Den Weltgeist verraten und verkauft

Ich habe mir gestern in der anthroposophischen Buchhandlung meines Vertrauens die Märznummer der Zeitschrift info 3 Anthroposophie im Dialog gekauft.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Sie zeigt als Umschlag­bild eine Trump-Kari­ka­tur (Bana­nen­haa­re!) und den Slo­gan “Welt­geist first!”.

Na, dach­te ich, mal sehen, wie die Anthro­po­so­phen dazu ste­hen, was der Main­stream gegen­wär­tig ideo­lo­gisch vor­gibt, sie sind ja doch immer ein biß­chen anders als die anderen.

Denn ist es nicht das Gegen­teil von Frei­heit, wenn man an die Ver­hält­nis­se so angepaßt ist, daß man nur in ihrem Sin­ne lau­fen kann? For­dert es nicht die Frei­heit, daß man sich nöti­gen­falls den äuße­ren Ver­hält­nis­sen ent­ge­gen­stem­men kann? Wür­de man nicht, was als Frei­heit lebt, ver­glei­chen müs­sen mit dem, was sich nöti­gen­falls so beneh­men könn­te, daß das Schiff gegen die Wel­len wen­det und stoppt?

Dies sag­te Rudolf Stei­ner in einem Vor­trag unter dem Titel „Geis­tes­wis­sen­schaft, Gedan­ken­frei­heit und sozia­le Kräf­te“ im Jah­re 1919, zu einem

Zeit­punkt, wo die Welt »verwoo­d­row­wil­sont« wird, wo es nötig wird, daß der Deut­sche zei­ge, daß er ein Geis­tes­le­ben vor den gan­zen Erd­kreis kühn hin­stel­len wird.

Wil­sons „Neue Welt­ord­nung“ fand in Stei­ner einen har­ten Kri­ti­ker. Wil­son, die­ser „unglück­se­ligs­te Mensch“, fas­se Frei­heit nur als „Frei­heit von“ auf, nicht als „Frei­heit zu“. Der Mensch sei frei, so gibt Stei­ner Wil­son wie­der, wenn er unge­fähr so wie das Rad in der Maschi­ne frei lau­fe, wenn er sich in den äuße­ren Ver­hält­nis­sen so fort­be­we­ge, daß er mit sei­nen Kräf­ten hin­ein­grei­fe und nicht gehin­dert wür­de. Aus die­sem Grun­de ist Rudolf Stei­ner ein Antiglo­ba­list avant la lett­re, sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Mar­xis­mus lohnt sich heu­te noch. Der „lin­ke Weg“ von Marx, Engels, Lenin und Trotz­ki habe „unter dem Vor­ge­hen, sozia­li­sie­ren zu wol­len, das Aller­an­ti­so­zi­als­te“ ent­wi­ckelt. „Die wil­des­ten Instink­te und Trie­be tre­ten als his­to­ri­sche For­de­run­gen auf. Das ist der Weg, der links geht“.

Der ande­re Weg, der rechts geht, ist der, der sich in der heu­te mit­ge­teil­ten Wei­se hin­ein­fin­det in die Anschau­ung des über­sinn­li­chen Men­schen, der über­sinn­li­chen Welt, der auch die Ent­wick­lung des Men­schen im über­sinn­li­chen Lich­te schaut, der hin­auf­dringt zum wirk­lich frei­en Geist.

Daß der „rech­te Weg“ im par­la­men­ta­ri­schen Sin­ne der 20er Jah­re gemeint wäre, wür­de Stei­ner unnö­tig zurecht­bie­gen. Klar ist nur: links ist er nicht! Klar ist auch: der „wirk­lich freie Geist“ ist einer, der eben nicht in der durch­öko­no­mi­sier­ten, rhe­to­risch durch­mo­ra­li­sier­ten, ver­dies­sei­tig­ten Mas­sen­ge­sell­schaft zu fin­den ist. Das „Über­sinn­li­che“ muß ich an die­ser Stel­le nicht theo­so­phisch-eso­te­risch aus­deu­ten, son­dern nur als Chif­fre neh­men für die zitier­te „ Frei­heit, daß man sich nöti­gen­falls den äuße­ren Ver­hält­nis­sen ent­ge­gen­stem­men kann“.

