Sezession
26. Februar 2017

Sonntagsheld (1) – Der identitäre Gallier

Till-Lucas Wessels / 5 Kommentare

Vielen älteren Lesern wird er aus den von René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffenen Comics bekannt sein, die Jüngeren kennen ihn vermutlich eher aus den zahlreichen Verfilmungen.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Nachdem er es schon mit freiheitsliebenden Korsen, dekadenten Ägyptern und natürlich omnipräsenten Römern aufnehmen mußte, bekommt der kleine Gallier es nun mit einem ganz anderen Völkchen zu tun, das dem gemeinen Legionär in Sachen Schlichtheit und Humorlosigkeit vermutlich um nichts nachsteht:

Der taz-Autor Arno Frank, welcher sich sonst eher für Donald Trump und seine eigenen Genossen interessiert, hat einen alten Hut ausgegraben. Asterix, dieser weiße, blonde, männliche Gaule, der seine Konflikte andauernd mit Gewalt löst, ist im Kern identitär und so zu einem Symbol des patriotischen Widerstands – einem Mem, wenn man so will – geworden:

Es handelt sich um eine autochthone und homogene Dorfgemeinschaft, die sich nicht nur dem römischen Imperium, sondern allen äußeren Einflüssen überhaupt widersetzt. Frauen sind entweder mütterlich oder begehrenswert gezeichnet. Wissenschaft ist funktionierende Alchemie und obliegt dem druidischen Oberpriester, die technische Entwicklung verharrt in der Hinkelsteinzeit. Und der Dorfälteste spricht „frei von der Leber“ weg, wenn er sagt: „Ich habe nichts gegen Fremde, einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier."

Es folgt eine Aufzählung weiterer neurechter Chiffren, die zeigt, daß der Autor des Artikels ziemlich viel Zeit im Internet verbringt. Von Tours und Poitiers über die unvermeidlichen 300 Spartaner am Thermopylenpaß bis hin zu Pepe dem Frosch fächert Frank die Symbolsprache der Neuen Rechten auf. Ein bißchen  Altnazi-Würze darf nicht fehlen – natürlich erinnert das Lambda "sicher auch nicht ganz zufällig" an das Blitzabzeichen der SA.

Wir sehen: Der sympathische Gallier steht keineswegs alleine da. Während Bibi und Tina noch brav Wilkommenskultur spielen, entpuppen sich immer mehr Kindheitshelden als lupenreine Reaktionäre, seien es Tim und Struppi oder TKKG.

Für mich als Aktivisten ist der Artikel von Arno Frank ein willkommener Grund, die alten Hefte wieder aufzuschlagen und mich an Fat shaming, Rape culture und eurozentrischer Völkerschau gütlich zu tun. Und wer weiß: Vielleicht kommt mir eine Idee für die nächste Aktion?

Fest steht in jedem Fall: "Die spinnen, die Linken!" – Darauf erstmal ein Glas Milch.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (5)

Der Gehenkte
26. Februar 2017 21:54

Schon mal "Mosaik" probiert? Welten besser!

Wäre eine Untersuchung wert: das Islam-Bild Ritter Runkels oder: Frauenquote bei den Digedags. Und Schwarze sind dort auch unterrepräsentiert - außer in der Amerika-Serie, wo es um den Konflikt Süd-Nord-Staaten geht. Die ersten 12 Hefte dagegen eindeutig rassistisch, die Erfinder-Serie eurozentrisch, die Weltraum-Serie-terrazentrisch ...

Wahrscheinlich wird man Asterix bald aus den Kiosken entfernen müssen.

Franz Rheinberger
26. Februar 2017 22:41

Ich finde es immer wieder schön, wenn bei der "Sezession" popkulturelle Themen angeschnitten werden (vgl. South Park von Lichtmesz). In seiner Asterix Analyse bezieht sich der taz-Autor Frank auf Leon Poliakov, der bereits früher in seinen Büchern auf jenen hier wie dort geschilderten Sachverhalt einging. Die Wort von Poliakov kann man ruhig einmal lesen, muss es aber nicht. Aber ansonsten ist das "Phänomen" wahrlich nicht neu und ließe sich auch beliebig auf andere Bereiche erweitern. Ich las vor Kurzem zum Beispiel den zweiten Band des Comics „ÜBER“, was dazu wohl dem Herren von der taz einfallen würde? Wahrscheinlich nur die "Altnazi-Würze".

Eisriesen am Horizont
26. Februar 2017 22:51

Der Entertainmentzirkus sieht zwar so aus wie ein Zirkus, er ist es aber nicht.

Im Fundus unserer freundlichen älteren Nachbarn noch jüngst ein liebevoll illustriertes Bilderbuch gefunden mit einer einfachen Geschichte über eine Bimmelbahn, die so durch die Gegend fährt und mit den Kindern schöne Orte besucht, bevor sie diese wieder in ihren Dörfern abliefert. Wunderbare Zeichnungen von Dörfern mit Kirchtürmen wohlgemerkt.

Das neue Zeug, das heute in den Auslagen der Drogerieketten und Supermärkte liegt, ist oft auf Verwertung von Lizenzen und Mainstreamunterhaltung hingerichtet, teilweise ganz ungenießbar. Möchte ich den Kleinen oft kaum in die Hand geben. Gute aktuelle Kinderbücher sind schwer zu finden, grad die "preisgekrönten" sind offenbar mit besonderer Vorsicht zu genießen.

Marc_Aurel
27. Februar 2017 10:35

Wie man an dem taz-Artikel sieht, wird hier ganz in der Manier totalitärer Systeme, eine allumfassende Umerziehung der Bevölkerung angestrebt, die einsetzt sobald die Kinder mit Bildern etwas anfangen können. Ich sehe das unter anderem auch an den Kinderbüchern, die meine kleine Tochter so geschenkt bekommt: auch dort muss natürlich, brav politisch-korrekt, mindestens jedes dritte abgebildete Kind eine andere Hautfarbe haben oder anders: darf keinesfalls weiß sein. Für die beschriebene Tendenz ließen sich unzählige Beispiele aus Literatur, Fernsehen und anderen Medien anführen, aber ich belasse es jetzt mal dabei. Erschreckend finde ich das Tempo in dem dies geschieht und die Dreistigkeit mit der man vorgeht. Allerdings hat das auch einen Vorteil: gerade dieses penetrante hineinpeitschen dieser Ideologie bis in jede kleine Nische des Privatlebens, befremdet die Menschen zunehmend, zumal das Ganze in seinen Auswüchsen mit dem Vergehen der Zeit auch immer absurder wird.

Christian K.
27. Februar 2017 19:48

Das Geschenk Cäsars, S. 16, Methusalix, „Du kennst mich doch, ich habe nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier.“

Zu diesem Themenkomplex immer noch lesenswerte Gegnerlektüre: 

Richard Herzinger/Hannes Stein, Endzeit-Propheten oder Die Offensive der Antiwestler. Fundamentalismus, Antiamerikanismus und Neue Rechte, Reinbek 1995

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