Frankreich nach der verlorenen Wahl

Obwohl das Ergebnis der französischen Präsidentenwahl nicht überraschte, fühlte ich mich Sonntag einmal mehr wie in einem Polanski-Film, genauer gesagt, wie in der Schlußszene von Rosemary’s Baby.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Wie so oft bei Polan­ski, tri­um­phiert das Böse auf iro­nisch-maka­bre Wei­se (Spoiler­war­nung!): Rose­ma­ry muß erken­nen, daß sie eben den Anti­chris­ten zur Welt gebracht hat, und wäh­rend sie vor Ent­set­zen die Fas­sung ver­liert, beju­beln die ver­sam­mel­ten Sata­nis­ten, alle­samt eher kau­zi­ge und spie­ßi­ge Cha­rak­te­re, wie blöd die Geburt des teuf­li­schen Mes­si­as: “Das ist das Jahr Eins! Heil Satan!”

Um noch eins drauf­zu­set­zen, deu­tet Polan­ski am Ende an, daß sich Rose­ma­ry mit ihrem – viel­leicht gar nicht so schlim­men? – Schick­sal abfin­den und mit den Sata­nis­ten gemein­sa­me Sache machen wird.

Wer auf einen Sieg von Mari­ne Le Pen gehofft hat, wird sich nun viel­leicht in einer ähn­li­chen Lage sehen. Wie schon nach der öster­rei­chi­schen Prä­si­dent­schafts­wahl 2016 und der nie­der­län­di­schen Par­la­ments­wahl im März die­ses Jah­res beju­belt der poli­tisch-media­le Kom­plex des Wes­tens geschlos­sen die Ret­tung “Euro­pas” und der “Demo­kra­tie” vor der “rechts­po­pu­lis­ti­schen” oder “rechts­ex­tre­mis­ti­schen” Gefahr.

Die öster­rei­chi­sche Pres­se ver­kün­det, daß die “Gefahr einer tie­fen poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Kri­se für Frank­reich und die gesam­te EU abge­wen­det” sei, und hat dazu ein paar Bän­ker befragt (ähn­li­che Sze­na­ri­en soll­ten bereits den Bre­x­it auf­hal­ten): “Die Fran­zo­sen haben für Euro­pa und die Ver­nunft gestimmt.”

“Cha­peau, Mon­sieur le Pré­si­dent!”, gra­tu­lier­te der Leit­ar­ti­kel der­sel­ben Zei­tung vom 8.5.:

Das muss man als Wahl­sie­ger in Frank­reich erst ein­mal schaf­fen: den ein­hel­li­gen Jubel von libe­ra­len Öko­no­men wie von lin­ken Poli­ti­kern aus ganz Euro­pa auszulösen.

So ein gro­ßes Wun­der ist das für­wahr nicht, wenn man gegen ein “rechts­ex­tre­mes” Kro­ko­dil gecas­tet wird, und daß sich die “libe­ra­len Öko­no­men”, also wohl Bän­ker und Neo­li­be­ra­le, mit den “lin­ken Poli­ti­kern” präch­tig ver­ste­hen, wenn es gegen die “popu­lis­ti­schen” Oppo­nen­ten geht, soll­te auch kei­ne gro­ße Neu­ig­keit sein.

“Wir” resp. “Euro­pa” sol­len nun auf­at­men, denn wie­der ein­mal wur­de Natio­na­lis­mus und Ras­sis­mus, “Abschot­tung, Zynis­mus und Haß” (Sig­mar Gabri­el) Ein­halt gebo­ten. Für Hein­rich Wefing von der ZEIT war es ein “Sieg gegen die Angst. Gegen das Enge. Gegen den Natio­na­lis­mus. Und gegen Putin.”

Die Welt schrieb, Macron habe “im Allein­gang mit enor­mem poli­ti­schem Mut die EU geret­tet”, ganz so, als habe der ehe­ma­li­ge Wirt­schafts­mi­nis­ter, Sozia­list, Roth­schild-Invest­ment­ban­ker, Bil­der­ber­ger, Hol­lan­de-Zög­ling kei­ne enor­me Unter­stüt­zung durch das poli­ti­sche Estab­lish­ment, die Mas­sen­me­di­en und ver­mut­lich mal wie­der Geor­ges Soros bekommen.

Die übli­chen Ver­däch­ti­gen sind vol­ler Freu­de: “Ein kla­res Bekennt­nis zu Euro­pa” (Mer­kel), “Ein Sieg für Macron, Frank­reich, die EU und die Welt” (Hil­la­ry Clin­ton), “Die Ode an die Freu­de hat­te heu­te ihren ange­mes­se­nen Platz im Lou­vre. Die Euro­pa­hym­ne bringt Hoff­nung für die Zukunft” (Carl Bildt), “Jetzt machen wir Euro­pa gemein­sam bes­ser” (Mar­tin Schulz), „Glück­wunsch an Emma­nu­el Macron und an das fran­zö­si­sche Volk, das sich für Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit und nicht für Tyran­nei und Fake News ent­schie­den hat.“ (Donald Tusk), „Glück­lich, dass die Fran­zo­sen eine euro­päi­sche Zukunft gewählt haben“ (Jean-Clau­de Juncker), um nur ein paar Bei­spie­le zu nennen.

Ana­log zur per­ma­nen­ten Dämo­ni­sie­rung Le Pens wird Macron scham­los zu einem ken­ne­dy­ar­ti­gen Strah­le­mann sti­li­siert. Hier ein beson­ders kleb­ri­ges Bei­spiel aus dem Stan­dard:

Die Lie­be ist Macrons Pro­gramm. In sei­nem Buch “Révo­lu­ti­on” (2016) beschreibt er, wie er in der Pro­vinz­stadt Ami­ens in “Zärt­lich­keit und Ver­trau­en” auf­ge­wach­sen sei, um danach in Paris beim Phi­lo­so­phen Paul Ricœur (“Der Eros ist im Sein”) unter­zu­kom­men. Dann besuch­te Macron die Eli­te­schu­le ENA, wur­de Vize­se­kre­tär im Ély­sée-Palast und Wirt­schafts­mi­nis­ter. “Man schafft nichts Gutes ohne Lie­be”, schreibt Macron in sei­ner Pro­fess und bekennt sich dar­in zu sei­ner “freu­di­gen Lei­den­schaft für die Frei­heit, Euro­pa, die Wis­sen­schaf­ten, das Uni­ver­sel­le”. Welch Kon­trast zum Darth Vader der fran­zö­si­schen Poli­tik, Mari­ne Le Pen. Macron steht für die Lebens­freu­de und Ener­gie der Jugend, die kei­ne Kon­ven­tio­nen braucht, kei­nen fal­schen Respekt kennt. Bei einer Snap­chat-Dis­kus­si­on schrieb ihm unlängst ein Stu­dent, der um Macrons deut­lich älte­re Ehe­frau weiß: “Ich fah­re auf mei­ne Straf­rechts­pro­fes­so­rin ab, was soll ich tun?” Nun: Zuerst müs­se er her­aus­fin­den, ob das Gefühl gegen­sei­tig sei, ant­wor­te­te der Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat. “Wenn dem so ist, dann nur drauf­los, kei­ne Tabus. Wenn nicht, stel­len Sie sich selbst infrage.”

Die “Lie­be” ist Macrons Pro­gramm, unse­rer hip­pen Anything-goes-Neu­auf­la­ge von Harold aus “Harold und Mau­de”, im Gegen­satz zu Le Pens “Haß”!

Die offen­sicht­li­che Wahr­heit ist viel­mehr, daß der kin­der­lo­se und wahr­schein­lich homo­se­xu­el­le Macron, der eher in der Alters­ko­hor­te der “Baby­boo­mer” (80% der über 65jährigen stimm­ten für ihn) als jener der mehr Le Pen zuge­neig­ten “Mil­le­ni­als” (44% der 18–24jährigen) punk­te­te, ein “Stroh­mann der Poli­ti­schen Klas­se ist” (Karl­heinz Weiß­mann) ist, ein “rei­nes Pro­dukt des Sys­tems” (Chris­ti­ne Tau­bi­ra), das ihn gezielt gegen Le Pen ins Feld geführt hat, nach­dem die abge­half­ter­ten eta­blier­ten Par­tei­en ihrem Ansturm nicht mehr gewach­sen waren.

Macron scheint einer poli­ti­schen “Cas­ting­show” ent­sprun­gen zu sein, wie Sezes­si­on-Autor und Co-Lei­ter des Karo­lin­ger-Ver­la­ges Kon­rad Weiß unlängst im Talk im Han­gar 7 bemerk­te.

Macron ist der Mann der “welt­of­fe­nen” Eli­ten und der offe­nen Gren­zen, der Finanz­märk­te und der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­ten. Ren­aud Camus nennt ihn einen “per­fek­ten Rem­pla­cis­ten”, und in der Tat hat Macron kei­nen Zwei­fel dar­an gelas­sen, wo er in letz­te­rer Fra­ge steht.

