Donovan und sein Gewalthymnus

Diesmal habe ich noch wesentlich länger gezögert, aber nach wie vor scheint mir eine Manöverkritik an Jack Donovans Rede berechtigt und geboten.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Denn die­se Prä­sen­ta­ti­on bestä­tigt schein­bar für eine ohne­hin meist übel­ge­sinn­te Öffent­lich­keit Nega­tiv­kli­schees über das IfS respek­ti­ve die kon­ser­va­tiv-rechts­al­ter­na­ti­ve Sze­ne gene­rell. Genau­er: Sie erleich­tert unge­wollt ein absicht­li­ches oder unbe­wußt feind­li­ches Fehl­ver­ständ­nis, man sym­pa­thi­sie­re mit tes­to­ste­ron­ge­steu­er­ten, durch Nietz­sche-Paro­len sti­mu­lier­ten Haudraufs.

Auch (völ­lig wert­neu­tral) tak­tisch schei­nen mir Gewalt­be­kennt­nis­se oder ‑eupho­ri­en ange­sichts der Kräf­te­ver­hält­nis­se im Lan­de und einer ten­den­zi­ell links­po­li­ti­sier­ten Jus­tiz ver­fehlt und höchs­tens taug­lich zur kurz­fris­ti­gen see­li­sche Kompensation.

Nun ist Tak­tik bekannt­lich nicht alles im Leben, und wer gänz­lich dar­in auf­geht, ver­armt cha­rak­ter­lich wie pro­gram­ma­tisch. Aber ris­kan­te Pro­vo­ka­tio­nen, bei denen man sich, ohne zu kla­gen, den erwart­ba­ren feind­li­chen Reak­tio­nen aus­setzt, begeht man bes­ser im Bewußt­sein einer durch­weg rich­ti­gen eige­nen Posi­ti­on. Das scheint mir hier jedoch nicht gege­ben. Denn „Vio­lence“ – wie Dono­vans Aus­gangs­the­se lau­tet – ist nicht „gol­den“, son­dern viel­fach hunds­ge­mein und ver­dient kei­ne Apo­lo­gie schlechthin.

Auch die Anti­fa übt sie täg­lich aus und könn­te sich eigent­lich in sol­chen ver­meint­li­chen Lizen­zen gera­de­zu suh­len. Des­glei­chen jeder Hoo­li­gan oder Zuhäl­ter, der sein Rausch­gift- und Eros-Revier erwei­tert, jeder gewalt­tä­ti­ge Immi­grant eines umge­kipp­ten Stadt­vier­tels, der sei­ne Domi­nanz über Bio­deut­sche auslebt.

Spä­tes­tens jetzt mag man ein­wen­den, ich hät­te den Kern von Dono­vans Bot­schaft nicht erfaßt. Aber das stimmt nicht. Sein Auf­tritt im Rah­men der Tagung war eine wich­ti­ge Wort­mel­dung, nicht zuletzt weil sie auf dem einen Pol dazu bei­trug, die gan­ze Spann­brei­te des The­mas abzu­de­cken, und damit ihre Funk­ti­on erfüll­te, in einem frucht­ba­ren Gespräch den eige­nen Stand­punkt zu finden.

Denn nichts ist ste­ri­ler als jene Art neu­deutsch-kor­rek­ter „Dis­kus­si­on“, bei der in einem vor­de­fi­nier­ten Rah­men wohl­tem­pe­rier­ten Ver­schwei­gens wich­tig­tue­risch ledig­lich Fuß­no­ten-Gegen­sät­ze zum Aus­trag kom­men. Aber uner­läß­lich und wohl­kal­ku­liert war eben­so, daß auch Mar­tin Sell­ner sozu­sa­gen als Anti­po­de zu Wort kam mit sei­ner gewiß aus­sichts­rei­che­ren Stra­te­gie akti­vis­ti­scher Gewaltlosigkeit.

Dono­vans Text in der Sezes­si­on 76 / Febru­ar 2017 ent­hält übri­gens eine durch­aus strin­gen­te Beweis­füh­rung, die sich jeder­zeit nach­voll­zie­hen läßt. Ver­deut­licht er doch – was unse­re Sen­ti­men­talinskis so ger­ne ver­ges­sen oder ver­ges­sen machen wol­len –, daß Gewalt immer herrscht und wir sie nur all­zu gern ver­bal ver­ste­cken. Er miß­bil­ligt zurecht das öffent­li­che Geschwätz dar­über und die jewei­li­gen inter­es­sen­ge­lenk­ten Umdefinierungen.

Er ver­weist auf die Not­wen­dig­keit, sich die­ser Ein­sicht zu stel­len und, statt hün­disch zu jam­mern, sich auch kör­per­lich wie­der in Form zu brin­gen – ein Auf­ruf, den man heu­te jedem Jun­gen und lei­der auch Mäd­chen ins Erzie­hungs­stamm­buch schrei­ben soll­te. Denn rich­tig ist gewiß, daß man in die­sem Sin­ne durch regel­mä­ßi­ges Trai­ning zusätz­lich Mut und Selbst­be­wußt­sein gewinnt.

