Sezession
31. März 2017

Donovan und sein Gewalthymnus

Gastbeitrag / 22 Kommentare

Diesmal habe ich noch wesentlich länger gezögert, aber nach wie vor scheint mir eine Manöverkritik an Jack Donovans Rede berechtigt und geboten.

Denn diese Präsentation bestätigt scheinbar für eine ohnehin meist übelgesinnte Öffentlichkeit Negativklischees über das IfS respektive die konservativ-rechtsalternative Szene generell. Genauer: Sie erleichtert ungewollt ein absichtliches oder unbewußt feindliches Fehlverständnis, man sympathisiere mit testosterongesteuerten, durch Nietzsche-Parolen stimulierten Haudraufs.

Auch (völlig wertneutral) taktisch scheinen mir Gewaltbekenntnisse oder -euphorien angesichts der Kräfteverhältnisse im Lande und einer tendenziell linkspolitisierten Justiz verfehlt und höchstens tauglich zur kurzfristigen seelische Kompensation.

Nun ist Taktik bekanntlich nicht alles im Leben, und wer gänzlich darin aufgeht, verarmt charakterlich wie programmatisch. Aber riskante Provokationen, bei denen man sich, ohne zu klagen, den erwartbaren feindlichen Reaktionen aussetzt, begeht man besser im Bewußtsein einer durchweg richtigen eigenen Position. Das scheint mir hier jedoch nicht gegeben. Denn „Violence“ – wie Donovans Ausgangsthese lautet – ist nicht „golden“, sondern vielfach hundsgemein und verdient keine Apologie schlechthin.

Auch die Antifa übt sie täglich aus und könnte sich eigentlich in solchen vermeintlichen Lizenzen geradezu suhlen. Desgleichen jeder Hooligan oder Zuhälter, der sein Rauschgift- und Eros-Revier erweitert, jeder gewalttätige Immigrant eines umgekippten Stadtviertels, der seine Dominanz über Biodeutsche auslebt.

Spätestens jetzt mag man einwenden, ich hätte den Kern von Donovans Botschaft nicht erfaßt. Aber das stimmt nicht. Sein Auftritt im Rahmen der Tagung war eine wichtige Wortmeldung, nicht zuletzt weil sie auf dem einen Pol dazu beitrug, die ganze Spannbreite des Themas abzudecken, und damit ihre Funktion erfüllte, in einem fruchtbaren Gespräch den eigenen Standpunkt zu finden.

Denn nichts ist steriler als jene Art neudeutsch-korrekter „Diskussion“, bei der in einem vordefinierten Rahmen wohltemperierten Verschweigens wichtigtuerisch lediglich Fußnoten-Gegensätze zum Austrag kommen. Aber unerläßlich und wohlkalkuliert war ebenso, daß auch Martin Sellner sozusagen als Antipode zu Wort kam mit seiner gewiß aussichtsreicheren Strategie aktivistischer Gewaltlosigkeit.

Donovans Text in der Sezession 76 / Februar 2017 enthält übrigens eine durchaus stringente Beweisführung, die sich jederzeit nachvollziehen läßt. Verdeutlicht er doch – was unsere Sentimentalinskis so gerne vergessen oder vergessen machen wollen –, daß Gewalt immer herrscht und wir sie nur allzu gern verbal verstecken. Er mißbilligt zurecht das öffentliche Geschwätz darüber und die jeweiligen interessengelenkten Umdefinierungen.

Er verweist auf die Notwendigkeit, sich dieser Einsicht zu stellen und, statt hündisch zu jammern, sich auch körperlich wieder in Form zu bringen – ein Aufruf, den man heute jedem Jungen und leider auch Mädchen ins Erziehungsstammbuch schreiben sollte. Denn richtig ist gewiß, daß man in diesem Sinne durch regelmäßiges Training zusätzlich Mut und Selbstbewußtsein gewinnt.

Insofern war diese Botschaft, zumal wenn sie mit Sellners pragmatischem Handlungsmodell kombiniert wird, eine wichtige Anregung. Aber genau dieses Abwägende gilt nicht für die Video-Einspielung. Denn hier liegt der Akzent, schon optisch gestützt, nicht mehr auf der berechtigten Kernaussage des Aufsatzes. Dafür kam sie als handlungsleitender Aufruf allzu triumphalistisch daher, und die spärlichen Einwände relativieren kaum. Stattdessen feierte hier jemand die Sonnenseite des Lebens im Hochgefühl, momentan kräftig und mächtig zu sein.