Ähn­lich Mer­kel spricht er von lie­ber von den “Men­schen von Frank­reich” (peu­p­le de Fran­ce) statt vom “fran­zö­si­schen Volk” (peu­p­le fran­çais), drück­te auf die natio­nal­ma­so­chis­ti­sche Schuld­tu­be, indem er den Kolo­nia­lis­mus als “Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit” bezeich­ne­te, und äußer­te wie­der­holt Sät­ze wie: “Es gibt kei­ne fran­zö­si­sche Kul­tur, es gibt eine Kul­tur in Frank­reich, und die ist vielfältig.”

Ange­la Mer­kel betrach­tet er offen­bar als leuch­ten­des Vor­bild (das fol­gen­de Zitat fiel kurz nach dem Ter­ror­an­schlag in Berlin):

Kanz­le­rin Mer­kel und die gan­ze deut­sche Gesell­schaft waren auf der Höhe unse­rer gemein­sa­men Wer­te. Sie haben unse­re kol­lek­ti­ve Wür­de geret­tet, indem sie not­lei­den­de Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men, unter­ge­bracht und aus­ge­bil­det haben.

Auch sonst hat Macron deut­lich gemacht, daß die Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Frank­reich und Euro­pa sei­ner Ansicht nach fort­ge­setzt wer­den muß bzw. nicht auf­ge­hal­ten wer­den kann:

Ein­wan­de­rung ist eine Chan­ce für uns alle. (zum israe­li­schen Kanal i24 News, Sep­tem­ber 2015)

Ich wer­de der alge­ri­schen Regie­rung die Stif­tung eines fran­ko-alge­ri­schen Jugend­bü­ros vor­schla­gen, um die Mobi­li­tät zwi­schen den bei­den Mit­tel­meer­küs­ten zu ermu­ti­gen. (12. Febru­ar 2017, anläß­lich eines Besuchs in Algerien)

Ein­wan­de­rung ist Teil der Welt, in der wir leben. Alles Demo­kra­tien sind heu­te mit die­ser Wirk­lich­keit ver­traut. Die­se Bewe­gun­gen wer­den wei­ter­hin wach­sen. Wir dür­fen unse­re Mit­bür­ger nicht anlü­gen: wir kön­nen die Ein­wan­de­rung nicht mehr los­wer­den. (22. Febru­ar 2017, Paris)

Wir sind in eine Epo­che gro­ßer Migra­ti­ons­wel­len ein­ge­tre­ten. Und es wird immer mehr und mehr davon geben. Frank­reich wird nicht in der Lage sein, sie ein­zu­däm­men. Euro­pa wird von wie­der­keh­ren­den Migra­ti­ons­wel­len betrof­fen sein. Aber von einem Migra­ti­ons­phä­no­men, das viel grö­ßer sein wird als das, was wir in Syri­en erlebt haben. Und es wer­den Bevöl­ke­run­gen sein, die ohne Zwei­fel mehr in unse­re Rich­tung als Rich­tung Deutsch­land zie­hen wer­den, wenn die Zeit kommt. (22. Febru­ar 2017, in einer Dis­kus­si­on mit Jour­na­lis­ten des Maga­zins Sci­en­ces et Avenir)

Gleich­zei­tig beteu­er­te er, den Ter­ro­ris­mus in Euro­pa bekämp­fen zu wol­len: “Wir müs­sen schnell ein sou­ve­rä­nes Euro­pa schaf­fen, das in der Lage ist, uns gegen äuße­re Gefah­ren zu schüt­zen, um die inne­re Sicher­heit bes­ser zu gewährleisten.”

Nach dem Anschlag auf der Champs Ély­sées vom 20. April klang er aller­dings etwas weni­ger ent­schlos­sen: “Die­se Bedro­hung, die­ses unbe­re­chen­ba­re Pro­blem wird in den kom­men­den Jah­ren Teil unse­res täg­li­chen Lebens sein”, sag­te er in einem Radio­in­ter­view. Man kennt das­sel­be Lied etwa von Manu­el Valls, de Maziè­re oder dem mus­li­mi­schen Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter Sadiq Aman Khan: “Wir müs­sen mit dem Ter­ror leben.” Dabei ist längst ent­schie­den, daß “der Islam zu Frank­reich gehört”.

Unter den gehack­ten Doku­men­ten der “Macron-Leaks” (laut Wahr­heits­pres­se wahl­wei­se eine “rechts­ex­tre­me Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne” oder eine, wir ken­nen das Lied, von Ruß­land gesteu­er­te Cyber­at­ta­cke) fin­det sich auch ein Plan zu einer Art Kon­kor­dat mit dem Islam. Dem­nach ist unter ande­rem vorgesehen:

  1. Die Grün­dung zwei­er gro­ßer staat­lich gestütz­ter Insti­tu­tio­nen, die den “Islam von Frank­reich” reprä­sen­tie­ren sollen;
  2. Die Ein­set­zung eines “Groß-Imams”, der einen Islam ver­kün­di­gen soll, “der mit repu­bli­ka­ni­schen Wer­ten ver­ein­bar ist”;
  3. Die staat­li­che För­de­rung von Schul­un­ter­richt in klas­si­schem Ara­bisch, offen­bar mit dem Zweck, die­se Auf­ga­be nicht den Moscheen zu über­las­sen (die sich der staat­li­chen Kon­trol­le entziehen);
  4. Die Aus­übung des Islams im täg­li­chen Leben zu erleich­tern (die Anla­ge von isla­mi­schen Fried­hö­fen wird erwähnt);
  5. Die Ernen­nung eines Staats­se­kre­tärs für Reli­gi­on und Lai­zi­tät, vor allem, um sicher­zu­stel­len, daß der Islam fran­zö­si­siert wird und an die Repu­blik gebun­den bleibt, ohne das Prin­zip der Lai­zi­tät zu verlassen;
  6. Auf­klä­rungs­stra­te­gien über den Islam zu ent­wi­ckeln, wobei unter ande­rem durch Sta­tis­ti­ken “ver­schie­de­ne Fra­gen über die Zahl der Mus­li­me in Frank­reich ent­mys­ti­fi­ziert” wer­den sollen.

Das Ziel ist offen­bar, nach dem Vor­bild des Gal­li­ka­nis­mus einen “Islam de Fran­ce”, einen natio­nal inte­grier­ten Fran­ko-Islam zu schaf­fen. Damit soll wohl die lau­fen­de Isla­mi­sie­rung in staat­lich kon­trol­lier­te Bah­nen gelei­tet wer­den, ohne dabei das lai­zis­ti­sche Prin­zip, auf das die Fran­zo­sen so stolz sind, aufzugeben.

Eine der­ar­ti­ge Insti­tu­tio­na­li­sie­rung könn­te aller­dings schnell zum zwei­schnei­di­gen Schwert wer­den – das “Unterwerfungs”-Szenario Hou­el­le­becqs wäre hier nicht mehr fern. Inzwi­schen hat Macron auch Polen mit Sank­tio­nen gedroht, wenn es sich wei­ter­hin “den Wer­ten der Euro­päi­schen Uni­on” ver­schließt und die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen verweigert.

Nun ist der Retor­ten­kan­di­dat also durch­ge­boxt, aber sei­ne Beliebt­heit dürf­te sich trotz des media­len Hypes eher in Gren­zen hal­ten. Jür­gen Limin­ski rech­ne­te in der Jun­gen Frei­heit vor, in wel­chem Kon­text die 65% Stim­men zu sehen sind: 25,6%, also 12 der 47 Mil­lio­nen Wäh­ler, gin­gen gar nicht erst zur Wahl, wäh­rend vier Mil­lio­nen aus Pro­test ungül­tig wähl­ten und damit signa­li­sier­ten, daß sich weder für die Pest noch für die Cho­le­ra ent­schei­den wollten.

Wenn man dann noch die in Umfra­gen geschätz­ten fünf Mil­lio­nen Wäh­ler abzieht, die für Emma­nu­el Macron in der Stich­wahl gestimmt haben, um die Vor­sit­zen­de des Front Natio­nal, Mari­ne Le Pen, zu ver­hin­dern, dann schmilzt das stol­ze Zwei-Drit­tel-Ergeb­nis auf rund ein Vier­tel der Wäh­ler als authen­ti­sche Anhän­ger Macrons zusam­men. Das ist wenig für eine Demokratie.

In der Tat, aber noch mage­rer hät­te es für die gefürch­te­te Mari­ne Le Pen aus­ge­se­hen, hät­te sie mit einer knap­pen Mehr­heit gewon­nen. 11 Mil­lio­nen Stim­men sind aller­dings ein beacht­li­ches Ergeb­nis für eine der­art ver­fem­te Kan­di­da­tin. ´Man soll­te aber nicht ver­ges­sen, daß der ste­ti­ge Auf­stieg des FN (der viel­leicht an eine Gren­ze gesto­ßen ist) direkt pro­por­tio­nal mit dem Was­ser­stands­pe­gel der Mas­sen­ein­wan­de­rung einhergeht.

Hier auf der rech­ten Sei­te des Mon­des, von der auch ich auf die Din­ge bli­cke, ist es vom Stand­punkt der Ver­nunft aus völ­lig unbe­greif­lich, wie­so nicht noch viel, viel mehr Fran­zo­sen für Le Pen gestimmt haben, son­dern für einen Kan­di­da­ten, der expres­siv ver­bis more of the same bedeu­tet, trotz der schi­cken Verpackung.

