Sezession 77 erschienen!

Mit Ausgabe Nr. 77 der Sezession ist ab sofort das erste "offene Heft" im neuen Format als Buchzeitschrift erhältlich. Ein kurzer Überblick über inhaltsstarke 74 Seiten:

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

+ Anläß­lich der Win­ter­aka­de­mie des Insti­tuts für Staats­po­li­tik im Febru­ar ließ sich unter etli­chen grum­me­li­gen Anti­fan­ten auch der Sohn eines wohl­be­kann­ten Sozi­al­de­mo­kra­ten mit reich­lich losem Mund­werk in Schnell­ro­da bli­cken. “Bild und Text“zeigt einen schö­nen Schnapp­schuß die­ses wacke­ren Ver­tei­di­gers der Zivil­ge­sell­schaft – Ellen Kositza hat ihre sehr eige­ne Mei­nung dazu und ana­ly­siert sei­ne Körpersprache.

+ Ein aus­führ­li­ches Autoren­por­trät aus der Feder Micha­el Wies­bergs wid­met sich dem Umwelt­his­to­ri­ker und “Uni­ver­sal­ge­lehr­ten” Rolf Peter Sie­fer­le (1949–2017), des­sen Wer­ke Finis Ger­ma­nia und Das Migra­ti­ons­pro­blem pos­tum erschie­nen sind. Wies­berg schlüs­selt Sie­fer­les Lebens­werk auf und lie­fert einen Aus­blick auf wei­te­re Schrif­ten, die noch aus dem Nach­laß zu erwar­ten sind.

+ Es folgt der Debüt­ar­ti­kel eines bekann­ten Namens: Tho­mas Wawerka war lan­ge Zeit ein will­kom­me­ner Kom­men­ta­tor im Netz­ta­ge­buch der Sezes­si­on, wur­de spä­ter zum Poli­ti­kum und steu­ert nun sei­ne Ein­sich­ten als geschul­ter Theo­lo­ge bei. Kir­chen­ver­tre­ter rufen die­ser Tage beson­ders laut zur Soli­da­ri­tät mit den “Flücht­lin­gen” auf und dazu, die­se mit offe­nen Armen zu emp­fan­gen. Wie aber sah der tra­di­tio­nel­le Umgang der Buch­re­li­gio­nen mit Frem­den aus, und was ist – exege­tisch betrach­tet – nun eigent­lich das »Recht des Fremdlings«?

+ Der Phi­lo­soph Frank Lis­son, der bei Antai­os mit sei­ner Homi­nes-Tri­lo­gie her­vor­trat und zuletzt im Karo­lin­ger-Ver­lag einen Band über die Welt­ver­lo­ren­heit ver­öf­fent­lich­te, hat einen Grund­la­gen­text über »geis­ti­ge Selbst­be­schrän­kung« bei­gesteu­ert. Wie weit kann man sich auf sei­ne eige­ne Wahr­neh­mung und damit sei­ne Mei­nung ver­las­sen – und wie weit kön­nen (und dür­fen!) sich ande­re Men­schen davon über­zeu­gen lassen?

+ Götz Kubit­schek war­tet mit einem auf das Äußers­te redu­zier­ten Mini­mal­pro­gramm poli­ti­schen Hand­lungs- und Wand­lungs­be­darfs auf, ohne das kei­ne fun­da­men­ta­le Wen­de hin zum Bes­se­ren mög­lich ist. Gera­de im Ange­sicht der nahen­den Bun­des­tags­wahl ist das ein The­ma, über das alle poten­ti­el­len Wäh­ler, Unter­stüt­zer und Mit­glie­der hoff­nungs­vol­ler “Alter­na­ti­ven” sehr ein­ge­hend nach­den­ken und ‑lesen sollten!

+ Unter der Lei­tung Erik Leh­nerts hat sich ein Autoren­kol­lek­tiv des IfS in den letz­ten Mona­ten mit einer Typo­lo­gie des Wider­stands befaßt. Als eine ers­te Kost­pro­be des Ertrags wird in die­ser Sezes­si­on eine Bestands­auf­nah­me des “Wut­bür­gers” als Typus vor­ge­stellt. Wer schon ein­mal an den PEGI­DA-Abend­spa­zier­gän­gen oder den ein­schlä­gi­gen Frie­dens­mahn­wa­chen teil­ge­nom­men hat, wird sich hier wie­der­fin­den und ganz sicher noch inter­es­san­te wei­te­re Ein­bli­cke gewinnen.

