Lichtmesz: “Kann nur ein Gott uns retten?” – Leserrezension II

gottlichtmeszGestern war Einsendeschluß für die Leserrezensionen des Buches "Kann nur ein Gott uns retten?" von Martin Lichtmesz. Uns liegen neun Besprechungen vor, drei oder vier davon werden wir veröffentlichen. Mit Andreas Städters Notizen haben wir begonnen, heute ist "Ein gebürtiger Hesse" dran, der den Lesern durch seine Kommentare in unserem Netz-Tagebuch ein Begriff sein könnte. Hier seine Rezension:

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Die Lek­tü­re eines Buchs mit einem Traum zu ver­glei­chen, der im Schlaf eine abso­lu­te Erfah­rung war, im Wachen aber nur­mehr ein undeut­li­cher Gedan­ke ist, mag kokett oder abwe­gig erschei­nen. Und doch sehe ich kein ande­res Bild, das sich mehr anbie­ten wür­de, wenn ich an die zwei außer­or­dent­li­chen Wochen mei­ner Lek­tü­re des jüngs­ten Buchs von Mar­tin Licht­mesz denke.

Wür­de mich einer fra­gen, was ich aus dem Werk, und sei es nur aus ein­zel­nen Kapi­teln, erfah­ren und gewon­nen habe, könn­te ich (womög­lich) Inhal­te refe­rie­ren. Doch wüß­te ich, daß wie bei den meis­ten Traum­er­in­ne­run­gen eines fehl­te: der ganz beson­de­re Ver­lauf, der unwie­der­hol­ba­re Duk­tus des Traums, mit dem er sei­ne Inhal­te auf­ein­an­der fol­gen und einen aus dem ande­ren her­vor­ge­hen ließ. Oft habe ich in sol­chen Fäl­len das Gefühl, daß die Essenz des Mit­ge­teil­ten gera­de in der Weit­räu­mig­keit des zurück­ge­leg­ten Par­cous liegt, mehr noch als in der ein­zel­nen Etappe.

Licht­mesz nennt sein Buch „das Pro­to­koll einer per­sön­li­chen Rei­se, eine Wan­de­rung durch einen ‚Wald‘, deren Aus­gang zu ihrem Beginn noch nicht fest­stand“. Und wei­ter: „Mir blieb auf dem Weg nichts ande­res übrig, als einen Baum nach dem ande­ren so zu beschrei­ben, wie in mein Blick­feld geriet; ich hof­fe, daß am Ende zumin­dest der Umriß des wei­ten laby­rin­thisch durch­setz­ten Gebie­tes erkenn­bar gewor­den ist.“ Ganz abge­se­hen davon, daß sich sei­ne Hoff­nung beein­dru­ckend erfüllt (je län­ger die Wan­de­rung währt, je wei­ter man kommt, des­to deut­li­cher wird das durch­streif­te Gelän­de in sei­ner Grö­ße, Abgrün­dig­keit und Dras­tik), beschreibt die Meta­pher genau genom­men den tat­säch­li­chen Weg, den nicht allein der Autor, son­dern – in einer stau­nens­wer­ten, fast magisch anmu­ten­den Ana­lo­gie – auch sein Leser einschlägt.

Wenn Licht­mesz in einem Kapi­tel etwa von eini­gen Sze­nen eines Films von Robert Bres­son aus­geht, von die­sen auf die Fra­ge kommt, wie ein Mensch in Zei­ten der Auf­lö­sung des cor­pus mys­ti­cum sich noch meta­phy­sisch ver­or­ten kann, von die­ser auf eine Pro­phe­zei­ung des Staats­theo­re­ti­kers Juan Dono­so Cor­tés, davon wie­der­um zu dem selt­sa­men Schlag Men­schen, die heu­te zu Wider­ständ­lern, Sub­ver­si­ven, Dis­si­den­ten und Sezes­sio­nis­ten wer­den, und schließ­lich zu zwei Stu­di­en von Colin Wil­son, wel­che eine Asso­zia­ti­on zu eini­gen Gedan­ken von Charles Péguy her­stel­len … dann sind dies die „Bäu­me“, die sich auf einem Teil­be­reich sei­nes „Wald­gangs“ auftun.

