23. Juli 2015

Autorenporträt Karlheinz Weißmann

von Martin Lichtmesz / 58 Kommentare

PDF der Druckfassung aus Sezession 66 / Juni 2015

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das wesentliche Etikett vorweg: Karlheinz Weißmann ist einer der wichtigsten Vordenker der »Neuen Rechten« Deutschlands. Darüber herrscht bei Freund und Feind Konsens. Weniger einig ist man sich auf der einen wie der anderen Seite, was mit dem Begriff der »Neuen Rechten« überhaupt gemeint ist.



In einem im Februar 2009 geführten Interview mit der Sezession lehnte der Gründer der Wochenzeitung Junge Freiheit, Dieter Stein, diese Schublade, in die er selbst bis heute gesteckt wird, vehement ab: Ihre Deutung liege in den Händen der politischen Gegner, der linken Politikwissenschaftler und der Verfassungsschutzbehörden, und deshalb sei sie als Selbstbezeichnung völlig unbrauchbar geworden.

Weißmann dagegen bekräftigte im selben Interview, was er bereits 2006 in dem Gesprächsband Unsere Zeit kommt geäußert hatte: Auch wenn »Neue Rechte« nur ein »Hilfsbegriff« sei, »wie jedes andere politische Etikett«, gäbe es nach wie vor kein besseres, um die eigene Position zu markieren. Eine »neue Rechte« in seinem Sinne sei weder nostalgisch noch klassengebunden, sondern »an der Wirklichkeit orientiert, bereit und fähig, die Lebensmöglichkeiten der Moderne wahrzunehmen, aber nüchtern, mit einem Gespür für deren besondere Gefahren.« Überhaupt sei der Begriff nützlich, um sich von den Bloß-Konservativen abzusetzen, wider das ganze »Gerede« über »Werte«, »das noch nie zu irgend etwas geführt hat«, und die Verengung des Konservativen auf bürgerliche »Besitzstandswahrung«: »Da erkläre ich allerdings entschieden meinen Dissens und möchte nicht verwechselt werden, was auch immer freudig akzeptiert wird, wenn ich erkläre, daß ich nicht nur konservativ bin, sondern rechts.«

Unausweichlich bleibt schließlich, daß die politische Zuweisung von ›links‹ und ›rechts‹ in der Kontroverse nicht nur der eigenen Defiition unterliegt, sondern polemisch erfolgt. Wer das nicht versteht, sondern panisch die Markierung ›rechts‹ abstreifen will, hat schon kapituliert. (Karlheinz Weißmann: Die Nation denken; in: FAZ vom 22. April 1994)


In seinem Essay Das konservative Minimum (2007) zielte Weißmann in diesem Sinne darauf ab, dem Konservatismus die Zähne zurückzugeben, ihn gar »als Kampfbegriff zu etablieren«. Er leitete seine »Kampf-Ansage« mit einer Anekdote über einen alten Bekannten ein, der als »guter Gatte und Vater und als gemachter Mann« kurz vor dem Ruhestand folgende Auffassung von einer »konservativen Existenz« hatte: man »müsse die Macht der Verhältnisse anerkennen, und das heiße unter den obwaltenden Umständen: betreibe deine Karriere, versuch nicht anzuecken, halte dich an die Moral der Väter und erzieh deine Kinder anständig.« Man »müsse doch zugeben, daß das ewige Opponieren sinnlos gewesen sei. Zuletzt komme alles von selbst ins Gleis«, was sich etwa daran zeige, daß noch jeder Revoluzzer zum Philister gealtert sei.

Weißmann erteilte seinem Gegenüber eine deutliche Absage: Entscheidend sei nicht, ob nun auch die Linken verspießerten, sondern der Substanzverlust, die Dekadenz, »daß in diesem Land seit dreißig Jahren Bestände vernutzt werden, die sich kaum wiederherstellen ließen.« Von dieser Perspektive aus müsse man auch die Pseudokonservatismen beurteilen, die hin und wieder Konjunktur hätten: etwa das »Wert«- und »Kultur«-Konservative oder die »neue Bürgerlichkeit« der gehobeneren Feuilletons.

Auf den Punkt brachte Weißmann seine Thesen in seinem 2009 publizierten Konservativen Katechismus: »Prüfe kritisch, ob es sich nicht nur um typbedingtes Phlegma oder altersbedingte Resignation handelt. Es gibt auch eine verbreitete Neigung, Faulheit und Konservatismus zu verwechseln, oder fehlende Anstrengungsbereitschaft weltanschaulich aufzuhübschen.« Konservatismus sei eben nicht »Ruhebedürfnis«, Routine oder Alterserschlaffung, sondern ein stetiger Einsatz für das Leben schlechthin: »Insofern es dem Konservativen darum geht, etwas Lebendiges – seine Kultur, seine Nation,seine Religion, seine Familie – zu erhalten, kann er sich das Nachlassen nicht erlauben.«

Weißmanns publizistische Anstrengung zielt auf ein authentisches Rechtssein. Die Beschränkung auf das »Nationale« reicht nicht aus: Man müsse die Option für die Nation auf die Grundlage einer »skeptischen Anthropologie« stellen. Die Essenz des rechten Denkens lasse sich etwa auf drei klassische Überzeugungen herunterbrechen: »1. Der Mensch ist ein riskiertes Wesen; 2. Der Mensch ist auf Ordnung angewiesen; und 3. Die Existenz des Menschen ist eine historische.« Eine fundierte rechte Weltanschauung ruht nach Weißmann also auf drei Säulen: auf dem Wissen darüber, was der Mensch ist, was die Nation ist und wer oder was die Rechte mitsamt ihren vielfältigen Denkfamilien ist. Anders gesagt: Wer sind wir und woher kommen wir, als »Mängelwesen« Homo sapiens, als Deutsche und als Rechte?

Weißmanns Bücher, Aufsätze und Vorträge sind umfassende Versuche einer Klärung dieser Fragen, zugleich Bestandsaufnahmen eines historisch-politischen Erbes, verknüpft mit aktuellen Standortbestimmungen. Damit zeigte er sich als dezidierter Nachfolger seines Mentors Armin Mohler, der mit seiner einflußreichen, von Weißmann auf den neuesten Stand gebrachten Dissertation Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 ähnliche Ziele verfolgte.

Um das Mobilisierende seiner Schriften vollauf zu goutieren, muß man freilich auch die Lust am Wissen und Vielwissen in sich tragen, empfänglich sein für die Funken eines pädagogischen Eros und einer nationalen Erziehung. Wissen ist Macht und Bewußtseinsbildung ist Ermächtigung. Der promovierte Historiker Weißmann hat die deutsche Geschichte oder die Geschichte der Rechten und ihrer Ideen niemals bloß im Sinne eines »nice to know« aufbereitet, sondern stets als spiritus rector einer »Traditionskompanie«, mit dem Anspruch, ein Selbstbewußtsein, eine Identität und eine Kontinuität in Erinnerung zu rufen, zu festigen, zu formen und weiterzuentwickeln, dabei aber niemals die wissenschaftliche Strenge preiszugeben.

Weißmanns Studien über Die Zeichen des Reiches. Symbole der Deutschen (1989), Druiden, Goden, weise Frauen (1991), Mythen und Symbole (2002), Männerbund (2004) oder auch Das Hakenkreuz (2006) näherten sich ihren Thematiken nüchtern und sachlich, ohne sie zu entzaubern. Ähnliches gilt für das unter seiner maßgeblichen Beteiligung entstandene Staatspolitische Handbuch: Die bisher erschienenen Leitbegriffe (I), Schlüsselwerke (II), Vordenker (III) und Deutsche Orte (IV) erschließen die weiten Felder der rechten Denk- und Wahrnehmungstradition.

Weißmanns Arbeiten zielen auf eine Wiedereinübung der eigenen Perspektive ab. Das gilt zum einen für die Deutschen in ihrer Gesamtheit, die sich längst nur mehr mit den Augen der Sieger beider Weltkriege wahrnehmen können, ohne diesen Umstand überhaupt zu bemerken. Zum anderen geht es Weißmann auch stets um die Souveränität, sich selbst einen Namen als politisches Tier geben zu können, und dies nicht anderen zu überlassen. In der Bundesrepublik ist ein Rechter vergleichbar mit einem Käfer, der sich von seinen Feinden jagen und einsortieren lassen muß und nur wenig Deutungshoheit über sich selbst besitzt, geschweige denn eine vernehmbare eigene Stimme. Die landesübliche Literatur zur Rechten stammt überwiegend von linker und »antifaschistischer« Seite und ist in der Regel äußerst wertungs- und meinungsfreudig.

Es ist eine Wohltat, neben diesen Kram ein Buch wie Weißmanns Alles, was recht(s) ist (2000) zu stellen, in dem man auf ganz andere Art belehrt und angeregt wird! Daß es dabei durchaus legitim ist, sich das persönliche Rechts-Sein maßzuschneidern, bezeugte Weißmann mit seiner eigenen Person: »Ich bin eben ein Rechter nach eigener Façon«, ihm fehle im Gegensatz zu vielen Rechten »die Herkunft aus einer entsprechenden Tradition«. Weißmann wählte seine historische Verortung dezidiert: deutsch, national, preußisch, protestantisch. Frei nach einem legendären Katalog der rechten Strömungen aus der Zeitschrift Éléments umriß er seinen Claim: »Parole: Geheimes Deutschland! Hauptfeind: Die Dekadenz. Köpfe: Friedrich Nietzsche, Ernst Jünger, Arnold Gehlen, Armin Mohler. Referenzepochen: Das Ottonische und das Staufische Reich, Preußen im 18. Jahrhundert, die deutschen Erhebungen von 1813, 1944 und 1953. Idole: Heinrich I., Friedrich II., Friedrich der Große, Stein, Gneisenau, Bismarck, Stauffenberg.«

Geheimes Deutschland! Mit dieser poetischen Formel aus dem George-Kreis, die den »Kern«, das »Wesen« und damit den »Fortbestand« der Nation anspricht, kommt durchaus ein Schuß »romantischer Dünger« (Götz Kubitschek) in das an Arnold Gehlen und seinem »kalten« Realismus orientierte Denken Weißmanns. Denn das »spezifische Pathos« der Nation (Max Weber) ist nicht etwas, das sich mit bloßem »Realismus« und einem Blick in die »Wirklichkeit« von selbst einstellt. Es bedarf dazu eben doch einer Art von Beschwörung und Vergegenwärtigung. Vielleicht rührt von dorther Weißmanns Liebe zur Heraldik und zum magisch-verdichteten Emblem.

Götz Kubitschek berichtete im Vorwort zu Unsere Zeit kommt über einen seiner ersten Eindrücke des Redners Weißmann. Ein Vortrag, der sich um die nationale Frage drehte, mündete in eine »gewaltige« Beschwörung: »Er ließ an den Hörern den historischen Zug der Deutschen vorbeiziehen, nannte Kaisergeschlechter, Bauernführer, Siedler, Künstler, Denker, Epochen, alles selbstverständlich und vor allem ohne Relativierung. Als er auf die Epoche des Dritten Reichs zusteuerte, hielt der Saal den Atem an. Und Weißmann rief die Frontsoldaten, die Männer des 20. Juli, die KZ-Häftlinge, die letzten Verteidiger der Ostgrenzen, die Vertriebenen und die Spätheimkehrer auf; ließ dann, ohne die Abfolge zu unterbrechen, die Arbeiter des 17. Juni 1953 folgen, um mit denen zu enden, die die Mauer eingerissen hatten.« Wer Weißmann als Vortragenden erlebt hat, wird sich die Suggestivkraft dieses Auftritts unschwer ausmalen können. Er erinnert an eine Szene aus Hans-Jürgen Syberbergs Parsifal-Verfimung, in der Parsifal und Gurnemanz durch einen höhlenartigen Gang schreiten, der an einem bunten Aufzug von Flaggen aus der deutschen Geschichte vorbeiführt, immer tiefer hinab in die Vergangenheit. Die erste Flagge, die Parsifal passieren muß, als gelte es, eine abschreckende Schwelle zu überschreiten, ehe man ins Herz des Geheimen Deutschlands gelangt, ist eine Hakenkreuzfahne.

Diese Feuerprobe mußte auch Weißmann bestehen. Daß ihm dies allzu gut gelang, führte letztlich zu seiner Verbannung aus der Arena der »salonfähigen« Debatten. Anfang der neunziger Jahre, mit dem Rückenwind der Wendezeit, hatte der brillante junge Akademiker noch gute Chancen, von einem breiteren Publikum gehört zu werden. Sein 1992 im Ullstein-Verlag erschienenes Buch Rückruf in die Geschichte wurde zur Programmschrift der »Neuen demokratischen Rechten«, die sich um die Publizisten Rainer Zitelmann, Heimo Schwilk und Ulrich Schacht kristallisierte. Entscheidende Impulse gab dabei der Essay »Anschwellender Bocksgesang« (1993) von Botho Strauß, jener zentrale Text, der auch den Sammelband Die selbstbewußte Nation (1994) inspirierte und neben Weißmann Namen wie Ernst Nolte, Hartmut Lange, Peter Gauweiler, Eberhard Straub oder Michael Wolffsohn versammelte.

Im selben Jahr beteiligte sich Weißmann auch als Autor an der kurzlebigen Aufsatzreihe »What’s right?« der FAZ, die als Pendant einer früheren Serie mit dem

Titel »What’s left?« konzipiert war. In Wahrheit wollte man wohl gar nicht so genau wissen, was »rechts« wirklich sei oder sein könnte, schon gar nicht von einem intelligenten Rechtsintellektuellen selbst. Sichtbar wurde eine geradezu hysterische Angst, der Autor wolle in Wahrheit noch schlimmere Dinge in den Diskurs »schmuggeln«, als er zugebe. Ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Weißmann, in dem er die Rechte zur »politischen Mimikry« aufrief, diente jahrelang als Beleg für diesen Verdacht, der als Herrschaftsinstrument auch seine praktischen Seiten hatte.

Wir wollten im übrigen keine Mehrheiten gewinnen, sondern unsere intellektuelle Selbständigkeit erhalten und eine Grenzlinie zu den Opportunisten und den Gegnern ziehen. Unter dem Aspekt der ›Anschlußfähigkeit‹ war das natürlich unklug, aber wann wäre eine prinzipielle Alternative je zustande gekommen durch Klugheitserwägungen? (Wie wichtig ist ein Begriff? Ein Gespräch mit Karlheinz Weißmann und Dieter Stein über die politische Bezeichnung ›Neue Rechte‹)


1995 erschien dann Weißmanns voluminöses Werk Der Weg in den Abgrund. Deutschland unter Hitler 1933 bis 1945 als Band 9 der Propyläen Geschichte Deutschlands. Auf Initiative Rainer Zitelmanns, zu diesem Zeitpunkt Cheflektor bei Ullstein-Propyläen, ersetzte Weißmann den etablierten Historiker Hans Mommsen, der mit der Abgabe seines Manuskripts etliche Jahren in Verzug war. Als bekannt wurde, daß ein »Rechter« mit einer Darstellung des heikelsten Abschnitts der deutschen Geschichte beauftragt worden war, setzte eine wüste Medienkampagne ein, in deren Verlauf Weißmanns Buch zum »Skandal« hochgeschrieben und als rechtes »Kuckucksei« diffamiert wurde, zum überwiegenden Teil von Autoren, die es gar nicht gelesen hatten oder kaum zu einem sachlichen Urteil befähigt waren.

All dies war, nüchtern betrachtet, ein Versuch der Zensur und ein Stück »Sittengeschichte der BRD« (Lothar Höbelt), anhand dessen man immerhin eines ablesen konnte: Die metapolitischen Koordinaten hatten sich bereits so weit verschoben, daß schon als »gefährlich« und potentiell »rechtsextrem« galt, wer mit der Historisierung der NS-Geschichte Ernst machte. Ein entdämonisierter und kontextualisierter Nationalsozialismus eignet sich weitaus weniger gut als politische Waffe, weshalb ein Werk wie dieses wohl nicht zu Unrecht als Angriff auf den Status quo empfunden wurde. Irritierend war natürlich auch, daß sich sein Verfasser dem obligat gewordenen Tonfall der nationalen Selbstverwerfung verweigerte. Propyläen beugte sich dem Druck und stampfte die Restauflage des Buches ein.