+ Sophie Lieb­nitz prä­sen­tiert den ers­ten Teil eines Lan­g­es­says, der sich vor­ran­gig mit dem Ver­hält­nis der Geschlech­ter zuein­an­der beschäf­ti­gen wird. In die­ser Eröff­nung des The­mas geht es um »Geschlecht, Kul­tur, Natur« – auch vor dem Hin­ter­grund der jüngst erschie­ne­nen grund­le­gen­den Aus­ein­an­der­set­zung Roger Dev­lins mit dem The­ma ver­spre­chen die Fort­set­zun­gen des Texts noch vie­le anre­gen­de Gedanken.

+ Sieg­fried Ger­lich hat ein sehr auf­schluß­rei­ches Por­trät Her­mann L. Grem­li­zas ver­faßt. Der Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift kon­kret ging noch im ver­gan­ge­nen Jahr mit sei­nen Haupt- und Neben­sät­zen unter dem Slo­gan »Scheiß Deutsch­land« auf Tour und gilt als Stamm­va­ter der anti­deut­schen Lin­ken. Ger­lich zeich­net die Defor­ma­tio­nen die­ses zer­ris­se­nen Cha­rak­ters anschau­lich nach – und ihre Kon­se­quen­zen, die Grem­li­za zu einem Sinn­bild der iden­ti­täts­feind­li­chen Kul­ture­li­ten machen.

+ Der Autor die­ser Zei­len wid­met sich der in den 1970ern von Richard Daw­kins begrün­de­ten und in der Zwi­schen­zeit von zahl­rei­chen Kul­tur- und Sozi­al­wis­sen­schaft­lern wei­ter­ent­wi­ckel­ten Mem­theo­rie. Ihre Funk­ti­ons­wei­sen und Stra­te­gien sind im heu­te all­um­fas­sen­den Inter­net all­ge­gen­wär­tig, aber gleich­sam von Bedeu­tung für das “ana­lo­ge” Leben; um sie nutz­bar zu machen, muß man sie jedoch zuerst ver­stan­den haben.

+ Caro­li­ne Som­mer­feld lie­fert in Ergän­zung dazu ein hilf­rei­ches »Glos­sa­ri­um für den Psy­cho­krieg«, das als Vade­me­cum für jede poli­ti­sche Dis­kus­si­on in der Post­mo­der­ne die­nen kann. Wo es weit weni­ger um Inhal­te als um die dis­kur­si­ve, mul­ti­di­men­sio­na­le Kampf­füh­rung geht, ist nicht wich­ti­ger als ein Ver­ständ­nis der Mecha­nis­men, mit denen man hin­ters Licht geführt wer­den soll – und wie sie sich aus­kon­tern lassen!

+ Der Bild­teil lie­fert Moment­auf­nah­men der Febru­ar­re­vo­lu­ti­on in Ruß­land vor 100 Jah­ren, die den Zar stürz­te und die kurz­le­bi­ge Pro­vi­so­ri­sche Regie­rung an die Macht brach­te, ehe die­ser noch im glei­chen Jahr die Okto­ber­re­vo­lu­ti­on der Bol­sche­wi­ken ein Ende berei­te­te. Den ein­dring­li­chen Bil­dern ist eine sze­ni­sche Schil­de­rung der Vor­gän­ge in Petro­grad aus dem Monu­men­tal­werk Orlan­do Figes’ beigesellt.

+ Ellen Kositza hat eini­ge Bücher aus der aktu­el­len Gen­der­de­bat­te aus­ge­wählt, um einen Gesamt­über­blick zu geben. Eine Son­der­stel­lung dabei nimmt der Typus des voll­stän­dig effe­mi­nier­ten jugend­li­chen “Man­nes” ein, der Frau­en dar­über Vor­trä­ge hält, wie sie wirk­lich enga­giert für den Femi­nis­mus ein­zu­ste­hen hät­ten – wäh­rend alt­ge­dien­te “ech­te” Femi­nis­tin­nen ihrer­seits säu­er­li­che Bli­cke zurück auf eine Bewe­gung wer­fen, die sich in den Groß­raum­bü­ros groß­zü­gig zah­len­der Medi­en­un­ter­neh­men vor­erst tot­ge­lau­fen zu haben scheint.

+ Die beein­dru­cken­de unor­tho­do­xe Kom­mu­ni­ka­ti­ons­gue­ril­la der ame­ri­ka­ni­schen Alt­Right hat in den ver­gan­ge­nen Mona­ten (ganz kon­kret: seit der Wahl Donald Trumps zum US-Prä­si­den­ten) eine Rei­he bemer­kens­wer­ter Wand­lungs- und Häu­tungs­pro­zes­se durch­lau­fen. Ein kur­zer Über­blick über die maß­geb­li­chen Akteu­re und ihr Han­deln erschließt mög­li­che Ent­wick­lun­gen in der nächs­ten Zukunft, die von beson­de­rer Bedeu­tung für das Inspi­ra­ti­ons­po­ten­ti­al der “Sze­ne” sind.