Der Witz (und für mich die größ­te Leis­tung des Buchs) ist jedoch, daß all die­se Quel­len, die an sich frei­lich unver­bun­den sind, fern­ab jeder Will­kür als voll­kom­men inein­an­der ver­schränkt erschei­nen. Wie auch im Traum die Bil­der und Ereig­nis­se nicht bloß anein­an­der­ge­reiht sind, son­dern eins sich aus dem ande­ren ent­puppt – wobei der Ver­lauf als eigen­stän­di­ge Qua­li­tät immer spür­bar bleibt, das Ein­zel­ne nie ohne das Gan­ze auf uns wirkt –, erscheint das „Mate­ri­al“, das Licht­mesz benutzt, wie von einem gehei­men inne­ren Atem beseelt zu sein, das es in frag­lo­ser Kon­se­quenz anein­an­der­fügt (so als wäre es das schon immer gewesen).

Auch der Leser, ähn­lich dem Träu­mer, wird davon ergrif­fen, staunt über alles, aber wun­dert sich über nichts. Wie Licht­mesz es dazu gebracht hat? In der „Kulturkritik“-Nummer der Sezes­si­on sag­te er an einer Stel­le bei­läu­fig, er gehe „von einer Ebe­ne der Inten­si­tät“ aus. Ich könn­te mir vor­stel­len, daß dies bereits der Schlüs­sel ist. In der Inten­si­tät ent­wirft der Ergrif­fe­ne eine Art Bild, in dem alles ent­hal­ten ist: das was war, das was ist und was sein wird, die Geschich­te der Ver­gan­gen­heit und die der Zukunft, die Din­ge, die wir beses­sen haben und die wir besit­zen wer­den, all dies erwar­tet uns irgend­wo in sei­nem unru­hi­gen Laby­rinth. Nehmt ihr, die ein­tre­tet, eure Hoff­nun­gen nur mit – sie wer­den nicht ent­täuscht werden.

Noch ein Wort zur Buch­ge­stal­tung: hier hat sich die von Antai­os beauf­trag­te Werk­statt mal wie­der über­trof­fen. Durch die ver­schie­de­nen Licht­wer­te des Grau, das sich über­all fin­det (auch auf dem Vor­satz) erscheint nicht nur das Umschlag­fo­to, son­dern letzt­lich das gan­ze Buch in erle­se­nem Schwarz­weiß. Ein zutiefst schö­ner und tref­fen­der Effekt.

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Kommentare (14)

Demiurg

21. Januar 2015 10:00

Eine sprachlich sehr schöne Rezension. Allerdings fehlen doch gerde die Punkte, die man diskutieren muss, wenn der "Traum" langsam als solcher erkannt wird.

Monika

21. Januar 2015 12:32

Ein Christ, der mit seinem Christentum ernst macht, muß ein Linker sein.

Armin Mohler

Nein, spätestens seit diesem Buch gilt:
Ein Christ ( besser : Gottsuchender) , der mit der "Gottesfrage" ernst macht, kann kein Linker sein.
Das erscheint wie das Aufwachen aus einem Traum, in dem Bilder aneinandergereiht waren. Doch dieser Traum hat eine starke Bedeutung für unsere Wirklichkeit. Der gebürtige Hesse hat das sehr schön beschrieben.
Gelebter Glaube ist immer eine Wanderung, eine Suche.
Kein Dogma, kein Götze ersetzt unsere persönliche Gottsuche, wenn wir wirklich ernsthaft suchen, werden alle Theorien und Ideologien zerbrechen.
Die einzelnen Kapitel sind wie Wegmarken, aber sie ersetzen nicht das Gehen.
Fazit: " Prochristliche Intellektuelle" können keine Dogmatiker sein ((Kirchenfunktionäre) und auch keine Charlies.
Sie treibt die Sehnsucht nach Glaube, Hoffnung und Liebe ( hier noch in der vagen Form des Standhaltend) . Noch ist es nicht Zeit, sich zu ergeben !

Die tragischsten Vertreter des Christentums sind derzeit Personen, die Dogma und Charlie in Personalunion verkörpern. Sie haben den Weg und das Ziel verloren:
https://www.derwesten.de/staedte/emmerich/bischof-felix-genn-entzieht-emmericher-predigterlaubnis-id10255766.html
Die kann wirklich nur noch ein Gott retten !