Inso­fern war die­se Bot­schaft, zumal wenn sie mit Sell­ners prag­ma­ti­schem Hand­lungs­mo­dell kom­bi­niert wird, eine wich­ti­ge Anre­gung. Aber genau die­ses Abwä­gen­de gilt nicht für die Video-Ein­spie­lung. Denn hier liegt der Akzent, schon optisch gestützt, nicht mehr auf der berech­tig­ten Kern­aus­sa­ge des Auf­sat­zes. Dafür kam sie als hand­lungs­lei­ten­der Auf­ruf all­zu tri­um­pha­lis­tisch daher, und die spär­li­chen Ein­wän­de rela­ti­vie­ren kaum. Statt­des­sen fei­er­te hier jemand die Son­nen­sei­te des Lebens im Hoch­ge­fühl, momen­tan kräf­tig und mäch­tig zu sein.

Ich zäh­le gewiß nicht zu jener Gut­mensch-Spe­zi­es, die Schwei­ne­schnit­zel bestellt und den Schlach­ter ver­ach­tet. Aber die Beru­fung auf bar­ba­ri­sche Völ­ker­wan­de­rungs-Idea­le gehört nicht zu mei­ner Welt. Viel­mehr muß­te von Jugend an (wie naiv rezi­piert auch immer: von Karl May bis zu den Artus-Hel­den, von Robin Hood bis Micha­el Kohl­haas) in mei­ner Par­tei­nah­me für Kampf oder Krieg vor allem das Ethos stim­men. Das war für mich zen­tral als Recht­fer­ti­gung für Gewalt, und das ist es heu­te noch. Eine bloß trieb­ge­steu­er­te Ban­de besaß nie mei­ne Sym­pa­thie. Und wo die Über­le­gen­heit einer Par­tei erdrü­ckend war, wech­sel­te ich häu­fig die Seite.

Da Kampf­pa­ri­tät in gewalt­sa­men Aus­ein­an­der­set­zun­gen nun aber einen äußerst sel­te­nen Glücks- und Aus­nah­me­fall der Geschich­te dar­stellt, belegt Gewalt in der Regel pure Domi­nanz der gro­ßen Zahl, wor­über Gott­fried Benn in „Wein­haus Wolf“ oder „Zum The­ma Geschich­te“ Wesent­li­ches gesagt hat. Ein noch heu­te in mei­nem Gedächt­nis abruf­ba­res Foto des Jah­res 1968 zeigt (neben hoff­nungs­los unter­le­ge­nen Pro­tes­tie­ren­den) rus­si­sche Pan­zer in Prag, die bei mir damals fast Zor­n­es­t­rä­nen her­vor­rie­fen. Denn mit ihnen zer­schlu­gen sich nicht nur welt­wei­te Hoff­nun­gen auf einen tsche­chi­schen Polit-„Frühling“. Auch für mich selbst ver­flo­gen letz­te Jugend-Illu­sio­nen und lehr­ten mich, auf welch bru­ta­le Wei­se in der Regel Kon­flik­te zwi­schen Geist und Macht aus­ge­tra­gen werden.

Des Wei­te­ren erin­ne­re ich mich an Fern­seh­bil­der im Irak-Krieg, als die west­li­che Alli­anz Sad­dam Hus­seins tech­no­lo­gisch weit unter­le­ge­ne Armee über Wochen zusam­men­bomb­te und die völ­lig Demo­ra­li­sier­ten anschlie­ßend (bei gerings­ten eige­nen Ver­lus­ten) den „heroi­schen“ Atta­cken von US-Kampf­trup­pen aus­ge­setzt waren – eine ein­zi­ge Schläch­te­rei. Wenn mir damals jemand einen Satz wie „Vio­lence is gol­den“ zuge­mu­tet hät­te, hät­te ich ihn viel­leicht raus­ge­wor­fen oder wäre selbst gegan­gen. Ich fand Vio­lence näm­lich zum Kot­zen, obwohl die ame­ri­ka­ni­sche Armee genau das exer­zier­te, was die von Dono­van ver­tei­dig­te „Herrenmensch“-Gesinnung zumin­dest auch ist.

Nein, Vio­lence ist nicht „gol­den“. Sie ist zuwei­len not­wen­dig, um Ord­nung zu bewah­ren und schon im Vor­feld zu signa­li­sie­ren, daß Rechts­bre­cher nicht kon­se­quenz­los tun kön­nen, was sie wol­len. Sie ist rich­tig als Selbst­be­haup­tung und Schutz. Wir dür­fen sie nicht scheu­en, um nicht von ihr ver­schlun­gen zu wer­den. Aber „gol­den“ sind in mei­nen Augen ande­re Tugen­den wie Tap­fer­keit, Unan­gepaßt­heit, Wehr- und Stand­haf­tig­keit, auch Opfer­be­reit­schaft. Alles muß Ethos-besetzt sein. Und auf die­sen Hin­weis soll­ten wir größ­ten Wert legen.