So, und nun das Heft, von dem man erwar­ten dürf­te, daß es dem Begrün­der der Anthro­po­so­phie folgt. Im Leit­ar­ti­kel „Welt­geist first!“ schreibt der Her­aus­ge­ber Jens Heis­ter­kamp, daß sich „Tei­le der Eli­ten selbst – sei­en es Publi­zis­ten, Poli­ti­ker oder Phi­lo­so­phen – für rech­tes und quer­front­le­ri­sches Gedan­ken­gut geöff­net“ hät­ten, und die „Fort­schrit­te in Rich­tung Moder­ni­sie­rung, Libe­ra­li­sie­rung und Indi­vi­dua­li­sie­rung“ zer­stör­ten beim „Ver­such, den sozia­len Orga­nis­mus zu destabilisieren“.

Er sieht den „Ver­such reak­tio­nä­rer Kräf­te, den Zusam­men­halt der Nati­on wie­der vom ‘Volk’ und vom Völ­ki­schen her zu den­ken“, als „geis­ti­ges Krank­heits­sym­ptom.“ Dage­gen stellt er Hegels „Welt­geist“ als „das All­ge­mein-Mensch­li­che, das Kos­mo­po­li­ti­sche, den Fort­schritt im Bewusst­sein der Freiheit.“

(Zu Hegel nur in Klam­mern ange­merkt: Rei­nes Begriffs­ge­klin­gel! Hegel hat den „Welt­geist“ ja gera­de als sitt­li­che Rea­li­sie­rung der Geschich­te im Kon­kre­ten gese­hen, das „All­ge­mein-Mensch­li­che“ war ihm ein Greu­el. Gegen Trump läßt sich mit dem „Welt­geist“ nichts, aber auch gar nichts, aus­rich­ten. „Welt­geist“ ist eine Kon­tin­genz­for­mel, kei­ne mora­li­sche Journalistenwaffe.)

„Info 3“ bekennt sich auf den fol­gen­den Sei­ten fröh­lich zur „Offe­nen Gesell­schaft“, denn die geprie­se­ne Initia­ti­ve „Die Offe­ne Gesell­schaft“, an der auch meh­re­re anthro­po­so­phi­sche Insti­tu­tio­nen teil­ha­ben, ist ein Able­ger der „Open Socie­ty Foun­da­ti­on“ des Ober­glo­ba­lis­ten und NGO-Finan­ziers Geor­ge Soros. Für die ent­spre­chen­de cou­ra­gier­te „Hal­tung“ sor­gen dann auch Emp­feh­lun­gen zu allen mög­li­chen Denun­zia­ti­ons- und Anti-Rechts-Sei­ten (Schmal­bart, Kein-Geld-für-Rechts, fearless­de­mo­cra­cy, Cor­rec­tiv, nood­le­re­mo­ver, Women’s March). Auch eine Strick­an­lei­tung für einen Pus­sy Hat gibt es (die ver­lin­ke ich der Absur­di­tät wegen, „auch Män­ner“ soll­ten ja „selbst­be­wußt Vagi­nen“ stri­cken ler­nen dürfen).

In die­se anti­rech­te Pro­pa­gan­da­num­mer pas­sen dann auch die Best-prac­ti­ce-Model­le: Stu­den­ten­kon­fe­renz am Goe­thea­num unter dem Mot­to „Zei­chen gegen Aus­gren­zung“, eine inter­na­tio­na­le Wal­dorf­schu­le, wo sie alle Fes­te der Reli­gio­nen mun­ter durch­ein­an­der­fei­ern – exakt das ist an und für sich gänz­lich Anti-Wal­dorf, und eine Kin­der­gar­ten­grün­dung in der “Dia­spo­ra” (sic!), in Ebers­wal­de, das ist halt tie­fer AfD-Osten.