Reichsvogt

21. Januar 2015 13:37

@Monika
Die katholischen Intellektuellen (Literaten), insbesondere die von Lichtmesz gebrachten (z.B Chesterton), waren alle Freunde der Dogmen! Das nannte Davila sinngemäß die "wunderbare Unverschämtheit der Doktrin" der katholischen Kirche. Chesterton verglich die Dogmen mit einem Zaun auf einer Steilküsteninsel, der es erst ermöglich ohne Angst umherzutollen. Und überhaupt: Welcher Kirchenfunktionär kennt sich noch mit Dogmen aus und nimmt diese ernst?

Monika

21. Januar 2015 15:42

@ Reichsvogt

Jesus war kein Dogmatiker. Hans Küng war Dogmatiker.
Es geht hier nicht darum, die theologische Disziplin der Dogmatik zu desavouieren.

Aber: Wertkonservativ an die Gottesfrage heranzugehen, heißt nicht, dogmatisch an die Gottesfrage heranzugehen.

Lichtmesz stellt die Gottesfrage nicht theologisch, kann sie deshalb auch nicht beantworten. Und will das wahrscheinlich auch nicht. Das könnte man auch "metaphysische Bescheidenheit" nennen.
Gleichwohl ist sein Fragen von einem Ernst geprägt, der jedem Theologen gut anstehen würde.
Lichtmesz' Wille zum Denken ist noch nicht erlahmt ( Heimito von Doderer)
Das ist beruhigend für all die, für die ein erfülltes Leben ohne Gott zwar möglich, aber irgendwie doch sinnlos ist.
Oder für die, die die Atheist Bus Campain ( Es gibt wahrscheinlich keinen Gott . Mach dir keine Sorgen und genieß das Leben) nur deprimierend finden.
Oder für die, die nicht Charlie sein wollen.

Ein Fremder aus Elea

21. Januar 2015 18:01

Reichsvogt,

sicher, die Dogmen der katholischen Kirche sind ja auch eine Unverschämtheit.

Es sind hölzerne Früchte, hölzerne Äpfel, hölzerne Birnen, hölzerne Kartoffeln, hölzerne Karotten, welche der Gläubige unter großen Schmerzen schlucken muß, während der Priester mit Wohlgefallen zuschaut, sich darüber freuend, daß sie nicht verdaut werden können und also auch nicht ihre Form ändern können, sondern immer in der gleichen Form im Gläubigen bleiben und selbst, wenn sie ihn wieder verlassen, immer noch in der gleichen Form sein werden, und wenn sie dann jemand irgendwo auf dem Feld ausgeschieden liegen sieht, so steht vor ihm immer noch die einzig wahre Lehre, in hölzerner Form zwar nur, aber wenn er in der Lage ist den Schritt vom Bild zur wahren Frucht zu vollziehen, so werden sie ihn rechtleiten.

Also, zusammengefaßt, die katholische Kirche benutzt die Katholiken als Papier, auf welches sie ihre Dogmen schreibt.

Ob das was mit links oder rechts zu tun hat, vermag ich indes nicht zu sagen.

Reichsvogt

21. Januar 2015 21:38

Ich mag Dogmen. Katholische Kirche ohne Dogmen? Undenkbar. Aufstand gegen kirchliche Dogmen? Eher progressistisch/links für mich.

Gerry

21. Januar 2015 22:11

@Monika

Jesus Christus ist kein Dogmatiker? Was ist mit "Niemand kommt zum Vater denn durch mich"? Oder "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!" Der Unterschied zu den menschlichen Theologen ist vielleicht, dass Jesu Aussagen quasi christliche Naturgesetze darstellen, und die anderen dem Lauf der Zeit unterworfen.

Monika

22. Januar 2015 09:38

@Gerry
Jesus ist in dem Sinne kein Dogmatiker, als er kein Theologe ist.
Für den Gläubigen ist Er der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Aus theologischer Sicht kann man die Heilstat Jesu Christi durchaus als Urdogma bezeichen. Hans Urs von Balthasar entfaltet dieses theologumenon:
https://www.johannes-verlag.de/0317.htm

Ein Fremder aus Elea

22. Januar 2015 12:43

Gerry,

falls es Sie interessiert: "Niemand kommt zum Vater denn durch mich." bedeutet, daß Sie als Christ in einer durch Christus geprägten Kultur an seine Konzeption der Heilsgeschichte anknüpfen müssen, um sinnerfüllt leben zu können.

Das ist schon fast eine Tautologie.

