Wessen Feind steht rechts? (2 von 3)

Im ersten Teil dieses Beitrags beschrieb ich, wie sich die Herrschenden als "die Demokratie",...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

“die Ver­fas­sung” oder “die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung” aus­ge­ben, um sich gegen Kri­tik abzu­schir­men. Ins­be­son­de­re bedeu­tet dies, daß nicht Mer­kels Asyl- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik und deren Fol­gen – wie das Vor­an­trei­ben der Isla­mi­sie­rung und des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs – als Gefahr für “die Demo­kra­tie” betrach­tet wer­den, son­dern viel­mehr der “popu­lis­tisch” genann­te Ein­spruch dagegen.

Ins glei­che Horn stieß am 13. 8. in der Zeit auch der Direk­tor des Insti­tuts für Zeit­ge­schich­te in Mün­chen, Andre­as Wir­sching. Beti­telt war der Bei­trag “Die Gefähr­dung der west­li­chen Demo­kra­tien”, und bebil­dert mit einem Foto von einer Pegi­da-Demo, auf der rus­si­sche und iden­ti­tä­re Fah­nen zu sehen sind, sowie Trans­pa­ren­te, die Mer­kel als “Mut­ter Ter­ro­re­sia” dar­stel­len und via DDR-Iko­no­gra­phie selbst der Demo­kra­tie­feind­lich­keit bezich­ti­gen (DDR heißt übri­gens “Deut­sche Demo­kra­ti­sche Republik”).

Wir­sching ver­or­tet den Feind “rechts” (die Fau­xel­le hat es bereits klug kom­men­tiert), und bemüht zu die­sem Zweck eine his­to­ri­sche Analogie:

Es gibt eine aus der Geschich­te bekann­te Kon­stel­la­ti­on, die für eine Demo­kra­tie beson­ders gefähr­lich ist. Sie ent­steht dann, wenn sich auf ihrem Boden extre­mis­ti­sche Kräf­te bil­den, die sich einer­seits gegen­sei­tig bekämp­fen, die am Ende aber auch die Demo­kra­tie selbst tref­fen wol­len. Fast alle euro­päi­schen Demo­kra­tien in der Zeit zwi­schen dem Ers­ten und dem Zwei­ten Welt­krieg sahen sich einem sol­chen Zwei­fron­ten-Kon­flikt gegenüber.

In Bezug auf die zwan­zi­ger und drei­ßi­ger Jah­re mit ihrer “laten­ten Bür­ger­kriegs­at­mo­sphä­re” und dem “gleich­zei­ti­gen Auf­kom­men star­ker kom­mu­nis­ti­scher und extrem natio­na­lis­ti­scher Bewe­gun­gen”, schreibt er:

Zugleich brach­te dies vor allem auf Sei­ten der poli­ti­schen Rech­ten neue Gefah­ren mit sich: die Ver­su­chung näm­lich, aus der Kon­stel­la­ti­on Kapi­tal zu schla­gen und mit Extre­mis­ten zum Zwe­cke der eige­nen Macht­er­wei­te­rung zu kollaborieren.

Die Geschich­te kann man auch ganz anders und etwas prä­zi­ser erzäh­len: Wir­sching spricht wohl die Tat­sa­che an, daß die poli­ti­sche Rech­te die­ser Zeit sich zu einem gro­ßem Teil dem Faschis­mus zuwand­te, da die­ser als ein­zi­ger stark genug schien, die kom­mu­nis­ti­sche Bedro­hung abzu­weh­ren. Eine ana­lo­ge Bewe­gung fand aller­dings auch auf der Sei­te der poli­ti­schen Lin­ken statt. Die­se Ver­zer­rung zuguns­ten der extre­men Lin­ken hat Sys­tem. Über die Zeit nach 1945 schreibt Wirsching:

Am auf­re­gends­ten waren noch die Sech­zi­ger­jah­re. Aber der Ansturm einer star­ken sozia­len Bewe­gung von links blieb über­wie­gend in ver­fas­sungs­kon­for­men Bah­nen, und den durch­aus vor­han­de­nen extre­mis­ti­schen Ten­den­zen stan­den letzt­lich doch kei­ne ver­gleich­ba­ren extre­mis­ti­schen und demo­kra­tie­feind­li­chen Kräf­te von rechts gegenüber.

Na, kommt wohl dar­auf, was man mit “über­wie­gend” meint – ein radi­ka­ler Teil die­ser “star­ken sozia­len Bewe­gung von links”, der brei­te Sym­pa­thien von der links­al­ter­na­ti­ven Stu­den­ten­sze­ne bis weit ins Kul­turesta­b­lish­ment hin­ein genoß, hat es sei­ner­zeit immer­hin via RAF, Bewe­gung 2. Juni und ähn­li­cher Ter­ror­zel­len geschafft, dut­zen­de Men­schen zu ermor­den und den bun­des­deut­schen Staat in die schwers­te Kri­se seit sei­ner Grün­dung zu stürzen.

Als nächs­tes bügelt Wir­sching die Fra­ge nach dem Islam hin­ter dem isla­mi­schen Extre­mis­mus ab, indem er auf angeb­lich voll­ende­te, angeb­lich alter­na­tiv­lo­se Tat­sa­chen verweist:

Seit den Acht­zi­ger­jah­ren haben sich die west­li­chen Gesell­schaf­ten gewan­delt. Zumin­dest in ihren Bal­lungs­zen­tren sind sie unter dem Ein­fluss der Glo­ba­li­sie­rung zu mul­ti­kul­tu­rel­len Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaf­ten gewor­den. Das ist nicht mehr zu leug­nen. Und die Fra­ge, ob der Islam denn nun zu Euro­pa (oder zu Deutsch­land) gehö­re, ist im Kern falsch gestellt. Denn wer sie ange­sichts von mehr als 15 Mil­lio­nen Mus­li­men in der Euro­päi­schen Uni­on ver­nei­nen woll­te, wür­de die Rea­li­tät verkennen.

Mit ande­ren Wor­ten: der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch ist bereits so weit fort­ge­schrit­ten und der Islam bereits so tief im euro­päi­schen Boden ver­pflanzt, daß dar­an nichts mehr zu rüt­teln ist. Die 15 Mil­lio­nen Mus­li­me haben bereits jetzt durch ihre blo­ße Anwe­sen­heit die Iden­ti­tät Euro­pas umde­fi­niert, und die rest­li­chen 495 Mil­lio­nen Men­schen, die in der EU leben und kei­ne Mus­li­me sind, sol­len dies wider­spruchs­los akzeptieren.

Nun, dann soll­te man aber auch nicht “die Rea­li­tät ver­ken­nen”, daß die­ser “Wan­del” ein demo­gra­phisch dyna­mi­scher Pro­zeß ist, der noch lan­ge nicht abge­schlos­sen ist und nach Wunsch der Regie­ren­den “der west­li­chen Gesell­schaf­ten” auch nicht abge­schlos­sen, gebremst oder gestoppt wer­den darf, son­dern viel­mehr vor­an­ge­trie­ben wer­den muß, um eine Art “mani­fest desti­ny” zu erfül­len. Das heißt de fac­to, daß auch die Fra­ge, ob man den “Gro­ßen Aus­tausch” will oder nicht, “im Kern falsch gestellt” ist, weil es hier angeb­lich kei­ne Infra­ge­stel­lun­gen mehr geben darf.

Die­ser “Wan­del” habe, so räumt er ein, nun schon seit den acht­zi­ger Jah­ren “neue Ver­un­si­che­run­gen” erzeugt:

Das für jede Demo­kra­tie bedeut­sa­me Ver­hält­nis von Staat, Nati­on und Indi­vi­du­um ist deut­lich kom­pli­zier­ter gewor­den. Und die für die moder­nen Mas­sen­ge­sell­schaf­ten so zen­tra­len Fra­gen nach Kom­ple­xi­tät und Iden­ti­tät stel­len sich neu. Denn wenn die Welt kom­ple­xer und undurch­sich­ti­ger wird, dann stei­gen auch die Identitätsunsicherheiten.

Man kann es auch weni­ger euphe­mis­tisch aus­drü­cken: die mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche Poli­tik hat die rela­ti­ve eth­no-kul­tu­rel­le Homo­ge­ni­tät der Staats­völ­ker zuneh­mend auf­ge­löst, und damit auch die essen­ti­el­len demo­kra­ti­schen Grund­la­gen, von denen etwa noch die Väter des Grund­ge­set­zes ein­deu­tig aus­ge­gan­gen sind. Man kann nun gewiß sagen, die Gesell­schaft wäre “kom­pli­zier­ter” und “kom­ple­xer” gewor­den, und dabei so tun, als han­de­le es sich bei die­ser “Kom­ple­xi­täts­stei­ge­rung” um etwas grund­sätz­lich Gutes oder Wün­schens­wer­tes. Die unver­meid­li­chen Fol­gen einer sol­chen Poli­tik für die Iden­ti­tät eines Vol­kes ver­linkt Wir­sching im Hand­um­dre­hen mit dem “Extre­mis­mus”:

His­to­risch betrach­tet, schlägt sei­ne Stun­de vor allem dann, wenn drei Vor­aus­set­zun­gen zusam­men­fal­len: wenn – ers­tens – Iden­ti­tä­ten noch nicht gesi­chert sind oder erst eta­bliert wer­den müs­sen; wenn – zwei­tens – bestehen­de Iden­ti­tä­ten kul­tu­rel­ler Ver­än­de­rung aus­ge­setzt sind und damit als akut bedroht emp­fun­den wer­den; und wenn – drit­tens – zur Iden­ti­täts­un­si­cher­heit öko­no­misch begrün­de­te, sozia­le Sta­tus­un­si­cher­heit tritt.

All das ist in den west­li­chen Demo­kra­tien seit den Acht­zi­ger­jah­ren der Fall, in jüngs­ter Zeit jedoch ver­stärkt wirksam.

Das ist zwei­fel­los der Fall, und Wir­sching wird wohl genau­so gut wie jeder ande­re wis­sen, war­um die­se Pro­ble­me gera­de “in jüngs­ter Zeit ver­stärkt wirk­sam” wer­den. Sie ste­hen in direk­tem Zusam­men­hang mit Mer­kels Schleu­sen­öff­nung, in der die poli­ti­schen Ten­den­zen von vier Jahr­zehn­ten Ein­wan­de­rungs­po­li­tik kulminieren.

Als ers­te extre­mis­ti­sche “Bewe­gung” nennt Wir­sching den Isla­mis­mus, bei dem er sich aber nicht lan­ge aufhält:

Im radi­ka­len Isla­mis­mus haben sich For­men der Iden­ti­täts­kon­struk­ti­on durch­ge­setzt, die mit ihrer qua­si-reli­giö­sen und anti­west­li­chen Ideo­lo­gie die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Sche­ma zwin­gen wollen.

Die Rede vom “Freund-Feind-Sche­ma” spielt natür­lich auf Carl Schmitt an, des­sen For­mel für den “Begriff des Poli­ti­schen” bekannt­lich so lautete:

Die spe­zi­fisch poli­ti­sche Unter­schei­dung, auf wel­che sich die poli­ti­schen Hand­lun­gen und Moti­ve zurück­füh­ren las­sen, ist die Unter­schei­dung von Freund und Feind.