Der Bei­trag “Ruß­land rich­tig ver­ste­hen” geht davon aus, daß sich an Wal­dorf­schu­len vie­le Rus­sen und Ruß­land­freun­de her­um­trei­ben (u.a. wegen Rus­sisch als Fremd­spra­che ab der 1. Klas­se). Sie muß man schnell an die Hand neh­men, damit sie sich ja nicht im Inter­net auf rus­si­schen Medi­en­ka­nä­len wie „Rus­sia Today“ und „Sput­nik“ infor­mie­ren über das, was ihnen west­eu­ro­päi­sche Medi­en vor­ent­hal­ten. Statt­des­sen rät man zur Vor­se­lek­ti­on durch die Platt­form „deko­der“ um Ruß­land „rich­tig“ zu ver­ste­hen, näm­lich im anti­rus­si­schen Sinne.

Auf der Inter­net­prä­senz von „info3“ warnt man die russo­phi­len Anthro­po­so­phen vor Dugin. In einem Inter­view fragt die Zeitschrift:

“Und in West­eu­ro­pa stei­gen jede Men­ge Neu­rech­te auf die­ses Kon­zept ein?“

Der inter­view­te Ken­ner antwortet:

In gewis­ser Wei­se ist das eine Neu­auf­la­ge der von der UdSSR gesteu­er­ten Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le, nur wir es dies­mal mit einer rechts­au­to­ri­tä­ren Inter­na­tio­na­len zu tun haben.

Wir sind alle von der „rechts­au­to­ri­tä­ren Inter­na­tio­na­le“ gesteuert.

In Deutsch­land bei­spiels­wei­se argu­men­tie­ren die Wut-Den­ker nicht mit Klas­sen­kampf, son­dern mit Carl Schmitt und Sla­voj Žižek. Und es tut regel­recht weh zu sehen, wie auch vie­le links-libe­ral-alter­na­ti­ve und spi­ri­tu­el­le Men­schen die ans Irra­tio­na­le gren­zen­de Pro­pa­gan­da gegen Hil­la­ry Clin­ton tei­len (weil sie angeb­lich einen drit­ten Welt­krieg plan­te) und am Ende sogar Trumps Erfolg als „Schritt zum Welt­frie­den“ begrüßen.

Das „tut regel­recht weh zu sehen“. Die Anthro­po­so­phen – das vor­lie­gen­de Heft ist kein Abweich­ler­tum, das „Freie Geis­tes­le­ben“ ist orga­ni­sa­to­risch ziem­lich homo­ge­ni­siert – haben Stei­ners Frei­heits­be­griff mir nichts, dir nichts, an Clin­ton und Soros ver­ra­ten und ver­kauft. Pfui Teu­fel, oder auch Ahri­man!

Die „Fort­schrit­te in Rich­tung Moder­ni­sie­rung, Libe­ra­li­sie­rung und Indi­vi­dua­li­sie­rung“, die der Zeit­schrif­ten­her­aus­ge­ber mit Stei­ners „sozia­lem Orga­nis­mus“ gegen die „rechts­au­to­ri­tä­re Inter­na­tio­na­le“ ver­tei­di­gen will, sind sel­ber Gegen­stand der anthro­po­so­phi­schen Sozi­al­kri­tik gewe­sen. Der „Orga­nis­mus“ der Gesell­schaft (bestehend aus Wirt­schafts­le­ben, Rechts­le­ben und Geis­tes­le­ben) bil­det das Geis­tes­le­ben aus, um damit unab­hän­gig  g e g e n  öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Ver­ein­sei­ti­gun­gen bestehen zu können.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (14)

Andrenio

12. April 2017 20:03

Kann kein Zufall sein, dass dort, wo der globalen Amerikanisierung Widerstand drohen könnte, Soros'sche Gleichschalter am Werk sind.

