Sezession
17. Juli 2013

Vergewisserung im Sommerloch

Gastbeitrag / 36 Kommentare

04-alfred-kubin-el-guardian-gardien-the-guardian-1902-03-peninkwashwatercolourvon Heino Bosselmann

Wenn wir hier kulturkritisch werden, wie es so unsere Art ist, wenn wir all die uns verheißungsvoll erscheinenden Hoffnungszeichen beschwören, von denen wir was auch immer erwarten – meist zuviel jedenfalls –, dann fragen die mit uns Wartenden gern nach Konkretem, also nach Wegweisungen, Vorschlägen, Entschlüssen. – Das ist zum einen nachvollziehbar, zum anderen viel verlangt.Wer denn wollte, den Arm erhoben wie ein Statuenheld, den Blick metaphysisch in eine ferne, aber mutmaßlich lichte Zukunft gerichtet und alle Desorientierung endend, rufen: Dort entlang, Kameraden! – Nein, wir sind keine Philosophenkönige, keine „großen Lehrer des Volkes“, keine Helden auf Sockeln, sondern wir ringen um Gedanken und Worte. Schon daß wir keine bloßen Verlautbarer sind und uns an deren Regeln nicht halten mögen, haben wir den anderen voraus.

Während die staatstragende Mitte in einer Krise, die zwar entzündlich schwärt, aber – Kennzeichen der gefährlichsten Krankheiten – tückischerweise kaum wahrnehmbar ist, Heils- und Trostbegriffe generiert und Nation und Welt mit Appellen zu retten meint, während man vorzugsweise Gesundheits-, Ernährungs- und vor allem Verbraucherprobleme erörtert und allen kraft Antidiskriminierung, Inklusion und allerlei Anspruchsgarantien eine bessere Welt versprochen wird, bleibt hier ein Ort der großen Skepsis erhalten, an dem man sich – in der Sezession – kritisch und offen verständigen könnte. Wobei es ab und an angezeigt wäre, einen gewissen Defätismus zu überwinden und zu erkennen, daß die Zeiten wirklich schon schlimmer waren.

Wir sind geübt in der kritischen Revision der anderen Positionen, was zuweilen wohlfeil erscheint, weil wir weder etwas zu sagen noch zu regeln haben und uns als geschmähteste aller Opponenten zuweilen aufs Kritteln und Beckmessern verlegen können. Aber gerade in der Zeit der Verbannung täte auch eine Revision der eigenen Illusionen gut, das barrierefreie Nachdenken darüber, inwiefern alles, was von uns so in den Wind gesprochen ist, weil es bislang ohnehin keine Kraft umsetzt, tatsächlich einer kritischen Prüfung standhält. Wo an Kräften wenig, an Intellekt und Bildung aber eine Menge versammelt ist, sollte das eine freudvoll turbulente Diskussion versprechen. So wir uns trauen und uns, geht’s erst richtig los, nicht aus bewußtem Mißverständnis zerraufen.

Wo und wie wären jetzt Mut und Klugheit angezeigt, die unter Verzicht auf den Heroismus des Operettenhelden etwas bewirkten – in den eigenen Foren und so vielleicht darüber hinaus? Als Selbstvergewisserung ohne Selbstgefälligkeit. Es reicht nicht allein die Einstellung und daß man sich darüber vergleicht. Einstellung ist Selbstzuschreibung. Rechts zu sein etwa. Oder konservativ. (Und dabei meist wieder anonym oder in geschlossenen Räumen.) Was es ausmacht, beispielsweise konservativ zu sein, ist vielfach und klug beschrieben, zuletzt insbesondere von Karlheinz Weißmann. Und was das mit der Rechten verbindet oder von ihr unterscheidet, wäre eine eigene Erörterung wert.

Hielten wir überhaupt eine freimütige Diskussion aus – oder ginge es schließlich nur darum, wer warum für sich behaupten könnte dazuzugehören und wer doch besser nicht? Ich beispielsweise hielte manche linke, manche ökologische und manches aus der Vielfalt liberaler Positionen für beachtlich, gar tauglich und mitnichten für unzulänglich, ideologisch kontaminiert oder gar feindlich, was man oft reflexartig so einschätzt, weil man ja Rechter sein wollte und nie und nimmer Linker. So von der Einstellung her. Die noch nichts bewegt.


 Gastbeitrag

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Kommentare (36)

Erwalf
17. Juli 2013 11:59

Die beiden letzten Artikel "...Alltag XVIII" und "...Sommerloch" passen sehr gut zusammen. Das Gefühl und die Einsichten von Götz Kubitschek kennen wohl viele hier. Der Anregung von Heino Bosselmann wollte vermutlich nicht jeder folgen. Alles oder nichts bzw. Sowohl als auch ist hier die Frage. Aber gibt es denn eine Wahl? Große im Gleichschritt marschierende Armeen sind nicht mehr vorhanden. Also bleibt nur die Vielfalt. Wer noch Gleichgesinnte um sich hat, kann oder sollte mit ihnen gemeinsam marschieren. Wer unter der Masse der Badenden einsam am See sitzt, kann vielleicht mit einem der Genießer des vielleicht letzten friedlichen Sommers ins Gespräch kommen und einige Fragen stellen. Dann sind nicht vermeintlich ewige Wahrheiten wie Steine an den Kopf zu schmeißen, sondern vorsichtig Fragen zu stellen, auf Schwachstellen hinzuweisen, Gemeinsamkeiten zu erkunden. Auch die im Artikel von Martin Lichtmesz aufgeworfene ethnische Frage kann und sollte nicht wie im vorigen Jahrhundert beantwortet werden. Deutscher, Europäer, Weißer ist heute der oder die, welche es sein wollen.

Rumpelstilzchen
17. Juli 2013 12:59

Gott sei Dank gibt es Sommerlöcher.
Und daß ich dabei nicht an Blondinen auf einer Luftmatratze denke, verdanke ich diesem Beitrag.
Ja, es bedarf der Muße in der Sommerfrische, um mal wieder auf ganz neue Gedanken zu kommen.
Ich gestehe, ich war immer mal wieder versucht, aus diesem Forum zu verschwinden: zuviel Defätismus, zuviel Selbstdarstellung, Selbstgefälligkeit, spießiges Bildungsbürgertum....
Banges Warten, ob Raskolnikow sich mal wieder meldet, um eine "freudvoll turbulente Diskussion" anzustoßen.

Und dann dieser Hammerbeitrag aus dem Nichts, Herr Bosselmann...
DANKE.

-Halten wir überhaupt eine freimütige Diskussion aus ?
- Produktive Provokationen gibt es nur von rechts..
-das Feuilleton erobern
- ein rechtes Kabarett gründen...

