Gibt es einen Linksextremismus der Mitte?

Die Publikation der Studie des an der FU Berlin tätigen Politikwissenschaftlers Klaus Schroeder über die "demokratiegefährdenden Potenziale des Linksextremismus" hat mich ebenso positiv überrascht wie ihre bereitwillige Rezeption in den Medien.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Schroe­der stellt dar­in das in den letz­ten Jah­ren ins­be­son­de­re von der Fried­rich-Ebert-Stif­tung ver­brei­te­te Bild vom angeb­lich rechts­dre­hen­den “Extre­mis­mus der Mit­te” mehr oder weni­ger auf den Kopf – und damit die Wirk­lich­keit auf die Füße.

Die Jun­ge Frei­heit berichtete:

Die deut­sche Gesell­schaft hat sich nach Ansicht des Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Klaus Schroe­der nach links ver­scho­ben. „Gene­rell ist die Gesell­schaft nach links gerückt und die Par­tei­en auch“, sag­te Schroe­der im Inter­view mit Zeit Online. Aller­dings nicht so weit, daß man von „links­ra­di­kal oder links­ex­trem“ spre­chen könne.

Es gebe einen gewis­sen Zeit­geist, der mit Wil­ly Brandt schon ein­mal nach links gerückt sei und mit Hel­mut Kohl dann eher nach rechts. „Und jetzt mit Mer­kel eben deut­lich nach links. Die Leu­te den­ken dann zwar links, wäh­len aber trotz­dem Mer­kel“, erläu­ter­te der Politikwissenschaftler.

Zu dem Ergeb­nis kommt Schroe­der auf­grund der Ergeb­nis­se sei­ner jüngs­ten Unter­su­chung „Gegen Staat und Kapi­tal – für die Revo­lu­ti­on“. Dem­nach sind links­ex­tre­me Ansich­ten in der Gesell­schaft wei­ter ver­brei­tet, als bis­lang ange­nom­men. So tei­le etwa jeder sechs­te Deut­sche links­ra­di­ka­le oder links­ex­tre­me Posi­tio­nen, jeder fünf­te plä­die­re sogar für eine Revolution.

Das „links­ex­tre­mis­ti­sche Per­so­nen­po­ten­ti­al“ in der Bevöl­ke­rung liegt laut der Stu­die bei 17 Pro­zent und ist in Mit­te­deutsch­land mit 28 Pro­zent wesent­lich stär­ker ver­brei­tet als im Wes­ten (14 Pro­zent). Ein geschlos­se­nes links­ex­tre­mes Welt- und Gesell­schafts­bild wie­sen deutsch­land­weit etwa vier Pro­zent der für die Unter­su­chung Befrag­ten auf.

Die Ergeb­nis­se der Stu­die selbst sind für kri­ti­sche Beob­ach­ter der bun­tes­deut­schen Repu­blik frei­lich alles ande­re als über­ra­schend. Frank Böckel­mann brach­te die Lage in sei­nem Buch “Jar­gon der Welt­of­fen­heit” mit apho­ris­ti­scher Ver­knap­pung auf den Punkt:

Wer sich als “links” tauft, kün­digt an, noch hart­nä­cki­ger for­dern zu wol­len, was alle ande­ren eben­falls fordern.

Rufen wir uns den Hin­ter­grund des Schlag­wor­tes vom “Extre­mis­mus der Mit­te” noch ein­mal ins Gedächt­nis. Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge defi­niert ihn in sei­nem gran­dio­sen neu­en Buch “Die Spra­che der BRD” folgendermaßen:

Die Phra­se vom »Extre­mis­mus der Mit­te« bzw. vom Rechts­ex­tre­mis­mus, der »in der Mit­te der Gesell­schaft« ange­kom­men sei, spie­gelt, wenn auch in dem­ago­gi­scher Ver­zer­rung, den objek­ti­ven Sach­ver­halt wie­der, daß die gesell­schaft­li­chen Macht­eli­ten und die ihnen zuar­bei­ten­den lin­ken Ideo­lo­gen die Mehr­heit des Vol­kes gegen sich haben. Dies nicht etwa des­halb, weil die­ses Volk nach rechts gewan­dert wäre (wie sie glau­ben machen möch­ten), son­dern weil sie selbst immer wei­ter nach links gerückt sind, Ideo­lo­gien ver­tre­ten, die noch vor drei­ßig Jah­ren als links­ra­di­ka­le Spin­ne­rei gal­ten, jede Bin­dung ans Volk ver­lo­ren haben und immer offe­ner eine von uto­pis­ti­schen Wahn­ideen befeu­er­te Destruk­ti­ons­po­li­tik betrei­ben, die dar­auf abzielt, nicht weni­ger den Natio­nal­staat, die Völ­ker, die Fami­lie und die Reli­gi­on aus der Welt zu schaf­fen, und da eine sol­che Poli­tik mit ver­fas­sungs­kon­for­men Mit­teln nicht durch­setz­bar und mit einer demo­kra­ti­schen Ver­fas­sung nicht ver­ein­bar ist, müs­sen am Ende auch die Mei­nungs­frei­heit, die Rechts­staat­lich­keit und die Demo­kra­tie dran glauben.

Wir haben es mit der Herr­schaft von Men­schen zu tun, die das Ziel der voll­stän­di­gen Umwer­tung aller Wer­te und der Umwäl­zung der Grund­la­gen von Staat und Gesell­schaft ver­fol­gen. Da vie­le die­ser Leu­te für sich in Anspruch neh­men, die poli­ti­sche Mit­te zu ver­kör­pern, gewinnt das Schlag­wort vom »Extre­mis­mus der Mit­te« einen von sei­nen Erfin­dern durch­aus nicht inten­dier­ten iro­ni­schen Doppelsinn.

