Sezession
12. April 2017

Den Weltgeist verraten und verkauft

Caroline Sommerfeld / 14 Kommentare

Sie zeigt als Umschlagbild eine Trump-Karikatur (Bananenhaare!) und den Slogan "Weltgeist first!".

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

  • Sezession

Na, dachte ich, mal sehen, wie die Anthroposophen dazu stehen, was der Mainstream gegenwärtig ideologisch vorgibt, sie sind ja doch immer ein bißchen anders als die anderen.

Denn ist es nicht das Gegenteil von Freiheit, wenn man an die Verhältnisse so angepaßt ist, daß man nur in ihrem Sinne laufen kann? Fordert es nicht die Freiheit, daß man sich nötigenfalls den äußeren Verhältnissen entgegenstemmen kann? Würde man nicht, was als Freiheit lebt, vergleichen müssen mit dem, was sich nötigenfalls so benehmen könnte, daß das Schiff gegen die Wellen wendet und stoppt?

Dies sagte Rudolf Steiner in einem Vortrag unter dem Titel „Geisteswissenschaft, Gedankenfreiheit und soziale Kräfte“ im Jahre 1919, zu einem

Zeitpunkt, wo die Welt »verwoodrowwilsont« wird, wo es nötig wird, daß der Deutsche zeige, daß er ein Geistesleben vor den ganzen Erdkreis kühn hinstellen wird.

Wilsons „Neue Weltordnung“ fand in Steiner einen harten Kritiker. Wilson, dieser „unglückseligste Mensch“, fasse Freiheit nur als „Freiheit von“ auf, nicht als „Freiheit zu“. Der Mensch sei frei, so gibt Steiner Wilson wieder, wenn er ungefähr so wie das Rad in der Maschine frei laufe, wenn er sich in den äußeren Verhältnissen so fortbewege, daß er mit seinen Kräften hineingreife und nicht gehindert würde. Aus diesem Grunde ist Rudolf Steiner ein Antiglobalist avant la lettre, seine Auseinandersetzung mit dem Marxismus lohnt sich heute noch. Der „linke Weg“ von Marx, Engels, Lenin und Trotzki habe „unter dem Vorgehen, sozialisieren zu wollen, das Allerantisozialste“ entwickelt. „Die wildesten Instinkte und Triebe treten als historische Forderungen auf. Das ist der Weg, der links geht“.

Der andere Weg, der rechts geht, ist der, der sich in der heute mitgeteilten Weise hineinfindet in die Anschauung des übersinnlichen Menschen, der übersinnlichen Welt, der auch die Entwicklung des Menschen im übersinnlichen Lichte schaut, der hinaufdringt zum wirklich freien Geist.

Daß der „rechte Weg“ im parlamentarischen Sinne der 20er Jahre gemeint wäre, würde Steiner unnötig zurechtbiegen. Klar ist nur: links ist er nicht! Klar ist auch: der „wirklich freie Geist“ ist einer, der eben nicht in der durchökonomisierten, rhetorisch durchmoralisierten, verdiesseitigten Massengesellschaft zu finden ist. Das „Übersinnliche“ muß ich an dieser Stelle nicht theosophisch-esoterisch ausdeuten, sondern nur als Chiffre nehmen für die zitierte „ Freiheit, daß man sich nötigenfalls den äußeren Verhältnissen entgegenstemmen kann“.

So, und nun das Heft, von dem man erwarten dürfte, daß es dem Begründer der Anthroposophie folgt. Im Leitartikel „Weltgeist first!“ schreibt der Herausgeber Jens Heisterkamp, daß sich „Teile der Eliten selbst – seien es Publizisten, Politiker oder Philosophen – für rechtes und querfrontlerisches Gedankengut geöffnet“ hätten, und die „Fortschritte in Richtung Modernisierung, Liberalisierung und Individualisierung“ zerstörten beim „Versuch, den sozialen Organismus zu destabilisieren“.