Welche Themen sind dran, da fällt mit einiges ein:
1. Sie haben recht, Herr Bosselmann, dass dem Islam/ismus zuerst säkulare Positionen entgegengesetzt gehören und nicht die Hoffnung auf ein wiederzubelebendes Christentum. Und das sage ich gerade auch als Katholikin. Denn auch der heutige Zustand der christlichen Kirchen ist kabaretttauglich.
Als unsere Pfarrkirche mangels Auslastung profaniert wurde und zu Wohnungen umgebaut wurde, stand eine zeitlang nur der ausgehöhlte Baukörper. Der kabarettistische Untertitel zu diesem Bild bot sich von selbst an : Offene Kirche.
Ja, wir haben viele offene Kirchen in Deutschland.

Und ich hätte noch andere Fragen:

Warum erinnert mich ein schlankes stolzes muslimisches Mädchen mit Kopftuch an eine edle Jungfrau aus dem deutschen Mittelalter und warum tut es weh, eine fette tätowierte gepiercte deutsche Tussi zu sehen, die diese Würde nie ausstrahlt?
Und warum steht dieser edlen Jungfrau eigentlich kein edler ritterlicher Mann gegenüber, der ihrer würdig wäre.
Sondern sich zuerst die fette Tussi nimmt ?

Ja, es braucht noch einige Impulse, damit es interessant wird.

Ein Fremder aus Elea
17. Juli 2013 13:23

Natürlich dürfen Sie das über den Kampf gegen die Islamisierung sagen, Herr Bosselmann, mehr noch, Sie dürfen sogar in die Richtung wirken, wenn es Ihnen gefällt.

Aber wollen Sie hier wirklich zurück zu dem Disput zwischen Stürzenberger und Lichtmesz?

Die Diskussion hatten wir doch schon.

Trotzdem, um noch einmal etwas dazu zu sagen, es ist doch Jacke wie Hose worauf einer hofft. Die Frage, vor welcher der Liberalismus in Europa steht, ist, ob aus dem Islam, der seit seinem Beginn Staatlich- und Geistlichkeit nie getrennt hat, jetzt innerhalb einiger Jahrzehnte etwas wie das Christentum wird, welches seit seinem Beginn Staatlich- und Geistlichkeit nie (oder sagen wir besser kaum einmal) verbunden hat (Ausnahmen: Vatikanstaat, Ostpreußen, Livland, Estland). Oder, wenn das nicht klappen sollte, ob man wenigstens 'zig Millionen Muslime vom Islam abschneiden könnte.

Und zu diesem Zweck, sollte man dazu die Vorzüge des Laizismus betonen?

Naja, warum nicht, Assad macht es ja auch, und vielleicht geht in die Richtung sogar in Ägypten noch was.

Aber, in beiden Fällen steht, bzw. müßte stehen, ein autoritärer Staat dahinter.

So realistisch sollte man doch sein. Will man wirklich darauf warten, bis die Moslems in Europa rufen: "Oh Gott, wir sehen es ein. Totalitarismus ist falsch! Wir schaffen ja unsere eigenen Freiheiten ab!" oder sollte man nicht besser durch einen starken Staat etwas dabei nachhelfen einzusehen, daß der politische Islam in Europa ein unopportunes Unterfangen ist?

Das ist der Punkt, über den man sich klar werden muß, die Sache mit dem Verfall des Christentums steht nicht zur Debatte, sondern wirkt im Hintergrund.

Wenn ich sage: "Nach dem die Liberalen versagt haben, kommt die katholische Kirche wieder.", wie es in der Offenbarung auch skizziert ist, treffe ich nur ein Urteil über das Verhalten von Menschen in existentieller Not. Weder ich noch sonst jemand kann diese Wiederkehr auf direktem Wege erreichen, sondern allenfalls indem die Krise bewußt verschärft wird, was man allerdings nicht groß an die Glocke hängen kann.

Das heißt aber nicht, daß ich nicht die Verantwortung empfinden würde, trotzdem für Besinnung und Einkehr zu werben. Das mag Ihnen, Herr Bosselmann, unsinnig scheinen, aber mehr ist es auch nicht: ein Anschein von vielen.

Gut, Leitbild und so, religiöse Ausrichtung letztlich.

Das Problem sind die Widersprüche des eigenen Glaubenssystems, nicht was andere glauben.

Ich habe mir heute mal länger Michael Coren angehört, welcher an einen liberalen Staat als Frucht des Katholizismus glaubt, von wegen: Es geht den Menschen am besten in ihm, und das will die katholische Kirche doch nur.

Aber es stimmt halt nicht. Wenn es dann konkret darum geht, wie der Gottesdienst gefeiert werden sollte, fängt er plötzlich an wie ein Kreisel im Kreis zu rotieren. Ja, dieses fröhliche Liedersingen und so, das ist gar nicht schlecht, weil es gibt welche in Afrika, die das wirklich mit Glauben verbinden.

Stop! Must not say that people are different. What next?

Einmal wurde der theoretische Fehler sogar offensichtlich.

Theoretische Fehler sind fast immer ein tertium non datur aufgrund menschlicher Beschränktheit.

Da hat er nämlich gesagt, eine Gesellschaft müsse universalistisch sein, um allen Menschen gerecht zu werden.

Nein, Herr Coren, das muß sie nicht, so lange es sich nicht um einen Weltstaat handelt, in welchem alle Menschen leben. Andernfalls muß sie nur allen Menschen gerecht werden, die in dem betreffenden Staat leben, und welche natürlicherweise keinen Anspruch auf Universalität stellen können.

Und dies ist keine Kleinigkeit, wie so vieles andere nicht. Solche Irrtümer über Jahrhunderte beharrlich zu verfolgen rächt sich irgendwann.

Die Wahrheit ist, daß der Westen mit jedem Gegener, den er niederringt, ideologisch schwächer wird. Und das sollte jetzt schon völlig offensichtlich sein. Daran ist nichts ungewöhnlich, so verhält sich die Natur eben.

Und diese lächerliche negative Bestimmtheit durch Feindbilder. Das kommt nicht von ungefähr, sondern weil man selbst halt für nichts steht. Je dämonischer die Feindbilder werden, desto hohler ist man selbst.

Dennoch, zur Zeit ist es der stärkste Glaube und man kann ja mal sehen, wie weit man das Pferd noch reiten kann, bis es tot umfällt.

Aber ich halte diese ganze Ebene noch nicht einmal für wichtig. Es ist nur eine Ablenkung von der existentiellen Gefahr.