Wie kann ein Land, das der­art mas­siv von isla­mi­schem Ter­ro­ris­mus, mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­schem Zer­fall, schwe­len­den Frus­tra­tio­nen und bür­ger­kriegs­ar­ti­gen Ent­la­dun­gen heim­ge­sucht wird, auch nur eine Sekun­de zögern, für den Kan­di­da­ten zu stim­men, der ein zu ande­ren Zei­ten selbst­ver­ständ­li­ches Mini­mal­pro­gramm von siche­ren Gren­zen, Ein­wan­de­rungs­kon­trol­le und natio­na­ler Iden­ti­tät vertritt?

Ich wür­de fol­gen­de Grün­de nen­nen: Zum einen hat die seit Jah­ren andau­ern­den flä­chen­de­cken­de Ver­teu­fe­lung von Le Pen als “Nazi”, “Faschis­tin” oder “Ras­sis­tin” eine tief­ge­hen­de, abschre­cken­de Wir­kung. Wie auch im Duell Hofer vs. Van der Bel­len spiel­ten hys­te­ri­sche, künst­lich erzeug­te Ängs­te vor dem “brau­nen Gespenst” eine gro­ße mobi­li­sie­ren­de Rol­le. Der tota­le Zusam­men­schluß der Par­tei­en, Medi­en, Kir­chen etc. gegen den Front Natio­nal baut enor­men sozia­len Druck auf, schüch­tert die Nor­ma­los ein, ver­un­si­chert die Urteils­schwa­chen, zwingt zur Kon­for­mi­tät und Anpassung.

Le Pens Geg­ner haben gene­rell auf dem Feld der “Wer­te” einen ent­schei­den­den Vor­teil, denn auch in Frank­reich ste­hen Gut­men­schen­tu­gen­den wie “Anti­ras­sis­mus”, “Tole­ranz”, “Welt­of­fen­heit” hoch im Kurs. Eine Poli­tik, die die natio­na­len Inter­es­sen vor­an­stellt, gilt hin­ge­gen als eng­stir­nig, abschot­tend, fins­ter, “ras­sis­tisch”, als Ange­le­gen­heit der “Abge­häng­ten”, zu denen nie­mand gehö­ren will.

Die­se Herr­schaft der “Wer­te” hat eine nicht zu unter­schät­zen­de Macht auf das Selbst­wert­ge­fühl und die Urteils­kraft der Men­schen, ver­bun­den mit der Angst, der Wirk­lich­keit ins Auge zu bli­cken und sie ins Bewußt­sein sickern zu las­sen. Man hört mit Ver­blüf­fung, daß der vor allem von “Bobos” bewohn­te Pari­ser Bezirk, in dem sich das Bata­clan befin­det, zu 93% für Macron gestimmt hat. Gut­men­schen und Bobos sind offen­bar unbe­lehr­bar – selbst wenn man sie mas­sa­kriert und ver­ge­wal­tigt, sind sie nicht imstan­de, ihre Ver­blen­dungs­bla­se zu verlassen.

Ein erheb­li­cher Fak­tor ist gewiß auch die eth­ni­sche Wahl. Sie betrifft nicht nur Mus­li­me, die über­wie­gend für islam- und ein­wan­de­rungs­freund­li­che Par­tei­en stim­men, son­dern auch gene­rell sämt­li­che fran­zö­si­schen Staats­bür­ger nord- oder schwarz­afri­ka­ni­scher Her­kunft. Hier gibt es kei­ne ver­läß­li­chen offi­zi­el­len Zah­len, aller­dings genü­gen ein paar Fahr­ten mit der Pari­ser Métro, um zu erken­nen, daß der eth­ni­sche “Aus­tausch” der wei­ßen Stamm­fran­zo­sen erheb­lich fort­ge­schrit­ten ist. Die­se Wäh­ler wer­den fast schon auto­ma­tisch für den als “anti­ras­sis­tisch” gel­ten­den Kan­di­da­ten stim­men, obwohl es auch hier nicht weni­ge Aus­nah­men gibt.

Eine gewis­se Rol­le wird auch der vor­ge­täusch­te Patrio­tis­mus Macrons gespielt haben, ähn­lich wie im Fal­le Van der Bel­lens, der wäh­rend des Wahl­kamp­fes mas­siv an patrio­ti­sche und hei­mat­li­che Gefüh­le der Wäh­ler appel­liert hat­te. Bes­ser als im Fal­le Schulz gelang es hier, Macron als eine Art Estab­lish­ment-Popu­lis­ten zu insze­nie­ren, inklu­si­ve wedeln­der Tri­ko­lo­re-Mee­re, pathe­ti­schem Ton­fall, mus­so­li­niar­ti­ger Ges­tik und Kathe­dra­len­be­su­chen, um auch das bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve Gemüt zufrie­den­zu­stel­len. Ich sehe hier auch Par­al­le­len zu Hil­la­ry Clin­ton: eine glo­ba­lis­ti­sche Agen­da wird in eine patrio­ti­sche Hül­le ver­packt, gleich­sam mit einer Fah­ne umwickelt.

Nicht zuletzt erweckt ein jun­ger, wei­ßer Fran­zo­se, schön wie Alain Delon in sei­nen Glanz­jah­ren, die Illu­si­on, daß Frank­reich immer noch den Fran­zo­sen gehö­re und nichts sich geän­dert habe. Indes erin­nert mich das all­zu glat­te gute Aus­se­hen Macrons eher an den “Ame­ri­can Psy­cho” Patrick Bateman oder an den “talen­tier­ten Mr. Ripley”, und sei­ne lang­jäh­ri­ge Bezie­hung zu einer ein Vier­tel­jahr­hun­dert älte­ren Frau, die in sei­ne Teen­ager­jah­re zurück­reicht, hat etwas Irri­tie­ren­des; die­ser ita­lie­ni­sche Psych­ia­ter hält ihn gar für einen wasch­ech­ten Psychopathen.

Schließ­lich müs­sen aber auch die Schwä­chen Le Pens genannt wer­den. Wie Ren­aud Camus bemerk­te, ist sie als Per­son und Poli­ti­ke­rin “très impar­fait”, äußerst unvoll­kom­men.  Selbst ihrer Sache eher wohl­ge­son­ne­ne Fran­zo­sen, die ich befragt habe, emp­fan­den ihren Wahl­kampf als schlecht und ihr Pro­gramm als dürf­tig, ins­be­son­de­re ihr all­zu aggres­si­ves Auf­tre­ten in ihrem letz­ten Fern­seh­du­ell gegen Macron als kontraproduktiv.

Man­chen Kon­ser­va­ti­ven ist sie zu “sozia­lis­tisch”, ande­re wie­der sind von ihrer all­zu radi­ka­len Hal­tung zur EU abge­schreckt, die einen Fre­x­it im Gegen­satz zu einem Bre­x­it nicht ver­kraf­ten könnte.

Eines ist jeden­falls gewiß: Genau­so­we­nig, wie ein Wahl­sieg Le Pens irgend­ein Pro­blem gelöst hät­te (er hät­te allen­falls der “rechts­po­pu­lis­ti­schen” Agen­da mehr Legi­ti­mi­tät und Aner­ken­nung ver­schafft), so wenig wird auch Macron imstan­de sein, die wohl irrepa­ra­bel zer­ris­se­ne Nati­on zu einen. Das ist die Quit­tung für die Poli­tik der “Viel­falt”, die zu neu­en Ras­sen- wie Klas­sen­kämp­fen geführt hat. Diver­si­ty divi­des. Im Edi­to­ri­al zur kom­men­den Aus­ga­be von Élé­ments schreibt Alain de Benoist (der mir freund­li­cher­wei­se eine Pre­view gewährte):

Frank­reich ist nicht bloß geteilt, frag­men­tiert, ent­zwei­ge­schla­gen. Es setzt sich aus Indi­vi­du­en und sozia­len Grup­pen zusam­men, die nicht in der­sel­ben Rea­li­tät leben, die nicht die­sel­ben Din­ge sehen, die nicht die­sel­be Luft atmen und nicht ein­mal die­sel­be Spra­che spre­chen. Das obe­re Frank­reich und das unte­re Frank­reich sind inzwi­schen glei­cher­ma­ßen dem “zusam­men leben” [ein zum Kli­schee gewor­de­ner Mul­ti­kult­islo­gan, ver­gleich­bar unse­rer “Bunt­heit”. – M. L.] ent­frem­det. Sie leben nicht ein­mal mehr neben­ein­an­der. Sie leben gegen­ein­an­der. Die übli­che Rol­le des Poli­ti­schen ist die Her­vor­brin­gung eines Gemein­we­sens, die Orga­ni­sa­ti­on eines gemein­sa­men Rau­mes. Aber die Poli­tik hat ihre natür­li­che Beru­fung ver­ges­sen. Je mehr von einer “inklu­si­ven Gesell­schaft” die Rede ist, umso mehr schrei­tet die Frag­men­tie­rung fort.

Die Bien-pensance (sinn­ge­mäß: der poli­tisch kor­rek­te Kon­for­mis­mus) sei in die­ser Lage zu einer Waf­fe im Klas­sen­kampf gewor­den. Auf der einen Sei­te ste­hen wirt­schaft­li­che und poli­tisch-media­le Eli­ten, Groß­bür­ger­li­che, Self­made-Unter­neh­mer und Bobos; auf der ande­ren Sei­te die­je­ni­gen mit einem nied­ri­gen oder beschei­de­nen Ein­kom­men, Arbei­ter, Land­wir­te, die unte­ren Schich­ten der Mittelklasse.