Immerhin hatte Weißmann demonstriert, daß eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich gerade von einem rechten Standpunkt her möglich war. Da nun aber alle Wege in den Mainstream endgültig verbaut waren und Weißmann aus politischen Gründen keine Chancen mehr auf einen akademischen Lehrstuhl hatte, galt es, auf eigene Faust Alternativen zu schaffen. 1999 skizzierte er in einem Interview mit der Jungen Freiheit die »Vision« eines rechtskonservativen Bildungsinstituts, das eine »intellektuelle und moralische Reform« des Landes vorbereiten und »Forschung, Information und Orientierung« anbieten könnte. Das im Jahre 2000 zusammen mit Götz Kubitschek gegründete und mittlerweile von Erik Lehnert geführte Institut für Staatspolitik (IfS) arbeitet und wirkt in diesem Sinne.

Weißmann trug damit auch die Fackel der alten Garde der konservativen Nachkriegsintelligenz weiter, die sich einst um die Zeitschrift Criticón geschart hatte: Mohler, Caspar von Schrenck-Notzing, Bernard Willms, Hellmut Diwald, Robert Hepp oder Hans-Joachim Arndt. Der bereits erwähnte Gesprächsband mit dem programmatischen Titel zeigte ihn eher untypisch finster dreinblickend vor einem Regal mit Büchern zum Zweiten Weltkrieg, in der Rolle des Lehrmeisters, der an den Ernstfall gemahnt. Auf die Frage, wer denn »die richtigen Leute mit den richtigen Vorstellungen« seien, wer also imstande sei, Bindungen zu schaffen und Institutionen zu führen, antwortete er mit erfrischendem Selbstbewußtsein: »Wir!«

Indes: Dieses »Wir«, das vor allem aus den ungleichen Dioskuren Weißmann und Kubitschek bestand, fand im vergangenen Jahr nach langer, fruchtbarer Zusammenarbeit sein Ende. In einer strategischen Auseinandersetzung zwischen Junger Freiheit und Institut entschied sich Weißmann für den stärkeren Part und verließ das IfS. Seine Autorschaft für die JF hat er ausgedehnt, aber auch dort haben sich inzwischen einige Vorzeichen geändert, die man gerade mit der Lektüre von Weißmanns früheren Schriften im Hinterkopf äußerst kritisch betrachten muß.

Denn die Junge Freiheit, das einstige Mutterschiff der Neuen Rechten Deutschlands, ist im Jahre 2015 durch eine seltsame Schizophrenie gekennzeichnet, die nicht nur ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten erheblich eingeschränkt, sondern dem gesamten konservativen Meinungslager geschadet hat.

Diese Entwicklung hat vor allem mit dem Aufstieg der Alternative für Deutschland seit dem Jahr 2013 Fahrt aufgenommen. Die AfD wurde von vielen enttäuschten Konservativen als potentielles Vehikel betrachtet, das ihrem Anliegen endlich eine parteipolitische Vertretung würde geben können – als eine Art Trojanisches Pferd auf dem Weg ins Establishment. Jedoch: Muß sich nicht jeder, der mitspielen will, anpassen? Und sitzt er nicht spätestens dann in der Falle, wenn er die Bereitschaft zeigt, den Sprachgebrauch des Gegners zu übernehmen?

Besonders bei der Höcke-Gruppe sind Hasardeure einer ›Rechten‹ am Werk, die keinen Ruf zu verlieren haben und denen es gleichgültig ist, ob sich die AfD durch einen Rechtsruck und die Aufgabe des liberalen Flügels an den Rand des diskutablen politischen Spektrums manövriert. (Dieter Stein: Merkel stellt den Sekt kalt; in: Junge Freiheit vom 28. April 2015)


Im Widerspruch zu seiner langjährigen Blattlinie schlug sich Dieter Stein nicht auf die Seite des konservativeren Flügels der AfD, für den Alexander Gauland und die Verfasser der »Erfurter Resolution« um Björn Höcke stehen, sondern setzte mit geradezu messianischer Inbrunst auf Leute wie Bernd Lucke oder Hans-Olaf Henkel, die aus ihrer strikten Ablehnung jeglicher »rechter« oder »rechtspopulistischer« Tendenzen keinen Hehl machen. Wenn ein Bernd Lucke ab und zu noch von »Konservativen« spricht, die in der Partei willkommen seien, dann ist hiermit eindeutig jene Schwundstufe gemeint, die von Weißmann so scharf zurückgewiesen wurde und wird.

Dieter Steins Rede von den braven Konservativen im Gegensatz zu den indiskutablen »Rechten« speist sich wohl eher aus dem Motiv, den Luckes die eigene Harmlosigkeit und Anpassungsfähigkeit zu signalisieren: ein Kapitulations-, kein Kampfbegriff. In einem Artikel vom 28. April 2014 bangte Stein um den Erhalt der Partei unter Luckes Führung, als ginge es um das eigene Leben, wobei er die Schuld für die Krise »rechten Hasardeuren« in die Schuhe schob – die jedoch in Wahrheit nichts anderes wollen und sagen, als das, was die Junge Freiheit jahrelang gewollt und gesagt hat.

Und was wäre denn wirklich mit dem Sieg der Lucke-Fraktion gewonnen, für die Konservativen ebenso wie für Deutschland? Hier sind Stockholm-Syndrom-artige, fixe Ideen am Werk, die mit »Realpolitik« nichts mehr zu tun haben. Die Folge ist eine geistige Verbiegung und Inkongruenz, eine wachsende Unaufrichtigkeit gegenüber der eigenen Aufgabe und der jahrelang treuen Leserschaft. Wirkliche Debatten, wirkliche Alternativen, wirklich ernsthafte Auslotungen des »Substanzverlustes« werden dadurch erheblich behindert. Denn leider ist heute fast alles, was problematisiert werden muß, nur mehr von rechts ansprechbar, weil von links verursacht.

Trotzdem hat Stein weiterhin einige rechte Urgesteine im Marschgepäck, teils aus Gewohnheit, teils wohl aus Orientierungslosigkeit. Inzwischen hat die AfD als «Kantenschere« die eigenen Ränder demonstrativ beschnitten und diverse Bauernopfer dargebracht, um nach außen hin »respektabler« zu wirken. Die Junge Freiheit hat entlang dieser Parteilinie ihren Resonanzraum ohne Not nach allen Seiten verknappt. »Die Alternative wird kaum als Alternative funktionieren, wenn ihre Spitze sich den Snobismus der Altparteien gönnt, das heißt immer ein gutes Stück weiter links als die Basis steht«, warnte Weißmann in der JF. Das läßt sich ohne Abstriche auf das Verhältnis zwischen Dieter Stein und seiner Leserschaft ummünzen.

Im Doppelinterview mit der Sezession im Jahr 2009 sagte Weißmann: »Wir stehen also vor dem Problem, daß es entweder gar keine Möglichkeit der Selbstbezeichnung gibt, eine unscharfe – konservativ – oder eine trennscharfe – rechts. Es geht um die Alternativen Kapitulation, Kollaboration oder Guerilla. Da bin ich dann zugegebenermaßen für Guerilla – also den kleinen Krieg; dazu gehört Beweglichkeit, Deckung nutzen, Angriffslust und selbstverständlich Provokation des Gegners.« Wenn Weißmann immer noch so denkt, dann muß man sagen: Innerhalb des deutlich zur Kapitulation und Kollaboration neigenden Publikationsrahmens der JF kann er sich nicht mehr lange wohlfühlen.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (58)

Mr. Kurtz
23. Juli 2015 09:45
Hier ist die Fahne, hier eile hin oder "Anschlußfähigkeit" an größere Strömungen und Organisationen - das war ja von jeher die Alternative. Selbst ein Nepumuk Vogel hat es kurzzeitig mit Anschlußfähigkeit bei der Strauß-CSU versucht, was legitim war.
Einen Königsweg hat noch niemand aufgezeigt, insofern sollte man milde sein im Urteil über den jeweils anderen Weg. Abgesehen von den grundsätzlichen Schwierigkeiten, den "Erfolg" überhaupt zu bemessen.
So wie die Dinge heute liegen, bei fortgeschrittener Umvolkung und einem links-liberal eingesperrten öffentlichen Meinungsklima ist die Antwort für mich allerdings klar: sezession. Mit dem gesellschaftlichen Mainstream existieren keine Schnittmengen mehr, an die man anknüpfen könnte.
Meier Pirmin
23. Juli 2015 11:27
Die klar bedenkenswertesten Beiträge in Heft 66 von Sezession betreffen "Geschichtspolitik" von Stefan Scheil, Friedrich Pohlmann, Ernst Nolte, Erik Lehnert und anderen. Kh. Weissmann wird immer "umstritten" bleiben, ein Adjektiv, das für den viel bedeutenderen Ernst Jünger stets unausbleiblich war. "Hier ist die Fahne, hier eile" hin, das ist Ausdruck des völlig unerwünschtem Kollektivismus, wie er leider zum Nationalismus gehört. In diesem Sinn erweist es sich als kontraproduktiv, die Politik - wie Pegida oder weiland die 68-er - auf die Strasse zu verlegen. Gute Debatten erfolgen abseits des Mainstream. Sobald man zu diesem gehört, würde auch für die Rechte gelten, tritt Jacques Maritains "Erhaltungsgesetz der Dummheit" in Kraft, welches lautet: Dummheit bleibt erhalten. Sie wechselt je nach Zeitgeist regelmässig das Lager. Wie auch immer, die Fragestellungen zur Geschichtspolitik, zumal zum Historikerstreit sind messerscharf und eine Aufforderung zu sauberem, auch selbstkritischem Denken und entsprechender Analyse. Die Bestellung des sorgfältig redigierten Heftes hat sich für mich gelohnt.
d.n.
23. Juli 2015 12:00
"Trotzdem hat Stein weiterhin einige rechte Urgesteine im Marschgepäck, teils aus Gewohnheit, teils wohl aus Orientierungslosigkeit."


Wobei diese Urgesteine eher einen Platz im Museum ausfüllen, also nur im Kulturteil der Zeitung veröffentlichen (dürfen). Der Politik- und vor allem der Meinungsteil sind fest in Händen von Stein und seinen Getreuen. Sogar Hinz ist seit einiger Zeit spürbar aus dem Politkteil verschwunden (bemerkenswert sporadisch daher auch seine Kommentare zur AFD); bezeichnender Weise war aber gerade Weißmann in den letzten Monaten dort nun schon mehrmals an prominenter Stelle vertreten.
Exmeyer
23. Juli 2015 13:03
@ Meier Pirmin

A. Erhaltungssatz der Dummheit.
B. Erhaltungssatz der 'Guten Debatte'.
C. Erhaltungssatz des Phlegmas.

A+B=C

Tatkräftige Menschen sind selten 100% genau und tiefschürfend oder "gut redigiert". Sie begnügen sich mit 70 der möglichen Tiefenwirkung. Die Hunderprozenter sind selten tatkräftig. Sie begnügen sich mit der Tiefenerkenntnis und der Fähigkeit, möglichst alles mit Zitaten zu belegen, Meinung und Gegenmeinungen vollständig zu kennen. Die Oberflächlichen oder Dummen begnügen sich gar mit 0 bis 20% der Tiefenwirkung.

Die Intellektuellen sollten ihr Selbstverständnis überprüfen. Der wissenschaftliche Mediziner forscht, um Krankheiten zu heilen. Der Chemiker forscht, um neue Verbindungen zu bekommen. Der Ingenieur forscht, um diese Verbindungen zu produzieren. Der Wirtschaftswissenschaftler "forscht", um festzustellen, ob diese Verbindungen zu welchem Preis an wen verkauft werden können.

Alles forscht mit einem Zweck, und sei es das schnöde Geld. Zu welchen Zweck ist der 'rechte' oder 'rechtsliberale' (Geht das überhaupt rein semantisch, das klingt doch sehr nach weiblichem Hengst? Entweiblichte Stute?) Intellektuelle unterwegs? Um der 'Guten Debatte' willen?

Hinter dem ganzen Denken Carl Schmitts steht die Möglichkeit des existenziellen Kampfes, hinter Jünger die entsprechende Lebenserfahrung. Das verbindet beide. Dieses Denken ist der Kern des Rechtsseins. Und um diese Existenz dreht sich das Denken. Es ist der Zweck dieses Denkens, diese Existenz zu erhalten.
Und aus dem vorläufigen Ergebnis dieses Denkens zieht man Konsequenzen, wie der Ingenieur einen Entwicklungsmodell anfertigen läßt oder die Maschinen probehalber anordnet und die erste Linie produzieren läßt.

'Gute Debatte'? Führt die zu was? Außer zu einer 'Guten Debatte'? Ergebnisse?

Haben Sie nach einer 'Guten Debatte' wenigstens zehn Liegestütze gemacht und das häusliche, gute schweizer Sturmgewehr gereinigt und funktionsüberprüft?

Tiefenerkenntnis vor Generalerkenntnis?
Elfenbeinturm-Theorie vor Praxisbezogenheit?
'Gute Debatte' vor Aktivität?

Erst wenn aus dem "Vor" ein "Und" wird, entsteht praxisbezogene Theorie (quasi "applied science" statt Habermaß'sche Elfenbeintürme) und ungerichteter, teils zweckwidriger Aktivismus wird vermieden. Zweckermittelndes Denken, zweckgerichtets Handeln. Das erste müssen die "Intellektuellen" lernen. In der "Geschichtswissenschaft" lernt man das nicht. In der Offizierschule springt man zu kurz.
Meier Pirmin
23. Juli 2015 13:51
@Exmeyer.

Gut, dass Sie Jünger erwähnt haben. Dieser kannte das Theorie-Praxis-Problem so gut wie Sie. Hat aber mit der Zeit eingesehen, dass direkte praktische Ratschläge zum poliitischen Handeln am Ende nicht die Aufgabe des Intellektuellen sind. Er blieb vor allem auch gegenüber der Rechten Anarch und Individualist, marschierte am Ende nirgends mit. Auch Irrtümer in der Grössenordnung von Carl Schmitt sind ihm nie passiert. Am beeindruckendsten bleibt, dass er auch in der Bundesrepublik, so wenig wie im 3. Reich, keine verlangten Systembekenntnisse abgab und sogar das Minimum, was man hätte sagen müssen, um ein guter Mensch zu sein, nicht sagen wollte. Das war praktizierte Freiheit. Das Schweizer Sturmgewehr hätte ihm wie der Hirschkäfer mehr Spass gemacht als die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Dennoch war es nie möglich, ihn zum Verfassungsfeind abzustempeln.


Das rein Praktische, das Sie meinen, muss von der intellektuellen Diskussion getrennt werden. Es ist natürlich ein Problem, dass beispielsweise bei der AfD ein gravierender Mangel an politischen Fähigkeiten zu konstatieren ist. Da sind wieder andere Fähigkeiten gefragt. Die "gute Debatte" ist, obwohl nicht Selbstzweck, nie ein Luxus. Lessing führte zum Beispiel eine gute Debatte, obwohl er zu seiner Zeit fast nichts verändert hat. Eine gute Debatte über Geschichtspolitik kann beispielsweise auf Dauer eine vernünftigere und weniger von Tabus belegte Einschätzung der Gegenwart mit sich bringen.
Zadok Allen
23. Juli 2015 14:02
Und was wäre denn wirklich mit dem Sieg der Lucke-Fraktion gewonnen, für die Konservativen ebenso wie für Deutschland? Hier sind Stockholm-Syndrom-artige, fixe Ideen am Werk, die mit »Realpolitik« nichts mehr zu tun haben. Die Folge ist eine geistige Verbiegung und Inkongruenz, eine wachsende Unaufrichtigkeit gegenüber der eigenen Aufgabe und der jahrelang treuen Leserschaft. Wirkliche Debatten, wirkliche Alternativen, wirklich ernsthafte Auslotungen des »Substanzverlustes« werden dadurch erheblich behindert. Denn leider ist heute fast alles, was problematisiert werden muß, nur mehr von rechts ansprechbar, weil von links verursacht.