Er sieht den „Versuch reaktionärer Kräfte, den Zusammenhalt der Nation wieder vom 'Volk' und vom Völkischen her zu denken“, als „geistiges Krankheitssymptom.“ Dagegen stellt er Hegels „Weltgeist“ als „das Allgemein-Menschliche, das Kosmopolitische, den Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit.“

(Zu Hegel nur in Klammern angemerkt: Reines Begriffsgeklingel! Hegel hat den „Weltgeist“ ja gerade als sittliche Realisierung der Geschichte im Konkreten gesehen, das „Allgemein-Menschliche“ war ihm ein Greuel. Gegen Trump läßt sich mit dem „Weltgeist“ nichts, aber auch gar nichts, ausrichten. „Weltgeist“ ist eine Kontingenzformel, keine moralische Journalistenwaffe.)

„Info 3“ bekennt sich auf den folgenden Seiten fröhlich zur „Offenen Gesellschaft“, denn die gepriesene Initiative „Die Offene Gesellschaft“, an der auch mehrere anthroposophische Institutionen teilhaben, ist ein Ableger der „Open Society Foundation“ des Oberglobalisten und NGO-Finanziers George Soros. Für die entsprechende couragierte „Haltung“ sorgen dann auch Empfehlungen zu allen möglichen Denunziations- und Anti-Rechts-Seiten (Schmalbart, Kein-Geld-für-Rechts, fearlessdemocracy, Correctiv, noodleremover, Women's March). Auch eine Strickanleitung für einen Pussy Hat gibt es (die verlinke ich der Absurdität wegen, „auch Männer“ sollten ja „selbstbewußt Vaginen“ stricken lernen dürfen).

In diese antirechte Propagandanummer passen dann auch die Best-practice-Modelle: Studentenkonferenz am Goetheanum unter dem Motto „Zeichen gegen Ausgrenzung“, eine internationale Waldorfschule, wo sie alle Feste der Religionen munter durcheinanderfeiern - exakt das ist an und für sich gänzlich Anti-Waldorf, und eine Kindergartengründung in der "Diaspora" (sic!), in Eberswalde, das ist halt tiefer AfD-Osten. 

Der Beitrag "Rußland richtig verstehen" geht davon aus, daß sich an Waldorfschulen viele Russen und Rußlandfreunde herumtreiben (u.a. wegen Russisch als Fremdsprache ab der 1. Klasse). Sie muß man schnell an die Hand nehmen, damit sie sich ja nicht im Internet auf russischen Medienkanälen wie „Russia Today“ und „Sputnik“ informieren über das, was ihnen westeuropäische Medien vorenthalten. Stattdessen rät man zur Vorselektion durch die Plattform „dekoder“ um Rußland „richtig“ zu verstehen, nämlich im antirussischen Sinne.

Auf der Internetpräsenz von „info3“ warnt man die russophilen Anthroposophen vor Dugin. In einem Interview fragt die Zeitschrift:

"Und in Westeuropa steigen jede Menge Neurechte auf dieses Konzept ein?“

Der interviewte Kenner antwortet:

In gewisser Weise ist das eine Neuauflage der von der UdSSR gesteuerten Kommunistischen Internationale, nur wir es diesmal mit einer rechtsautoritären Internationalen zu tun haben.

Wir sind alle von der „rechtsautoritären Internationale“ gesteuert.

In Deutschland beispielsweise argumentieren die Wut-Denker nicht mit Klassenkampf, sondern mit Carl Schmitt und Slavoj Žižek. Und es tut regelrecht weh zu sehen, wie auch viele links-liberal-alternative und spirituelle Menschen die ans Irrationale grenzende Propaganda gegen Hillary Clinton teilen (weil sie angeblich einen dritten Weltkrieg plante) und am Ende sogar Trumps Erfolg als „Schritt zum Weltfrieden“ begrüßen.

Das „tut regelrecht weh zu sehen“. Die Anthroposophen – das vorliegende Heft ist kein Abweichlertum, das „Freie Geistesleben“ ist organisatorisch ziemlich homogenisiert – haben Steiners Freiheitsbegriff mir nichts, dir nichts, an Clinton und Soros verraten und verkauft. Pfui Teufel, oder auch Ahriman!

