Sezession
27. Februar 2015

Gibt es einen Linksextremismus der Mitte?

Martin Lichtmesz / 19 Kommentare

Die Publikation der Studie des an der FU Berlin tätigen Politikwissenschaftlers Klaus Schroeder über die "demokratiegefährdenden Potenziale des Linksextremismus" hat mich ebenso positiv überrascht wie ihre bereitwillige Rezeption in den Medien.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Schroeder stellt darin das in den letzten Jahren insbesondere von der Friedrich-Ebert-Stiftung verbreitete Bild vom angeblich rechtsdrehenden "Extremismus der Mitte" mehr oder weniger auf den Kopf - und damit die Wirklichkeit auf die Füße.

Die Junge Freiheit berichtete:

Die deutsche Gesellschaft hat sich nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Klaus Schroeder nach links verschoben. „Generell ist die Gesellschaft nach links gerückt und die Parteien auch“, sagte Schroeder im Interview mit Zeit Online. Allerdings nicht so weit, daß man von „linksradikal oder linksextrem“ sprechen könne.

Es gebe einen gewissen Zeitgeist, der mit Willy Brandt schon einmal nach links gerückt sei und mit Helmut Kohl dann eher nach rechts. „Und jetzt mit Merkel eben deutlich nach links. Die Leute denken dann zwar links, wählen aber trotzdem Merkel“, erläuterte der Politikwissenschaftler.

Zu dem Ergebnis kommt Schroeder aufgrund der Ergebnisse seiner jüngsten Untersuchung „Gegen Staat und Kapital – für die Revolution“. Demnach sind linksextreme Ansichten in der Gesellschaft weiter verbreitet, als bislang angenommen. So teile etwa jeder sechste Deutsche linksradikale oder linksextreme Positionen, jeder fünfte plädiere sogar für eine Revolution.

Das „linksextremistische Personenpotential“ in der Bevölkerung liegt laut der Studie bei 17 Prozent und ist in Mittedeutschland mit 28 Prozent wesentlich stärker verbreitet als im Westen (14 Prozent). Ein geschlossenes linksextremes Welt- und Gesellschaftsbild wiesen deutschlandweit etwa vier Prozent der für die Untersuchung Befragten auf.

Die Ergebnisse der Studie selbst sind für kritische Beobachter der buntesdeutschen Republik freilich alles andere als überraschend. Frank Böckelmann brachte die Lage in seinem Buch "Jargon der Weltoffenheit" mit aphoristischer Verknappung auf den Punkt:

Wer sich als "links" tauft, kündigt an, noch hartnäckiger fordern zu wollen, was alle anderen ebenfalls fordern.

Rufen wir uns den Hintergrund des Schlagwortes vom "Extremismus der Mitte" noch einmal ins Gedächtnis. Manfred Kleine-Hartlage definiert ihn in seinem grandiosen neuen Buch "Die Sprache der BRD" folgendermaßen:

Die Phrase vom »Extremismus der Mitte« bzw. vom Rechtsextremismus, der »in der Mitte der Gesellschaft« angekommen sei, spiegelt, wenn auch in demagogischer Verzerrung, den objektiven Sachverhalt wieder, daß die gesellschaftlichen Machteliten und die ihnen zuarbeitenden linken Ideologen die Mehrheit des Volkes gegen sich haben. Dies nicht etwa deshalb, weil dieses Volk nach rechts gewandert wäre (wie sie glauben machen möchten), sondern weil sie selbst immer weiter nach links gerückt sind, Ideologien vertreten, die noch vor dreißig Jahren als linksradikale Spinnerei galten, jede Bindung ans Volk verloren haben und immer offener eine von utopistischen Wahnideen befeuerte Destruktionspolitik betreiben, die darauf abzielt, nicht weniger den Nationalstaat, die Völker, die Familie und die Religion aus der Welt zu schaffen, und da eine solche Politik mit verfassungskonformen Mitteln nicht durchsetzbar und mit einer demokratischen Verfassung nicht vereinbar ist, müssen am Ende auch die Meinungsfreiheit, die Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie dran glauben.

Wir haben es mit der Herrschaft von Menschen zu tun, die das Ziel der vollständigen Umwertung aller Werte und der Umwälzung der Grundlagen von Staat und Gesellschaft verfolgen. Da viele dieser Leute für sich in Anspruch nehmen, die politische Mitte zu verkörpern, gewinnt das Schlagwort vom »Extremismus der Mitte« einen von seinen Erfindern durchaus nicht intendierten ironischen Doppelsinn.

