Sezession
16. April 2015

Kai Voss zum „NSU-Phantom“ – „Der Staat verbirgt, was wir herausfinden müssen“, Teil 2

Gastbeitrag / 14 Kommentare

voss-das-nsu-phantom_720x600Wir geben an dieser Stelle den 2. Teil (zu Teil 1) eines Gespräches mit Kai Voss (Das NSU-Phantom) wieder, das dem soeben erschienenen 1. Heft des Jahrgangs 2015 der Zeitschrift Neue Ordnung entnommen ist. Die Fragen stellte Heinrich Formanek.

Neue Ordnung: Was meinen Sie mit „NSU-Watch“?

Voss: Diese Vereinigung entspringt dem Antifa-Verein „Apabiz“, der die Rechte an dem angeblichen Bekennervideo an „Spiegel-TV“ verkaufte.

Ein absurder Handel mit Beweismaterial, was aber weder die Justiz noch das Bundeskriminalamt zu stören scheint. Dabei ist das sogenannte Bekennervideo gar kein Bekenntnis und wurde noch nach der Verhaftung Zschäpes verteilt. Die Urheberschaft liegt meiner Meinung nach an einer ganz anderen Stelle – wie Sie in meinem Buch nachlesen können.

Neue Ordnung: Ihre Indizienkette ist ja so etwas wie der Gegenentwurf zur Anklage. Auf fast 300 Seiten spüren Sie reihenweise Widersprüchen und Ungereimtheiten auf – so zum Beispiel im Hinblick auf die umstrittenen Todesumstände von Böhnhardt und Mundlos. Wie im berühmten Wiener Spionagefilm „Der Dritte Mann“ spielt auch hier ein nebulöser „Dritter Mann“ eine zentrale Rolle. Welche?

Voss: Bei dem Tod der beiden Männer in dem Wohnmobil spricht nichts – aber auch gar nichts – für einen Selbstmord. Allein die Anklage behauptet dies, kann das aber auch nur tun, indem anfängliche Beobachtungen, die von einem flüchtenden dritten Mann berichteten, unterbunden werden.

Ehrliche Ermittlung würde feststellen, daß die Situation nicht stimmt und auch das Persönlichkeitsprofil der beiden Uwes nicht für einen Selbstmord spricht. Dann müßten aber Recherchen in Richtung einer Fremdeinwirkung beginnen. Tatsächlich geben sich Ermittler und Mainstream-Medien erhebliche Mühe, den absurden Suizid nach und nach glaubhaft zu reden. Will man die Fehler im NSU-Märchen aufrollen, muß man genau beim Ende anfangen. An den Geschehnissen ist rein gar nichts stimmig. Das kommt nicht von ungefähr: Die Ungereimtheiten hier und die Art, wie sie verschleiert werden sollen, ziehen sich durch die ganze Geschichte der angeblichen Terrorzelle …

Neue Ordnung: Wie gewichten Sie beispielsweise den Fakt, daß an keinem der 26 Tatorte DNA-Spuren von Mundlos und Böhnhardt gefunden wurden?

Voss: Den gewichte ich ungefähr genauso stark, wie den Umstand, daß an keinem der Tatorte Fingerabdrücke der zwei „Terroristen“ gefunden wurden. Oder daß es zwar hunderte Zeugenaussagen gibt, sich aber nur die wenigsten und diese wahrscheinlich eher zufällig „irgendwie“ mit der öffentlich kolportierten Geschichte in Verbindung bringen lassen. Vom seltsam zusammengezimmerten Motiv der drei von der Szene gelösten Dauer-Urlauber ganz zu schweigen. Diese Geschichte paßt vorn und hinten nicht, und eine vermeintlich kritische Presselandschaft kommt ihrer aufklärerischen Aufgabe nicht nach, sondern macht sich mitschuldig am Verschleiern der wahren Umstände. Mit dem Buch wollte ich dieser Ungerechtigkeit etwas entgegensetzen.


 Gastbeitrag

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Kommentare (14)

Jonny
16. April 2015 09:58

Hier der besagte Blog des Fatalisten:

https://sicherungsblog.wordpress.com/

Teilweise etwas wirr, aber wer logisch und vor alle Dingen selbstständig denken kann, der findet sich dort auch zurecht.

derherold
16. April 2015 10:59

Etwas Neues aus dem Komödienstadl Es geht um den Überfall einer Sparkasse in Stralsund.

