntel, man könnte es das soldatische Zehntel nennen, besteht aus zwei Typen: dem Vaterlandsverteidiger und dem Landsknecht.

Der Vaterlandsverteidiger (die Autoren zähle ich mal zu dieser Gruppe) hat eigentlich in der BW nichts verloren, aber eine idealistische Sicht auf den Soldatenberuf. Er reibt sich an den Umständen, eckt an, kapituliert schließlich auf die eine oder andere Art. Meist ist er ein etwas kopflastiger Schlaumilek, daher natürlich standesbewusst und Offizier. Konservativ selbstverständlich! Selten im Einsatz, viel lesend und besorgte Herrengespräche im Offz-Casino führend. Es gibt da so Zirkel, das weiß ich wohl ...

Der Landsknecht will Blut! Ihn findet man in Seedorf, Bad Reichenhall oder Calw. Seine Abenteuerlust lässt ihm keine Zeit, über politischen Firlefanz nachzudenken. Trotzdem liest auch er nicht selten. Seine Kampfkraft ist hoch, er sieht den Krieg als Sport. Ihn stört auch nicht, dass seine Gefechte in der Presse nicht genannt werden, ihm zählt nur die Anerkennung der Kameraden. Die Anderen interessieren ihn ohnehin nicht. Der Landsknecht hat eine BW-Uni nie von innen gesehen, denn da hätte man ihn aussortiert ...

"Das Fehlen von soldatischer Identität und Berufung" kann der Landsknecht nicht beklagen, denn der Sinn seines Soldatseins ist der Schusswechsel! Die leitende "Idee von sich selbst und ... (seinem) ... Tun" ist, sich selbst zu überwinden (auch wenn er das so nicht erklären kann).

Zu allen Zeiten waren die Landsknechte im Krieg, egal unter welchen Herren ...

Vielleicht sind die Vaterlandsverteidiger heute Verleger ...

Glück ab!

R.

Mauretanier

26. Juni 2013 21:22

Die Besten sind schon lange wieder gegangen, Kamerad.

Mauretanier

26. Juni 2013 22:04

Der Landsknecht will Blut! Ihn findet man in Seedorf, Bad Reichenhall oder Calw. Seine Abenteuerlust lässt ihm keine Zeit, über politischen Firlefanz nachzudenken. Trotzdem liest auch er nicht selten. Seine Kampfkraft ist hoch, er sieht den Krieg als Sport. Ihn stört auch nicht, dass seine Gefechte in der Presse nicht genannt werden, ihm zählt nur die Anerkennung der Kameraden. Die Anderen interessieren ihn ohnehin nicht. Der Landsknecht hat eine BW-Uni nie von innen gesehen, denn da hätte man ihn aussortiert …

Ich war in Bad Reichenhall und bin gegangen, da man mir meinen Wunsch, auf die Laufbahn ohne Studium zu wechseln, nicht gewähren mochte, so ganz kann Ihre Charakterisierung also nicht stimmen. Konservativ bin ich auch.

In der Bundeswehr laufen, wie in allen Armeen, zu neun Zehnteln Karrieristen und Geldverdiener durch die Flure. Die interessieren nicht!

Naja, wenn es denn wenigstens so wäre. Bei c.a. einem Drittel haben wohl weder ich noch die Betreffenden die geringste Ahnung, warum sie dort sind. Ein Drittel ist wegen dem Studium dort. Der Rest ist ganz brauchbar, wird aber systematisch versaut.

Der Vaterlandsverteidiger (die Autoren zähle ich mal zu dieser Gruppe) hat eigentlich in der BW nichts verloren, aber eine idealistische Sicht auf den Soldatenberuf. Er reibt sich an den Umständen, eckt an, kapituliert schließlich auf die eine oder andere Art. Meist ist er ein etwas kopflastiger Schlaumilek, daher natürlich standesbewusst und Offizier. Konservativ selbstverständlich! Selten im Einsatz, viel lesend und besorgte Herrengespräche im Offz-Casino führend. Es gibt da so Zirkel, das weiß ich wohl …

Diesen Typus habe ich so auch nicht kennenlernen dürfen.

agricola

27. Juni 2013 13:06

Die BW ist eine Pseudoarmee, da ohne Tradition ( weder Preußen noch NS sind demokratietauglich und Feinde der Zivilgesellschaft) und als "Bündnisarmee" ohne eigenen Generalstab auch entsprechend der BRD-Staatsraison ( Unterwerfung!) angepasst! Die ferngesteuerte BRD braucht keine Wehrmacht sondern eben diese BW, als Alibiarmee oder sonst was! Noch nie in der deutschen Geschichte war eine "Armee" so überflüssig, denn es ist keine!!!

Martin

27. Juni 2013 20:10

Die BW ist eine Pseudoarmee, da ohne Tradition

Das ist auch eine erst neuere Erscheinung. Zu meinen Zeiten gab es sie noch, die Tradition (die es, nach allem was ich von Freunden gehört habe, die dort gedient haben, auch bei der NVA gab). Mit der Wiedervereinigung und den darauf folgenden tausend Reformen ist aber wohl das meiste Flöten gegangen.

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