Die Invo­ka­ti­on der “Freund-Feind”-Kategorie dient hier wie üblich vor allem der sinis­tren Sug­ges­ti­on. Grob gesagt, zer­fal­len die Schmitt-Aus­le­ger an die­ser Stel­le in zwei Lager: die­je­ni­gen, die akzep­tie­ren, daß “Freund-Feind” im Bereich des Poli­ti­schen kon­sti­tu­tiv ist, ob man will oder nicht; und die­je­ni­gen, die glau­ben, Feind­schaft lie­ße sich ver­mei­den und in Schmitts Defi­ni­ti­on einen fins­te­ren Impe­ra­tiv sehen.

Daß Wir­sching wohl eher zur letz­te­ren Grup­pe gehört, zeigt die selt­sa­me und unkla­re For­mu­lie­rung, der radi­ka­le Isla­mis­mus wol­le “die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Sche­ma zwin­gen”. Man kann es auch ein­fa­cher sagen: der radi­ka­le Islam hat die west­li­che Welt zum Feind erklärt, aus wel­chen Grün­den auch immer. Sobald einer einem ande­ren die Feind­schaft erklärt, aus wel­chen Grün­den auch immer, wird letz­te­rer, sofern er die­se Feind­schaft nicht wünscht, gewiß “mit Gewalt in ein Sche­ma gezwun­gen”; man kann eine Feind­schafts­er­klä­rung nicht ein­sei­tig ver­wei­gern, und dann so tun, als wäre die­se Feind­schaft aus der Welt geschafft. Der selbst­er­nann­te Feind wird nicht auf­hö­ren, Feind zu sein, weil man die Kate­go­rie Freund/Feind nicht akzeptiert.

Dies ist wohl der Grund, war­um Wir­sching abschwä­chend von einer “Her­aus­for­de­rung” spricht:

Für die west­li­chen Demo­kra­tien ist die­se Form des radi­ka­len Isla­mis­mus und sei­ner ter­ro­ris­ti­schen Akti­on eine enor­me Her­aus­for­de­rung. Wirk­lich gefähr­lich wird die Lage aber dadurch, dass die­se Her­aus­for­de­rung auf zutiefst iden­ti­täts­un­si­che­re Gesell­schaf­ten trifft.

Hier ist es deut­lich for­mu­liert: die “wirk­li­che Gefahr” – für wen? – ist offen­bar weni­ger der radi­ka­le Isla­mis­mus, als die “iden­ti­tä­re” Abweh­re­ak­ti­on der “her­aus­ge­for­der­ten” Gesell­schaf­ten. Das kor­re­spon­diert wohl mit einer Fest­stel­lung, die ich im ers­ten Teil die­ses Bei­trags traf:

Die Macht des regie­ren­den Kar­tells wird vom isla­mi­schen Ter­ro­ris­mus nicht bedroht.

Indes könn­te man obi­gen Absatz auch aus iden­ti­tä­rer Sicht unter­schrei­ben, wenn er auch einer gan­zer Men­ge Ergän­zun­gen bedarf. Was nun die Kon­sti­tu­ti­on die­ser “zutiefst iden­ti­täts­un­si­che­ren Gesell­schaf­ten” betrifft, so fällt Wir­schings Ana­ly­se eher trü­be und the­ra­peu­ti­sie­rend aus:

Kul­tu­rel­le Unklar­hei­ten, sozia­le Sta­tus­un­si­cher­hei­ten und Ver­lust­ängs­te ver­dich­ten sich zur Ableh­nung von Einwanderung.

Hier ver­sucht Wir­sching aus der “Ableh­nung der Ein­wan­de­rung” ein rein psy­cho­lo­gi­sches Adap­ti­ons­pro­blem zu machen: er spricht von “Unklar­hei­ten”, “Unsi­cher­hei­ten”, “Ängs­ten”, ohne auf deren kon­kre­te Ursa­chen ein­zu­ge­hen. Was aber, wenn die­se Ableh­nung kon­kre­te, hand­fes­te, ratio­na­le Grün­de hat, die nicht zuletzt mit dem sozia­len Ver­hal­ten brei­ter Ein­wan­de­rer­schich­ten zu tun haben?

Er macht noch eine wei­te­re psy­cho­lo­gi­sche Vol­te, indem er den Ein­wan­de­rungs­geg­nern unter­stellt, sich gleich­sam einen “sicht­ba­ren Geg­ner” zu schaf­fen, in des­sen Rich­tung sie ihren “Hass” kana­li­sie­ren kön­nen, den er als “dif­fus vaga­bun­die­rend” bezeich­net, also als grund­los und irra­tio­nal, auf der Suche nach einem (im Grun­de belie­bi­gen) Feindbild:

Alle Vor­be­hal­te und Res­sen­ti­ments, die gan­ze “Poli­tik­ver­dros­sen­heit” und der Popu­lis­mus, die seit Jah­ren beklagt wer­den – all das hat nun einen ein­zi­gen Bezugs­punkt: einen “Feind”, gegen den die Mobi­li­sie­rung – und Gewaltausübung -

“Gewalt­aus­übung”?

so viel ein­fa­cher ist als gegen die dif­fu­sen Mäch­te der Kom­ple­xi­tät, hei­ßen sie nun Finanz­ka­pi­ta­lis­mus oder Euro-Zone, Glo­ba­li­sie­rung oder Gemein­sa­mer Markt.

Abge­se­hen von die­sem wohl­fei­len Mythos vom “dif­fus vaga­bun­die­ren­den Haß” und der Gleich­set­zung von “Haß” und “Feind­schaft”: es ist nun kei­nes­wegs so, als ob die­se genann­ten “dif­fu­sen Mäch­te” kei­nen Bezug etwa zur lau­fen­den Poli­tik der “repla­ce­ment migra­ti­on” haben, die von Ange­la Mer­kel und Wolf­gang Schäub­le bis hin zu Geor­ge Soros und der UNO als Heil­mit­tel gegen über­al­tern­de Gesell­schaf­ten ange­prie­sen wird (und ich nen­ne hier nur ein paar exem­pla­ri­sche Bei­spie­le), um nur einen Strang der glo­ba­lis­ti­schen Agen­da zu nen­nen. Es gibt heu­te bezeich­nen­der­wei­se kaum einen Rei­chen und Mäch­ti­gen der west­li­chen Welt, von Hil­la­ry Clin­ton über Mark Zucker­berg bis hin zum Papst, den Köni­gen der Wall Street und den Chefs der Groß­kon­zer­ne, der nicht eine Welt der “offe­nen Gren­zen” pro­pa­giert. Dar­aus folgt, daß die Poli­tik der offe­nen Gren­zen und der Mas­sen­ein­wan­de­rung im Inter­es­se die­ser Rei­chen und Mäch­ti­gen sein muß.

Wie Jim Goad sar­kas­tisch auf Taki­mag anmerkte:

When was the last time you heard an open-bor­ders glo­ba­list refer­red to as “right-wing”?

Ein paar Zei­len wei­ter oben hat Wir­sching noch selbst ein­ge­räumt, die “west­li­chen Gesell­schaf­ten” sei­en “unter dem Ein­fluss der Glo­ba­li­sie­rung zu mul­ti­kul­tu­rel­len Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaf­ten gewor­den”.  Die­se “Glo­ba­li­sie­rung” ist aller­dings nicht bloß eine unver­meid­li­che Natur­ge­walt (sie ist in der Tat ein welt­ge­schicht­li­cher Pro­zeß, der in vie­len Aspek­ten bereits mit der Neu­zeit begann); sie ist in ihrer heu­ti­gen Form zugleich eine Ideo­lo­gie, eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Uto­pie und eine poli­ti­sche Stra­te­gie, in der es nach Tho­mas Bar­nett um die Sicher­stel­lung eines vier­fa­chen glo­ba­len Flus­ses geht:

Dabei gilt es, vier Arten von Res­sour­cen in einen aus­ba­lan­cier­ten, aber mög­lichst unge­hin­der­ten Fluß zu brin­gen: den Fluß von Men­schen (migra­ti­on), von Roh­stof­fen, von lang­fris­ti­gen finan­zi­el­len Inves­ti­tio­nen (long-term invest­ment, for­eign direct invest­ment) und von „Sicher­heit“ („der ‚Export‘ von US-Sicher­heits­sys­te­men zu regio­na­len „Märk­ten“, mit ande­ren Wor­te mili­tä­ri­sche, „welt­po­li­zei­li­che“ Kon­trol­le des gan­zen Erd­balls). „Balan­ce“ bedeu­tet hier, daß in einem glo­ba­len Sys­tem nichts den Fluß von Res­sour­cen aus Über­schuß- in Defi­zit­ge­bie­te behin­dern darf.

Aus die­ser Per­spek­ti­ve erschei­nen uns die ver­fem­ten “popu­lis­ti­schen” Wider­stands­be­we­gun­gen in einem kla­re­ren Licht. Es gibt einen gemein­sa­men Nen­ner in der gän­gi­gen Para­de derer, die von den Main­stream­m­edi­en als Schur­ken por­trai­tiert wer­den: Von Fara­ge bis Orban, von Petry bis Le Pen, von Trump bis Putin, ja sogar Erdo­gan kann man zu die­ser Rei­he zäh­len. Apro­pos Bre­x­it brach­te es Alain de Benoist auf den Punkt:

Wir kön­nen die Bedeu­tung die­ses Wahl­er­geb­nis­ses nur ver­ste­hen, wenn wir es in einem grö­ße­ren Kon­text betrach­ten, näm­lich der glo­ba­len Revol­te gegen die selbst­er­nann­ten Eli­ten. Der Auf­stieg des Popu­lis­mus ist nur des­sen sicht­bars­ter Aus­druck, und das “Nein” des Jah­res 2005 zur Euro­päi­schen Ver­fas­sung mar­kiert den sym­bo­li­schen Beginn die­ser Ent­wick­lung. Bre­x­it kann nicht vom Auf­stieg des Front Natio­nal in Frank­reich, der FPÖ in Öster­reich, Syri­za in Grie­chen­land, Pode­mos in Spa­ni­en, von der Wahl einer Ver­tre­te­rin der Fünf-Ster­ne-Bewe­gung zur Bür­ger­meis­te­rin von Rom, vom Trump- und San­ders-Phä­no­mens in den USA usw. getrennt betrach­tet wer­den. Über­all revol­tiert das Volk gegen eine über­na­tio­na­le Olig­ar­chie, die es nicht län­ger unter­stützt. Das ist die Essenz von Bre­x­it: die Bestä­ti­gung einer fun­da­men­ta­len Bewe­gung. Nach Jahr­zehn­ten der Expan­si­on gehen wir auf eine Ära der Sezes­sio­nen zu.

Benoist hebt hier den wirt­schaft­li­chen Aspekt her­vor – die­ser ist aller­dings untrenn­bar mit der Mas­sen­ein­wan­de­rung ver­bun­den, die von den über­na­tio­na­len Olig­ar­chien offen geför­dert wird.

Ver­ein­facht auf einen Nen­ner gebracht, ver­läuft die Front­li­nie heu­te zwi­schen Glo­ba­lis­ten und “Sou­ve­rä­nis­ten” oder “Natio­na­lis­ten” im wei­tes­ten Sin­ne. Ich benut­ze die­sen ver­fem­ten Begriff wert­neu­tral, um sämt­li­che Bewe­gun­gen zu bezeich­nen, die sich für natio­na­le oder iden­ti­tä­re oder patrio­ti­sche Selbst­be­haup­tung und Sou­ve­rä­ni­tät ein­set­zen. Sie wer­den von ihren glo­ba­lis­ti­schen Fein­den auch kaum mehr unter­schie­den. Nie zuvor wur­de sol­ches Schind­lu­der mit Begrif­fen wie etwa “extre­mis­tisch” oder “ras­sis­tisch” getrie­ben. Sämt­li­che Maß­stä­be sind ver­lo­ren gegan­gen, wodurch heu­te alle sou­ve­rä­nis­tisch-iden­ti­tä­ren Bewe­gun­gen, Grup­pen, Par­tei­en in einen ein­zi­gen Topf gesteckt wer­den, sei­en sie noch so libe­ral, mode­rat und kom­pro­miß­be­reit. Längst wird die AfD so behan­delt, als stün­de sie auf dem­sel­ben Level wie die dahin­sie­chen­de NPD.