Da schreib ein Nachrichtenmagazin:
"Der Mann, der heute als Wachmann tätig ist – … -, erinnert sich wie viele andere Zeugen auch, dass die Täter “sächsisch” sprachen, für Mecklenburger klingt vermutlich auch das Thüringische wie sächsisch.”

Die Bankräuber sprachen “sächsisch”. Treffer, (selbst-)versenkt.

Alexander
16. April 2015 10:59

Voss sagt:

Der damalige Ausschußvorsitzende Edathy (SPD), der aufgrund von Ermittlungen wegen Kinderpornographie bereits erpressbar geworden war, sprach mit ihr unter vier Augen. Er gab natürlich Entwarnung, wollte über den Inhalt der Unterredung aber nichts verlautbaren lassen …

Könnte es sein, daß Edathys Drohung "the whole story" zu veröffentlichen sowie die anschließende Verfahrenseinstellung gegen ihn auch mit Informationen über den "NSU" zusammenhängt?

Belsøe
16. April 2015 13:24

@Alexander

Ich glaube dass Edathys wichtigste Qualifikation für den Posten eben diese KP-Ermittlungen waren.

Möglich, dass der Mann (für den man ja angesichts der Lage keine weiteren Sympathien hegen mag) aber unterschätzt wurde. Das Auftauchen der umfangreichen Akten im Internet fällt zeitlich recht eng mit Edathys Absetzung und Verschwinden zusammen. Auch soll er im Rahmen seiner UA-Arbeit mit einigen Zeugen gesprochen haben, deren Ladung in protokollierte Sitzungen/Prozesstage verhindert wurde.

Nach wie vor würde es mich auch nicht groß wundern, wenn er doch noch zu dem Schluss kommt, sein ruiniertes Leben nicht mehr ertragen zu können.

Schon vor Jahren sind Leute aus dem Dunstkreis der Ermittlungen zum Heilbronn-Mord umgekommen (darunter damals schon mal ein als Selbstmord abgeschlossenes Verbrennen in Auto). Im NSU-Prozess hat sich das bloß fortgesetzt.

Aber wie ich schon zu Teil 1 kommentierte: wichtig sollte für den Bürger nicht sein, wer genau was getan hat. Die wichtigere Lektion ist, was für Strukturen es hier gibt und dass sie schon zur Gründung der BRD gehört haben. Siehe auch die Video-Tips in meinem anderen Beitrag.

Andreas Walter
16. April 2015 15:06

Da kenne ich aber auch noch eine andere "Geschichte", bei der man exakt das Gleiche erlebt wenn man nur mal anfängt sich genauer damit zu befassen.

Oder nehmen wir den Fall Nisman in Argentinien, den ich auch sehr genau verfolgt habe, einschliesslich seiner Vorgeschichte.

Auch die Brutkastenlüge und Saddams Massenvernichtungswaffen haben sich ja letztendlich irgendwann als Lügen entpuppt, durch die "man" etwas erreichen, andere manipulieren wollte und das in diesen beiden Fällen auch geschafft hat.

Lediglich in Deutschland kann oder will sich niemand vorstellen, wahr haben, dass es hier genauso läuft, vor allem wenn es um bestimmte Themen geht.

Allerdings enthält auch das was verschwiegen, nicht gesagt wird oder gesagt werden darf eine Information, ist eine Information, die man auswerten kann.

Im Lauf der Zeit entdeckt man dann irgendwann ein Muster, was sich ständig und an bestimmten Stellen wiederholt, und dann schreit es einen plötzlich aus allen Ecken an. Man kann anhand des Musters dann sogar irgendwann sehr wahrscheinliche Vorhersagen machen, auf was und wen man vermutlich stossen wird, obwohl man es noch gar nicht näher betrachtet, untersucht hat. Entweder in positiver oder negativer Korrelation.

"Ja ja, Herr Walter, sie glauben bestimmt auch an Nazis auf dem Mond?"

"Ne ne, Antworte ich da. Aber sie anscheinend an Nazis auf der Erde."

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
17. April 2015 07:54

Leben wir in einer Diktatur oder nicht?

Auch dei Sicherheitsorgane von an den sogenannten "westlichen Werten" orientierten Staaten bedienen sich mutmasslich der Methoden von Diktaturen, wie Entführung, Folter und Mord.
Manches wird vollständig aufgeklärt wie die

Versenkung_der_Rainbow_Warrior

Das meiste bleibt wohl ganz im Dunkeln oder es kann nur gemutmasst werden wie im Fall Ulrich Schmücker, der an den NSU-Komplex errinnert:
Schmücker-Prozess

Oder im Fall Barschel oder eben jetzt im NSU-Komplex.