„Her­ren­mo­ral“ zeig­ten der adels­be­wuß­te Sadist „Bau­ern­jörg“ oder Vlad der „Pfäh­ler“, die Gast­mäh­ler abhiel­ten und sich dabei delek­tier­ten, wie ande­re den Fol­ter­tod star­ben. Pri­mi­ti­ve Gewalt besie­gel­te auch den Sieg über Genies wie Archi­me­des oder Gali­lei. Gewalt herrscht kon­kret, wo ein links­ra­di­ka­ler Pöbel, ermun­tert und finan­ziert durch admi­nis­tra­ti­ve Hin­ter­män­ner und ‑frau­en, etwa dazu bei­trägt, in fast ganz Ber­lin die Ver­mie­tung von Räu­men für Vor­trä­ge poli­ti­scher Geg­ner zu sperren.

Zu den logis­ti­schen Kern­pro­ble­men nicht zuletzt der AfD gehört es, stän­dig sol­chen „zivil­ge­sell­schaft­li­chen“ Erpres­sun­gen aus­ge­setzt zu sein. Denn der struk­tu­rel­len Gewalt gegen ein ande­res Gesell­schafts­kon­zept bedient sich eine auf Alter­na­tiv­lo­sig­keit behar­ren­de Herr­schaft­s­cli­que seit Jah­ren bes­ten Gewis­sens. Und wir soll­ten die­se unhalt­ba­re ange­maß­te Rechts­po­si­ti­on einer unsäg­li­chen pseu­do­de­mo­kra­ti­schen Para­do­xie nicht dadurch ver­ne­beln, daß wir unspe­zi­fi­sche Lust­ge­füh­le an Prü­ge­lei­en äußern oder ent­spre­chen­de Miß­ver­ständ­nis­se fördern.

Inso­fern stim­me ich Dono­vans Grund­dia­gno­se zu, aber nicht sei­ner emo­tio­na­len Empha­se. Eben dies unter­schei­det sei­ne opti­sche Prä­sen­ta­ti­on von Marc Jon­gens über­zeu­gen­der Ana­ly­se, und dies gewiß nicht des­halb, weil ich mich, berufs­de­for­miert, eher an aka­de­mi­schen Sen­ten­zen oder grie­chi­schen Voka­beln delek­tier­te, die alles ein wenig wis­sen­schaft­lich gedämpf­ter erschei­nen las­sen. Mir geht es viel­mehr um die Klar­heit des Ziels, um Präzisierungen.

Und so man­che Stel­lung­nah­me zu Dono­van im Netz belegt, daß auch Lesern der Sezes­si­on an sol­cher Unter­schei­dung gele­gen ist. Der Umstand, daß die Alter­na­tiv­lo­sen die­ses Lan­des ohne­hin auf Miß­ver­ste­hen abon­niert sind und für ihre Pole­mik kei­nen Anlaß brau­chen, ist kein hin­rei­chen­der Gegen­grund, ihnen die­ses trau­ri­ge Hand­werk auch noch zu erleich­tern. Über­dies geht es – und das ist das Wich­tigs­te – um ideel­le Pro­fi­lie­rung im eige­nen Lager.

 Gastbeitrag

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Kommentare (22)

Alemannischer Recke

31. März 2017 11:59

Ein genialer Text von Prof. Scholdt. Spricht mir aus der Seele!

Hartwig aus LG8

31. März 2017 12:15

Herr Scholdt, Sie haben so viele Wenn und Aber und Relativierungen im Text, dass man nichts Konkretes findet, dem man widersprechen könnte oder was zu ergänzen wäre.

Nur grundsätzlich (ich versuchte es schon im @Meyer-Strang anzudeuten): Wir sind Sand im Getriebe. Nicht weniger, aber keineswegs mehr. Wer das erkennt, der fragt nicht mehr nach dem goldenen Weg, sofern die Richtung stimmt. Wenn ich jetzt weiter schreibe, dann wird das nicht veröffentlicht.

Deshalb anders: Der indirekte Schlagabtausch zwischen den Kommentatoren @Raskolnikow und @G.Grambauer war höchstwertig, aber nicht nötig. Es gibt den groben Sand und den feinen Sand im Getriebe. Jeder stockt auf seine Art.

 

Tweed

31. März 2017 12:16

Sie haben in Vielem sicherlich recht. Aber bringen wir es doch mal auf den Punkt: Donovan sagt (in seiner etwas martialischen Art) nichts anderes als: "Ohne Gewalt keine Ordnung." Logisch präziser formuliert heißt das nichts anderes als: "Gewalt ist notwendige Voraussetzung für Ordnung." Das heißt aber nicht: "Gewalt ist hinreichend für Ordnung." Zur Ordnung bedarf es also mehr als nur Gewalt - aber: Wenn Gewaltandrohung nicht dazukommt, nützt dieses "Mehr" auch nichts und bleibt nur gutgemeinte Absichtserklärung und Wunschdenken. Das wäre eine Beschreibung der menschlichen Natur und widerspricht nicht Sellners taktischen Überlegungen.