Die „Fortschritte in Richtung Modernisierung, Liberalisierung und Individualisierung“, die der Zeitschriftenherausgeber mit Steiners „sozialem Organismus“ gegen die „rechtsautoritäre Internationale“ verteidigen will, sind selber Gegenstand der anthroposophischen Sozialkritik gewesen. Der „Organismus“ der Gesellschaft (bestehend aus Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben) bildet das Geistesleben aus, um damit unabhängig  g e g e n  ökonomische und politische Vereinseitigungen bestehen zu können.


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

  • Sezession

Kommentare (14)

Andrenio
12. April 2017 20:03

Kann kein Zufall sein, dass dort, wo der globalen Amerikanisierung Widerstand drohen könnte, Soros'sche Gleichschalter am Werk sind.

Der mitlaufende Anthroposoph kennt seinen Steiner schon lange nicht mehr, ähnlich wie der Katholik lieber den coolen Papst hoffiert, als bibelfest zu sein.

Man sollte eine ananyme Wählerbefragung unter Anthroposophen durchführen. Wetten, dass die Grünen ganz vorne liegen würden?

Leo
12. April 2017 22:48

Ja, liebe Frau Sommerfeld,

es ist traurig zu sehen, was unter der Überschrift "Anthroposophie" an links-grünen Zeitgeist(los)igkeiten verkauft werden kann.

Ich war auch letztes Jahr mehr als irritiert, an der Waldorfschule unserer Kinder einen Oberschüler mit Antifa-Sweatshirt anzutreffen - hat denn das Kind keine Eltern, die ihn aufklären? Keinen Lehrer, der ihn ob dieser Garderobe wenn schon nicht nach Hause schickt (wir sind ja nich' inner Zone!), so immerhin anspricht?

Die Meldung über Vorgänge an einer Hamburger Waldorfschule vor einigen Wochen (Stichwort Flüchtlinge) ließen ebenfalls Zweifel aufkommen am dialektisch Denken-Können der Beteiligten. Muß man da mittun, in einer Richtung, in der man PC-Eulen nach Athen trägt?!?

Offenbar müssen diejenigen welchen...

Would Steiner turn in his grave?

Wollen wir's hoffen---!!

Rüdiger Plantiko
12. April 2017 23:35

Eine großartige Einleitung zum Thema, bevor Sie dann zum Regenbogenjournal der Anthros übergingen!

Glücklicherweise ist "info3" nicht die Anthroposophie, sondern nur ein Anzeigenblatt und eine Klatschpostille mit Anthro-Touch, für Eltern, die ihr Kind in der Waldorfschule haben und ein bißchen wissen wollen, woher der Wind weht, um abends beim Wein mit Freunden ein zehnminütiges Gespräch zum Thema zu überstehen. Wir sollten dieses Blatt hier links liegen lassen.

Ja, Sie haben vermutlich recht: Steiners Kritik an Wilson ist in der Hauptsache wohl eine Kritik an der NWO.  (Dort wo er das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" in der Wilsonschen Formulierung anprangert, schien es ihm eher darum zu gehen, daß diese Forderung verlogen sei, nicht etwa, wie es heute gern dargestellt wird, daß er dieses Selbstbestimmungsrecht an sich ablehne: "In den letzten vier bis fünf Jahren ist außerordentlich viel über allerlei schöne Dinge gesprochen worden: Selbstbestimmung der Völker und so weiter. - Alle diese Dinge waren nicht wahr; denn dasjenige, was dahinter war, das war etwas ganz anderes, das waren selbstverständlich Machtfragen. Und wer verstehen will, bei dem handelt es sich darum, daß er von dem, was gesagt, gedacht und geurteilt wird, auf die Wirklichkeiten zurückgeht." GA 196, Vortrag vom 20.2.1920, S. 245)

Echte Anthroposophen sprechen nur im Ton höchster Verehrung von den Vökern und ihren Volksseelen, deren Mission sie, ihrem Lehrer folgend, ergründen wollen. Was ist die Mission, die historische Aufgabe eines Volkes? Das ist doch eine brennende Frage, und die Antwort lautet in jedem Fall nicht: seine Auflösung und Vermantschung in einem Welteinheitsbrei. Um die Mission eines Volkes, seinen spezifischen Beitrag im großen Konzert der Völker herauszufinden, muß man seine Wesensart sehr genau beobachten und erspüren. Anthroposophen sind überzeugt, daß Völker solche Missionen haben und in der Verwirklichung dieser Mission von höheren geistigen Wesen unterstützt und angeleitet werden. Auch die katholische Tradition wußte, daß Völker ihre Engel haben, die sie impulsieren.