 Per­spek­ti­visch gese­hen sind die dia­me­tra­len Bewer­tun­gen der “Mit­te” durch die Fried­rich-Ebert-Stif­tung und Klaus Schroe­ders also durch­aus kon­gru­ent. Weit­ge­hend han­delt es sich hier um Defi­ni­ti­ons­fra­gen. Daß die Lin­ke in hohem Maße die “kul­tu­rel­le Hege­mo­nie” inne­hat, zeigt sich schon allein dar­an, daß der Begriff “links” für die Mehr­heit der Gesell­schaft per se posi­tiv, der Begriff “rechts” per se nega­tiv besetzt ist.

Die­se Vor­stel­lung hat sich inzwi­schen sub­ku­tan der­art flä­chen­de­ckend durch­ge­setzt, daß sie kaum mehr als ein Kon­strukt mit bestimm­ten Prä­mis­sen wahr­ge­nom­men wird. Ein Bei­spiel wäre etwa die Titel­sei­te des aktu­el­len Pro­fils (9/2015), auf der zu lesen ist:

Tsi­pras, Igle­si­as, Fay­mann: Ehr­lich links oder ver­lo­gen populistisch?

Dies impli­ziert wie selbst­ver­ständ­lich einen Gegen­satz zwi­schen “ehr­lich links” einer­seits und “ver­lo­gen”, “popu­lis­tisch” oder “ver­lo­gen popu­lis­tisch” ande­rer­seits. Umge­kehrt wür­de kei­ne Zei­tung schrei­ben: “Fara­ge, Gau­land, Le Pen, Stra­che: Ehr­lich rechts oder ver­lo­gen popu­lis­tisch?”, weil ja “rechts” zumeist ohne­hin mit “ver­lo­gen”, “popu­lis­tisch” und Schlim­me­rem gleich­ge­setzt wird.

Begrif­fe, die auf der Lin­ken gemünzt und geprägt wor­den sind, bestim­men heu­te die poli­ti­schen Dis­kur­se, der­art, daß selbst Wider­spruch gegen lin­ke Poli­tik kaum außer­halb des gesetz­ten Begriff­rah­mens for­mu­liert wer­den kann. Also gibt es auch hier einen kla­ren Feld­vor­teil der Linken.

Ver­mut­lich wäre es ein leich­tes, bei vie­len Befrag­ten, deren Ant­wor­ten andern­orts als Bei­spie­le für eine Rechts­ver­schie­bung der Mit­te gewer­tet wer­den, eben­so­vie­le, wenn nicht mehr, lin­ke Vor­stel­lun­gen und Über­zeu­gun­gen vor­zu­fin­den. Ich wür­de sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heu­te mehr oder weni­ger zu einem gewis­sen Gra­de “links” ist, sogar die­je­ni­gen, die sich für “rechts” oder “kon­ser­va­tiv” halten.

Die Effek­ti­vi­tät der ein­schlä­gi­gen Schlag­wor­te, selbst der dümms­ten und hohls­ten, ver­blüfft mich immer wie­der. Sie funk­tio­nie­ren inzwi­schen wie Knöp­fe auf einem Auto­ma­ten, ohne Ver­zö­ge­rung, Reflek­ti­on, unter Aus­schluß jeg­li­cher Ratio­na­li­tät. Wann auch immer jemand, sei es auch nur andeu­tungs­wei­se oder mode­rat-rela­ti­vie­rend, sei es pole­misch oder argu­men­ta­tiv gut begrün­det, es wagt, sei­ne Stim­me gegen den ein­schlä­fern­den Sound des gän­gi­gen Jar­gons zu erhe­ben, kann er mit mathe­ma­ti­scher Zuver­läs­sig­keit mit Hor­den von Wider­spruchs­ro­bo­tern rech­nen, die sich ihm mit dem Slo­gan “XY ist bunt! Wir leben Viel­falt!“ entgegenstellen.

Auch an die­ser Stel­le kann ich es mir nicht ver­bei­ßen, Klei­ne-Hart­la­ge aus­gie­big zu zitieren:

Kaum jemand hät­te sich wohl vor zwan­zig Jah­ren vor­stel­len kön­nen, wel­che Kar­rie­re ein­mal das Wort »bunt« machen wür­de: Wer in der meist­be­nutz­te Such­ma­schi­ne nach »bunt« sucht, stößt nicht etwa auf die Beschrei­bung von Kin­der­ge­burts­tags­fei­ern, son­dern über­wie­gend auf Web­sei­ten, die einen poli­ti­schen Anspruch erhe­ben, dabei aber reich­lich ste­reo­typ (in jedem Fall aber alles ande­re als bunt) daher­kom­men: unter ande­rem »Mün­chen ist bunt«, »Wei­den ist bunt«, »Bad Nenn­dorf ist bunt«, »Grä­fen­berg ist bunt«, »Vor­pom­mern ist bunt« – und damit sich auch ja nie­mand fal­sche Vor­stel­lun­gen macht, was unter der erwünsch­ten »Bunt­heit« zu ver­ste­hen ist, fol­gen Voka­beln, von denen vie­le in die­sem Wör­ter­buch ver­tre­ten sind: »Welt­of­fen, demo­kra­tisch, bunt«, »Gesicht zei­gen«, »Bünd­nis gegen Rechts­ex­tre­mis­mus«, »Grä­fen­ber­ger Men­schen­rechts- und Demo­kra­tie­er­klä­rung« (ein biß­chen Grö­ßen­wahn darf auch dabei sein). Den Initia­to­ren scheint nicht auf­zu­fal­len oder es scheint sie nicht zu inter­es­sie­ren, daß ein Land, in dem der Wil­le zur »Bunt­heit« den zum Über­le­ben verdrängt,
nicht über­le­ben wird… (…)

Das Schlag­wort ist wohl auch des­halb so wirk­mäch­tig, weil es auf ratio­na­ler Ebe­ne kaum satis­fak­ti­ons­fä­hig ist. Mit Gehir­nen, die von infan­ti­len Affek­ten betäubt sind, läßt sich nicht ernst­haft debat­tie­ren. Daher ist Klei­ne-Hart­la­ges Schluß­fol­ge­rung hart, aber ohne Zwei­fel zutreffend:

Ein Staat, in dem bis hin zum Bun­des­prä­si­den­ten alle ver­meint­lich seriö­sen Mei­nungs­mul­ti­pli­ka­to­ren in ste­reo­ty­per Wei­se eine solch kin­di­sche Kitsch­spra­che spre­chen, ist zum Tode verurteilt.