muotis

31. März 2017 12:36

Sich mit Äußerungen oder Beiträgen zurückzuhalten, weil sie Wasser auf die Mühlen der Gegner sein könnten, ist ein Luxus. Leisten können wir ihn uns schon lange nicht mehr. Sie verweisen auf einige historische Beispiele, die Ihre Wahrnehmung "hundsgemeiner" Gewalt skizzieren. Sehr schön das alles. Aber es sind, wie Sie selbst erkennen, Stationen der Geschichte, in denen die Frontverläufe klar und vor allem fernab unserer Heimat verliefen. Selbst die deutsch-deutsche Zonengrenze war sehr viel weiter entfernt als die nunmehr schlagenden und steinewerfenden Mobs, die mittlerweile durch unsere Innenstädte ziehen. Die Kinder, die gerade in unserem Land aufwachsen, werden in ihrer Jugend mit einem sehr viel intensiveren, selbstverständlichen Maß an Alltagsgewalt umzugehen haben, der sich insbesondere gegen sie richten wird, weil sie Deutsche sind. Zusammenhalt - eben Bandenbildung - ist da überlebenswichtig und es dürfte nicht reichen, wenn dies allein auf theoretischer Ebene geschieht. Eines besonderen Ethos bedarf es dann nicht, das unversehrte Überstehen des Schulweges ist dann Ethos genug.

Donovan huldigt keineswegs der Gewalt, seine Bezugnahme auf den "Goldstandard" zeigt lediglich, daß er ihre Herrschaft akzeptiert. Wir aus dem rechten Lager täten gut daran, seiner Linie zu folgen. Denn die Parole nach Bildung von Banden und der körperlichen Betätigung ist nichts anderes als das Leben nach dem Motto "sie vis pacem, para bellum" und steht dem richtigen Ansatz Sellners in keiner Weise entgegen. Doch darf nicht verkannt werden, daß der Krieg, der für Jahrzehnte nun fern der Heimat tobte, gerade innerhalb unserer Mauern getragen wird. Und naturgemäß schert es ihn nicht, ob wir bereit für ihn sind oder nicht.   

Bernhard

31. März 2017 12:51

Passiert mir auch als Sezessionsleser selten: inhaltlich 100%-ige Zustimmung und stilistisch ein Genuss. Danke, Herr Scholdt!

RMH

31. März 2017 13:00

"Alles muß Ethos-besetzt sein."

Was soll damit bitte genau gemeint sein? Ein Vlad handelte ethisch, auch ein Heinrich Himmler definierte Ethik, als er bspw. in der Posener Rede die bekannten Sätze zu seinen Erwartungen an den SS-Mann formulierte.

Die Abhandlungen Machiavellis beschreiben einen Ethos und auch gerade Donovoan predigt einen Ethos mithin, dies alles ist Ethik - welche Ethik will denn der Verfasser des Artikels?

Mich stört an Donovan, dass er eigentlich zum großen Teil (lediglich von der p.c.tabuisierte) Banalitäten ausspricht und das es aus konservativer Sicht eben immer darum geht, Staatlichkeit und keine "Stämme" oder Gangs herzustellen und dazu gehört eben der Anspruch auf ein "Gewaltmonopol" des Staates. Das unser Staat sich auf linker Seite eine Antifa leistet, ist eine Aufgabe des Gewaltmonopols und ein Hinzuziehen von Hilfstruppen, mit denen eben das Gewaltmonopol aufgeweicht wird - den Preis für diese "Freiräume“ der "Nützlichen" bezahlen dann u.a. die Polizisten in Hamburg oder Berlin an der traditionellen jährlichen 1. Mai Bambule.

Was der eigentliche Skandal an Donovan aus meiner Sicht ist, ist der Fakt, dass solche Diskussionen in unserem Land nicht mehr frei geführt werden können und alleine, dass er über Gewalt redet und dies auch entsprechend plakativ tut und die Sezession auch noch ein Themenheft mit dem Titel "Gewalt" heraus bringt, wird doch schon wieder in der typisch unnachahmlichen, anmaßenden Art des politischen Kampfes der Linken nur dazu verwendet, um zu sagen, seht her, die Rechte spricht offen über Gewalt, sie bereitet Gewalt vor und jetzt, lieber Verfassungsschutz, beobachte, liebe "Zivilgesellschaft" grenze aus etc.

Sellners klare Botschaft geht in dieser Instrumentalisierung unter oder wird gar nur als Feigenblatt gewertet und wenn der letzte Rechte immer noch nicht im Knast ist, wird dann eben ein neuer NSU aus dem Zylinderhut des tiefen Staates gezaubert, wenn es opportun erscheint.

Das ist das Problem mit Donovan, nicht das was er sagt und das was er schreibt. Der Skandal ist nicht Donovan, der Skandal sind unsere herrschenden Klassen, Eliten und Intellektuellen, die für Denkverbote und für Nasenringe aller Art stehen.

