Sezession
6. Juli 2015

zwischentag und Vernichtungsphantasien eines Oberbürgermeisters

Nils Wegner

header_sezDer IV. zwischentag in Erlangen war eine Buchmesse der etwas anderen Art, bei Gluthitze und tropischer Luftfeuchte im Vortragsraum. Nichtsdestoweniger haben über den Tag knapp 200 Besucher den klimatischen Bedingungen getrotzt – ebenso wie den geradezu grotesken Anfeindungen, die seit mehreren Wochen von allen Seiten vorgetragen wurden. Insbesondere Erlangens völlig hysterischer Oberbürgermeister Janik (SPD) hat sich hierbei unrühmlich hervorgetan.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Janik, der ein Jahr nach seinem Amtsantritt offensichtlich noch um Profilschärfung bemüht ist, ist ein Freund klassischer Sprüche: »Das Stadtoberhaupt spricht von einem ›Rechten Pack, das in unserer Stadt nichts verloren hat‹. Man erkenne Nazis auch dann, wenn sie keine Springerstiefel trügen«, heißt es in den Erlanger Nachrichten. »Man müsse die Schneebälle zertreten, damit sie erst gar nicht zur Lawine werden können«, zitiert infranken.de den Diplom-Sozialwirt Janik. Ohne Benedikt Kaiser, der in der Vorstellung von Institut für Staatspolitik, Verlag Antaios und der Zeitschrift Sezession im Hinblick auf das übliche "breite Bündnis" der gewaltbereiten Gegendemonstranten den passenden Abschnitt aus Kleine-Hartlages Die Sprache der BRD vortrug, in die Parade fahren zu wollen: Angesichts derartiger Entgleisungen eines selbstherrlichen Musterdemokraten, der sich aus der gleichen "Volxgemeinschaft"-Phrasenkiste wie seinerzeit Bundesjustizminister Maas bedient, ist wohl eher schon der Rückgriff auf Klemperers LTI angemessen.

A2-kAuch optisch ein "breites Bündnis". (Bild von pi-news)

Sei's drum: Die Demonstration unmittelbar neben dem Zugang zum Haus der EB! Frankonia sorgte vor allem für eine launige Hintergrundmusik für das Treiben im Garten des Verbindungsanwesens. Die Handvoll Gewahrsamnahmen und Platzverweise nimmt sich gegenüber anderen einschlägigen Antifaveranstaltungen fast zahm aus; viele Berufsempörer werden wohl lieber zum "bunten" Stadtfest – laut Aussagen vorbeigebummelter zwischentag-Teilnehmer eine ausnehmend langweilige Veranstaltung – gegangen sein, anstatt auf der Straße vor sich hin zu braten. Die engagierten Nachbarn der gastgebenden Burschenschaft, die nach dem Abschlußvortrag für den Fall eines nochmaligen Absingens des Lieds der Deutschen mit einer Anzeige drohten, werden sich wohl noch ziemlich wundern. Und der anwesenden bayerischen Polizei ist für die Sicherstellung eines geregelten Ablaufs trotz schwieriger Gemengelage zu danken.

Neben Vorträgen über den Stand verschiedener Projekte, etwa der #deraustausch-Kampagne von IBÖ und IBD, lief vor allem die von der anderen Feldpostnummer befürchtete Vernetzungsarbeit ausgesprochen gut. Jenseits der üblichen Gespräche von Aussteller zu Aussteller traten auch Besucher gezielt auf den Antaiosstand zu, um mögliche Kooperationen im Hinblick auf künftige Veranstaltungen zu erörtern – die Resultate wird man zu gegebener Zeit sehen. Erlangen hat vor allem gezeigt, wie wichtig und gleichzeitig genugtuend Beharrlichkeit gegenüber den vielfältigen Sbirren des ja so freiheitlichen Parteien-Medien-Antifa-Komplexes ist. Da mag ein Oberbürgermeister strampeln und trampeln, husten und prusten soviel er will.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


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