Es gibt eine Viel­zahl von Begrif­fen lin­ker Pro­ve­ni­enz, natür­lich auch anspruchs­vol­le­re, die ähn­lich wir­ken, und die eben­so­we­nig hin­ter­fragt wer­den. Böckel­mann nennt unter ande­rem: “Welt­of­fen­heit”, “Eman­zi­pa­ti­on”, “Selbst­be­stim­mung”, “Gleich­stel­lung”, “Tole­ranz” und “Viel­falt”.

Ande­re Schlag­wor­te wer­den mit bestimm­ten Deu­tun­gen oder Wer­tun­gen belegt, die kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich sind. “Iuve­nal”, einer der Stam­m­au­toren von pi-news, ver­such­te unlängst, Begrif­fe wie“Sozialstaat”, “Euro­päi­sche Ein­heit” oder “Flücht­lin­ge” kri­tisch abzuklopfen.

Auch die deut­sche Aus­ga­be der Huf­fing­ton Post – ein inzwi­schen inter­na­tio­na­li­sier­tes Flagg­schiff der US-ame­ri­ka­ni­schen Links­li­be­ra­len – hat Schroe­ders Stu­die empha­tisch auf­ge­grif­fen und nennt “fünf Grün­de”, war­um “die Gefahr von links genau­so groß ist wie die von rechts” und man daher über die extre­me Lin­ke nicht schwei­gen dürfe:

1. Die Zahl links­mo­ti­vier­ter Straf- und Gewalt­ta­ten steigt

Die Zahl links­ex­tre­mis­ti­scher Straf­ta­ten ist laut der FU-Stu­die allein zwi­schen 2012 und 2013 um 2500 auf ins­ge­samt 8.637 gestie­gen. Damit nahm auch die Zahl der links­ex­tre­mis­tisch moti­vier­ten Gewalt­ta­ten zu – und zwar um 26,7 Prozent.

In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung wür­den die­se Gewalt­ta­ten quan­ti­ta­tiv unter­schätzt, da der Ver­fas­sungs­schutz zwi­schen links und links­ex­trem moti­vier­ten Straf- und Gewalt­ta­ten unter­schei­de und links-moti­vier­te Taten in der Sta­tis­tik außen vor lie­ße, heißt es in der Ber­li­ner Studie.

2. Es gibt mehr links­ex­tre­me als rechts­ex­tre­mis­ti­sche Anhänger

Der Ver­fas­sungs­schutz stuft der Stu­die zufol­ge 27.700 Men­schen in Deutsch­land als poten­ti­ell links­ex­trem ein. Die­se Zahl liegt weit über der Zahl der offi­zi­ell ermit­tel­ten Anhän­ger rechts­ex­tre­mis­ti­scher Grup­pie­run­gen – denen ste­hen 21.700 nahe. Bei einem Drit­tel der als links­ex­trem ein­ge­stuf­ten Per­so­nen sehen die Ver­fas­sungs­schüt­zer Gewaltbereitschaft.

3. Links­ex­tre­mis­ten ste­hen unter dem Schutz des gesam­ten lin­ken Milieus

Die media­le Auf­merk­sam­keit rich­tet sich eher auf den rech­ten und isla­mis­ti­schen Extre­mis­mus. Links­ex­tre­me Akti­vi­tä­ten rücken eher in den Hin­ter­grund. Dar­über hin­aus ver­schwim­men die Gren­zen “zwi­schen extre­men, aber demo­kra­ti­schen Lin­ken, so dass alle Links­ex­tre­mis­ten unter dem Schutz des gesam­ten lin­ken Milieus ste­hen”, schrei­ben die FU-Forscher.

4. Vie­le Inhal­te links­ex­tre­men Den­kens sind in der Mehr­heits­be­völ­ke­rung angekommen

Links­ex­tre­me Ein­stel­lun­gen beschrän­ken sich nicht auf die lin­ke Sze­ne, son­dern haben zum Teil längst Ein­gang in die “Mehr­heits­ge­sell­schaft” gefun­den, war­nen die For­scher wei­ter. Vie­le Ver­satz­stü­cke links­ex­tre­men Den­kens fin­den sich im poli­ti­schen Main­stream, ohne dass die­se gleich als links­ex­trem asso­zi­iert wer­den, erklärt der Mit­au­tor der Stu­die, Klaus Schrö­der, in einem Inter­view mit der “Zeit”.

(…)
5. Links­ex­tre­mis­mus birgt demo­kra­tie­ge­fähr­den­des Potenzial

Links­ex­tre­me Grup­pen und Per­so­nen pro­pa­gie­ren offen ihr Ziel, die bür­ger­li­che Gesell­schaft und den bür­ger­li­chen Staat zu zer­schla­gen und an sei­ne Stel­le eine “neue, anar­chis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche Gesell­schafts­ord­nung” errich­ten zu wol­len. Sie sind also nicht nur “anti­ka­pi­ta­lis­tisch, son­dern auch demo­kra­tie­feind­lich ein­ge­stellt”, heißt es in der FU-Studie.