+ Bene­dikt Kai­ser geht dem Cha­rak­ter einer »Mosa­ik-Rech­ten« auf den Grund. Dahin­ter ver­birgt sich ins­be­son­de­re ein Vor­marsch auf allen erreich­ba­ren Ebe­nen: poli­ti­sche Par­tei, Pro­test­be­we­gun­gen, Bür­ger­bünd­nis­se, Akti­vis­ten, Dich­ter und Den­ker bil­den idea­ler­wei­se alle­samt Facet­ten eines gemein­sa­men Bemü­hens um und für unser Land, und die­ses Bemü­hen ist heu­te dring­li­cher denn je.

+ Mit Felix Men­zel lie­fert sich Kai­ser in der Fol­ge einen Schlag­ab­tausch zum The­ma der sozia­len Gerech­tig­keit: Wur­de dazu bereits hier im Netz­ta­ge­buch kon­tro­vers debat­tiert (sie­he hier und hier), so wirft die ver­schrift­li­che Fort­füh­rung der Dis­kus­si­on manch neu­es Licht auf die drän­gen­de Fra­ge der Gesell­schafts­struk­tur im Ange­sicht revo­lu­tio­nä­ren Wan­dels im wirt­schaft­li­chen und sozia­len Bereich (Stich­wort unter ande­ren: “Indus­trie 4.0”).

+ Das umfang­rei­che Werk Lite­ra­ri­sche Mus­te­rung. War­um wir Kohl­haas, Don Qui­jo­te und ande­re Klas­si­ker neu lesen müs­sen aus der Feder Prof. Dr. Gün­ter Scholdts ist vor kur­zem erschie­nen. In der Sezes­si­on stellt er sich eini­gen sehr offe­nen Fra­gen danach, was die Klas­sik­erlek­tü­re von rechts so bedeut­sam macht und was für den heu­ti­gen – zumin­dest latent – dis­si­den­ten Leser dabei zu gewin­nen ist.

+ Der Rezen­si­ons­teil mar­kiert ein­mal mehr ein weit auf­ge­spann­tes Revier: Vom Lärm der Zeit (über Schosta­ko­witsch) geht es in die Geschich­te der Zukunft, vom Leben Gud­run Ens­s­lins über Hei­deg­ger und Ador­no bis hin zu mög­li­chen Wegen aus der Belie­big­keit. Mehr als reich­lich Stoff für Geis­ter, die sich noch Her­aus­for­de­run­gen zu stel­len bereit sind!

Abon­nen­ten soll­ten die Aus­ga­be mitt­ler­wei­le erhal­ten haben; Ein­zel­be­stel­lun­gen und die Ein­sicht in das Inhalts­ver­zeich­nis sind hier mög­lich. Ein Jah­res­abon­ne­ment kos­tet inner­halb Deutsch­lands und Öster­reichs 50 Euro, ermä­ßigt für Nicht­ver­die­ner 35 Euro (jeweils inkl. Por­to), für För­de­rer 75 €, im Aus­land 60 €. Wer jetzt abon­niert (hier geht’s lang!), abon­niert den Jahr­gang 2017 und erhält zwei wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en des Insti­tuts für Staats­po­li­tik als Prä­mie dazu.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (4)

Monika L.

11. April 2017 19:24

Schön, wieder was von Thomas Wawerka zu lesen. "Das Recht des Fremdlings" ist ein großartiger, grundlegender Beitrag. Dieser Text sollte Pflichtlektüre für jeden Pfarrer und jedes Gemeindemitglied sein. Der Text  eröffnet Raum für Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Beides bleibt im Moment auf der Strecke.

Wawerkas Beitrag ist sehr befreiend für alle, die am Irrsinn der Hirten verzweifeln. Etwa daran:

https://gloria.tv/article/Fbk4NRPWgU7T3P7c7pYE478eU

Monika L.

13. April 2017 11:16

Gründonnerstag 2017 

Weder Barmherzigkeit noch Gerechtigkeit

https://philosophia-perennis.com/2017/04/13/kardinal-marx-fusswaschung/

 

Flugling

13. April 2017 13:33

Vielen Dank für das Titelbild von Albert Anker "Die Kinderkrippe" von 1890 (Ausschnitt).

Nautilus

13. April 2017 14:15

Immer wieder ein Genuss die Sezession zu lesen.. Das Titelbild finde sehr herzlich. Sehr schön 

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