4. April 2017

F. Roger Devlin im Gespräch

Nils Wegner / 12 Kommentare

Sex, Macht, Utopie von F. Roger Devlin (»Die Ursprünge der deutschen Selbstverbrennung«) wird beim Café Schnellroda vorgestellt. Wir sprachen zusätzlich mit dem Autor über seine Arbeit:

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Sezession: Dr. Devlin, Sie publizieren aus offensichtlichen Gründen der politischen Korrektheit und drohenden Gedankenpolizei unter Pseudonym. Haben Sie den Eindruck, daß mit Amtsantritt der Regierung Trump und sich erhebenden Stimmen Congressman Steve King (»We can't restore our civilization with somebody else’s babies«) Politik und akademischer Betrieb sich allmählich gegenüber solchen Standpunkten zu Geschlechter- und Familienfragen, wie Sie sie in Sex, Macht, Utopie vertreten, öffnen könnten?

Devlin: Politik ist der Kultur nachgelagert. Deshalb gehe ich nicht davon aus, daß ein Regierungswechsel oder irgendwelche Aussagen von Politikern nennenswerte Veränderungen im Verhalten der Menschen bewirken können. Es wird jedoch zunehmend schwieriger, die Einsamkeit, Unzufriedenheit und Frustration älterer Frauen unter den Teppich zu kehren, die den Ratschlägen der offiziellen Regierungspolitik gemäß gelebt haben. Ich denke, daß dieser Faktor letztlich eine Veränderung sogar auf politischer Ebene herbeiführen wird.

Sezession: Die sogenannte “sexuelle Revolution” wird meist mit der Behauptung verknüpft, daß sie die betroffene Generation von einer psychologischen Bürde oder einer Art Joch befreit hätte. Um das zu beweisen und auszuführen, greifen Verfechter der “Revolution” gerne auf Forscher wie Alfred Kinsey mit seinen Studien über Das sexuelle Verhalten der Frau bzw. des Mannes, die Thesen Sigmund Freuds oder sogar Wilhelm Reichs.

Hatten das tatsächliche geschichtliche Ereignis wirklich eine theoretische Grundlage, oder handelte es sich dabei eher um einen gesellschaftlichen Dammbruch hin zum unverblümten Ausleben urtümlicher Triebe?

Devlin: Ich bezweifle sehr stark, daß irgendwelche “Theoretiker” eine allzugroße Rolle dabei spielten, uns an die öffentliche Thematisierung intimster sexueller Angelegenheiten zu gewöhnen. Die sexuelle Revolution ging in Amerika erst so richtig los, als die Generation der Baby boomer, also der geburtenstarken Jahrgänge von Kriegsende bis etwa Mitter der 1960er Jahre, erwachsen wurde. Es verhielt sich mit ihr wie mit vielen anderen Revolutionen: Ein anfängliches Abschütteln von Zwängen führt im weiteren Verlauf nur zu einem neuen und noch größeren Bündel an Problemen, zusätzlich zu den ohnehin vorhandenen althergebrachten – und bewältigbaren – Problemen des Erwachsenwerdens.

Sezession: In bezug auf das Hauptthema Ihres Buchs – Feminismus und weibliches Verhalten insgesamt – scheint die Entwicklung derzeit in zwei Richtungen zu verlaufen. Einerseits realisieren mehr und mehr junge Frauen, daß die ihnen angepriesene, sogenannte “Freiheit” ihre Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit unglücklicher machen wird; siehe beispielsweise dieser Podcast dreier junger – mehr oder weniger – AltRight-Damen.

Auf der anderen Seite scheinen noch deutlich mehr junge Frauen die ausgedehnte (sexuelle) “Freiheit” so sehr zu genießen, daß sie beispielsweise die angebliche Rape culture an Universitäten mit flammenden Worten anklagen, nur um ihrerseits unverantwortliche Wagnisse einzugehen und etwa alleine durch Schwarzafrika oder Indien zu reisen (und dort nicht selten vergewaltigt und ermordet zu werden). Wie sehen Sie diese divergierenden Tendenzen, und wohin soll das führen – wenn überhaupt irgendwohin?

Devlin: Als Endergebnis von fünfzig Jahren der sexuellen “Aufklärung” finden wir heute Frauen vor, die weniger über Sex wissen, als es noch ihre Urgroßmütter taten. Viele von ihnen sind allen Ernstes völlig verblüfft, wenn sie feststellen, daß Männer keine besondere Neigung verspüren, promiskuitive Frauen zu heiraten.