Ich zähle gewiß nicht zu jener Gutmensch-Spezies, die Schweineschnitzel bestellt und den Schlachter verachtet. Aber die Berufung auf barbarische Völkerwanderungs-Ideale gehört nicht zu meiner Welt. Vielmehr mußte von Jugend an (wie naiv rezipiert auch immer: von Karl May bis zu den Artus-Helden, von Robin Hood bis Michael Kohlhaas) in meiner Parteinahme für Kampf oder Krieg vor allem das Ethos stimmen. Das war für mich zentral als Rechtfertigung für Gewalt, und das ist es heute noch. Eine bloß triebgesteuerte Bande besaß nie meine Sympathie. Und wo die Überlegenheit einer Partei erdrückend war, wechselte ich häufig die Seite.

Da Kampfparität in gewaltsamen Auseinandersetzungen nun aber einen äußerst seltenen Glücks- und Ausnahmefall der Geschichte darstellt, belegt Gewalt in der Regel pure Dominanz der großen Zahl, worüber Gottfried Benn in „Weinhaus Wolf“ oder „Zum Thema Geschichte“ Wesentliches gesagt hat. Ein noch heute in meinem Gedächtnis abrufbares Foto des Jahres 1968 zeigt (neben hoffnungslos unterlegenen Protestierenden) russische Panzer in Prag, die bei mir damals fast Zornestränen hervorriefen. Denn mit ihnen zerschlugen sich nicht nur weltweite Hoffnungen auf einen tschechischen Polit-„Frühling“. Auch für mich selbst verflogen letzte Jugend-Illusionen und lehrten mich, auf welch brutale Weise in der Regel Konflikte zwischen Geist und Macht ausgetragen werden.

Des Weiteren erinnere ich mich an Fernsehbilder im Irak-Krieg, als die westliche Allianz Saddam Husseins technologisch weit unterlegene Armee über Wochen zusammenbombte und die völlig Demoralisierten anschließend (bei geringsten eigenen Verlusten) den „heroischen“ Attacken von US-Kampftruppen ausgesetzt waren – eine einzige Schlächterei. Wenn mir damals jemand einen Satz wie „Violence is golden“ zugemutet hätte, hätte ich ihn vielleicht rausgeworfen oder wäre selbst gegangen. Ich fand Violence nämlich zum Kotzen, obwohl die amerikanische Armee genau das exerzierte, was die von Donovan verteidigte „Herrenmensch“-Gesinnung zumindest auch ist.

Nein, Violence ist nicht „golden“. Sie ist zuweilen notwendig, um Ordnung zu bewahren und schon im Vorfeld zu signalisieren, daß Rechtsbrecher nicht konsequenzlos tun können, was sie wollen. Sie ist richtig als Selbstbehauptung und Schutz. Wir dürfen sie nicht scheuen, um nicht von ihr verschlungen zu werden. Aber „golden“ sind in meinen Augen andere Tugenden wie Tapferkeit, Unangepaßtheit, Wehr- und Standhaftigkeit, auch Opferbereitschaft. Alles muß Ethos-besetzt sein. Und auf diesen Hinweis sollten wir größten Wert legen.

„Herrenmoral“ zeigten der adelsbewußte Sadist „Bauernjörg“ oder Vlad der „Pfähler“, die Gastmähler abhielten und sich dabei delektierten, wie andere den Foltertod starben. Primitive Gewalt besiegelte auch den Sieg über Genies wie Archimedes oder Galilei. Gewalt herrscht konkret, wo ein linksradikaler Pöbel, ermuntert und finanziert durch administrative Hintermänner und -frauen, etwa dazu beiträgt, in fast ganz Berlin die Vermietung von Räumen für Vorträge politischer Gegner zu sperren.

Zu den logistischen Kernproblemen nicht zuletzt der AfD gehört es, ständig solchen „zivilgesellschaftlichen“ Erpressungen ausgesetzt zu sein. Denn der strukturellen Gewalt gegen ein anderes Gesellschaftskonzept bedient sich eine auf Alternativlosigkeit beharrende Herrschaftsclique seit Jahren besten Gewissens. Und wir sollten diese unhaltbare angemaßte Rechtsposition einer unsäglichen pseudodemokratischen Paradoxie nicht dadurch vernebeln, daß wir unspezifische Lustgefühle an Prügeleien äußern oder entsprechende Mißverständnisse fördern.

Insofern stimme ich Donovans Grunddiagnose zu, aber nicht seiner emotionalen Emphase. Eben dies unterscheidet seine optische Präsentation von Marc Jongens überzeugender Analyse, und dies gewiß nicht deshalb, weil ich mich, berufsdeformiert, eher an akademischen Sentenzen oder griechischen Vokabeln delektierte, die alles ein wenig wissenschaftlich gedämpfter erscheinen lassen. Mir geht es vielmehr um die Klarheit des Ziels, um Präzisierungen.