Der mitlaufende Anthroposoph kennt seinen Steiner schon lange nicht mehr, ähnlich wie der Katholik lieber den coolen Papst hoffiert, als bibelfest zu sein.

Man sollte eine ananyme Wählerbefragung unter Anthroposophen durchführen. Wetten, dass die Grünen ganz vorne liegen würden?

Leo

12. April 2017 22:48

Ja, liebe Frau Sommerfeld,

es ist traurig zu sehen, was unter der Überschrift "Anthroposophie" an links-grünen Zeitgeist(los)igkeiten verkauft werden kann.

Ich war auch letztes Jahr mehr als irritiert, an der Waldorfschule unserer Kinder einen Oberschüler mit Antifa-Sweatshirt anzutreffen - hat denn das Kind keine Eltern, die ihn aufklären? Keinen Lehrer, der ihn ob dieser Garderobe wenn schon nicht nach Hause schickt (wir sind ja nich' inner Zone!), so immerhin anspricht?

Die Meldung über Vorgänge an einer Hamburger Waldorfschule vor einigen Wochen (Stichwort Flüchtlinge) ließen ebenfalls Zweifel aufkommen am dialektisch Denken-Können der Beteiligten. Muß man da mittun, in einer Richtung, in der man PC-Eulen nach Athen trägt?!?

Offenbar müssen diejenigen welchen...

Would Steiner turn in his grave?

Wollen wir's hoffen---!!

Rüdiger Plantiko

12. April 2017 23:35

Eine großartige Einleitung zum Thema, bevor Sie dann zum Regenbogenjournal der Anthros übergingen!

Glücklicherweise ist "info3" nicht die Anthroposophie, sondern nur ein Anzeigenblatt und eine Klatschpostille mit Anthro-Touch, für Eltern, die ihr Kind in der Waldorfschule haben und ein bißchen wissen wollen, woher der Wind weht, um abends beim Wein mit Freunden ein zehnminütiges Gespräch zum Thema zu überstehen. Wir sollten dieses Blatt hier links liegen lassen.

Ja, Sie haben vermutlich recht: Steiners Kritik an Wilson ist in der Hauptsache wohl eine Kritik an der NWO.  (Dort wo er das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" in der Wilsonschen Formulierung anprangert, schien es ihm eher darum zu gehen, daß diese Forderung verlogen sei, nicht etwa, wie es heute gern dargestellt wird, daß er dieses Selbstbestimmungsrecht an sich ablehne: "In den letzten vier bis fünf Jahren ist außerordentlich viel über allerlei schöne Dinge gesprochen worden: Selbstbestimmung der Völker und so weiter. - Alle diese Dinge waren nicht wahr; denn dasjenige, was dahinter war, das war etwas ganz anderes, das waren selbstverständlich Machtfragen. Und wer verstehen will, bei dem handelt es sich darum, daß er von dem, was gesagt, gedacht und geurteilt wird, auf die Wirklichkeiten zurückgeht." GA 196, Vortrag vom 20.2.1920, S. 245)

Echte Anthroposophen sprechen nur im Ton höchster Verehrung von den Vökern und ihren Volksseelen, deren Mission sie, ihrem Lehrer folgend, ergründen wollen. Was ist die Mission, die historische Aufgabe eines Volkes? Das ist doch eine brennende Frage, und die Antwort lautet in jedem Fall nicht: seine Auflösung und Vermantschung in einem Welteinheitsbrei. Um die Mission eines Volkes, seinen spezifischen Beitrag im großen Konzert der Völker herauszufinden, muß man seine Wesensart sehr genau beobachten und erspüren. Anthroposophen sind überzeugt, daß Völker solche Missionen haben und in der Verwirklichung dieser Mission von höheren geistigen Wesen unterstützt und angeleitet werden. Auch die katholische Tradition wußte, daß Völker ihre Engel haben, die sie impulsieren.