So sehr Herr Lichtmesz mit den Ausführungen dieses Absatzes recht hat, er gehört nicht in ein Autorenportrait. Ansonsten handelt es sich um eine ebenso umsichtige wie wohlabgewogene Werkbiographie.

Da ich das Wurstblatt nicht mehr lese: publiziert Paulwitz eigentlich noch im Politikteil? Auf den Seiten der JF erscheinen immerhin regelmäßig Kommentare von ihm im gewohnten Tenor.

Man darf gespannt sein auf Steins erste Stellungnahme zur totalen Selbstdesavouierung Luckes in den vergangenen vierzehn Tagen. Steins blinder Fleck scheint darin zu bestehen, daß er - trotz allen einschlägigen Erfahrungen - nicht wahrhaben will, mit wie dreckigen Mitteln seitens der Herrschenden vorgegangen wird.

Luckes Selbstentlarvung als eitler, infantiler Egomane und System-U-Boot in ein und derselben Person dürfte das Beste sein, was der JF seit vielen Jahren passiert ist.
Richard Meißner
23. Juli 2015 14:39
Das bedrohte Überleben eines Volkes wird nie durch "gute Debatte" sichergestellt. Wem es nur um "gute Debatte" geht, der stellt schlicht sein Steckenpferd über elementare Pflichten. Auch nicht besser als die Vögel, die von Politik nichts hören wollen und den Sinn der Welt in ihrer Lieblingsmusik oder ihrer Hundezucht entdecken.

Die spätrömischen Eliten hatten sich bekanntlich auch auf die "gute Debatte" verlegt. Von der Welt entrückt, auf ihre Landgüter zurückgezogen, schwelgte man in der eigenen kulturellen und rhetorischen Großartigkeit. Bis dann der Germanenfürst an die Pforte klopfte und mit 20.000 Kriegern im Rücken höflich verdeutlichte, dass doch jetzt bitte die Getreidesilos im Sinne der allgemeinen Völkerverständigung geöffnet werden sollten.

Die Debatte die sich daraufhin entspann war sicher eher kurz und ich fürchte wir werden sie in Zukunft selbst führen müssen, wenn wir nicht handeln...
Bausparer
23. Juli 2015 14:42
Weißmann ist Pragmatiker. Er weiß (mittlerweile), dass man verbrannte Begriffe nicht wieder aufwärmen sollte. Es hört ihm -- außer diesem kleinen Kreis hier -- niemand zu, wenn er sich als "Neurechter" (oder neuer Rechter) bezeichnet und damit im gesellschaftlichen Sinne selbst stigmatisiert. Ich habe von W. längst nicht so viel gelesen wie Sie, konnte ihn aber, trotz einer gewissen beruflich bedingten Vorbildung, nie als "Rechten", sondern stets nur als "Altkonservativen" einstufen, wie man sie in der CSU noch vor einigen Jahren verstreut finden konnte. Wohl mit Bedacht hat W. zu einer Zeit, als er noch hin und wieder mit einem "Rechtsvokabular" kokettierte, sein "konservatives Minimum" -- ein Büchlein, das ich sehr schätze -- nicht "neurechtes Minimum" genannt.
Ein gebürtiger Hesse
23. Juli 2015 15:17
@ Bausparer

Was die ach so meidenswerte oder "verbrannte" Selbstverortung "rechts" angeht, siehe Weißmann in dem schönen Gesprächsband "Unsere Zeit wird kommen" (Antaios 2006, S. 46):

Ich bin ein Rechter nach eigener Façon.

oder auch Weißmanns Aussage im dritten Absatz des obigen Portraits.

Gesagt (und das mehrfach) ist gesagt.

Und tut man jemandem nicht auch einen Gefallen, wenn man seine besten, weil stärksten Orientierungen hervorhebt und diesen allen anderen gegenüber den Vorzug gibt, selbst wenn letztere aktueller sind als erstere?
Mr. Kurtz
23. Juli 2015 17:31
@Richard Meißner
Diese historische Parallele ist noch aus anderen Gründen aktuell. Die spätrömischen Eliten hatten die pragmatische Idee, den eingewanderten Barbaren Siedlungsraum im Reich zuzuweisen und ihnen -zur besseren Integration, versteht sich- das römische Bürgerrecht zu verleihen. Wo dies alles nichts fruchtete -also fast überall- wurden dann Tribute gezahlt, um die Edlen Wilden eine Zeitlang ruhig zu halten. Ganz zum Schluß freute man sich dekadent auf die eigene Zerstörung, das berühmte "Warten auf die Barbaren". Wem das alles bekannt vorkommt...
Michael Schlenger
23. Juli 2015 19:47
An Mr Kurz und Richard Meißner,

auch wenn es noch so oft wiederholt wird, die lange Agonie des römischen Reiches von der Mitte des 3. bis zum Ende des 5 Jhs. auf bloße „Dekadenz“ der Eliten zurückzuführen, ist verfehlt.

Bitte befassen Sie sich einmal ernsthaft mit der Lage des römischen Imperiums ab etwa 200 n.Chr. Das Reich steht in voller Blüte, nie zuvor in Süd- und Mitteleuropa genossen so viele Menschen gleichzeitig ein solches Maß an Wohlstand und Sicherheit - vermeintlich geschützt von einer mehrere tausend Kilometer lange Grenze, angefangen in Schottland, den Rhein und die Donau entlang hinunter nach Syrien und Palästina, dann wieder über Ägypten den Saharasaum entlang bis nach Marokko reichend.

An dieser schier endlosen Grenze (die Ostfront lässt grüßen) und nur dort stand eine schlagkräftige Berufsarmee von einigen hunderttausend Mann. Sie war prinzipiell bis in die Spätzeit in der Lage, lokale Angriffe zurückzuschlagen oder auch Durchbrüche zu korrigieren – wenn auch oft erst nach Jahren – wenn sie ausreichend Kräfte zusammengezogen hatte. Das gesamte Hinterland dagegen war seit dem 1. Jh. praktisch frei von Militär – von kleinen eher polizeilich wirkenden Einheiten an Brennpunkten abgesehen. Eine allgemeine Wehrpflicht gab es bereits seit der späten Republik nicht mehr.

Anzeichen für mangelnde Investitionen in Grenzbefestigungen, bewusst vernachlässigte Versorgung und Ausrüstung der Soldaten, nachlassende Disziplin der Truppe oder auch fehlende Erfahrung oder Ernsthaftigkeit der Eliten gibt es praktisch nicht. Mancher würde sich wundern, welches Wissen und Können auch in der Spätantike im Regelfall vorausgesetzt wurde, wenn jemand ein hohes Amt in der zivilen Verwaltung oder in der Armee anstrebte. Auch dass auf dem Kaiserthron nur unqualifizierte Psychopathen saßen, ist ein verbreiteter Irrtum. Ausnahmen bestätigen die Regel.

In der Spätantike wird das römische Reich nun in einen nicht mehr endenden Mehrfrontenkrieg verwickelt, dem aus rein logistischen Gründen keine Macht der Erde auf Dauer hätte standhalten können. Die Kräfte, die an der einen Stelle abgezogen wurden, um Angriffe an der Ostgrenze abzuwehren, fehlten an der Grenze zu Germanien. Die Einheiten, die im Norden Britanniens gebunden waren, fehlten auf dem Balkan usw. – das oft jahrelang. Zur Erinnerung: Große Truppenbewegungen dauerten seinerzeit Monate und erforderten sorgfältigstePlanung.

Die Völkerwanderung war nun keinesfalls die Reaktion tatendurstiger und unverdorbener „germanischer“ Völker auf eine selbstverschuldete Erschlaffung der römischen Kampfkraft, sie speiste sich in der Breite vielmehr aus vielfältigen Quellen wie Überbevölkerung, Hungersnot, Vertreibungen und dem Mut Verzweifelter. Daneben gab es natürlich auch Gruppen, die es schlicht auf den Wohlstand der Grenzprovinzen abgesehen hatten, den sie aus dem Handel kannten.

Das resultierende Anbranden Hunderttausender an die Reichsgrenzen erforderte ständig steigende Militärausgaben, die Steuerschraube wurde immer weiter angezogen. Das Einbrechen plündernder Horden in Gebiete, die für die Ernährung der Masse unverzichtbar waren, sorgte für Landflucht und Versorgungsengpässe. Die Städte mussten erstmals seit Jahrhunderten wieder befestigt werden, was weitere Ressourcen band. Der hochentwickelte Fernhandel und die Arbeitsteilung – beide wesentliche Voraussetzungen für den hohen Lebensstandard - wurden zunehmend bedroht.

Eine fatale Spirale aus steigender Steuerlast, sinkender Wirtschaftsleistung und immer weiter verschärfter Regulierung (Preisdiktate, erbliche Berufe usw.) begann sich zu drehen. Zu den verzweifelten Maßnahmen gehörte auch die zitierte Ansiedlung potentieller Aggressoren, die man als Wehrbürger und Wehrbauern zu gewinnen glaubte. Das geschah aber nicht aus naiver Gutgläubigkeit und aus lustvollem Willen zur Unterwerfung unter das „Exotische“, sondern aus kaltem Kalkül. Dass an der Grenze gepiercte Lebenskünstler mit Plakaten „Refugees are welcome here“ standen, ist jedenfalls nicht überliefert. Auch dass die Landbevölkerung sich begeistert zu Vergewaltigung und Ermordung durch die Eindringlinge aufgestellt hätte, ist an keiner Stelle belegt. Die zahlreichen archäologischen Zeugnisse solcher Überfälle auf Gutshöfe und Städte sind grauenhaft und in der antiken Literatur findet sich kein einziges Beispiel dafür, dass irgendjemand versucht hätte, diese zu beschönigen oder zu vertuschen.

Um es nicht noch länger zu machen: Lesen Sie einmal eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Darstellung der Spätantike wie die von Alexander Demandt. In Gänze ist das allerdings schwere Kost. Denn man ist erschütternd von dem ausweglosen Kampf dieses Riesenreichs und so vieler ernsthafter fähiger Männer in Verwaltung, Armee und Bevölkerung gegen einen nicht enden wollenden Ansturm von außen. Man gewinnt alles andere als den Eindruck, als hätte eine feist und faul gewordene Bürgerschaft einfach dem Gegner die Tore geöffnet. Als Leser wird man vielmehr Zeuge eines gigantischen Überlebenskampfes einer sich auf immer enger werdenden Raum umzingelt sehenden Kultur. Dieses Ringen fand erst nach einer sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte vollziehenden restlosen Erschöpfung sämtlicher Kräfte ihr Ende.

Wer sich einmal gründlich mit dieser hochdramatischen Phase unserer europäischen Geschichte befasst hat, der wird jedenfalls nie wieder von spätrömischer Dekadenz reden. Bei den damaligen Herausforderungen würden heute vermutlich 90 % der Bevölkerung und ihrer Führungsschicht sofort zusammenbrechen.

Wenn es etwas zu lernen gibt aus jener Zeit für die Lage Europas im frühen 21. Jahrhundert, dann das: Das Fehlen einer Milizarmee wirkt sich fatal aus, wenn der Gegner erst einmal in das eigene Territorium eingedrungen ist. Aus diesem Blickwinkel ist insbesondere das Vorrücken des IS vor unserer Haustür sehr interessant zu beobachten.

Ein langer Beitrag zu einem isolierten Aspekt, aber für meinen Geschmack wird das Klischee von der spätrömischen Dekadenz auch hier einfach zu oft wiedergekäut.
Getz
23. Juli 2015 19:59
@alle
Ein hervorragendes Portrait und eine hervorragende Debatte, wie sie heute nur hier und nicht mehr in der JF möglich ist. Ich habe diese vor ein paar Wochen selber gekündigt, weil ich den Eindruck gewann eine Zusammenfassung der "Welt" zu lesen. Häme über Höcke & Petry, Lorbeeren für Lucke. Stillschweigen zu Pegida und Festerling. Ich hab es nicht mehr ausgehalten, und das nach 20 Jahren JF. Ich schrieb Herrn Stein, dass mein Eindruck ist, ihm sei die Quote wichtiger geworden als die Qualität. Über die Erstere hat er sich diese Woche wieder freuen dürfen. Ich finde es schade aus Sicht der vielen, entusiastischen Jungen die sich um das Blatt drängen und vor allem für Thorsten Hinz und Günter Zehm.
Zu Karlheinz Weissmann möchte ich anführen, was ein Kollege mir gegenüber vor vielen Jahren äusserte: Die Junge Freiheit ist mir zu hoch. Das ist eine Doktorenzeitung und da geht vieles an mir vorbei. So empfand auch ich die ausfhrlichern Beiträge Karlheinz Weissmanns. In den kurzen, knappen und präzisen Kolumnen folgte ich ihm gerne.
Die Zeit die Auseinandersetzung auf den Punkt zu bringen, gehört jedenfalls der Vergangenheit. Die Zeit ist überreif die Auseinandersetzung zu führen. Wiederum schade ist, dass die rechte bzw. konservative bzw. bürgerliche Front wieder um den Punkt kreist. Vor einigen Monaten berichtete die JF über die historische Einigung der deutschen Heere um Scharnhost, Hardenberg und Stein. Das war weltbewegende Praxis. Merkel kann den Sekt kalt geniessen und Obama zum Tanz bitten. Hoffentlich tritt er ihr heftig auf die Zehen und der Sekt bleibt ihnen im Halse stecken.
Richard Meißner
23. Juli 2015 21:26
@ Michael Schlenger

Dass die National-römischen Eliten sich von der Landesverteidigtung abkehrten und degenerierten ist ein Fakt. Dass neue Funktionseliten die Macht übernahmen, die sich aus Balkan-Völkern, Orientalen und Germanen rekrutierten ebenso. Dass unter deren Einsatz das Imperium sich dann noch Jahrhunderte weiterschleppte bedeutet nichts. Obama befehligt auch Truppen zur Verteidigung der us-amerikanschen Grenzen ohne dass dies am Untergang des weißen US-Amerikaners irgend etwas ändern würde.

Die moderne Forschung zur Spätantike ist mit Vorsicht zu genießen, auch Demandt. Während meines Studium musste ich feststellen dass für diese Epoche die Zeitgeist-Brille besonders dick ist. Zu groß ist wohl die Angst unserer "Eliten", dass dem unvoreingenommenen Betrachter sonst die vielen tatsächlichen Parallen zwischen dem Westen heute und dem späten Römerreich offensichtlich werden. Und er dann folgerichtig auch die blendende Zukunft unserer EU und USA in Frage stellt. Um dem zu Hindern spricht man in der Wissenschaft nicht mehr vom Untergang, sondern von "Transformation" des Imperiums. Irgendwie sei alles damals total bunt und innovativ gewesen in der Spätzeit und ganz viel tolle kulturelle Befruchtung habe stattgefunden. Peter Brown und Peter Heather haben sich in dieser Hinsicht besonders unselig hervorgetan, wohingegen Bryan Ward-Perkins als einer der wenigen gegen den Strom schwimmt und es wagt Verfall auch Verfall zu nennen. Und dafür wenig überraschend angefeindet wurde.