Der Artikel hier und jetzt war aber wichtig und richtig, um klar zu zeigen, dass Donovan nur eine kleine Stimme im Chor ist, die maßgeblichen sind andere.

Caroline Sommerfeld

31. März 2017 14:05

Man könnte "violence is golden" eins zu eins übersetzen mit: "Gewalt ist die ultima ratio"! Meines Erachtens wollte Donovan zweierlei sagen: 1.) Alle Ordnung, alle Gesetzlichkeit, alle Hierarchie ist letztenendes nur damit zu begründen (merke: eben nicht durchzuführen!), daß die allerletzte Möglichkeit der Gebrauch von Gewalt ist. Sie ist die latente Drohung hinter jedem Aufrechterhalten von Autorität. Nur weil ich Gewalt ausüben  k ö n n t e, gelten die von mir aufgestellten und garantierten Regeln und Gesetze. Nichts anderes sagte übrigens auch Sellner, wenn er das Beispiel erwähnte, daß Eltern, die ständig ihren Kindern Ohrfeigen verpassen müssen, keine Autorität haben, Eltern die dies  k ö n n t e n, und ihren Kindern dies begreiflich machen, haben Autorität und keine Ohrfeigen nötig. Die "harte Währung der Gewalt" heißt Donovans Beitrag in der Druckausgabe - genau das ist der Punkt.

2.) Donovan ist aber natürlich kein an Begründungsdiskursen interessierter Ethiker. Auch kein Tiefenpsychologe, der die Gewalt "dahinter" entlarven will. Und da kommt der nietzscheanische Zug doch voll zur Geltung: als T y p, als Mann in seiner nackten physischen Erscheinung steht der Donovan für etwas. Er ist sozusagen "ein Bild von einem Mann" in beiderlei Wortsinne. Nehmen Sie ihn doch als leibhaftige Metapher, dann könnte fast ein literaturwissenschaftlicher Zugang gelingen, von der Art, wie Sie ihn in ihrem Buch an so vielen Beispielen herausstellen. Warum in "Literarische Musterung" anhand von fiktiven Gestalten so mutig, und wenn mal so eine Metapher die IfS-Bühne besteigt, so ein cucking?

Der Gehenkte

31. März 2017 14:47

Nun folge ich der SiN seit einigen Jahren, anfangs genießend, mittlerweile hin und wieder kommentierend.

Liegt es nun am Gewöhnungseffekt oder gibt es tatsächlich einen qualitativen Verlust zu bemerken? Mir scheint, daß seit ein paar Monaten immer wieder mal Stimmen zu Wort kommen, die besser geschwiegen oder doch noch ein wenig nachgedacht hätten, bevor sie sich hier verlautbaren, die unreif wirken. Und Donovans Beitrag gehört dazu. Was an ihm mitteilenswert ist, ist banal udn selbstverständlich und dort, wo er mit den Grenzen spielt, ist er entbehrlich - und leider auch gefährlich.

Herr Scholdt, mir scheint, Sie haben den Kern erfaßt und das Wesentliche dazu gesagt.

Richtig ist (@RMH), daß Donovan das sagen können muß! Die Frage bleibt: Muß das hier sein?

Klaus Scholz

31. März 2017 16:39

Ich schließe mich hier leider  sehr gerne dem Eindruck des "Gehenkten" an, &  habe dies mit meinen Kommentaren zu Herrn Wessels "Helden" auch bereits angedeutet, denke ich, & abschließend darf ich ein Lob für den Gastbeitrag von Herrn Scholdt anfügen.

Ein schönes Wochenende wünscht

Klaus Scholz

Urwinkel

31. März 2017 18:21

Donovan ist in erster Linie Zeichner, Tätowierer und damit selbständig (gewesen). Den Laden gab er auf, um sich seiner Nietzschelektüre und seinem kultischen Heidentum zu widmen. Seine Begründung dafür: Ich brauche mehr Zeit fürs Gewichte heben - jetzt vertreibt er Merchendisekrempel. Ob das längerfristig klappt? Wer weiß? Intellektuell ist er Gewaltprolls überlegen.

Ein gebürtiger Hesse

31. März 2017 18:55

Feine Kritik des Vortrags, und doch: die "ideelle Profilierung des eigenen Lagers", um die es natürlich immer wieder gehen muß (und es bei jeder IfS-Veranstaltung ja auch tut), sollte nun ihrerseits nicht abgegrenzt werden von Donovans Manpower-Apologie. Ansonsten sind wir schnell bei einer sturen Körper-Geist-Trennung. Das kann unserem Lager nun auch nicht bekommen.

Das Relikt

31. März 2017 19:43

Donovan ist, wie schon bemerkt, Zeichner  und Graphiker, also ein Künstler.  Die hohe Qualität und Kreativität seines graphischen Werks und seiner anderen Texte, die den meisten hiesiger Kritiker unbekannt sind, zeigen dass er eher ein Feingeist ist. 