Hesperiolus (Jever-Trinker)
17. Juli 2013 13:49

Gegenaufklärung und Naturrecht! Geistige Speerspitze des mundtotgemachten Volkes! Hyperintellektuell-inzestuöse Selbstkritik unter dem Zeichen kommunikationsutopischer Offenheit für multiplikative Diskurse angesichts einer immer totalitärer polizeistaatlich sich verfestigenden Kulturrevolution halte ich für absurd. Unfassbar, wie ein weitaus klügerer Mensch den sog. Islamismus derart überschätzen kann? Globalismus und Amerikanismus, McWorld und Eine-Welt-Ideologie sind der Feind, oder nicht? Islamismus ist Krätze, Amerikanismus ist Krebs und Gllobalismus AIDS. Wenn ich schon das Wort "freiheitlich" lese, oder "den Meinungsmachern die richtigen Fragen stellen"? Hochgebildete Naivität, immer noch! Wollen Sie, geschätzter Verfasser, eine High-Brow Filiale für die PI, Broder, Femen, Homosexualisten und Piraten-Konsorten aufmachen? Nach allem was ich über Jahre hier gelesen habe, haben Sie keinen Grund für "Skepsis". Ihre Mitstreiter hier sitzen auf dem Hort der Wahrheit. Glückspilze, die gegen alle Widerstände und Zufälle das Richtige gelesen haben, buchstäbliche Fortunaten und Wahrheitsentdecker. Weichen Sie keinen Millimeter von dem Errungenen ab. Was Ihre Mitstreiter haben verpflichtet! Volk, Heimat, Glauben und Wahrheit! Hüllen Sie sich in Tweed und Loden, weiterhin, lesen Sie Guenon und Spengler, treten Sie insonders - mit einer in Mitteldeutschland vulgo gebräuchlichen Redensart - die "Ringparabel" in die Tonne, halten Sie sich lieber ans heideggersche "Gering". "Meinungsmacher", "fragen"? Diese Lügenbolde und Volksverderber? Deren Flanken sind offen, tagtäglich kann man der Presse in Rad fallen und in die Speichen treten - fruchtbarer Acker für Häme, Verachtung und leider auch Hass.

Hesperiolus (Jever-Trinker)
17. Juli 2013 14:01

Wenn noch möglich entfernen Sie bitte die situative Klammer mit Inhalt hinter "Hesperiolus"? Das Getränk ist nicht verantwortlich für mein Geschreibe. Danke und Gruß.

Inselbauer
17. Juli 2013 14:17

Ich kann das nur sehr persönlich kommentieren. Erstens könnte es sein, dass die rechte Reichshälfte - unbewusst - von Positionen ausgeht, die eine geschäftige, fitte Einmischung erschweren. Bei mir ist es zum Beispiel ein Urvertrauen auf das biologische Wesen der Europäer und auch des deutschen Volkes, das sich angesichts existenzieller Not aufrappeln wird. Ich liebe das deutsche Volk und bin zutiefst von seinem Überleben und seiner Kraft überzeugt, seine Stumpfheit und seine Langsamkeit und seine rätselhafte Duldung des Unrechts liebe ich auch. Man neigt nicht gleich zum Aktivismus, wenn man so empfindet.
Und dann ist da noch Stifters "sanftes Gesetz", auf preußisch "Sittengesetz", die tiefe Gewissheit, dass der Frevel und das Unrecht zu Nichts zerfallen werden. Auch das ist ein Hindernis für den Aktivismus, zumindest bei mir.
Trotzdem - raus aus der NATO (...)

karlmartell
17. Juli 2013 15:36

@ Rumpelstilzchen

Man kann es so sehen, wie Sie schreiben.
Ein "ein schlankes stolzes muslimisches Mädchen mit Kopftuch" vs. "eine fette tätowierte gepiercte deutsche Tussi "

Wenn das kein Selbsthass ist, dann weiss ich nicht, was es sonst sein sollte.
Wo leben Sie?

Die erste Version begegnet einem hier genauso selten wie die zweite Version.

Die "fette tätowierte gepiercte deutsche Tussi" ist eher nicht die Norm und selbst wenn sie es wäre, bleibt sie dennoch deutsch, ist unser aller Problem, mit dem es fertig zu werden gilt.

Das "schlanke stolze muslimimische Mädchen mit Kopftuch" ist ebenfalls nicht die Norm, aber durchaus ein Problem, mit dem WIR nicht fertig werden können.

Ein Fremder aus Elea
17. Juli 2013 17:15

Exemplarisch für meine Sicht der Dinge.

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2013/07/nochmals-zur-unvereinbarkeit-aller.html

Der Mensch im Kampf mit der Schwerkraft. Die Unfähigkeit, die Voraussetzungen der eigenen Existenz zu akzeptieren.

Dieses ständige "Sollten wir nicht?"

"Nein. Deshalb sollten wir nicht."

Darauf läuft's hinaus. Wären die Leute defätistisch, gäbe es das Problem nicht. Das Problem entsteht aus Fanatismus, in dessen Angesicht man defätistisch werden könnte, aber letztlich geht alles seinen Gang, wie er nunmal gehen muß, und dabei gibt es keine Endstation.

Ich muß nur aus dem Fenster sehen und auf die Bäume schauen. Das Leben sprießt schon lange aus dem Boden und hört nicht auf. Wir Menschen aber werden uns als Spezies beweisen müssen. Und dabei bin ich durchaus zuversichtlich. Nur daß es eine wirklich große Sache werden wird, nicht der Unsinn der üblichen Schwarzmalerei.

Ich weiß nicht, ob das als Aufmunterung durchgeht. Aber was kann ich an unser aller Situation schon als Einzelner ändern? Nichts. Die Freiheit, etwas zu gestalten, liegt in der länge der künftigen Zeit.

Bundschuh
17. Juli 2013 19:31

@Rumpelstilzchen:
Die Assoziation Muslima mit Kopftuch - Stolze Frau des Mittelalters ist wahrscheinlich eine zufällige Assoziationskette: Das Zeichen eines Freien Germanen waren lange Haare , die eines Unfreien waren kurzgeschoren. Die unverheirateten Frauen trugen Ihre Haare offen, die verheirateten gebunden. Die späteren "Kopftücher" des Mittelalters hatten meist einen schlichten Zweck des Wetterschutzes, Zeichen des Standes oder des Schmuckes. Auch deutsche Mädchen ohne Kopftuch sind nicht gleich Schlampen.

