Sezession
2. April 2015

Die Schnellrodaer Gestalt – zur 15. Winterakademie des Instituts für Staatspolitik

Gastbeitrag

ifs_logo blauDer Kommentator unseres Netz-Tagebuchs mit dem Pseudonym "ein gebürtiger Hesse" hat am vergangenen Wochenende die Winterakademie zum Thema "Geschichtspolitik" besucht und einen Bericht darüber eingereicht. Wir bringen ihn unten und weisen bei dieser Gelegenheit nochmals auf den Spendenaufruf für die komenden Akademien und den Film über diese einmaligen Treffen auf. Lesen Sie hier. Und nun zum Tagungsbericht:

Nichts ergreift eine Gruppe von Zuhörern mehr als ein authentisches und heftiges Bild, das der Redner vor ihnen entwirft. Was Götz Kubitschek, der am ersten Abend des gemeinsamen Wochenendes vor die 90 Teilnehmer trat, zu sagen hatte, war sorgenschwer und dunkel.

Er sprach von einem modernen Typus Mensch, der „wie aus Seife" sei – ständig entschlüpfe er seinem Gegenüber, lasse sich von keinem Argument aus der Reserve locken. Zwar begegne er dem Gegenüber freundlich, mit höflichem Verständnis für dessen – wenn auch oppositäre – Standpunkte, doch mache er sich nie erreichbar. Selbst die Empathie, die er aufbringe, habe keinerlei Rückbindung an eigenes Gefühl. Was immer er auch vorfinde, so auch die fremden Standpunkte, passe er in ein funktionales Systemgefüge ein, worin es auf seine Verwertbarkeit abgeklopft werde. Da er keine Leidenschaften und Bindungen – Beschwernisse einer alten Welt – mehr kenne, sei er umso flexibler, anpassungsfähiger, daher im Vorteil.

Mit der verheerenden Aussicht, daß diesem Typus möglicherweise die Zukunft gehöre, ein Gott zu unserer Rettung nicht kommen möge, entließ Kubitschek seine Zuhörer in den „freien Abend“.

Freilich, ein solches Schauerbild, allemal eine solche Schlußnote (an Leif Randts neuem Roman Planet Magnon entlangkomponiert) sollte eigentlich dazu angetan sein, die Zuhörer in dumpfe Resignation zu stürzen. Doch geschah das genaue Gegenteil. Ohne daß man hätte sagen können, woran es lag – an einer Gunst der Stunde, einer unterschwelligen Mobilisierungskraft der Rede –, wirkte dieses Bild zwar über das ganze Wochenende weiter (immer wieder kam man im Gespräch darauf), doch hatte es eine rundherum erbauliche, vitalisierende Wirkung. Man darf sogar sagen, daß es die Teilnehmer geradezu verschwor, aus der Gruppe eine Gemeinschaft machte.


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