Mem-Magie in Aktion

Was in den »dunklen Höhlen des Internets« (G.W. Bush) vor sich geht, scheint dem äußeren Beobachter oft erstmal sinn- und ziellos – es findet sich aber auch echtes Gold, so wie vor zehn Tagen:

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Nun ist das aller­dings eine Fra­ge des Maß­stabs: Natür­lich liegt bei den Nut­zern sol­cher Image­boards (ich wer­de mich hüten, hier “Bil­der­fo­ren” oder sons­ti­ge Pein­lich­kei­ten zu ver­wen­den) wie 4chan, sei­nes deut­schen Gegen­stücks Kraut­chan oder Red­dit in aller Regel kein meta­po­li­ti­scher Mas­ter­plan vor, wenn es auf zum Trol­ling geht.

Es ist auch nicht von der Hand zu wei­sen, daß ein Groß­teil die­ser Mil­lio­nen über die gan­ze Welt ver­streu­ter Nut­zer in keins­ter Wei­se rechts oder auch nur wirk­lich poli­tisch inter­es­siert ist; nicht umsonst nahm auch das kurz­zei­tig in den Medi­en gefei­er­te Hacker­schreck­ge­spenst “Anony­mous” maß­geb­lich dort sei­nen Anfang. Die 4chan-“Anons”, wie die ein­zel­nen Ein­hei­ten des meme­ti­schen Kol­lek­tivs – dazu mehr in Sezes­si­on 77 – hei­ßen, sind in der Regel vor allem auf Scha­den­freu­de und Pro­vo­ka­ti­on aus.

Das heißt aber nicht, daß man als geneig­ter Ver­äch­ter des media­len und poli­ti­schen Estab­lish­ments nicht über so man­che Akti­on die berühm­te »klamm­heim­li­che Freu­de« emp­fin­den dürf­te. Und von Kel­ler­kin­dern oder Nerds kann da nicht mehr die Rede sein, wo das Trol­ling den anony­men Raum des Inter­nets ver­läßt und sich vor aller Augen manifestiert!

Das jam­mer­vol­le Schick­sal der Kame­ra­in­stal­la­ti­on “He Will Not Divi­de Us” war schon mehr­mals The­ma (etwa hier und hier). Das ursprüng­lich auf die vol­len vier Jah­re der Prä­si­dent­schaft Donald Trumps ange­leg­te “Kunst­pro­jekt” wur­de nach nur knapp vier Wochen – d.h. vier Wochen inten­sivs­ten Trol­lings sei­tens pene­tran­ter Alt­Right-Akti­vis­ten und diver­ser “Anons”, die ein­fach Spaß am Cha­os hat­ten – schlu­ßend­lich abge­baut, nach­dem ein Unbe­kann­ter über Nacht Kame­ra und Mikro­fon mit pin­ker Far­be über­sprüht hatte.

Der nur ganz leicht psy­chisch labi­le Schau­spie­ler Shia LaBe­ouf wäre aber nicht er selbst, hät­te er sich nicht nicht zu die­sem Zeit­punkt bereits eine Aus­weich­lö­sung zurecht­ge­legt gehabt: Nach nur weni­gen Stun­den ohne Über­tra­gung zeig­te der Inter­net-Live­stream von “He Will Not Divi­de Us” plötz­lich eine schlich­te wei­ße Flag­ge mit dem Namen des “Pro­jekts” vor blau­em Him­mel, irgend­wo im Nirgendwo.

Eine net­te, wenn auch nicht son­der­lich krea­ti­ve Idee, um doch noch sei­nen Wil­len zu bekom­men, eines der viel­be­schrie­nen “Zei­chen” zu set­zen und sich gegen Troll-Dämo­nen abzu­schir­men. Aller­dings nur auf den ers­ten Blick. In Zei­ten des Inter­nets funk­tio­niert sowas näm­lich nicht mehr, und schnell trat /pol/ auf den Plan, um es zu beweisen.