Das ist ein Indiz für die Zuspit­zung der Feind­schaft: das glo­ba­lis­ti­sche Lager dul­det nicht mehr den lei­ses­ten Wider­spruch, ohne mit Ver­fe­mung, Ver­leum­dung und, ja, “Haß und Het­ze” zu reagie­ren. Dar­um steht der Feind des glo­ba­lis­tisch ori­en­tier­ten poli­tisch-media­len Macht­kom­ple­xes “rechts” und kann nur rechts ste­hen, sofern damit die sou­ve­rä­nis­ti­sche Posi­ti­on der Selbst­be­haup­tung und der Ver­tei­di­gung des Eige­nen gemeint ist; und wer sich ihm ent­ge­gen­stellt wird rasch “rechts” ein­sor­tiert – wie es inzwi­schen sogar einer Sah­ra Wagen­knecht gesche­hen ist.

Nun muß aber selbst Wir­sching trotz sei­ner dif­fu­sen Sug­ges­tio­nen zuge­ben, daß sich der “Haß” der “Popu­lis­ten” und angeb­li­chen “Extre­mis­ten” de fac­to weni­ger auf “Frem­de”, Asy­lan­ten oder Ein­wan­de­rer rich­tet, son­dern vor allem auf die Merkel’sche Regie­rung. Auch das ver­steht er zu tri­via­li­sie­ren, indem er den Ein­wan­de­rungs­geg­nern à la Nas­sehi  “Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on” im Sin­ne einer intel­lek­tu­el­len Ver­ein­fa­chung unter­stellt. (Nas­sehis For­mel wird übri­gens im aktu­el­len Heft der Sezes­si­on nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen.)

Natür­lich ist es “ein­fa­cher”, mit ein paar zuge­spitz­ten Slo­gans auf die Stra­ße zu gehen, und gegen Mer­kel und ihre Regie­rung zu “mobi­li­sie­ren”, als über die Kom­ple­xi­tä­ten der Glo­ba­li­sie­rung und die “unsicht­ba­ren Geg­ner”  nach­zu­den­ken. Aber wie soll das Volk oder ein Bür­ger, der von sei­nen ver­brief­ten demo­kra­ti­schen Rech­ten Gebrauch machen will, denn sonst sei­nen Ein­spruch kund­tun? Wir­sching gibt sich alle Mühe, die­sen Ein­spruch und Wider­stand zu diffamieren:

Die popu­lis­ti­schen Bewe­gun­gen in den west­li­chen Demo­kra­tien wer­den nicht auf­hö­ren, mit der Kon­zen­tra­ti­on auf einen “Feind” ihre Chan­ce zu ver­bes­sern, Men­schen zu mobi­li­sie­ren und damit die unaus­weich­li­che Kom­ple­xi­tät der moder­nen Welt in schänd­li­cher Wei­se schein­bar zu redu­zie­ren. Und sie wer­den nicht auf­hö­ren, die Demo­kra­tie als zu kor­rupt und zu “volks­ver­rä­te­risch” zu dif­fa­mie­ren, um mit dem “Feind” fer­tig zu werden.

Wie­der das­sel­be Mus­ter: die herr­schen­den Eli­ten wer­den mit der “der Demo­kra­tie” schlecht­hin gleich­ge­setzt. Wer sie als kor­rupt oder “volks­ver­rä­te­risch” bezeich­net, kann per se kei­ne guten Grün­de und Argu­men­te haben. Er hat ledig­lich ein psy­cho­lo­gi­sches Bedürf­nis nach einem Feind­bild und ist nicht schlau genug, die “unaus­weich­li­che Kom­ple­xi­tät der moder­nen Welt” zu bewäl­ti­gen, wie es etwa Ange­la Mer­kel auf pro­fun­de Wei­se vor­macht (“Wir schaf­fen das!”, “Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flücht­lin­ge bin. Nun sind sie halt da.“, “Wir alle leben auf einem Pla­ne­ten, jeder Mensch hat ein Leben, und jeder hat das Recht, die­ses Leben nach­hal­tig und sinn­voll zu ver­le­ben.” etc. etc. etc. )

Das Ergeb­nis wäre, halb­wegs ana­log zu Wei­mar, ein Zwei­fron­ten­krieg “der Demo­kra­tie” gegen Isla­mis­ten und Populisten:

 Am dra­ma­tischs­ten ist die Situa­ti­on der­zeit in Frank­reich, wo sich auf der Basis einer uni­ver­sa­lis­tisch ver­stan­de­nen Demo­kra­tie Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten eta­bliert haben; wo viel von der “inté­gra­ti­on ratée” die Rede ist; wo der Ter­ror ver­mehrt zuschlägt; wo gesell­schaft­li­che Ver­lust­ängs­te gras­sie­ren; und wo inzwi­schen jeder Drit­te sei­ne Stim­me dem rechts­ex­tre­men Front Natio­nal geben würde.

Ana­log auf Deutsch­land bezo­gen wird Wir­sching an die­ser Stel­le wohl an die bei­den wich­tigs­ten “rechts­po­pu­lis­ti­schen” Play­er den­ken, AfD und Pegi­da. Er bleibt aber wie alle ver­bis­se­nen Ver­tei­di­ger des Sta­tus Quo und der Macht­ha­ber den kon­kre­ten Nach­weis schul­dig, war­um das Estab­lish­ment in Frank­reich und Deutsch­land nun “demo­kra­ti­scher” sein soll als deren Her­aus­for­de­rer. Es gibt in deren Par­tei­pro­gram­men und poli­ti­schen For­de­run­gen nichts, was man allen Erns­tes als “demo­kra­tie­feind­lich” oder “extre­mis­tisch” bezeich­nen könn­te. Es ist, ich wie­der­ho­le es, im Grun­de ganz ein­fach: die Macht­ha­ber bezeich­nen sich selbst als “die Demo­kra­tie”, um ihre Kri­ti­ker als “Demo­kra­tie­fein­de” stig­ma­ti­sie­ren und dis­kre­di­tie­ren zu können.

Dazu müs­sen oft aller­lei rhe­to­ri­sche Umwe­ge ein­ge­schla­gen wer­den. Man höre etwa die Argu­men­ta­ti­on eines “Exper­ten” namens Nico Lan­ge, der in den hei­li­gen Hal­len der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung fol­gen­des von sich gab:

Neh­men Sie das The­ma Demo­kra­tie. Das nimmt im Pro­gramm (der AfD) weit vorn viel Raum ein. Die AfD stellt sich da gegen die Tra­di­ti­on der par­la­men­ta­ri­schen reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie in Deutsch­land. Sie ver­sucht, das Bild einer direk­ten Demo­kra­tie nach Schwei­zer Vor­bild zu ent­wi­ckeln. Das ist typisch für rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en. Die­se gehen zumeist davon aus, dass in Volks­ab­stim­mun­gen die Mehr­heit so abstimmt, wie sie es für rich­tig hal­ten. Dar­in steckt ein anti-plu­ra­lis­ti­scher Geist. Das Bild, das hier gezeich­net wird, ent­spricht nicht dem der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie der Bundesrepublik.

Micha­el Klo­n­ovs­ky kom­men­tier­te dies in sei­nem Netz­ta­ge­buch vom 5. August so:

Hal­ten wir ergrif­fen fest: Das Prin­zip Mehr­heits­mei­nung ent­spricht nicht der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie der BRD.

Auch Bun­des­prä­si­dent Gauck, der voll­stän­dig hin­ter der Linie Mer­kels steht, ließ ver­lau­ten, daß er Volks­ent­schei­de für kei­ne sehr gute Idee hält (man ach­te auf die Ver­wen­dung des Wört­chens “kom­pli­ziert”):

„Oft müs­sen schwie­ri­ge Kom­pro­mis­se gefun­den wer­den, die mit Volks­ent­schei­den nicht mög­lich sind.“ Des­halb sei im Bund die „reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie die bes­te Ant­wort auf die kom­pli­zier­ten Pro­ble­me unse­rer Zeit“.

Nun, wo sind sie denn nun, die­se “bes­ten Ant­wor­ten” unse­rer wei­sen Ent­schei­dungs­trä­ger? Sind die Leu­te zu blöd, zu feind­bild­süch­tig, zu unter­kom­plex, sie in all ihrer Glo­rie zu sehen, und sol­len dar­um lie­ber nicht mit­ent­schei­den dür­fen? Thors­ten Hinz bemerk­te nüchtern:

Die reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­ten der Bun­des­re­pu­blik sind offen­sicht­lich unfä­hig, Ant­wor­ten auf die Fra­gen unse­rer Zeit zu geben. Sie wurs­teln sich durch und las­sen aus Kon­flikt- buch­stäb­li­chen Explo­siv­stoff ent­ste­hen. Sie haben Deutsch­land in einen Staat mit eth­nisch-kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Bruch­li­ni­en ver­wan­delt, in dem der Ter­ror zum All­tags­phä­no­men zu wer­den droht.

Par­al­lel dazu ver­flüs­sigt die euro­päi­sche Wäh­rungs­uni­on unser Erspar­tes und bringt den Kon­ti­nent ins Tau­meln. Bei­des hät­ten Volks­ent­schei­de ver­hin­dern kön­nen. Schon die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, daß die direk­te Demo­kra­tie ihre Fehl­ent­schei­dun­gen kor­ri­giert, hät­te die Funk­ti­ons­eli­ten zu mehr Vor- und Umsicht gezwungen.

Im übri­gen gibt es wenig, was den Begriff der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie län­ger recht­fer­tigt. Der Bun­des­tag ist zur Abnick­ma­schi­ne dege­ne­riert. Als Kon­troll­organ der Exe­ku­ti­ve und zen­tra­les poli­ti­sches Dis­kus­sionfo­rum des Lan­des ist er ein Total­aus­fall. Eine par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on und alter­na­ti­ve Poli­tik­an­ge­bo­te exis­tie­ren fak­tisch nicht. Unver­dros­sen gene­riert die poli­ti­sche Klas­se sich über inzüch­ti­ge Parteienlisten.

Dies alles im Hin­ter­kopf, bekommt die schnei­den­de Feinder­klä­rung Wir­schings im Sin­ne der Macht­ha­ber ihren ganz beson­ders Geschmack:

Demo­kra­ten und der Demo­kra­tie ver­pflich­te­te Medi­en soll­ten daher auch kei­nen all­zu gro­ßen Ehr­geiz ent­wi­ckeln, mit den Fein­den der Demo­kra­tie zu “dis­ku­tie­ren”, sie zu “ver­ste­hen”.

Womit wie­der ein­mal bewie­sen wäre, daß kein Weg an Carl Schmitts Erkennt­nis vor­bei­führt: es gibt im Bereich des Poli­ti­schen kein Aus­wei­chen vor der Bestim­mung Freund-Feind; aus­nahms­los jeder, der im Bereich des Poli­ti­schen denkt und agiert, muß sie tref­fen; das liegt in der Natur des Politischen.