Die spirituelle Austrocknung der Völker, das hedonistische Aufzehren ihres Erbes, bis zum Nullpunkt, dem Volkstod, die seichte weltweit homogenisierte (Un-)kultur, der Verlust des moralischen Kompasses als Folge eines oberflächlich verstandenen Freiheitsbegriffs - all diese Dinge sind jedenfalls den wirklichen Anthroposophen ebenso ein Grauen wie uns.

Und, ja, auch Steiners Programm der "Dreigliederung des sozialen Organismus" verstehe ich wie Sie vor allem als den Aufruf, die unselige Verfilzung der drei großen Teilsysteme der Gesellschaft, des rechtlich-staatlichen, des kulturellen und des wirtschaftlichen, zu beenden, damit diese Bereiche in Autonomie, aber auch entflochten wirken können. Ist das so weit weg von unserer Kritik an der Parteienoligarchie und an einer demokratischen Kulisse, in deren Schatten sich die Lobbygruppen gütlich tun? 

Steiner sieht aber auch den Verlust der "Gruppenseelenhaftigkeit" als einen unausweichlichen Prozess. Das sei ein historischer Bewußtseinsprozess der einzelnen Menschenseele. In seiner Sicht kommt es darauf an, nicht mehr die alte "atavistische" Gruppenseelenhaftigkeit zurückholen zu wollen, sondern das Gruppenbewusstsein mit dem nun herausgebildeten Individualbewusstsein gewissermaßen neu zu greifen. Dort wo früher die Menschen, weil das Eigenbewußtsein und der Eigenwille noch gar nicht so ausgeprägt war, sondern mehr im Kollektiven lebte,  in vielen Dingen geführt wurden, die letztlich gut für sie und für die Gemeinschaft waren,  würden sie nach Durchgang durch die jetzige Ich-Phase ihre Gemeinschaft neu und mit Bewußtsein greifen.  Das ist Steiners Version von Progressismus. Nach meinem Urteil viel zu optimistisch - wie alle Progressismen. Mir reicht als Geschichtsnarrativ die christliche Heilsökonomie.

Dr. Niemann

13. April 2017 01:47

Eine starke Analyse - daß selbst für mich randständig scheinende Journale wie "info 3 Anthroposophie im Dialog" (noch nie gehört!) ´gleichgeschaltet´ worden sind, ist für mich erhellend. Die Homogenisierungstendenz geht dabei nicht vom Fußvolk wie Ihnen und mir aus, sondern von der ´vierten Gewalt´ der veröffentlichenden Medien. Die Versuche von Maas und Konsorten, das Internet in diesen Gleichschritt zu zwingen, sind genau deshalb sehr beachtenswert, denn das Internet war der Versuch ihn aufzuweichen. Wie wird der Gleichschritt also geschafft? Ganz einfach: Durch sehr viel Kapital, das über die in den Medien arbeitenden Menschen ausgeschüttet wird, sie also beeinflußt, überspitzt als Bestechung zu bezeichnen, werden. Mit anderen Worten: Man kaufe einfach die großen Zeitungen (Washington Post), man schütte Geld in die Fernsehsender (CNN), man besteuere den Bürger um ihm sogenannte "öffentliche" Medien aufzuzwingen (GEZ) und fertig ist der ´Gleichschritt´ bzw. -klang. Unglaublich spannend daher diese Analyse, selbst Rudolf Steiners Credo und Denkensweise also erfaßt - welch ein dichtes, dichtes Netzwerk doch um uns gespannt ist!  

Neffe Mannheims

13. April 2017 09:29

Die Waldorfs haben den Multikulturalismus schon längst als neues Geschäftsmodell übernommen.

https://www.interkulturelle-waldorfschule.de

Rohmer

13. April 2017 11:13

Ich habe selbst mein halbes Schulleben auf einer großen Waldorfschule verbracht und kann sagen, dass dort schon in den 90er Jahren die Lehren Steiners kaum noch eine Rolle spielten. Höchstens unterschwellig, aber offensiv konfrontiert wurde man damit nur selten. Viele Lehrer schätzten das deutlich freiere und angenehmere Lehr- und Lernkorsett und ein gewisser anthroposophischer Ritus gehörte wohl dazu, aber eben nur sehr marginal. Tatsächlich erschienen stärker anthroposophisch auftretende Lehrer als kauzige Exoten. 