Die Raserei der Feministinnen richtet sich ausnahmslos gegen sanftmütige weiße Männer. Sie wären wohl um Längen glücklicher damit, in den Harems irgendwelcher IS-Warlords drangsaliert zu werden. Vielleicht finden sich ähnliche unbewußte Neigungen auch bei jenen Dumpfbacken, die meinen, sich per Anhalter in der Dritten Welt herumtreiben zu müssen.

Sezession: In ihren zahlreichen Essays schöpfen Sie aus den Geisteswissenschaften ebensoviel Material wie – unter anderem – aus der Evolutionsbiologie, der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften. Gab es einen konkreten Anlaß oder eine Inspiration für diese ungewöhnlich breite Herangehensweise? Würden Sie Ihre eigene Arbeit als eine Form der Metapolitik bezeichnen?

Devlin: Eine spezielle Inspiration gab es nicht; ich bin schlicht an vielen Fachbereichen interessiert und gewinne aus jeder Lektüre neue Denkanstöße und Fragestellungen. Ich verfüge zwar über einen akademischen Hintergrund im Bereich der Philosophie, war aber schon immer unzufrieden mit der Beschränktheit eines Großteils der philosophischen Fakultäten – ganz zu schweigen von der unverhohlenen Ignoranz der meisten universitären Philosophen gegenüber Themen wie Wirtschaft, Biologie und Demographie.

Sezession: In Sex, Macht, Utopie zeichnen Sie ein Problem nach, das politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte hat, und attackieren dabei auch die moderne Popkultur sehr scharf. Gleichwohl endet das Buch mit einem Appell an den einzelnen Leser, seine Einstellung und sein Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern.

Handelt es sich um (meta-)politische oder kulturelle Schritte, die zu einer Lösung der problematischen Geschlechterbeziehungen – soweit möglich – zu ergreifen sind, oder ist das eine rein persönliche Angelegenheit auf individueller Ebene? Wie gelangt man zu einer »Reality Based Community«?

Devlin: Vergessen Sie bitte eines nicht: Ich bin Analytiker, kein Moralprediger. Trotzdem kann ich sagen, daß die einzig vernünftige Moral auf einem gründlichen Verständnis der Natur des Menschen und seiner langfristigen Interessen basiert. Ich denke, daß einige wenige Menschen in der Lage sind, diese Zusammenhänge rational zu erfassen. Die meisten werden allerdings erst zu dieser Erkenntnis gelangen, wenn sich eine Katastrophe vor ihren Augen entfaltet. Wir müssen uns darüber also nicht den Kopf zerbrechen: Für solch eine Katastrophe werden unsere Gegner schon sorgen!

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F. Roger Devlin: Sex, Macht, Utopie, Schnellroda 2017. 304 S., 22 € – hier einsehen und bestellen!

Zur Vertiefung stehen diverse längere, englischsprachige Features Devlins auf Plattformen der amerikanischen AltRight zur Verfügung, unter anderem bei Red Ice:


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (12)

Caroline Sommerfeld
4. April 2017 19:03

Den Devlin hab ich neulich in der U-Bahn angefangen zu lesen, und mußte so lachen, daß sich zwei Typen nach dem Titel erkundigten, ich las ihnen den Satz vor "Ich bin kein Frauenfeind, sondern ein Menschenfeind mit besonderem Augenmerk auf Frauen", worauf sich einer den Titel abfotografierte mit seinem Smartphone und mir noch vergnügliche Lektüre wünschte. Wahrscheinlich spinn' ich wirklich ...

Monika L.
4. April 2017 20:06

Devlin: 

"Es wird jedoch zunehmend schwieriger, die Einsamkeit, Unzufriedenheit und Frustration älterer Frauen unter den Teppich zu kehren, die den Ratschlägen der offiziellen Regierungspolitik gemäß gelebt haben. Ich denke, daß dieser Faktor letztlich eine Veränderung sogar auf politischer Ebene herbeiführen wird."