Die Kir­sche auf der Tor­te ist aller­dings dies:

Denn alle his­to­ri­sche Erfah­rung zeigt: Fein­de der Demo­kra­tie sind Demo­kra­tie­fein­de auch des­we­gen, weil sie sich hin­ter einer Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung ver­schanzt haben. Pro­pa­gan­dis­tisch gefan­gen in einem Welt­bild, das nur noch Freund und Feind kennt, ent­zie­hen sie sich dem ratio­na­len Argu­men­tie­ren und dem ihm zugrun­de lie­gen­den Erfahrungswissen.

Wort für Wort die­ses Absat­zes, ins­be­son­de­re was die “Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung” und den Ver­zicht auf “ratio­na­les Argu­men­tie­ren” betrifft, lie­ße sich ohne Abstri­che auf die Merkel’sche Regie­rung, ihre links­ex­tre­men Ket­ten­hun­de von Kaha­ne bis Anti­fa und ihre media­len und aka­de­mi­schen Pro­pa­gan­dis­ten anwen­den – nicht zuletzt auf Wir­sching selbst, der offen­bar “gefan­gen in einem Welt­bild” ist, das “nur noch Freund und Feind (der ‘Demo­kra­tie’, also der herr­schen­den Eli­ten) kennt”, und dar­um sei­ner­seits auf “schänd­li­che Kom­ple­xi­täts­re­duk­tio­nen” zurück­grei­fen muß.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (41)

Sven B.

24. August 2016 13:38

Gewiß ist, daß "die Frontlinie heute zwischen Globalisten und „Souveränisten“ oder „Nationalisten“ irgendwie im weitesten Sinne" verläuft.

Nicht zu leugnen ist weiterhin, daß "linksextremen Kettenhunde von Kahane bis Antifa" eine häßliche Rolle spielen.

Gleichwohl: die (oft verdeckten) Akteure der Vorgänge sind an ihrer Ideologie bzw. deren Versatzstücken zu erkennen, die sich aus ihrem seit Jahrzehnten zu beobachtenden Handeln ermitteln läßt. Der Westen insgesamt, die USA voran, befinden sich geistig in der Hand von Leuten, die genau wissen, was sie tun und wen sie bekämpfen. Professor Wirsching ist nur ein x-beliebiger Links-Protestant, dessen liberales Herz allem dienen würde, wenn es nur "gut" wäre.

Deshalb erschien mir dieses Ansatz hier -- die Analysten in den USA sitzen doch gewissermaßen an der Quelle -- doch in seiner Richtung aussagefähiger, schlagkräftiger als die Zitatensammlung von Herrn Lichtmesz:

https://www.transcriptdb.com/watch/G8pPbrbJJQs/00:26/die-wurzeln-des-kulturmarxismus-finden-sich-in-dem-was-gemeinhin-als-frankfurter-schule-bekannt-geworden-ist

Carl Schmitts Freund-Feind-Lehre hat aber eindeutige Feindbilder zur Vorraussetzung -- und die Gegenseite allein ist darin, wie Herr Lichtmesz richtig erkennt, der bislang ungeschlagene Weltmeister!

Winston Smith 78699

24. August 2016 14:25

De Benoist (und, wie ich finde, Jim Goad im Zitat auch) sagt wieder einmal jenes Unerhörte, welches man nur vereinzelt wie gerüchteweise Lebenszeichen einer Legende vernimmt: rechts und im klassisch-konservativen Sinne antigroßkapitalistisch-"links" könnten sich finden, aber werden künstlich auseinandergehalten. Man lese oder höre sich "Der kommende Aufstand" einfach mal an und urteile selbst, wieviel von dieser antiglobalistischen, anti-konzernkapitalistischen und kulturkritschen Schrift auch von identitär oder rechts kommen könnte.

Möglicherweise irrt diese Idee, aber möglicherweise werden wir auch über die Größe des eigenen Lagers getäuscht: wie wenn man die eigene Streitmacht durch Attrappen und doppelte Durchfahrten vergrößert - nur umgekehrt beim Feind: verkleinernd. Mag sein, dass auch der genannte identitäre, oder wie ich sage klassisch-konservative Antikapitalismus eine Chimäre ist, aber immerhin bin ich dann in dieser Fiktion aufgewachsen, immerhin konnte man mit (nicht "unter") Kanzler Schmidt den Eindruck eines stimmigen Gesamtkonzeptes erhalten. Und selbst wenn es - wie am Ende überhaupt alles - unwahre und illusionäre Anteile haben könnte: irgendwann schluckt man jeden bitteren Saft, der helfen könnte gegen diese Pest.

Äußerst unklar erscheint mir jedoch, wo in Deutschland man mit dieser Frage nach Gemeinsamkeiten anklopfen könnte, mit wem denn noch offen reden - im sogenannt linken Lager scheint es ja äußerst rigide und totalitär zuzugehen, ich male mir da Gruseliges aus. Vielleicht wird im letzten Moment der gemeinsame Feind "da oben" oder "da drüben" die Kräfte einen und der Rede von Freund-Feind-Schema einen unerwarteten Sinn geben.

Auch ein solches ist eine Komplexitätsreduktion, wie es Erste-Hilfe-Regeln im Vergleich zum Medizinstudium sind, wie es ein Aphorismus oder die zehn Gebote oder die Sonne-Uhr-Regel des Pfadfinders sind. Eine gute Komplexitätsreduktion zu finden setzt die Durchdringung des Gebietes voraus und ist daher eine Expertenleistung. Dass die Reduktion aber als Vorwurf bewußt erwähnt wird, zeigt folgendes:

Den Mächtigen ist ihr eigenes Spiel am Ende wohl nur allzu gut bewußt, immer hin- und herspringen zu können zwischen der Rolle das Handelnden und der des unsichtbar Gezwungenen, die Verantwortung abschiebend, für vermeintliche Erfolge jedoch Applaus fordernd. Ganz ähnlich wie beim Islam ("WIR Muslime sind beleidigt/fordern ..." gegenüber "DEN Islam gibt es nicht") scheint es immer wieder derselbe, letztlich primitive Illusionstrick zu sein, den die Bürger aber so langsam wie einen Tanzschritt durchschaut haben dürften und immer enger mitgehen können, offenen Auges, den Gegner fester im Blick.

A propos „Gewaltausübung“ und um das mal zurechtzurücken: https://de.wikipedia.org/wiki/Allport-Skala Auf der Allport-Skala ist etwa der Umgang mit AfD-Mitgliedern und Sympathisanten längst auf Stufe 4 von möglichen fünf angelangt, nur noch eine essentielle Steigerung ist möglich.

KW

24. August 2016 14:38

Man kann dagegen leben. Keine ausländischen Waren kaufen, da man sowieso keine Kontrolle hat, wie das Produkt entstanden ist, woraus es besteht, das gilt für Waren, Lebensmittel oder Finanzströme. Ihr Werk besteht aus Betrug und Kriminalität. Kontrollieren läßt sich das durch den Einzelnen, weil er seiner Regierung die Kontrollfunktion nicht mehr zutraut. Oder traut jemand noch der deutschen Regierung, Justiz, dem Bundestag oder den Medien? Also wird die Welt wieder kleiner werden müssen.

Gustav Grambauer

24. August 2016 14:58

"... 'replacement migration' ..., die von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble bis hin zu George Soros und der UNO als Heilmittel gegen überalternde Gesellschaften angepriesen wird (und ich nenne hier nur ein paar exemplarische Beispiele), um nur einen Strang der globalistischen Agenda zu nennen. Es gibt heute bezeichnenderweise kaum einen Reichen und Mächtigen der westlichen Welt, von Hillary Clinton über Mark Zuckerberg bis hin zum Papst, den Königen der Wall Street und den Chefs der Großkonzerne, der nicht eine Welt der 'offenen Grenzen' propagiert."

Aber die meinen mit "offenen Grenzen" nicht alle dasselbe.

Die Paladine sind in einer hochkomplexen Zwickmühle eingekeilt, dem uralten Antagonismus von Zentral- und Partikulargewalt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_AG

Der "rechte" Teil des Sylter Pöbels will die Massenflutung nicht so sehr aus rassischem Selbsthaß, aus ideologischer Verblendung oder aus Begeisterung für die NWO, sondern nur, weil er in seiner überragenden taktischen Schläue das Mutterland als Überlaufbecken für seinen - sonst unkontrollierbar werdenden - kolonialen Hinterhof, den Balkan, nutzen will.

Hier ist die Sollbruchstelle

https://www.youtube.com/watch?v=-5Kfm2JIj9I

https://www.youtube.com/watch?v=bUce3iasfeI

für die Spaltung der deutschen Kurfürsten im Jahr 2010, die zugleich ganz sicher damals zentraler Ausgangspunkt für die Überlegungen zur Gründung der AfD war (welche ihnen später mit dem Putsch gegen Henkel und Lucke und vor allem mit dem Durchmarsch des nationalrevolutionären Flügels allerdings entglitten und um die Ohren geflogen ist).

(Genauso markiert TTIP die Sollbruchstelle für die Eliten-Spaltung nach links hin.)

Der Vasallenstatus wird z. B. hier

https://analitik.de/2016/08/01/merkel/

recht gut erkannt, hier

https://analitik.de/2016/08/09/vasallenuntreue-und-das-liebe-geld/

wurde präzisert. Die beiden Aufsätze könnte ich unterschreiben, wenn sie sich grundsätzlich nicht auf Merkel sondern, sagen wir, beispielsweise auf Schäuble bezögen (den Du ja in Deiner Aufzählung mit genannt hast, lieber Martin).

Merkel hingegen steht ganz offenbar auch innerlich in Niebelungentreue zum Soros-Klüngel und zur Soros-Ideologie:

https://www.youtube.com/watch?v=n_pevZBOkmE

Wegen dieser Bilder - und nicht wegen

https://www.youtube.com/watch?v=1EGNvG1gMP0

wird sie auch alsbald gestoppt, denn sogar viele der größten "Nieten in Nadelstreifen" oben in den Frankfurter Bankentürmen reiben sich wohl langsam die Augen.

Grüße!

- G. G.

laValetta

24. August 2016 15:14

Wie immer ein kluger Kommentar aus Ihrer Feder. Eines Ciceros würdig, wie die wackelige Argumentation des Gegners da auseinandergenommen wird. Ein Sport, der auf dieser Seite ja schon seit Jahren routiniert betrieben wird. Nur scheint mir daraus keine Wirkung zu erwachsen. Die Grün-Linke mit ihren angeschlossenen Außenposten agiert unbeeindruckt, selbst die größten Unverschämtheiten durchbrechen die Duldungsbereitschaft der Wähler kaum, 80% wählen eisern Merkels Parteien. Heute durfte ich auf der FAZ-Seite lesen, dass in München sämtliche Straßennamen auf "reaktionäres" Gedankengut geprüft werden. Es ist alles nicht mehr zu fassen.

Arminius Arndt

24. August 2016 15:29

die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Schema zwingen wollen.

Das ist - wie gut dargestellt wurde - in der Tat ein intellektueller Offenbarungseid erster Güte.

