Sezession
8. März 2017

Szene-Kaleidoskop IX: Widerstandsmodi

Nils Wegner / 6 Kommentare

Für eine Unterweisung in Sachen Widerständigkeit hat man sich bei PI eines absoluten Klassikers angenommen: Ernst Jüngers 1951 veröffentlichter Essay Der Waldgang ist natürlich längst kanonisiert und gehört in jede "Bibliothek der Selbstbehauptung" – das hat man mittlerweile auch in den USA erkannt, wo das Werk erst seit 2013 in englischer Übersetzung vorliegt. Für all jene aber, die durch die vielfältigen regierungsseitigen Drangsalierungen nun langsam auf den sprichwörtlichen Trichter kommen, hat sich der PI-Kommentator "Selberdenker" des Buchs angenommen und eine ausführliche und sehr lesenswerte Besprechung geschrieben.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Nun hat das Portal natürlich nicht den Anspruch einer Literaturzeitschrift; vielmehr gelingt es dem Rezensenten, Jüngers Unterweisungen zur Absonderung vom ungerechten Apparat ins Verhältnis zu heutigen Verhängnissen zu setzen, etwa der hochoffiziellen Verdammung von Internetangeboten, die dem vorgegebenen Diskurs nicht folgen wollen. Nicht nur ein Einstieg für Interessierte, sondern auch etwas für Kenner: Die PI-Besprechung macht definitiv Lust darauf, Jüngers Bändchen wieder einmal zur Hand zu nehmen, und kommt zur rechten Zeit (nicht nur, weil es seit einer Weile eine sehr schön gestaltete neue Jünger-Gesamtausgabe von Klett-Cotta und die Arbeit zum Waldgänger von Parviz Amoghli mit einem Vorwort von Thor Kunkel gibt). In diesem Sinne!

In Erfurt beispielsweise hat man dementsprechend gehandelt. Dort, im Stadtteil Marbach, will die Stadt zusammen mit der fragwürdigen Ahmadiyya-Gemeinde baldestmöglich eine neue Moschee errichten. Bürgerlicher Widerstand regt sich seit Bekanntwerden der Pläne vor fast einem Jahr; bislang haben Demonstrationen und Bürgerbegehren jedoch nichts ausgetragen, und die Stadtoberen zeigen bemerkenswerte Beharrlichkeit.

Mit Unterstützung von "EinProzent" haben die "Bürger für Erfurt" nun am 4. März in einer Blitzaktion neben dem Gelände der geplanten Moschee ein Holzkreuz von zehn Metern Höhe errichtet – genauso hoch, wie das (Zier-)Minarett des fertigen Baus werden soll. Die Raumergreifung mit widerständiger Symbolik hatte durchschlagenden Erfolg: Nachdem es schnell zu nächtlichen Angriffen auf das Kreuz kam, errichteten Marbacher kurzerhand noch ein zweites Kreuz. Inzwischen treiben die protestierenden Bürger zu Recht bereits Kirchenvertreter und die Ortsteilbürgermeisterin vor sich her.

Auch auf der »Gewalt«-Akademie des Instituts für Staatspolitik im vergangenen Monat war Widerstand natürlich ein großes Thema. Anschließend an den einleitenden Vortrag Dr. Marc Jongens trafen auf der Bühne Martin Sellner sowie die beiden sachsen-anhaltinischen AfD-Landtagsabgeordneten Dr. Hans-Thomas Tillschneider und Jan Wenzel Schmidt zusammen, um über ihre jeweilige politische Arbeit und insbesondere die damit leider zwangsläufig verbundene linke Gewalt zu diskutieren: Wie können Reaktionen, wie kann Widerstand aussehen? Und ist eine wirksame Aktion wie die sehr erfolgreiche Wahlbeobachtungskampagne durch "EinProzent" im vergangenen Jahr schon ein erster Schritt zum Gegenangriff?


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (6)

Paracelsus
30. November -0001 00:00

Was kann man tun?

Für eine Analyse der Machtkonstellation sehr erhellend ist der Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld:

https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack

und

https://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

Es ist dabei nicht entscheidend, dass er bei seiner Analyse selbst blinde Flecken aufweist (immer dann, wenn es gegen Rechts geht).

Aber seine Gedanken zum Thema "Denunziationsbegriffe", "Verklammerung" von kritischen Themen mit verfemten Themen zum Zwecke der Abwürgung von Denken und Diskussionen sind äusserst lehrreich!

Sven Jacobsen
30. November -0001 00:00

Ein ausdrücklicher Dank an Nils Wegner für die stets übersichtlich gehaltene Zusammenfassung wichtiger Ereignisse! Die Anzahl der Kommentare muss keineswegs Desinteresse bedeuten.

Harding
9. März 2017 00:09

Das ist merkwürdig. Habe "Der Waldgang" gerade vor ein paar Tagen nocheimal gelesen. Es ist schon bemerkenswerk, wie dieses Werk von Jünger in diese heutige Zeit passt.

Als "Waldgänger" kann man heute durch eine kleine Geste, eine Frage, ein Zeichen schon für viel Spektakel in der Øffentlichkeit sorgen. Soviel ist sicher!

Ein Walgänger verteidigt immer die Prinzipien der Freheit. Nicht aber die "Regeln" eines Staates.