Auf der einen Sei­te die Bewoh­ner der gro­ßen Metro­po­len, auf der ande­ren das “peri­phe­re”, länd­li­che und ent­in­dus­tria­li­sier­te Frank­reich. Auf der einen Sei­te die “Kos­mo­po­li­ten”, die ein “welt­of­fe­nes” und grenz­of­fe­nes Frank­reich wün­schen, “mit der Hand auf der Brief­ta­sche, wenn sie die Natio­nal­hym­ne sin­gen”, auf der ande­ren die Men­schen, die an ihrem “imma­te­ri­el­len Erbe”, ihrer Lebens­art und Sou­ve­rä­ni­tät im eige­nen Land und in den eige­nen Gemein­schaf­ten fest­hal­ten wol­len: “Die Gewin­ner und die Ver­lie­rer der Mobi­li­sie­rung” aller Dinge.

Die Fra­ge wäre noch zu unter­su­chen, auf wel­che Wei­se die­se Klas­sen­spal­tung durch das eth­ni­sche Pris­ma gefil­tert und sor­tiert wird.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (26)

Wahrheitssucher

10. Mai 2017 15:13

Sehr geehrter Herr Lichtmesz; einer der profundesten, überzeugendsten und besten Artikel, die je auf diesen Seiten zu lesen waren. Sie sind wahrlich eine "Edelfeder"!

RMH

10. Mai 2017 15:59

Ich möchte noch anmerken, dass Macron durchaus romano-faschistisch inszeniert wird. Seine Gesten, mit entschlossenem Blick beide Hände zum Himmel, er ganz alleine am Rednerpult, alle überragend - dann in weihevoller Inszenierung zu den Klängen Beethovens Ode an die Freude sein erster Gang nach der gewonnenen Wahl. Die Bilder sprechen für sich - und wenn Le Pen nach einer gewonnen Wahl sich so inszeniert hätte, würden unser Blätter dies umgehend als die Wiederkehr des Faschismus denunzieren.

Es fehlte eigentlich nur noch ein Fackelzug seiner Anhänger durch Paris, aber übertreiben will es das System dann wohl doch nicht. Man verwendet geschickt faschistische Ästhetik, um so die Pille des Finanzglobalismus den alten Franzosen schmackhaft zu machen. Da präsentierte sich ein Führer und seine Bewegung heißt auch noch "En Marche!" (Mit Ausrufezeichen! So einen Namen sollte sich mal einer in Deutschland trauen).

Man hat  geschickt an der bei den Franzosen existierenden welsch-faschistischen Emotionsschicht gegraben und die in jedem Volk liegenden Seiten des Hangs zur klaren, starken Führung angestimmt. Die Führer-Ästhetik zieht also immer noch. Die SPD versucht das ja ansatzweise auch mit dem Schulzen, doch dessen Zug hat Dampfverlust im Kessel, bevor er richtig los gefahren ist. Vielleicht sollte er sich auch einfach mal rasieren und nicht wie ein typischer, grau-melierter Beamten-Penner aus einer durchschnittlichen deutschen Verwaltungsbehörde daher kommen. Da hat Macron zweifelsohne mehr Stil.

PS: Ich nehme Macron übrigens seine Passion für gereiftere Frauen ab und halte ihn nicht für homosexuell (das war ohne Not zu tief geschlagen - der Hinweis auf Harold & Maude dagegen treffender). Schlimmer wäre es, wenn ein 39-Jähriger eine 24 Jahre jüngere Frau hat, als wie hier, eine 24 Jahre ältere. Aber diese Formate von Politikern mit der entsprechenden Neigung soll es ja auch geben.

Der_Jürgen

10. Mai 2017 16:11

Eine grossartige Analyse!

Dass Martin Lichtmesz von „Rosemary’s Baby“ fasziniert ist, wundert mich nicht; ich gestehe, diesen – im Grunde zutiefst bösen – Film schon ein gutes Dutzend mal gesehen zu haben, nicht zuletzt wegen der übermenschlich guten schauspielerischen Leistung Mia Farrows und der schauerlich-schönen Musik. – Doch nun zum Thema.

Obgleich ich als Franzose selbstverständlich für Marine gestimmt hätte, um meinen Beitrag zu einem möglichst achtbaren Ergebnis zu leisten (ehrlich gesagt war ich vom Resultat geradezu niedergeschmettert; ich hatte mit ca. 45% für Le Pen gerechnet), sagt mir mein Verstand, dass ihre Niederlage in der Tat ein Glück für Frankreich war – allerdings aus ganz anderen Gründen, als die Schmierfinken von der Lügenpresse meinen.

Eine Präsidentin Le Pen hätte in der Nationalversammlung nur über eine kleine Anzahl von Unterstützern verfügt, auch wenn der FN im Juni bei den Parlamentswahlen respektabel abschneidet. Die Medien hätten vom ersten Tag an sie so zügellos gegen sie gehetzt wie die amerikanischen gegen Trump. Linke und Migranten hätten fortlaufend Demonstrationen gegen die „faschistische“ und „rassistische“ Präsidentin durchgeführt. Unter diesen Umständen kann, wie das Beispiel Trump zeigt, ein national gesinnter Regierungschef sein Programm nicht durchsetzen.

Marine hätte, dies ein augenscheinlicher Pluspunkt, sicherlich die Beziehungen zu Russland durch Aufhebung der Sanktionen sowie Anerkennung der Krim als russisches Territorium verbessert. Das wäre schon viel wert gewesen. Sie hätte eine Abstimmung über den EU-Verbleib anberaumt, aber es ist höchst zweifelhaft, dass sich die Austrittsbefürworter durchgesetzt hätten. Ein Ja des Volkes zur EU wäre für die Globalisten ein kolossaler Triumph gewesen.

Angesichts der ungünstigen Voraussetzungen hätte Marine entweder nach einiger Zeit entnervt das Handtuch werfen oder aber so viele Abstriche an ihrem Programm machen müssen, dass sie nicht mehr als kosmetische Korrekturen am System hätte vornehmen können. In beiden Fällen wäre die nationale Rechte schwer diskreditiert gewesen, weit über die Grenzen Frankreichs hinaus.

Der Rothschild-Marionette Macron, die keine einzige zündende Idee hat und nicht mehr zu bieten vermag als eine (vermutlich noch  verschlechterte) Neuauflage der desaströsen Hollande-Politik, wird das Wasser schon recht bald bis zum Hals reichen.  

Vorausgesetzt, es geschieht nichts gänzlich Unvorhersehbares wie ein Krieg oder ein gewaltiger Terroranschlag, der dem System einen Vorwand zur Errichtung einer Diktatur liefert, wird die unerbittliche Verschlechterung der Lage – wirtschaftliche Verelendung, ständige Unruhen in den Araber- und Schwarzenvierteln - vermutlich zu einem der folgender drei Szenarien führen:

1. Sieg der Nationalen (nicht unbedingt unter Marine; es könnte auch ein radikalerer Kandidat aufgestellt werden) bei den Wahlen 2022. Bis dann wird die Faschismuskeule nur noch bei den Allerdümmsten wirken. Gegen dieses Szenarium spricht allerdings, dass die Zahl der arabisch- und afrikanischstämmigen Passfranzosen bis dann weiter angewachsen sein wird. Bis 2027 wird sich, wenn das System sich bis dann im Sattel hält, die demographische Lage so massiv zuungunsten der echten Franzosen verändert haben, dass der Zug bis dann endgültig abgefahren sein wird.

2. Revolution.

3. Militärputsch. Die zweite und die dritte Variante können natürlich zusammenfallen.

Monika L.

10. Mai 2017 16:12

Werter Herr Lichtmesz,

da haben Sie Ihre Twitter-Schnipsel ja zu einer großartigen Collage zusammengelegt ! Super Analyse ! Und wie bei jedem guten Kunstwerk fehlen ein paar Kleinigkeiten, um dem Zuschauer Interpretationsspielraum  zu geben. Ich nehme mal an, dass Sie keine Frauenzeitschriften lesen. Und möchte da etwas ergänzen. Sie betonen die Kinderlosigkeit Macrons, aber in der Frauenzeitschrift BUNTE ist zu lesen: " Stiefopa mit 39 - und so niedlich sind seine ' Enkelinnen' ". Und dass die Liebe Macrons Programm ist, entzückt die Leserin. Auch in BUNTE "Nach Wahlsieg: Diese zärtliche Geste seiner Brigitte geht um die Welt" . Ich erspare mir hier in der männerdominierten Runde die Verlinkung. 

Auch die abgehalfterte Popnudel Madonna gratulierte nach dem Wahlsieg den Macrons auf Instagram . Und bezeichnete den Altersunterschied des Paares als FUN FACT for monday... Ich mag nun lieber Brigitte Bardot oder den Fun-Satz: " Macron hat jetzt drei Muttis". Weiberkram.