Nur kurz zur Erklä­rung: /pol/ ist das 4chan-Unter­fo­rum für Poli­tik, das schon immer ein wah­res Gestrüpp aus extrem kon­tro­ver­sen Bil­dern und Mei­nun­gen war; die mas­si­ve Nut­zung von Pepe dem Frosch in rech­ten Zusam­men­hän­gen etwa stammt maß­geb­lich von dort. An LaBe­ouf und sei­ner “Kunst” hat­ten die “Anons” von /pol/ sofort einen Nar­ren gefres­sen, weil die hilf­lo­se Aggres­si­vi­tät des Pro­mi­nen­ten gegen­über ihren Stör­ak­tio­nen sie zu immer wei­te­ren Angrif­fen anspornte.

Als die neue, gehei­me Instal­la­ti­on von “He Will Not Divi­de Us” ans Netz ging, wur­de das sofort zum gro­ßen The­ma. Als ein Nut­zer auf die Kon­dens­strei­fen von Flug­zeu­gen am Him­mels­hin­ter­grund auf­merk­sam wur­de, schal­te­te die Com­mu­ni­ty auf vol­len Autis­mus­mo­dus um – eine selbst­iro­ni­sche Bezeich­nung für die inten­si­ve Beschäf­ti­gung mit (nur schein­bar!) sinn­lo­sen Dingen.

Die fol­gen­den Din­ge ereig­ne­ten sich in einem Zeit­raum von gera­de ein­mal 24 Stunden:

Hun­der­te /pol/-Nut­zer wer­te­ten online ein­seh­ba­re Echt­zeit­flug­plä­ne aus und ver­gli­chen sie mit den Kon­dens­strei­fen im Video-Live­stream. Sie nah­men die nächt­li­chen Flag­gen­auf­nah­men unter die Lupe und mus­ter­ten Stern­kar­ten auf Über­ein­stim­mun­gen durch; auch die bekann­ten Flug­rou­ten zwi­schen­zeit­lich sicht­ba­rer Zug­vö­gel flos­sen in die Berech­nun­gen ein. Schnell war das in Fra­ge kom­men­de Gebiet stark ein­ge­grenzt, und schließ­lich kam der Durch­bruch, als auf einem Goog­le-Satel­li­ten­bild mit­ten in der Bota­nik ganz schwach der Schat­ten eines Fah­nen­masts zu erken­nen war.

Zeit, aus dem vir­tu­el­len Raum her­aus­zu­tre­ten: Sofort tra­ten orts­na­he “Anons” in Akti­on, bemann­ten ihre Wagen und began­nen, die frag­li­che Gegend sys­te­ma­tisch abzu­fah­ren. Dabei waren sie via Smart­pho­ne, Twit­ter und Instant Mes­sen­ger unun­ter­bro­chen in Echt­zeit mit der “Gemein­de” ver­bun­den; da das Mikro­phon der “Kunst­in­stal­la­ti­on” noch immer ein­ge­schal­tet war, benutz­ten sie die Hupen ihrer Autos zur akus­ti­schen Tri­an­gu­la­ti­on. Inner­halb einer knap­pen Stun­de war die Flag­ge geor­tet, und /pol/ schritt zum Coup de grâce – in der Nacht enter­te ein Roll­kom­man­do das Gelän­de, kas­sier­te die wei­ße Fah­ne ein und hiß­te statt­des­sen ein Pepe-Shirt mit auf­ge­setz­ter “MAGA”-Mütze.

Wohl eine der bis­lang schöns­ten Geschich­ten des Inter­nets! Die Akti­on war voll­zo­gen, das Mem gesetzt, und spä­tes­tens jetzt dürf­te sich Shia LaBe­ouf nie wie­der von sei­ner fort­ge­setz­ten Schmach erho­len. /pol/ ist ange­sichts der zau­ber­haf­ten Geschich­te bereits jetzt bes­ter Lau­ne und ver­kün­de­te bereits, selbst wenn die nächs­te Flag­ge auf dem Mond pos­tiert wür­de, wer­de man sie inner­halb weni­ger Wochen aus­fin­dig gemacht haben und im Anschluß via Crowd­fun­ding einen Raum­flug auf die Bei­ne stel­len, um sie zu steh­len. LaBe­ouf und sein #HWNDU – unter die­sem Hash­tag fin­det sich aller Wahn­sinn rund um das Pro­jekt ver­sam­melt – wur­den “BTFO” (blown the fuck out), wie es unter “Anons” so schön heißt.