Von den USA will ich erst gar nicht anfangen.

Besteht also zwischen unserem Staat, Frankreich, den USA, und Nordkorea nur ein quantitativer Unterschied hinsichtlich des Ausmasses der Brutalität der Diktatur? Zumal es auch Zwischenstufen gibt, wie die Türkei oder Rußland.

Ich denke es gibt auch einen qualitativen Unterschied.

Solange freie Berichterstatung möglich ist, kann sich der Staat nur alle paar Jahre so ein Ding erlauben. Denn bei jeder Aktion riskisiert er, dass die Wahrheit oder Teile davon an's Licht kommen, wie jetzt im Falle NSU.

Wenige Fälle, können totgeschwiegen in den MSM und durch Lächerlichmachen derer, die nachfragen gehandhabt werden. Aber jedes Jahr einen NSU-Komplex, das ginge nicht.

Deshalb ist die freie Presse die Stützmauer gegen das Abgleiten in eine Diktatur. Die MSM bringen es nicht mehr, aber dafür haben wir jetzt alternative Medien, wie pi-news (was gerade mal wieder unter einem DoS leidet) oder eben sezession.de

Inselbauer
17. April 2015 11:33

Mam macht sich auch die den Rechten nur noch verhasst, wenn man zum hundertsten Mal darauf hinweist, dass die staatlichen Verbrechen bei der Inszenierung dieses Irrsinns ohnedies bereits längst gerichtsfest belegt sind. Eine Verdachtsdiskussion à la Ullrich Chaussy ("möglicherweise", "unaufgeklärt" usw.) ist überhaupt nicht mehr notwendig.
Man tut nichts, weil man die Hosen gestrichen voll hat.
Die Ursache dafür ist auch ganz einfach erklärt: Die Behörden haben vor dem 4.11. 2011 die Sache gut vorbereitet und Verdachtsmomente gestreut, die den Betroffenen einen Maulkorb auferlegen. Trotzdem wird man das Zeug hervorkramen, wenn jetzt die Legende vom "Trio" baden geht.
- Sollte Wohlleben den Mund aufmachen, tauchen plötzlich Videoaufnahmen seiner Person auf. Er wurde am 1.11. 2011 auf einen Spielplatz hinter dem "Terrornest" gelockt und vom Nest aus abgefilmt.
- Führende so genannte Symbolfiguren des rechten Lagers wurden um den 4.11. 2011 und davor z.B. von Corelli kontaktiert, wobei der Mann seine Spuren hinterlassen hat. usw.
Das Buch von Voss ist sicher ein guter Einstieg, allerdings enthält es eben diese Dinge nicht.
Es muss endlich ein Ende haben mit dem Verschwörungskram und der Schweigerei.
Wer auch nur ein wenig Liebe zu seinem Volk empfindet, muss endlich den Mund aufmachen oder als Publizist die harten Beweise veröffentlichen. Alles andere ist Bla Bla.

Inselbauer
17. April 2015 11:34

sorry, "Man macht sich auch bei den Rechten"

Der Gutmensch
17. April 2015 14:34

Schwierig, der Debatte zu folgen, da sie an zwei Stellen gleichzeitig geführt wird!

Irgendwie ist es rührend, dass man sich hier teils mit akademischer Präzision bemüht zu analysieren, in welchem Stadium der Demokratie wir uns nun befinden. Ich meine, dass lässt sich ohnehin nur ex post feststellen; aber immerhin hat sich die Kanzlerin persönlich zwischendurch mal dazu geäußert, damit das arme Volk wenigstens nicht dumm sterben muss: Wir leben in einer MARKTFÖRMIGEN Demokratie, lautete ihre Warnung!

Wer zugehört hat, hat sich schon damals verblüfft gefragt: Also - entweder Demokratie oder nicht Demokratie ... aber was soll ich denn bitte mit dem einschränkenden Hinweis auf den "Markt" anfangen? Kann man ihn mit "Macht" übersetzen?

Dann wären wir wieder da angekommen, wo ich im letzten Diskussionsstrang schon mal war: " (Deutsche) DEMOKRATISCHE (Republik)" sagen und zugleich im ersten Verfassungsartikel festhalten: "... unter FÜHRUNG der Arbeiterklasse ... zum Sozialismus".