Beängstigend fand ich allerdings Macrons Satz nach dem Sieg vor dem Louvre: "Ich will in den kommenden fünf Jahren alles tun, damit es keinen Grund mehr gibt, die Extremen zu wählen." Ich weiß nicht, wie der Satz in französisch lautet. Er klingt aber nicht nach einer Überwindung der Spaltung. Sondern eher bedrohlich. Irgendwie diabolisch. So ähnlich wie ein großes Lovefest. Wir feiern das Böse mit einem jöhrlichen großen Lovefest einfach weg. Und da werden ein paar Jungfrauen geopfert... Gruselig!

https://www.epochtimes.de/politik/europa/schweden-feiert-lovefest-gedenken-der-terroropfer-mit-20-000-teilnehmern-video-a2092229.html

Hesperiolus

10. Mai 2017 17:39

So oder so allusorisch Le Monde am Nachwahltag über den (mit 66,06 % ?) gewählten (Rothschildisten): "Il fait nuit, il fait froid...D`abord dans le pénombre, il (Macron) traverse la cour de l`ancien palais royal, le visage grave, longe les pyramides illuminées, marche dans le faisceau des projecteurs qui lui ouvrent la voie...".

https://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2017/article/2017/05/08/presidentielle-une-tache-immense-attend-emmanuel-macron_5124080_4854003.html

Mir fällt da eher die letzte Filmarbeit des vormaligen Freimaurers Jean Mamy ein.

Dietrich Stahl

10. Mai 2017 18:11

Was haben die Wahl Macrons und der neue Vorsitzende der Kommission für die Rechtsstellung der Frau miteinander zu tun?

https://www.epochtimes.de/politik/welt/ab-2018-saudi-arabien-wird-neuer-uno-waechter-ueber-frauenrechte-a2103953.html

Saud-Arabien wird Wächter der Frauenrechte und ein schwuler Rothschild Banker wird französischer Präsident. Drastisch ausgedrückt: Die Oligarchen zeigen dem Pöbel den Stinkefinger. Und der merkt es noch nicht mal. Doppelter Grund für diebische Freude.

„Ich tu das Bös' und schreie selbst zuerst. Das Unheil, das ich angestiftet, leg ich den andern dann zu schwerer Last. Und so bekleid ich meine nackte Bosheit mit alten Fetzen aus der Schrift gestohlen und schein ein Heil'ger, wo ich Teufel bin.“

Shakespeare, Richard III.

„Es ist unmöglich, dass Ungerechtigkeit, Meineid und Lüge zu dauernder Macht gelangen. Solche Lügengebäude können nur eine Zeit lang täuschen. Aber sie werden bald in sich zusammenfallen.“

Demosthenes

Martin Lichtmesz

10. Mai 2017 18:16

Kollegin Sommerfeld zum selben Thema:

https://www.unzensuriert.at/content/0023975-Die-Linke-als-globalistische-Gestaltwandlerin-Das-Beispiel-Frankreich

Henrik Linkerhand

10. Mai 2017 21:25

Der Sieg Macrons war abzusehen und ich hatte mir eigentlich nur erhofft,  Le Pen deutlich über 40% zu sehen. 10,6 Millionen Wähler sind zu einfach wenig um wirklich einen Machtanspruch zu definieren. Trotzdem hat der Front in Frankreich Wahlerfolge zu feiern, von den eine AfD noch meilenweit entfernt ist. Es erscheint mir aber, und da könnten die MSM mal Recht haben, daß das Wählerpotenzial für den Front nahezu erschöpft ist. Es ist und bleibt traurig und "die Revolution" oder "der Aufstand" wird nicht kommen. Wer sollte den anführen, wer sollte folgen. Die anständige Rechte in Westeuropa ist ein Engel ohne Flügel. Es ist alles da, aber die Menschen wollen nicht hören und sehen, sie haben Angst um ihre Zukunft die keine mehr sein wird. Aber das wollen oder können sie nicht begreifen. Das Neue, der radikale Umbruch, die notwendige Kursänderung- davor haben sie mehr Angst als alles andere. Die westlichen Armeen sind dermaßen politisch infiltriert, davon kann ein Erdogan nur träumen. Die Generale sind Feiglinge und feiern ihren Kadavergehorsam auch noch ab. Die westliche Gesellschaft ist eine alte Sau mit Zahnfäule (Pound glaube ich, und das mit dem haram Schwein und der Islamisierung paßt ganz gut). 2022 werden die Bedingungen für Autochthone in den Ballungsgebieten unerträglich sein. Unterschichtenmädchen werden sicherlich ihren afrikanischen oder magrebhischen Beschützer haben, aber der Rest wird wirklich leiden. Letztendlich werden auch die konservativen Besitzstandswahrer ausgeplündert um den sozialen Frieden zu wahren. Was mich irgendwie auch mit Genugtuung erfüllen würde. Wenn ein Bürgerkrieg kommt, dann nur um die Verbrechen der Vergangenheit (Plünderungen der Staatskasse und Privateinlagen) zu vertuschen. 

Das wirklich interessante an der Wahl ist aber, daß zum ersten Mal das große Geld ihren Gesandten, ohne Beteiligung der beiden ehemaligen Volksparteien, ins höchste politische Amt hieven konnten. Hier wurde ganz offen und frei wirkliche Macht demonstriert; wahrscheinlich weil man es jetzt kann.

Solution

10. Mai 2017 21:41

Und der Front National will künftig nicht mehr "national", sondern "patriotisch" sein. Die Partei soll noch mehr verwässert werden, nachdem schon jetzt dort kaum noch was zu finden ist, das man als "rechts" bezeichnen kann. Marion Maréchal-Le Pen hat schon die Konsequenz gezogen und zieht sich zurück. Der Jean-Marie rauft sich nur noch die Haare. 

Gab es nicht hier auf SIN oder in der Sezession mal einen Artikel, der den "patriotischen" Unsinn entlarvt hat?

Nemo Obligatur

10. Mai 2017 22:43

"Hier auf der rechten Seite des Mondes, von der auch ich auf die Dinge blicke, ist es vom Standpunkt der Vernunft aus völlig unbegreiflich, wieso nicht noch viel, viel mehr Franzosen für Le Pen gestimmt haben,..."

Da helfe ich gerne weiter. Le Pens Programm war ein Dokument des wirtschaftlichen Wahnsinns. Man kann auf Brüssel schimpfen, sollte aber auch die Folgen bedenken. Ein forcierter Austritt aus dem Euro und der EU käme mit unkalkulierbaren Risiken daher. Mit Le Pen wäre Frankreich dichter an Griechenland gewesen als an Großbritannien. Der "große Austausch" ist demgegenüber abstrakt weit weg.

Wir reden hier nun nur über die Wähler, die nicht ideologisch aufgeladen sind, also eben nicht über eingefleischte Linke oder Rechte. Von den Franzosen der Mitte haben die meisten zu viel zu verlieren, als dass sie Le Pen wählen würden. Gilt für die "Bobos" sicher noch stärker als für die einfache Landbevölkerung hinter Soissons oder Carcassone.

Stein

10. Mai 2017 23:06

Macron hat den Franzosen versprochen, sie trotz massivem wirtschaftlichem Niedergang von Reformen und sonstigen Härten zu verschonen und dafür zu sorgen, Deutschland zahlen zu lassen. Sozusagen Versaille 3.0 (nachdem 2.0 mit dem Euro doch nicht so ganz wunschgemäß funktioniert hat). Unterstützung hat er im Geltungsbereich der hier schon länger lebenden mit Schulz und Co. ja längst gefunden.

Simplicius Teutsch

10. Mai 2017 23:17

„wissend, daß sie zerfällt,
dennoch die Schwerter halten
vor die Stunde der Welt.“

(Gottfried Benn)

Ich will hier nicht bildungsmäßig angeberisch sein, aber die mittlere Zeile der drei oben zitierten, hat mein einfaches intellektuelles Gemüt schon immer angesprochen und sich im Gedächtnis festgesetzt. Ich fürchte, uns Rechten und konservativen Europäern und Deutschen bleibt im Moment nicht viel anderes übrig, als „dennoch die Schwerter halten.“

Irgendwie hat sich der „Weltgeist“ gegen uns verschworen. Wir scheinen verloren, wenn nicht irgendetwas Außergewöhnliches passiert, das außerhalb unseres Vermögens steht. Ist leider so. Allerdings war ich am letzten Sonntag von den Wahlergebnissen nicht wirklich enttäuscht. Mir hat es gefallen, dass die AfD den Einzug ins Landesparlament in Kiel geschafft hat. Passt schon; die AfD-Parlamentarier müssen jetzt einfach täglich üben, zu überleben, ohne sich ganz zu verkaufen oder zu kapitulieren. Bitte nachsichtig sein mit Jörg Nobis und seinen tapferen Mitstreitern. Die haben es wahrlich nicht leicht bei dem Hass und der Verachtung und Diskriminierung, die gegen sie von der politisch-medialen Klasse inszeniert und geschürt werden und ein unerträgliches AfD-feindliches Meinungsklima über das Land legen. Schreiendes Beispiel: „Heikendorfer Sportverein kündigt AfD Saal für Wahlveranstaltung“.