Der heutigen Kopftuchträgerin steht kein edler Ritter gegenüber, denn

1. was soll er mit einer Partnerin, die sich nicht selbst befreien kann/will? Auf Augenhöhe würde es jedenfalls nicht zugehen. Das die Dame abweisend wirkt, macht sie noch nicht tugendhaft. Ich kann auch niemanden stolz finden, der sich in einer Gesellschaft die sich "anything goes" auf die Fahnen geschrieben hat, so verhält wie es die gerade stärkste Bezugsgruppe (Familie, eigen Ethnie) verlangt. Äußerer Druck durch die "Tussis" besteht in der Regel nicht, da sie sich entweder in einem Kreis bewegt, der eine große Gruppe ihrer Ethnie enthält (Neukölln) oder zumindest stark "ausländeraffin" ist (Universität). Diese Muslimas sind meist schwach und gerade nicht stolz. Stolz könnten Sie sein, wenn sie sich anders als verlangt verhielten oder irgendeinen Widerstand überwunden hätten. Den Verlockungen des freien Westens zu widerstehen ist in dem genannten Umfeld kein großes Kunststück und erfordert weder Stolz noch Mut.

2. befreien lassen will sie sich ohnehin in den seltensten Fällen. In der Regel endet der Fall so, dass der Ritter zumindest pseudokonvertiert (sie verlangt es von ihm) oder dass den Familienangehörigen der neue Verehrer bis über die Hochzeit hinaus verschwiegen wird. Alles im Bekanntenkreis schon vorgekommen. Nicht zu meiner Kenntnis gelangt ist jedoch der erfolgreiche umgekehrte Fall - der Versuch wohl des Öfteren.

Die Statistiken binationaler Ehen sprechen hier Bände. Ein deutscher heiratet höchst selten eine Orientalin, umgekehrt ist das häufiger. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Gastbeitraege/Binationale_Ehen0406.pdf?__blob=publicationFile (Schaubild 5, S. 427)
Grund dafür ist kollektive Blockbildung: Eine Muslima, die einen deutschen heiratet, passt sich nach orientalischer Vorstellung (oben schrieb ich schon, dass dem beim heutigen weichgespülten Deutschen Mann nicht so ist, aber dass ist eine andere Frage) dem Mann an. Ihre Kinder werden Deutsche. Diese Kinder sind für das eigene Kollektiv verloren. Ein Moslem, der eine Deutsche heiratet, zeugt nach diesem Denkschema wiederum muslimische/türkische/arabische Kinder, diese stehen dem Kollektiv als Janitscharen, Arbeiter etc. zur Verfügung.

Carsten
17. Juli 2013 20:06

Danke karlmartell! Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund. Ich hab' mich den ganzen Nachmittag über den Rumpelstilzchen-Kommentar geärgert und wollte ihn gerade genauso kommentieren.

Fredy
17. Juli 2013 20:15

@KarlMartell

Sagte schon ein berühmter Reichskanzler: "Der geringste Straßenkehrer meines Volkes ist mir näher als der König eines fremden Landes."

Auch wenn es oft schwer fällt.

Franz Schmidt
17. Juli 2013 20:33

Das Kopftuchmädchen hat keine Wahl - es wird gezwungen.

Die Deutsche hat vielleicht auch keine Wahl - das System bringt sie dazu.

Wir brauchen weder deutsche Asoziale, noch Islamanhänger.

Weltversteher
17. Juli 2013 20:58

Herr Bosselmann, Sie deuten an, daß

die Zeiten wirklich schon schlimmer waren.

Hätten Sie ein Beispiel dafür, oder, um verständlicher zu sein, auch zwei? Es wäre zu tröstend, um wahr zu sein.

Ich möchte mich der Ansicht mancher Vorredner anschließen. Sie können unbesorgt sein, daß wir noch genug an uns zweifeln werden - dafür sind wir schließlich Deutsche -, auch wenn Sie uns nicht ständig neue Anstöße in diese Richtung geben. Ich sehe in dieser Diskutierfreudigkeit inzwischen auch eine Form des Defaitismus.
Wir wären glücklicher, uns zu ermannen - wenn auch zunächst kaum äußerlich, so um so mehr innerlich. Wir werden unser Reich nicht erringen mit Zeitgenossen, die wir mühsam mit Positionen und Strategien überzeugt oder - vor denen wir uns mal gehörig geistig aufgeplustert haben.

Kiki
17. Juli 2013 21:33

Auch wenn es völlig kleinlich wie nebensächlich ist, Bundschuh, möchte ich als vormodernes Reptil (W. Bergengruen war stolz darauf, noch echte urweltliche Analphabeten gekannt zu haben) zu Ihrer treffenden Kopftuchhistorie ein kleines Detail hinzufügen:

Das fließend warme Wasser aus der Wand nebst den zahllosen Putzmittelchen samt der daraus erwachsenen Dauerduscherei und beständigen Haarwäsche ist eine welthistorische Abnormität und daher alles andere als selbstverständlich.

Deshalb hat die reinliche Frau allenthalben und allezeit ihre Haupteszierde mit den verschiedensten Tücher, Hauben, Bedeckungen gegen Staub, Dreck usw geschützt, denn der Aufwand des Haarewaschens und -trockens ist unter nichtindustriellen Bedingungen ziemlich hoch und daher äußerst selten.

Ansonsten gehe ich mit Ihnen d'accord - MohammedanerInnen sind alles andere als stolz (jedenfalls nicht im abendländischen Sinne), sondern vielmehr narzissistisch schwer beeinträchtigt. Wer das pavianhafte Herumposen von Orientalen als Gestus der inneren Stärke und Selbstsicherheit deutet, bekundet eigentlich nur, daß er dem Blendwerk einer pathologischen Kultur auf den Leim gegangen ist und schon in eben diesen kranken Kategorien denkt.

waldgänger aus Schwaben
17. Juli 2013 22:14

Danke für den Hinweis auf Novalis' "Europa" kannte ich noch nicht und habe angefangen es zu lesen.
Wunderbar.
https://novalis.autorenverzeichnis.de/christenheit_oder_europa/christenheit_01.html

rundertischdgf
17. Juli 2013 23:30

Wenn wir uns im Sommerloch langweilen, dann sollten wir doch einfach mal die Frage stellen, was wäre, wenn.......?
https://rundertischdgf.wordpress.com/2013/07/14/was-ware-wenn-luther/

karlmartell
17. Juli 2013 23:47

@ Franz Schmidt
Der Zwang mag manchmal vorhanden sein, meistens ist es die freie Entscheidung, zu diskriminieren, in dem Sinn von unterscheiden,
in diesem Fall, von der "deutschen", bestenfalls "Tussi", meistens aber "Schlampe".
Welches System zwingt die "deutsche Tussi". In Deutschlans besteht Zwang, zweifelsohne, aber weder der, sich fett zu essen, noch der, sich tätowieren zu lassen, auch nicht der, sich piercen zu lassen. Auch das ist eine freie Entscheidung sich zu unterscheiden.

Aber die „fette tätowierte gepiercte deutsche Tussi“ ist vollkommen ausreichend, die "Republik bunt" zu machen. Bunter muss es nicht sein. Insofern ist die Priorität eindeutig.