Das bestä­tigt und wie­der­holt eine Kri­tik, die von kon­ser­va­ti­ver Sei­te, etwa in der Jun­gen Frei­heit, seit Jah­ren geäu­ßert wird. Die Schluß­fol­ge­rung der Autorin ver­wischt die Spu­ren aller­dings wie­der ein wenig:

In kei­nem Fall ist der Rechts­ex­tre­mis­mus zu ver­harm­lo­sen, aber eben­so wenig darf hier mit zwei­er­lei Maß gemes­sen wer­den. Links­ex­tre­mis­mus ist genau­so gefähr­lich wie Rechts­ex­tre­mis­mus. Es bringt nichts, wenn man sich auf dem lin­ken Auge blind stellt, Gewalt ist Gewalt.

Die auf­ge­lis­te­ten “fünf Punk­te” zei­gen doch eher, daß von einer “genau­so gro­ßen” Gefahr kei­ne Rede sein kann. Links­ex­tre­me Grup­pen sind den rechts­ex­tre­men Pen­dants nicht nur zah­len­mä­ßig weit über­le­gen – die letz­te­ren genie­ßen kei­ner­lei Unter­stüt­zung durch den poli­tisch-media­len Main­stream, der sie viel­mehr als das “abso­lut Ande­re”, “Böse” und zu Bekämp­fen­de behan­delt, wäh­rend die Links­ex­tre­men allen­falls als schlim­me Kin­der der eigent­lich “guten Sache” gel­ten. “Links” und “rechts” wer­den mit krass diver­gie­ren­den Maß­stä­ben gemessen.

Wie gesagt, bin ich über­rascht, der­lei in der Zeit und der Huf­fing­ton Post zu lesen – der­art, daß ich mich unab­läs­sig fra­ge, wo nun der Haken an der Sache ist. Bis­lang konn­te ich ihn nicht finden.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (19)

Karolus Franzus

1. März 2015 13:15

https://www.museumoncommunism.org/
https://www.youtube.com/watch?v=XPrmZAP81sY#t=880

Gegenaufklärung tut not.

Carabus violaceus

1. März 2015 13:27

Das ist in der Tat sehr überraschend. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie die Studie denn von der Öffentlichkeit aufgenommen wird. Wo ich aber nochmal nachhaken muss:

In Mitteldeutschland soll das linksextremistische Personenpotenzial mit 28 % am höchsten sein? Dies mag sicherlich für Dresden Neustadt oder Leipzig Connewitz gelten, keine Frage - aber in größerer Zahl als im Westen der Republik? In Mitteldeutschland denken die Bürger doch noch am ehesten bodenständig, national und konservativ. Vor allem im ländlichen Raum. Ich sehe die Schwerpunkte allgemein in Großstädten - Hamburg St. Pauli, Hannover etc., zudem ist ja solches Gedankengut auch an Universitäten weit verbreitet.

In Anlehnung an Schroeders Studie wurde spaßeshalber ein Test erstellt, bei welchem jeder nachprüfen kann, inwiefern man denn selbst über eine linksextreme Gesinnung verfügt. Siehe hier: https://www.metronaut.de/2015/02/test-wie-linksextrem-bis-du/

Ludwig

1. März 2015 13:45

Neben der weitergehenden Praxis, Zuordnungen im politischen Denken mit divergierenden Maßstäben zu messen, gibt es aber auch neue Entwicklungen, durch die sich die alten Links/Rechts-Schubladen nicht mehr in der üblichen Weise öffnen lassen. Die Theorie eines Linksextremismus der Mitte speist sich aus überholten Ansichten und wird nicht den veränderten Gegebenheiten gerecht.

Zwei Beispiele: Jürgen Elsässer, ehemaliger Protagonist der Antideutschen, öffnet sich ab 2009 auch dem "rechten Spektrum." Der von Dithfurt vorgetragene Antisemitismus-Vorwurf wird abgewiesen, Elsässer kritisiert weiter den Zionismus. Der Radio/TV-Moderator Ken Jebsen verliert auf Veranlassung des Publizisten Broder seinen Job, wieder geht es um Antisemitismus. Aber wurde Jebsen wirklich "geschasst", oder nur verdeckt an die neue Straßenfront "abkommandiert"? Jedenfalls mit Erfolg, KenTV bringt sogar den sonst zurückgezogenen Eugen Drewermann in Berlin vor das Mikrophon. Elsässer und Jebsen gehören zu den ersten Aktivisten der seit März 2014 agierenden "Friedensmahnwachen", in deren Umfeld sich zur Verwunderung vieler auch Xavier Naidoo einfindet. Im Oktober 2014 präsentiert sich die HoGeSa, apolitische Fußball-Krawallos erklären sich quasi über Nacht zu Vaterlandsverteidigern.

Welche Kräfte stehen hinter diesen Erscheinungen? Eine Erklärung wäre für mich die: Die jüdische Community weiß natürlich genau, woher das gegenwärtige Bedrohungspotential kommt. Nicht die Rechten, sondern die Islamisten machen ihnen Sorge in dem sonst für sie sicheren Deutschland. Vielleicht liegt hier sogar die Ursache für das plötzliche Auftauchen von HoGeSa und PEGIDA. Die Antifa, immer bemüht, die Bürgerbewegung zum Erliegen zu bringen um die Einwanderung zu forcieren, scheint für die Community wenig hilfreich zu sein, denn man will in einer weiter aufgeheizten Situation nicht doch noch Netanjahus Einladung in dessen Pulverfass mit Endzeit-Szenario folgen.
Man spürt jetzt deutlich, Personen wie Bachmann sind durchaus gewollt. PEGIDA gewinnt wieder an Fahrt, schafft u.U. sogar nach Anfangsschwierigkeiten den Sprung nach England. Vielleicht haben viele Linke ihre neue Rolle auf dem Feld Antisemitismus/Antizionismus bisher noch nicht richtig erfasst. Jedenfalls steht man den gezähmten Rechten momentan nicht gerade ablehnend gegenüber.