Dass so viele Donovan wegen seiner Tätowierungen und Muskelmasse für eine Art odinistischen Frank Hanebuth halten, zeigt nur, dass auch unsere Szene vor Oberflächlichkeit und Kleingeisterei nicht gefeit ist.

Für diese Fraktion ein paar Erläuterungen: 

1. Jeder gesunde Mensch kann seine Muskeln mit Training hypertrophieren lassen. 

2. Eine Zunahme der Muskelmasse führt nicht zu einer Anbnahme der Gehirnmasse.

Wir lernen folglich: von der Muskelmasse eines Menschen lässt sich nicht auf seine  Intelligenz oder Tiefgang schließen. Man kann, gleich Mishima,  Bodybuilder und Poet sein. Sicher kein Zufall,  dass dieser auch von Donovan geschätzt wird.

ALD

31. März 2017 20:51

Sehr geehrter Herr Scholdt, herzlichen Dank für diesen großartigen Artikel!

D'Annunzio

31. März 2017 22:01

Danke für die treffende Analyse, die war mal bitter nötig.

Solution

31. März 2017 22:47

Mich überzeugt der Artikel von Herrn Professor in keinster Weise. Wer seinen Lebensabend in Ruhe verbringen will, soll natürlich das Recht dazu haben. Wie ist es aber damit, daß junge Leute mehr wollen, als akademisch über das Harmlose zu debattieren? Wo ist die Alternative? Schade, daß beim geringsten Luftzug die alte Garde der feinen Konservativen gleich in Deckung geht. 

Was Donovan propagiert, ist schlicht und einfach das, was sich aus dem Willen zum Leben und Überleben sinnvoller Weise ergibt, keinesfalls eine Propagierung von sinnloser Gewalt gegen den Staat oder Andersdenkende. Es ist so, wie Donovan es sagt: Bereitet Euch auf das Schlimmste in einer wahrscheinlich apokalytischen Zukunft vor!  Ein wenig konservatives Debattieren ist kein adäquates Futter für junge Wölfe, die etwas vom Kommenden spüren.

Heinrich Brück

1. April 2017 05:18

Wenn Opferbereitschaft "golden" ist, kommen auf Europa herrliche Zeiten zu. Die afrikanischen Länder haben eine demographische Prognose im Angebot, dagegen Donovan zu einer harmlosen Kindergärtnerin mutiert. Vlad Tepes hätte gegen die Osmanen auch ein paar Windräder betreiben lassen können, dann wäre sein Ruf zumindest umweltbewußter überliefert worden?

Gewalt ist vielleicht nicht golden, aber sie ist lebensnotwendig. Der Ethos fällt der demographischen Mathematik zum Opfer.

Die Wünsche der Linken sind Theater. Afrika Realität. Und europäische Wünsche können auch nobel sein, von Idealen erfüllt. Der Widersruch wird an der Landesgrenze aufgelöst.

Rabenfeder

1. April 2017 07:14

@ Hartwig aus LG8

Sie schreiben: „Der indirekte Schlagabtausch zwischen den Kommentatoren @Raskolnikow und @G.Grambauer war höchstwertig, aber nicht nötig. Es gibt den groben Sand und den feinen Sand im Getriebe. Jeder stockt auf seine Art.“

Ihre letzten beiden Sätze bringen es auf den Punkt. Angesichts der tiefsitzenden Energie- und Ich-Schwäche und Wohlstands-Feigheit der Deutschen dürfen wir fett und weich und feige und grau gewordenen Mann-Darsteller niemals vergessen, dass wir dringend auch des gröberen Sandes bedürfen! (Ich bitte alle diejenigen, die sich da nicht angesprochen fühlen, meine Unterstellung großmütig zu übergehen)

Insofern halte ich auch den Schlagabtausch zwischen R. Und G. auch abgesehen vom persönlichen Lustgewinn mitnichten für unnötig. Solche Auseinandersetzungen zeigen auf, wo unsere Probleme sind und - sehr deutsch - vermutlich schon „immer“ waren; denken wir einerseits nur an das Bild vom schlafmützigen Michel und andererseits an die gröberen Ausbrüche des erwachten Schläfers... allerdings war die Lage selten so ernst und so existentiell. Die meisten von uns halten sich wohl mehr oder weniger für Feinsand-Stöckchen-ins-Getriebe -Werfer und vermutlich sind viele auch nach Jahrzehnten der Verweichlichung und Gehirnwäsche und anti-männlichen Politik (zumindest im Westen) zu gar keinen echten Grobheiten mehr in der Lage.

Einen Furor Teutonicus muss wohl niemand im und vom vergreisten Deutschland befürchten, entsprechend braucht davor auch niemand nachdrücklich zu warnen, aber ein teutonisches Furörchen ist schlicht lebensnotwendig. Grober und feiner Sand im Getriebe – beides notwendig; auf das Maß kommt es an. (Die Weisheit hat einen langen Bart, also flugs einen Fünferl ins Laber-Schweinchen gesteckt).

Der Feinsinnige

1. April 2017 12:34

Danke für den wichtigen Artikel!