Die spirituelle Austrocknung der Völker, das hedonistische Aufzehren ihres Erbes, bis zum Nullpunkt, dem Volkstod, die seichte weltweit homogenisierte (Un-)kultur, der Verlust des moralischen Kompasses als Folge eines oberflächlich verstandenen Freiheitsbegriffs - all diese Dinge sind jedenfalls den wirklichen Anthroposophen ebenso ein Grauen wie uns.

Und, ja, auch Steiners Programm der "Dreigliederung des sozialen Organismus" verstehe ich wie Sie vor allem als den Aufruf, die unselige Verfilzung der drei großen Teilsysteme der Gesellschaft, des rechtlich-staatlichen, des kulturellen und des wirtschaftlichen, zu beenden, damit diese Bereiche in Autonomie, aber auch entflochten wirken können. Ist das so weit weg von unserer Kritik an der Parteienoligarchie und an einer demokratischen Kulisse, in deren Schatten sich die Lobbygruppen gütlich tun? 

Steiner sieht aber auch den Verlust der "Gruppenseelenhaftigkeit" als einen unausweichlichen Prozess. Das sei ein historischer Bewußtseinsprozess der einzelnen Menschenseele. In seiner Sicht kommt es darauf an, nicht mehr die alte "atavistische" Gruppenseelenhaftigkeit zurückholen zu wollen, sondern das Gruppenbewusstsein mit dem nun herausgebildeten Individualbewusstsein gewissermaßen neu zu greifen. Dort wo früher die Menschen, weil das Eigenbewußtsein und der Eigenwille noch gar nicht so ausgeprägt war, sondern mehr im Kollektiven lebte,  in vielen Dingen geführt wurden, die letztlich gut für sie und für die Gemeinschaft waren,  würden sie nach Durchgang durch die jetzige Ich-Phase ihre Gemeinschaft neu und mit Bewußtsein greifen.  Das ist Steiners Version von Progressismus. Nach meinem Urteil viel zu optimistisch - wie alle Progressismen. Mir reicht als Geschichtsnarrativ die christliche Heilsökonomie.

Dr. Niemann
13. April 2017 01:47

Eine starke Analyse - daß selbst für mich randständig scheinende Journale wie "info 3 Anthroposophie im Dialog" (noch nie gehört!) ´gleichgeschaltet´ worden sind, ist für mich erhellend. Die Homogenisierungstendenz geht dabei nicht vom Fußvolk wie Ihnen und mir aus, sondern von der ´vierten Gewalt´ der veröffentlichenden Medien. Die Versuche von Maas und Konsorten, das Internet in diesen Gleichschritt zu zwingen, sind genau deshalb sehr beachtenswert, denn das Internet war der Versuch ihn aufzuweichen. Wie wird der Gleichschritt also geschafft? Ganz einfach: Durch sehr viel Kapital, das über die in den Medien arbeitenden Menschen ausgeschüttet wird, sie also beeinflußt, überspitzt als Bestechung zu bezeichnen, werden. Mit anderen Worten: Man kaufe einfach die großen Zeitungen (Washington Post), man schütte Geld in die Fernsehsender (CNN), man besteuere den Bürger um ihm sogenannte "öffentliche" Medien aufzuzwingen (GEZ) und fertig ist der ´Gleichschritt´ bzw. -klang. Unglaublich spannend daher diese Analyse, selbst Rudolf Steiners Credo und Denkensweise also erfaßt - welch ein dichtes, dichtes Netzwerk doch um uns gespannt ist!  

