EinProzent aktiv: Das “lebende Banner” vom 16. April

einprozentWer dachte, nach "#wirzählenmit" sei die Bürgerinitiative "Ein Prozent für unser Land" heimlich, still und leise entschlafen, der wurde am 16. April eines Besseren belehrt: In einer bundesweiten, generalstabsmäßig durchgeplanten Aktion zeigten Unterstützer des Vereins das sprichwörtliche Gesicht gegen die unverantwortliche Regierungspolitik. Einen ersten Überblick und viele Bilder gibt es hier; wir baten außerdem den Organisator Helge Hilse zum Gespräch:

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Sezes­si­on: Nach der Wahl­be­ob­ach­tungs­in­itia­ti­ve zu den drei Land­tags­wah­len am 13. März und dem beein­dru­cken­den Erfolg in Sach­sen-Anhalt, der einen Abge­ord­ne­ten der LINKEN zuguns­ten der AfD aus dem Par­la­ment warf, war es ein wenig still um “Ein­Pro­zent” gewor­den. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag folg­te nun ein neu­er Pau­ken­schlag: ein bun­des­wei­tes “leben­des Ban­ner”. Wie genau lief die Akti­on ab? Konn­ten Sie Wir­kung entfalten?

Hil­se: “Ein­Pro­zent” nutz­te die schein­ba­re Ruhe nach dem erfolg­rei­chen Abschluß der Wahl­be­ob­ach­tungs­i­n­i­ta­ti­ve, um sich einem not­wen­di­gen und ganz spe­zi­el­len The­ma zuzu­wen­den. Ein­ein­halb Jah­re schon demons­trie­ren die Deut­schen in etli­chen Städ­ten unun­ter­bro­chen, aller­dings ist der Infor­ma­ti­ons­fluß über die vir­tu­el­len Mau­ern, wel­che die Staats­me­di­en dar­um gebaut haben, nur unzu­rei­chend in die Mas­se der Bevöl­ke­rung gekommen.

Wir wol­len mit unse­rer Akti­on »40 Grup­pen – 40 Städ­te« die­se Bar­rie­re gezielt über­win­den, einen Impuls set­zen und prak­ti­sche Mög­lich­kei­ten dazu auf­zei­gen. Und wir wol­len auch die Spiel­re­geln ändern – wonach Pro­test eben nicht immer ordent­lich deutsch und öffent­lich ange­mel­det, via Face­book & Whats­App detail­liert offen­ge­legt wer­den muß. Dies bringt näm­lich Ritua­le mit sich, die wir in Form der laut­star­ken und inhalts­lee­ren Gegen­pro­tes­te ins­be­son­de­re der Anti­fa kennen.

Zivi­ler Wider­stand muß sich den Gege­ben­hei­ten beweg­lich anpas­sen und darf nicht ver­ei­sen. Die gelau­fe­ne Akti­on war eine nie­der­schwel­li­ge Akti­on des zivi­len Unge­hor­sams. In allen Bun­des­län­dern mit Aus­nah­me der Stadt­staa­ten Ham­burg und Bre­men sowie Schles­wig-Hol­steins konn­ten wir am 16. April wort­wört­lich und auf Anhieb “Flag­ge set­zen”: In 56 Städ­ten waren unse­re Grup­pen aktiv, alle aus­ge­rüs­tet mit ein­heit­li­chen “EinProzent”-Bannern und ‑Flug­blät­tern.

halle1Halle/Saale

Die genau­en Stand­or­te – also Städ­te und Plät­ze – haben wir frei­lich nicht vor­ab öffent­lich kom­mu­ni­ziert. Klar nach außen waren ledig­lich der Ein­satz­tag und das For­mat. Die Grup­pen selbst waren dazu in ihrer Mann­stär­ke knapp­ge­hal­ten, um das Not­wen­di­ge beweg­lich zu leis­ten. Die Ein­satz­zei­ten an den Schau­plät­zen waren auf ca. 30 Minu­ten plan­mä­ßig begrenzt – dann erfolg­ten meh­re­re Stand­ort­wech­sel, zum Teil in ande­re Städte.

Auf die­se Wei­se erreich­ten unse­re Akti­vis­ten etli­che Tau­send Zuschau­er, die nun das The­ma “Ein­Pro­zent” in ihre Fami­li­en und Kol­le­gen­krei­se tra­gen kön­nen, Jugend­li­che, die jetzt nach “Ein­Pro­zent” goog­len, Men­schen, die jetzt viel­leicht imstan­de sind, eine Sequenz mehr an dem Aus­maß der Kata­stro­phe, die unser Land erschüt­tert, zu sehen.