Ich gehörte zu denjenigen, die im Strang bei Nils Wegners Veröffentlichung des Vortrags vom 13.3.2017 bereits versuchten, ihr Unbehagen an Donovans Auftritt anzudeuten. Der obige Artikel bringt die meines Erachtens notwendige Kritik uneingeschränkt deutlich auf den Punkt.

@ Caroline Sommerfeld:

Man könnte "violence is golden" eins zu eins übersetzen mit: "Gewalt ist die ultima ratio"!

@ muotis

Donovan huldigt keineswegs der Gewalt, seine Bezugnahme auf den "Goldstandard" zeigt lediglich, daß er ihre Herrschaft akzeptiert.

Dies ist genau der fragliche Punkt: Der Satz „Gewalt ist golden“ ist – selbst wenn er nur als Metapher und Bezugnahme auf den „Goldstandard“ verstanden werden sollte - so eindeutig zweideutig auch als Glorifizierung zu lesen (zumal Donovan ja in seinem Auftreten und mit seinem Erscheinungsbild bewußt mit dieser Glorifizierung zu kokettieren scheint), daß die in dem Satz zusammengefaßte Botschaft des Vortrags, selbst wenn sie verzerrt sein sollte, die durchaus differenziertere Botschaft des Artikels Donovans in der Druckausgabe der „Sezession“ an den Rand drängt. "Gewalt ist golden" ist im Wortsinn eben doch etwas ganz anderes als "Gewalt ist die ultima ratio". Und in diesem Zusammenhang halte ich neben inhaltlichen Einwänden gerade auch die von Prof. Scholdt im obigen Artikel geäußerten taktischen Bedenken für stichhaltig. Noch so differenzierte Diskussionen über den Gewaltbegriff und die Rolle der Gewalt in der Menschheitsgeschichte, über Wehrhaftigkeit und Notwehrfähigkeit werden nicht verhindern, daß uns der Satz „Gewalt ist golden“ im Ergebnis öffentlichkeitswirksam um die Ohren fliegen und zu Repression Veranlassung geben könnte.

Tweed

1. April 2017 13:49

Die Ubiquität der Gewalt ist eine, wenn auch nicht sofort einsichtige, Tatsache. So herrscht sie auch dort, wo sie nicht zu herrschen scheint. Bezüglich der gesellschaftlichen Ordnung, die durch Androhung von Gewalt gegen ihre Störer aufrechterhalten wird, ist das schnell nachvollziehbar: Die Androhung ist keine aktuelle Ausübung von Gewalt: Sie bleibt als solche unsichtbar. Dort aber, wo sie vermeintlich nicht (mehr) existiert, herrscht sie total, z.B. in der sogenannten „gewaltfreien Kommunikation“ und gewährt ihrem Anwender die vollständige moralische Absolution. Der Rückzug auf den „rein geistigen Kampf“ steht nur kurz vor dieser totalitären Gewalt der feinsten Art.

Der Systemtheoretiker Dirk Baecker spürt in seinem Artikel „Gewalt im System“ dem Gewaltbegriff nach und sucht nach einem brauchbaren Begriff der systemischen Gewalt, der auch klärt wo Gewalt im System „eingebaut“ ist. Er kritisiert die vier großen Gewalttheorien von Koselleck, Foucault, Girard und Derrida. Baecker Gewaltbegriff macht keine Wesensbestimmung, macht auch nicht den Handlungsbegriff zum Aufhänger, sondern den Begriff der „Zuschreibung“. Nicht die Gewalt selbst ist Untersuchungsgegenstand, sondern der Beobachter, der eine Handlung als gewalttätig auszeichnet. Und zwar deshalb, weil ein Kennzeichen (nicht Wesen!) der Gewalt immer eine Absicht ist und diese immer von einem Beobachter gemacht wird. Das kann aber auch der Handelnde selbst sein! Gewalt, so Baecker, ist „die Kommunikation der Unvermeidbarkeit einer Attribution auf Handlung“. Es muss also mindestens einen Beobachter geben, der einer Handlung das Gewaltprädikat zuschreibt. Dieser Beobachter ist Teil der Situation, die er als gewalttätig beschreibt. Diese Zuschreibung von Gewalt auf eine Handlung ist aber durch die Gewalt selbst erzwungen, d.h. die Zuschreibung ist notwendig und nicht kontingent. U.a. deshalb gibt es zur „Gewalt“ auch keinen Gegenbegriff. Gewalt verstrickt die Gesellschaft also in einen Zirkel, aus dem es kein Entkommen gibt.

Das Motto für den „Meta-Gewaltforscher“ lautet also: Beobachte den Beobachter, der etwas als Gewalt bezeichnet und schaue Dir an, wie er seine eigene Gewaltzuschreibung thematisiert!!!  N. Luhmann schreibt: „Da Gewalt in unserer Gesellschaft faktisch so dichotomisiert ist – und dies nicht zuletzt mit dem Sinn, […] Böcke und Schafe zu sondern –, wird man sich dieser Vorgabe schwer entziehen können, wenn man sich vorschnell auf Gewalt als Einzelthema konzentriert. Georges Sorel und Frantz Fanon gehören zu den prominenteren Opfern solchen Denkens. Wer als Wissenschaftler empfindlich ist gegen gesellschaftliche Vorstrukturierungen seines Denkens, wird sich in eine Situation nicht hineinlotsen lassen, in der ihm nur noch die Möglichkeit bleibt, die Freiheit des Denkens gegen die Freiheit des Negierens zu vertauschen“ (Luhmann, Symbiotische Mechanismen).