Überhaupt meint die vermeintlich intellektuelle Linke mit Kniffen wie „Komplexitätsreduktion“ einem die Nebelkerze des angeblich fehlenden intellektuellen Zugangs vor dem Offensichtlichen zünden zu können. Ein Schelmenstück, wie weiland Kerkelings "Hurz", nur ohne auflösendes Ende.

https://www.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4

Um es einmal ganz deutlich und ohne jegliche intellektuelle Vexierspiele auszudrücken:

Man will die Menschen für dumm verkaufen. Von daher erübrigt sich auch eigentlich jede Diskussion.

Dank an alle Autoren der Sezession, insbesondere Martin Lichtmesz, welche die Kärrnerarbeit der regelmäßigen Entlarvung dieser intellektuellen Klugsch... leisten.

Westpreuße

24. August 2016 15:51

Herr Lichtmesz,

wie immer Ihrerseits eine durchdachte Sache!
Mir persönlich, keine Kritik meinerseits, ist es einfach immer zuviel. Manche hier, auch keine Kritik, lieben es ja...sehr...theoretisch. Ich nehme immer bei den Lagebeschreibungen und Kommentaren Gedankenanregungen mit Gewinn mit...

Zu Herrn Andreas WIRSCHING:
Er scheint mir ein Vertreter und Anhänger der "Pfadabhängigkeit" zu sein, die sich in den Sozialwissenschaften etabliert hat.
Zumindest spukt sie in seinem Hinterkopf herum...

Es gibt Wege, Trampelpfade, Holzwege, Pfade, Irrwege, Straßen, Kreuzungen (an denen es dann kracht), die sich scheinbar (also in Wirklichkeit nicht...) absichtslos ergeben. Kaum vorhersehbar, nicht steuerbar, nicht erforschbar; eigentlich nur im Nachhinein untersuchbar.

Andreas Wirsching hat es in "Demokratie und Globalisierung Europas seit 1989" (C.H. Beck, München, 2015) auf die Spitze getrieben...
Durch seine Brille gesehen immer "einerseits - andererseits", und ALLES steckt voller "Paradoxien" bei ihm...

Erinnert irgendwie an Joachim RINGELNATZ:
Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpf(en)band
Wie irgendwo daneben.
(...)
Wenn du einen Schneck behauchst,
schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Kognak tauchst,
sieht er weiße Mäuse.

Ernsthaft:
Pfadabhängiges Denken

WIRSCHING kann recht gut analysieren. Die POLITIK-ELITE heute agiert von einem Moment zum anderen. Was heute noch gültig ist, ist morgen Müll von gestern. Jede Überzeugung ist verhandelbar und steht jederzeit zur Disposition. Was gestern galt, ist heute schon wieder "auf dem Pfad"...

Er beschreibt es recht gut an den europäischen Krisen, kritisiert aber nicht und nie die POLITIKER-ELITE (und im Schlepptau die mediale...), sondern nimmt die Situation als gegeben hin: Wir sind eben alle auf dem Weg, irgendwie, irgendwohin...Schaun mer mal...

Er kritisiert NICHT die Paradoxien gegenwärtiger Politik in Europa, insbesondere in D.
Er stellt sie einfach nur dar, recht anschaulich, wenn auch mit blumigen Begriffen, die letztlich die Situation verschleiern...

Ergebnis einer solchen Geschichtsbetrachtung ist, daß die Regierenden sich nicht mehr legitimieren müssen. Im Gegenteil: Sie definieren, wer der Feind im eigenen Volke ist, wo er steht, wie man mit ihm umzugehen hat..

WIKIPEDIA bringt es mal ausnahmsweise auf den Punkt:

"PFADABHÄNGIGKEIT, Asymmetrien der Macht:

Amtierende Politiker können Gesetze und Institutionen in eine Richtung lenken, die ihnen und ihrer Partei bei zukünftigen Wahlen Vorteile verschafft. Paradoxerweise werden dadurch die Machtverhältnisse mit der Zeit verdeckt, da Differenzen mit anderen Interessengruppen nach einer Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Regierung nicht mehr offen ausgetragen werden müssen. Stattdessen kann die Regierung dann dazu übergehen, ideologische Manipulationen durchzuführen, die Andersdenkende gar nicht mehr zu Wort kommen lässt."
(Quelle: Wikipedia, Pfadabhängigkeit).

So, Herr Lichtmesz, habe ich Sie verstanden:
Analyse, Ausblick, Schlußfolgerungen...!
Im Namen der Demokratie...

Was nun den von Ihnen erwähnten Herrn Bundespräsidenten GAUCK angeht, lassen wir ihn doch persönlich zu Wort kommen:

https://www.youtube.com/watch?v=bfhxVkjQm3Q
Gauck: Bevölkerung ist das Problem (1:59 Min.)

: Grüße aus dem "Viertel Venedig", wunderschön, in Bromberg an der Brahe und unteren Weichsel

Zadok Allen

24. August 2016 16:28

Die populistischen Bewegungen in den westlichen Demokratien werden nicht aufhören, ... die unausweichliche Komplexität der modernen Welt in schändlicher Weise scheinbar zu reduzieren.

Wie erfrischend klang diese Maxime noch im friderizianischen Preußen:

Es ist dem Untertan nicht gestattet, die Maßstäbe seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.

Wobei im Gebrauch des Terminus "Komplexität" im vorliegenden Kontext eine bittere Selbstironie liegt, bedenkt man den Abgrund okkulter und rundheraus wahnsinniger Pläne und Machenschaften, der unter der immer rascher abbröckelnden seriösen Fassade der Machthaber brodelt.

Ein gebürtiger Hesse

24. August 2016 16:57

Sehr guter Beitrag. Es kann gar nicht genug analysiert, widerlegt und gebrandmarkt werden: das elende Gewäsch, daß die heutige Welt ja viel zu komplex und undurchschaubar sei, als daß ein echter, also aus dem persönlich-kollektiven Innern kommender Widerstand gegen die zunehmende Fremdwerdung im Eigenen auch nur irgend berechtigt oder gar natürlich sein könnte. Denn nein - nicht wir sind die realitätsverweigernden Aufwiegler, sondern jene, die ein positives Gefühl für den angestammten Lebensraum ihrer Väter und Vorväter sich von vornherein verbieten oder es jederzeit gegen den angelernten Wohlfühl-Schuldkult eintauschen würden. Zwischen widerständigen Landsmännern und -frauen, egal ob sie Deutsche, Franzosen, Ungarn etc. sind, und Typen wie Wirsching plus seinen diversen Klonen verläuft die eigentliche Trennlinie.

Demo Goge aus der polis germania

24. August 2016 17:21

Dazu nur eine kurze Illustration aus dem morgendlichen GEZ Programm:

Ziemiak: Und ich möchte einfach nur nicht, dass türkische Konflikte, die es in der Türkei gibt, hier Platz finden in Deutschland. Wer sich engagieren will in türkischer Innenpolitik, der soll das in der Türkei tun, aber nicht in der Bundesrepublik Deutschland.

Schulz: Sind AfD-Wähler unserem Staat loyal genug?

Ich dachte - hähh ? - und auch Herr Ziemiak wird sich Ähnliches gedacht haben, weil er etwas stutzte und dann nur kurz meinte:

Ziemiak: Wissen Sie, das eine hat mit dem anderen jetzt nichts zu tun.

Schulz: Warum nicht?

https://www.deutschlandfunk.de/loyalitaetsdebatte-in-zweiter-und-dritter-generation-haben.694.de.html?dram:article_id=363889

'Warum überhaupt' hätte er zurückfragen sollen!, ich wußte es auch nicht.

Doch nach einigem nachdenken kam ich drauf.
Dem liegt dieselbe Einstellung zu Grunde wie sie letztens bei den Äußerungen dieses Außenamtslautsprechers Chebly zum Vorschein kam:

Die begreifen einfach den Unterschied zwischen Loyalität gegenüber dem Staat und Loyalität gegenüber einem bestimmten Regime nicht!
Für sie ist Merkel der Staat (wie es Ludwig der XIV selbst von sich behauptete).
Der eine Demokratie konstituierende Gedanke, daß Treue zum Staat nicht zu Kritiklosigkeit oder gar Unterwürfigkeit gegenüber dem aktuellen Machthaber führen muß und insofern auch ein die bunte Politik Merkels ablehnendes NPD-Mitglied loyal gegenüber dem Staat sein kann ist denen vollständig fremd!
Nach dieser Haltung kann jemand der an der Macht ist einfach nur deswegen, weil er es ist niemals ein Hochverräter sein.

Das herrschende politisch-mediale Establishment vertritt somit eine orientalisch-despotische Staatsauffassung!

ps.: Das diese Diffamierung des politischen Gegners nun ausgerechnet unter dem Namen 'Demokratie' propagiert wird ist einfach nur ein schlechter Witz und liegt noch unter dem intellektuellen Niveau des Mittelalters wo sich die Kontrahenten gegenseitig als Antichrist bezeichneten - was aber zumindest logisch kein Widerspruch war.

Meier Pirmin

24. August 2016 18:40

@Zadok Allen. Das Zitat aus dem friderzianischen Preussen ist Europarekord. Zunächst mal grosser Unterhaltungswert. Vergleicht man jedoch Friedrich den Grossen sagen wir mal nur mit Martin Schulz, hört die Gemütlichkeit auf. Der Glaube an den Fortschritt in den letzten dreihundert Jahren erfährt eine Einbusse. Selbst wenn der Ausdruck "orientalisch-despotische Staatsauffassung" , siehe @Demo, wohl auch wieder nicht zutrifft. Sowieso hatte die Türkei auch schon relativ bessere Zeiten als heute, als sie zum Beispiel das Schweizer Zivilsgesetzbuch übernahmen.

Der_Jürgen

24. August 2016 19:01

Immer, wenn ich lese, wie Martin Lichtmesz einen linken oder liberalen Schmalspur-Denker zerpflückt, bin ich froh, dass ich diesen Mann nicht zum Feind habe. Es muss sehr demütigend sein, nach Strich und Faden auseinandergenommen und als Scharlatan vorgeführt zu werden.

Aber vielleicht liest Wirsching diese Kritik nicht, und falls er sie doch lesen sollte, vertraut er wohl darauf, dass sich die politischen Verhältnisse allenfalls nach seinem Ableben ändern und ihm bis dann sämtliche grossen Medien zur Verbreitung seines Unsinns zur Verfügung stehen werden.

Winston Smith 78699

24. August 2016 19:30

@ Demo Goge aus der polis germania

Die begreifen einfach den Unterschied zwischen Loyalität gegenüber dem Staat und Loyalität gegenüber einem bestimmten Regime nicht! Für sie ist Merkel der Staat (wie es Ludwig der XIV selbst von sich behauptete).

Ja, aber diese Äußerungen von Schulz gehen für mein Empfinden noch weiter und erklären sich erst durch radikalen Humankapitalismus und Taylorismus. Für diese Leute ist ein Mensch letzlich eine Leistungseinheit wie eine Milchkuh, steht irgendwo rum und kann woandershin verschafft werden, muß irgendwie mit Nährstoffen befüllt werden und bringt dann eine gewisse Arbeitsleistung - ob nun türkischer Nationalist oder AfDler, voll egal. Damit es nicht ganz so sehr wie Zwangsarbeit aussieht und sich anfühlt, wird Spaß und Spiel geboten und der Ortswechsel durch Anreize (hier endlich taucht dieses "nudging" wieder auf) wie eine eigene Entscheidung inszeniert, etwa durch eine sogenannte "Flucht". Ich meine also jetzt mit "Taylorismus" noch was anderes als Ergonomie am Arbeitsplatz oder produktive Effektivität, nämlich wie Samjatin ein letztlich psychopathisches Menschenbild, wie es dem Buchhändler (frustrierter gescheiterter Fußballer, Trinker) und der vermeintlichen Physikerin schmecken könnte - vielleicht extrapolieren ja solche Leute einfach sich selbst. Wenn Sie hier bei Samjatin "Taylor" suchen, kommt auch einmal der Mathetyp mit den Reihen, meist aber der Ingenieur vom Taylorismus, welchen ja auch die Kommies ganz dolle fanden, sagt man.