Luise Werner
18. Juli 2013 07:16

Ohne vielleicht die Absicht gehabt zu haben, so erinnert Herr Bosselmann mich mal wieder an meine Zweifel, die ich habe. Zweifel, auf der richtigen Seite zu stehen. Wie kann es auch sein, dass mir nahe stehende, liebe und geschätzte Menschen manchmal so (welt)fremd vorkommen? Menschen, deren Herzenswärme ich kenne und deren Intellekt ich schätze, die bei entsprechender Gelegenheit "gut recherchierte Artikel" in Spiegel und ZEIT empfehlen und mit einem Augenzwinkern ihr nur millimeterweises Abweichen von der politischen Korrektheit glauben begleiten zu müssen. Wieso sehen sie unser Land so viel anders als ich? Wieso sprechen sie mir eben nicht aus dem Herzen, so wie das ein mir völlig fremder Kubitschek oder Lichtmesz jederzeit tut?
Oft wünschte ich, auf der falschen Seite zu stehen, wünschte dass die anderen recht hätten, das alles weitgehend in Ordnung ist und die Dinge "gut so" sind.

Franz Schmidt
18. Juli 2013 09:34

@ karlmartell

Isidor von Beja hat über die Haltung der Truppen von Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers geschrieben: "Sie standen fest geschlossen wie ein Bollwerk aus Eis" (zit. nach Rodney Stark: "Gottes Krieger" S. 63).

Und wir heute?

Rumpelstilzchen
18. Juli 2013 10:06

Jetzt hab' ich mich vergewissert im Sommerloch....
Und bingo, es ist genau geschehen, was Herr Bosselmann zum Thema macht:

"Wo an Kräften wenig, an Intellekt und Bildung aber eine Menge versammelt ist, sollte das eine freudvolle turbulente Diskussion versprechen.
So wir uns trauen und uns, geht's erst richtig los, nicht aus bewußtem Mißverständnis zerraufen."

Es ist nicht einfach, vom Besonderen auf das Allgemeine zu schließen und umgekehrt. Oft stehen uns Konstrukte als Hindernis im Kopf.

@Karl Martell
1. Ich bin weit entfernt von Selbsthaß. Wo ich lebe ? In Deutschland.
Und in Deutschland wurde mein krankes Kind von einer moslemischen Krankenschwester sehr liebevoll betreut.
2. Eine kulturkritische Frage: Wieso gibt es in jedem deutschen Kaff ein Piercing Studio, auch wenn es in Eisenach netterweise "Stichtag" heißt ?
3. Die fette gepiercte Tussi ist in meiner Region ein eher häufiges Modell.

@Bundschuh
Das Besondere führt zu den verschiedensten Theorien. Aber Theorien sind Konstrukte, weder wahr noch falsch, allenfalls brauchbar.

@ Carsten
Lassen Sie sich Ihren Nachmittag nicht von Kommentaren versauern !
Das ist es nicht wert !

@ Fredy
Da haben Sie aber nie Karl May gelesen. Winnetou (König eines fremden Landes) war mir immer sympathischer als der Volksverräter.

Also, nicht aus bewußtem Mißverständnis zerraufen !!!!!

Mein aktuelles Thema:
warum greife ich nach dem Papstbesuch in Lampedusa erneut zum "Heerlager der Heiligen".
Ich bin fast sicher, dass bald eine Antwort von Herrn Lichtmesz erfolgt.

Schöne Ferien allerseits.

ene
18. Juli 2013 10:57

@ rundertischdgf

Was wäre wenn?

Seltsamerweise fällt ein Name auf diesen Seiten überhaupt nicht: Edward Snowden. Warum?
Wann hat ein junger Mann von 30 schon mal mit einem Schlag gezeigt, wie es um die Machtverhältnisse auf der Welt steht?
Ich meine: ganz anschaulich.
Wie unbedarft "Kommissionsmitglieder" sind.
Des Kaisers neue Kleider.
Wer gibt schon seinen schönen privilegierten Job auf, um rund um die Welt zu flüchten mit ungewisser Zukunft? Läßt alles hinter sich?
Und ergeht sich nicht in Zynismen?
Weil er das, was er tut, für Unrecht hält?

Für mich ist das: außerordentlicher Mut.

Hartschaumrolle
18. Juli 2013 11:16

Schöne Ferien ebenso. Besorgen Sie sich eine Melone (die Frucht). Klopfen Sie vorher ran. Wenn sie hohl klingt ist sie reif. Machen Sie eine eine Bowle daraus, und stellen Sie sie kalt. Vorher Sekt und und Wodka ranholen.

Piercingstudios sind doch ein alter Hut. Lamentieren Sie nicht. Die arbeiten sehr hygienisch, lukrativ, aber man muss da nicht hin. Das erledigt sich von selbst.

H.

Fredy
18. Juli 2013 12:10

@Rumpestilzchen

Volk ist nichts anderes als Familie in groß. Da gibt es auch schwarze Schafe, die man maßregeln und züchtigen muß. Aber rausschmeißen und Ersatz adoptieren? Selbst wenn es ein König ist: Nein.

Sie können sich ja anders verhalten, bleibt Ihnen unbenommen. In der individualisierten Masse Mensch ist für die meisten heute nur noch Sympathie das verbindende. Heute mag ich Winnetou und morgen einen Eskimo. Mit Rechts hat das aber nichts zu tun.

Zur moslemischen Krankenschwester: Wer daran zweifelt, dass es bei Ausländern auch Anstand, Herzlichkeit und Kompetenz gibt, ist dumm. Wer durch persönlichen, positiven Kontakt zu einem Ausländer auf die Masse schließt und daraus politische Schlüsse zieht, ist naiv.

Heino Bosselmann
18. Juli 2013 12:15

@Weltversteher: Stichwort schlechtere Zeiten. Für meine bisherige Lebensspanne möchte ich zunächst die achtziger Jahre in der DDR benennen, erst unheimlich in der Verspannung des Kalten Krieges und der damit zusammenhängenden Verhärtung in der DDR, dann geradezu expressionistisch in der Vorwendephase. – Und selbst die Neunziger empfand ich als restaurativ statisch. Ohne daß man etwa immer Probleme wälzen müßte: Wurde da überhaupt etwas problematisiert oder wurden eher Blasen aufgeblasen? Jetzt ist doch mindestens einiges gründlich in die Diskusson geraten. – Und denke ich an das zwanzigste Jahrhundert in seiner gesamten Länge, so fielen mir schon allerlei Stellen auf dem Zeitstrahl ein, an denen ich die Zeitmaschine lieber nicht anhalten wollte. (Oder gerade dort?)