 Perspektivisch gesehen sind die diametralen Bewertungen der "Mitte" durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und Klaus Schroeders also durchaus kongruent. Weitgehend handelt es sich hier um Definitionsfragen. Daß die Linke in hohem Maße die "kulturelle Hegemonie" innehat, zeigt sich schon allein daran, daß der Begriff "links" für die Mehrheit der Gesellschaft per se positiv, der Begriff "rechts" per se negativ besetzt ist.

Diese Vorstellung hat sich inzwischen subkutan derart flächendeckend durchgesetzt, daß sie kaum mehr als ein Konstrukt mit bestimmten Prämissen wahrgenommen wird. Ein Beispiel wäre etwa die Titelseite des aktuellen Profils (9/2015), auf der zu lesen ist:

Tsipras, Iglesias, Faymann: Ehrlich links oder verlogen populistisch?

Dies impliziert wie selbstverständlich einen Gegensatz zwischen "ehrlich links" einerseits und "verlogen", "populistisch" oder "verlogen populistisch" andererseits. Umgekehrt würde keine Zeitung schreiben: "Farage, Gauland, Le Pen, Strache: Ehrlich rechts oder verlogen populistisch?", weil ja "rechts" zumeist ohnehin mit "verlogen", "populistisch" und Schlimmerem gleichgesetzt wird.

Begriffe, die auf der Linken gemünzt und geprägt worden sind, bestimmen heute die politischen Diskurse, derart, daß selbst Widerspruch gegen linke Politik kaum außerhalb des gesetzten Begriffrahmens formuliert werden kann. Also gibt es auch hier einen klaren Feldvorteil der Linken.

Vermutlich wäre es ein leichtes, bei vielen Befragten, deren Antworten andernorts als Beispiele für eine Rechtsverschiebung der Mitte gewertet werden, ebensoviele, wenn nicht mehr, linke Vorstellungen und Überzeugungen vorzufinden. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade "links" ist, sogar diejenigen, die sich für "rechts" oder "konservativ" halten.

Die Effektivität der einschlägigen Schlagworte, selbst der dümmsten und hohlsten, verblüfft mich immer wieder. Sie funktionieren inzwischen wie Knöpfe auf einem Automaten, ohne Verzögerung, Reflektion, unter Ausschluß jeglicher Rationalität. Wann auch immer jemand, sei es auch nur andeutungsweise oder moderat-relativierend, sei es polemisch oder argumentativ gut begründet, es wagt, seine Stimme gegen den einschläfernden Sound des gängigen Jargons zu erheben, kann er mit mathematischer Zuverlässigkeit mit Horden von Widerspruchsrobotern rechnen, die sich ihm mit dem Slogan "XY ist bunt! Wir leben Vielfalt!“ entgegenstellen (ein aktuelles Beispiel siehe hier).

Roboter


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (19)

Karolus Franzus
1. März 2015 13:15

https://www.museumoncommunism.org/
https://www.youtube.com/watch?v=XPrmZAP81sY#t=880

Gegenaufklärung tut not.

Carabus violaceus
1. März 2015 13:27

Das ist in der Tat sehr überraschend. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie die Studie denn von der Öffentlichkeit aufgenommen wird. Wo ich aber nochmal nachhaken muss:

In Mitteldeutschland soll das linksextremistische Personenpotenzial mit 28 % am höchsten sein? Dies mag sicherlich für Dresden Neustadt oder Leipzig Connewitz gelten, keine Frage - aber in größerer Zahl als im Westen der Republik? In Mitteldeutschland denken die Bürger doch noch am ehesten bodenständig, national und konservativ. Vor allem im ländlichen Raum. Ich sehe die Schwerpunkte allgemein in Großstädten - Hamburg St. Pauli, Hannover etc., zudem ist ja solches Gedankengut auch an Universitäten weit verbreitet.