Politisch links zu sein war ziemlich normal und wurde nicht hinterfragt bzw. von Lehrern gar bestärkt. Antifas, Linksalternative und Punks gehörten zum normalen Klassenbild. Ausländer gab es kaum. 

t.gygax

13. April 2017 11:47

Frau Sommerfeld schreibt die Wahrheit. Info3 ist ein unterirdisches Blatt geworden, und die ganze Anthrokiste erinnert mich an die Staatskirchen, in denen man auch so gut wie niemand mehr findet, der sich an Jesus Christus orientiert......Das war nicht immer so, und Steiner ist davon unberührt-wenn man die unverständliche Sprache und die Esoterik abzieht, bleiben eine Menge guter und handlungsorientierter Ansätze für viele Lebensbereiche.

Ich habe in den 80er Jahren Konzerte in anthroposophischen Kulturzentren gegeben, das war ein waches Publikum, meine Kinder waren im Waldorfkindergarten, der war damals gut, ich habe die Anthros gegen die wütenden Hetzkampagnen, die vor allem in der evangelischen Kirche gegen sie zwischen 1980 und 1990 liefen, heftig verteidigt....kenne mich schon etwas aus.

  Von daher war es für mich auch ein Schock, als Info 3 in bester Antifa-Manier vor etwa 15 Jahren eine Hetzkampagne ohne Ende gegen Werner Georg Haverbeck entwickelte, gerade gegen einen Anthroposophen, der " die Tür zur Welt" nach draußen weit öffnete und deswegen bei den hardcore-Vertretern der reinen Lehre immer unten durch war. Sein Buch "Technik-Schöpfung des Menschen" ist auch heute noch absolut lesenswert in der Fülle seiner Gedanken,  die - konträr zu den meisten Anthroposophen damals- eine positive Sicht des technischen Fortschritts darlegten.

info3 bekommt ja schon Zustände , wenn man daran erinnert, dass es Haverbeck war, der mit Rudi Dutschke 1977 im Collegium Humanum erste Planungsgespräche in Richtung einer grünen Partei führte,das  kann man alles in Gretchen Dutschkes Biographie nachlesen.

2013 und 2014 hatte ich Schüler , die von Waldorfschulen auf staatliche Schulen wechselten, das waren wohlstandsverwöhnte, unangenehme Personen, von irgendeinem anthroposophischen Geist war da nichts,  aber auch gar nichts mehr zu spüren. Und das ist kein Wunder, man muss sich nur die Netzseite der interkulturellen Waldorfschule in Mannheim anschauen, die sind voll angekommen im Zeitgeist und befinden in der totalen Unterwerfungshaltung, um ja die staatlichen Fördergelder für Privatschulen in BW zu bekommen....

Oh tempora, oh mores......

sophia_

13. April 2017 15:36

Apropos "Schmerz" - Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen was Frauen dazu bewegt solche Mützchen zu stricken (Wolle doch hoffentlich von rosa Bioschafen ..) und diese auch noch stolz aufzusetzen.

Eine absichtlich tiefe Entwürdigung der wunderbaren, geheimen Stelle der Frau, wo Lust und Leben untrennbar verbunden ist.

Spezifischer Frauen-Selbsthass?  Anders wihl nicht vorstellbar.

Ver-Rückte Zeiten wohin man schaut.