Nun kann man natür­lich mit einem Augen­rol­len dar­über lamen­tie­ren, wie so vie­le jun­ge Leu­te ihre Zeit mit einer der­ar­ti­gen Clow­ne­rei ver­trö­deln konn­ten (sie­he auch die “Ent­füh­rung” einer Femi­nis­mus-Iko­ne). Dabei soll­te man jedoch nicht ver­ges­sen, wel­chen Sym­bol­ge­halt die Akti­on hat­te – und nur dar­um geht es im flu­iden Netz mit sei­ner “meme­ti­schen Kampf­füh­rung”. Mike Enoch von TheRightStuff.biz hat das auf einen schö­nen Ter­mi­nus der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­gue­ril­la gebracht: Cul­tu­re jamming.

Das ist im Grun­de nichts ande­res, als was die kon­ser­va­tiv-sub­ver­si­ve Akti­on leis­ten woll­te und des­sen sich die IB mitt­ler­wei­le gele­gent­lich beflei­ßigt. Neben der Erzeu­gung star­ker Bil­der gibt es eine ganz kla­re Bot­schaft an die Inha­ber einer wan­ken­den Dis­kur­s­ho­heit: “Die Zei­ten eurer unge­stör­ten Selbst­be­weih­räu­che­rung sind end­gül­tig vor­bei. Ihr könnt nichts mehr tun, ohne daß wir es ange­hen, in Beschlag neh­men und zu unse­rem eige­nen Erfolg machen. Sor­ry, not sor­ry.”

Die­se Stra­te­gie einer kom­bi­nier­ten Raum‑, Wort- und vor allen Din­gen Bil­der­grei­fung schlägt durch wie ein Wolf­ram­kern; bis­lang hat­ten die Kame­ra­den von der ande­ren Feld­post­num­mer dem außer Geschrei und Gewalt nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Und nicht ein­mal die CIA mit ihrem gigan­ti­schen Bud­get schaff­te es, die­se Mecha­nis­men auch nur zu durch­schau­en, geschwei­ge denn aus­zu­nut­zen – obwohl sie sich sehr bemüht hat, wie die “Vault7″-Ver­öf­fent­li­chun­gen von Wiki­Leaks gezeigt haben.

Es bleibt also unab­läs­sig span­nend um die wild­wüch­si­ge, anar­chi­sche Inter­net­sze­ne vol­ler “Anons” und Trol­le. Das alles ist enorm schwer zu über- und durch­bli­cken, aber allein schon für den Unter­hal­tungs­wert lohnt es sich, dran­zu­blei­ben – und viel­leicht die eine oder ande­re Inspi­ra­ti­on mit­zu­neh­men. Loh­nen­de Zie­le gibt es ja zuhauf. Shadi­lay, Brü­der und Schwestern!

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (13)

Dietrich Stahl

21. März 2017 13:05

Hut ab vor den Inkarnationen von Eulenspiegel, Kasper und Nasreddin. Den verbiesterten Gutmenschen den Spiegel vorzuhalten oder sie einfach nur auf die Palme zu jagen, ich finds wunderbar. Wenn man bedenkt, wofür in Deutschland so alles kreative Energie verschwendet wird. Beispiel: Fanaktionen in Stadien, da wird genäht und gebastelt … Und die deutschen Frauen kaufen derweil Pfefferspray.

Hartwig aus LG8

21. März 2017 13:49

Obwohl "zu alt" für all diese virtuellen und reellen Schnitzeljagden und genannten und ungenannten Boards begrüße ich ausdrücklich diese junge Ergänzung der SiN-Berichterstattung, für die z.B. Wegner und Wessel stehen (und stehe gegen den hier kürzlich geäußerten Unmut über die nicht-mehr-Erkennbarkeit der "Sezession").