In der „moralischen Elite“ sind diese „Vorstrukturierung des Denkens“ trivial und klar: Gewaltätig sind die andern und nicht sie selbst. Dieses „gewaltfreie“ und pazifistische Gutmenschentum erstreckt sich von der Antifa bis hin zu den eingangs erwähnten „Sekte“ der gewaltfreien Kommunikation. Bleibt anzumerken: Die gilt nicht nur für Wissenschaftler! Eine Sensibilität für gesellschaftliche Vorstrukturierungen des Denkens wäre für alle wünschenswert – gerade für jene, die glauben es sollte prinzipiell kein solche geben, und deshalb eine De-Strukturierung und Entdifferenzierung erzwingen wollen: also alle Genderisten und Egalitarier.

Scipio

2. April 2017 20:41

Ich glaube Herrn Sellner richtig verstanden zu haben, wenn er durchaus nicht ausschließlich gegen Gewalt ist, nach dem Motto: nicht aggressiv aber wehrhaft im Bedarfsfall. In diesem Sinne ergibt sich für mich auch kein Widerspruch zu Herrn Donovan. 

Ich denke da immer an die alte Fabel vom Fuchs und Igel und hoffe nicht, dass meine Enkel in die von muotis geschilderte Situation kommen werden, habe aber leider ein unbehagliches Gefühl. 

In meiner Jugend war die Erziehung zur Wehrhaftigkeit noch Bestandteil der Erziehung. Dazu trug auch die Wehrpflicht bei. Das kann man sicher auch alles abschaffen, dazu gehört aber, dass man nicht in Größenordnung Leute unkontrolliert ins Land lässt, für die eben Gewalt das ultimative Mittel ist, ganz zu schweigen von den amtlich gewollten und finanzieren Antifahorden.

Bedenken habe ich auch, wenn ich Herrn Erdogan höre, ein Natopartner bedroht uns massiv, was ist das Schutzbündnis noch wert, wer wird im Erstfall für Deutschland kämpfen. Auch in diesem Sinne sind Gewaltdiskussionen hochaktuell.

Nils Wegner

3. April 2017 11:19

Etwas bestürzend, das eigens anmerken zu müssen, aber:

Der Titel von Essay und Vortrag ist eigentlich bloß ein Wortspiel mit der englischen Fassung des Sprichworts »Reden ist Silber, Schweigen ist Gold«. Nicht mehr und nicht weniger.

Schneekette

3. April 2017 18:25

Vielen Dank für diesen Artikel. Einige kurze Bemerkungen hierzu:

Dass Wehrhaftigkeit nicht nur legitim, sondern darüber hinaus sogar eine Pflicht ist, ist vollkommen klar. Dass Wehrhaftigkeit die Grundvoraussetzung für ein geregeltes und prinzipiell friedvolles Zusammenleben ist, ebenso. Sollte dies der Kern von Donovan sein, ist ihm zuzustimmen.

Darüber hinausgehend Gewalt aber zu bejahen ist für mich nicht akzeptabel. Insbesondere nicht die Bejahung von Gewalt als Ordnungsmittel jeder natürlichen Ordnung. Denn Menschen sind von ihren Anlagen her Hackordnungstiere. Wären sie es nicht, hätten wir die Probleme gar nicht, die wir im Moment haben. Denn die Verfolgung unserer legitim geäußerter Meinung frolgt genau dem Prinzip der Rudelbestie. Auch ist die jetzige Gesellschaft in Wirklichkeit eine extrem brutale. Sie wird nur zugeschämmt mit scheinlinkem Gelaber. Das ist bloße und bewusste Täuschung über die zugrundeliegende Realität.

Im Gegenteil ist eine friedliche und die brutalen Anlagen des Menschen möglichst einhegende Gemeinschaftsordnung überhaupt nur unter den Bedingungen des Nationalstaats denkbar. Es ist gerade die bindungslose Gesellschaft, die unerträglich brutal ist. Notwendigerweise.

Weiterhin: Anlagen zu haben, heisst nicht, ihnen nachzugeben. Es sei an dieser Stelle ebenso auf die Methoden des Mobbings bei der Ausgrenzung und letzlichen Vernichtung unseres Meinungslagers hingewiesen, wie auf F. Roger Devlins Ausführungen zu bestimmten Anlagen im Geschlechterverhältnis.

Sollte Donovan also die Gewalt des Alltags als natürliche Hackordung ausdrücklich bejahen, so ist ihm nicht nur zuzustimmen, sondern auf das Schärfste entgegenzutreten.

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