Da beschleicht mich doch ein ungeheurer Verdacht: Unzufriedene, einsame, frustierte ältere Frauen machen doch heute Politik. Welche Veränderung auf der politischen Ebene sollten die denn herbeiführen ? Dieser Typ Frau ist der größte Feind junger Geschlechtsgenossinnen ! Aus dieser Richtung kommt nichts ! Ich wage sogar zu behaupten, dass genau diese ' bösen'  Frauen für die jungen, von den neuen Männern in diesem Lande zunehmend belästigten und gequälten Frauen keinerlei Empathie hegen !  ( Stichwort: 'Armlänge') Aus Frust und Rachegedanken.

"Die Raserei der Feministinnen richtet sich gegen den sanftmütigen weißen Mann". Dazu habe ich spontan meinen " weißen sanftmütigen Mann" befragt. Warum das wohl so sei ? Er meinte nur:" Die Feministinnen geben den Männern die Schuld dafür, dass sie so geworden sind, wie sie sie haben wollten !" Manchmal bringen es Männer mit einem Satz auf den Punkt.

Utz
4. April 2017 20:49

Einspruch zu dem Satz

"Die Feministinnen geben den Männern die Schuld dafür, dass sie so geworden sind, wie sie sie haben wollten !"

Es gibt sehr, sehr viele Frauen, auch Feministinnen, die die Männer genau so haben wollen, wie sie sind, und die beim Anblick der ach so männlichen Invasoren regelrecht angewidert sind.

Solution
4. April 2017 21:45

Devlins Buch ist eines der besten, das Antaios je herausgebracht hat. 

Caroline Sommerfeld
4. April 2017 23:20

@Monika L.:

Nee, das haben Sie mißverstanden. Die älteren frustrierten Frauen würden doch nicht rebellieren, dazu sind sie außerstande, sie können nur fordern und narzißtisch verlangen, daß sie jetzt "endlich kriegen, was ihnen zusteht". Kriegen aber nix! Devlins Satz, daß "dieser Faktor letztlich eine Veränderung sogar auf politischer Ebene herbeiführen wird", bedeutet m.E. nicht, daß die Veränderung von derselben Klientel erkannt und herbeigeführt wird, sondern, daß andere massiv genervt sind (jüngere Frauen, die heiraten wollen aber noch rechtzeitig erkennen, daß es auf die feministische Tour zumindest in diesem Leben nichts wird) oder daß aus demographischen Gründen die derzeitigen Geschlechterverhältnisse zusammenbrechen (Zeugungsstreik + Geburtenrückgang + Invasion des arabisch-afrikanischen "youth bulge" = Änderung der offiziellen Regierungspolitik deswegen).

Caroline Sommerfeld
4. April 2017 23:21

Übrigens finde ich das Buch ganz hervorragend übersetzt! Dank - auch für akribische kluge Fußnoten - an Nils Wegner!

Monika L.
5. April 2017 00:30

@Caroline Sommerfeld

Danke für die Erklärungen. Ich habe Probleme, die amerikanischen Rechten "einzuordnen" . Kommt die Kritik am Feminismus aus der Empirie, aus der Biologie, der Philosophie, der Theologie ? Dass  da mal was Neues kommen sollte, ist schon klar. Ist es nur ein Anti oder etwas Neues ? Schwappt das nach Europa über. Ergeht es Devlin hier wie Christa Mewes ? Eine " umstrittene " Autorin, die das Denken jedes " Demokratem" ( !) beleidigt ? Siehe dort:

https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/geteiltes-echo-fuer-christa-meves-21179-art894569.html

Warum eigentlich ist die Gendertheorie nicht umstritten und beleidigt das demokratische Denken? Auch hier müssten mal die Voraussetzungen geklärt werden. Der Jungmännerüberschuss aus archaischen Gesellschaften müsste den Feminismus  ja gehörig ins Schwanken bringen. (Siehe Machetenvergewaltigung in Bonn, wo der Mann hilflos zuschaut, wie diemFreundin vergewaltigt wird.)

Leser
5. April 2017 01:13

Als sanfter alter Mann, mit einer lieben Frau und etlichen Kindern und Enkeln gesegnet, freue ich mich auf die Lektüre. An Feminismus und ähnliches erinnere ich mich aus frühen DDR-Zeiten nicht. Mit 20/21 kamen völlig normal die ersten Kinder, das Studium ging erfolgreich über die Bühne und gleiche Rechte von Mann und Frau, Unterstützung junger Familien mit Kindern pipapo waren kein Thema. (Die insgesamt beschissenen Lebensverhältnisse mal ausgeblendet.)