In Anlehnung an Schroeders Studie wurde spaßeshalber ein Test erstellt, bei welchem jeder nachprüfen kann, inwiefern man denn selbst über eine linksextreme Gesinnung verfügt. Siehe hier: https://www.metronaut.de/2015/02/test-wie-linksextrem-bis-du/

Ludwig
1. März 2015 13:45

Neben der weitergehenden Praxis, Zuordnungen im politischen Denken mit divergierenden Maßstäben zu messen, gibt es aber auch neue Entwicklungen, durch die sich die alten Links/Rechts-Schubladen nicht mehr in der üblichen Weise öffnen lassen. Die Theorie eines Linksextremismus der Mitte speist sich aus überholten Ansichten und wird nicht den veränderten Gegebenheiten gerecht.

Zwei Beispiele: Jürgen Elsässer, ehemaliger Protagonist der Antideutschen, öffnet sich ab 2009 auch dem "rechten Spektrum." Der von Dithfurt vorgetragene Antisemitismus-Vorwurf wird abgewiesen, Elsässer kritisiert weiter den Zionismus. Der Radio/TV-Moderator Ken Jebsen verliert auf Veranlassung des Publizisten Broder seinen Job, wieder geht es um Antisemitismus. Aber wurde Jebsen wirklich "geschasst", oder nur verdeckt an die neue Straßenfront "abkommandiert"? Jedenfalls mit Erfolg, KenTV bringt sogar den sonst zurückgezogenen Eugen Drewermann in Berlin vor das Mikrophon. Elsässer und Jebsen gehören zu den ersten Aktivisten der seit März 2014 agierenden "Friedensmahnwachen", in deren Umfeld sich zur Verwunderung vieler auch Xavier Naidoo einfindet. Im Oktober 2014 präsentiert sich die HoGeSa, apolitische Fußball-Krawallos erklären sich quasi über Nacht zu Vaterlandsverteidigern.

Welche Kräfte stehen hinter diesen Erscheinungen? Eine Erklärung wäre für mich die: Die jüdische Community weiß natürlich genau, woher das gegenwärtige Bedrohungspotential kommt. Nicht die Rechten, sondern die Islamisten machen ihnen Sorge in dem sonst für sie sicheren Deutschland. Vielleicht liegt hier sogar die Ursache für das plötzliche Auftauchen von HoGeSa und PEGIDA. Die Antifa, immer bemüht, die Bürgerbewegung zum Erliegen zu bringen um die Einwanderung zu forcieren, scheint für die Community wenig hilfreich zu sein, denn man will in einer weiter aufgeheizten Situation nicht doch noch Netanjahus Einladung in dessen Pulverfass mit Endzeit-Szenario folgen.
Man spürt jetzt deutlich, Personen wie Bachmann sind durchaus gewollt. PEGIDA gewinnt wieder an Fahrt, schafft u.U. sogar nach Anfangsschwierigkeiten den Sprung nach England. Vielleicht haben viele Linke ihre neue Rolle auf dem Feld Antisemitismus/Antizionismus bisher noch nicht richtig erfasst. Jedenfalls steht man den gezähmten Rechten momentan nicht gerade ablehnend gegenüber.

In einer völlig anderen Konstellation sind Rechte/Nationalisten ebenfalls gefragt. In der Ukraine kämpfen nationaleingestellte Bataillone im vollen Ornat mit Runen und Swastika gegen die Separatisten im Osten des Landes. Ohne sie wäre die ukrainische Armee längst zerfallen, wäre Neu-Russland in greifbarer Nähe oder schon Realität. Putin, der mit Hitler verglichen wird und Merkel zur Siegesparade nach Moskau eingeladen hat, empört sich über die Faschisten in "Banderistan."
Der jüngste Mord, wer immer ihn auch inszeniert hat, ist ein weiterer, hilfloser Versuch, den von Ulfkotte prognostizierten Bürgerkrieg in Zentraleuropa von außen her doch noch zu einem Flächenbrand zu entfachen. Durch das Beispiel der gewaltfreien Bürgerrevolution in Deutschland ist ein Zusammenprallen von Links- und zahlenmäßig unterlegenen Rechtsextremisten eher unwahrscheinlich.

Ein gebürtiger Hesse
1. März 2015 13:56

Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade „links“ ist, sogar diejenigen, die sich für „rechts“ oder „konservativ“ halten.

Das ist ein hochinteressanter und gewichtiger Gedanke. Könnte er vielleicht noch etwas ausgeführt und mit Beispielen versehen werden? Das könnte für uns alle sinnvoll sein (wenn auch nur, damit man sich selbst erkennt und ertappt, was nie schaden kann).