In einer völlig anderen Konstellation sind Rechte/Nationalisten ebenfalls gefragt. In der Ukraine kämpfen nationaleingestellte Bataillone im vollen Ornat mit Runen und Swastika gegen die Separatisten im Osten des Landes. Ohne sie wäre die ukrainische Armee längst zerfallen, wäre Neu-Russland in greifbarer Nähe oder schon Realität. Putin, der mit Hitler verglichen wird und Merkel zur Siegesparade nach Moskau eingeladen hat, empört sich über die Faschisten in "Banderistan."
Der jüngste Mord, wer immer ihn auch inszeniert hat, ist ein weiterer, hilfloser Versuch, den von Ulfkotte prognostizierten Bürgerkrieg in Zentraleuropa von außen her doch noch zu einem Flächenbrand zu entfachen. Durch das Beispiel der gewaltfreien Bürgerrevolution in Deutschland ist ein Zusammenprallen von Links- und zahlenmäßig unterlegenen Rechtsextremisten eher unwahrscheinlich.

Ein gebürtiger Hesse

1. März 2015 13:56

Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade „links“ ist, sogar diejenigen, die sich für „rechts“ oder „konservativ“ halten.

Das ist ein hochinteressanter und gewichtiger Gedanke. Könnte er vielleicht noch etwas ausgeführt und mit Beispielen versehen werden? Das könnte für uns alle sinnvoll sein (wenn auch nur, damit man sich selbst erkennt und ertappt, was nie schaden kann).

Was den „Haken an der Sache“ angeht ... Ich könnte mir vorstellen, daß es immer weniger BEDEUTET (= Konsequenzen, politisches Handeln welcher Art auch immer nach sich zieht), wenn etwa ein solches Studienergebnis rauskommt und von den Mainstream-Medien verbreitet wird. Oder anders gesagt: Daß man, metaphorisch betrachtet, einem Stachel im Fleisch mit dem ostentativen Ausbleiben jeder Schmerzbekundung begegnet, wodurch man die eigene Haut umso dicker und stabiler erscheinen läßt. Verhält es sich nicht ähnlich mit dem behördlichen und polizeilichen Einknicken vor der Antifa-Gewalt in Leipzig? Auch davon darf das ganze Land seit Wochen Zeuge sein – und nichts passiert. Das Gleiche dachte ich neulich, als in der Tagesschau von der Empfehlung des Zentralrats der Juden in Deutschland berichtet wurde, daß Juden in vornehmlich von Muslimen bewohnten Ecken möglichst keine Kippa auf dem Kopf tragen sollten – es sei einfach zu gefährlich. Hallihallo? Daß in unserer Schuldkult-Republik, die ansonsten sofort aufschreit, wenn es um mögliche Juden-Ressentiments seitens Deutscher geht, ob dieser Meldung KEIN Donnerwetter losbricht, heißt doch etwas. Und womöglich genau das: daß die Medien ihre „Schuldigkeit“ auch an dieser Stelle tun, indem sie die Sache "pflichtbewußt" berichten, was die Politik (in einer Art Umkehrschluß) jedoch geradezu der Aufgabe enthebt, irgendwelche Handlungen auf sie folgen zu lassen.

Wer mit sowas durchkommt (Politik wie Medien), und gar wiederholt, weicht nicht zuletzt den Widerstandswillen derer auf, die überhaupt dagegen aufmucken könnten. Das mag, bewußt oder auch nicht, eine Art Taktik sein.

ingres

1. März 2015 15:51

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es auf der Ebene einer formalen Studie zu korrekten Schlußfolgerungen kommt. Insofern muß primär kein Haken dabei sein. Wichtig ist ja nur, dass die Studie gesellschaftspolitisch irrelevant ist. Man kann ja den Linksextremismus als Problem ansprechen, so lange niemand Konsequenzen fordert erweckt man damit den Eindruck, dass man auf beiden Augen sehend und damit ein wehrhafter Demokrat ist, ohne weitere Risiken einzugehen. Vielleicht meint der Autor der Studie es tatsächlich ehrlich. Er wurde ja vielleicht mal demokratisch sozialisiert. Nur müßte jetzt jemand Konsequenzen fordern. Das müßte aber der Autor der Studie selbst anleiern. In Presse und Politik wird das niemand (außer AfD, das ist der Unsicherheitsfaktor) tun, außer dass er darauf verweist, dass Extremismus jeder Art zu bekämpfen sei. Und die AfD würde es ohnehin ansprechen, aber die zählt ja noch nicht.

Carl Sand

1. März 2015 16:23

@Carabus

Geil, ich bin linksextrem!

Nemo Obligatur

1. März 2015 16:27

Man lernt eben nie aus. In diesem Fall kann man u.a. lernen, dass aus wissenschaftlicher Sicht wohl jeder ein Extremist ist, wenn man ihn nur lange genug die richtigen Fragen stellt. Vielleicht ist die Studie ja ein Beitrag dazu, mal etwas weniger aufgeregt über Links- und Rechtsextreme zu sprechen, sondern über die Frage, wie unser Staat verfasst sein muss, dass es ihn nicht eines Tages unter den Fliehkräften zerreißt. Im Moment jedenfalls scheinen mir diese Fliehkräfte zuzunehmen und der Staat darauf denkbar schlecht vorbereitet zu sein.

Calderone

1. März 2015 17:08

... Die Effektivität der einschlägigen Schlagworte, selbst der dümmsten und hohlsten, verblüfft mich immer wieder ...