Neffe Mannheims
13. April 2017 09:29

Die Waldorfs haben den Multikulturalismus schon längst als neues Geschäftsmodell übernommen.

https://www.interkulturelle-waldorfschule.de

Rohmer
13. April 2017 11:13

Ich habe selbst mein halbes Schulleben auf einer großen Waldorfschule verbracht und kann sagen, dass dort schon in den 90er Jahren die Lehren Steiners kaum noch eine Rolle spielten. Höchstens unterschwellig, aber offensiv konfrontiert wurde man damit nur selten. Viele Lehrer schätzten das deutlich freiere und angenehmere Lehr- und Lernkorsett und ein gewisser anthroposophischer Ritus gehörte wohl dazu, aber eben nur sehr marginal. Tatsächlich erschienen stärker anthroposophisch auftretende Lehrer als kauzige Exoten. 

Politisch links zu sein war ziemlich normal und wurde nicht hinterfragt bzw. von Lehrern gar bestärkt. Antifas, Linksalternative und Punks gehörten zum normalen Klassenbild. Ausländer gab es kaum. 

t.gygax
13. April 2017 11:47

Frau Sommerfeld schreibt die Wahrheit. Info3 ist ein unterirdisches Blatt geworden, und die ganze Anthrokiste erinnert mich an die Staatskirchen, in denen man auch so gut wie niemand mehr findet, der sich an Jesus Christus orientiert......Das war nicht immer so, und Steiner ist davon unberührt-wenn man die unverständliche Sprache und die Esoterik abzieht, bleiben eine Menge guter und handlungsorientierter Ansätze für viele Lebensbereiche.

Ich habe in den 80er Jahren Konzerte in anthroposophischen Kulturzentren gegeben, das war ein waches Publikum, meine Kinder waren im Waldorfkindergarten, der war damals gut, ich habe die Anthros gegen die wütenden Hetzkampagnen, die vor allem in der evangelischen Kirche gegen sie zwischen 1980 und 1990 liefen, heftig verteidigt....kenne mich schon etwas aus.

  Von daher war es für mich auch ein Schock, als Info 3 in bester Antifa-Manier vor etwa 15 Jahren eine Hetzkampagne ohne Ende gegen Werner Georg Haverbeck entwickelte, gerade gegen einen Anthroposophen, der " die Tür zur Welt" nach draußen weit öffnete und deswegen bei den hardcore-Vertretern der reinen Lehre immer unten durch war. Sein Buch "Technik-Schöpfung des Menschen" ist auch heute noch absolut lesenswert in der Fülle seiner Gedanken,  die - konträr zu den meisten Anthroposophen damals- eine positive Sicht des technischen Fortschritts darlegten.

info3 bekommt ja schon Zustände , wenn man daran erinnert, dass es Haverbeck war, der mit Rudi Dutschke 1977 im Collegium Humanum erste Planungsgespräche in Richtung einer grünen Partei führte,das  kann man alles in Gretchen Dutschkes Biographie nachlesen.

2013 und 2014 hatte ich Schüler , die von Waldorfschulen auf staatliche Schulen wechselten, das waren wohlstandsverwöhnte, unangenehme Personen, von irgendeinem anthroposophischen Geist war da nichts,  aber auch gar nichts mehr zu spüren. Und das ist kein Wunder, man muss sich nur die Netzseite der interkulturellen Waldorfschule in Mannheim anschauen, die sind voll angekommen im Zeitgeist und befinden in der totalen Unterwerfungshaltung, um ja die staatlichen Fördergelder für Privatschulen in BW zu bekommen....

Oh tempora, oh mores......

sophia_
13. April 2017 15:36

Apropos "Schmerz" - Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen was Frauen dazu bewegt solche Mützchen zu stricken (Wolle doch hoffentlich von rosa Bioschafen ..) und diese auch noch stolz aufzusetzen.

Eine absichtlich tiefe Entwürdigung der wunderbaren, geheimen Stelle der Frau, wo Lust und Leben untrennbar verbunden ist.

Spezifischer Frauen-Selbsthass?  Anders wihl nicht vorstellbar.

Ver-Rückte Zeiten wohin man schaut.