Beim geschilderten Fall scheint sportlicher Ehrgeiz die Hauptantriebskraft gewesen zu sein; im Ernstfall nicht ausreichend, aber viel besser als rumsitzen. Mobilisierend.

Wahrscheinlich braucht es ein so bereitetes Umfeld für offensichtlich nötige, skurril-charismatische Figuren, denen Peinlichkeiten und moralische Kosten (Poensgen) am Allerwertesten vorbeigehen. Ich meine nicht Pepe. Ich denke eher an Boris Johnson und an Donald Trump. Und ganz wage an Höcke.

fischer

21. März 2017 17:50

Merkwürdig, dass in der Aufzählung der deutsche imageboards ausgerechnet pr0gramm.com fehlt, wo sich dort doch aktuell - gerade was "meme magic" angeht - deutlich mehr abspielt als bspw. bei krautchan, das schon ein wenig Patina angesetzt hat.

Wegner:

"Merkwürdig" ist an dieser "Aufzählung" (eines einzigen deutschen Imageboards) nicht allzuviel. Wäre es nicht als deutschsprachiges Abbild von 4chan von gewissem Interesse, hätte ich nicht einmal Krautchan erwähnt. Eine internationale Zusammenarbeit ist deutlich sinnvoller und ertragreicher als die Beschränkung auf eine einzelne Region. Davon mal ganz abgesehen, schien mir pr0gramm "zu meiner Zeit", d.h. vor knapp eineinhalb Jahren, noch eine geschlossene Community zu sein, in die man nur auf Einladung hineinkam – also neben einer gigantischen Menge von NSFW-Inhalten ohnehin nichts, was man sich als bloßer Interessent ansehen könnte.

fischer

21. März 2017 19:08

Tonnen an NSFW-Inhalten gibt es freilich auf jedem imageboard. Ein Mindestmaß an Orientierungskompetenz im #neuland muss man schon mitbringen. Unter beliebten tags wie z.B. "deus vult" findet man dann aber recht schnell das, was einen als alt-right'ler interessiert.

An ein invite für pr0gramm kommt man wegen der Größe der community m.E. recht leicht - in der Regel kennt man jemanden, der jemanden kennt.

Wegner:

Oh, kein Zweifel, eine flächendeckende Netzkompetenz wäre wirklich nicht verkehrt. Ist aber noch ein ganzes Stück bis dahin.

Abdiel

21. März 2017 19:24

Sehr schön, das eröffnet neue Welten. Und schön beschrieben.

Die Aktion  mit der Flagge war genial, alles andere als Zeitverschwendung oder Autismus.Im Gegenteil, kreative Hochleistung. Darauf muß man erst mal kommen. Außerdem ist die Zähigkeit, mit der unterschiedliche Mittel eingesetzt wurden, um ein Ziel zu erreichen, bemerkenswert. Sämtliche Hüte ab ...!

Einziger Einwand: Die Identitären befleißigen sich mehr als nur "gelegentlich" - das möchte ich als ihr passionierter Fan doch anerkannt wissen.

Solution

21. März 2017 20:40

Tolle Aktion, toller Artikel. Hier weht ein frischer Wind. Das Internet kann eine wunderbare Waffe sein, die man mit der realen Welt bestens kombinieren kann. Mehr davon!

Schneekette

22. März 2017 00:10

@Hartwig aus LG8

Warum? Warum sind Sie für irgendetwas zu alt? Ich höre so etwas hier ja immer wieder, aber warum? Also ich würde ehrlich gesagt - ohne jetzt gleich von "Rollatorbombern" zu reden - von den Älteren geradezu erwarten, dass gerade sie sich in das Feuer stellen. Wenn man sich überlegt, welche Trolling-Qualitäten da brach liegen... Ein motivierter Rentner ist der beste Vietcong! 