Und Frankreich: Da soll dieses aalglatte, arrogante Bürschchen Macron mal zeigen, was er schaffen kann. „Der junge Kennedy“, wie er teilweise gelobt wird; dass ich nicht lache. Ich finde Null-Charisma an dem Typen. Die aktuelle Mainstrom-Jubel-Medienberichterstattung ist natürlich nahezu unerträglich. „Lügenpresse halt die Fresse!“ möchte ich am liebsten rausschreien. Schön, dass hier bei Sezession die Lage mit Maßstäben gemessen und beschrieben wird, denen ich nur zustimmen kann: Lichtmesz sowieso, aber auch die Kommentare darunter.

deutscheridentitärer

10. Mai 2017 23:17

Alles schön und gut, aber es gibt soweit ich sehe keine wirklich überzeugende Erklärung für das, was gerade passiert. Es bleibt vollkommen unverständlich, warum die Menschen nicht in der Lage sind in der Anonymität der Wahlkabine  im Sinne ihrer offensichtlichsten und grundlegensten Interessen zu stimmen.

deutscheridentitärer

11. Mai 2017 00:05

" Man kann auf Brüssel schimpfen, sollte aber auch die Folgen bedenken. Ein forcierter Austritt aus dem Euro und der EU käme mit unkalkulierbaren Risiken daher. Mit Le Pen wäre Frankreich dichter an Griechenland gewesen als an Großbritannien. Der "große Austausch" ist demgegenüber abstrakt weit weg."

Inwiefern sind solche Finanzgeschichten weniger abstrakt als die Realität des großen Austauschs, die einem gerade in Frankreich täglich ins Gesicht schlägt? Abgesehen davon, dass ich diese Einschätzung auch nicht teile, ist ein Volk ziemlich auf den Hund gekommen, wenn es wirtschaftliche Interessen vor die kollektive Sicherheit seiner Bürger und seine nationale Souveräntität stellt.

Gustav

11. Mai 2017 01:07

@ Dietrich Stahl

„Ich tu das Bös' und schreie selbst zuerst. Das Unheil, das ich angestiftet, leg ich den andern dann zu schwerer Last. Und so bekleid ich meine nackte Bosheit mit alten Fetzen aus der Schrift gestohlen und schein ein Heil'ger, wo ich Teufel bin.“

Shakespeare, Richard III.

Immer noch hochaktuell! Shakespeare kannte seine Pappenheimer!

„Es ist unmöglich, dass Ungerechtigkeit, Meineid und Lüge zu dauernder Macht gelangen. Solche Lügengebäude können nur eine Zeit lang täuschen. Aber sie werden bald in sich zusammenfallen.“

Demosthenes

Schreckliche Angst fällt mir aufs Herz, wenn ich bedenke, wie es mit der allmächtigen Gewalt des Bösen in aller Geschichte gewesen ist. Sagt man, daß die Wahrheit endlich immer triumphiert, daß das Gute stärker ist als das Böse, so läutet man nur Phrasen und gibt sich Illusionen hin.

Juan Francisco María de la Salud Donoso Cortés

Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.

Gustave Le Bon

(1841 - 1931), franz. Arzt und Soziologe, Begründer der Massenpsychologie.

Cacatum non est pictum

11. Mai 2017 02:31

Eine tolle Analyse: umfassend, kenntnisreich, gehaltvoll. Benoists Worte können wir wie eine Schablone auf unser Land legen. Die Ereignisse der letzten Jahre haben auch hier das Volk endgültig fragmentiert. Mit den viel zu vielen überzeugten Buntländern ist eine Verständigung nicht mehr möglich, von Kompromissen ganz zu schweigen. Wo es enden soll, weiß ich nicht, aber all das verheißt nichts Gutes.

@Der_Jürgen

Angesichts der ungünstigen Voraussetzungen hätte Marine entweder nach einiger Zeit entnervt das Handtuch werfen oder aber so viele Abstriche an ihrem Programm machen müssen, dass sie nicht mehr als kosmetische Korrekturen am System hätte vornehmen können. In beiden Fällen wäre die nationale Rechte schwer diskreditiert gewesen, weit über die Grenzen Frankreichs hinaus.

So habe ich es noch gar nicht gesehen. Vermutlich liegen Sie richtig. Allerdings hat Marine Le Pen nach der Wahl eine Reform des FN avisiert. Es steht zu befürchten, dass der neue Weg hin zur Mitte führen und ihr weitere Zugeständnisse abringen wird. Sollte Le Pen dereinst Präsidentin werden, wird man sie bis dahin wahrscheinlich in die etablierten Bahnen gelenkt haben. Dass ihre Nichte - "die neue Jeanne d'Arc" - sich aus der Politik zurückzieht, werte ich ebenfalls als schlechtes Zeichen.

2. Revolution.

3. Militärputsch. Die zweite und die dritte Variante können natürlich zusammenfallen.

Man kennt die Franzosen ja als rebellisches Volk, aber unter den heutigen Bedingungen kann ich mir diese Szenarien gar nicht mehr vorstellen. Schauen Sie sich das Wahlergebnis an! Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass nahezu alle FN-Sympathisanten gültig gewählt haben. Viele Linke und andere FN-Gegner sind nicht zur Wahl gegangen oder haben ungültige Stimmzettel abgegeben. Es hat sich also trotz guter Vorbedingungen der Gegenkandidat glasklar durchgesetzt, der sich ganz ungeniert für weitere Masseneinwanderung ausspricht. Vor dem Hintergrund der dramatischen politischen Lage in Frankreich kann ich das nur als Kapitulationserklärung deuten. Andererseits räume ich ein, dass ich mir derzeit keine Prognosen zutraue.

@Henrik Linkerhand

Nachdem ich Ihren Kommentar gelesen habe, stieg in mir das Verlangen nach Antidepressiva auf. Aber sachlich ist Ihnen kaum etwas entgegenzuhalten. Wahrscheinlich ist die schonungslose und illusionsfreie Analyse der beste Selbstschutz für uns. Als ich im Herbst 2015 die Bilder von den endlosen Menschenmassen sah, die in unser Land strömten, hat mir das einige schlaflose Nächte bereitet. Mittlerweile habe ich mich innerlich auf schlimme Szenarien eingestellt und werde im Ernstfall vorbereitet sein. Angesichts der momentan düsteren Aussichten ist wohl innere Haltung mehr denn je gefragt. Als politische Stimmungsaufheller dienen mir gelegentlich die Videos von Martin Sellner, der stets Tatendrang und Optimismus ausstrahlt.

@deutscheridentitärer

Es bleibt vollkommen unverständlich, warum die Menschen nicht in der Lage sind in der Anonymität der Wahlkabine  im Sinne ihrer offensichtlichsten und grundlegensten Interessen zu stimmen.

Das ist Ihre und meine Sichtweise, aber viele Menschen denken eben komplett anders. Nachempfinden kann ich das schon lange nicht mehr.

RMH

11. Mai 2017 10:00

"ist ein Volk ziemlich auf den Hund gekommen, wenn es wirtschaftliche Interessen vor die kollektive Sicherheit seiner Bürger und seine nationale Souveräntität stellt."

@deutschidentitärer,

es gilt der alte Satz, erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das hat Bertolt Brecht bereits in den 20er Jahren vollkommen richtig beobachtet.

Auch wenn sich dem eher idealistisch Geneigten der Magen umdreht: man muss den Leuten ein Angebot machen, welches mindestens enthält, dass ihr Bäuchlein sich auch weiterhin über der Hose wölben kann und sie ihre Häusschen auch sicher die nächsten 25 Jahre abbezahlen können. Spießigkeit will und muss unbedingt bedient werden. Das ist sogar, wenn man es sich schön reden will, konservativ.

Le Pen konnte nicht nur mit Sicherheit und Freiheit argumentieren, die Leute wollen dazu - und von den Politikern sicher garantiert - noch einen vollen Bauch (natürlich ist der Begriff voller Bauch zeitgemäß auszulegen in ordentliches Gehalt, schickes Auto, nette Klamotten, Immobilie, sonstige Triebbefriedigungen etc.).

Zadok Allen

11. Mai 2017 10:46

Eine tiefsitzende Intuition sagt mir, daß die französische Präsidentschaftswahl massiv und flächendeckend gefälscht wurde, und zwar nicht primär über die Stimmzettel, sondern über die EDV-Systeme.

(Erste Hinweise auf Stimmzettel-Fälschungen: https://www.compact-online.de/berichte-ueber-beschaedigte-stimmzettel-fuer-le-pen/)

Frau Le Pens tatsächliches Ergebnis wird eher um die 50% liegen. Die 35% stellen eine Untergrenze dar; sie sind m.E. Audruck des "gerade noch Plausiblen". In Frankreich, das sollten wir nicht vergessen, herrscht immerhin seit über einem Jahr Ausnahmezustand, hunderte Bürger sind in "Terroranschlägen" zweifelhafter Urheberschaft zerfetzt, erschossen, zu Brei gefahren worden.

Vor diesem Hintergrund ist und bleibt mir das offizielle Ergebnis nicht plausibel. Was aber sollte einen Staat, dem alle auftreten Terroristen "lange schon polizeibekannt" sind, der friedliche Demonstranten unter Verweis auf den Ausnahmezustand auseinanderknüppeln läßt und im Kampf gegen "fake news" zehntausende Facebook-Profile sperrt, an der Wahlfälschung hindern?