Caroline

24. August 2016 21:27

Hier ist es deutlich formuliert: die „wirkliche Gefahr“ – für wen? – ist offenbar weniger der radikale Islamismus, als die „identitäre“ Abwehreaktion der „herausgeforderten“ Gesellschaften. Das korrespondiert wohl mit einer Feststellung, die ich im ersten Teil dieses Beitrags traf: Die Macht des regierenden Kartells wird vom islamischen Terrorismus nicht bedroht.

Mal andersherum gedreht: können wir nicht auch stolz darauf sein, offenbar als einzige (in sich freilich reichlich heterogene) Bewegung dem Machtkartell etwas so Substantielles entgegenzusetzen zu haben, daß man sich offen fürchtet? Und zwar mehr fürchtet als vor dem Islamismus, was schon einiges heißen will!? Die daraus resultierenden Konsequenzen könnten fürchterlich werden, aber der Schritt zum "Staatsfeind Nummer eins" ist geschafft.

Marc_Aurel

24. August 2016 22:31

Wort für Wort dieses Absatzes, insbesondere was die „Realitätsverweigerung“ und den Verzicht auf „rationales Argumentieren“ betrifft, ließe sich ohne Abstriche auf die Merkel’sche Regierung, ihre linksextremen Kettenhunde von Kahane bis Antifa und ihre medialen und akademischen Propagandisten anwenden – nicht zuletzt auf Wirsching selbst, der offenbar „gefangen in einem Weltbild“ ist, das „nur noch Freund und Feind (der ‚Demokratie‘, also der herrschenden Eliten) kennt“, und darum seinerseits auf „schändliche Komplexitätsreduktionen“ zurückgreifen muß.

Dieser Abschnitt bringt es auf den Punkt. Das was Wirsching da von sich gibt, ist doch nur der tausend und erste Aufguss von dem was der Mainstream ständig absondert: dreiste Heuchelei und Tatsachenverdrehung, die eigenen Methoden werden dem politischen Gegner unterstellt usw. - alles nur leeres Geschwätz ohne Substanz und die, die es verbreiten wissen das auch...immerhin geschickt genug gestrickt, um dem durchschnittlichen Gutmenschen, der es nicht wirklich genau wissen möchte, eine plausible Ausrede dafür zu schaffen, sich weiterhin konformistisch verhalten zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen, denn er steht ja auf der "richtigen", "demokratischen" Seite, wie ihm Herr Wirsching gerade glaubhaft und mit vielen ausgefeilten Worten dargelegt hat. Sicher Balsam für die Seele der Zielgruppe, so läßt sich wohl die nahende Götterdämmerung besser ertragen, denn für eine gewisse Zeit sind nun wieder alle Zweifel ausgeräumt...wenn's schee macht, nur runter damit, wohl bekomm's!

Winston Smith 78699

24. August 2016 23:28

@ Gustav Grambauer
Mittwoch, 24. August 2016, 14:58 (URL)

... wird sie auch alsbald gestoppt ...

Kommunistische Führerfiguren scheinen jedenfalls eine Art Notbremse an sich zu haben - getarnt als Blutorden nach ihrem Geschmack -, so dass man sie ausschalten kann wie den Golem. G.G., Sie haben mir von dem Minister Hilde berichtet und dem obligatorischen Gerät im PKW. Ein solches verströmt doch allein durch die praktische Form auch einen gewissen Handlungsappell, etwa wenn einer mitten in Mexiko City eines bei sich aufbewahrt - zu was sonst außer DEM? (Oder sollte dies etwa eine Hinterlassenschaft von Diego Rivera in den Räumlichkeiten gewesen sein, mit der dieser und Frida Kahlo ... schmutzige Gedanken.) Aber das hat ja alles nichts mit der Kanzlerin zu tun.

jacky

24. August 2016 23:35

In der Lückenpresse gerade ZOOM+ mit ausführlichem Bericht über die neue Rechte. Und ja, der Verfassungsschutzpräsident Thüringen, Stephan Kramer, machte so merkwürdige Bemerkungen über G.K.
Bitte mal Podcast suchen.

Willkommenskulturlos

25. August 2016 00:13

Wir können die Bedeutung dieses Wahlergebnisses nur verstehen, wenn wir es in einem größeren Kontext betrachten, nämlich der globalen Revolte gegen die selbsternannten Eliten… Überall revoltiert das Volk gegen eine übernationale Oligarchie, die es nicht länger unterstützt. Das ist die Essenz von Brexit: die Bestätigung einer fundamentalen Bewegung. Nach Jahrzehnten der Expansion gehen wir auf eine Ära der Sezessionen zu.

Nun, diese Eliten sind nicht selbsternannt - die sind schon ziemlich lange da. Und bis zur Wende haben sie auch einigermaßen funktioniert.

Aber seitdem der Sozialismus zusammenbrach und die systemische Konkurrenz zum Kapitalismus verschwand, degenerieren diese Eliten rapide. Die Gier hat den Verstand vollständig ersetzt.

Alles, was diese Eliten anfassen, wird zum Desaster.
Schlimmer noch: sie pflegen globalistische Utopien, die noch utopistischer als Sozialismus sind, und begehen dadurch reinen Selbstmord.
Klar, dass die Völker ihnen die Gefolgschaft verweigern.

Heute sind diese Eliten mit ihrem Latein am Ende.
Ihr politisches Personal ist erbärmlich.
Sie versuchen nur noch die Macht zu erhalten, können aber keine Probleme (die sie selbst verursacht haben) lösen.
Ihr Zustand ähnelt sich dem des französischen Adels vor der Revolution.
Sie verstehen nichts und, wenn sie sogar etwas verstehen, können sie nicht anders.
Ähnlich wird auch ihr Schicksal sein.

Vereinfacht auf einen Nenner gebracht, verläuft die Frontlinie heute zwischen Globalisten und „Souveränisten“ oder „Nationalisten“ im weitesten Sinne.

Bessere Bezeichnung wäre ANTI-GLOBALISTEN oder PATRIOTEN.
Denn z.B. Marxisten, die sich auch gegen Globalismus erheben, sind Internationalisten
(kommunistischer Internationalismus hat mit kapitalistischem Globalismus nichts zu tun).

Die populistischen Bewegungen in den westlichen Demokratien werden nicht aufhören, mit der Konzentration auf einen „Feind“ ihre Chance zu verbessern, Menschen zu mobilisieren und damit die unausweichliche Komplexität der modernen Welt in schändlicher Weise scheinbar zu reduzieren.

Um Probleme zu lösen, muss man zwangsläufig die Komplexität reduzieren.
So arbeitet auch die Wissenschaft.

Außerdem funktionieren in der massenhaften Praxis nur einfache, klare Lösungen.
Komplizierte Regelungen funktionieren nur im kleinen Umfang, bei der Massenanwendung versagen sie.
Das Paradebeispiel dafür ist Asylrecht:
es funktionierte bei wenigen Dissidenten aus den sozialistischen Staaten, wird aber bei der heutigen Masseneinwanderung zu 98% missbraucht.

Sebastian-Maximilian

25. August 2016 00:33

@ Jacky

Ist mir auch aufgefallen. Das habe ich vorhin auch gesehen.

Kramer sagte sinngemäß: GK wird beobachtet bzw. wir machen uns grosse Sorgen usw.

Der hat geredet wie ein Mafioso der einen Mordauftrag erteilt.

Vorsicht vor „Autounfällen“, Fallschirmspruengen, Hotelbesuchen und Badewannen.

Corvusacerbus

25. August 2016 00:36

Zu der angesprochenen ZDF-Sendung ZOOM+: Der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes (wenn ich das hinschreiben, treffe ich vor Lachen kaum die Smartphonetasten), Stephan Kramer, hat in der Ecke seines Büros die Flagge der Vereinigten Staaten stehen. Ich bin gar nicht sooooo pingelig, aber kann man sich das in einem anderen Staat vorstellen? Grundsätzlich zu der Sendung: Das war Werbung für Schnellroda und besonders gut gefallen hat mir die öfters wiederholte These, die rechte Gesinnung sei mitten in der Gesellschaft "angekommen". Yep, habe ich gedacht. Und es tut gar nicht weh und wenn ihr noch ein wenig weiter analysiert und tiefer grabt, werdet ihr feststellen, "das Rechte" ist von je her Teil dieser bürgerlichen Mitte, auch der ursprünglichen Sozialdemokratie, die anders als die Lehrer-DPD ist nichts anderes als der 'conventional wisdom' der bürgerlichen Mitte

Corvusacerbus

25. August 2016 00:46

... als die Lehrer-SPD rechts immer auch rechts, weil national war, und dieses Rechte ist letztlich nichts anderes als der 'conventional wisdom' der bürgerlichen Mitte. Diese bürgerliche Klugheit und dieser instinktsichere Trotz der Bürgerschaft ist nicht verschwunden, auch nicht und vielleicht gerade nicht, seit er als gesundes Volksempfinden denunziert wird. Die Zeiten ändern sich. Merkel und die anderen Globalisten haben den Bogen überspannt. Das Nationale und Rechte hat Konjunktur, selbst in den Demokraturmedien.

Willkommenskulturlos

25. August 2016 00:50

@laValetta
Mittwoch, 24. August 2016, 15:14

Wie immer ein kluger Kommentar aus Ihrer Feder. Eines Ciceros würdig, wie die wackelige Argumentation des Gegners da auseinandergenommen wird. Ein Sport, der auf dieser Seite ja schon seit Jahren routiniert betrieben wird. Nur scheint mir daraus keine Wirkung zu erwachsen.

Jede gesellschaftliche Änderung beginnt in den Köpfen.
Die Aufgabe der Intellektuellen ist diese Kopf-Arbeit zu leisten.

Ob überhaupt und wie schnell sie Wirkung zeigt, hängt nicht von Intellektuellen ab, sondern von sehr vielen Faktoren.

MAN SOLL TUN, WAS MAN TUN MUSS, UND AUF DAS BESTE HOFFEN.

Oswaldo

25. August 2016 01:04

Das Interessante ist, dass die heutige Rechte, die den degenerierten Lobby-Parlamentarismus ja eigentlich und "an sich" skeptisch sieht (durchaus a priori und keineswegs nur von der Ergebnisseite her, etwa weil Landsleute im Rentenalter die Mülleimer durchsuchen, während weltfremde Parteikreatueren Steuermillionen für ideologische Nonsensprojekte verballern und sich im Tourismusausschuß delektieren) - in diesen Tagen trotzdem die besseren Demokraten hervorbringt verglichen mit den zu einem mao-finanzkapitalistischen Globalistenbrei verschmolzenen Gegenseite der Links-Liberalen, vor denen der Wähler nicht zufällig in Scharen flieht, jedenfalls dort, wo er nicht in der ein oder anderen Form auf der Systempayroll steht oder gänzlich mit dem Klammerbeutel gepudert ist.

