edition nordost – Schöne Literatur bei Antaios

Die ersten Entwürfe stammen aus dem Jahr 2005, ich habe eben im nordost-Ordner nachgesehen: Mit einem ehemaligen...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Mit­ar­bei­ter ging ich damals eine Lis­te mög­li­cher Nach­dru­cke und Über­set­zun­gen für eine Bel­le­tris­tik-Rei­he bei Antai­os durch. Nun, acht Jah­re spä­ter, ist es soweit: Wir haben zwei Roma­ne und zwei Erzäh­lun­gen aus­ge­wählt, am gra­phi­schen Stil der Bücher gefeilt und Illus­tra­to­ren beschäf­tigt. Das Ergeb­nis steht:

Ab Sep­tem­ber erschei­nen in loser Fol­ge die Kriegs­er­zäh­lun­gen Haupt­mann Pax von Joa­chim Fernau und Die Leucht­ku­geln von Horst Lan­ge und der Casa­Pound-Roman Wer gegen uns?, den wir der­zeit aus dem Ita­lie­ni­schen über­set­zen lassen.

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Zuerst erscheint aber im Sep­tem­ber  Jean Ras­pails düs­te­rer und hell­sich­ti­ger Roman Sie­ben Rei­ter ver­lie­ßen die Stadt. Aus dem fran­zö­si­schen über­setzt hat ihn Horst Föhl, er war damit schon vor einem Jahr fer­tig, seit­her lagert der Text ab. Ich habe den Roman seit­her viel­leicht fünf Mal gele­sen, zwei Mal inten­siv als Lek­tor. Ich mei­ne: Sie­ben Rei­ter ver­lie­ßen die Stadt kann eines der lite­ra­ri­schen Kult­bü­cher der kon­ser­va­ti­ven, rech­ten Sze­ne werden.

Sezes­si­on-Leser wis­sen mit dem namen Ras­pail natür­lich etwas anzu­fan­gen – erst im Juni-Heft war ein Autoren­por­trait über die­sen selt­sam reak­tio­nä­ren Schrift­stel­ler abge­druckt. Legen­där ist sei­ne Dys­to­pie Das Heer­la­ger der Hei­li­gen. Nun also erscheint Sie­ben Rei­ter ver­lie­ßen die Stadt bei uns, und ich mei­ne, daß wir den bes­se­ren Über­set­zer haben. Außer­dem ist die Geschich­te sub­ti­ler, Mar­tin Licht­mesz hat schon früh dar­auf hingewiesen:

In einem Fürs­ten­tum bricht eine Art psy­chi­scher Epi­de­mie aus, die in einen unflä­ti­gen, gewalt­tä­ti­gen Auf­ruhr mün­det und dem geord­ne­ten, lebens­fro­hen und form­schö­nen Land die See­le und den Traum raubt. Wer Wider­stand leis­tet, wird nie­der­ge­macht, wer unent­schie­den war, schlägt sich auf die Sei­te der Maro­deu­re – Halt­lo­sig­keit aller Orten. Der Fürst emp­fängt die letz­ten sie­ben rei­ter sei­ner einst stol­zen Kaval­le­rie, in aller Form, und sen­det sie mit dem Auf­trag aus, den Zustand des Lan­des zu erkun­den, die Toch­ter des Fürs­ten auf­zu­su­chen und für einen Lage­vor­trag wiederzukehren.

Mir fiel bereits wäh­rend der ers­ten Lek­tü­re auf, daß es sich bei den Sie­ben Rei­tern um sie­ben rech­te Typen han­del­te: der Kle­ri­ker rei­tet neben poli­ti­schen Roman­ti­ker, der Preu­ße neben dem Frei­korps-Kadet­ten, der loya­le Sol­dat neben dem Vete­ran. Jeder hofft auf ein ande­res Ziel, und der Ritt wird zu einem Ritt ohne Wie­der­kehr. Das Ende – ich las es am Vor­tag des zwi­schen­tags im ver­gan­ge­nen Okto­ber auf dem Ver­lags­abend vor – ist eben­so ver­blüf­fend wie des­il­lu­sio­nie­rend, birgt aber einen Ausweg …

Illus­triert hat den Roman eine rus­si­sche Künst­le­rin, eine Pro­be ihrer Arbeit zeigt die sie­ben Rei­ter beim Ritt aus der Stadt. Ich bin auf die­ses ers­te Buch der neu­en Rei­he sehr stolz und hofe dar­auf, daß wir die edi­ti­on nord­ost nicht wegen Man­gels an Inter­es­se wie­der ein­stel­len müs­sen. Denn es ist – dar­aus mache ich kei­nen Hehl – ein Wag­nis, einem kon­ser­va­ti­ven, an poli­ti­sche und his­to­ri­sche Lite­ra­tur gewöhn­ten Lese­pu­bli­kum nun plötz­lich Roma­ne nahe­zu­brin­gen (obwohl mir selbst nicht ein­leuch­tet, daß es Leser gibt, die kei­ne Schö­ne Lite­ra­tur zur Hand nehmen).

raspail titel neu 115x190.inddAus die­sem Grund kann man die ers­ten vier Bän­de der edi­ti­on nord­ost sub­skri­bie­ren, und zwar zu einem sehr anstän­di­gen Paketpreis.

Mei­ne Kal­ku­la­ti­on sagt, daß rund drei­hun­dert sol­cher Sub­skrip­ti­ons­pa­ke­te das Expe­ri­ment edi­ti­on nord­ost kal­ku­lier­bar machen. Der Erfolg der ers­ten Prä­sen­ta­ti­on macht mich zuver­sicht­lich: Seit Don­ners­tag ver­gan­ge­ner Woche haben rund 75 Kun­den ein Paket bestellt, dar­un­ter natür­lich etli­che Leser, die ich in die­ser neu­en Antai­os-Lese­ecke erwartete…

In zwei Wochen dru­cken wir Ras­pail und Fernau. Ich bin gespannt, wer bis dahin noch hin­zu­stößt, um an die­sem nächs­ten ver­le­ge­ri­schen Gang teilzunehmen.

Die gesam­te nord­ost-Pla­nung kann man sich hier anse­hen.

 

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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