Sezession
13. Januar 2015

Terror in Frankreich: Kurze Zwischenmeldung

Martin Lichtmesz

Ehe ich zum vierten und letzten Teil meiner Analyse der medialen Auswertung des Terroranschlags auf Charlie Hebdo komme, möchte ich auf Anfrage von einigen Lesern noch ein paar Dinge klären.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Einige haben meinen letzten Beitrag so verstanden, daß ich meinen würde, daß der Terror einer gesteuerten politischen Ablenkung diene. Ich meinte aber vor allem die rhetorische Reduzierung des ganzen Problemkomplexes Einwanderung, Islamisierung usw. auf "Terror" und "Extremismus", um den Bezugsrahmen "offene Gesellschaft" aufrechtzuerhalten und die Diskussionen innerhalb seiner Grenzen einzuzäunen.

Andererseits gebe ich zu, daß meine Überzeugung, daß hier vermutlich faul gespielt wird, inzwischen ziemlich fix eingerastet ist. Charlie Hebdo kann eine Neuauflage von 9/11 sein, womöglich sogar eine "false flag operation" (die üblichen zuständigen Spezis sind schon dran an der Sache). Ich bin auch allmählich überzeugt, daß es ein "deeper game" hinter den sichtbaren Kulissen gibt, über das wir nur spekulieren können.

Insofern halte ich in der Tat gedanklich die Option offen, daß der Terror möglicherweise aus dem einen oder anderen Grund "gelenkt" ist, um eine Strategie der Spannung zu betreiben - aber das ist, wie gesagt, nur eine Spekulation mit einem Fragezeichen, die ich ausgesprochen haben wollte.

Mir geht es vor allem darum, das Anschauungsobjekt zu drehen und von allen Seiten zu betrachten, um die möglichen Perspektiven sehen und darstellen zu können - denn je nach Standpunkt hat die Geschichte verschiedene Dimensionen und Schichten. Dadurch wirkt meine Bestandsaufnahme vielleicht manchmal ein wenig widersprüchlich, aber ich bin selbst noch am Tasten, um zu verstehen, was gerade in den Köpfen passiert.

Ich versuche damit auch, den lawinenartigen Kommentarkuddelmuddel der letzten Tage, den ich schwammartig aufgesogen habe, zu sortieren.  Zur Zeit haben Jedermann und seine Oma eine Meinung zu dem Terror, und zuweilen findet man ein Körnchen Wahrheit auch in den abstrusesten Wortmeldungen. In einem solchen Fall mache ich die Sache lieber noch komplizierter als einfacher.

Einige unruhige Aktivisten sagen mir, daß der Terroranschlag in einem gewissen, makabren Sinne "gut" sei für die aufklärerisch-agitatorische Wirkung, um die Leute aufzuwecken und ihnen über die Gefahren des Islams die Augen zu öffnen. Gewiß werden sich nun viele in ihrem Unbehagen angesichts seiner Ausbreitung in Europa bestätigt fühlen und umzudenken beginnen. Eine Entwicklung, die ohnehin schon lange im Gange ist. Ich kenne ehrlich gesagt überhaupt niemanden mehr, der nicht sieht, daß mit dem flächendeckenden Import islamisch geprägter Völker nach Europa riesige Probleme erwachsen sind - das gilt selbst für Leute, die nur Mainstreamerzeugnisse oder fast gar keine Zeitungen lesen.

Aus genau diesem Grund wird momentan mit allen Mitteln versucht, diese Tendenzen über die "Je suis Charlie"-Kampagne in ein gewünschtes "Framing" umzulenken, um zu verhindern, daß etwa Marine Le Pen oder Pegida davon profitieren, was nur logisch wäre.

Ich glaube aber - und hierbei hilft mir mein inzwischen eingerasteter Zweifel -, daß es, auch aus Geschmacksgründen, angemessen ist, gerade in der jetzigen Situation, wo wir in Gefahr laufen, uns durch den Schock und die Emotionen den Blick trüben und das Hirn aufputschen zu lassen, von einer Ausschlachtung Abstand zu halten, also das Reconquista-Gedöns aufzusparen, bis sich der Rauch verzogen und die Sache abgetropft ist. Ansonsten laufen wir Gefahr, selbst blind Manipulierte des Spiels zu werden.

Was aber nun mit aller Vehemenz gemacht werden kann und muß, ist, die Heuchelei und die Verdrehungen der Presse und der Politiker aufzuzeigen und anzuprangern. Dabei genügt es, strikt im Rahmen des allseits akzeptierten Narrativs zu bleiben, und die Handlungen und Aussagen der Tonangeber an ihm zu messen. Dazu fällt täglich reichliches Material ab, das immer absurdere Züge annimmt.

Islamische Terroristen liquidieren in Frankreich eine komplette Zeitungsredaktion, und die Reaktion Angela Merkels besteht darin, zu sagen: "Der Islam gehört zu Deutschland". Die "offene Gesellschaft" wurde durch Feinde attackiert, die aufgrund einer verfehlten Einwanderungs- und Integrationspolitik in ihr Inneres gelangt sind - und Heribert Prantl fordert noch mehr Einwanderung und noch großzügigere Grenzöffnungen (so wird die "offene" mit der  "weltoffenen" und "grenzoffenen" bzw. "arschoffenen" Gesellschaft verwechselt).

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Was geschieht hier? Will man die "integrations"-unwilligen Muslime mit Umarmungen plattdrücken oder via "Vergebungsterror" à la Bischof Krenn selig mürbe machen? Sind das DDR-artige Symptome eines baldigen Zusammenbruchs? Hat der Wahnsinn Methode oder ist all dies nur ein von Lebenslügenkarzinomen bewirkter Kretinismus?

Hier gilt es einzuhaken, so unerbittlich und hartnäckig es geht.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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