Die Rechte, sieht man von echten liberalkonservativen a la Gauland einmal ab, reüssiert hier zwar ein bisschen nolens volens, denn eine Rechte, die beim Gedanken an den menschenvergessenen Gesetzesbasar ins Glucksen gerät, ist keine. Ein interessanter Effekt ist die demokratisch-stilistische Überlegenheit aber trotzdem und sie ist, Stichwort Rechtsstaatlichkeit, auch zu begrüßen.

Ein Rechtsstaat war das konstitutionelle Kaiserreich aber auch. Er ist nicht auf die Form der Republik festgelegt und noch weniger auf eine zum Himmel stinkende Parteiendemokratie. Mir wird viel zu wenig darüber diskutiert, ob die Rechte den Parlamentarismus oder den Staat verteidigen will. Warum das erste, wenn die Linksliberalen uns als Feindbehandeln, alles andere als den Eindruck erwecken, über Kompromißlinien sprechen zu wollen und selbst den Parlamentarismus unterlaufen bis hin zur (bislang nur versuchten) Wahlfälschung.

Mit dem weiteren Blick erleben wir die Heraufkunft einer Teufelsfratze aus linker Brave New World und radikalen Weltauslutschungsökonomismus an der Grenze zum Finanzvoodoo, getaucht in den Farben blutrot bis schwefelgelb. Sie lässt bis an die Grenze zur höhnisch offenen Infamie offen erkennen, dass sie auf die Republik pfeift und den politischen Gegner nicht als Mitbürger anderer Meinung und (potentiellen Parlaments-) Diskutanten ansieht, mit dem man einen Kompromiß sucht, sondern als politisch kaltzustellenden Feind, weil er ja die vorgeblichen Verheißungen der entgrenzten Welt ablehnt und in seinem veränderten Alltag als Lüge durchschaut.

Wenn die anderen dieses Land im Gefolge ihrer Stichwortgeber aber nicht mehr als Bürgergesellschaft der Deutschen behandeln - wo kämen wir denn da auch hin! - sondern als eine Art grenzenlosen Marktplatz für alle Menschen - und Geschäftsinteressen - dieser Welt, voller ansonsten marxistischer Tugend, so ist das weniger absurd als es scheint, wenn man doch die Gewinne zu privatisieren und die Verluste zu verstaatlichen gedenkt. Hätte die Amerikaner und die Sowjets 1988 den Kalten Krieg per Systemkompromiß beendet, wäre etwas wie die EU dabei herausgekommen. (Das nur am Rande, und man denke auch an den Hochfinanzmaoisten Barroso!).

Die Frage lautet: Können mindestens Konservative den politischen Verhaltensweisen nach liberal bleiben, wenn die linksliberalen Mitbürger es selbst nicht mehr sind und sich selbst mit Absolutheitsanspruch zu alleinigen Demokraten zu dekretieren versuchen. Vor die Wahl gestellt: Will die Rechte den Staat retten oder die parlementarischen Gepflogenheiten. Nicht dass das Zweite nicht wünschenswert wäre. Aber ist es realistisch?

cherusker69

25. August 2016 01:10

Menschen wie dieser Andreas Wirsching können ja ihr wirres Zeug nur unter die Leute bringen weil sie schon seit Jahrzehnten die Strukturen aufgebaut haben.
Sie haben also einen jahrzehntelangen Vorsprung.
Was für mich absolut entscheidend erscheint ist, dass man diesen Medien die Deutungshoheit über die Begriffe entreißt. Dies mahnte Franz Josef Strauss schon an und er warnte davor das linke Medien diese erlangen.
Genau diese Situation haben wir jetzt.

Winston Smith 78699

25. August 2016 09:40

@ Sebastian-Maximilian

Kramer sagte sinngemäß: GK wird beobachtet bzw. wir machen uns grosse Sorgen usw. Der hat geredet wie ein Mafioso der einen Mordauftrag erteilt. Vorsicht vor „Autounfällen“, Fallschirmspruengen, Hotelbesuchen und Badewannen.

Falls so etwas gerade dann passieren sollte, wenn alle darauf warten, hätte es einen ganz gegenteiligen Effekt. Die wollen keine Märtyrer erzeugen - daher Entwarnung. Insofern schützt eine gewisse Prominenz ja geradezu. Aber auch andere können daran lernen - etwa anonyme Kommentierer wie wir hier, denn auch unsereins hat im persönlichen sozialen Umfeld die Möglichkeit, etwa den Fall einer Verhaftung vorzubereiten und zu einem lokalen PR-Debakel werden zu lassen. Durchatmen, entspannen, die Freude am ideologischen Kampf nicht verlieren. Und mit Röm. 8,31 an das Gute glauben, die Zuversicht bewahren. Das heißt ja nicht, dass man sich wie ein Idiot verhalten sollte.

Reichsvogt

25. August 2016 11:09

"Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten."
Heinrich Heine

Gustav Grambauer

25. August 2016 11:57

Winston Smith 78699

Wenn wir Ihren Gedanken zu Ende denken, dann sind wir etwas vorzeitig hier angelangt:

https://www.ursula-von-der-leyen.de/
https://www.peteraltmaier.de/
https://www.thomasdemaiziere.de/

Meine süße Mutter, deren unnachahmliche Art ich hier nicht wiedergeben kann, würde ihre ganze Altersweisheit zu den vier Worten "Zwiebel geht, Knoblauch kommt" verdichten ...

Ich stelle mir eine ganz andere Frage: Bismarck hat sich von Wilhelm II emanzipiert, Wilhelm II hat sich von seinem Onkel Edward und damit von der britischen Krone emanzipiert, v. Papen hat sich von Hitler emanzipiert, Stresemann hat sich - ansatzweise - vom Völkerbund emanzipiert, Hitler hat sich von Rockefeller

https://www.youtube.com/watch?v=XwkTZKuAxt8

(höre gleich die ersten drei Minuten) emanzipiert, Ulbricht hat sich nacheinander von der Komintern, Stalin, Chruschschow und Breschnew emanzipiert, Honecker hat sich von Breschnew und Gorbatschow emanzipiert. Ob sich jemals ein "BRD"-Kanzler von seinen atlantischen Stiefel-in-den-Nacken-Tretern emanzipiert?!

- G. G.

Sabine

25. August 2016 17:42

@ Grambauer
Es handelt sich um keinen Stiefel im deutschen Nacken usw. --- sondern: es ist ein übersüßes Zuckerbrot, welches mit herrlichen Lügen garniert ist, die runter gehen wie Öl. Das Zeug macht ja wie wir sehen: süchtig ...

Auf die Bilder unserer Selbstverständigung kommt es an! Auf die Bilder!!

Darum liegt @ Sven B. -- Glückwunsch!! -- doch ganz richtig. Erfreulich, daß es sich herumspricht:

https://pi-news.net/wp/uploads/2016/02/Pegida-Dresden-6.2.1667b.jpg

Karl

25. August 2016 23:19

Leider sind manche dieser als Kommentare verpackten Selbstbeweihräucherungen etwas demotivierend, alles Andere als zielführend. Geschwurbel. Erzeugen statt Solidarität Stirnrunzeln. Scheinbar keine andere Gelegenheit das Ego zu streicheln. Das Volk wird dadurch nicht erreicht, sondern abgestoßen. Muss auch nicht. Schon klar. Doch was wenn wir ein wenig in diese Richtung zielten? Sich als anonymer wortgewandter Diskutant zu erleben, mag geradezu Genuss vermitteln. Es hilft. Dem Absonderer. Kommentarforen als therapeutische Institutionen. Fehlt diese Zeit, diese Energie dann? Dem Schreiber, dem Leser? Zum Zwecke der individuellen psychischen Stabilisierung geeignet, zum Zwecke der gesellschaftlichen Entwicklung wohl kaum.

M.L.: Bieten Sie doch was Besseres an!

Nürnberg 2.0

26. August 2016 02:43

»Ins gleiche Horn stieß am 13. 8. in der Zeit auch der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München...«

Zur Entstehungsgeschichte dieses "Instituts" ein Zitat aus Caspar von Schrenck-Notzings äußerst lesenswertem Buch »Charakterwäsche. Die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland« (Ullstein Taschenbuchausgabe, Frankfurt/Berlin ²1994, S. 243), :

»Eine zentrale Institution der Geschichtsbildkontrolle (...) hatte seinen Sitz (...) in München. Das "Institut für Zeitgeschichte" wurde "auf Anregung der Amerikaner" ([der ehem. bayer. Ministerpräsident Hans] Ehard) als schlichtes Institiut zur Erforschung des Nationalsozialismus durch das Land Bayern gegründet.«

Noch Fragen?

Michael B.

26. August 2016 03:31

Am aufregendsten waren noch die Sechzigerjahre. Aber der Ansturm einer starken sozialen Bewegung von links blieb überwiegend in verfassungskonformen Bahnen

So, so. Trotz Radikalenerlass konnten also ein paar bärtige Hobby-DKPler und Vollzeit APOs die BRD übernehmen. Wer hat eigentlich den "Marsch durch die Institutionen" überhaupt in Gefahr gebracht? Wer hat ihn vielleicht unterstützt? Und was bedeutet das für das Gegenargument, dass auch heute ein solcher "Marsch durch die Organisationen" möglich sei? Fragen über Fragen...

Karl

26. August 2016 11:26

@ M.L.: Bieten Sie doch was Besseres an!

Es geht mir nicht daraum, grundsätzlich über die Sinnhaftigkeit von Kommentarforen zu diskutieren. Auch wenn dies so wäre, ist diese Reaktion jedoch unangemessen. Nur dann Kritik üben zu dürfen, wenn gleichzeitig etwas "Besseres" angeboten werden kann, erstickt autoritär Diskussionen im Keim. So bitte nicht. Ich weiß ja durchaus all die wertvollen Hinweise auch zu schätzen. Und Zensur zu üben ist nicht anzustreben.
Ich würde mir wünschen, dass solche Diskussionen systematisch aufbereitet werden und ein Weiterführen möglich ist, so dass daraus auch etwas Produktiveres als Diskussionsergebnis entstehen kann. Vielleicht können einige Anregungen dazu dienen, vernachlässigte Aspekte zu vertiefen. Es könnten sich aufgrund solcher Diskussionen auch Arbeitsgruppen mit spezifischer Expertise bilden. Mich stört das Inkonsequentielle, Beliebige, Dahergesagte, Unverbindliche.

Meier Pirmin

26. August 2016 12:35

@Karl. Sie erwarten zu viel von einem Forum Etwas Besseres anbieten hiess gemäss M.L. wohl nur, bessere Argumente bringen. Es sind sodann nicht alle Teilnehmer anonym, und die Publizisten schon gar nicht. Noch weniger kann man von einem Haufen Gleichgesinnter sprechen, es sind deutlich verschiedene Lager identifizierbar. Selber schliesse ich das Entstehen einer konservativen Aufklärung nicht aus. Da ist das gedruckte Heft um Welten näher dran als die Blogger, auf welcher Seite aber oft neben anderen gute und brauchbare Links gegeben werden.

Es gibt in den Foren solche, die wünschen vordergründig direkte Aktion, andere haben von Karl Marx gelernt, dass ohne die Hoheit die Wirklichkeit zu interpretieren auch Veränderungen durch Wahlen usw. nichts bringen. Natürlich gibt es auch solche, die im Einzelfall wirr oder wenigstens unverständlich argumentieren. Im Vergleich zu den Linken @Michael B., steht ein Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren sicher nicht in Aussicht. Kubitschek wird ohne einen Ehrendoktor einer deutschen Universität sterben. Ich hoffe, er kann damit leben.