Neffe Mannheims

13. April 2017 21:31

Gerade eben erst bemerkt: Die Hochschule für die Waldorflehrerausbildung in Mannheim nennt sich inzwischen:

"Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität"

https://www.institut-waldorf.de

LOL :-D

Paracelsus

14. April 2017 01:42

Um einen vielbenutzten Spruch zu verwenden: Wer glaubt, dass info3 etwas mit dem Impuls der Anthroposophie zu tun hat, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Wahr ist, dass dieses Monatsblatt es seit Jahrzehnten geschafft hat, das Aushängeschild für das real existierende anthroposophische Gruppendenken zu etablieren, wobei die schein-zeit-geistigen Meinungen mit einem Mäntelchen aus anthroposophischen Worthülsen versehen werden. Auch wirbt man für ein Zusammengehen dieser scheinbaren Anthroposophie mit verschiedenen anderen esoterischen und psycho- und ökologischen Strömungen der Gegenwart.

Auch als wahnsinnig mutige Steiner-Kritiker taten sich verschiedene Autoren dieses Organes hervor. Dabei nahm man eine Kursentwicklung, die sehr parallel zur taz ging: von einstmals noch links-alternativen und humanistischen Ideen geprägt hin zu einer nur noch human verschleierten, aber in Wahrheit stramm an den Vorgaben des korrekten Gedankenkorridors orientierten Publizistik, die sich nicht scheute, völkerrechtswidrige Kriege zu feiern usw. 

Das Beste, was man über info3 sagen kann ist, dass sie den Anthroposophen allmonatlich eine Positivitätsübungsmöglichkeit liefern: Steiners Schulungswerk für die Reifung der nichtsinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten des Menschen enthält in mehreren Variationen Übungen, die darauf hinaus laufen, dass man in allem Erleben das Positive, das Gute und Schöne aufsuchen soll, wobei Steiner mehrfach auf eine persische Legende über Jesus Christus verweist. Demnach sei Christus mit seinen Jüngern auf dem Wege an einer Hundeleiche vorbei gekommen, wobei sich alle angeekelt abgewandt hätten, während Jesus staunend auf die schönen Zähne des verstorbenen Hundes blickte.

Ich erwähne dies hier, weil solches Herangehen eminent seelen-hygienisch wirkt, was gerade in der Gegenwart mit ihren massenhaft medial verbreiteten Gedankenkadavern sehr wichtig erscheint: Es sind in den letzten Monaten und Jahren so einige Menschen wohl aus Verzweiflung über die grassierende Falschheit freiwillig in den Tod gegangen.

 

Caroline Sommerfeld

14. April 2017 02:16

@Paracelsus: Das ist ungefähr so wie der Vergleich, was "Christ in der Gegenwart" (letzte Woche betitelt: "Wer an Gott glaubt, hilft Flüchtlingen") mit dem Impuls des Christentums zu tun hat.

Das "realexistierende anthroposophische Gruppendenken" verhält sich parasitär zu seinen eigenen Grundlagen. Ich freu mich schon auf das roll-back!

Paracelsus

14. April 2017 15:04

@Caroline Sommerfeld

Ich verfolge CiG aktuell nicht, erinnere mich aber an durchaus differenzierte Artikel in dieser Zeitschrift, zum Impuls des Islams beispielsweise. 

Wenn man die Zeitschriftenschau aufs Katholische ausweiten will, kommt für den Typus "info3" und "taz" natürlich "publik forum" sofort ins Blickfeld. Dort wird die scheinhumanistische Entgrenzungsrhetorik rauf und runter gebetet; Entgrenzung sowohl im Spirituellen als auch was die Ideale der Umsiedlung der Menschen betrifft.

- An sich war Ihrem Artikel nichts hinzuzufügen, denn die Überschrift trifft den Sachverhalt info3 punktgenau: der Weltgeist wird da verraten und verkauft. Es wird eine Als-ob-Anthroposophie herausposaunt, und der "Als-ob"-Modus ist heute in gewisser Weise ubiquitär zu beobachten: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", die Kirchen als Christentumsdarsteller, die Medien mit ihrer scheinbaren Kontrollfunktion, die Freiheit der Presse als Freiheit der Pressebesitzer...