Wo ich jetzt von unverdorbenen Germanen geschwärmt habe, müssen sie mir aber schon näher erläutern. Ich denke aus meinem Beitrag ging klar hervor, dass ich wirtschaftliche Gründe für die Züge dieser Stämme annehme.
Kaliyuga
23. Juli 2015 21:58
In lichtfunkelnde Poesie gegossenes, am Ende gar zum Versmaß sich neigendes Gesetz geglückter Nachrichtenübertragung, im Idealfall ereignet sich Resonanz und Fortpflanzung der Welle:

„Um das Mobilisierende seiner Schriften vollauf zu goutieren, muß man freilich auch die Lust am Wissen und Vielwissen in sich tragen, empfänglich sein für die Funken eines pädagogischen Eros und einer nationalen Erziehung. Wissen ist Macht und Bewußtseinsbildung ist Ermächtigung.“

Die Empfänglichkeit zu bereiten, tut Sammlung und Konzentration auf das kraftvolle Werk not. Hier ist ein sich Wappnen gegen die Gysis.
Harald de Azania
23. Juli 2015 23:29
Verehrter ML,

Nicht vergessen >> "Zeitbuehne' von W.S. Schlamm.

Grosser konservativer Aufbruch Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre : JES. Nach einiger Zeit versandet...

Rechter Aufbruch ab 1989 : viele sympathische und gute Buecher in meiner Bibliothek. Herzerfrischend. Gute Atmosphaere. Auch versandet ...

Kleine unbeugsame Doerfer al la Asterix verbleiben.

Wieso ist "die Rechte' taktisch so gluecklos ? Wieso praktisch nicht umsetzungsfaehig ? ( hat mit Deutsch nix zu tun >> ist in den US oder GB oder romanischen Laendern nicht anders >> ABER >>> wie schaut es in Ungarn, Polen etc aus >>>> " von Ungarn lernen, heisst siegen lernen" :- ) )

Manchmal habe ich den Eindruck, dasz 'rechts' die Dinge 'zerdacht' werden aus Angst vor praktischen Arbeit .. bei der man sich ja schmutzig machen koennte. Die Linken sind frecher, unverschaemter .. so what ? laasen wir uns nicht etwa seid Jahrzehnten die "Schneid' abkaufen ?

Pardon, wir haben keine Politdomestiken mehr, die uns den Kleinkram abnehmen .... muessen alles selber machen !

Also: wann werdet ihr/werden wir praktisch ???

Beste Gruesse aus dem domestikenreichen Suedafrika HdeA

P.S.:

Wenn ich dem Mord- pardon Nordlaender virtuell pariere und ihn, der mich virtuell erschiesst, detto virtuell den Loewen zum Frasz vorwerfe, will ich das nicht unterdrueckt sehen!! :-( :-(

Claro ? Ansonsten wohlaffektiert verbleibend ....... HdeA
Steffen
23. Juli 2015 23:40
Besteht denn Hoffnung, den KHW demnächst wieder hier lesen zu können, oder geht der Bruch tiefer als ich geglaubt hatte? Da muss man doch was machen! Bei allem Respekt gegenüber den anderen Autoren und Verantwortlichen - aber einer von seinem Schlag kann was reißen. Intellektuell und rhetorisch ist er ein Zugpferd!
Michael Schlenger
24. Juli 2015 00:12
An Richard Meißner,

danke für Ihren ergänzenden Beitrag. Dachte mir schon, dass nun die ethnische Karte gezogen wird.

Das Dumme ist nur: Bereits mit dem Zugeständnis des römischen Bürgerrechts an alle freien Bewohner Italiens in der späten Republik (1. Jh. v. Chr.) wurden Stammeszugehörigkeit und Herkunft irrelevant für den rechtlichen und kulturellen Status als Römer. Da sind wir aber noch zwei, drei Jahrhunderte von der Hochblüte der römischen Kultur in der Kasierzeit entfernt.

Die Römer, die dann um 200 n. Chr. Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und weite Teile des Orients besiedeln und diese erstaunlich homogene Zivilisation bildeten, deren Zeugen sich im Großen wie im Kleinen praktisch überall sehr weitgehend gleichen, waren ethnisch natürlich alles Mögliche: Italiker, Griechen, Ägypter, Spanier, Gallier, Germanen, Briten usw. (ohnehin alles unscharfe Hilfsbegriffe). Nur wird das oft nur noch an Namensestandteilen, lokalen Glaubensvorstellungen und der Erwähnung von Eltern oder Großeltern auf Grabsteinen greifbar.

Darin bestand aber gerade die Stärke des römischen Selbstverständnisses: Es war nur an einen rechtlichen Status und die klare Zugehörigkeit zu einer als absolut überlegen aufgefassten Kultur geknüpft. Die römische Kultur der Kaiserzeit war insofern hochintegrativ und beruhte gerade nicht auf einer prinzipienlosen und vorgeblich wertfreien Multikulti-Utopie - deshalb ja auch die bekannten Schwierigkeiten mit bestimmten religiösen Gruppierungen, die aus ihrem Glauben einen einzigartigen Status abzuleiten glaubten. Wie man das Problem löste, ist bekannt.

Sicher kennen auch Sie als Historiker die Schriftzeugnisse aus dem Kastell Vindolanda in Nordengland, die in einem der rauhesten Zipfel des Imperiums von römischer Kultur in allen Facetten künden, in meist makellosem Latein - das waren keine abgeordneten Barbaren. Natürlich kamen die aus allen Gegenden des Reichs, bei Offizieren kann man sogar die gesamte Karriere anhand ihrer Versetzungen räumlich über das gesamte Imperium nachvollziehen. Diese beeindruckende Mobilität leistungsfähiger und leistungsbereiter Eliten war nur möglich, weil es eine Leitkultur, eine Verwaltungssprache (im Westen), eine einheitliche Verwaltung und einen ähnlich attraktiven Lebensstandard gab.

Ein römischer Bürger - und das waren ab 212 n. Chr. sogar alle freien Bürger des Reichs - konnte sich vor den großen Krisen der Völkerwanderung völlig frei bewegen und tat das, ohne dass dies nennenswerte ethnisch motivierte Spannungen ausgelöst hat. Vermutlich hätten Römer in der achten oder zehnten Generation im 3. Jh die Frage nach der ethnischen Herkunft gar nicht mehr verstanden, da sie keine faktische Relevanz besaß und auch nirgends festgehalten wurde. Anstelle eines absurden Persilscheins wie des Arier-Nachweises reichte der rechtliche Status als römischer Bürger und die römische Lebensweise im Äußeren von der Kleidung über die Wohnverhältnisse bis hin zu Ernährung und Freizeitgestaltung.

Das Problem unterschiedlicher Ethnien stellte sich tatsächlich erst in größerem Maße, als die sich zuspitzende Lage ab dem 4. Jh. die Übernahme kulturell fremder Kontingente in die Armee erforderte. Die dafür Verantwortlichen waren selbst aber keineswegs dekadente Vaterlandsverräter, die dem Reich ein schnelles Ende wünschten und sich auf die faule Haut gelegt haben. Bekanntlich wurden an der Ostfront gern auch ungarische und rumänische Einheiten eingesetzt, ohne dass man das als Verfallserscheinung und mangelnden Behauptungswillen interpretieren müsste.

Letztlich bringt es aus meiner Sicht wenig zu behaupten: Seht her, wir sind schon so dekadent (Was ist das überhaupt? Wenn man sich regelmäßig wäscht, sich würdevoll kleidet und Brücken bauen kann, die nach 2.000 Jahren noch stehen?) wie die alten Römer und deshalb werden wir genau so enden. Jammer...

Vielmehr sollte man sich hierzulande ernsthafte und mehrheitsfähige Antworten auf die Frage geben: Welche sind die Bedingungen für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben der Ethnien, die wir nun einmal bereits seit einigen Jahrzehnten in unserem Land haben und wohl kaum wieder loswerden dürften (z.B. die Bayern)? Das wäre die positive Bestimmung des Deutschen im Sinne einer eigentümlichen, fruchtbaren und somit erhaltenswerten Kultur. Dazu kann nach römischen Vorbild prinzipiell jeder gehören, etwa der perfekt Hessisch sprechende Vietnamese mit Prädikatsabschluss, die fleißige Ukrainerin an der Supermarktkasse, die die Vordrängelei deutscher Rentner nicht ausstehen kann, aber trotzdem höflich bleibt, aber auch - noch ein Klischee, ich weiß - der ehemalige türkische Fließbandarbeiter, der seinen Ruhestand fleißig in seinem Gärtchen begeht und über das "faule Gesocks vom Balkan" (Zitat des Türken, natürlich) herzieht.

Wir wissen doch alle, dass es diese Leute bei uns gibt, dass sie nicht mehr gehen werden und dass wir sie in vielen Bereichen, wo Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit gefragt sind (bei der Bahn etwa, ein Scherz) auch brauchen. Wer nicht dazu gehören kann, das brauche ich hier nicht auszubreiten, zumindest darüber dürfte sich schnell ein Minimalkonsens erreichen.

Und das muss dann ebenso deutlich formuliert werden und das muss auch Konsequenzen haben, wenn dieses Land sein Gesicht behalten will. Damit sind wir letztlich bei Zuwanderungsquoten mit strikten auf Selbstschutz einer funktionierenden Gemeinschaft abzielenden Kriterien wie beispielsweise in Kanada. Jeder Schritt in diese Richtung wäre bereits ein Gewinn ggü. dem status quo, und so sachlich sollten entsprechende Forderungen auch vorgebracht werden.

Wer indessen glaubt, bei dem gegebenen demographischen Status Deutschsein noch oder wieder an regionale Herkunft, landsmannschaftliche Zugehörigkeit oder Arier-Nachweis im 5. Glied (ich zähle dank meiner obrigkeitstreuen Vorfahren nachweislich noch dazu) knüpfen zu können, der hat m.E. die politische Position Deutschlands nicht verstanden oder er sie es wohnt in einer Gegend, wo noch alle Maiden blond sind. Also schon mal nicht im Trierer Land, bespielsweise...

Mir ist klar, dass das einigen hier nicht gefällt, aber mit einer völkischen anstelle einer kulturell orientierten Argumentation hat eine konservative Bewegung - wenn es sie irgenwann mal gibt - bei der Lage der Dinge die gleiche Chance wie bisher: keine.
Meier Pirmin
24. Juli 2015 00:13
@Harald. Ich las alle Bücher und fast alle Artikel von Schlamm seit 1962, zitierte ihn noch in den letzen Jahren in diversen Zeitungsbeiträgen. Sein bestes Buch war wohl "Die Diktatur der Lüge" von 1937, erschienen in einem Zürcher Verlag, eine gleichzeitige Abrechnung des Exkommunisten mit Stalin, Mussolini und Hitler nach dem Motto, dass die entmutigendste Wahrheit immer noch viel ermutigender sei als die ermutigendste Lüge. Der Wiener Jude Schlamm aus dem Umfeld von Karl Kraus war bei den deutschen Rechten nie voll anerkannt, noch Strauss scheint ihn verabscheut zu haben.

Was Sie den "konservativen Aufbruch" nennen, hat damals nie stattgefunden. Das noch Beste waren die wohl über 100 Bände der Herder-Bücherei "Initiative" von Gerd-Klaus Kaltenbrunner. Weil es ein katholischer Verlag war und ein informelles Bündnis mit den Konservativen in der CDU bestand, galt es zumindest nicht als "rechter" Aufbruch, wiewohl Kaltenbrunner der wohl redlichste Rechte der neueren deutschen Geistesgeschichte war. Die meisten Bände der "Initiative" wären heute noch lesenswert. Sollte "Sezession" mal dieses Niveau erreichen, im Band "Geschichtspolitik" ist es annähernd der Fall, wäre vieles geschafft. Bei den Blogs, besonders im Forum der "Jungen Freiheit", wo ich mich nicht beteiligen würde, sorge ich mich oftmals über den hohen Grad politischer Verzweiflung; die Wutbürgerei, was nicht mit nüchterner Systemkritik zu verwechseln ist.
Helgi Knartr
24. Juli 2015 10:06
@ Michael Schlenger

Interessante Überlegungen! Deutschland und das Römische Reich gedanklich einmal gleichzusetzen und dann zu unser aller Wohlergehen entsprechende Schlußfolgerungen für ein gescheites politisches Handeln zu ziehen – wir sollten’s machen wie die alten Römer – das hat was, darüber läßt sich diskutieren.

Darf ich Ihre Überlegungen argumentativ noch ein bißchen stützen?

1) Das Römische Reich ist aus einem winzigen Kerngebiet durch sukzessiven Anschluß zahlreicher fremder und fremdartiger Staaten und Stammesgebiete entstanden, nicht nur, aber größtenteils durch gewaltsame Eroberung. – Dasselbe Phänomen läßt sich beim Zustandekommen Deutschlands beobachten.

2) Im Römischen Reich gab es dementsprechend viele alte, seit Jahrhunderten, teilweise seit Jahrtausenden gewachsene unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Religionen; die vereinnahmten Ethnien gehörten übrigens teilweise sichtlich unterschiedlichen Phänotypen an (um das böse R-Wort zu vermeiden). – Das ist und war in Deutschland natürlich ganz genauso. Schon immer.

Die Übereinstimmungen sind verblüffend. Mir fällt noch viel, viel mehr ein. Aber ich bin zu faul, alles aufzulisten.

Eine irgendwie geartete Homogenität hat es in Deutschland nie gegeben. Angesichts aller offensichtliche Fakten und Umstände ist es also völlig absurd, „die ethnische Karte zu ziehen“, wie Sie schreiben. Ach Gott ja – wie recht Sie doch haben…
Nordlaender
24. Juli 2015 10:33
@ Helgi Knartr

"Eine irgendwie geartete Homogenität hat es in Deutschland nie gegeben. Angesichts aller offensichtliche Fakten und Umstände ist es also völlig absurd, „die ethnische Karte zu ziehen“, wie Sie schreiben. Ach Gott ja – wie recht Sie doch haben…"

Homogenität in Bezug auf die Erbanlagen innerhalb eines Volkes gab es tatsächlich niemals. Außer als von unseren einschlägigen Kulturmarxisten aufgebautem Pappkameraden (Strohmann).
Naturwissenschaftliche Anthropologie erkennt die Heterogenität innerhalb eines Volkes. Ermittelt je Volk Durchschnittsprofile, die eine ganze Reihe von Merkmalen betreffen.
Aus solchen Durchschnittsprofilen können Abstände zwischen unterschiedlichen Völkern ermittelt werden. So sehr sich der durchschnittliche Schwede vom durchschnittlichen Italiener unterscheiden mag, die Differenz zwischen Schweden und Togolesen oder Koreanern ist erheblich größer.

Grundsätzlich ist es so, daß die Durchschnittswerte, die man bei zwei verschiedenen Gruppen ermittelt, bei Weitem nicht so stark von aneinander abweichen, als das Minimum und das Maximum innerhalb einer Gruppe.

Die stärksten Frauen können Waschmaschinen tragen, die schwächsten Männer nicht, woran man die Sinnlosigkeit überholter Biologismen, gesellschaftlicher Konstrukte wie "Mann" oder "Frau" bereits erkennt.
Für gesellschaftliche Konstrukte wie "Volk" oder gar "Rasse", die auf Biologie beruhen, gilt das Gleiche.
Exmeyer
24. Juli 2015 10:46
Ich frage mich, wie die nächste und übernächste Generation im realen Ansturm der fremden Männer, in der zu erwartenden zunehmenden Spannung und Kriminalität innerhalb der - bislang noch - europäischen Länder klarkommen kann. Zudem sehe ich die neue Spannung zwischen den Kontinentalen und der amerikanischen Macht. Aufrüstung in neue Dimensionen. Das kleine und schwache, aber nicht unbedeutende Deutschland zwischen diesen Dreien hin- und hergerissen.