Und so manche Stellungnahme zu Donovan im Netz belegt, daß auch Lesern der Sezession an solcher Unterscheidung gelegen ist. Der Umstand, daß die Alternativlosen dieses Landes ohnehin auf Mißverstehen abonniert sind und für ihre Polemik keinen Anlaß brauchen, ist kein hinreichender Gegengrund, ihnen dieses traurige Handwerk auch noch zu erleichtern. Überdies geht es – und das ist das Wichtigste – um ideelle Profilierung im eigenen Lager.


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Kommentare (22)

Alemannischer Recke
31. März 2017 11:59

Ein genialer Text von Prof. Scholdt. Spricht mir aus der Seele!

Hartwig aus LG8
31. März 2017 12:15

Herr Scholdt, Sie haben so viele Wenn und Aber und Relativierungen im Text, dass man nichts Konkretes findet, dem man widersprechen könnte oder was zu ergänzen wäre.

Nur grundsätzlich (ich versuchte es schon im @Meyer-Strang anzudeuten): Wir sind Sand im Getriebe. Nicht weniger, aber keineswegs mehr. Wer das erkennt, der fragt nicht mehr nach dem goldenen Weg, sofern die Richtung stimmt. Wenn ich jetzt weiter schreibe, dann wird das nicht veröffentlicht.

Deshalb anders: Der indirekte Schlagabtausch zwischen den Kommentatoren @Raskolnikow und @G.Grambauer war höchstwertig, aber nicht nötig. Es gibt den groben Sand und den feinen Sand im Getriebe. Jeder stockt auf seine Art.

 

Tweed
31. März 2017 12:16

Sie haben in Vielem sicherlich recht. Aber bringen wir es doch mal auf den Punkt: Donovan sagt (in seiner etwas martialischen Art) nichts anderes als: "Ohne Gewalt keine Ordnung." Logisch präziser formuliert heißt das nichts anderes als: "Gewalt ist notwendige Voraussetzung für Ordnung." Das heißt aber nicht: "Gewalt ist hinreichend für Ordnung." Zur Ordnung bedarf es also mehr als nur Gewalt - aber: Wenn Gewaltandrohung nicht dazukommt, nützt dieses "Mehr" auch nichts und bleibt nur gutgemeinte Absichtserklärung und Wunschdenken. Das wäre eine Beschreibung der menschlichen Natur und widerspricht nicht Sellners taktischen Überlegungen.

muotis
31. März 2017 12:36

Sich mit Äußerungen oder Beiträgen zurückzuhalten, weil sie Wasser auf die Mühlen der Gegner sein könnten, ist ein Luxus. Leisten können wir ihn uns schon lange nicht mehr. Sie verweisen auf einige historische Beispiele, die Ihre Wahrnehmung "hundsgemeiner" Gewalt skizzieren. Sehr schön das alles. Aber es sind, wie Sie selbst erkennen, Stationen der Geschichte, in denen die Frontverläufe klar und vor allem fernab unserer Heimat verliefen. Selbst die deutsch-deutsche Zonengrenze war sehr viel weiter entfernt als die nunmehr schlagenden und steinewerfenden Mobs, die mittlerweile durch unsere Innenstädte ziehen. Die Kinder, die gerade in unserem Land aufwachsen, werden in ihrer Jugend mit einem sehr viel intensiveren, selbstverständlichen Maß an Alltagsgewalt umzugehen haben, der sich insbesondere gegen sie richten wird, weil sie Deutsche sind. Zusammenhalt - eben Bandenbildung - ist da überlebenswichtig und es dürfte nicht reichen, wenn dies allein auf theoretischer Ebene geschieht. Eines besonderen Ethos bedarf es dann nicht, das unversehrte Überstehen des Schulweges ist dann Ethos genug.

Donovan huldigt keineswegs der Gewalt, seine Bezugnahme auf den "Goldstandard" zeigt lediglich, daß er ihre Herrschaft akzeptiert. Wir aus dem rechten Lager täten gut daran, seiner Linie zu folgen. Denn die Parole nach Bildung von Banden und der körperlichen Betätigung ist nichts anderes als das Leben nach dem Motto "sie vis pacem, para bellum" und steht dem richtigen Ansatz Sellners in keiner Weise entgegen. Doch darf nicht verkannt werden, daß der Krieg, der für Jahrzehnte nun fern der Heimat tobte, gerade innerhalb unserer Mauern getragen wird. Und naturgemäß schert es ihn nicht, ob wir bereit für ihn sind oder nicht.   