Es gibt unzählige Reformulierungen davon: Von seiner Fülle haben wir alle genommen... und so weiter.

Unsere Idealvorstellungen sind christlich und im Neuen Testament kodiert, und wenn wir es nicht schaffen, an sie anzuknüpfen, werden wir keinen Frieden haben. Es wird stets ein Auflehnung des Verstandes gegen das Herz sein, denn das Herz ist durch den Spender des Trösters gebunden, um es einmal so zi sagen.

Nichts gegen Dogmen an sich. Wenn sie nur verständlich sind und man was mit ihnen anfangen kann.

Schwabing

23. Januar 2015 12:01

"Nichts gegen Dogmen an sich". Nein, ganz und gar nicht! Im Gegenteil, das Ringen um das Dogma und der anschließende Umgang mit dem Dogma, wie er in der Konzilsgeschichte zum Ausdruck kommt, ist, wie ich finde, ein einzigartiger kulturhistorischer Vorgang- man nehme nur das Konzil von Nicäa als Beispiel. Das sind keineswegs theologische Glasperlenspiele, sondern ganz grundlegende Fragen (Trinitätslehre), die dort verhandelt wurden. Und, natürlich "Fremder aus Elea", sind sie nicht hölzerne Früchte, sondern zeitgenössischer Interpretation durchaus zugänglich, wie zB das gemeinsame Papier der Kirchen zur Rechtfertigungslehre beweist.

neocromagnon

23. Januar 2015 20:52

@Monika
Er ist es nicht nur für die Gläubigen. Wenn Christus der Schöpfer persönlich ist, dann ist sein Wort nicht relativierbar und tatsächlich ist dann nur er der Weg. Wenn er es nicht ist, dann stimmt alles nicht.
Und von wegen Dogmatik. Der Mensch steht ja bei der Frage nach dem "Dahinter" oder dem "Warum" immer vollkommen hilflos in der Gegend herum. Da nutzen ihm auch eigene vermeintliche Erkenntnisse wenig, da sie nicht überprüfbar sind, also nicht im naturwissenschaftlichen Sinne gewusst werden können.
Man kann letzen Endes nur auf die Überlieferungen (und deren Hüter) vertrauen und dann ist es notwendig, daß sie eindeutig und von autorisierter Stelle "verifiziert" sind. Und ich glaube auch nicht, daß es heute noch eine katholische Kirche gäbe, wenn diese nicht dogmatisch wäre.

Matthew Hern

25. Januar 2015 10:28

An Dogmen glaubt nur, wer den Weg nicht gegangen ist. Sie sind tatsächlich ein "Zaun" (Chesterton), damit die Kinder nicht rüber klettern. Erwachsene lassen sich von Zäunen, Holzäpfeln und Ammenmäerchen nicht aufhalten. Die Mystiker sind der Beweis dafür und sie sind diejenigen, die tatsächlich Gott erfahren haben UND gleichzeitig mit den Dogmatikern aneinander geraten sind. Dogmatiker sind immer auch Kleingeister und Ängstliche. Wahrscheinlich ist Jesu Lehre ein Einweihungsweg für wenige, initiierte Mysten gewesen, denen er seinen Weg zur Schau des Göttlichen vermittelte, so dass sie eine Art von Selbst-Vergöttlichung erfuhren. Durch den Zufall der Geschichte ist es dann eine Lehre für die Massen geworden und von den meisten nie wirklich verstanden worden. Aber eine Religion ist gut, weil sie Menschen hilft bessere Menschen zu werden. Sie muss gar nicht jeden zur Erfahrung des Transzendenten führen.

"Er der Weg, die Wahrheit und das Leben." Wenn solche Sätze von Jesus von Nazareth wörtlich genommen werden, erzeugen sie nur Miskonzeptionen und Verirrungen. Man müsste den Satz im Original lesen, wahrscheinlich in Aramäisch, wie es zu Jesu Zeiten gesprochen wurde. Dann müsste jedes einzelne Wort aus seine geheimen und subtilen Bedeutungen im Kontext jüdischer Spiritualität vor 2000 Jahren analysiert werden. Nur dann - in Verbindung mit eigenen mystischen Erfahrungen - könnte man hoffen die ursprüngliche Bedeutung zu erahnen. Alles andere ist Afterglaube, um Kant zu zitieren.