Neffe Mannheims
13. April 2017 21:31

Gerade eben erst bemerkt: Die Hochschule für die Waldorflehrerausbildung in Mannheim nennt sich inzwischen:

"Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität"

https://www.institut-waldorf.de

LOL :-D

Paracelsus
14. April 2017 01:42

Um einen vielbenutzten Spruch zu verwenden: Wer glaubt, dass info3 etwas mit dem Impuls der Anthroposophie zu tun hat, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Wahr ist, dass dieses Monatsblatt es seit Jahrzehnten geschafft hat, das Aushängeschild für das real existierende anthroposophische Gruppendenken zu etablieren, wobei die schein-zeit-geistigen Meinungen mit einem Mäntelchen aus anthroposophischen Worthülsen versehen werden. Auch wirbt man für ein Zusammengehen dieser scheinbaren Anthroposophie mit verschiedenen anderen esoterischen und psycho- und ökologischen Strömungen der Gegenwart.

Auch als wahnsinnig mutige Steiner-Kritiker taten sich verschiedene Autoren dieses Organes hervor. Dabei nahm man eine Kursentwicklung, die sehr parallel zur taz ging: von einstmals noch links-alternativen und humanistischen Ideen geprägt hin zu einer nur noch human verschleierten, aber in Wahrheit stramm an den Vorgaben des korrekten Gedankenkorridors orientierten Publizistik, die sich nicht scheute, völkerrechtswidrige Kriege zu feiern usw. 

Das Beste, was man über info3 sagen kann ist, dass sie den Anthroposophen allmonatlich eine Positivitätsübungsmöglichkeit liefern: Steiners Schulungswerk für die Reifung der nichtsinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten des Menschen enthält in mehreren Variationen Übungen, die darauf hinaus laufen, dass man in allem Erleben das Positive, das Gute und Schöne aufsuchen soll, wobei Steiner mehrfach auf eine persische Legende über Jesus Christus verweist. Demnach sei Christus mit seinen Jüngern auf dem Wege an einer Hundeleiche vorbei gekommen, wobei sich alle angeekelt abgewandt hätten, während Jesus staunend auf die schönen Zähne des verstorbenen Hundes blickte.

Ich erwähne dies hier, weil solches Herangehen eminent seelen-hygienisch wirkt, was gerade in der Gegenwart mit ihren massenhaft medial verbreiteten Gedankenkadavern sehr wichtig erscheint: Es sind in den letzten Monaten und Jahren so einige Menschen wohl aus Verzweiflung über die grassierende Falschheit freiwillig in den Tod gegangen.

 

Caroline Sommerfeld
14. April 2017 02:16

@Paracelsus: Das ist ungefähr so wie der Vergleich, was "Christ in der Gegenwart" (letzte Woche betitelt: "Wer an Gott glaubt, hilft Flüchtlingen") mit dem Impuls des Christentums zu tun hat.

Das "realexistierende anthroposophische Gruppendenken" verhält sich parasitär zu seinen eigenen Grundlagen. Ich freu mich schon auf das roll-back!

Paracelsus
14. April 2017 15:04

@Caroline Sommerfeld

Ich verfolge CiG aktuell nicht, erinnere mich aber an durchaus differenzierte Artikel in dieser Zeitschrift, zum Impuls des Islams beispielsweise. 

Wenn man die Zeitschriftenschau aufs Katholische ausweiten will, kommt für den Typus "info3" und "taz" natürlich "publik forum" sofort ins Blickfeld. Dort wird die scheinhumanistische Entgrenzungsrhetorik rauf und runter gebetet; Entgrenzung sowohl im Spirituellen als auch was die Ideale der Umsiedlung der Menschen betrifft.

- An sich war Ihrem Artikel nichts hinzuzufügen, denn die Überschrift trifft den Sachverhalt info3 punktgenau: der Weltgeist wird da verraten und verkauft. Es wird eine Als-ob-Anthroposophie herausposaunt, und der "Als-ob"-Modus ist heute in gewisser Weise ubiquitär zu beobachten: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", die Kirchen als Christentumsdarsteller, die Medien mit ihrer scheinbaren Kontrollfunktion, die Freiheit der Presse als Freiheit der Pressebesitzer...

