Terror in Frankreich: Kurze Zwischenmeldung

Ehe ich zum vierten und letzten Teil meiner Analyse der medialen Auswertung des Terroranschlags auf Charlie Hebdo komme, möchte ich auf Anfrage von einigen Lesern noch ein paar Dinge klären.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Eini­ge haben mei­nen letz­ten Bei­trag so ver­stan­den, daß ich mei­nen wür­de, daß der Ter­ror einer gesteu­er­ten poli­ti­schen Ablen­kung die­ne. Ich mein­te aber vor allem die rhe­to­ri­sche Redu­zie­rung des gan­zen Pro­blem­kom­ple­xes Ein­wan­de­rung, Isla­mi­sie­rung usw. auf “Ter­ror” und “Extre­mis­mus”, um den Bezugs­rah­men “offe­ne Gesell­schaft” auf­recht­zu­er­hal­ten und die Dis­kus­sio­nen inner­halb sei­ner Gren­zen einzuzäunen.

Ande­rer­seits gebe ich zu, daß mei­ne Über­zeu­gung, daß hier ver­mut­lich faul gespielt wird, inzwi­schen ziem­lich fix ein­ge­ras­tet ist. Char­lie Heb­do kann eine Neu­auf­la­ge von 9/11 sein, womög­lich sogar eine “fal­se flag ope­ra­ti­on” (die übli­chen zustän­di­gen Spe­zis sind schon dran an der Sache). Ich bin auch all­mäh­lich über­zeugt, daß es ein “deeper game” hin­ter den sicht­ba­ren Kulis­sen gibt, über das wir nur spe­ku­lie­ren können.

Inso­fern hal­te ich in der Tat gedank­lich die Opti­on offen, daß der Ter­ror mög­li­cher­wei­se aus dem einen oder ande­ren Grund “gelenkt” ist, um eine Stra­te­gie der Span­nung zu betrei­ben – aber das ist, wie gesagt, nur eine Spe­ku­la­ti­on mit einem Fra­ge­zei­chen, die ich aus­ge­spro­chen haben wollte.

Mir geht es vor allem dar­um, das Anschau­ungs­ob­jekt zu dre­hen und von allen Sei­ten zu betrach­ten, um die mög­li­chen Per­spek­ti­ven sehen und dar­stel­len zu kön­nen – denn je nach Stand­punkt hat die Geschich­te ver­schie­de­ne Dimen­sio­nen und Schich­ten. Dadurch wirkt mei­ne Bestands­auf­nah­me viel­leicht manch­mal ein wenig wider­sprüch­lich, aber ich bin selbst noch am Tas­ten, um zu ver­ste­hen, was gera­de in den Köp­fen passiert.

Ich ver­su­che damit auch, den lawi­nen­ar­ti­gen Kom­men­tar­kud­del­mud­del der letz­ten Tage, den ich schwamm­ar­tig auf­ge­so­gen habe, zu sor­tie­ren.  Zur Zeit haben Jeder­mann und sei­ne Oma eine Mei­nung zu dem Ter­ror, und zuwei­len fin­det man ein Körn­chen Wahr­heit auch in den abstru­ses­ten Wort­mel­dun­gen. In einem sol­chen Fall mache ich die Sache lie­ber noch kom­pli­zier­ter als einfacher.

Eini­ge unru­hi­ge Akti­vis­ten sagen mir, daß der Ter­ror­an­schlag in einem gewis­sen, maka­bren Sin­ne “gut” sei für die auf­klä­re­risch-agi­ta­to­ri­sche Wir­kung, um die Leu­te auf­zu­we­cken und ihnen über die Gefah­ren des Islams die Augen zu öff­nen. Gewiß wer­den sich nun vie­le in ihrem Unbe­ha­gen ange­sichts sei­ner Aus­brei­tung in Euro­pa bestä­tigt füh­len und umzu­den­ken begin­nen. Eine Ent­wick­lung, die ohne­hin schon lan­ge im Gan­ge ist. Ich ken­ne ehr­lich gesagt über­haupt nie­man­den mehr, der nicht sieht, daß mit dem flä­chen­de­cken­den Import isla­misch gepräg­ter Völ­ker nach Euro­pa rie­si­ge Pro­ble­me erwach­sen sind – das gilt selbst für Leu­te, die nur Main­strea­mer­zeug­nis­se oder fast gar kei­ne Zei­tun­gen lesen.

Aus genau die­sem Grund wird momen­tan mit allen Mit­teln ver­sucht, die­se Ten­den­zen über die “Je suis Charlie”-Kampagne in ein gewünsch­tes “Framing” umzu­len­ken, um zu ver­hin­dern, daß etwa Mari­ne Le Pen oder Pegi­da davon pro­fi­tie­ren, was nur logisch wäre.

Ich glau­be aber – und hier­bei hilft mir mein inzwi­schen ein­ge­ras­te­ter Zwei­fel -, daß es, auch aus Geschmacks­grün­den, ange­mes­sen ist, gera­de in der jet­zi­gen Situa­ti­on, wo wir in Gefahr lau­fen, uns durch den Schock und die Emo­tio­nen den Blick trü­ben und das Hirn auf­put­schen zu las­sen, von einer Aus­schlach­tung Abstand zu hal­ten, also das Recon­quis­ta-Gedöns auf­zu­spa­ren, bis sich der Rauch ver­zo­gen und die Sache abge­tropft ist. Ansons­ten lau­fen wir Gefahr, selbst blind Mani­pu­lier­te des Spiels zu werden.

Was aber nun mit aller Vehe­menz gemacht wer­den kann und muß, ist, die Heu­che­lei und die Ver­dre­hun­gen der Pres­se und der Poli­ti­ker auf­zu­zei­gen und anzu­pran­gern. Dabei genügt es, strikt im Rah­men des all­seits akzep­tier­ten Nar­ra­tivs zu blei­ben, und die Hand­lun­gen und Aus­sa­gen der Ton­an­ge­ber an ihm zu mes­sen. Dazu fällt täg­lich reich­li­ches Mate­ri­al ab, das immer absur­de­re Züge annimmt.

Isla­mi­sche Ter­ro­ris­ten liqui­die­ren in Frank­reich eine kom­plet­te Zei­tungs­re­dak­ti­on, und die Reak­ti­on Ange­la Mer­kels besteht dar­in, zu sagen: “Der Islam gehört zu Deutsch­land”. Die “offe­ne Gesell­schaft” wur­de durch Fein­de atta­ckiert, die auf­grund einer ver­fehl­ten Ein­wan­de­rungs- und Inte­gra­ti­ons­po­li­tik in ihr Inne­res gelangt sind – und Heri­bert Prantl for­dert noch mehr Ein­wan­de­rung und noch groß­zü­gi­ge­re Grenz­öff­nun­gen (so wird die “offe­ne” mit der  “welt­of­fe­nen” und “grenz­of­fe­nen” bzw. “arsch­of­fe­nen” Gesell­schaft verwechselt).

Was geschieht hier? Will man die “integrations”-unwilligen Mus­li­me mit Umar­mun­gen platt­drü­cken oder via “Ver­ge­bungs­ter­ror” à la Bischof Krenn selig mür­be machen? Sind das DDR-arti­ge Sym­pto­me eines bal­di­gen Zusam­men­bruchs? Hat der Wahn­sinn Metho­de oder ist all dies nur ein von Lebens­lü­gen­kar­zi­no­men bewirk­ter Kretinismus?

Hier gilt es ein­zu­ha­ken, so uner­bitt­lich und hart­nä­ckig es geht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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