Theosebeios
18. Juli 2013 15:05

Weichen Sie keinen Millimeter von dem Errungenen ab. Was Ihre Mitstreiter haben, verpflichtet! Volk, Heimat, Glauben und Wahrheit!

Werter HESPERIOLUS, nun darf ich mich doch einmal schützend vor Herrn Bosselmann stellen! "Volk, Heimat, Glauben und Wahrheit" fühlt er sich, nach allem bisher von ihm Gelesenen, gewiss verpflichtet.
Und einen großen deutschen Literaten wie Lessing treten wir auch nicht in die Tonne. Eigentlich treten wir keine geistigen Produkte in die Tonne, sondern prüfen, was sie uns zu sagen haben. Dann lassen wir sie ggf. am Wegesrand zurück.

"Ich sehe in dieser Diskutierfreudigkeit inzwischen auch eine Form des Defaitismus."

Aber nein, aber nicht doch, WELTVERSTEHER! Wie könnten Sie (ohne diese Diskutierfreude um Sie herum) sonst die Welt verstehen und Zuversicht schöpfen?

KIKI -- entfernen Sie schleunigst das Binnen-I ("MohammedanerInnen"), sonst sind wir geschiedene Leute!

Der Kommentar von LUISE W. vermittelt mir eine Antwortrichtung auf Bosselmanns Frage:

Wo gibt es Diskussionen oder wenigstens verhandelte Themen und Probleme, die außerhalb der verschworenen, mitunter verklüngelten Zirkel und über das Ventilieren der vertrauten Themen hinaus aufregen und anregen?

Aus meiner Sicht kommt es darauf an, unsere Mitmenschen zu verstehen. Vielleicht wenden wir uns dann aus rationalen Gründen kopfschüttelnd von ihnen ab. Wer aber nicht verstehen will, kann auch keine Handlungsstrategien für und mit diesen Menschen entwickeln. (Vielleicht ist das gar nicht realistisch, das weiß ich nicht.)
Vielleicht hat jeder in gewisser Weise eine Vorder- und eine Hinterbühne. Bei der (intellektuellen) anderen Seite wie auch bei der 'breiten Masse' stehen Vorder- und Hinterbühne in einer mehr oder weniger starken Diskrepanz. So ist bspw. vielen die selektive Berichterstattung der deutschen Medien bewusst. Bevor es unbehaglich wird, verschiebt man sie auf die Hinterbühne, selbst in ganz gravierenden Fragen. Wie funktioniert das, wie ist das möglich? Man hat etwas gegen 'einige Ausländer' -- und erschrickt ob des Ressentiments. Und erschrickt dann ggf. noch darüber, dass man erschrocken ist, bemerkt vielleicht sogar an sich, was die Forschung schon lange "reverse discrimination" nennt -- und schwupp, ab auf die Hinterbühne. Wie ist das möglich, wie funktioniert das?

Vielleicht ist damit, dank L.W.'s Erstaunen, Herrn Bosselmann eine Anregung gegeben. Meinetwegen kann er das dann auch "Feuilleton" nennen :-)

Heino Bosselmann
18. Juli 2013 15:26

@Theosebeios: Danke! – Mein gewisses Dilemma: Ich werde zwar nicht verzagter, in bezug auf Mut und Kraft nicht unentschlossener, aber doch skeptischer. Zunehmend irritieren mich Menschen mit „Bekenntnissen“, was ich jetzt nicht prioritär religiös verstehe. Mir selbst fällt diese Haltung des „Es ist so und nicht anders!“ immer schwerer. Vielleicht also doch mangelndes Ungestüm. Daß das, was ich wahrnehme – ob simpel oder komplex – zunächst mal Vorstellung ist und nicht gleich „Tatsache“, macht mich im Politischen wie überhaupt, nun ja, zuweilen demütig. Skeptisch eben, nicht desorientiert. All jene, die mir ihre Welt-Anschauung so vorweisen wie eine Blutgruppe, werden mir etwas unheimlich. Vielleicht geht es einem so, der – wie Obelix als Kind in den Zaubertrank – als Heranwachsender in eine Überdosis Ideologie und Heilsverheißung fiel. Mir läge insofern immer an einem freiem Diskurs über Themen und freilich daraus entstehenden Handlungsentschlüssen. Nur habe ich den Eindruck, sowohl im Denken als auch Handeln ist mehr möglich, als eine aufgestellte Ordnung im Sinne eines Periodensystems politischer Zuweisung starr versammelt. Die Rechte hat m. E. den mittlerweile historisch entstandenen Vorzug, die genaueren Fragen zu stellen und eine derzeit wiederum von Staats wegen ideologisch funktionierende und suggestive Vorschrift (menschenbildlich, kulturell, politisch etc.) produktiv zu revidieren.

Weltversteher
18. Juli 2013 17:56

Wenn Sie meinten, werter Herr BOSSELMANN, wie man mehr oder weniger behelligt und berührt in einer bestimmten Zeit leben kann, dann kann ich Ihre Sichtweise auf schlechtere Zeiten nachvollziehen. Das wäre jedoch der Blick auf die Fassade und nicht auf die Fundamente des Weltgeschehens.
Insofern auch zu Ihrer Kritik der Weltanschauung: Im Zeitalter des Individualismus werden womöglich ("selbstverständliche") Dinge darein gefaßt, die nicht Fragen der Sichtweise, sondern der Kenntnis sind.

THEOSEBEIOS brachte es auf den Punkt: Seine Mitmenschen verstehen wollen. Gern. Aber bitte nicht von ihnen verstanden werden wollen!

Eleonore
18. Juli 2013 18:23

Sehr verehrter Herr Bosselmann, Sie haben eine so feine Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen - immer wieder.

Sie sehen die selbstgeschaufelten Gräben, diese Demarkationslinien im Irrgarten der politischen Lagerbestimmungen mit den jeweiligen Vermeidungsstrategien der einzelnen Sektoren. Die Seele schreit mal wieder nach Aktivität und Fortschritt und wähnt sich in einer endlosen Warteschleife, das eigene Anliegen ist scheinbar mal wieder stillgelegt - oder immer noch? - Ja, das ist Sommerloch, und vielleicht könnte man ja mal drüber diskutieren, ob vielleicht der eine oder andere Graben..?