Bei tieferer historischer Analyse hat die laufende Auseinandersetzung den Charakter eines Kulturkampfes. Einen solchen gab es im 2. deutschen Reich schon in der Zeit nach 1871. Mit dem Unterschied, das Bismarck eben schon eine ganz andere Nummer war als die heute Regierenden und also diesen Kulturkampf mit der Zeit einzustellen vermochte, sogar merkte, dass die Bekämpften in wichtigen Fragen Verbündete sein könnnten. Das sehe ich im Moment eher nicht. Zum Teil ist die Opposition auch nicht gut genug. Es ist aber aus der Sicht des Beobachters schon keine Kleinigkeit zu sehen, dass Kubitschek gemäss seinem neuesten Artikel, der auch in Politically Incorrect zitiert wird, wie noch andere die hier schreiben dem Justizminister Maas und den Verantwortlichen für den Staatschutz mit hoher Wahrscheinlichkeit geistig überlegen sind. Damit ist annähernd ein Niveau erreicht, wie es zum Beispiel für die Opposition in der DDR normal war. Daran muss aber wohl noch gearbeitet werden. Wenn die Opposition dem jeweiligen Justizminister und der jeweiligen Stasi geistig überlegen wird, wird es für das "System" früher oder später kritisch.

marodeur

26. August 2016 13:07

@karl
Ich bin mir nicht sicher, ob hier der richtige Platz für Arbeitsgruppen und Ausschüsse ist. Sowas erinnert eher an die Aktivitäten der "Judäischen Volksfront", die mit quasi-basisdemokratischen Mitteln sinnlose Gefechte gegen eigene Leute und andere Splittergruppen führt.
Nein, die Sezession soll sich bitte weiter um die metapolitischen Grundlagen kümmern. Hier gibt es grossen Nachholbedarf. Ich habe auch nichts dagegen, wenn intellektuelle Vordenker dabei die Führung übernehmen. Man sieht einfach an allen Ecken, dass die rechte Bewegung noch jung ist und das schmudelige Image haftetet immer noch wie Kaugummi. Es gibt im Alltag keine politische Schulung und das Hantieren mit den Argumenten und Begriffen sitzt nicht von selbst. Der Ruf nach Aktion ist verständlich, aber die Zeit zur Revolution ist aus meiner Sicht noch nicht gekommen. Dafür fehlt die revolutionäre Stimmung. Ich wundere mich ernsthaft über die ständig betonte "gefühlte" Mehrheit für unsere Sache. Ich spüre überhaupt nichts (akademisches Umfeld).
Kurz gesagt: lasst uns bitte die Axt schärfen do lange wir Zeit dazu haben

Karl

26. August 2016 13:24

@ Meier Pirmin
Die Herrschaft der Mittelmäßigkeit ist ja schon von Schopenhauer und Nietzsche vorausgesagt worden. Sicher: G.K. demonstriert diese sinnfällig. Doch bleibt diese Erkenntnis in seiner Deutlichkeit leider nur einem kleineren Kreis vorbehalten. Mittelmäßige verstehen leider oft auch nur Mittelmäßige. Botschaften wirklich Großer Geister finden keinen Resonanzboden. Es gibt daafür keine Rezeptoren. Diese müssten erst konstruiert werden, quasi Antennen für den Empfang. Durch Desinformation und Nebelkerzen werden solche Möglichkeiten zusätzlich erschwert.

Winston Smith 78699

26. August 2016 16:59

@ Meier Pirmin

Im Vergleich zu den Linken ... steht ein Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren sicher nicht in Aussicht.

Sie denken aber in langen Zeiträumen, und das wirkt auf mich gerade nicht ermunternd, das werde und will ich nicht aushalten. Geschichte ohne Vergleichen geht nicht, sagt man, also: wären wir dann jetzt gerade in einer den Narodniki (Volkstümlern) vergleichbaren Phase? Setzen Sie dabei nicht zu Unrecht etwas Stabiles wie das Zarenreich oder die Siegermacht USA voraus, innerhalb derer und an der man sich entwickeln kann? Dann aber werden islamischer Gottesstaat, Afrikanerflut und Orwellstaat bestimmt schneller sein. Irgendwann ist auch Peak-Oil rum und die Araber werden den Krieg noch offener suchen, oder die Nato gegen Russland. Vielleicht ist Ihr Blick auf das Ganze auch der patentiert schweizerische - nicht dass da irgendwas behäbiger wäre, nein: es ist eine stabile und lange währende Demokratie (natürlich inmitten des untergehenden Abendlands allein konserviert wegen ihres einmaligen Geschäftsmodells). Diese Gemütlichkeit ist nicht auf das europäische Chaos anwendbar. Früher etwa wurde in Sachen Geldanlage immer wieder Panik gemacht, jetzt wird beschwichtigt - ein schlechtes Zeichen. Denken in Jahrzehnten ist blanker Unfug, in Jahren bereits die leicht blasiert-luxuriöse Art von weltabgewandten Bohemiens in Schweizer Lungensanatorien - man gönnt sich diese Großzügigkeit mal als Zeichen der Distanz, spaziert auf dem Gletscher. Zugleich grummelt unten im Tal der Germanen bereits der große Kladderadatsch.

Meier Pirmin

26. August 2016 19:58

@Sie verstehen es völlig falsch. Es gibt Institutionen, in die Leute von hier nicht reinkommen werden. Zu diesen gehören die Hochschulen, wohl auch die Kirchen, das subventionierte Kulturschaffen, vermutlich die Justiz. 20 Jahre ist eine sehr kurze Zeit.

Thomas Wagner

26. August 2016 23:13

@Demo Goge aus der polis germania

Man darf Ihren Worten also entnehmen, dass es da irgendwo im Abstrakten den guten BRD-Staat gibt, dem gegenueber man sich durchaus loyal verhalten kann, waehrend es gleichzeitig moeglich ist den aktuell herrschenden schlechten BRD-Machteliten diese Loyalitaet zu verweigern. Das ist doch reichlich realitaetsfremd und macht die Sache auch noch unnoetig komplizierter als sie ist. Staat ist kein Abstraktum, sondern manifestiert sich in erster Linie im konkreten politischen Handeln. An diesem Handeln muss er sich auch messen lassen. In diesem Sinne gibt es auf deutschem Boden eben nur einen Staat und dementsprechend auch nur eine Loyalitaetsfrage. Im Kontext der Loyalitaetsfrage sollte man sich dann auch immer wieder die schreckliche Realitaet ungeschminkt vor Augen halten, naemlich, dass dieser BRD-Staat (freilich als Subsystem der "Westlichen Wertegemeinschaft"=euphemistisch verschleiernde Aliasbezeichnung fuer das informelle US-Imperium) einen erbarmungslosen Krieg gegen das eigene Staatsvolk fuehrt, an dessen Ende, sollte er vom System gewonnen werden, Deutschland als Land der Deutschen nicht mehr existieren wird.

Meier Pirmin

27. August 2016 04:53

@Winston.Smith. Das mit der Allport-Scala haben Sie richtig gesehen. Das Verhalten weniger gegenüber der AfD als gegenüber einer geistigen Opposition, die man als wirklich gefährlich einschätzt, wird, wie Sie richtig sehen, im Bereich bis Skala 4 verbleiben. Für den öffentlichen Dienst werden solche Leute nicht in Frage kommen.

In der Schweiz nennt man das die "SVPfreie Zone". Die gibt es in vielen Bereichen, obwohl die Partei um 30% Stimmenanteil hat. Obwohl die Ausbootung des Medizinhistorikers Christoph Mörgeli, sein Berufsverbot in einem Umfeld übrigens sehr mittelmässiger Historiker und Geisteswissenschafter, die er leider auch nicht wesentlich überragt, war typisch. Ich kenne mich auch in österreichischen Akademikerkreisen einigermassen aus. Soweit es noch originelle Rechte gibt, haben diese an den Hochschulen in der Regel nichts zu suchen oder höchstens ganz am Rand, meist weitgehend ungeoutet.

Ich kann mir, was ein anderes Thema ist, weil der Mann nun wirklich nicht intellektuell ist, kaum vorstellen, dass sich an der amerikanischen Ostküste im Hochschulumfeld jemand als Anhänger von Donald Trump outen kann oder gar Sarah Palin gutfinden. Letztlich würde man aber einen intellektuellen, auf dem Gebiet der politischen Theorie starken Trump noch weniger ausstehen. Was die AfD betrifft, war das Ausscheiden des Flügels um Lucke doch nicht nur gut, obwohl dieser Flügel auch an den Hochschulen ziemlich am Rand war. Mittelfristig, etwa für die Kommunalpolitik und die Politik in den Ländern, wo die AfD vielleicht da und dort mal in die Exekutive kommt, müsste mit solchen Leuten wohl das Gespräch wieder gefunden werden, soweit sie nicht selber ihre früheren Parteikollegen auf der Allport-Scala haben. Um es aber zusammenzufassen: In den nächsten 20 Jahren wird es sehr schwierig bis unmöglich sein, Leute wie etwa G.K. bei einem offiziellen Anlass, zum Beispiel bei einem Jubiläum in Sachen Martin Luther oder zu 200 Jahren Demagogenverfolgtung (Ermordung Kozebues) oder zu Jubiläen, die duetsche Romantik betreffend, von einer Stadt als Festredner zu engagieren. Leute aus der Richtung Sezession müssen auch, im Gegensatz noch zu Gerd-Klaus Kaltenbrunner selig noch vor 30 Jahfen, auf Kulturpreise verzichten. Daran würde auch ein Wähleranteil der AfD von 20 bis 30%, was auf Bundesebene unwahrscheinlich bleibt, wiewohl nicht unmöglich, verzichten. Das meinte ich mit dem Marsch durch die Institutionen, der in den nächsten 20 Jahren nicht stattfinden wird. Es ist aber nicht gesagt, dass sich deswegen nichts verändern wird.

PS. Absolut nicht sinnvoll wäre es, eine Säuberung des öffentlichen Dienstes (der sich ohnehin in der Regel opportunistisch verhält) zu fordern in der Art des einstigen "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", bloss weil der "Marsch durch die Institutionen" mutmasslich keinen Erfolg haben wird. Umgekehrt war aber schon 1968 und im Jahrzehnt darauf absehbar, dass die Linken beim Marsch durch die Institutionen Erfolg haben würden mit Ansteckungswirkung auf die relativ Unpolitischen wie erst recht auf die "Scheissliberalen", ein Schlagwort, das nicht von der Rechten kommt, sondern von Leuten ungefähr von der Mentalität des Herrn Joschka Fischer.

Meier Pirmin

27. August 2016 05:01

PS. Korrektur von Verschrieb, zweitletzter Abschnitt gegen unten: "Daran würde auch ein Wähleranteil der AfD von 20 bis 30%, was auf Bundesebene unwahrscheinlich bleibt, wiewohl nicht unmöglich, n i c h t s ä n d e r n. Im 2. Abschnitt oben muss das zweite "Obwohl" weg bei Mörgeli. "Die Ausbootung ... war typisch."

Meier Pirmin

27. August 2016 05:11

PS. Ich behaupte hier nicht, öffentliche Kulturpreise für die "Sezession" seien wichtig oder bereits, wie einst bei Gerd-Klaus Kaltenbrunner, in hohem Masse verdient. Ich bringe das Beispiel nur, weil hier im Gegensatz zu den Linken von 1968 der Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren nicht in Aussicht steht.

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