Bernhard
31. März 2017 12:51

Passiert mir auch als Sezessionsleser selten: inhaltlich 100%-ige Zustimmung und stilistisch ein Genuss. Danke, Herr Scholdt!

RMH
31. März 2017 13:00

"Alles muß Ethos-besetzt sein."

Was soll damit bitte genau gemeint sein? Ein Vlad handelte ethisch, auch ein Heinrich Himmler definierte Ethik, als er bspw. in der Posener Rede die bekannten Sätze zu seinen Erwartungen an den SS-Mann formulierte.

Die Abhandlungen Machiavellis beschreiben einen Ethos und auch gerade Donovoan predigt einen Ethos mithin, dies alles ist Ethik - welche Ethik will denn der Verfasser des Artikels?

Mich stört an Donovan, dass er eigentlich zum großen Teil (lediglich von der p.c.tabuisierte) Banalitäten ausspricht und das es aus konservativer Sicht eben immer darum geht, Staatlichkeit und keine "Stämme" oder Gangs herzustellen und dazu gehört eben der Anspruch auf ein "Gewaltmonopol" des Staates. Das unser Staat sich auf linker Seite eine Antifa leistet, ist eine Aufgabe des Gewaltmonopols und ein Hinzuziehen von Hilfstruppen, mit denen eben das Gewaltmonopol aufgeweicht wird - den Preis für diese "Freiräume“ der "Nützlichen" bezahlen dann u.a. die Polizisten in Hamburg oder Berlin an der traditionellen jährlichen 1. Mai Bambule.

Was der eigentliche Skandal an Donovan aus meiner Sicht ist, ist der Fakt, dass solche Diskussionen in unserem Land nicht mehr frei geführt werden können und alleine, dass er über Gewalt redet und dies auch entsprechend plakativ tut und die Sezession auch noch ein Themenheft mit dem Titel "Gewalt" heraus bringt, wird doch schon wieder in der typisch unnachahmlichen, anmaßenden Art des politischen Kampfes der Linken nur dazu verwendet, um zu sagen, seht her, die Rechte spricht offen über Gewalt, sie bereitet Gewalt vor und jetzt, lieber Verfassungsschutz, beobachte, liebe "Zivilgesellschaft" grenze aus etc.

Sellners klare Botschaft geht in dieser Instrumentalisierung unter oder wird gar nur als Feigenblatt gewertet und wenn der letzte Rechte immer noch nicht im Knast ist, wird dann eben ein neuer NSU aus dem Zylinderhut des tiefen Staates gezaubert, wenn es opportun erscheint.

Das ist das Problem mit Donovan, nicht das was er sagt und das was er schreibt. Der Skandal ist nicht Donovan, der Skandal sind unsere herrschenden Klassen, Eliten und Intellektuellen, die für Denkverbote und für Nasenringe aller Art stehen.

Der Artikel hier und jetzt war aber wichtig und richtig, um klar zu zeigen, dass Donovan nur eine kleine Stimme im Chor ist, die maßgeblichen sind andere.

Caroline Sommerfeld
31. März 2017 14:05

Man könnte "violence is golden" eins zu eins übersetzen mit: "Gewalt ist die ultima ratio"! Meines Erachtens wollte Donovan zweierlei sagen: 1.) Alle Ordnung, alle Gesetzlichkeit, alle Hierarchie ist letztenendes nur damit zu begründen (merke: eben nicht durchzuführen!), daß die allerletzte Möglichkeit der Gebrauch von Gewalt ist. Sie ist die latente Drohung hinter jedem Aufrechterhalten von Autorität. Nur weil ich Gewalt ausüben  k ö n n t e, gelten die von mir aufgestellten und garantierten Regeln und Gesetze. Nichts anderes sagte übrigens auch Sellner, wenn er das Beispiel erwähnte, daß Eltern, die ständig ihren Kindern Ohrfeigen verpassen müssen, keine Autorität haben, Eltern die dies  k ö n n t e n, und ihren Kindern dies begreiflich machen, haben Autorität und keine Ohrfeigen nötig. Die "harte Währung der Gewalt" heißt Donovans Beitrag in der Druckausgabe - genau das ist der Punkt.