Gleichwohl stimme ich @deutscheridentitär und @Cacatum zu: das eigentliche Problem stellen die Macron-Wähler dar, gleich, ob sie nun 66,06% (sic) oder, eher realistisch, 45-50% ausmachten. Man muß hier wohl von einer Zombifizierung breiter Teile der autochthonen Europäer sprechen. (Die ungeheure Frequenz entsprechender Filme und Serien in den letzten Jahren dürfte Ausdruck der höhnischen Freude der Eliten über diesen Prozeß sein.)

Die einzig produktive Lösung, die ich erblicken kann, bestünde in der räumlichen Separation der Normalgebliebenen nicht nur von den nichteuropäischen Siedlern, sondern auch von den Zombifizierten. Aber eine solche friedliche Dissidenz wird das System wohl unter keinen Umständen zulassen.

deutscheridentitärer

11. Mai 2017 11:59

"es gilt der alte Satz, erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das hat Bertolt Brecht bereits in den 20er Jahren vollkommen richtig beobachtet."

Das stimmt schon, wobei wir auch die dann doch recht zahlreichen Menschen nicht vergessen sollten, für die das nicht galt. Aber gut, das waren immer nur Einzelne, wenn auch unter Umständenr recht viele Einzelne, aber nie die Masse. Trotzdem überzeugt mich die Erklärung, die Franzosen hätten aus wirtschaftlichen Erwägungen gegen Le Pen gestimmt nicht. Denn Wohlstandsbauch und Häuschen werden ja viel weniger grundlegend von EU-Austritt und Wirtschaftsspielchen bedroht, als eben gerade von der Masseneinwanderung. Wo ein fleißiges Volk ist, da ist auch Wohlstand, die Rahmenbedingungen sind da sekundär. Die Franzosen sind ein einigermaßen fleißiges Volk, die Maghrebiner sind es auf geradzu groteskte Weise nicht (was ich gar nicht verurteilen will). Und vor allem: gerade die Leute, deren wirtschaftliche Situation wirklich prekär ist, hatten ja viel mehr Grund LePen zu wählen als den neoliberalen Macron, und so hat dieses Milieu sich ja letztlich auch entschieden.

"Das ist Ihre und meine Sichtweise, aber viele Menschen denken eben komplett anders. Nachempfinden kann ich das schon lange nicht mehr."

Aber warum denken viele Menschen so? Ich und Sie vermutlich ja auch kennen ja viele solcher Menschen. Es ist meiner Erfahrung z.B. nicht so, dass denen nicht bewusst wäre, dass Ausländer weit krimineller sind. Wenn sie nacht unterwegs sind, und ihnen eine Gruppe ausländischer Jugendlicher entgegenkommt, wechseln sie auch lieber die Straßenseite. Aber was hindert diese Erkenntnis daran bewusstseinsbestimmend zu werden?

Albert

11. Mai 2017 13:47

Lieber Martin, liebe Mit-Kommentatoren,

anbei ein ungewöhnlich guter Essay zum Thema. Lesenswert ist auch der dort verlinkte Kult-Essay “An Open Letter to Open-Minded Progressives”.

https://nymag.com/daily/intelligencer/2017/04/andrew-sullivan-why-the-reactionary-right-must-be-taken-seriously.html

Ein gebürtiger Hesse

11. Mai 2017 14:49

Daß in dem Pariser "Bataclan"-Bezirk zu 93% für Macron gestimmt wurde, ist mit das Derbste an der ganzen Sache. Und der beste bzw. schlimmste Beweis dafür, daß ein "irgendwann, wenn nur genug Übles passiert, werden die Leute es schon kapieren" niemals stimmen wird. Zumindest wir auf der "rechten Seite des Mondes" (schönste Formulierung des Artikels) sollten nicht länger auf Sankt Nimmerleinstage hoffen. Das gilt auch für das AfD-Personal.

Gotlandfahrer

11. Mai 2017 15:04

 @ deutschidentitärer:

“aber es gibt soweit ich sehe keine wirklich überzeugende Erklärung für das, was gerade passiert. Es bleibt vollkommen unverständlich, warum die Menschen nicht in der Lage sind in der Anonymität der Wahlkabine  im Sinne ihrer offensichtlichsten und grundlegensten Interessen zu stimmen.“

Nun, man kann eine 'Nation' als eine vernetzte Population von Gehirnen verstehen. Das 'Kollektivbewusstsein' wird dann durch die Menge der ausgeübten gedanklichen Prozeduren, also Entscheidungen erzeugt. Die Prozeduren, die in einem Gehirn, und in Summe damit im Kollektiv, zur Verfügung stehen, werden schichtweise, d.h. aufeinander aufbauend angelegt. Das geht im Mutterleib los, ist hochdynamisch in der Kindheit und flacht, was die Rate der Neuanlage von Prozeduren und Regeln angeht, nach der Jugend massiv ab. Nicht zu verwechseln damit ist Lernen an sich. Man kann auch mit 90 noch neue Dinge lernen, aber die dafür notwendigen Prozeduren sind spätestens irgendwann in jungen Erwachsenenjahren ausgereift.

Der Satz an Prozeduren, der angelegt wird, hängt von den Erfahrungen ab, die das Individuum macht. Da die Prozedurschichten ('Hunger = weinen', 'ich' vs 'Du', 'gut' vs. 'böse' usw.) aufeinander aufbauen, können sich die ausgereiften Prozedursammlungen von Menschen sehr deutlich voneinander unterscheiden, je nach Umweltbedingungen. Ihre Unterschiedlichkeit sagt im Übrigen nichts über die individuelle Intelligenz aus, da Intelligenz eher ein Maß für die Fähigkeit zur Bewältigung der Anforderungen in der Umwelt ist, in der die die Prozeduren bestimmenden Erfahrungen gemacht werden.

Die Umweltbedingungen der Prozeduranlagephasen von Hirnen, auch die, die heute das Kollektivbewusstsein der westlichen Nationen ausmachen, haben sich seit jeher verändert. In den letzten Jahrzehnten jedoch massiv, intensiver und hinsichtlich wesentlicher Lebensaspekte fundamentaler, als in jeder historischen Phase zuvor. Folglich liegt derzeit eine Verteilung von Prozeduren im westlichen Kollektivbewusstsein vor, die es so noch nie gab.

Soweit, so trivial.

Nun waren die Lebensbedingungen, insbesondere in Deutschland und Frankreich der letzten Jahrzehnte, jedoch von einer Entkopplung des Erfahrungsalltages von Zusammenhängen geprägt, die das Leben andernorts und früher auch hierzulande wesentlich stärker prägen bzw prägten. Überspitzt gesagt leben wir in einem Streichelzoo, der den Wohlstand jedes Einzelnen von seiner Überlebensfähigkeit im klassischen Sinne völlig unabhängig macht. Demzufolge stehen in unserer Zeit-Orts-Wohlfühlblase, die unser Denken geprägt hat, keine zerebralen Prozeduren zur Verfügung, die außerhalb unserer Blase aufgerufen würden, sobald es um den Selbstschutz geht. Einfach weil es bislang hier nicht notwendig und damit nicht denkbar war im Erlebenshorizont des heutigen Durchschnitts.

Beispiel: Viele Opfer im Bataclan wurden nicht nur hingerichtet, sondern verstümmelt und bei der Ermordung auf bestialische Weise gefoltert. Wie oben im Artikel benannt, erhielt Le Pen im Wahlbezirk um das Bataclan herum aber gerade mal 7%. In den Prozeduren der linksliberalen coolen Hipsterbevölkerung lösen solche Vorkommnisse nichts aus, weil Massaker und Folter nur etwas sind, was Protofaschisten vor der großen Befreiung taten. Es gibt darauf keine 'Response' im Verhalten. Zwar erfordern die Nachrichten eine Response. Mangels adäquater Verfügbarkeit weicht der Mensch aber auf die nächstbeste, ein Sicherheitsgefühl wieder herstellender Entscheidungen aus: Mit der Verteufelung desjenigen, der die Gefahr benennt, stelle ich mein Gleichgewicht wieder her, denn dieser Akt meistert die Gefahr dadurch, dass er die Gefahrenquelle auf jemanden transferiert, den ich mit meiner Stimme effektiv und gemeinsam mit den anderen bekämpfen kann. Der ‚Erfolg‘ ist unmittelbar und durch das Kollektiv bestätigt.

Die verfügbaren Prozedursammlungen in den durchaus intelligenten (siehe oben) Hirnen der Bobos werden auf die gegenwärtigen Abläufe keine der aus unserer Sicht erforderlichen Entscheidungen bewirken können. Unter dem Aspekt des Selbsterhaltes ähneln Bobos eher smarten Zombies, in deren Masse wir uns bewegen, erkennen, helfen und für die Zeit ‚danach‘ vorbereiten müssen. Bezeichnenderweise sieht die einschlägige Fachliteratur für das einzig mögliche Töten von Zombies die Abtrennung ihres Kopfes vor. In diesem Zusammenhang macht die Herbeirufung entsprechender Fachkräfte plötzlich Sinn.