Kriminalität, die primitive und die strukturell-ethnische (Europol ermittelt gegen die OK längst mit dem Hauptmerkmal der Ethnie), wird zunehmen und deren Axt hat bereits längst viel tiefere Einschläge gerissen, als mancheiner annimmt. So ist es in einer ehemals-deutschen Großstadt unmöglich, ein Ladenlokal zu eröffnen, ohne den Besuch von Kurden, Türken, Italienern, Albanern oder Rockern (Bandido-Hochburg) zu erhalten, die Nebengewerbesteuern verlangen. Die Gewerbesteuerhebesätze der Stadt sind natürlich bereits in astronomischer Höhe. Der Staat ist unterlaufen: Deren Strukuren reichten bis ins Landes-LKA, strafgerichtlich festgestellt, weil es durch Zufall bekannt wurde! Die Zeitungen schwiegen. Offene Drogenszenen überall. Im ehemaligen Abendsvergnügungsbereich tummelt sich das Who's who der lokalen Verbrechergrößen, die mit unbezahlbaren Autos zuvor Schaufahren veranstalten. Streifen schauen weg. Angst im Gesicht.

Viele Intellektuelle, rechter Bauweise, behandeln in aller Konsequenz Fragen, die die ganze Realität - zumindest in den Groß- und Vorstädten -, ausklammern. Es handelt sich letztendlich um Fragen, wie wohl ein ideales Zusammenleben aussehen könne und welche Leitprinzipien dazu zu gelten haben.
Sie legen dabei eine Realität unausgesprochen gedanklich zu Grunde, die es seit den 70igern nicht mehr gibt; dessen realpolitische Grundlagen sogar seit 1945 fehlen. Es handelt sich um dieselben Elfenbeinturm-Überlegungen, die Bismarck bei den Nationalliberalen im Paulskirchenparlament ausgemacht hat: Sie stellen das Wünschenswerte fest, brechen es ein wenig auf die Realität herunter und wundern sich, daß sie verlieren.

Wir benötigen Eigen-Strukturen, die entweder in der Lage sind, diese Realität über den Hebel Massenbewußtsein und "Politik" zu hebeln, um die Realität zu verändern.
Und wir benötigen zudem Strukturen, die uns unter realen Bedingungen in multiethnischen-multikriminellen Staaten überleben und unsere Identität bewahren lassen. Die große Lösung und die kleine Lösung schließen sich nicht zwingend aus. Die zweite, kleine Lösung ist aber zwingend, sollte die erste scheitern, was wohl kaum auszuschließen ist.

So viel Zeit kann ich nicht erübrigen, um alles zu lesen. Also ist zu selektieren. In der jetzigen Lage: Nach Nutzen. Die lange nicht für erforderlich gehaltene kleine Lösung, ist das Brachfeld, das es zu beackern gilt. Sie wurde nicht gesehen und wird nicht behandelt.
Ganz bildlich gesprochen: Nichts scheint mir gegensätzlicher als ein Weißmann (für das Ganze genommen) und eine Kawasaki Ninja XZ10. Derjenige Weißmann, der die Kawa reiten will, ist mir willkommen. Auf den wartet einer, der von weniger geisteswissenschaftlicher Kapazität heimgesucht ist.

PS: Ich habe Weißmann in der JF früher gerne gelesen. WEIL es einen in eine andere Welt brachte: Eine irreale, verlorene, nie-dagewesene. Schöne.
Exmeyer
24. Juli 2015 11:09
Innerhalb der Europäer findet man immer wieder bestimmte "einschlägige" Typen vor. Es wäre interessant zu untersuchen, ob diese nicht im erhöhten Maße die Erbanlagen teilen. - Kann man sich schenken. Natürlich tun sie das. Das ist bei Pointern, Dackeln oder Vorstehhunden nicht anders, als bei Milchkühen und Rennpferden. Niemand käme dort auf die Idee, daß Abstammung wissenschaftlich bedeutungslos wäre. Sie ist entscheidend und die Auslese wird immer weiter betrieben. Daß Verbot außerhalb des Adels oder außerhalb der Kaste der Brahmanen zu heiraten ist nichts anderes als eine rassistisches Zuchtprogramm.

Der Unterschied zur "Rasse": Die Völker sind keine Untergruppen von Rassen. Sondern Populargenetik und Völker sind verschiedene Betrachtungsweisen. Innerhalb der Völker finden sich verschiedene Gen-Gruppen, die sich wiederum auch in anderen Völkern finden lassen. Die Anteile und Arten variieren. Das ergibt die veränderten Volksdurchschnitte.

Jeder mag in sich gehen, aber Sympathie und Antipathie haben - zumindest bei mir - eine wesentliche äußere Komponente. Im Negativen entscheidet sie bereits allein, im Positiven kommt anderes hinzu.
Arminius Arndt
24. Juli 2015 11:33
Herr Exmeyer,

Sie bringen das Ganze an einen Punkt, wo Sie einräumen sollten, dass man es auf einer Internetplattform nicht mehr weiter diskutieren kann bzw. ihnen noch nicht einmal zustimmen kann. Das sollten Sie allen Beteiligten zugestehen.

Sie offenbaren aus Sicht der derzeitigen Macht und Ordnung bereits Gedankenverbrechen.

Ein verbeamteter und auf den Staat vereidigter Weißmann wird da nie mit können (wie ich aus ähnlichen Gründen, wenn auch kein Beamter, aber dennoch vereidigt, ebenso). Alle, die mit wollen, müssen sich andere Orte des Austausches suchen.

Ich hoffe, dass ich Verständnis erzeugen konnte.
Meier Pirmin
24. Juli 2015 12:13
@Arndt. Sie wollen offenbar um jeden Preis ein wenn möglich kriminalisierter Aussenseiter sein. Es gab immer schon auch, selbst in der DDR, Professoren mit nicht korrumpierter Haltung, die geduldig an ihrem Ort gearbeitet haben, vielleicht mal eine Konzession machen mussten, aber letztlich Haltung und Nerven bewahrten. Es lohnt sich immer, sich der politischen Verzweiflung nicht preiszugeben. Jemand wie Weissmann wird zwar meines Erachtens nie Karriere machen, der Goethepreis liegt definitiv nicht drin. Umgekehrt kommt es auf Leute, die immer nur sagen und lehren, was anscheinend verlangt wird, nicht an. Rein ideologische Einschätzungen der Wirklichkeit können sich kurzfristig, aber nicht über Generationen durchsetzen. Sie sollten dem gegenwärtigen System der Bundesrepublik Deutschland zutrauen, dass es mindestens gleich viele Nischen für Andersdenkende gibt als seinerzeit im 3. Reich und in der DDR, mutmasslich sogar mehr, sofern die sogenannte freiheitlich-demokratische Grundordnung halbwegs zum Nennwert genommen werden kann. Der Zeitgeist kann jederzeit umschlagen. Aber auch dann wird die Vernunft nicht gesiegt haben.
Arminius Arndt
24. Juli 2015 13:31
Sie sollten dem gegenwärtigen System der Bundesrepublik Deutschland zutrauen, dass es mindestens gleich viele Nischen für Andersdenkende gibt als seinerzeit im 3. Reich und in der DDR, mutmasslich sogar mehr, sofern die sogenannte freiheitlich-demokratische Grundordnung halbwegs zum Nennwert genommen werden kann.


@Meier Pirmin.
Sie haben mich hier - glaube ich - etwas falsch verstanden. Ich sehe selbstredend nach wie vor deutlich mehr "Freiheit" in der Bundesrepublik als in den genannten anderen 2 Regimen, insbesondere was Meinungsäußerungen oder Debatten angeht. Der Herr Exmeyer hat jedoch ganz spezifisch für die Tat und nicht nur für die Meinungsäußerung plädiert und darauf war meine Antwort gemünzt.
Exmeyer
24. Juli 2015 14:21
@ Arminus Arndt: Keineswegs!

Der kleine Ansatz ist ja gerade nicht auf die Beseitigung der FDGO gerichtet. Er ist im staatlichen Sinne überhaupt nicht "politisch". Er ist für und gegen nichts "Politisches". Den Weg in die Radikalisierung, in die Totalablehnung, Isolation und alles was damit zusammenhängt, lehne ich ab. Ist das GEGENTEIL dessen was ICH will.

Der "Kleine Ansatz", den ich hier anspreche, müßte erst ins Bewußtsein, als eine Möglichkeit, gelangen. Das einzige, was ich hier versuche Nahezubringen, ist die Nicht-Unwahrscheinlichkeit, daß die derzeitige Grundlage sich niemals "von selbst" bessern wird, und die wohlwollenden Kräfte, die ich selbst bis in die SPD hinein vermute, dazu nicht ausreichen werden.
Die Möglichkeit des Scheiterns einer politischen Wende, und selbst wenn die gelänge, die außenpolitische Unmöglichkeit, die Masseneinwanderung auch nur zu beenden, anstatt die in den nächsten zehn Jahren erreichten Verhältnisse und Trends jemals wieder umzukehren.

Mit dieser Möglichkeit hat man sich zu beschäftigen. Nennen wir es mal "Sigfrid-Linien-Haltung".

Wenn diese Masseneinwanderung in den Zahlen anhält, ist die staatliche Reaktion eine doppelt totalitäre: Versuch die extremst verschiedenen ethnischen Grundverhaltensweisen einzudämmen und für die Produktion so nutzbar zu machen, wie nötig, und das Unbehagen und die unbewußte Abwehr bis Meidung der Fremden durch die Einheimischen zu beherrschen. Die Gefahr für die FDGO geht genau von diesen doppelten NOTWENDIGKEITEN der BRD aus. Es wird sich um ganz zwangsläufige Entwicklungen handeln. Die Notwendigkeiten aus der finanzpolitischen Realität heraus, ist dabei ebenfalls zu bedenken.

Die Frage, die sich also stellt, wie man in einer zivilen Form der Gebundenheit, die eigene Identität bewahrt, gegen die Bedrohung die durch Kriminalität, ethnischen Druck, staatlichen Totalitarismus entsteht. Die Antwort darauf kann man schon sehr weitgehend, aber sicher nicht erschöpfend diskutieren. Mir kommt es darauf an, diesen Blickwinkel überhaupt einmal "spaßeshalber" gedanklich einzunehmen.

@ Meier Pirmin
Ich gehe, davon aus, daß Sie den "Widerstandskämpfern" positiv gegenüber stehen? Kriminalität - eine Anmerkung ganz allgemeiner Art - hängt ja davon ab, was ein Staat kriminalisiert hat. Beischlaf unter Gleichgeschlechtlichen zum Beispiel, Abhören von Feindsendern.
Kriegshandlungen der "Resistenzen" auch nach einer formalstaatlichen Kapitulation?

Rütli-Schwur!

Angst ist gut. Sie zeigt Gefahr an. Die Angst zu beherrschen und sich von ihr nicht beherrschen zu lassen, ist Aufgabe jedes Mannes. Der Angst das Wort zu reden, ihr nachzugeben, sich von ihr bewußt beherrschen zu lassen und dies auch noch zu rationalisieren, ist mit Sicherheit der Weg in den Abgrund der Geschichte.
Der Adel hat von den germanischen Anfängen bis ins 15. Jahrhundert seine Elite gehalten, als isolierte Inseln im Meer fremder Völker; die Brahmanen ebenso.
Sollte die Multiethnizität nicht vermeidbar werden, so bedarf es der Strategien, den eigenen Status zu halten - durch unsichtbare Isolation. Eine Kaste erhält sich nicht durch ÄUSSERE Normen, sondern durch seine eigenen. Diese gilt es herauszufinden und die Voraussetzungen deren Wirkung zu benennen.

Der äußere Adel, "von", Kastenregeln und ähnliches sind nicht gemeint.

Von welcher Kriminalität sprechen Sie? Ich rede davon, die Nischen systematisch zu Nutzen, von denen Sie sprachen.
Exmeyer
24. Juli 2015 14:45
@ Arminus Arndt

Ich meinte das Aktive, das Tun, das Gestalten, das Entwickeln. Im Gegensatz zum Folgenlosen. Ich meinte nicht "Die Tat" - mit Ausrufezeichen. Symbolismus nach außen gerichtet, meine ich genau nicht. Kein Agitprop. Stille Eigenstrukturen zum langfristigen Erhalt des Eigenen, der Identität! Die Inspiration dazu muß Öffentlich sein. Überlegungen zum realen Ansatz ebenso.

Carl Sands aktivistische Ideen meinte ich mit dem "Kleinen Ansatz" definitiv nicht. Sonst wäre ich auch zurecht nicht freigeschaltet worden. Agitprop ist der "Große" Ansatz. Metapolitik auch.
Eveline
24. Juli 2015 14:47
Dank der sexualisierten Werbeindustrie wird es zu einem Austausch des Patriarchats hin zum Matriarchat kommen.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/matriarchat-maenner-leben-besser-wo-frauen-das-sagen-haben-a-627103.html

Der deutsche Staat übt sich ja jetzt schon, den Anforderungen der jungen afrikanischen Männer gerecht zu werden. Bald heißt es dann Mama Staat.

Und die Frauen dürfen dann bald mit der Hacke, wie in Afrika, den Boden bearbeiten. Sehnsucht nach einer Zweit und Drittfrau wird automatisch aufkommen, um die Lasten gleichmäßiger zu verteilen.
Keine Lehrerinnen mehr, sie kriechen alle auf dem Acker rum.
Gustav Grambauer
24. Juli 2015 17:23
Richard Meißner u. a.

"... sonst die vielen tatsächlichen Parallen zwischen dem Westen heute und dem späten Römerreich offensichtlich werden."

Es gibt einen gewaltigen Gegensatz. Der Untergang Roms vollzog sich sozusagen "planmäßig" innerhalb des Kulturstroms von Urindischer Kulturepoche -> Urpersischer Kulturepoche -> Ägyptisch-Chaldäischer Kulturepoche -> Griechisch-Lateinischer Kulturepoche -> Germanisch-Angelsächsicher Kulturepoche.

Die nächste Kulturepoche sollte die Slawische sein (was nicht bedeutet, daß die Slawen bei uns einfallen). Aber die slawische Intelligenzija tummelt sich in den USA - und bei uns wird die Schleuse für die Afrikaner-Flut geöffnet. Teilweise handelt es sich also um eine - und ich sage: gesteuerte - Kultur-Regression, teilweise haben sich die "Barbaren" wie Schlacke aus unserem Kulturstrom ausgesondert, teilweise waren sie niemals Teil unseres Kulturstroms.

- G. G.
Monika
24. Juli 2015 18:27
"Mir ist klar, dass das einigen hier nicht gefällt, aber mit einer völkischen anstelle einer kulturell orientierten Argumentation hat eine konservative Bewegung – wenn es sie irgenwann mal gibt – bei der Lage der Dinge die gleiche Chance wie bisher: keine."


@Michael Schlenger

Danke für diese Aussage und Ihre interessanten Beiträge.
Was ich bei einigen " rechten Urgesteinen" , so sie protestantisch oder katholisch sind, nie verstanden habe, ist deren Kritik des theoretischen Universalismus des Christentums. ( à la Mohler, Benoist).
Christlicher Universalismus ist nicht gegen Völker,Tradition, Heimat gerichtet, ganz im Gegenteil.
http://www.blauenarzisse.de/index.php/anstoss/item/547-christentum-und-konservatismus

Wieso muß man die Option für Nation überhaupt auf einer Anthropologie begründen und sei es auf einer skeptischen ?
Die Option gegen Nation, Volk, Clan läßt sich auch nicht durch eine Anthropologie begründen. Zwischen Einzelwesen und Menschheit wird es immer Kollektive Zwischenformen geben. Höher entwickelte wie Nation oder niedriger entwickelte wie Clan. Vielleicht fallen wir Europäer ja in Clan-Strukturen zurück ?