Zum Stichwort "roll back": Ich sehe das als harte Arbeit an, sich wirklich aus der Gruppenhaftigkeit zu lösen, als Einzelner dazustehen ohne Rücksicht darauf, was die Mehrheit meint, und sei es die Mehrheit der Menschengruppe, der man sich eigentlich nahe fühlt. Der Impuls Rudolf Steiners (für eine Selbst-Entwicklung des Menschen, in aller Demut) ist so kostbar, dass er letztlich nur im "stillen Kämmerlein" eines jeden Herzens getragen werden kann und soll. Also nicht Übernahme von unverstandenen Gedanken, Verhaltensempfehlungen usw.

Ein Kernsatz dazu ist: Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können, sonst gerät man unter ihre Knechtschaft. (Steiner, Phil. d. Freiheit; in der 1. Auflage hiess es noch statt "erlebend": "als Herr"): diesen Satz erlebend kann man empfinden, dass es eben immer um das eigene geht; jeder Schritt muss selbst gegangen werden; sich an andere anhängen: das reicht nicht. 

Insofern könnte man z.B. Jörg Bernig für seine Kamenzer Rede 2016 zum "Ehren-Anthroposophen" ernennen, falls er das als Würdigung empfände: er hat in vorbildlicher Weise auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Mut zum eigenen Verstand zu bewahren.

Unter Anthroposophie-nahen Autoren, die den Individualismus pflegen und sich nicht scheuen, von der Gruppenhaltung abweichende Ausblicke auf Welt und Mensch zu pulbizieren, ist z.B. Karen Swassjan zu nennen, zuletzt mit einem philosophischen Werk, Untertitel  "Ein Nachruf auf das Denken" - in jeder gut sortierten anthroposophischen Buchhandlung ist das sicher etwas vorhanden.

Caroline Sommerfeld
14. April 2017 18:38

@ paracelsus:

"Ich verfolge CiG aktuell nicht, erinnere mich aber an durchaus differenzierte Artikel in dieser Zeitschrift, zum Impuls des Islams beispielsweise."

Ich aber - schauen Sie mal hier: https://fauxelle.wordpress.com/2016/07/21/interruptus/ und hier: https://fauxelle.wordpress.com/2017/01/12/interruptus-ii/, und stören sich bitte nicht an der titelgebenden Metapher,  enttäuschte Erwartungen gibt es auf vielen Ebenen des Lebendigen.

Paracelsus
15. April 2017 16:57

@fauxelle

Schöne Analysen!  Diffizil herausgearbeitet, wie lange der Chef der CiG in Kontakt zur Realität bleibt, und wann er sich abwendet und Phantasien erliegt.

Es bleibt eine spannende Frage, wie dies zustande kommt: sind es die Grenzen der inoffiziellen, aber sehr mächtigen Zensur? Wie schnell wäre Herr Röser weg vom Fenster, wenn er Ihren Vorschlägen folgen würde? Oder haben wir da wieder die falsche Angst vor Folgen, die doch nicht eintreten, wobei die Angst die gelebte Zensur erst manifest macht?

In jedem Fall ist hier aus anthroposophischer Blickrichtung ein Knackpunkt des gegenwärtigen Zeitalters: entwickelt der Einzelne die Seelen-Qualität der "Bewusstseinsseele", d.h. die Fähigkeit, in einer gewissen Überschau ein Geschehen zu betrachten, also nicht emotional verstrickt ("Empfindungsseele", was bedeutet das Geschehen für mich persönlich), nicht nur verstandesmässig-einordnend ("Verstandesseele"), sondern mit einem Wissen darum, wie das Geschehen im Lichte von einer (von mir selbst unabhängigen) Wahrhaftigkeit erscheint? Wie ein Geschehen in einem größeren Zusammenhang wirkt!?

 

Noch ein Satz zu Wilson/Trump: bemerkenswert, wie sich die Szenen zu gleichen scheinen: Präsidentschaftswahlkampf `16: Protektionismus, Absage an Kriegseintritt .., April `17: Kriegseintritt...

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.