Weg, wahrheit, Leben und Christus als Jungscher Archetyp des Selbst - vielleicht wäre das eine erste Annährung... Alles andere ist für die Buchstabengläubigen und Pharisäer.

Das Buch klingt spannend! Eine sehr gute Rezension, Hesse! Ach ja, vielleicht wäre Hermann Hesse auch ein Zugang. Wie dem auch sei, es zeigt sich, dass das Buch von Martin Lichtmesz so spannend ist wie die echte Person selbst. Ein wahrer Gottsuchender! Ein Christ, den selbst ein Heide respektieren kann.

Monika

25. Januar 2015 11:14

@Gerry und neocromagnon

Dogma und Erfahrung schließen sich nicht aus. Der englische Philosoph Alfred North Whitehead ( 1861-1947) begreift die Dogmen der Religion als Ansätze, die in der religiösen Erfahrung der Menschheit enthüllten Wahrheiten präzise zu formulieren. ( "Wie entsteht Religion")
Die Wahrheit der christlichen Religion ist so in die Postmoderne hinein zu formulieren.
Und die Erfahrung der Postmoderne verlangt nach einer tieferen Dogmatik als es die apodiktische Ablehnung eines Wertepluralismus durch wertkonservative Theologen postuliert.
"Credo", von Josef Ratzinger stößt m. E. nicht in diese Tiefen vor.

Es gehört zur Tiefe des religiösen Geistes, sich verlassen gefühlt zu haben, selbst von Gott.
Whitehead

Diese Tiefen sind noch nicht ausgelotet.
Das Buch von Martin Lichtmesz ist der gelungene Versuch einer Auslotung.

Gustav Grambauer

25. Januar 2015 16:28

Herr Lichtmesz, ich habe die Lektüre Ihres Buches noch vor mir, deshalb mag meine Einlassung unqualifiziert sein. Auch quäle ich Sie heute wieder ein wenig:

Schon aus der Logik der Apokalypse heraus kann der Weg zu Gott - auf individueller Ebene, auf kollektiver Ebene gilt anderes - niemals blockiert sein, die Blockaden erlegt man sich immer nur selbst auf.

Es gibt genügend Zugänge und es gibt genügend Mittel (beide ganz sicher nicht vermittelt über die Großkirchen), um diese Blockaden zu durchbrechen. Das wohltuende daran ist, daß sie zugleich direkt oder indirekt das Verständnis für das kollektive apokalyptische Szenario eröffnen KÖNNEN (!!!), und hier schließt sich der Kreis.

"KÖNNEN", denn ich räume ein, daß ich so manchen, der sich diesen Zugängen anvertraut hat, in der geschlossenen Psychiatrie besuchen mußte.

Ich predige Wasser und trinke Wein: die "Sektenbeauftragten" der Großkirchen haben aus meiner Sicht eigentlich eine sehr begrüßenswerte hygienische Funktion, aber wer sich - individuell - ernsthaft auf den Weg zu Gott macht, muß an denen schon vorbei.

(Wobei die meisten und exemplarisch Pfarrer Gandow allerdings von den roten Bischöfen als politische Abwehr-Offiziere eingesetzt sind, die meisten sog. "Sekten" sind nämlich auf irgendeine Art stramm reaktionär - und daß diese Feiglinge sich dann an die eminent destruktiven Sekten nicht herantrauen sondern sich an den kleinen, organisatorisch schwachen vergreifen und welche Methoden sie anwenden, ist eine andere Frage.)

Ich räume wiederum ein, daß mehr als 99 % der Angebote auf dem Occulta-Markt den verwirrten transzendentalen Sitzpinkler nur noch mehr in die Irre führen. Insofern ist keines der dortigen Angebote etwas für Leute mit schwachem Ich, genauso wie Frenchman es unter der ersten Rezension aus Sicht des Atheisten sagt.

Aber umso spannender, den tatsächlich gegebenen Zugang zu finden.

"Jesus war klein Dogmatiker".

"Gib mir einen festen Punkt ...".

Allein der Duktus "Ich aber sage euch" ist für den als Rattenplage (Strauß) grassierenden Kommunikations-Pöbel DER Stachel im Fleisch. Und wer diese Spannung nicht in vollen Zügen auskoste, dem fehlt einfach die dramaturgische Ader oder wie Sie sagen würden: das Herz.

- G. G.

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