Der Feinsinnige
9. März 2017 22:13

@Sven Jacobsens Dank schließe ich mich ausdrücklich an. Solche Hinweise sind gerade in unserer Zeit der Informationsüberflutung wichtig und geben wertvolle Anregungen. Der inhaltlich bestechende Vortrag von Parviz Amoghli aus der BdK wird mir unmittelbarer Anlaß sein, mir Ernst Jüngers Text und auch die Studie Amoghlis vorzunehmen. 

Spontan nachdenklich macht die Passage ab ca. Minute 15.00 des Videos, in dem Amoghli Äußerungen im Netz einerseits als wirkungslos und andererseits für den einzelnen gefährlich beschreibt. Beides ist sicher den meisten auch auf diesem Block Diskutierenden als Möglichkeit bewußt, aber man versucht, es zu verdrängen, so geht es jedenfalls mir. Aber wenn einem dies so direkt in diesem Rahmen gesagt wird, beeindruckt es doch. Zumindest hinter die Wirkungslosigkeit würde ich aber doch ein großes Fragezeichen setzen. Gerade die Möglichkeiten, die das Netz eröffnet hat, haben doch wesentlichen Anteil an dem Erstarken der Opposition und daran, daß immer mehr Menschen sich interessieren oder überzeugen lassen. Nicht zuletzt deswegen reagieren die Regierenden auf die Netzkommunikation ja auch so nervös mit Zensurversuchen etc.

Ein großer Gewinn ist, daß die Winterakademie in den letzten Wochen so ausführlich öffentlich dokumentiert wird, hier mit der Podiumsdiskussion. Diese Art von Dokumentation sollte zukünftig unbedingt fortgesetzt werden. Danke!

Findling
10. März 2017 13:06

Männer errichten ein Kreuz, wo es dringend gefragt wird. Dagegen hören wir Laute des Entsetzens von den flüchtigen Amtshirten. Während der Bischof von Augsburg in die Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn voraus ritt, reiten die meisten unserer Hirten heute auf einem Ziegenbock gegen die Eigenen.

Sehen wir mal nach, wie sich unsere Zeitchristen an so banalen Ereignissen abarbeiten wie z.B. den Gebrauch der Fastenzeit: https://www.autofasten.de - Fasten nach Art der Umweltenzyklika „Laudato Mio“, Stichworte: CO2-Religion – Autofasten / Retour aux pieds - Umweltablass für Christen - Gesundheit, Backstube: Bistum Trier

Geistliche Hinweise:

  • Fasten ohne Hunger, Gewissensentlastung ohne Beichte Schulterschluss mit den politischen „Hexen“ (hier Zitat Hendricks)
  • Statt der ressourcenverbrauchenden Erstkommunion besser Spiele mit Flüchtlingskindern als wahre Communio
  • Sozialpunkte durch Busfahren mit Flüchtlingen
  • Per pedes apostolorum CO2 reduzieren Medikamentenfrei Cholesterin senken

„Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt“, sagt die Initiative. Aber bisher verpufften alle neuen Fantasien ohne wirklich in Mode zu kommen wie z.B. das Hörfasten.

Geschäftlicher Hinweis: Ein besseres Gewissen durch Kauf von CO2-Zertifikaten, der neue Ablass unserer Umwelt-Tetzel? Mit der Idee kann die Kirche reich werden wie Al Gore! Mein Beichtvater sagt: CO2 ist Sünde! CO2 ist unsere personifizierte Schuld! CO2 schreit nach Buße! Enteignet euch! Und er verweist auf den neuen Beichtspiegel:

  • Beachtest du gewissenhaft das CO2-App auf deinem Smartphone?
  • Hast du konsumunkritisch im Kaufhaus statt im Fair-Weltladen eingekauft?
  • Hast noch keinen MUFL beherbergt?
  • Wähltest du je „die“ fremdenfeindliche Partei?
  • Stehst du dem Klimawandel ablehnend, dem Bevölkerungswandel aber bejahend gegenüber?
  • Nimmst du aus eigener Schuld nicht am Fastenbrechen teil?
  • Respektierst du die Scharia?

Weisheit eines Psychiaters (V. Frankl): Die Schulden sind gegangen, die Schulden sind geblieben. Klagten Depressive früher über sexuelle Schuld (Kaiserzeit), später über Geldschulden (Weimar), so jetzt über Carbonschulden. Wir sind schuld am Elend der Welt, wir und nur wir. Wir leiden an der „major depression“ aufgrund unserer Prediger. Schlimmer als ein falscher Arzt sind falsche Hirten! Im anbrechenden Decarbonzeitalter kommt Hungerfasten. Täglich. Dauerhaft. Ich glaub´, mich knutscht der Papst!

P.S.: Rechtlicher Hinweis der Aktion Autofasten: „Für Schäden geistiger oder seelischer Art, die durch die Nutzung oder Abnutzung der dargebotenen Anregung bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Nutzung der Nutzung unmittelbar, mittelbar oder postmittelbar verursacht werden, haftet die Aktion Autofasten nicht.“

Diese Christen haften für gar nichts, außer am Fliegenfänger des Fürsten dieser Welt. Wer solche Kirchen hat, der braucht keine Feinde mehr. Gedanken und Anregungen werden erbeten an: [email protected]

deutscheridentitärer
11. März 2017 14:14

Vielen Dank für das Hochladen der exzellenten Vorträge der Winterakademie und deren professioneller Video- und Audiqualtität.

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