2.) Donovan ist aber natürlich kein an Begründungsdiskursen interessierter Ethiker. Auch kein Tiefenpsychologe, der die Gewalt "dahinter" entlarven will. Und da kommt der nietzscheanische Zug doch voll zur Geltung: als T y p, als Mann in seiner nackten physischen Erscheinung steht der Donovan für etwas. Er ist sozusagen "ein Bild von einem Mann" in beiderlei Wortsinne. Nehmen Sie ihn doch als leibhaftige Metapher, dann könnte fast ein literaturwissenschaftlicher Zugang gelingen, von der Art, wie Sie ihn in ihrem Buch an so vielen Beispielen herausstellen. Warum in "Literarische Musterung" anhand von fiktiven Gestalten so mutig, und wenn mal so eine Metapher die IfS-Bühne besteigt, so ein cucking?

Der Gehenkte
31. März 2017 14:47

Nun folge ich der SiN seit einigen Jahren, anfangs genießend, mittlerweile hin und wieder kommentierend.

Liegt es nun am Gewöhnungseffekt oder gibt es tatsächlich einen qualitativen Verlust zu bemerken? Mir scheint, daß seit ein paar Monaten immer wieder mal Stimmen zu Wort kommen, die besser geschwiegen oder doch noch ein wenig nachgedacht hätten, bevor sie sich hier verlautbaren, die unreif wirken. Und Donovans Beitrag gehört dazu. Was an ihm mitteilenswert ist, ist banal udn selbstverständlich und dort, wo er mit den Grenzen spielt, ist er entbehrlich - und leider auch gefährlich.

Herr Scholdt, mir scheint, Sie haben den Kern erfaßt und das Wesentliche dazu gesagt.

Richtig ist (@RMH), daß Donovan das sagen können muß! Die Frage bleibt: Muß das hier sein?

Klaus Scholz
31. März 2017 16:39

Ich schließe mich hier leider  sehr gerne dem Eindruck des "Gehenkten" an, &  habe dies mit meinen Kommentaren zu Herrn Wessels "Helden" auch bereits angedeutet, denke ich, & abschließend darf ich ein Lob für den Gastbeitrag von Herrn Scholdt anfügen.

Ein schönes Wochenende wünscht

Klaus Scholz

Urwinkel
31. März 2017 18:21

Donovan ist in erster Linie Zeichner, Tätowierer und damit selbständig (gewesen). Den Laden gab er auf, um sich seiner Nietzschelektüre und seinem kultischen Heidentum zu widmen. Seine Begründung dafür: Ich brauche mehr Zeit fürs Gewichte heben - jetzt vertreibt er Merchendisekrempel. Ob das längerfristig klappt? Wer weiß? Intellektuell ist er Gewaltprolls überlegen.

Ein gebürtiger Hesse
31. März 2017 18:55

Feine Kritik des Vortrags, und doch: die "ideelle Profilierung des eigenen Lagers", um die es natürlich immer wieder gehen muß (und es bei jeder IfS-Veranstaltung ja auch tut), sollte nun ihrerseits nicht abgegrenzt werden von Donovans Manpower-Apologie. Ansonsten sind wir schnell bei einer sturen Körper-Geist-Trennung. Das kann unserem Lager nun auch nicht bekommen.

Das Relikt
31. März 2017 19:43

Donovan ist, wie schon bemerkt, Zeichner  und Graphiker, also ein Künstler.  Die hohe Qualität und Kreativität seines graphischen Werks und seiner anderen Texte, die den meisten hiesiger Kritiker unbekannt sind, zeigen dass er eher ein Feingeist ist. 

Dass so viele Donovan wegen seiner Tätowierungen und Muskelmasse für eine Art odinistischen Frank Hanebuth halten, zeigt nur, dass auch unsere Szene vor Oberflächlichkeit und Kleingeisterei nicht gefeit ist.

Für diese Fraktion ein paar Erläuterungen: 

1. Jeder gesunde Mensch kann seine Muskeln mit Training hypertrophieren lassen. 

2. Eine Zunahme der Muskelmasse führt nicht zu einer Anbnahme der Gehirnmasse.

Wir lernen folglich: von der Muskelmasse eines Menschen lässt sich nicht auf seine  Intelligenz oder Tiefgang schließen. Man kann, gleich Mishima,  Bodybuilder und Poet sein. Sicher kein Zufall,  dass dieser auch von Donovan geschätzt wird.

ALD
31. März 2017 20:51

Sehr geehrter Herr Scholdt, herzlichen Dank für diesen großartigen Artikel!

D'Annunzio
31. März 2017 22:01

Danke für die treffende Analyse, die war mal bitter nötig.

Solution
31. März 2017 22:47

Mich überzeugt der Artikel von Herrn Professor in keinster Weise. Wer seinen Lebensabend in Ruhe verbringen will, soll natürlich das Recht dazu haben. Wie ist es aber damit, daß junge Leute mehr wollen, als akademisch über das Harmlose zu debattieren? Wo ist die Alternative? Schade, daß beim geringsten Luftzug die alte Garde der feinen Konservativen gleich in Deckung geht. 