@meier Pirmin
Danke für den Hinweis auf die Herder Bücherei Initiative von GKK.
Erinnert sei auch an das hervorragende Magazin kontinent Ost-West-Forum der 80-er Jahre, herausgegeben von Cornelia Gerstenmaier.
Hier kam die nichtlinke Intelligenzia Osteuropas zu Wort. Ungehört von der westlichen Linken, unbemerkt von der Neuen Rechten ( Leider !)
Das Fehlen der Östlichen Traditionslinien merkt man bei den Neuen Rechten bis heute. Mit wenigen Ausnahmen. Etwa Wolfgang Strauss. Wer kennt ihn noch ?
Meier Pirmin
24. Juli 2015 18:54
Meyer/Arndt. Sie beruhigen die Debatte; entschuldigen Sie, dass ich einzelne Äusserungen in Richtung Radikalisierung deutete. So wie Sie gelegentlich formulieren, riskieren Sie bei dieser oder jener Satzkonstruktion und Wortwahl schnell mal, auch wenn es nicht stimmt, von auf Verdächtigung Erpichten als Verfassungsfeinde eingeschätzt zu werden. Sie realisieren richtig, dass der Weg in die Isolation nicht nur unglücklich, sondern wohl auch politisch unfruchtbar ist. So viel hätte man von einem Joschka Fischer aus dem linken Lager lernen können. Der wurde mit seiner Methode sogar dick, glücklich und gefragt.

Das mit der Kriminalisierung von Meinungen ist ein weites Feld. Es gab sie immer und es gibt sie neu wieder, Tendenz steigend, wobei für den Rufmord wie nicht nur bei Pädophilie in der Regel schon die Anzeige genügt. Der geniale Satz von Ernst Jünger "Zensur verfeinert den Stil" sollte wenn möglich eher als Chance denn als Schikane gesehen werden. Kommt dazu, dass das Gegenteil des Falschen gemäss logischen Axiomen leider auch falsch sein kann. Ich selber bin etwa auf die sogenannte Argumentation @R. Meissner - des "völkischen Minimums" nicht angewiesen, bezeichnete dies schon 1973 in einer kritischen Studie über die Schweizer Rechte als "biologistischen Schwachsinn". Man ist auf solche Ideologeme nicht angewiesen, wenn man beispielsweise für vernünftige Einwanderungsgesetze eintreten will. Natürlich sollte man offen sagen dürfen, dass etwa das Recht, nicht erobert werden zu wollen (was heute nicht ausschliesslich über militärische Mittel erfolgen muss), in die Weiterentwicklung des Völkerrechts einbezogen werden sollte.

Für die Islamkritik genügt schon die Feststellung, dass Minarette Eroberungszeichen sind, im Sinne von Michel Foucault natürlich wie Kathedralen und Gerichspaläste Einschüchterungsbauten. Der bei politisch Korrekten berüchtigte Satz "Das wird man wohl noch sagen dürfen", könnte im Sinn der Erweiterung der Meinungsfreiheit dann und wann mal ausgereizt werden. Die Methode von Charly Hebdo führt nicht zum Ziel, was meines Erachtens Lichtmesz richtig gesehen hat. Dies gilt sinngemäss auch für andere Themen, bei denen man die politische Korrektheit unterlaufen will. Es ist vor allem nicht schlecht, wenn möglich immer bei der Wahrheit zu bleiben und statt universalistisch auf den Einzelfall hin zu argumentieren.
Carl Sand
24. Juli 2015 20:11
Na, na, Meyer der Ältere, meine "aktivistischen Ideen" werden ja ebenfalls freigeschalten, sonst kennten Sie die ja gar nicht. Da wir beide der gleichen Profession entstammen, kennen wir die Grenzen recht genau.

Zuzustimmen ist in jedem Fall Meißner, der die Frage nach den "new barbarians" stellt. Ein Ansatz, den ich ablehne. Genau dies bezeichne ich als Bumsfallarismus.

Übrigens noch ein Hinweis auf die Profession - eine der sinnvolleren Figuren, die ich aus dem bekanntermaßen bescheuerten Studium mitnehmen konnte, war die Figur der Abwägung. Der "Konswervative" wie auch der Bummsfallarist neigt leider zum brutalsten geeigneten Mittel. Mag der Konservative heute feig sein, vor deren Aktivismus, wenn er denn von oben losgelassen, weil es konform und befohlen ist - davor habe ich mehr Angst als vor meinem Edding oder Klingelstreich. Selbst5 mehr als vor meiner Hoffnung auf die - natürlich metaphorische - Guillotine.

Auch weiß ich nicht, ob es wirklich Realismus darstellt, das Monströse anzuerkennen und ausschließlich mit dieser Lage zu rechnen. Bis wir geheime Paarungsgemeinschaften und Reservate bilden.. kommt Zeit, kommt Rat, kommt A... Schwingt hier nicht arg ein Selbstruhm, wie rechts und hart und viril man ist mit?

Das kann und will ich noch nicht akzeptieren. Alleine durch einen Stop der bedingungslosen Zahlungen eines höheren Lebensstandards, als in den Herkunftsländern überhaupt möglich wäre, würde eine massive Rückwanderung einsetzen. Der größte Rest ist einmendelbar. Auf beispielsweise Perlworm soll manchmal auch bei den Günther-idealen Friesen ein jahrhundertealtes Mitbringsel eines Walfangkapitäns durchschlagen - z.B. dunkle Pigmentierung bei blonder Haarfarbe - und definitiv nicht vom Postboten.
Michael Schlenger
24. Juli 2015 20:49
An Helgi Knartr und andere Nordmannen,

Sie unterstellen mir da einiges, was ich nicht geschrieben habe. Das Beispiel römisches Reich ist aus meiner Sicht deshalb studierenswert, weil sich hier die Zugehörigkeit zu einer über lange Zeit stabilen Hochkultur nicht an eine regionale oder ethnische Herkunft stützt.

Angesichts des bereits seit den 1970er Jahren irreversiblen Völkergemisches (und seit Jahrhunderten gegebenen kaum überschaubaren Stammes-Neben- und Miteinanders) in Deutschland ist es aus meiner Sicht schlicht eine Frage des Realitätssinns, wie man eine erhaltenswerte deutsche Gesellschaft oder Kultur definiert, ohne dabei auf zwingend willkürliche Abstammungskriterien oder Phänotypen zugreifen zu wollen.

Nehmen wir einmal an, jemand würde heute nur denjenigen Teil der Bevölkerung des Landes nach gehäuft auftretenden äußeren Merkmalen untersuchen, dessen Vorfahren hier seit 1945 ansässig sind (was schon völlig willkürlich ist). Und nehmen wir an, dabei käme heraus, dass der Durchschnittsbewohner blond und blauäugig ist, dass Männer im Schnitt 1,72m und Frauen im Schnitt 1,67m groß sind. Das mag sogar dem allgemeinen Erscheinungsbild in vielen Regionen entsprechen.

Aber nun verraten Sie mir, was Sie damit politisch anfangen wollen? Die wohl seit der Antike im Rheinland ansässigen Dunkelhaarigen und Dunkeläugigen werden sodann zu Nichtdeutschen erklärt? Kleinwüchsige Schwarzwald-Bergbauern und zu groß geratene Friesinnen bekommen das Wahlrecht aberkannt?

Sehen Sie: Wenn ich nach Italien fahre, erkenne ich einen Italiener in jeder Region zuallererst an seiner Sprache: Ob es eine schlanke Blonde aus dem Piemont, eine schwarzäugige Neapolitanerin, ein stiernackiger Toskaner oder ein kraushaariger Kalabrese ist. Ein ähnliches Spektrum an Phänotypen finden Sie seit Jahrhunderten in jedem mittel- und südeuropäischen Land. Österreich ist übrigens ein besonders charmantes Beispiel dafür.

Das mag in Japan, auf den Fidschi-Inseln oder Grönland anders sein. Aber Sie kommen in weiten Teilen Europas nun einmal mit irgendwelchen Schablonen aus der anthropologischen Mottenkiste nicht weit.

Aber ich lasse mir von Ihnen oder anderen Hobby-Ethnologen gerne näher darlegen, an welchen äußeren Merkmalen oder auch Stammbaumspezifika man "echte" Deutsche erkennt sowie, welcher erlesene Kreis diese Kriterien festzulegen und zu erheben befugt ist.

Wenn Sie etwas wie allgemeine Konsensfähigkeit bei Ihren Mitbürgern anstreben, werden Sie gut beraten sein, von einem an Abstammung und Aussehen anknüpfenden National- oder Kulturbegriff Abstand zu nehmen. Es könnte übrigens auch sein, dass Sie überrascht erkennen müssen, selbst das Ergebnis eines Kuckuckseis zu sein (das meine ich nicht beleidigend).

Letztlich geht es doch darum, einen konkreten Massenansturm abzuwehren oder einzuhegen, der jede halbwegs funktionierende Gemeinschaft irgendwo auf der Welt früher oder später überfordern würde. Jemandem den Zutritt zu dieser Gemeinschaft lediglich aus dem Grund zu verwehren, dass er einer anderen oder einer "falschen" Ethnie angehört, ist eine ausgesprochen schwache Position.

Sie unterlässt es nämlich für andere potentielle Mitstreiter nachvollziehbar zu definieren, was das eigentümlich, fruchtbare deutsche Element ist, das dadurch gefährdet ist und bei dessen Verlust jeder Autochthone gefährdet ist. Dazu gehören - nur als unausgegorene Beispiele - über lange Zeit auf deutschem Boden herausgebildete Kommunikations-, Bildungs- und Verhaltensstandards, Achtung vor dem Recht, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Leistungswille und Durchhaltevermögen, der Wille, sein Los aus eigener Kraft zu verbessern, natürlich auch ein kollektives Erbe an Zitaten, Sprichwörtern, Weisheiten, Vorbildern, Helden usw.

"Deutschsein, was ist das eigentlich? Was macht es fruchtbar? Wodurch ist es bedroht?" Dazu könnten von berufener Seite vermutlich viele Essays verfasst werden, bei denen sich eine erhebliche Schnittmenge ergäbe, die landauf, landab Zustimmung fände. Das wäre eine Basis, von der aus man mehrheitsfähige politische Forderungen stellen könnte.

Wer dagegen an der Fixierung auf anthropologische Kriterien in dieser Frage festhält, hat es sich in einer niedlichen Nische gemütlich gemacht, die es womöglich immer geben wird, die aber auf absehbare Zeit keine gesellschaftliche Wirkung mehr erlangen wird.

Wie gesagt, wer das ganz anders sieht, darf sein konkretes Programm zur Sicherung der Außengrenzen und des Deutschtums hier gern ausrollen. Vor allem, wie man die Mitbürger davon zu überzeugen gedenkt, gelüstet mich zu erfahren...Dass es fünf vor zwölf ist, darüber dürften wir uns ja einig sein. Insofern müsste doch die Zeit für theoretische Debatten vorbei sein, oder?
Arminius Arndt
24. Juli 2015 22:51
Gut, dann hab ich da auch etwas überinterpretiert. Grundsätzliches Problem bei Internetdebatten. Wenn man persönlich diskutieren könnte und dabei dann Ton, Haltung, Gesten etc. mitbekommen würde, wäre das sicher anders.
Nordlaender
25. Juli 2015 00:58
@ Michael Schlenger

"Aber ich lasse mir von Ihnen oder anderen Hobby-Ethnologen gerne näher darlegen, an welchen äußeren Merkmalen oder auch Stammbaumspezifika man „echte“ Deutsche erkennt sowie, welcher erlesene Kreis diese Kriterien festzulegen und zu erheben befugt ist."

"Keine" Ahnung; werter "Herr" Schlenger, was "echte" Deutsche sind.

Aber egal. WIR Deutschen erkennen einander, mehr ist nicht nötig.

In kulturmarxistischen Kreisen mag man darüber parlieren, ob die "Eagles" Country-Musik oder Rock-Musik, Pop oder was auch immer produziert haben, wo die Farbe Grün aufhört, die Farbe Blau beginnt, das sind alles nur gesellschaftliche Konstrukte, genauer besehen gibt es eigentlich gar nichts.
Eveline
25. Juli 2015 10:04
Michael Schlenger : "Deutschsein, was ist das eigentlich?" Was macht es fruchtbar?

Heinz Maximilian Biederer:
https://www.youtube.com/watch?v=3Mn4ARGTP40

""""Mit der deutschen Sprache können alle Fragen beantwortet werden, weil sie eine Tiefe hat und weil wir Geistwesen sind.
Gegenwart : ist, nur im Hier und Jetzt können wir neu schöpfen. Ein G davor gesetzt ergibt Geist.
Was ist das Nichts? Was war am Anfang?
Das SEIN kann alles und Nichts sein, doch es kann niemals nicht sein, denn so Sein ist sein Wesen.
Sein: 1. Person Einzahl Ich bin....
Ich bin: muß jeder definieren... ich muß mich entscheiden - ohne Zweifel, wer ich sein will....
Tun: Ich muß es tun.....
Haben: alles kommt dann zu mir.... Ich muß entscheiden, was/wer ich sein will, (Person) damit ich überzeugen kann. Die Energie kommt aus den Worten.
Achte auf deine Worte, sie werden nicht unerfüllt zu dir zurückkommen.
Der Geist multipliziert alles, Sprache erlernt das Kind nur über das Gefühl, ein ständiges Weitergeben von Liebe. Teile die Materie und sie halbiert sich.
Der Geist der reinen Worte bewegt uns, die Lüge lähmt uns.
1.Sein
2. Tun
3. Haben
Die heutige Wirtschaft macht es andersherum.... darum kostet es auch alles gleich. u. v.m. """"

Gleiches gilt heute in der Sexindustrie, eine Wahrheit, ein Ganzsein eine Fülle kann niemals über die Körper hergestellt werden, sondern nur über den Geist.
Nur der Geist multipliziert, Materie spaltet. Wer nur auf den Körper fixiert ist, hat ein Problem. Oder will was vertuschen.
Helgi Knartr
25. Juli 2015 10:33
@ Michael Schlenger

Aspekte Ihres Beitrags v. 24. 7. hatten meine nicht totzukriegende Lust am Sarkasmus befördert. Ich habe bewußt überzogen – pardon! –, aber auch meine sarkastische Betrachtung geht keineswegs an der Sache vorbei. Das zeigt der erste Absatz Ihrer Entgegnung. Gegen Ihre Sicht läßt sich Grundsätzliches einwenden. Ich tu’s hier aber nicht – ich habe mich ja bereits als Faulpelz bekannt.

Ihrer Problembeschreibung muß ich zustimmen, vieles sehe ich – mit Schweißtropfen auf der Stirn – weitgehend genauso wie Sie. Aber mit Ihrer m.E. völlig schiefen Bezugnahme auf das Römische Reich ziehen Sie die Schlußfolgerung, man solle „die ethnische Karte“ nicht „ziehen“. Die Wortwahl zeigt, daß Sie einen beträchtlichen Teil der Rechten – ich sag mal – als Dödel ansehen. Zumindest machen Sie sich drüber lustig. Nix dagegen, darf man; so was liegt mir ja auch (siehe oben).

Sie schreiben: „Sie unterstellen mir da einiges, was ich nicht geschrieben habe.“ So? Sie mir aber auch, zumindest haben Sie meine Sarkasmen überbewertet: Phänotypus, „das böse R-Wort“. Dazu schreiben Sie jede Menge zur Belehrung des „Hobby-Ethnologen“. Das war völlig überflüssig. Sie tragen Eulen nach Athen. (Darf ich Ihnen die Lektüre der Bücher von Andreas Vonderach, Antaios, empfehlen?) Ich schrieb ja doch von einer „irgendwie gearteten Homogenität“, also einer relativen, nicht von einer absoluten. Das bezog sich auf vielerlei Aspekte (ich hatte welche aufgelistet), nicht vorderhand auf anthropologische (aber auch). Gerade hier vielwortig einzuhaken – könnte das vielleicht mit dem NS-Trauma zusammenhängen, von dem wir sichtlich alle gebeutelt werden?

Ich brauche die „ethnische Karte“ nicht zu „ziehen“. Sie liegt auf dem Tisch.