Der von “Ein­Pro­zent” aus­ge­ge­be­ne Impuls an die zuvor aus geeig­ne­ten Unter­stüt­zern zusam­men­ge­stell­ten bzw. unter­stütz­ten Akti­vis­ten­grup­pen soll auch zur Über­win­dung der ima­gi­nä­ren Furcht­ku­lis­se, die wie Blei über den Deut­schen liegt, füh­ren, den aus­füh­ren­den Akti­vis­ten Selbst­be­wußt­sein und Mut zur Zivil­cou­ra­ge brin­gen, loka­le Leucht­tür­me auf­bau­en. Und ich den­ke, wir haben hier am Sams­tag gute Pflö­cke eingehauen.

Dresden6Dresden

Sezes­si­on: Wäh­rend sich für die Wahl­be­ob­ach­tung jeder­mann frei­wil­lig­mel­den konn­te, wur­den dies­mal die betei­lig­ten Akti­vis­ten­grup­pen zen­tral von “Ein­Pro­zent” zusam­men­ge­stellt. Wes­halb die­se Neue­rung? Wonach haben Sie die “Ban­ner­trä­ger” aus­ge­sucht, und wie­vie­le Per­so­nen kamen zum Einsatz?

Hil­se: Der Erfolg einer Akti­on wird immer von guter Pla­nung und Dis­zi­plin sowie Ver­läß­lich­keit der Akteu­re bestimmt. Es gibt Din­ge wie die Wahl­be­ob­ach­ter­kam­pa­gne, wo Tau­sen­de Men­schen flei­ßig und unei­gen­nüt­zig ihren Dienst getan haben in der Aus­übung der Zivilcourage.

Die Akti­on »40 Grup­pen – 40 Städ­te« setz­te die Teil­nah­me­hür­den jedoch ein wenig höher. Es galt sicher­zu­stel­len, daß die Grup­pen nicht durch chro­ni­sche Beden­ken­trä­ger oder unzu­ver­läs­si­ge und sich selbst über­schät­zen­de Pro­test­ler im Auf­tritt behin­dert bzw. durch unnö­ti­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­geh­a­be in Kon­fron­ta­ti­ons­ge­fahr mit gewalt­af­fi­nen Kräf­ten der Gegen­sei­te gera­ten würden.

Es ist auch nicht zu unter­schät­zen, wie wich­tig es ist, wer hin­ter dem “EinProzent”-Banner reprä­sen­tiert. Es sind kei­ne geschul­ten, eli­tä­ren “Kom­man­do­ty­pen”, son­dern deut­sche Bür­ger aus unse­rer Mit­te, die den Schritt in die pro­duk­ti­ve Ver­net­zung gegan­gen sind. Die Mit­mach­be­reit­schaft allein konn­te also kein Kri­te­ri­um sein, wohl aber geprüf­te Ernst­haf­tig­keit und ein gerüt­telt Maß an gesun­dem Thy­mos.

Es ist klar, daß jede wei­te­re Höher­le­gung der Lat­te bei kom­men­den Aktio­nen des zivi­len Wider­stan­des die Aus­wahl­kri­te­ri­en der Akti­vis­ten selbst beein­flus­sen wird. Etwa 220 Akti­vis­ten waren an die­sem Tag in 40 Grup­pen in unse­rer Hei­mat unter­wegs – 220 dis­zi­pli­nier­te, ent­schlos­se­ne Bürger.

Buxtehude

Sezes­si­on: Bewer­ten Sie die­se Art öffent­li­cher Auf­trit­te als loh­nend? Und wird es in Zukunft wei­te­re Aktio­nen wie das “leben­de Ban­ner” geben?

Hil­se: Sehen Sie – was an Des­in­for­ma­ti­on über so vie­le Jah­re in unser Volk ein­ge­wur­zelt wur­de, ist nicht kurz­fris­tig wie­der aus­treib­bar. Kubit­schek sprach in Alten­burg ein­mal recht tref­fend von »Bau­stei­nen«.