Was Donovan propagiert, ist schlicht und einfach das, was sich aus dem Willen zum Leben und Überleben sinnvoller Weise ergibt, keinesfalls eine Propagierung von sinnloser Gewalt gegen den Staat oder Andersdenkende. Es ist so, wie Donovan es sagt: Bereitet Euch auf das Schlimmste in einer wahrscheinlich apokalytischen Zukunft vor!  Ein wenig konservatives Debattieren ist kein adäquates Futter für junge Wölfe, die etwas vom Kommenden spüren.

Heinrich Brück
1. April 2017 05:18

Wenn Opferbereitschaft "golden" ist, kommen auf Europa herrliche Zeiten zu. Die afrikanischen Länder haben eine demographische Prognose im Angebot, dagegen Donovan zu einer harmlosen Kindergärtnerin mutiert. Vlad Tepes hätte gegen die Osmanen auch ein paar Windräder betreiben lassen können, dann wäre sein Ruf zumindest umweltbewußter überliefert worden?

Gewalt ist vielleicht nicht golden, aber sie ist lebensnotwendig. Der Ethos fällt der demographischen Mathematik zum Opfer.

Die Wünsche der Linken sind Theater. Afrika Realität. Und europäische Wünsche können auch nobel sein, von Idealen erfüllt. Der Widersruch wird an der Landesgrenze aufgelöst.

Rabenfeder
1. April 2017 07:14

@ Hartwig aus LG8

Sie schreiben: „Der indirekte Schlagabtausch zwischen den Kommentatoren @Raskolnikow und @G.Grambauer war höchstwertig, aber nicht nötig. Es gibt den groben Sand und den feinen Sand im Getriebe. Jeder stockt auf seine Art.“

Ihre letzten beiden Sätze bringen es auf den Punkt. Angesichts der tiefsitzenden Energie- und Ich-Schwäche und Wohlstands-Feigheit der Deutschen dürfen wir fett und weich und feige und grau gewordenen Mann-Darsteller niemals vergessen, dass wir dringend auch des gröberen Sandes bedürfen! (Ich bitte alle diejenigen, die sich da nicht angesprochen fühlen, meine Unterstellung großmütig zu übergehen)

Insofern halte ich auch den Schlagabtausch zwischen R. Und G. auch abgesehen vom persönlichen Lustgewinn mitnichten für unnötig. Solche Auseinandersetzungen zeigen auf, wo unsere Probleme sind und - sehr deutsch - vermutlich schon „immer“ waren; denken wir einerseits nur an das Bild vom schlafmützigen Michel und andererseits an die gröberen Ausbrüche des erwachten Schläfers... allerdings war die Lage selten so ernst und so existentiell. Die meisten von uns halten sich wohl mehr oder weniger für Feinsand-Stöckchen-ins-Getriebe -Werfer und vermutlich sind viele auch nach Jahrzehnten der Verweichlichung und Gehirnwäsche und anti-männlichen Politik (zumindest im Westen) zu gar keinen echten Grobheiten mehr in der Lage.

Einen Furor Teutonicus muss wohl niemand im und vom vergreisten Deutschland befürchten, entsprechend braucht davor auch niemand nachdrücklich zu warnen, aber ein teutonisches Furörchen ist schlicht lebensnotwendig. Grober und feiner Sand im Getriebe – beides notwendig; auf das Maß kommt es an. (Die Weisheit hat einen langen Bart, also flugs einen Fünferl ins Laber-Schweinchen gesteckt).

Der Feinsinnige
1. April 2017 12:34

Danke für den wichtigen Artikel!

Ich gehörte zu denjenigen, die im Strang bei Nils Wegners Veröffentlichung des Vortrags vom 13.3.2017 bereits versuchten, ihr Unbehagen an Donovans Auftritt anzudeuten. Der obige Artikel bringt die meines Erachtens notwendige Kritik uneingeschränkt deutlich auf den Punkt.

@ Caroline Sommerfeld:

Man könnte "violence is golden" eins zu eins übersetzen mit: "Gewalt ist die ultima ratio"!

@ muotis

Donovan huldigt keineswegs der Gewalt, seine Bezugnahme auf den "Goldstandard" zeigt lediglich, daß er ihre Herrschaft akzeptiert.