Was den „Haken an der Sache“ angeht ... Ich könnte mir vorstellen, daß es immer weniger BEDEUTET (= Konsequenzen, politisches Handeln welcher Art auch immer nach sich zieht), wenn etwa ein solches Studienergebnis rauskommt und von den Mainstream-Medien verbreitet wird. Oder anders gesagt: Daß man, metaphorisch betrachtet, einem Stachel im Fleisch mit dem ostentativen Ausbleiben jeder Schmerzbekundung begegnet, wodurch man die eigene Haut umso dicker und stabiler erscheinen läßt. Verhält es sich nicht ähnlich mit dem behördlichen und polizeilichen Einknicken vor der Antifa-Gewalt in Leipzig? Auch davon darf das ganze Land seit Wochen Zeuge sein – und nichts passiert. Das Gleiche dachte ich neulich, als in der Tagesschau von der Empfehlung des Zentralrats der Juden in Deutschland berichtet wurde, daß Juden in vornehmlich von Muslimen bewohnten Ecken möglichst keine Kippa auf dem Kopf tragen sollten – es sei einfach zu gefährlich. Hallihallo? Daß in unserer Schuldkult-Republik, die ansonsten sofort aufschreit, wenn es um mögliche Juden-Ressentiments seitens Deutscher geht, ob dieser Meldung KEIN Donnerwetter losbricht, heißt doch etwas. Und womöglich genau das: daß die Medien ihre „Schuldigkeit“ auch an dieser Stelle tun, indem sie die Sache "pflichtbewußt" berichten, was die Politik (in einer Art Umkehrschluß) jedoch geradezu der Aufgabe enthebt, irgendwelche Handlungen auf sie folgen zu lassen.

Wer mit sowas durchkommt (Politik wie Medien), und gar wiederholt, weicht nicht zuletzt den Widerstandswillen derer auf, die überhaupt dagegen aufmucken könnten. Das mag, bewußt oder auch nicht, eine Art Taktik sein.

ingres
1. März 2015 15:51

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es auf der Ebene einer formalen Studie zu korrekten Schlußfolgerungen kommt. Insofern muß primär kein Haken dabei sein. Wichtig ist ja nur, dass die Studie gesellschaftspolitisch irrelevant ist. Man kann ja den Linksextremismus als Problem ansprechen, so lange niemand Konsequenzen fordert erweckt man damit den Eindruck, dass man auf beiden Augen sehend und damit ein wehrhafter Demokrat ist, ohne weitere Risiken einzugehen. Vielleicht meint der Autor der Studie es tatsächlich ehrlich. Er wurde ja vielleicht mal demokratisch sozialisiert. Nur müßte jetzt jemand Konsequenzen fordern. Das müßte aber der Autor der Studie selbst anleiern. In Presse und Politik wird das niemand (außer AfD, das ist der Unsicherheitsfaktor) tun, außer dass er darauf verweist, dass Extremismus jeder Art zu bekämpfen sei. Und die AfD würde es ohnehin ansprechen, aber die zählt ja noch nicht.

Carl Sand
1. März 2015 16:23

@Carabus

Geil, ich bin linksextrem!

Nemo Obligatur
1. März 2015 16:27

Man lernt eben nie aus. In diesem Fall kann man u.a. lernen, dass aus wissenschaftlicher Sicht wohl jeder ein Extremist ist, wenn man ihn nur lange genug die richtigen Fragen stellt. Vielleicht ist die Studie ja ein Beitrag dazu, mal etwas weniger aufgeregt über Links- und Rechtsextreme zu sprechen, sondern über die Frage, wie unser Staat verfasst sein muss, dass es ihn nicht eines Tages unter den Fliehkräften zerreißt. Im Moment jedenfalls scheinen mir diese Fliehkräfte zuzunehmen und der Staat darauf denkbar schlecht vorbereitet zu sein.

Calderone
1. März 2015 17:08

... Die Effektivität der einschlägigen Schlagworte, selbst der dümmsten und hohlsten, verblüfft mich immer wieder ...