Ja, die Akti­on »40 Grup­pen – 40 Städ­te« von “Ein­Pro­zent” ist auch nur ein Bau­stein im gro­ßen Kas­ten, aber die­ser Bau­stein war über­fäl­lig, denn er trifft in die ver­ängs­tig­te, ver­un­si­cher­te und apo­li­ti­sche Gesell­schaft voll hinein.

Es wird ohne Fra­ge noch vie­le Aktio­nen die­ser Art und wei­ter­ent­wi­ckel­ter For­ma­te von “Ein­Pro­zent” geben. Wir wer­den auf der wach­sen­den Schar der bewähr­ten Akti­vis­ten auf­bau­en, Bewähr­tes wie­der­ho­len und Neu­es über­ra­schend prä­sen­tie­ren. Wir sind so frei.

Die Berich­te der Akti­ons­grup­pen zu ihren am 16. April gemach­ten Erleb­nis­sen und Gesprä­chen mit der Bevöl­ke­rung zei­gen ganz klar auf, daß die Men­schen in der Mehr­heit gänz­lich anders ticken, als es die Mer­kel­pres­se sug­ge­riert und es den links­grü­nen Mei­nungs­ma­chern lieb wäre. Ich wün­sche mir, daß vie­le noch zöger­li­che Deut­sche jetzt erkannt haben – daß Zivil­cou­ra­ge mach­bar ist, eine enor­me Sog­wir­kung besitzt und im nie­der- bis mit­tel­schwel­li­gen For­mat ein pro­ba­tes Werk­zeug zur Wah­rung der iden­ti­tä­ren Wür­de darstellt!

Celle
Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (13)

Arminius Arndt

19. April 2016 10:16

Da gilt es doch einfach einmal Danke schön an alle Beteiligten und Akteure zu sagen.

philos

19. April 2016 10:54

Dem schließe ich mich an. Haben Sie Dank!

niekisch

19. April 2016 12:00

Glückwunsch zur hervorragenden Aktion!

Überraschend auftauchen..schnell wieder verschwinden...der Anrifa ein Schnippchen schlagen!

Da melde ich mich jetzt auch und mache beim nächsten Mal mit. Gerade der Ruhrpott hat es besonders nötig.

glühlampe

19. April 2016 13:18

Ich begrüße die Aktion und freue mich, dass wir EinProzent haben! Vorallem die Köpfe die dahinter stecken, machen Mut auf ähnlich gute Aktionen.
Es fällt dem neutralen Beobachter jedoch folgendes auf: Ostdeutsche Städte und Orte sind sehr gut vertreten.
Insbesondere deutsche Großstädte wie Köln, Frankfurt, München, Düsseldorf, Dortmund, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund konnte ich nicht finden. Es kann sein, dass ich sie übersehen habe. Sonntag morgen waren sie jedoch noch nicht im Netz. Schade - insbesondere hier brauchen wir Vertretungen von Einprozent.

Person vom Pack

19. April 2016 14:04

Haben Sie nur die 'Marke' bekannt gemacht - oder wurden, etwa an einem separaten Informationsstand, auch weitergehende Diskussionen geführt?
Nur die Marke alleine, da würde ich bezweifeln, daß sich jemand die Mühe macht, der Netzadresse weiter nachzugehen.

Helge Hilse

19. April 2016 14:14

Hilse:
@ Glühlampe und Andere: Zitat: "....Insbesondere deutsche Großstädte wie Köln, Frankfurt, München, Düsseldorf, Dortmund, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund konnte ich nicht finden. ...."
Ich darf Ihnen versichern das auch die westdeutschen Großstädte gut dabei waren. Im Blog: www.einprozent.de finden sie unter: "40 Gruppen - 40 Städte" die Bilanz der 56 beteiligten Städte verzeichnet.
Natürlich können nicht alle Bilder eingestellt werden, die Datenflut war enorm.

Gegendarstellung.

19. April 2016 14:17

Wenn Sie selber aktiv werden wollen und sich über Ein Prozent mit Gleichgesinnten vernetzen lassen, dann können Sie beim nächsten Mal dazugehören.

Christian

19. April 2016 14:30

Guter Stil setzt sich durch, auch wenn die offiziöse Berichterstattung taktisch negativ über die patriotischen Kräfte bleibt.