... wie Angela Merkels Ausspruch »Der Islam gehört zu Deutschland« (?) - hierzu ein aufklärender Ausschnitt aus der Rede von FPÖ-Generalsekretär Kickl vom 25.2.2015, der dem interessierten SIN-Leser nicht vorenthalten bleiben soll:

(ab Minute 6:42)

... es geht um das neue Glaubensdogma der ÖVP, dass der Islam zu Österreich gehört - und ich möchte in dem Zusammenhang die Eine oder andere Frage an die Abgeordneten der ÖVP -aber natürlich auch an den zuständigen Minister- stellen: Was heißt es denn, meine Damen und Herren, das Etwas zu einer Sache gehört? Was heißt das denn? Das wär mal interessant dieser Sache etwas näher auf den Grund zu gehen - ich will Ihnen helfen: die Tatsache, -oder der Ausspruch- dass Etwas zu etwas gehört, das heißt, das diese Sache -ohne dieses Etwas- schlicht und ergreifend nicht vollständig wäre, das dieser Sache ohne dieses Etwas etwas ganz, ganz Wesentliches fehlen würde (...)

... und vor diesem Hintergrund ist der Satz -der Islam gehört zu Österreich- zu überprüfen; denn ich hoffe nicht, dass Sie das tatsächlich so gemeint haben, das wenn es den Islam in Österreich nicht gäbe, Österreich etwas Substantielles fehlen würde. Denn das bedeutet dieser Satz, und deswegen wird er nie und nimmer unsere Zustimmung finden. Und deshalb kann ich auch dem Philosophen Rudolf Burger nur zustimmen, der den Satz der Frau Merkel, -den, den Sie nachplappern-, hergenommen hat und gesagt hat: das ist der dümmste Satz, den er von der Frau Merkel jemals gehört hat - er hat vollkommen recht ...

Und die Antwort auf die Frage -was dieses substantiell Fehlende sein soll-, bleiben (nicht nur) angesprochene Nachplapperer schuldig. Es ist übrigens egal, wie fest Jene - zB. Pegida-Gegendemonstranten - davon überzeugt sind, dass der Islam zu Deutschland (oder Österreich) gehört, diese Überzeugung oder dieser Glaube macht den Satz, dass der Islam zu Deutschland gehöre, auch nicht wahrer. Die Kenntnis der Wahrheit -das nämlich nichts Substantielles fehlt [*]- ist jedoch -um zu Wissen- unverzichtbar; sie ist sogar notwendige Bedingung des Wissens.

Und daran anknüpfend habe »ich« da auch eine Hypothese (die zwar nur als reine Annahme verstanden werden wird können -sie ist eben eine Solche-) zur von Ihnen angeführten »Effektivität der einschlägigen Schlagworte, selbst der dümmsten und hohlsten«:

Das nämlich - bspw. erwähnte Gegendemonstranten - gar nicht nach dem Weg zur Wahrheit, sondern nach dem zu (vorgeblicher) moralischer Erhabenheit streben - was wiederum nur das Streben nach (allgemein akzeptierter) sozialer Anerkennung gesehen werden kann ... was aber wiederum nur Deren wahres Motiv, nämlich -dem Versuch des Heraustretens aus der Masse- verbergen soll. Zweck dieses »versuchten Heraustretens« ist m.M. das (mehr oder weniger) intuitive Wissen über prinzipiell das, was Orwell im Buch »Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus« im Buch »1984« von seiner Romanfigur »Immanuel Goldstein« verfassen ließ:

... Welche Ansichten die Massen vertreten oder nicht vertreten, wird als belanglos angesehen. Man darf ihnen getrost geistige Freiheit einräumen, denn sie haben keinen Geist. ...

Es ist also »meiner Hypothese nach« das eigennützige -aber nicht unnatürliche- Bestreben der eigenen Belanglosigkeit zu entkommen -was laut Warhol wahrscheinlich dann nur 15 Minuten funktioniert- dies sogar um den Preis ureigener, daher -natürlicher- Interessen ... Der Satz des Renegaten Goldstein wird dann »in seinem« Buch noch wie folgt ergänzt:

... Andererseits kann bei einem Parteimitglied auch nicht die kleinste Meinungsabweichung in der unbedeutendsten Frage geduldet werden. ...

mit dem man noch zum -von Ihnen verlinkten- Fall Latzel überleiten könnte ... wo von ich -die bisherige Länge meines nachmittäglich verfassten Geschreibsels betrachtend- gebührend Abstand zu nehmen gedenke.

Gruß

[*] Wo von man also -solange dafür kein begründetes Gegenargument erbracht wird-, rationalerweise als sicher davon ausgehen kann, dass dieses Gewusste wahr ist.

Simon

1. März 2015 17:25

Die Studie kommt ja zu dem Ergebnis, dass linke Einstellungen in der Bevölkerung weiter verbreitet sind als rechte. D Bislang dachte man ja immer es gibt eine rechte Mehrheit in der Bevölkerung und unter günstigen Umständen würde das zum Tragen kommen. Heute sieht man, dass eben auch der linke Bevölkerungsanteil größer ist als der rechte. Das heißt die rechte ist eine politische Minderheit und damit natürlich weniger gefährlich als viele Journalisten glaubten. Insoweit ist das Ergebnis der Studie für viele natürlich erfreulich und beruhigend zu gleich. Darum vielleicht die positive Aufnahme.

Dziadowa Kłoda

1. März 2015 19:30

„Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade ‚links‘ ist, sogar diejenigen, die sich für ‚rechts‘ oder ‚konservativ‘ halten.“

Forse che si, forse che no (Tanti saluti a G.d’A. e CPI). Denn erst einmal sollte die Anstrengung der Begriffe auf sich genommen werden; ansonsten sind „links“, „konservativ“ etc. doch nur mehr oder wenig beliebig verwendete Etiketten. Also Arbeit anhand von Rastern, Typenlehren, Tableaus (und mir zur Freude: dem Codreanu—Dreieck) usw. usf.
Und bis diese Stenogramme der Wirklichkeit nicht in Stein gehauen sind, halte ich es wie Corey Mitchell Hart und trage, wenngleich aus gänzlich anderen Befindlichkeiten, „Sunglasses at Night“.