... wie Angela Merkels Ausspruch »Der Islam gehört zu Deutschland« (?) - hierzu ein aufklärender Ausschnitt aus der Rede von FPÖ-Generalsekretär Kickl vom 25.2.2015, der dem interessierten SIN-Leser nicht vorenthalten bleiben soll:

(ab Minute 6:42)

... es geht um das neue Glaubensdogma der ÖVP, dass der Islam zu Österreich gehört - und ich möchte in dem Zusammenhang die Eine oder andere Frage an die Abgeordneten der ÖVP -aber natürlich auch an den zuständigen Minister- stellen: Was heißt es denn, meine Damen und Herren, das Etwas zu einer Sache gehört? Was heißt das denn? Das wär mal interessant dieser Sache etwas näher auf den Grund zu gehen - ich will Ihnen helfen: die Tatsache, -oder der Ausspruch- dass Etwas zu etwas gehört, das heißt, das diese Sache -ohne dieses Etwas- schlicht und ergreifend nicht vollständig wäre, das dieser Sache ohne dieses Etwas etwas ganz, ganz Wesentliches fehlen würde (...)

... und vor diesem Hintergrund ist der Satz -der Islam gehört zu Österreich- zu überprüfen; denn ich hoffe nicht, dass Sie das tatsächlich so gemeint haben, das wenn es den Islam in Österreich nicht gäbe, Österreich etwas Substantielles fehlen würde. Denn das bedeutet dieser Satz, und deswegen wird er nie und nimmer unsere Zustimmung finden. Und deshalb kann ich auch dem Philosophen Rudolf Burger nur zustimmen, der den Satz der Frau Merkel, -den, den Sie nachplappern-, hergenommen hat und gesagt hat: das ist der dümmste Satz, den er von der Frau Merkel jemals gehört hat - er hat vollkommen recht ...

Und die Antwort auf die Frage -was dieses substantiell Fehlende sein soll-, bleiben (nicht nur) angesprochene Nachplapperer schuldig. Es ist übrigens egal, wie fest Jene - zB. Pegida-Gegendemonstranten - davon überzeugt sind, dass der Islam zu Deutschland (oder Österreich) gehört, diese Überzeugung oder dieser Glaube macht den Satz, dass der Islam zu Deutschland gehöre, auch nicht wahrer. Die Kenntnis der Wahrheit -das nämlich nichts Substantielles fehlt [*]- ist jedoch -um zu Wissen- unverzichtbar; sie ist sogar notwendige Bedingung des Wissens.

Und daran anknüpfend habe »ich« da auch eine Hypothese (die zwar nur als reine Annahme verstanden werden wird können -sie ist eben eine Solche-) zur von Ihnen angeführten »Effektivität der einschlägigen Schlagworte, selbst der dümmsten und hohlsten«:

Das nämlich - bspw. erwähnte Gegendemonstranten - gar nicht nach dem Weg zur Wahrheit, sondern nach dem zu (vorgeblicher) moralischer Erhabenheit streben - was wiederum nur das Streben nach (allgemein akzeptierter) sozialer Anerkennung gesehen werden kann ... was aber wiederum nur Deren wahres Motiv, nämlich -dem Versuch des Heraustretens aus der Masse- verbergen soll. Zweck dieses »versuchten Heraustretens« ist m.M. das (mehr oder weniger) intuitive Wissen über prinzipiell das, was Orwell im Buch »Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus« im Buch »1984« von seiner Romanfigur »Immanuel Goldstein« verfassen ließ:

... Welche Ansichten die Massen vertreten oder nicht vertreten, wird als belanglos angesehen. Man darf ihnen getrost geistige Freiheit einräumen, denn sie haben keinen Geist. ...

Es ist also »meiner Hypothese nach« das eigennützige -aber nicht unnatürliche- Bestreben der eigenen Belanglosigkeit zu entkommen -was laut Warhol wahrscheinlich dann nur 15 Minuten funktioniert- dies sogar um den Preis ureigener, daher -natürlicher- Interessen ... Der Satz des Renegaten Goldstein wird dann »in seinem« Buch noch wie folgt ergänzt:

... Andererseits kann bei einem Parteimitglied auch nicht die kleinste Meinungsabweichung in der unbedeutendsten Frage geduldet werden. ...

mit dem man noch zum -von Ihnen verlinkten- Fall Latzel überleiten könnte ... wo von ich -die bisherige Länge meines nachmittäglich verfassten Geschreibsels betrachtend- gebührend Abstand zu nehmen gedenke.

Gruß

[*] Wo von man also -solange dafür kein begründetes Gegenargument erbracht wird-, rationalerweise als sicher davon ausgehen kann, dass dieses Gewusste wahr ist.