Je intellektueller, desto verschachtelter, desto vereinzelter, das ist so, das wird immer so bleiben, das ist bei Linken genauso. Aber was machen die anders? - Ein aggressiver Antifa-Mann hat mit einer grünen veganen Esoterikerin und einem linksliberalen Universitätsdenker das gemeinsam: Sie werden, wenn's drauf ankommt, füreinander einstehen. So wie der linke Bundestagspräsident und der Bahnschienensaboteur. Hauptsache irgendwie in die richtige Richtung und mit Spaß, da wird keiner ausgegrenzt, da kann jeder mitmachen. Das aber steht, wenn es denn um den meinungsbildenden Einfluß rechter Eliten geht, doch gar nicht zur Debatte, das ist doch weder gewollt noch vorstellbar! Da käme man ja womöglich noch in den Ruch, der Spaßgesellschaft oder dem Zeitgeist irgendwelche Konzessionen zu machen, gar beliebig zu sein. Von der Sache mit den Nazis ganz zu schweigen.

Es gibt ja bei den Vergewisserung- oder Absicherungssarien nicht nur die vertikalen Trennlinien zwischen "rechts", "weiter rechts" und "irgendwie anders rechts" (und ist der oder das überhaupt richtig rechts?), sondern auch noch die horizontalen, und da fallen die "bunteren Vögel und hemdsärmligeren Typen, die zuweilen von sonstwo und eben nicht nur aus „gutem Hause“ kommen" nunmal durch das Raster. Die Verächtlichmachungsrhetorik der Linken hat fruchtbaren Boden in der teilweise fehlgeleiteten Ordnungsliebe der Konservativen gefunden, und daraus wächst nun die Trennung: " "Intellektuell, künstlerisch, politisch".

Verlieren Sie bitte auch nicht aus den Augen, daß heutzutage ohne eine gewissermaßen subversive Aktivität kaum etwas zu erreichen ist. Wer sich einer Gruppe nicht zumindestens "auch" zugehörig fühlt, sich, wie man so schön sagt, dort einbringt, wird dort keinen Einfluß ausüben können. Das ist das Dilemma und die Aufgabe. Wo bleibt der Marsch durch die Institutionen? Oder, eine Nummer kleiner: Taugt mein Ideengerüst noch dazu, in die Welt hinausgetragen zu werden, ist es stabil genug, Veränderungen auszuhalten, habe ich Antworten, kann man mich hören? Oder lebt es sich doch ganz bequem in der Resignation und ohne diese schrecklichen eigenen Landsleute, die womögich das Feuilleton intellektuell gar nicht verarbeiten könnten? Will ich überhaupt gehört werden?

Ich glaube nicht, daß es ein Brücke "weiter oben" gibt, die unter Umgehung der behäbigen Mitte in die allgemein meinungsbildenden Bereiche vorstößt, über die man gehen könnte, um dann auf ebendiese Mitte Einfluß zu nehmen. Da müßte man schon mal infiltrieren. So ein Zeitgeist ist nicht durch Naserümpfen zu beeinflussen, vielleicht sollte man ihn eher als einen Zeitstrom sehen und sich auch mit den dazugehörigen Assoziationen beschäftigen. Das Anschauen eines großen Stromes - wie z.B. Rhein oder Elbe - kann zur Gedankenklärung beitragen, ich stelle mir vor, die mentale Betrachtung des Zeitstromes mag ähnliches bewirken.

Eleonore
18. Juli 2013 18:31

@rumpelstilzchen:

Sie sind Katholikin, ich vestehe daher, daß sich das anbetungswürdig überhöhte Bild der zarten Jungfrau aus der Wüste bei Ihnen festgesetzt hat. Sicherlich werden Sie durch verschleierte Moslemmädchen an die "Jungfrau Maria" erinnert, und der feurige Wüstenprinz auf dem Araberpferd soll ja auch ein schöneres Bild abgeben als der schmerbäuchige Blonde mit der jung erworbenen Halbglatze und den leichten Sorgenfalten. Aber lassen Sie sich doch nicht so blenden!

Die mittelalterliche deutsche Frau arbeitete hart. Das Verstecken des Haars (außer um es vor Schmutz zu schützen) dürfte ihr, historisch gewachsen, fremd gewesen sein. Schließlich leiteten die Männer ihrer Gemeinschaft ja auch keine sexuelle Verfügbarkeit der Frau aus offen getragenem Haar ab. Sie war vermutlich stark, zupackend und selbstbewußt, keine Odaliske oder sonst ein Püppchen. Vielleicht trug sie einen schönen, alten Namen wie Tusnelda. Sie war die Ahnin der heutigen "Tussi", und ich bin sicher, in der "Tussi" steckt auch heute noch eine ganze Menge von ihr. Soviele Vorfahren haben wir nämlich gar nicht.

Die "fette tätowierte gepiercte Tussi" ist in allererster Linie ein Medienkonstrukt. Sie beweist die traditionelle Häßlichkeit der Deutschen (unelegant, unkultiviert, roh), somit die vermeintliche Überlegenheit anderer Kulturen. Sie gibt dem Nanny-Staat Legitimation. Ihren Kindern gibt sie ausländische Namen, die sie nicht aussprechen kann ("Dschaggeline"), damit ist dann gleich noch eine Breitseite gegen die deutschen Dialekte drin. Der Deutsche ist eben am besten, wo er undeutsch ist, darüber scheinen sich alle einig zu sein. Die Tussi schert sich aber nicht um all das, sie macht keine Bella figura, also ist sie "asozial"- und alle blöken es nach. Wem nützt das? Wem schadet das? - Denken Sie nach!

Rumpelstilzchen
18. Juli 2013 21:21

@Eleonore

Ja, da haben Sie wohl recht. War mir gar nicht so bewußt.
War auf einer Nonnenschule, reine Mädchenschule und fand das auch nicht schlecht.
In der Kirche saßen Jungen und Mädchen noch in getrennten Bänken
( was die Spannung erhöhte) .
Trotzdem waren die Mädchen von damals selbstbewußt und auch keine Püppchen. Sie wollten alle heiraten und eine Familie gründen. Was sie wohl auch zu fast 100 Prozent taten.
Nichts für ungut:
Tusnelda wollte ich dann aber doch lieber nicht heißen.
Und ich mag den Ausdruck, "gertenschlank".
Das waren damals auch fast 90 Prozent der jungen Mädchen.
Als noch süße unbekannte Düfte durch das Land streiften und nicht nur Grilldüfte.

waldgänger aus Schwaben
18. Juli 2013 21:47

Ein Wort zur "Tussi". Ein aufrechter Rechter benutzt es nicht. Es ist eine Verballhornung von Thusnelda, der Frau Hermanns des Cheruskers, des Befreiers Germaniens von der römischen Herrschaft. Dass der Name dieser Frau zum Schimpfwort für schlechte Frauen geworden ist, ist bezeichnend für das Selbstbewusstsein der Detuschen. Also streicht mal die "Tussi" aus dem Wortschatz- danke.