Carl Sand

1. März 2015 20:56

Lieber Martin Lichtmesz

Wo der Haken an der Sache ist?

Man sehe sich einaml genau die gestellten Fragen an - und man stellt erstaunt fest, dass ein Teil der nunmehr verfemten Aussagen für einen konsequenten Rechten absolut konsensfähig ist.

M.L.: Aus diesem Grund ist es ja im Interesse des Systems, daß die Linken am "antifaschistischen" bzw. antideutschen Opium hängenbleiben und sich damit das Hirn vernebeln und die Welt vereinfachen lassen... ein antifaschistischer Linker ist für das System ein weitgehend ungefährlicher, ja bestens gegen die Systemkritiker von der anderen Seite aufhetzbarer Linker, womit beide Seiten beschäftigt wären. Und weil die Reflexe entsprechend konditioniert sind, koffern sie auch auf Kommando los wie Nachbars Waldi nach dem Stöckchen.

"Durch die zunehmende Überwachung durch Staat und Politik werden wir immer mehr zu einer Diktatur".
Yep.

"Ich sehe die Gefahr eines neuen Faschismus in Deutschland".
Totale Vereinigung von Kapital und Staat mit den Mitteln des Totalitarismus zum expansiven Imperialismus. Passt.

"Die Lebensbedingungen werden durch Reformen nicht besser – wir brauchen eine Revolution".
Stimmt.

"Die Überwachung von linken Systemkritikern durch Staat und Polizei nimmt zu".
Gewissermaßen ja. Orthodoxe Kommunisten wie Steins Feist und z.T. noch Elsässer sind sicherlich bei den Jungs vom V-Schutz in der Kartei. Entscheidend: Systemkritik ist böse!

M.L.: Einfach "linke" durch "rechte" Systemkritiker ersetzen, und es paßt nicht nur "gewissermaßen."

Übergreifende Gemeinsamkeit: Systemkritik ist böse. Neuerdings geht ja die AntiFa mit USA-Flaggen randalieren und preist das GG als das tollste aller Zeiten. Unsere freieste bunte Gesellschaft.

Ach ja,
"Die deutsche Ausländerpolitik ist rassistisch".
Unser Volk soll durch Ausländerimport verdrängt werden. Stimmt.

Findling

1. März 2015 22:38

Unter Bush dem Älteren galten die Neocons als Spinner, unter dem jüngeren Bush saßen sie an den Hebeln der Macht.
Die linken Neocons bei uns habe gute Aussicht auf eine baldige Machtübernahme.

Wie fremd und abgehoben vom eignen Volk unsere Führung ist, demonstrierte unser BP kürzlich in Dresden. Sein frostiger Schuldspruch über die Bombenopfer lässt jedes Mitgefühl vermissen. Es scheint, als habe er die Distanz eines internationalen Beobachters oder als habe er gar die Kollektivschuldthese überhöht und verinnerlicht vom erblichen Tätervolk.

Der Haken an der Sache? In Washington weiß man um den Machtzuwachs der Linken in Europa und deren Affinität zu Moskau. Der Grieche droht bereits damit. Obama soll mit Merkel deshalb telefoniert haben. Griechische Häfen für russische Kriegsschiffe wären ein Alptraum für die USA.

Max Meier

2. März 2015 00:00

Agent "Karlsbad" meldet gehorsamst:
"Feindliche Organisation in jahrzehntelanger Arbeit abgewickelt und in die NGOs für Asyl-Ausweitung integriert. Mischung aus Hinhaltetaktik und Heuchelei von Solidarität erwies sich als erfolgreich, um das Aussterben der Erlebnisgeneration abzuwarten. Empfehle gleiche Taktik bei der deutschen Restbevölkerung. Wichtig hier vor allem die Rolle der CSU und der CDU-Feigenblätter. Nachfolger für Bosbach und Gauweiler aufbauen!"

https://www.sueddeutsche.de/politik/vertriebenenverband-heimatanspruch-aufgegeben-1.2373499

Hartwig

2. März 2015 08:54

"Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade „links“ ist, sogar diejenigen, die sich für „rechts“ oder „konservativ“ halten."

"Rechts" und "Konservativ" müssen neu gefasst werden. Rechts kann in zunehmendem Maße nur noch als Widerstandshaltung verstanden werden; das Überleben des Eigenen in aller Konsequenz zu betreiben. Diese Widerstandshaltung verträgt sich unter den heutigen Bedingungen aber nur schwer mit ursprünglich rechten Motiven wie Pflicht, Dienst und Eingebundenheit.
Ist Rechtes Leben (- im hergebrachten Verständnis) im Falschen möglich ?

Das Paradigma des Strebens nach persönlicher Freiheit und Pflicht-Entbindung, generell nach "Erleichterung", unterstützt durch die Segnungen des Kohle- und Ölzeitalters, haben langfristig Haltungen auf breitester Ebene etabliert, die dem o.a. Zitat Berechtigung verleihen.

Harald de Azania

2. März 2015 13:30

Verehrter ML,

Seit meinen JES Tagen , seit den 70er Jahren also ( voriges Jahrtausend, man wird alt :-)) lese und studiere ich die konservativen Veroeffentlichungen.

Seit damals immer wieder die gleichen oder aehnlichen Analysen nsbesondere das Erkennen, das die kulturelle Hegemonie errungen werden musz .

Ergebnis: Die Linke blamiert sich faktisch von Jahr zu Jahr und von Thema zu Thema, schuettelt alles ab und macht weiter mit neuen Themen und Schlagwoertern.