Dies ist genau der fragliche Punkt: Der Satz „Gewalt ist golden“ ist – selbst wenn er nur als Metapher und Bezugnahme auf den „Goldstandard“ verstanden werden sollte - so eindeutig zweideutig auch als Glorifizierung zu lesen (zumal Donovan ja in seinem Auftreten und mit seinem Erscheinungsbild bewußt mit dieser Glorifizierung zu kokettieren scheint), daß die in dem Satz zusammengefaßte Botschaft des Vortrags, selbst wenn sie verzerrt sein sollte, die durchaus differenziertere Botschaft des Artikels Donovans in der Druckausgabe der „Sezession“ an den Rand drängt. "Gewalt ist golden" ist im Wortsinn eben doch etwas ganz anderes als "Gewalt ist die ultima ratio". Und in diesem Zusammenhang halte ich neben inhaltlichen Einwänden gerade auch die von Prof. Scholdt im obigen Artikel geäußerten taktischen Bedenken für stichhaltig. Noch so differenzierte Diskussionen über den Gewaltbegriff und die Rolle der Gewalt in der Menschheitsgeschichte, über Wehrhaftigkeit und Notwehrfähigkeit werden nicht verhindern, daß uns der Satz „Gewalt ist golden“ im Ergebnis öffentlichkeitswirksam um die Ohren fliegen und zu Repression Veranlassung geben könnte.

Tweed
1. April 2017 13:49

Die Ubiquität der Gewalt ist eine, wenn auch nicht sofort einsichtige, Tatsache. So herrscht sie auch dort, wo sie nicht zu herrschen scheint. Bezüglich der gesellschaftlichen Ordnung, die durch Androhung von Gewalt gegen ihre Störer aufrechterhalten wird, ist das schnell nachvollziehbar: Die Androhung ist keine aktuelle Ausübung von Gewalt: Sie bleibt als solche unsichtbar. Dort aber, wo sie vermeintlich nicht (mehr) existiert, herrscht sie total, z.B. in der sogenannten „gewaltfreien Kommunikation“ und gewährt ihrem Anwender die vollständige moralische Absolution. Der Rückzug auf den „rein geistigen Kampf“ steht nur kurz vor dieser totalitären Gewalt der feinsten Art.

Der Systemtheoretiker Dirk Baecker spürt in seinem Artikel „Gewalt im System“ dem Gewaltbegriff nach und sucht nach einem brauchbaren Begriff der systemischen Gewalt, der auch klärt wo Gewalt im System „eingebaut“ ist. Er kritisiert die vier großen Gewalttheorien von Koselleck, Foucault, Girard und Derrida. Baecker Gewaltbegriff macht keine Wesensbestimmung, macht auch nicht den Handlungsbegriff zum Aufhänger, sondern den Begriff der „Zuschreibung“. Nicht die Gewalt selbst ist Untersuchungsgegenstand, sondern der Beobachter, der eine Handlung als gewalttätig auszeichnet. Und zwar deshalb, weil ein Kennzeichen (nicht Wesen!) der Gewalt immer eine Absicht ist und diese immer von einem Beobachter gemacht wird. Das kann aber auch der Handelnde selbst sein! Gewalt, so Baecker, ist „die Kommunikation der Unvermeidbarkeit einer Attribution auf Handlung“. Es muss also mindestens einen Beobachter geben, der einer Handlung das Gewaltprädikat zuschreibt. Dieser Beobachter ist Teil der Situation, die er als gewalttätig beschreibt. Diese Zuschreibung von Gewalt auf eine Handlung ist aber durch die Gewalt selbst erzwungen, d.h. die Zuschreibung ist notwendig und nicht kontingent. U.a. deshalb gibt es zur „Gewalt“ auch keinen Gegenbegriff. Gewalt verstrickt die Gesellschaft also in einen Zirkel, aus dem es kein Entkommen gibt.

Das Motto für den „Meta-Gewaltforscher“ lautet also: Beobachte den Beobachter, der etwas als Gewalt bezeichnet und schaue Dir an, wie er seine eigene Gewaltzuschreibung thematisiert!!!  N. Luhmann schreibt: „Da Gewalt in unserer Gesellschaft faktisch so dichotomisiert ist – und dies nicht zuletzt mit dem Sinn, […] Böcke und Schafe zu sondern –, wird man sich dieser Vorgabe schwer entziehen können, wenn man sich vorschnell auf Gewalt als Einzelthema konzentriert. Georges Sorel und Frantz Fanon gehören zu den prominenteren Opfern solchen Denkens. Wer als Wissenschaftler empfindlich ist gegen gesellschaftliche Vorstrukturierungen seines Denkens, wird sich in eine Situation nicht hineinlotsen lassen, in der ihm nur noch die Möglichkeit bleibt, die Freiheit des Denkens gegen die Freiheit des Negierens zu vertauschen“ (Luhmann, Symbiotische Mechanismen).