Nur, dass in der Bundesrepublik eben nicht das Proletariat die Demokratie mit dem festgelegten Ziel "Sozialismus" einschränkt, sondern der- oder diejenigen, die den "Markt" beherrschen (so die Kanzlerin höchstpersönlich!) wollen uns zur digitalen Wirtschaft 4.0 führen (So der EU-Kommissar Oettinger; und auch dem sollte man ab und an genau zuhören, auch wenn´s wehtut!)

Wer im Ergebnis einen qualitativen Unterschied erkennt, kann ihn mir gerne näher erläutern.

Vielleicht sollten wir auch endlich anfangen zu unterscheiden (die Linken machen das schon immer): Hier wähne ich eine pechschwarze Wirklichkeit, vor der ich eine höllische Angst habe - und dort ist der ideale Standpunkt, auf den ich mich nur zu dem Zweck stelle, damit es vielleicht doch nicht so bald wirklich wird!

Denn die Linken sind doch in Wahrheit nie von den Barrikaden heruntergekommen; sie gehen stets vom Schlimmsten aus und richten ihr Handeln danach aus. Gleichzeitig quälen sie ihren Gegner mitleidlos mit wechselnden Idealvorstellungen, die sie stattdessen verwirklicht sehen wollen.

Was kann man dagegen ausrichten?

Die offizielle Idealvorstellung, auf die man sich in der Bundesrepublik geeinigt hat, heißt ja immer noch: Grundgesetz. Damit kann man immerhin argumentieren; dagegen ist schwer etwas einzuwenden und es trägt einen ganz schön weit! Was das GG aber nun mit der Wirklichkeit zu tun hat, muss jeder für sich selber entscheiden - und im übrigen bedenken, dass sich die Wirklichkeit u. a. für die angstgesteuerten Linken immer komplett anders darstellen wird und dass man an der Front also immer nur um Kaisers Bart streiten wird.

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
17. April 2015 22:41

@Gutmenschn
Wer im Ergebnis einen qualitativen Unterschied erkennt, kann ihn mir gerne näher erläutern.

Gerne:
Wenn unser Hosenanzug (aka IM Erika, aka Frau Merkel) und der Gauckler (aka Bundespräsident) in allen Weihnachts-Ansprachen behaupten, dass 2+2=5 ist und alle Zeitungen dies drucken und wenn wir im Fernsehen und Radio städig hören: 2+2=5.
Dann darf ich immer noch auf ein Plakat schreiben:
2+2=4
und damit einsam durch die Ulmer Fussgängerzone marschieren.

Und in Dresden dürfen sich sogar 500 - 20 000 Menschen versammeln und rufen:
zwei und zwei ist vier.

Und die sezession.de darf einen Artikel schreiben, dass Heidegger und Lichtmesz schon bewiesen haben, dass 2+2=4 ist.

You got it?

Inselbauer
18. April 2015 02:41

Euch kann wirklich nur noch die Zurückweisung der AfD erschüttern.

Der Gutmensch
18. April 2015 08:59

Lieber Waldgänger,

wir haben uns mißverstanden, scheint mir. Stellen Sie sich auf den Standpunkt, der ihnen als der günstigste erscheint. Ich wollte nur anregen, allmählich zwischen formalem Standpunkt und den wirklichen Verhältnissen unterscheiden zu lernen; so, wie es die Linken ja schon immer getan haben.

Der DDR-mäßige, entscheidende Nachsatz zu unserem GG (also unserem Recht, uns auch auf den Standpunkt der Wirklichkeit stellen zu dürfen) ist nämlich bereits zu Papier gebracht worden, und zwar von der EU.

Gruß,

der Gutmensch.

Karl Martell
18. April 2015 10:10

@ Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

In der Fußgängerzone stehen sie schon unter Beobachtung der modernen Blockwarte und Denunzianten. "Wir wissen wo dein Haus wohnt", Farbbeutel an die Fassade, Anrufe und Briefe an den Arbeitgeber usw.

Und die sezession, bzw. der Verlag stehen ebenfalls unter Beobachtung und Einschränkungen. Amazon? Kündigung von Veranstaltungsräumen?
Alles schon vergessen?

Marcus Junge
22. April 2015 11:46

Man kann viel über die Staatskasperletheateraufführung "NSU" schreiben, oder sich einfach nur dieses eine Bild ansehen. Motto: Sehen - verstehen.

https://www.wiedenroth-karikatur.de/02_WirtKari150421_NSU_Prozess_Zeugen_Todesfaelle_Corelli_Florian_H_Diabetes_Krampfanfall_Selbstmord_PKW.html

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