Die Rechte erringt einen theoretischen Sieg nach dem anderen aber keine Praktischen!

Grund: Unfaehigkeit zu konsequenter Personalpolitik, konsequenter Medienpolitik und fehlender Wille zur Macht.

Intellektualisierendes Herumkleckern statt machbewussten Klotzen.Hauptsache vornehm oder was man dafuer haelt ......

Dazu kommt das romantische Beduerfnis, inmitten von Ruinen auf verlorenem Posten zu stehen ....

Dann sterbt mal in Schoenheit ...

HdeA

M.L.: Auch diese Platte ist mindestens seit den 70er Jahren ein Evergreen, und wird auch nicht klüger und wahrer, je öfter und je lauter man sie abspielt.

Harald de Azania

3. März 2015 12:03

Verehrter ML,

Und was stimmt dann? Dasz die Rechte immer staerker, geistig wie faktisch immer dominierender wird ? Dasz die Rechte aktiv gestaltet und die Linke in der Defensive ist? Dasz es opportun ist, "rechts" zu sein? Dasz linke Parteien sich 'rechts' tarnen ? Dasz die "Rechten' diverser Schwerpunkte sich koordinieren und viribus unitis vorgehen?

Genauso ist es ....

HdeA

M.L.: Das habe ich ja nicht bezweifelt. Aber die Vorstellung, daß die Rechte mit ausreichend Gedöns und Geklotze ans Ziel käme, halte ich aus mehreren Gründe für illusorisch, und derlei wird schnell zur Gebärmutter für die Kanaille...

Leo Naphta

5. März 2015 11:49

Ich erlaube mir, auf die dreiteilige Kolumne von Bettina Röhl hinzuweisen. Wer sie liest, merkt schnell, warum die Autorin bei der Wirtschaftswoche einer Säuberung zum Opfer gefallen ist.

"Der linke Mainstream ersetzt das Grundgesetz"

Sara Tempel

6. März 2015 11:51

"Wie gesagt, bin ich überrascht, derlei in der Zeit und der Huffington Post zu lesen – derart, daß ich mich unablässig frage, wo nun der Haken an der Sache ist. Bislang konnte ich ihn nicht finden."
Der Haken kann aus meiner Sicht nur nach dem Cui-bono-Prinzip gefunden werden. Die Tatsache eines starken Extremismus in der Bevölkerung der BRD - ob nun eher links oder rechts - rechtfertigt eine Einschränkung der Bürgerrechte, wie in den USA nach dem 11.9.2001 geschehen! Unsere "Linken", vor allem bei der Antifa und den "Grünen", verhätscheln alle Immigranten, auch die Muslime, gar die Salafisten dermaßen, daß dies einigen transatlantischen Bauherren der "New Word Order" evtl. zu weit geht, daß sie sich sagen: "Die Geister die ich rief, die werde ich nicht mehr los." -
Dazu hat @ Ludwig (Jürgen Elsässer... ;Die jüdische Community...) bereits einige interessante Gesichtspunkte aufgeführt.
Auch der Krieg in der Ukraine mag eine Rolle spielen. Viele -auch linke- Deutsche stehen auf Seiten Putins, was der USA und der EU sicher nicht paßt.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass die Richtung links oder rechts nicht per se ein Kriterium sein sollte, um Menschen bzw. Meinungen zu beurteilen. Ich selbst war in meiner Jugend sozusagen "progressiv", würde mich nun aber als christlich-konservativ und rechts einordnen! -
Sicher sähen das einige streng Rechte wohl anders, wenn sie meine Webseite analysieren würden. - Wichtig ist doch wohl, ob jemand kritisch denken kann (Bettina Röhl), den Mainstream durchschaut und ein Patriot ist.
Wie Sie selbst es treffend formulierten: "Paradoxerweise sind es heute gerade diejenigen, die ein traditionell gestimmtes, auf Ganzheiten gerichtetes und zum Denken berufenes Herz besitzen, die heute zu Einzelgängern, Außenseitern, Subversiven, Ketzern, Dissidenten, Sezessionisten und Partikulären werden."

Harald de Azania

6. März 2015 12:11

ad ML nochmals:

Was ich meine: ZB erfolgreiche konservative Schulpolitik:

- eine konservative Denkwerkstaat, die richtige Strukturen, Lehrinhalte und Lehrplaene ( incl Religion als Pflichtfach) definiert und eine langfristige Personalpolitik konzipiert,

- Umsetzung in Schulbuecher und sonstige Lern- und Lehrbehelfe,

- konservative Umgestaltung der Paedagogischen Akademien,

- Personalpolitk, so dasz im Ministerium und den PaedAks entsprechend gesinnte Fachleute sitzen,

- konservativ gestaltete Weiter- und Fortbildung fuer das Lehrpersonal,

- Weckung klassischen Bildungsidelas in Lehrenden, Eltern und Schuelern, echte Allgemeinbildung statt Wahlfaecherschmus,

- Liquidierung jedweder Gesamtschule,

- Liquidierung jedweder linker & lebensfremder paedagogischer Experimente,

- Auslese der dafuer pro futuro nicht geeigneten Lehrenden,

- ein konservativ gesinnter Minister der dies oeffentlichkeitswirksam durchzieht und auch bereit ist, dem einsetzenden Wutgeheul zu widerstehen.

Genau das wuensche ich mir seit den 70er Jahren. Das ist, entsprechende Hartnaeckigkeit vorausgesetzt, durchfuehrbar und weder "Gedoens" noch "Geklotze".

Und ab und zu, wenn's sehr kritisch wird wie 1936 in Spanien oder 1973 in Chile ...machen wir gar nix und bleiben ruhig zu haus :-)

HdeA

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