Hartschaumrolle
18. Juli 2013 21:57

Eine wahrhafte Frage, Rumpelstilzchen: Woher Ihre Biestigkeit? Heute verdammen Sie Grilldüfte, gestern Tätowierungen. Morgen warscheinlich die Raucher. Alles was irgendwie stinkt. Aber genau daran wächst man. An Fehlern und Ohrfeigen.

Hartwig
19. Juli 2013 08:45

Bosselmann schrieb:"Dürfte ich hier behaupten, daß dem m. E. kreuzgefährlichen und tendenziell totalitären Islamismus, dieser Jahrhundertgefahr, zuerst säkularistische und laizistische, mithin sich des Erbes der Aufklärung vergewissernde Positionen entgegengesetzt gehörten als die Hoffnung aufs wiederzubelebende Christentum..."

Es ist nicht mein Forum, aber ich denke, Sie dürften es behaupten. Aber ist es richtig?
Die eigentliche Frage ist, wie viele Moslems wir in unserem Land haben wollen. Eine tatsächlich unzulässige Frage im säkularisierten Staat. Denn wenn Religionsfreiheit als hohes Gut gilt, dann dürfte die Frage nach der Anzahl von Moslems keinerlei Rolle spielen. Es wird aber einleuchtend sein, dass es für ein Land ein geradezu eklatantes und prägendes Merkmal ist, welche Religionen vorherrschend sind und in welchem Maß und in welcher Intensität gelebt werden. Frei nach Bf.: Der säkularisierte Staat lebt von Grundübereinkünften, die er nicht einfordern kann.
Ich denke, wenn es den Europäern nicht gelingt, sich unter dem Kreuz zu sammeln, stehen die Zeichen schlecht.

Rumpelstilzchen
19. Juli 2013 10:42

Ja, Biestigkeit wird mir nachgesagt bis hin zum furor teutonicus.

Um selbstbewußt deutsch zu sein, bedarf es nicht der ständigen Vergewisserung und politischen Korrektheit ( "ein aufrechter Deutscher benutzt nicht das Wort Tussi")
Etwas geistige Geschmeidigkeit kann nicht schaden, damit geht keine Bastion verloren.
Ja, sollte ich noch mehr provozieren ?
@Bundschuh
"Die Bedeutung des muslimischen Kopftuches" heißt die Doktorarbeit der alevitischen Türkin Lady Bitch Ray, alias Reyhan Sahin.
Oh Schreck, oh Graus, was für ein schreckliches Weib.
Vom Unterdrückungszeichen bis zum Protestkleidungsstück ( ähnlich Minirock) ist da jede Position vertreten. Zwischen dummer Aisha und aufgeklärter Muslimin ( free mind Münster) ist da so alles denkbar.
Wer sein eigenes Volk und dessen Kultur liebt, kann auch locker mit dem Fremden umgehen ( in geistiger Hinsicht).
Das gilt nicht für die reale Anpassungs- und Beschwichtigungspolitik. Die gerade ein Zeichen von wenig Selbstbewußtsein ist.
Die ist nicht hinnehmbar und zu bekämpfen und verachten.
Also, locker machen. Sind wir nicht alle ein bißchen PI.

Nicht der Islam ist der Feind. Als geistige Lehre bietet er fast nur geistige Leere.
Gefährlich sind Politiker, die vor geistiger Leere in die die Knie sinken und an der falschen Stelle nach kulturellen Schätzen suchen.
Und jetzt ist es gut.
Mea culpa, ich werde in Zukunft nicht mehr unbedarft Tussi sagen, und alles tun , um dem Namen Tusnelda wieder zu Ansehen zu verhelfen.
Und ja, grillen werde ich dieses Wochenende auch. Aber tätowieren besser nicht.
Oh Gott, habe ich mich verstiegen. Ich bin dann mal weg.

Theosebeios
19. Juli 2013 11:25

Die Rechte hat m. E. den mittlerweile historisch entstandenen Vorzug, die genaueren Fragen zu stellen und eine derzeit wiederum von Staats wegen ideologisch funktionierende und suggestive Vorschrift (menschenbildlich, kulturell, politisch etc.) produktiv zu revidieren.

Das sehe ich auch so. Aber seien wir gnädig mit "der Rechten". Im falschen Kreis, außerhalb der eigenen kleinen Zirkel, die "genaueren Fragen" zu stellen, grenzt an Selbststigmatisierung. Diese Einsicht prägt emotional, so sehr man auch von sich glaubt, ein kühler Kopf zu sein. Kollege MEYER meinte zwar (in einem anderen Forumsstrang), es sei jetzt leichter, eben diese "genaueren Fragen" zu thematisieren, aber das mag doch an seiner speziellen beruflichen Situation liegen, ich beobachte das nicht. Auch Sie (und einige andere) haben sich im Beruflichen ihre 'Kleine Freiheit' erworben, es sei Ihnen gegönnt! Sie können den mahnenden Beobachter im Gehirn ein Stück weit ausschalten.

Andere, wie wir "Ephesier", denen über viele Jahre wie auf dem Fließband die Produkte einer (für die Politikberatung immer noch als wichtig eingeschätzten) Wissenschaft über den Schreibtisch rollen, fragt sich vielleicht: Wo lebe ich eigentlich? Bin ich im falschen Film? Bin ich denn so viel klüger oder so viel dümmer als die anderen (beides gleich unwahrscheinlich)?

Oft wünschte ich, auf der falschen Seite zu stehen, wünschte dass die anderen recht hätten, das alles weitgehend in Ordnung ist und die Dinge „gut so“ sind.

(LUISE W.)

Das wünsche ich zwar nicht, aber das damit verbundene Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen. Darum, Herr Bosselmann, üben wir Nachsicht, auch mit uns selbst.

Sara Tempel
20. Juli 2013 21:30

@Eleonore
"Die „fette tätowierte gepiercte Tussi“ ist in allererster Linie ein Medienkonstrukt."
Ob durch die Medien angeregt oder auch nicht, es gibt sie leider in Massen. Was zuerst war, die Henne oder das Ei, ist hier unwichtig, die tätowierte Schlampe begegnet mir in Köln fast ebenso häufig, wie die fette Türkin, beiden blickt die Dummheit aus den Augen. Frauen wie Männer treffen sich auf unterstem Niveau, lärmend und unfähig ihren Grill richtig zu benutzen! Deutsche sprechen unsere Sprache ebenso verstümmelt wie die Migranten, denen sie sich anpassen. Sind sie mehr zu bedauern, als wir, die wir deren Zunahme in einem neuen Babylon hinnehmen müssen?

@rumpelstilzchen
Da ich, ebenso wie Sie, von Nonnen erzogen wurde (s. mein Portrait), bewundere ich Ihre Treue zur katholischen Kirche und jedwede Marienverehrung!

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