Zum Stichwort "roll back": Ich sehe das als harte Arbeit an, sich wirklich aus der Gruppenhaftigkeit zu lösen, als Einzelner dazustehen ohne Rücksicht darauf, was die Mehrheit meint, und sei es die Mehrheit der Menschengruppe, der man sich eigentlich nahe fühlt. Der Impuls Rudolf Steiners (für eine Selbst-Entwicklung des Menschen, in aller Demut) ist so kostbar, dass er letztlich nur im "stillen Kämmerlein" eines jeden Herzens getragen werden kann und soll. Also nicht Übernahme von unverstandenen Gedanken, Verhaltensempfehlungen usw.

Ein Kernsatz dazu ist: Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können, sonst gerät man unter ihre Knechtschaft. (Steiner, Phil. d. Freiheit; in der 1. Auflage hiess es noch statt "erlebend": "als Herr"): diesen Satz erlebend kann man empfinden, dass es eben immer um das eigene geht; jeder Schritt muss selbst gegangen werden; sich an andere anhängen: das reicht nicht. 

Insofern könnte man z.B. Jörg Bernig für seine Kamenzer Rede 2016 zum "Ehren-Anthroposophen" ernennen, falls er das als Würdigung empfände: er hat in vorbildlicher Weise auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Mut zum eigenen Verstand zu bewahren.

Unter Anthroposophie-nahen Autoren, die den Individualismus pflegen und sich nicht scheuen, von der Gruppenhaltung abweichende Ausblicke auf Welt und Mensch zu pulbizieren, ist z.B. Karen Swassjan zu nennen, zuletzt mit einem philosophischen Werk, Untertitel  "Ein Nachruf auf das Denken" - in jeder gut sortierten anthroposophischen Buchhandlung ist das sicher etwas vorhanden.

Caroline Sommerfeld

14. April 2017 18:38

@ paracelsus:

"Ich verfolge CiG aktuell nicht, erinnere mich aber an durchaus differenzierte Artikel in dieser Zeitschrift, zum Impuls des Islams beispielsweise."

Ich aber - schauen Sie mal hier: https://fauxelle.wordpress.com/2016/07/21/interruptus/ und hier: https://fauxelle.wordpress.com/2017/01/12/interruptus-ii/, und stören sich bitte nicht an der titelgebenden Metapher,  enttäuschte Erwartungen gibt es auf vielen Ebenen des Lebendigen.

Paracelsus

15. April 2017 16:57

@fauxelle

Schöne Analysen!  Diffizil herausgearbeitet, wie lange der Chef der CiG in Kontakt zur Realität bleibt, und wann er sich abwendet und Phantasien erliegt.

Es bleibt eine spannende Frage, wie dies zustande kommt: sind es die Grenzen der inoffiziellen, aber sehr mächtigen Zensur? Wie schnell wäre Herr Röser weg vom Fenster, wenn er Ihren Vorschlägen folgen würde? Oder haben wir da wieder die falsche Angst vor Folgen, die doch nicht eintreten, wobei die Angst die gelebte Zensur erst manifest macht?

In jedem Fall ist hier aus anthroposophischer Blickrichtung ein Knackpunkt des gegenwärtigen Zeitalters: entwickelt der Einzelne die Seelen-Qualität der "Bewusstseinsseele", d.h. die Fähigkeit, in einer gewissen Überschau ein Geschehen zu betrachten, also nicht emotional verstrickt ("Empfindungsseele", was bedeutet das Geschehen für mich persönlich), nicht nur verstandesmässig-einordnend ("Verstandesseele"), sondern mit einem Wissen darum, wie das Geschehen im Lichte von einer (von mir selbst unabhängigen) Wahrhaftigkeit erscheint? Wie ein Geschehen in einem größeren Zusammenhang wirkt!?

 

Noch ein Satz zu Wilson/Trump: bemerkenswert, wie sich die Szenen zu gleichen scheinen: Präsidentschaftswahlkampf `16: Protektionismus, Absage an Kriegseintritt .., April `17: Kriegseintritt...

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