Simon
1. März 2015 17:25

Die Studie kommt ja zu dem Ergebnis, dass linke Einstellungen in der Bevölkerung weiter verbreitet sind als rechte. D Bislang dachte man ja immer es gibt eine rechte Mehrheit in der Bevölkerung und unter günstigen Umständen würde das zum Tragen kommen. Heute sieht man, dass eben auch der linke Bevölkerungsanteil größer ist als der rechte. Das heißt die rechte ist eine politische Minderheit und damit natürlich weniger gefährlich als viele Journalisten glaubten. Insoweit ist das Ergebnis der Studie für viele natürlich erfreulich und beruhigend zu gleich. Darum vielleicht die positive Aufnahme.

Dziadowa Kłoda
1. März 2015 19:30

„Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade ‚links‘ ist, sogar diejenigen, die sich für ‚rechts‘ oder ‚konservativ‘ halten.“

Forse che si, forse che no (Tanti saluti a G.d’A. e CPI). Denn erst einmal sollte die Anstrengung der Begriffe auf sich genommen werden; ansonsten sind „links“, „konservativ“ etc. doch nur mehr oder wenig beliebig verwendete Etiketten. Also Arbeit anhand von Rastern, Typenlehren, Tableaus (und mir zur Freude: dem Codreanu—Dreieck) usw. usf.
Und bis diese Stenogramme der Wirklichkeit nicht in Stein gehauen sind, halte ich es wie Corey Mitchell Hart und trage, wenngleich aus gänzlich anderen Befindlichkeiten, „Sunglasses at Night“.

Carl Sand
1. März 2015 20:56

Lieber Martin Lichtmesz

Wo der Haken an der Sache ist?

Man sehe sich einaml genau die gestellten Fragen an - und man stellt erstaunt fest, dass ein Teil der nunmehr verfemten Aussagen für einen konsequenten Rechten absolut konsensfähig ist.

M.L.: Aus diesem Grund ist es ja im Interesse des Systems, daß die Linken am "antifaschistischen" bzw. antideutschen Opium hängenbleiben und sich damit das Hirn vernebeln und die Welt vereinfachen lassen... ein antifaschistischer Linker ist für das System ein weitgehend ungefährlicher, ja bestens gegen die Systemkritiker von der anderen Seite aufhetzbarer Linker, womit beide Seiten beschäftigt wären. Und weil die Reflexe entsprechend konditioniert sind, koffern sie auch auf Kommando los wie Nachbars Waldi nach dem Stöckchen.

"Durch die zunehmende Überwachung durch Staat und Politik werden wir immer mehr zu einer Diktatur".
Yep.

"Ich sehe die Gefahr eines neuen Faschismus in Deutschland".
Totale Vereinigung von Kapital und Staat mit den Mitteln des Totalitarismus zum expansiven Imperialismus. Passt.

"Die Lebensbedingungen werden durch Reformen nicht besser – wir brauchen eine Revolution".
Stimmt.

"Die Überwachung von linken Systemkritikern durch Staat und Polizei nimmt zu".
Gewissermaßen ja. Orthodoxe Kommunisten wie Steins Feist und z.T. noch Elsässer sind sicherlich bei den Jungs vom V-Schutz in der Kartei. Entscheidend: Systemkritik ist böse!

M.L.: Einfach "linke" durch "rechte" Systemkritiker ersetzen, und es paßt nicht nur "gewissermaßen."

Übergreifende Gemeinsamkeit: Systemkritik ist böse. Neuerdings geht ja die AntiFa mit USA-Flaggen randalieren und preist das GG als das tollste aller Zeiten. Unsere freieste bunte Gesellschaft.

Ach ja,
"Die deutsche Ausländerpolitik ist rassistisch".
Unser Volk soll durch Ausländerimport verdrängt werden. Stimmt.

Findling
1. März 2015 22:38

Unter Bush dem Älteren galten die Neocons als Spinner, unter dem jüngeren Bush saßen sie an den Hebeln der Macht.
Die linken Neocons bei uns habe gute Aussicht auf eine baldige Machtübernahme.