PS (ganz privatim): Meine Frau sieht recht mediterran aus. Sie hat hugenottische Vorfahren. Aber ausgerechnet die Großmutter mit den hugenottischen Vorfahren war hellblond und blauäugig. Meine Frau kommt auf einen ihrer Großväter heraus, der war astreiner arischer Niedersachse ohne fremde Zutaten – ich schwör’s!
Richard Meißner
25. Juli 2015 12:44
@ Carl Sand

Es ist immer blöd, wenn in Diskussionen Begriffe verwendet werden, die außer einem selbst keiner nutzt. Was ist Bumsfallalarismus??
Donovans Ansatz hat einen martialischen Namen, meint aber eigentlich nur die Vernetzung und den Zusammenhalt als feste Gruppe in Verschwiegenheit. Also das was Ausländer in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreich praktizieren. Wie vielfältig deren Parallelwelten sind weiß eigentlich niemand wirklich. "Unter dem Radar bleiben" nannte Donovan das in einem seiner Essays.

Bei Bumsfallarismus habe ich gröhlende Suffer auf einem Kleinstadtschützenfest im Kopf. Oder Teilnehmer auf einer Bart-Convention im Trachtenkostüm. Das kann ich jetzt nicht mit konkreter Politik füllen. Helfen sie mir!

@ Nordländer

Richtig! Ein Volk, dass hinterfragt was es ist und vor allem OB es ist, ist eigentlich schon gar nicht mehr oder zumindest auf dem Weg dahin. Wär mir unbekannt, dass Türken, Kurden oder Armenier sich fragen, warum sie "echt" sind oder nicht und wie sie sich zu definieren haben. Sie sind einfach und das setzen sie durch.
Das erinnert mich an einen schönen Satz von Bob Marley: "Who feels it, knows it."
Exmeyer
25. Juli 2015 12:50
@ Carl Sand: Würde man MEINEN "Kleinen Ansatz" aktivistisch auslegen, so würde ich nicht freigeschaltet. Ihrer ist ja Agitprop. Dagegen kann niemand etwas haben. Solange die Aufkleber-Klebemasse sich von der Sachsubstanz schadlos entfernen läßt ... oder so etwa erinnere ich mich an die Anfänge unserer entbehrlich/unentbehrlichen Profession.

@ Richard Meißner: Ich habe Donovans Buch bereitliegen. Aber noch nicht weiter angefaßt.

@ Meier Pirmin / Nordländer / Helgi
Wer sagt denn, daß das Deutsche (gem. dem Durchschnittsverständnis) der Kern des Eigenverständnisses sei? Populargenetik ist wissenschaftliche Realität. Weshalb nur eine Festlegung von EINER populargenetischer Identität, weshalb nicht MEHRERE,
1. parallel
oder/und
2. eng-weit?

Und weshalb sollte irgendjemand für alle diese Definition verbindlich festlegen können? Quasi gesetzgeberisch? Das ist ja Tagträumerei.
Das kann jeder Einzelne - und jedes Kollektiv - für sich selbst entscheiden. Unbewußt tut man es sowieso via Sympathie/Apathie.
Meier Pirmin
25. Juli 2015 13:01
Das Schwören auf den astreinen arischen Niedersachsen ist im Hinblick auf das Lösen von Problemen in der Gegenwart nun mal wirklich ein Eigentor. Kopfschüttel. Ich gehe davon aus, dass solche Sätze zum Denunzieren dieser Debattenseite Honig sind.
Nordlaender
25. Juli 2015 13:07
@ Helgi Knartr

"Gerade hier vielwortig einzuhaken – könnte das vielleicht mit dem NS-Trauma zusammenhängen, von dem wir sichtlich alle gebeutelt werden?"

Nicolás Gómez Dávila verneinte die Möglichkeit einer Kausalität zwischem dem geschichtlichen Ereignis A und dem nachfolgenden Ereignis B. Denn nach dem Ereignis A erfolge zunächst die Interpretation des Ereignisses X. So daß dann gelten müsse: X verursacht B.

Einen Einfluß auf X hat nur ein solcher, der zur obersten Elite des Interpretationskartells gehört.

Wer traumatisiert ist, der ist es eben, krampft womöglich sogar artig mit gegen Rechts. Der Nichtraumatisierte freut sich hingegen schon, um die Worte Michael Klonovosky zu verwenden, auf den Beginn der gründlichen Aufarbeitung der "Aufarbeitung unserer Geschichte".
Hühnerbaron
25. Juli 2015 13:19
@ Michael Schlenger:
Gerne gebe ich Ihnen in den meisten Punkten Recht. Insbesondere was die politische Massenkompatibilität angeht, ist das Ausspielen der "Rassenkarte" unvernünftig. Als Beispiel mag Enoch Powell dienen, der zu seiner Zeit fast Premier in GB geworden war und auch fast ein Einwanderungsbegrenzungsgesetz durchgebracht hatte. Als er dann aber zwischen Iren und Schwarzen differenzieren wollte, wurde die Antirassismuskarte gegen Powell gespielt und er verlor auf ganzer Linie. Ich denke auch hier in diesem Forum will niemand einen Staat, dessen Bürgerrechte auf einer Art Ariernachweis basieren, der Versuch wurde ja bereits durchgeführt ist phänomenal gescheitert. Zur Etnogenese der Deutschen wäre noch viel spannendes zu berichten. Das südlich des Limes Römer (zB ausgediente Legionäre) aus allen Winkeln des Reiches, zB Syrer, angesiedelt wurden, sollte eigentlich bekannt sein. Auch jüdische Gemeinden gab es bereits im 4. Jhd. Den phänotypischen Unterschied kann man auch heute noch - im statistischen Mittel - mit bloßem Auge erkennen. Nehmen Sie etwa Joachim Löw und Dieter Bohlen als idealtypische Nord-Süd-Vertreter. Auch aus der Neuen Rechten meckert niemand über Vietnamesen, die sich hier (abgesehen von einige segregierten Enklaven in Ostberlin) assimilieren. Ich kannte ein Vietnamesin, die insoweit päpstlicher als der Papst war und verleugnete ihre Muttersprache zu kennen. Womit wir bei Ihrem zentralen Punkt wären: Sprache und Kultur macht das Volk aus. Einen kleinen Tropfen Galle möchte ich aber noch in die Diskussion hineingeben: Je stärker die Abweichung des Äußeren, desto schwieriger ist es den Bruder im anderen zu erkennen. Bisher liefen die sprachlichen und kulturellen und ethnischen Linien im Mittel weitgehend parallel. In der Präambel der Weimarer Rechsverfassung (vor 1933) hieß es:
Das Deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben.
Diese Stämme vermischten sich aber relativ behutsam, sondern blieben seit der Völkerwanderung relativ gebietstreu. Achten Sie einmal darauf welche Abneigung "den Schwaben" von der alteingesessenen Berliner Stadtbevölkerung entgegengebracht wird oder wie gut sie in Bayern als Peer Steinbrück ankommen und vice versa. Der Zusammenhalt einer Gesellschaft wird schwieriger herzustellen, je stärker die äußeren Unterschiede sind. Ethnisch ist der Unterschied zwischen einem Westtürken und einem Italiener aus der Toskaner nicht besonders groß, die Etrusker stammten ohnehin aus Kleinasien. Auch ein Portugiese und ein Finne - um den vielleicht genetisch größten Abstand in der EU darzustellen - sind so unterschiedlich nicht. Das lässt sich noch hinbiegen. Die Römer haben aber nie einen wesentlichen Anteil an Bantustämmen oder auch nur Somalis integriert. Auch die Nubier (also heutige Sudanesen) haben auch bis auf wenige Ausnahmen (anders als in Ägypten) kaum herausgehobenen Stellungen einnehmen können. Wenn es in Rom krachte, dann außerdem doch oft entlang ethnischer Bruchlinien, die Anpassung an Kultur und Sprache musste vollständig sein. Die Assimilierung der Kelten Südgermanen ist auch nur mittels völkermörderischer Härte erfolgt, vgl. Caesar und die Usipeter und Tencterer. In Rumänien spricht man heute noch stärker italienisiert als in anderen romanischen Ländern, weil die Tharker nahezu ausgelöscht wurden. Zu nur halbherzig assimilierten Germanenfürsten:
Quintili Vare, legiones redde!
Hühnerbaron
25. Juli 2015 13:41
Grammatikfehler:
Zeile 18-19 "abgesehen von einige"N" segregierten Enklaven "
Zeile 23 "Sprache und Kultur macheEN das Volk aus"
mit der Bitte um Entschuldigung.
Nordlaender
25. Juli 2015 14:28
@ Meier Pirmin

"Ich gehe davon aus, dass solche Sätze zum Denunzieren dieser Debattenseite Honig sind."

Diese Seite ist bereits denunziert.

"Mit seinem Kameraden Stephan, seit der dritten Klasse waren beide unzertrennlich, verband ihn tiefe Treue. Jeder Zweifel daran hätte seine Ehre zutiefst verletzt, sein Feingespür für moralische Ordnung. Niemals versäumten die Fußballanhänger ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Heil-froh waren die Knaben, wann immer eine Niederlage knapp abgewendet werden konnte, sie bejubelten jeden Sieg."

Subtexte kann eh kaum jemand lesen, auch bei der Gedapo (Gedankenpolizei) arbeiten Menschen, Mitgefühl gebietet es, diesen Behütern unserer westlichen Wertegemeinschaft immer wieder ordentliche Nahrung zum Knabbern zu schenken.

Jetzt mal den Ernst beiseite: Nazo ... äh ... Mann-o-Meter, denken Sie denn, der allgemeine Aufmarsch der anständigen Demokratinnen und anständigen Demokraten wäre bereit, die "sezession" nach erfolgreicher Säuberungsaktion, in ihre Reihen aufzunehmen?
Helgi Knartr
25. Juli 2015 16:25
@ Meier Pirmin, 13.01 Uhr

Ich hatte mal, da ich hier gelegentlich Kommentare schreibe, ein Gespräch mit einem Kundigen (war fast eine Warnung): Ich solle mich auf einiges gefaßt machen. Bei handfesten Rechten sei der Sinn für Humorlosigkeit auffällig stark ausgeprägt, das Verständnis für Ironie hingegen oft merklich gering. Inzwischen habe ich mich davon überzeugen können: Stimmt. Ist was dran. Natürlich nur ein bißchen.

Ich lese gerade "Tristesse Droite", da fällt mir dergleichen überhaupt nicht auf, ganz im Gegenteil. Man kann den Teilnehmern der Schnellroder Gesprächsrunde eins gewiß nicht absprechen: Sinn für Humor, Ironien und Komik (bis hin zur Kalauerei). Das Buch ist - nicht zuletzt aus diesem Grunde - so etwas wie Balsam für meine geschundene Seele. Wenn ich jetzt schriebe: "Ich lese das Buch mit großem Vergnügen", dann wäre vermutlich nicht auszuschließen, daß irgendwer, der es ebenfalls liest oder gelesen hat, sofort den bärbeißigen Kommentar absondert: "Dann haben Sie das Buch nicht verstanden." Also verkneife ich's mir und schreibe nicht, daß ich das Buch mit großem Vergnügen lese.

M.L.: Na klar soll es auch Vergnügen bereiten!

Apropos "verkneifen". Ich hätte mir auch den (ersten) Kommentar zu Michael Schlenger verkneifen sollen. Ich hätte, wenn überhaupt, einfach schreiben sollen: "Lesen Sie Raspail, 'Das Herrlager der Heiligen'. Wenn Sie dann noch bei Ihren Theorien bleiben, dann sollte's mich sehr wundern."

PS:
Wie und warum man den Opa meiner Frau zum Lösen von Problemen der Gegenwart in Beziehung setzen könnte oder sollte, das habe ich nicht verstanden. Das war nun keineswegs eine Idee von mir. Diesen schwarzbraunen Arier (schwarzbraun wie die Haselnuß sowie jenes Madel in dem bekannten Volkslied), diesen schwarzbraunen Opa also, den möchte ich doch lieber in Frieden ruhen lassen, er ist ja doch schon lange tot. Ich schwör's.
Matt Hern
25. Juli 2015 16:27
Eine sehr schöne Zusammenfassung. Danke dafür Martin. Ich habe mich über Dieter Steins Wende in der JF sehr gewundert. Ich las deinen Artikel, notabene, auf dem Handy im Taxi in Kolkata - eine interessante Kulisse, die Vieles anders betrachten lässt.
Meier Pirmin
25. Juli 2015 21:29
@Nordlaender. Es braucht doch keine Säuberungen. Man kann auch so auf Dümmliches verzichten und allenfalls die Sezession aus intellektueller Achtung nicht vorsätzlich oder unfreiwillig blamieren. Ob Sie wie ich direkte Erfahrungen haben mit politischer Entlassung ohne Verteidigungsmöglichkeit (wegen polemischen Spässen zur Gender-Problematik), ob Sie auch schon einen rein politischen Haussuchungsbefehl oder eine Nichtwahl als Lehrer nach Nr. 1 am Ende eines Auswahlverfahrens über sich ergehen lassen mussten, möchte ich mal offen lassen. Bloss damit Sie mich und andere nicht mit einem politischen Spiesser erwechseln. Ich verstecke mich auch nicht hinter Anonymität. Meine allerdings meist länger zurückliegenden Erfahrungen in Sachen Repression wegen einem Hauch von Rechtsverdacht veranlassen mich, z.B. für Repräsentanten von Sezession die Geistesfreiheit zu fordern bzw. zu unterstützen, die für Linke in der Art von Trittin, Fischer und Cohn-Bendit (Pfui) normal ist.


Dieses Plädoyer schliesst nicht aus, dass ich aufgrund anderer historischer Traditionen und biographischer Erfahrungen vieles anders sehe als Leute von der Sezession und hier auf dem Blog.


@Knartr. Auch ich, meine Brüder, Vater, Grossvater sahen und sehen mehr oder weniger aus wie "schwarzbraune Arier", nicht zuletzt eine meiner bildhübschen Töchter. Sofern ich jedoch zur Selbstcharakterisierung der Familie auf diese Wortwahl Wert legen würde, könnte ich mit Recht bei meinen Landsleuten und wohl nicht nur bei diesen von kaum mehr jemandem für voll genommen werden. Selbst meine Tochter würde mir die Zunge rausstrecken. Damit die eigenen Argumente für Problemlösungen ernst zu nehmen sind, muss man aber zuerst mal als "nicht bekloppt" gelten.

Für Ihren lieben Opa würde ich als Katholik gerne mal an einem heiligen Ort eine Kerze anzünden. Er verdient seine Ruhe. Der von Ihnen verwendete Ausdruck aus der indogermanischen Sprachwissenschaft ist für das Jüngste Gericht nicht kompatibel.


Noch was, um es zu illustrieren. Als Metzgerssohn, vgl. Wikipedia, trete ich für den Konsum von Schweinefleisch ein; mehr noch: gegen dessen Ausschluss aus Schulkantinen bloss aus Rücksicht zum Beispiel auf Muslime. Habe übrigens soeben ein wunderbares Spiesschen verspeist.

Dabei würde ich aber nie den einstigen Reichsbauernführer Darré oder wie er hiess im Ernst zitieren, der in seiner Dissertation schrieb: "Der Jude hat das Schwein nie verstanden." Ich würde nicht den Naziverdacht fürchten, sondern echt das Beklopptsein.
Carl Sand
25. Juli 2015 21:52
Werter Exmeyer

Nach einigem Nachdenken geht mein Ansatz über bloße Agitprop doch hinaus. Kern ist, ohne die Tatbestände der Bedrohung, Beleidigung oder Sachbeschädigung in einem relevanten Ausmaß zu verwirlichen, Vertretern des (...)systems einen Ausdruck der Wertschätzung und Liebe zukommen zu lassen und dabei die eigene Person so gering wie möglich zu exponieren. Psychohygiene und - ja, Rache.


Werter Richard Meißner

Ich bin mir ja fast sicher, dass Sie recht genau wissen, was ich mit Bummsfallarismus gemeint habe, aber ich werde Ihen zum Verständnis einige Ausführungen zukommen lassen.