Hartwig aus LG8

22. März 2017 08:22

@ Schneekette

Ich bin nicht alt und auch kein Rentner. Mein "zu alt" bezog sich ganz speziell auf die von Wegner geschilderte virtuelle Flaggenjagd und das endlose Herumtreiben in Internetboards. Das ist etwas für junge Leute, die zu Hause keine Schar Kinder haben, die einer führenden Hand bedürfen, dies aber regelmäßig in Abrede stellen.

Ansonsten, verehte @Schneekette, versichere ich Ihnen, dass ich die meisten, auch viele Jüngere, noch in den Sack stecke.

Monika L.

22. März 2017 10:14

Ich liebe Dada, culture jamming, Trolling .... - alt fühle ich mich nur im Hinblick auf die technische Umsetzbarkeit - Frage: Wie können die Alten die Jungen unterstützen, ohne p e i n l i c h zu sein ? Wie Geld und Erfahrungsschatz am besten einbringen ? Shadilay, Ihr alten Säcke:

https://m.youtube.com/watch?v=3Nv3yiYGheQ

Kann man so etwas mit teiggesichtigen äh, gesichtslosen deutschen Bischöfen machen ?

RMH

22. März 2017 12:30

Auch unabhängig der ganzen I-Net Kultur haben schlichte, passende Formeln enorme Wirkkraft bzw. können eine solche erzielen. Es ist ohnehin oft die Frage, was ist eher da, die entsprechende "Stimmung" oder die entsprechenden Aktionen, Kampagnen etc., die eine solche Stimmung erzeugen oder verbreiten oder verstärken. Das schlichte "Merkel muss weg" ist - von rechter Seite und auch von Pegida etc. maßgeblich vorangebracht - mittlerweile mehrheitsfähig, nur leider profitiert nun Herr Schulz davon, dessen spin docters und Kampagnenmacher ja ziemlich dreist aus den USA abkupfern, bspw. auch der "Schulz-Zug" als Game etc.

Fazit: Merkel ist weg, da muss von rechter Seite nicht mehr viel gemacht werden, dass erledigt sich von alleine, jetzt gilt es eher: Stoppt Schulz (in Anlehnung an die sehr erfolgreiche Stoppt Strauß Kampagne). Gegen Schulz muss kreativ getrollt etc. werden - denn dieser "ruft doch bitte mal Martin"-Mann macht alles für Macht.

Tweed

22. März 2017 14:44

Bringen wir's auf den Punkt: Die Moderne, die Philosophie und also die neuzeitliche Philosophie lehrt uns das Ende der Tatsachen: Es gibt keine absolute Wahrheit, die Wirklichkeit wird dekonstruiert, jede Wahrheit ist relativ, alles wird Tribunalisiert. Die Linke konstruiert daraus ihren Dogmatismus des absoluten Weltgewissens. Wer das Gewissen ist, braucht keines zu haben (Odo Marquard). Die Rechte sieht darin die Bestätigung ihres Nominalismus (Antiuniversalismus) und ihrer Skepsis, aufgrund der menschlichen Endlichkeit. Ihre Strategie kann daher nur heißen: Spielen wir mit den linken Narrativen und halten ihr den Spiegel vor, in dem sie dann als eine "Orgie von Fehlanzeigen" (O.M.) erscheinen. Setzen wir also den Fake-News unsere Fake-News höherer Ordnung entgegen. Oder wie es ein Freund von mir formulierte: "Bei mir läuft nur rt. Wenn schon Propaganda, dann von der richtigen Seite." Ich hörte kürzlich im Radio eine Sendung mit dem Titel "Eine Welt genügt nicht. Die Flucht in Fantasy-Welten." Man ersetze "eine Welt" in "One World"! Angesichts der One-World-Ideologie und dem Internet wird der Troll zum postmodernen Krieger. Der Mann im hohen Schloss oder: Viva la gente nuova!

Nils Wegner

22. März 2017 17:03

Der Spaß geht derweil übrigens nahtlos weiter, siehe hier...

jak

24. März 2017 12:03

Die Flucht nach UK hat für HWNDU offenbar auch nicht geholfen:

https://heatst.com/culture-wars/trolls-tear-down-he-will-not-divide-us-liverpool-flag-after-just-one-day/

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