In der „moralischen Elite“ sind diese „Vorstrukturierung des Denkens“ trivial und klar: Gewaltätig sind die andern und nicht sie selbst. Dieses „gewaltfreie“ und pazifistische Gutmenschentum erstreckt sich von der Antifa bis hin zu den eingangs erwähnten „Sekte“ der gewaltfreien Kommunikation. Bleibt anzumerken: Die gilt nicht nur für Wissenschaftler! Eine Sensibilität für gesellschaftliche Vorstrukturierungen des Denkens wäre für alle wünschenswert – gerade für jene, die glauben es sollte prinzipiell kein solche geben, und deshalb eine De-Strukturierung und Entdifferenzierung erzwingen wollen: also alle Genderisten und Egalitarier.

Scipio
2. April 2017 20:41

Ich glaube Herrn Sellner richtig verstanden zu haben, wenn er durchaus nicht ausschließlich gegen Gewalt ist, nach dem Motto: nicht aggressiv aber wehrhaft im Bedarfsfall. In diesem Sinne ergibt sich für mich auch kein Widerspruch zu Herrn Donovan. 

Ich denke da immer an die alte Fabel vom Fuchs und Igel und hoffe nicht, dass meine Enkel in die von muotis geschilderte Situation kommen werden, habe aber leider ein unbehagliches Gefühl. 

In meiner Jugend war die Erziehung zur Wehrhaftigkeit noch Bestandteil der Erziehung. Dazu trug auch die Wehrpflicht bei. Das kann man sicher auch alles abschaffen, dazu gehört aber, dass man nicht in Größenordnung Leute unkontrolliert ins Land lässt, für die eben Gewalt das ultimative Mittel ist, ganz zu schweigen von den amtlich gewollten und finanzieren Antifahorden.

Bedenken habe ich auch, wenn ich Herrn Erdogan höre, ein Natopartner bedroht uns massiv, was ist das Schutzbündnis noch wert, wer wird im Erstfall für Deutschland kämpfen. Auch in diesem Sinne sind Gewaltdiskussionen hochaktuell.

Nils Wegner
3. April 2017 11:19

Etwas bestürzend, das eigens anmerken zu müssen, aber:

Der Titel von Essay und Vortrag ist eigentlich bloß ein Wortspiel mit der englischen Fassung des Sprichworts »Reden ist Silber, Schweigen ist Gold«. Nicht mehr und nicht weniger.

Schneekette
3. April 2017 18:25

Vielen Dank für diesen Artikel. Einige kurze Bemerkungen hierzu:

Dass Wehrhaftigkeit nicht nur legitim, sondern darüber hinaus sogar eine Pflicht ist, ist vollkommen klar. Dass Wehrhaftigkeit die Grundvoraussetzung für ein geregeltes und prinzipiell friedvolles Zusammenleben ist, ebenso. Sollte dies der Kern von Donovan sein, ist ihm zuzustimmen.

Darüber hinausgehend Gewalt aber zu bejahen ist für mich nicht akzeptabel. Insbesondere nicht die Bejahung von Gewalt als Ordnungsmittel jeder natürlichen Ordnung. Denn Menschen sind von ihren Anlagen her Hackordnungstiere. Wären sie es nicht, hätten wir die Probleme gar nicht, die wir im Moment haben. Denn die Verfolgung unserer legitim geäußerter Meinung frolgt genau dem Prinzip der Rudelbestie. Auch ist die jetzige Gesellschaft in Wirklichkeit eine extrem brutale. Sie wird nur zugeschämmt mit scheinlinkem Gelaber. Das ist bloße und bewusste Täuschung über die zugrundeliegende Realität.

Im Gegenteil ist eine friedliche und die brutalen Anlagen des Menschen möglichst einhegende Gemeinschaftsordnung überhaupt nur unter den Bedingungen des Nationalstaats denkbar. Es ist gerade die bindungslose Gesellschaft, die unerträglich brutal ist. Notwendigerweise.

Weiterhin: Anlagen zu haben, heisst nicht, ihnen nachzugeben. Es sei an dieser Stelle ebenso auf die Methoden des Mobbings bei der Ausgrenzung und letzlichen Vernichtung unseres Meinungslagers hingewiesen, wie auf F. Roger Devlins Ausführungen zu bestimmten Anlagen im Geschlechterverhältnis.

Sollte Donovan also die Gewalt des Alltags als natürliche Hackordung ausdrücklich bejahen, so ist ihm nicht nur zuzustimmen, sondern auf das Schärfste entgegenzutreten.

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