Wie fremd und abgehoben vom eignen Volk unsere Führung ist, demonstrierte unser BP kürzlich in Dresden. Sein frostiger Schuldspruch über die Bombenopfer lässt jedes Mitgefühl vermissen. Es scheint, als habe er die Distanz eines internationalen Beobachters oder als habe er gar die Kollektivschuldthese überhöht und verinnerlicht vom erblichen Tätervolk.

Der Haken an der Sache? In Washington weiß man um den Machtzuwachs der Linken in Europa und deren Affinität zu Moskau. Der Grieche droht bereits damit. Obama soll mit Merkel deshalb telefoniert haben. Griechische Häfen für russische Kriegsschiffe wären ein Alptraum für die USA.

Max Meier
2. März 2015 00:00

Agent "Karlsbad" meldet gehorsamst:
"Feindliche Organisation in jahrzehntelanger Arbeit abgewickelt und in die NGOs für Asyl-Ausweitung integriert. Mischung aus Hinhaltetaktik und Heuchelei von Solidarität erwies sich als erfolgreich, um das Aussterben der Erlebnisgeneration abzuwarten. Empfehle gleiche Taktik bei der deutschen Restbevölkerung. Wichtig hier vor allem die Rolle der CSU und der CDU-Feigenblätter. Nachfolger für Bosbach und Gauweiler aufbauen!"

https://www.sueddeutsche.de/politik/vertriebenenverband-heimatanspruch-aufgegeben-1.2373499

Hartwig
2. März 2015 08:54

"Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß alle Welt heute mehr oder weniger zu einem gewissen Grade „links“ ist, sogar diejenigen, die sich für „rechts“ oder „konservativ“ halten."

"Rechts" und "Konservativ" müssen neu gefasst werden. Rechts kann in zunehmendem Maße nur noch als Widerstandshaltung verstanden werden; das Überleben des Eigenen in aller Konsequenz zu betreiben. Diese Widerstandshaltung verträgt sich unter den heutigen Bedingungen aber nur schwer mit ursprünglich rechten Motiven wie Pflicht, Dienst und Eingebundenheit.
Ist Rechtes Leben (- im hergebrachten Verständnis) im Falschen möglich ?

Das Paradigma des Strebens nach persönlicher Freiheit und Pflicht-Entbindung, generell nach "Erleichterung", unterstützt durch die Segnungen des Kohle- und Ölzeitalters, haben langfristig Haltungen auf breitester Ebene etabliert, die dem o.a. Zitat Berechtigung verleihen.

Harald de Azania
2. März 2015 13:30

Verehrter ML,

Seit meinen JES Tagen , seit den 70er Jahren also ( voriges Jahrtausend, man wird alt :-)) lese und studiere ich die konservativen Veroeffentlichungen.

Seit damals immer wieder die gleichen oder aehnlichen Analysen nsbesondere das Erkennen, das die kulturelle Hegemonie errungen werden musz .

Ergebnis: Die Linke blamiert sich faktisch von Jahr zu Jahr und von Thema zu Thema, schuettelt alles ab und macht weiter mit neuen Themen und Schlagwoertern.

Die Rechte erringt einen theoretischen Sieg nach dem anderen aber keine Praktischen!

Grund: Unfaehigkeit zu konsequenter Personalpolitik, konsequenter Medienpolitik und fehlender Wille zur Macht.

Intellektualisierendes Herumkleckern statt machbewussten Klotzen.Hauptsache vornehm oder was man dafuer haelt ......

Dazu kommt das romantische Beduerfnis, inmitten von Ruinen auf verlorenem Posten zu stehen ....

Dann sterbt mal in Schoenheit ...

HdeA

M.L.: Auch diese Platte ist mindestens seit den 70er Jahren ein Evergreen, und wird auch nicht klüger und wahrer, je öfter und je lauter man sie abspielt.

Harald de Azania
3. März 2015 12:03

Verehrter ML,

Und was stimmt dann? Dasz die Rechte immer staerker, geistig wie faktisch immer dominierender wird ? Dasz die Rechte aktiv gestaltet und die Linke in der Defensive ist? Dasz es opportun ist, "rechts" zu sein? Dasz linke Parteien sich 'rechts' tarnen ? Dasz die "Rechten' diverser Schwerpunkte sich koordinieren und viribus unitis vorgehen?

Genauso ist es ....