Felix Treumund
5. April 2017 10:59

Emanzipation westlicher Prägung ist und war schon immer ein Mittel zum Zugriff auf Macht gebildeter und karrierebewußter Frauen. Der gute Rest ist eine riesengroße Verlogenheit. Wer putzt denn die Toiletten der promi maskulinen Emanzen? Das erledigt noch nicht einmal der in dieser gnadenlosen Hierarchie ganz untenstehende „sanfte“ Hausmann, wahrscheinlicher doch eher korrekt angemeldete PutzhilfInnen aus der dritten Welt. Die DDR war hier (bei aller Unzulänglichkeit) doch einen Schritt weiter.

Gustav
5. April 2017 13:04

Als Endergebnis von fünfzig Jahren der sexuellen “Aufklärung” finden wir heute Frauen vor, die weniger über Sex wissen, als es noch ihre Urgroßmütter taten.

«[Der] Feminismus [hat] eine ganze Kategorie dummer junger Frauen zu noch dümmeren Frauen ausgebildet. Das ist doch einer der zentralen Ausbildungs­punkte dieses ganzen soziologisch-philosophisch-idiotischen Geisteswissenschaften­komplex, den Leuten die Realität ab­zu­konditionieren, um Ideologie-Soldaten zu schaffen. Das war doch das linke Prinzip des Feminismus. Dumme Leute zu ködern und sie noch dümmer zu machen, damit sie Ideologie fressen.»

«Das ist ja nun wirklich das Allerschlimmste, was man einer Feministin antun kann, nämlich sie für eigen­verantwortlich zu erklären. Denn Feministinnen machen zwar immer auf emanzipiert, empowered, selbständig, auf niemanden angewiesen, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie wollen für gar nichts selbst verantwortlich sein und für alles, wirklich alles, immer den nächstgreifbaren Mann verantwortlich machen. Niemand sonst ist so auf die Anwesenheit verantwortlicher Männer angewiesen wie emanzipierte Feministinnen.» - Hadmut Danisch

Gustav Grambauer
5. April 2017 19:07

Felix Treumund

"Emanzipation westlicher Prägung ist und war schon immer ein Mittel zum Zugriff auf Macht gebildeter und karrierebewußter Frauen."

... und auf das brachliegende Potential für die Veranlagung zur ESt. Früher hieß es einmal: cherchez la femme, heute heißt es: cherchez la Ministère des Finances. Aus Russos Gesprächen mit Rockefeller, leider nur auf Englisch:

https://www.youtube.com/watch?v=YGpJJTCz40s

Einer der Schlüssel zum Verständnis des Feminismus, in der DDR einfach nur nicht von der Realwirtschaft aus auf die das monetaro-bolschewistische System hochdekliniert!

- G. G.

Biggeo
10. April 2017 01:18

Ich lese es gerade und immer wieder muss ich nicht nur schmunzeln, sondern auch meinen weißen, so lieben Männern im Hause daraus vorlesen. Dabei war ich  doch immer diejenige, die so vehement für Frauenrechte eintrat, nicht zuletzt unter dem Einfluss, des Buches "Das rosa rote Mädchenbuch " von Hedy Wiss, welches ich an Frau Kositza weitergegeben habe. Ja, das waren doch Zeiten, als ich der Ansicht war, "Frauen an Die Macht" und die Weltprobleme lösen sich bestens. Nun fast 35 Jahre weiter, denke ich "Oh weh, Frauen an der Macht und es wird nur schlimmer!" Sicherlich kann ich nicht alles gut finden, was der Devlin da so schreibt, aber aufgrund meiner jetzigen Erfahrungen, muss ich ihm doch in vielem auch beipflichten. Wäre eine Frau C. Roth in der Lage überhaupt ein Buch und gar noch ein solches zu lesen, die Anzeige wegen Volksgruppenverhetzung  und Diskriminierung wäre dem Autor  sicher . Aber gerade die heutigen politisch aktiven Frauen hier in Deutschland, sind für mich der Inbegriff der  gescheiterten Utopie des Feminismus und der sexuellen Revolution. Ich jedenfalls genieße dieses  Buch teilweise sehr amüsiert  und auch sehr interessiert hinsichtlich der Ausführungen, was Frauen wollen und dann doch nicht.

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