Schneekette

11. Mai 2017 17:42

@ deutscheridentitärer

"Es bleibt vollkommen unverständlich, warum die Menschen nicht in der Lage sind in der Anonymität der Wahlkabine  im Sinne ihrer offensichtlichsten und grundlegensten Interessen zu stimmen.“

Weil diese Menschen zu Recht fürchten, brutalstem Mobbing ausgesetzt zu werden. Und Mobbing, nichts anderes, ist seit Jahrzehnten an sogenannten Rechten (wobei ich mich selbst witzigerweise absolut als Linksnationalen begreife) vorexerziert worden. Bestrafe einen, erziehe tausend. Das Problem ist, dass diese Menschen sozial nicht unklug handeln. Es ist in der menschlichen Natur angelegt, einem Gemobbten niemals beizustehen, sondern sogar Glück aus der Tatsache zu ziehen, dass man selber in der Hackordnung zumindest noch über einem anderen steht. Bedauerlich. Und Anlagen bedeuten nicht, dass die Folgen determiniert sind. Aber nur durch Sanktion und vorgelebte erfolgreiche Beispiele kann diese menschliche Anlage zu einer erträglichen Gemeinschaft in Bahnen gelenkt werden.

Cacatum non est pictum

12. Mai 2017 12:30

@Zadok Allen

Eine tiefsitzende Intuition sagt mir, daß die französische Präsidentschaftswahl massiv und flächendeckend gefälscht wurde, und zwar nicht primär über die Stimmzettel, sondern über die EDV-Systeme.

Das ist alles andere als abwegig. Mein erster Eindruck war allerdings, dass ein so deutliches Ergebnis wahrscheinlich nicht herbeimanipuliert ist. Derlei Beeinflussungen hätte ich eher bei einem knappen Resultat a la Hofer gegen Van der Bellen erwartet. Es könnte natürlich - jetzt wird es spekulativ - auch ein Signal der völligen Verachtung des politischen Gegners sein, wenn man dessen Kandidaten sang- und klanglos verlieren lässt, um ihm zu bedeuten: "Seht her, ihr Maden, unsere Macht ist unantastbar und eure Bemühungen werden immer und immer wieder ins Leere laufen."

Hierzu würden auch die Reaktionen von Martin Schulz und Wolfgang Schäuble passen, die schon kurze Zeit nach der Präsidentenwahl lautstark für einen zentralen EU-Haushalt warben. Die Hoheit über den Staatshaushalt ist vielleicht das zentrale Element von Souveränität. Wenn sie wegfällt und an eine übernationale Institution übertragen wird, dann hat das Parlament - also unser Bundestag - fast jede politische Gestaltungsmacht verloren. Das wäre einer der letzten großen Schritte hin zur EU-Diktatur, die sowieso angestrebt ist und die man seit dem Maastricht-Vertrag Schritt für Schritt ins Werk setzt.

Schulz und Schäuble fühlen sich offenbar derart sicher, dass sie sich trauen, diese Ungeheuerlichkeit dreist und ungeniert noch vor der NRW-Wahl und der Bundestagswahl öffentlich zu verlautbaren. Erstgenannter hat sogar die Macron-Linie zu seiner eigenen Richtschnur im Wahlkampf deklariert! Wenn Ihre Vermutung, Zadok Allen, richtig ist, dann fangen die politischen Eliten nun an, uns ins Gesicht zu spucken.

@Ein gebürtiger Hesse

Daß in dem Pariser "Bataclan"-Bezirk zu 93% für Macron gestimmt wurde, ist mit das Derbste an der ganzen Sache. Und der beste bzw. schlimmste Beweis dafür, daß ein "irgendwann, wenn nur genug Übles passiert, werden die Leute es schon kapieren" niemals stimmen wird. Zumindest wir auf der "rechten Seite des Mondes" (schönste Formulierung des Artikels) sollten nicht länger auf Sankt Nimmerleinstage hoffen. Das gilt auch für das AfD-Personal.

Wichtige Erkenntnis! Und selbst wenn es noch eine größere Zahl von Überläufern geben sollte: Die Zeit ist gegen uns, und momentan sehen wir wie die sicheren Verlierer dieses Wettlaufs aus.

@Gotlandfahrer

Beispiel: Viele Opfer im Bataclan wurden nicht nur hingerichtet, sondern verstümmelt und bei der Ermordung auf bestialische Weise gefoltert. Wie oben im Artikel benannt, erhielt Le Pen im Wahlbezirk um das Bataclan herum aber gerade mal 7%. In den Prozeduren der linksliberalen coolen Hipsterbevölkerung lösen solche Vorkommnisse nichts aus, weil Massaker und Folter nur etwas sind, was Protofaschisten vor der großen Befreiung taten. Es gibt darauf keine 'Response' im Verhalten. Zwar erfordern die Nachrichten eine Response. Mangels adäquater Verfügbarkeit weicht der Mensch aber auf die nächstbeste, ein Sicherheitsgefühl wieder herstellender Entscheidungen aus: Mit der Verteufelung desjenigen, der die Gefahr benennt, stelle ich mein Gleichgewicht wieder her, denn dieser Akt meistert die Gefahr dadurch, dass er die Gefahrenquelle auf jemanden transferiert, den ich mit meiner Stimme effektiv und gemeinsam mit den anderen bekämpfen kann. Der ‚Erfolg‘ ist unmittelbar und durch das Kollektiv bestätigt.

Danke für Ihren instruktiven Beitrag. Wenngleich ich nur Küchenpsychologe bin, ist auch mir die oben zitierte Theorie schon durch den Kopf gegangen. Wir alle stellen ja immer wieder fest, dass uns der politische Gegner in Sachen rationaler Argumentation nicht das Wasser reichen kann, weil einfach die Evidenz des Alltags erdrückend ist. Dennoch haben wir Probleme, unseren Positionen öffentlich Gehör zu verschaffen. Eine Mehrheit der Leute verteufelt - zumindest scheinbar - diejenigen, die auf die grassierenden Probleme hinweisen und meist nachvollziehbare Erklärungen dafür anbieten. Mir kommt es so vor, als reichten diese Leute ihre eigene Hilf- und Sprachlosigkeit in aggressiver Form an die politischen Kritiker weiter: Der Überbringer der schlechten Botschaft wird geköpft.

Besonders deutlich wurde mir das in einer Diskussion mit einer Arbeitskollegin. Sie, eine leidlich überzeugte Buntländerin, ließ sich auf ein Gespräch über die AfD ein. Kein einziges Argument konnte sie überzeugend widerlegen. Im Gesprächsverlauf verfinsterte sich ihre Miene, und die gute Laune verflog. Sie reagierte immer bockiger und brach die Diskussion letzten Endes ab. Eigentlich kenne sie sich mit der Materie gar nicht so gut aus, und überhaupt wolle sie über diese ganzen Probleme nicht nachdenken. Sie steckte also ihren Kopf in den Sand, aber ihre Meinung hat sie nicht geändert!

@Schneekette

Mobbing haben Sie hier schon einmal ins Feld geführt. Bei einer geheimen Wahl scheidet dieser Aspekt aber doch wohl aus, oder?

Der_Jürgen

12. Mai 2017 20:52

@Schneekette

Es werden es nicht mehr viele lesen, aber Ihr Kommentar scheint mir sehr wichtig. Der Mensch ist in der Tat immer froh, wenn in der Hackordnung noch jemand unter ihm steht. Beispiele gibt es zu Hauf. Die Leute von PI oder auch Michael Mannheimer, der mitlerweile aufseinem Blog ebenso  scharf gegen die "Umvolker" und"Volksverräter" schiesst wie  die "Altrechten", halten es für nötig, immer wieder auf "Neonazis" einzudreschen, um zu zeigen, dass sie mit DENEN wirklich nichts gemein haben. Diese Taktik hilft ihnen allerdings nicht besonders viel, denn für das System und dessen Medien sind und bleiben Mannheimer und die PI-Leute rechtsradikale Dunkeldeutsche, mögen sie sich auch hundertmal von den "Neonazis" distanzieren und dem toten Hitler Eselstritte versetzen.

Interessanterweise findet man bei den "Neonazis" diese Taktik bisweilen ebenfalls. Vor ein paar Jahren führte die NPD eine Kampagne "Todesstrafe für Kinderschänder" durch. Ich befürworte die Todesstrafe für Kinderschänder durchaus, aber da jeder weiss, dass erstens unter der bestehenden Ordnung eine Wiedereinführung der Todesstrafe vollkommen ausgeschlossen ist,  und dass zweitens kein Vorschlag, der von der NPD kommt, auch nur den Hauch einer Chance auf Annahme hat, war die ganze Übung vollkommen überflüssig. Weil Kinderschänder so ziemlich die einzigen sind, die in der Wertehierarchie des Systems und der Medien noch unter "Neonazis" stehen, liess sich diese Kampagne vermutlich damit erklären, dass die NPD-Leute nach jemandem suchten, der in der Hackordnung noch unter ihnen stand.

Psychologisch sehr begreiflich, aber politisch völlig unproduktiv.

 

M.L.: Siehe auch hier:

https://sezession.de/20144

 

 

Der_Jürgen

13. Mai 2017 03:12

 @Martin Lichtmesz

Danke für den Hinweis auf Ihren Artikel. Ich kannte ihn nicht, weil ich Sezession erst seit ca. Ende 2014 lese und er vorher erschienen sein muss. Offenbar kamen wir unabhängig voneinander in diesem Punkt zum gleichen Schluss.

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