HdeA

M.L.: Das habe ich ja nicht bezweifelt. Aber die Vorstellung, daß die Rechte mit ausreichend Gedöns und Geklotze ans Ziel käme, halte ich aus mehreren Gründe für illusorisch, und derlei wird schnell zur Gebärmutter für die Kanaille...

Leo Naphta
5. März 2015 11:49

Ich erlaube mir, auf die dreiteilige Kolumne von Bettina Röhl hinzuweisen. Wer sie liest, merkt schnell, warum die Autorin bei der Wirtschaftswoche einer Säuberung zum Opfer gefallen ist.

"Der linke Mainstream ersetzt das Grundgesetz"

Sara Tempel
6. März 2015 11:51

"Wie gesagt, bin ich überrascht, derlei in der Zeit und der Huffington Post zu lesen – derart, daß ich mich unablässig frage, wo nun der Haken an der Sache ist. Bislang konnte ich ihn nicht finden."
Der Haken kann aus meiner Sicht nur nach dem Cui-bono-Prinzip gefunden werden. Die Tatsache eines starken Extremismus in der Bevölkerung der BRD - ob nun eher links oder rechts - rechtfertigt eine Einschränkung der Bürgerrechte, wie in den USA nach dem 11.9.2001 geschehen! Unsere "Linken", vor allem bei der Antifa und den "Grünen", verhätscheln alle Immigranten, auch die Muslime, gar die Salafisten dermaßen, daß dies einigen transatlantischen Bauherren der "New Word Order" evtl. zu weit geht, daß sie sich sagen: "Die Geister die ich rief, die werde ich nicht mehr los." -
Dazu hat @ Ludwig (Jürgen Elsässer... ;Die jüdische Community...) bereits einige interessante Gesichtspunkte aufgeführt.
Auch der Krieg in der Ukraine mag eine Rolle spielen. Viele -auch linke- Deutsche stehen auf Seiten Putins, was der USA und der EU sicher nicht paßt.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass die Richtung links oder rechts nicht per se ein Kriterium sein sollte, um Menschen bzw. Meinungen zu beurteilen. Ich selbst war in meiner Jugend sozusagen "progressiv", würde mich nun aber als christlich-konservativ und rechts einordnen! -
Sicher sähen das einige streng Rechte wohl anders, wenn sie meine Webseite analysieren würden. - Wichtig ist doch wohl, ob jemand kritisch denken kann (Bettina Röhl), den Mainstream durchschaut und ein Patriot ist.
Wie Sie selbst es treffend formulierten: "Paradoxerweise sind es heute gerade diejenigen, die ein traditionell gestimmtes, auf Ganzheiten gerichtetes und zum Denken berufenes Herz besitzen, die heute zu Einzelgängern, Außenseitern, Subversiven, Ketzern, Dissidenten, Sezessionisten und Partikulären werden."

Harald de Azania
6. März 2015 12:11

ad ML nochmals:

Was ich meine: ZB erfolgreiche konservative Schulpolitik:

- eine konservative Denkwerkstaat, die richtige Strukturen, Lehrinhalte und Lehrplaene ( incl Religion als Pflichtfach) definiert und eine langfristige Personalpolitik konzipiert,

- Umsetzung in Schulbuecher und sonstige Lern- und Lehrbehelfe,

- konservative Umgestaltung der Paedagogischen Akademien,

- Personalpolitk, so dasz im Ministerium und den PaedAks entsprechend gesinnte Fachleute sitzen,

- konservativ gestaltete Weiter- und Fortbildung fuer das Lehrpersonal,

- Weckung klassischen Bildungsidelas in Lehrenden, Eltern und Schuelern, echte Allgemeinbildung statt Wahlfaecherschmus,

- Liquidierung jedweder Gesamtschule,

- Liquidierung jedweder linker & lebensfremder paedagogischer Experimente,

- Auslese der dafuer pro futuro nicht geeigneten Lehrenden,

- ein konservativ gesinnter Minister der dies oeffentlichkeitswirksam durchzieht und auch bereit ist, dem einsetzenden Wutgeheul zu widerstehen.

Genau das wuensche ich mir seit den 70er Jahren. Das ist, entsprechende Hartnaeckigkeit vorausgesetzt, durchfuehrbar und weder "Gedoens" noch "Geklotze".

Und ab und zu, wenn's sehr kritisch wird wie 1936 in Spanien oder 1973 in Chile ...machen wir gar nix und bleiben ruhig zu haus :-)

HdeA

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