Es ist jetzt wichtig am Niveau des Widerstands gegen das Merkelregime zu arbeiten und gezielt Personen zu fördern, die sprachmächtig die Dinge auf den Punkt bringen ohne unnötige und billige Provokationen. Wenn man an PEGIDA von gestern denkt, wo eine Dame in gebrochenen Deutsch ein primitiv verschlüsseltes "Märchen" präsentierte und den Reim auf "Rassen" und "passen" machte, dann läuft es einem schon kalt den Rücken runter. Auch viele Kommentare in Online-Spalten schaden durch den vulgären Ton der Sache, sind Wasser auf den Mühlen der etablierten Kräfte. Konservative müssen konservativ auftreten, aber kämpferisch bleiben.

Wenn 1Prozent durch Wahlbeobachtung den Rechtsstaat verteidigt, ist das eine gute Sache für alle Menschen in unserem Lande. Danke!

Wenn jetzt keine Fehler gemacht werden, kann man hoffnungsfroh auf die Wahlen im September blicken. Gerade im Hinblick auf Berlin wird es spannend, und dort wird Wahlbeobachtung bitter nötig sein.

https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/

Andreas Walter

19. April 2016 14:51

Patriotischen Aktionismus halte ich auch für eine sehr gute Sache.

Da haben die Identitären die Tage in Österreich auch wieder einen Etappensieg errungen, der mit Sicherheit auch einige linke Gewissheiten in ihren Grundfesten erschüttert hat:

https://www.youtube.com/watch?v=S2B8lDve1EE

Aus dem Nichts erscheinen und wieder verschwinden. Wie ein Donnerschlag.

ulex

19. April 2016 16:22

Naja,

wichtiger ist sicherlich dies als Ansatz zu sehen den man mit weitergehenden Aktionsformen ausbauen will - wenn man schon ein "deutsches Greenpeace" anstrebt.

Zumindest aus "ostzonaler" Sicht wo es ja jeden Woche dutzende, von öffentlicher Gegenwehr bis auf Leipzig oder Jena ungestörte, öffentliche Versammlungen gibt auf den Marktplätzen der jeweiligen Städte, ist es sicherlich eher Larifari sich Samstags im Gewerbegebiet ne halbe Stunde vor nen Netto zu stellen..

Ist im "Westen" natürlich oft ein bißchen anders,da mag es in manchen Gegenden wirklich ein subversiver Akt sein sich ne halbe Stunde an einem Ort zu halten.

Helge Hilse

19. April 2016 18:36

Hilse:
@ ulex: Wenn sie dieses Widerstandsformat als Larifari (im Osten) betrachten, so sollte es Ihnen Verpflichtung sein sich nun selbst aktiv zu beteiligen. Haben Sie schon? Wo? Wann? Wie?
Danach wollen wir erneut darüber disputieren ob das harte Arbeit mit klopfenden Herzen oder ein nettes Event gewesen ist.

Fenris

19. April 2016 20:09

Im norddeutschen Buxtehude, immerhin 40tsd Einwohner, standen wir nicht vor irgend einem Kaufhaus sondern unmittelbar vor dem Eingang des alten Rathauses der über tausendjährigen Stadt. In der dortigen Fußgängerzone fand zu dieser Zeit ein Wochenmarkt statt, es herrschte also reger Betrieb. Die Resonanz auf unsere Aktion war sehr gut, was vielleicht daran lag, daß wir zwei hübsche junge Frauen dabei hatten, möglicherweise aber auch an unserer direkten und offenen Ansprache. Viele ältere Jahrgänge zeigten sich auffallend gut informiert, jüngere Menschen reagierten eher ablehnend. Gegen Ende der Aktion kündigte sich die örtliche Antifa an, eine erkennbar völlig verstörte Zecke fotografierte und telefonierte demonstrativ weitere Verstärkung herbei. Bevor die eintraf, hatten wir ihn aber vertrieben und waren schon wieder auf dem Heimweg. Wer bis Mittag im Bett liegt, verpasst halt das Beste :)

Das war eine klasse Idee und macht Lust auf mehr!

Filarete

20. April 2016 13:34

Sehr begrüßenswerte Akrion, aber mir war es schlicht nicht möglich, Kontakt aufzunehmen. Serienweise Leserkommentare erbaten Kontaktinformation, um teilnehmen zu können, darunter auch ich. Als nichts geschah, kontaktierte ich per Mail. Schließlich bat ich, in der Annahme, dass man sich vor Trollen fürchte, Frau Kositza um Weiterleitung meiner Nachricht an einprozent, was sie freundlicherweise gemacht hat. Nichts. Ich war daher in Dresden leider nicht dabei. Schade!

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