Als Lateinschüler hatte ich das Missvergnügen, de re agricultura übersetzen zu düfen. Cato der Ältere gibt hier unter anderem den Ratschlag, stets seine Vorteil zu suchen, da es sonst der andere täte und insbesondere den erkrankten Sklaven bis zum letzten auszuarbeiten, ihn dann aber mit jedem Trick der Rosstäuscherei bestmöglichst zu verkaufen. Auch möge man sich stets den Gegebenheiten anpassen und sie sogar schlimmstmöglich nutzen.

Der Bummsfallarist mag Cato den Älteren für einen Realisten (siehe oben) halten, ich hingegen halte bis zum Beweis des Gegenteils Cato den Älteren, pardon, für ein Arschloch.

Bummsfallarismus ist die penetrante Betonung, dass das Leben hart ist, jawoll. (Das weiß ich im Übrigen durchaus selbst). Hierbei handelt es sich, wie im Alltagsverhalten um eine inzwischen vollkommen durchgedrungene Binsenweisheit, an der unter vielem anderen unser Volk krankt. Es hat seinen Grund, warum füher Immenhof und Förstersfrau propagiert wurde - nicht aus Realismus, sondern in der realistischen Hoffnung, dass es in das Verhalten des eigenen Volkes abfärben möge.

Genauso wird heute penetrant in Serien wie Breaking Bad, Vikings (eine autoerotische Vorlage für jeden Bummsfallaristen) und Sons of Anarchy offen propagiert, dass das Leben ein, pardon, Scheissehaufen ist und deswegen widerliches Verhalten angemessen.

Bummsfallarismus ist zuvorderst aber die Betonung des brutalsten geeigneten Mittels, nicht des mildesten geeigneten, um in einer Gruppe den höchstmöglichen Status einzunehmen.

Bummsfallarismus ist zudem das penetrante Selbstlob, wie gut man selbst doch mit diesen Verhältnissen klarkäme und die verbale Selbstempfehlung als Führungsfigur.

Bummsfallaristen sind zudem all jene, die sich trotz ihrer stets vor sich hergetragenen Hochrangigkeit ihres Status permanent derart unsicher sind, dass sie anderen zwanghaft die Tour vermasseln.

Donovan ist mir bekannt. Die von Ihnen hervorgehobenen Strategien ebenfalls - nützlich und notwendig. Im Subtext ist Donovan darüber hinausgehend allerdings leider ... bummsfallaristisch.
Monalisa
25. Juli 2015 23:56
Ach, Carl Sand, verhinderter Romantiker sind Sie auch noch, es wird ja immer besser. Wissen Sie, ich habe auch ein paar alleinstehende Freundinnen...

(Von dem dauernden inneren Wüten müssten sie aber doch etwas wegkommen...)

Früheren Reden entnehme ich, dass sie in Berlin leben, vielleicht laufen wir uns mal bei einem staatspolitischen Salon über den Weg?

Mit anderen Ex-Linken gehe ih da sporadisch hin und dann bekringeln wir uns immer über die Bumsfallara-Musik die da läuft...

Ich glaub, Sie würden ganz gut zu unserer Runde passen.
Carl Sand
26. Juli 2015 02:10
Nun, liebe Monalisa, Sie wissen doch, ein Zyniker ist ein schwerst angep... Idealist. Verhinderter Romantiker würde ich allerdings nun nicht sagen, vielmehr Romantiker, durchaus. Falls eine Ihrer Freundinnen Talent im Verkabeln von Zündern hat, könnte ich gewogen sein. Sissi-Filme schaue ich allerdings natürlich nur wegen der Uniformen und der feschen Marschmusik.
Ein Leser
26. Juli 2015 09:02
Bezüglich Herrn Stein finde ich atmosphärisch interessant das gestern der Eldelpresse (ZEIT) gewährte Interview, samt den symbolischen Steinen aus seiner ... kämpferischen Zeit, Krawatte und frisch gegelt in einem Kaffee nahe Hohenzollerndamm, mit milden Ratschlägen an Frau Petry. Fehlt eigentlich nur noch der ungepflegte Herr Prandtl. :-)
Konservativer
26. Juli 2015 09:49
Karlheinz Weißmann hat (ähnlich auch unser wertgeschätzter Kommentator Meier Pirmin) bislang sehr viel geleistet.

Ich gehe davon aus, daß er seinen vielen Schülern ein freies Denken, eine freie Rede und ein freies Lernen ermöglicht hat. Dieser wichtige Aspekt, diese Tatsache sei hier auch einmal genannt.

Er erinnert mich an meine alten konservativen, wirklich toleranten Lehrer aus meiner Jugendzeit, die mich als rebellischen Linken nicht benachteiligten.
Als Erwachsener hatte ich es auf dem 2.Bildungsweg mit einem marxistischen Deutschlehrer zu tun, dem eine derartige Tolreanz fremd war. Gut, ich war seinerzeit noch links, so daß ich persönlich nicht darunter zu leiden hatte, aber dennoch, es fiel mir bereits damals auf, wie unduldsam er auf abweichende Positionierungen reagierte.

Martin Lichtmesz hat ein feines Autorenpoträt vorgelegt.
Einige Deutungen über den heutigen Karlheinz Weißmann inclusive.
Vielleicht äußert sich Herr Weißman irgendwann einmal selbst dazu. Nicht unbedingt öffentlich, eher in einem informellen Rahmen.
Helgi Knartr
26. Juli 2015 10:26
@ Meier Pirmin

Wer in meinen Kommentaren dem Kontext nicht entnehmen kann, daß ich mich über den Begriff „Arier“ lustig mache, dem ist nicht mehr zu helfen. Natürlich weiß ich, was Arier sind (da brauche ich nicht zu gugeln). Der Begriff ist nicht nur für das Jüngste Gericht nicht kompatibel (wie meinen Sie das eigentlich?), sondern nach meinem Dafürhalten überhaupt nicht. Es sei denn, man ist Indo-Iraner. Was der Opa meiner Frau nachweislich nicht war, sicherlich genauso wenig wie Sie und Ihre bildhübsche Tochter.

Daß es Zeitgenossen gibt, die nur den Ernst und nichts als den Ernst gelten lassen wollen (wie Jorge im „Namen der Rose“) und Späße mit und ohne Augenzwinkern entweder nicht auf die Reihe kriegen („der ist ja bekloppt“) oder kriegen wollen oder aber, falls doch auf die Reihe gekriegt, aus Gründen irgendeiner Korrektheit mißbilligen, das find’ ich komisch, das trägt zu meiner Erheiterung bei. (Aber nicht immer.)

Da ich nicht aus meiner Haut kann: Ich danke Ihnen für den Hinweis auf die Sentenz von Darré. Großartig! Den Spruch nehme ich auf in meine Kiste für Schwarzen Humor. Ich werde ihn beim nächsten Spießchengrillen hervorzaubern, natürlich kontextual ein bißchen verpackt. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf einen bestimmten Kindergarten, in dem der Verzehr des Schweins abgeschafft worden ist, da ebendieser Verzehr aus bestimmten Gründen zunehmend zur unreinen Schweinerei erklärt wird. (Ich freue mich jetzt schon auf das Gelächter.)

Wenn ich’s recht bedenke: Eigentlich hatte ich mich, als ich anfangen wollte zu kommentieren, zu Martin Lichtmesz’ Weißmann-Porträt äußern wollen. Nu isses aber zu spät…
Nordlaender
26. Juli 2015 13:13
@ Meier Pirmin

"Es braucht doch keine Säuberungen. Man kann auch so auf Dümmliches verzichten und allenfalls die Sezession aus intellektueller Achtung nicht vorsätzlich oder unfreiwillig blamieren."

Nun, ich denke, daß sich dieser "man" dazu auch niemals erdreistete. Der ist genügend damit befaßt, darauf zu achten, daß er nicht die Rasenfläche quert, sein Fahrrad nicht im Hausflur abstellt, nicht gar mit vollem Munde spricht. "Man" ist durchaus informiert und weiß, was für welche hier auf der "sezession" erscheinen.

Sollte ich hier - wiewohl eine ernste bis melancholische Natur, dem Spassbürgertum und Faschingstollereien eher abgeneigt - doch einmal mit einer Scherzeinlage am Rande keinen rechten Geschmack nicht bewiesen nicht haben, die dieser Seite nicht geziemt, so möchte ich an dieser Stelle um Entschuldigung bitten.

"Bloss damit Sie mich und andere nicht mit einem politischen Spiesser erwechseln."

Vornehmer wäre es wohl in diesem Kreise, die hoffentlich triviale Benimmregel nicht explizit aufzuführen, daß mitunter die Höflichkeit das Schweigen gebietet.

Habe den Eindruck, daß Sie als ein Konservativer das BUNTE Regime für reformierbar halten. Dann kann ich auch verstehen, daß Sie mit Klarnamen auftreten. Bin ein Rechter, für mich hat BUNTE-Land schon seit x Jahren restlos fertig. Absoluter Feind EUropas, als Desperado dort nur physisch anzutreffen. Aus meiner Position heraus erschiene mir die Vorstellung geradezu wahnsinnig, mit offenem Visier anzutreten.

Unter den Machtverhältnissen, die nicht erst heute bestehen, müßte ich schon einen rabenschwarzen Humor besitzen, um die Forderung das unsereins gleiches Rederecht erhalten sollte wie Josef Fischer, Cohn-Bandit und Konsorten als Vertreter der westlichen Wertegemeinschaft - so als forderte in der Jazz-Kapelle der biedere Trompeter genauso viel Raum für Soloeinlagen wie der Saxophonist -,
überhaupt verdauen zu können.

Aber nichts für ungut, geht schon in Ordnung, so von weit draußen mit jemandem zu parlieren, der noch - wenn auch mit Unbehagen - in der Guten Stube sitzt.
Der Gutmensch
26. Juli 2015 13:23
Lieber Meier Pirmin,

ich konnte Ihnen letztens nicht mehr antworten, weil ich ein paar Tage weg war. Die Debatte hier ist wieder ausgesprochen interessant.

Ihre Einschätzung, dass es in der Bundesrepublik „mehr Nischen“ gäbe als es in der DDR gab, teile ich nicht. Denn Nischen setzen voraus, dass es ein zusammenhängendes Gebilde gibt, in oder an dem sich solche dann bilden können; vielleicht wie Schwalbennester an einer Wand? Die DDR stellte jedenfalls ein solches zusammenhängendes Gebilde dar, und zwar, weil sie unter rein funktionalen Aspekten eher feudale denn demokratische Züge trug. Hier in der BRD gibt es m. E. kein gesellschaftliches großes Ganzes mehr. Die Klammer GG ist m. E. recht brüchig geworden (was außerordentlich bedauerlich ist, denn dann gibt es ja keinen uneingeschränkt verlässlichen Grundkonsens mehr, auf dem man etwas Verbindendes aufbauen könnte). Diese Entwicklung wurde nach meiner Einschätzung vorangetrieben (oder jedenfalls wurde nichts Entscheidendes gegen das Implodieren der deutschen Gesellschaft unternommen), weil das Ziel Europa angestrebt wurde, welches offenbar klammheimlich von einem Staatenverbund (BVerfG) in einen Bundesstaat transferiert werden soll. Da Europa aber nunmal keine ausreichenden Bindungskräfte entfaltet (gleichgültig, woran das liegen mag - auf alle Fälle nicht an den Deutschen!) und sich trotz aller Propaganda und deutscher Nachgiebigkeit einfach kein sich freiwillig als „europäisch verstehendes Staatsvolk“ einstellen mag, um den neuen Staat Europa zu bevölkern, bildet sich nun europaweit etwas heraus, dass man vielleicht am ehesten noch mit „Tribalisierung“ beschreiben könnte. Nischen sind es aber in jedem Fall nicht, denn man kann sie kaum mehr verlassen - oder man ist fortan vollständig verlassen.

In diesem trüben Sinne bevorzuge ich es, meinen „Stamm“ besser so mächtig wie möglich zu erhalten und mögliche europäische Sektierer keinesfalls vorschnell aus ihrer Verantwortung zu entlassen:

Der Herr Gauck ist eben bloß unser Bundespräsident - und nicht der von ganz Europa. Er möge uns also vertreten, wie es ihm richtig erscheint; ich habe ihn nicht zu kritisieren, solange er sich bitte auf uns als den ihm gesetzten Referenzrahmen beschränkt! Ebenso ist unsere Bundeskanzlerin eben (nur) die deutsche Bundeskanzlerin. Europaweit ist sie nicht gewählt worden - und wäre möglicherweise auch nicht gewählt worden. Dasselbe gilt für unseren Finanzminister und unsere Verteidigungsministerin, die schon daran ging, coram publico die „VSE“ herbeizuschwärmen! Der richtige, der vor allem grundgesetzkonforme Weg scheint mir doch zu sein, unsere Möchtegern-Europäer, die sich vielleicht bereits als eigenen, alle anderen beherrschenden Stamm sehen mögen, dezent daran zu erinnern, wo sie herkommen und worin ihre weltliche Pflicht und Schuldigkeit besteht! So lange sie nämlich formal für die von ihnen innegehabte Machtposition noch auf uns als ihre Legitimation angewiesen sind, haben sie auch zuvörderst unsere Interessen zu vertreten, jeder kleine Bürgermeister, jeder Abgeordneter - jeder von ihnen! So ist das nunmal in einer Demokratie, da gibt es eben keine höhere Macht, auf die man sich zur nicht hinterfragbaren Begründung seiner (meistens allzu menschlichen) Machtbedürfnisse berufen könnte! NOCH gilt formal das Grundgesetz, und zwar mitsamt - DEMOKRATIE! NOCH dürfen wir demonstrieren! NOCH dürfen wir generalstreiken, wenn uns das als letztes Mittel angezeigt erscheint (Und sei es, weil die Kommunikation mit unseren Volksvertretern anhaltend gestört ist: Ich bin nämlich bestimmt nicht die einzige, die unangenehm berührt feststellen musste, dass unsere Volksvertreter den Austausch mit ihrem Volk systematisch verweigern, indem sie weder auf Briefe, noch auf E-mails - schönen Gruß von der digitalen Revolution! - reagieren - oder gar so etwas wie Bürgersprechstunden abhalten, wozu sie nicht nur angesichts der Tatsache, dass wir Dank ihrer Arbeit mittlerweile einen erheblichen Anteil von funktionalen Analphabeten haben, selbstverständlich angehalten sind! Eine flächendeckende Verweigerungshaltung ist jedoch nicht mehr demokratisch zu nennen. Denn Volksherrschaft ohne Kommunikation mit und vom Volk ist ja ersichtlich ein Ding der Unmöglichkeit! Wie sollte man nun also eine solche Haltung anders verstehen als - tyrannisch?
Weshalb sammeln wir nicht solche Ereignisse und verlangen von einem Volksvertreter, der individuelle, respektvoll vorgetragene Anliegen unbearbeitet lässt bzw. mit Phrasen statt Lösungen abzuwiegeln versucht, oder der sich weigert, eine Bürgersprechstunde für alle - und nicht für ausgesuchte - Bürger abzuhalten, nicht dass er sein Amt als Volksvertreter sofort niederlegt? In aller Form und Höflichkeit und selbstverständlich unter Beachtung der Hierarchie: Erst der verantwortliche Kommunalpolitiker und wenn der ausweicht und nach oben zeigt, dann der Landespolitiker und dann ggf. der Bundespolitiker?)

Denn erst wenn wir das alles nicht mehr können - dann bricht gerechtfertigterweise das Zeitalter der Unhöflichkeiten an; und wie es aussieht, wohl noch früh genug.

Der Gutmensch
Gast
26. Juli 2015 13:39
@Carl Sand
Sie haben BB offenbar nicht verstanden, bei der ganzen Serie geht es doch darum, wohin das widerliche Verhalten führt, es ist eine einzige Abwärtsspirale und wird nicht als einzige Lösung propagiert.
Und es bleibt dabei, wer allzugerne Begriffe verwendet, die er selbst erfunden hat, wirkt immer etwas...komisch...
Martin Lichtmesz
26. Juli 2015 14:04
Badeschluß!

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