29. Juli 2017

In der Todesspirale

Nils Wegner / 17 Kommentare

Der folgende Essay aus der Feder von Aedon Cassiel erschien unter dem Titel "Chester Bennington & White Male Suicide" am 21. Juli bei Counter-Currents/North American New Right. Dort ist auch eine Audioversion zu finden.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Er könnte in seiner sachlich-empirischen Argumentationsweise, die ganz ähnlich geartet ist wie die von F. Roger Devlins Sex, Macht, Utopie, den Grundirrtum bei der Interpretation des letzteren (etwa hier) ausräumen helfen: Cassiel wie Devlin haben die zutiefst noxische Wirkung des gegenwärtigen westlichen Gesellschaftsmodells mit seinem globalistischen Primat der Wirtschaft und der konsuminduzierten Entfremdung der Menschen voneinander und von ihren eigenen Tätigkeiten als des Pudels Kern erkannt und schreiben auf ihre je eigene Weise dagegen an.

Während Devlin in seinem Buch mitnichten die Frau bloß zum Heim- und Weibchen degradieren möchte, sondern vehement dafür eintritt, die Familie als sozialen Nukleus der Gemeinschaft wieder starkzumachen, beschreibt Cassiel die spirituelle Schwäche des Westens anhand eines traurigen Anlasses. Nichtsdestoweniger spricht aus seinen Worten eine Generation Distanz; jüngere Leser werden sich vielleicht eher in den Zeilen von Melissa Meszaros wiederfinden. [N.W.]

Der Sänger der Rockband Linkin Park, Chester Bennington, hat sich am 20. Juli 2017 aufgehängt. Erst zwei Monate zuvor hatte Bennington auf der Beerdigung von Chris Cornell, dem Sänger von Soundgarden und Audioslave, Leonard Cohens Lied "Hallelujah" gesungen – Cornell war am 18. tot aufgefunden worden, auch er hatte sich erhängt.

Bei diesen beiden handelt es sich nur um die jüngsten Fälle einer ganzen Serie von Suiziden vor allem weißer und vor allem männlicher Prominenter in den letzten Jahren, vom Schauspieler Robin Williams bis hin zum Schriftsteller David Foster Wallace.

In der AltRight war manch einer damit zufrieden, Bennington zu verurteilen, weil er schwach, feige oder verantwortungslos gewesen sei – er hinterließ sechs Kinder. Das entbehrt angesichts des Wesens unserer Sache nicht einer gewissen Ironie. Im Jahr 2016 hat die Suizidrate in den Vereinigten Staaten ihren höchsten Stand in fast 30 Jahren erreicht, und das beinahe ausschließlich durch einen Anstieg der Selbstmorde unter Weißen mittleren Alters. Die Suizidrate unter Schwarzen ist im gleichen Zeitraum gesunken. Daß weiße Männer an sich einfach nur den schwächsten Willen aller Bevölkerungsgruppen hätten, ist keine plausible Erklärung dafür. Wie Linke sagen würden: Es muß für dieses Problem eine "strukturelle" Erklärung geben.

Die üblichen Expertenerklärungen in der Presse greifen jedoch zu kurz. Pat Remington, Professor für Bevölkerungsgesundheit an der Universität von Wisconsin, verwies auf die »umfassende Verfügbarkeit von Schußwaffen und verschreibungspflichtigen Medikamenten« als signifikante Ursachen. Allein: Schwarze Amerikaner bringen einander viel häufiger mit Schußwaffen um als weiße, obwohl es unter ihnen weniger Waffenbesitzer gibt. Und Japan hat eine fast doppelt so hohe Selbstmordrate wie die USA, Südkorea sogar die höchste auf der Welt, obwohl in beiden Ländern der private Waffenbesitz fast komplett verboten ist. Was verschreibungspflichtige Medikamente angeht – vielleicht zirkulieren in Schwarzenvierteln weniger davon, aber ganz sicher nicht weniger Drogen insgesamt.

Was lernen wir also aus dieser Selbstmordepidemie unter weißen Männern? Erstens ist bemerkenswert, was sie uns über die Natur des weißen Manns verrät: Wir sind keine einfach gestrickten, eindimensionalen, hedonistischen Schweine. Unsere grundlegendsten Bedürfnisse gehen offensichtlich über das Ökonomische hinaus. All das Geld, die Autos und die leicht verfügbaren, sexuell willigen Frauen in der Welt reichten nicht aus, um den Lebenswillen der Sänger von Linkin Park und Audioslave zu erhalten.

Jene Experten verweisen auch auf den »finanziellen Abschwung seit 2008«. Ein Hauptgrund für diesen Abschwung war aber unsere kollektive Weigerung, anzuerkennen, daß Schwarze und Weiße auf dem gleichen Einkommensniveau unterschiedlich mit ihrem Geld umgehen (beispielsweise verfügen Weiße, die weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdienen, über eine höhere Kreditwürdigkeit als Schwarze, die 65.000–75.000 Dollar verdienen). Dadurch, daß die Immobilienblase großteils durch einen erhöhten Anteil von Minderheiten unter den Hausbesitzern verursacht war, wurden diese Minderheiten auch von ihrem Platzen besonders getroffen. Auch dies erklärt also nicht die unterschiedlichen Selbstmordraten.

Wir sind die Zweitgeborenen dieser Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. (Chuck Palahniuk: Fight Club, München 1997)

Vielleicht sollten wir nochmal darüber nachdenken, warum es den Suizid aus evolutionärer Sicht überhaupt gibt.

Ein grundsätzlich von Lebensmüden zum Ausdruck gebrachter Eindruck lautet: »Alle wären ohne mich besser dran.« Evolutionswissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, daß wir zur Selbsttötung imstande sind, weil wir tatsächlich über angeborene Mechanismen verfügen, um zu beurteilen, ob die Anderen mit oder ohne uns besser dran wären. Warum ist das so? Weil wir im Falle so schwerer Behinderungen, daß deren Betreuung die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit unserer Sippschaft einschränkt, der Verbreitung unseres Erbguts unter Umständen in der Tat besser dienen könnten, indem wir aus dem Leben scheiden und diese Verpflichtung von ihr nehmen, als daß wir auf ihre Unterstützung angewiesen weiterleben.

Natürlich ist das eine auf einen Absatz eingedampfte, extreme Vergröberung eines sehr schwierigen Themas, aber die zugrundeliegende Kernaussage sollte klar genug sein. Genau wie es uns Sebastian Junger in Tribe und Jack Donovan im Weg der Männer eingehämmert haben – Stammesgesellschaften sind deshalb subjektiv glücklicher, weil gilt: Je kleiner eine Gruppe von Menschen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß man gebraucht wird.

Die oben zitierte Passage aus Fight Club geht folgendermaßen weiter:

Wir wurden durch das Fernsehen in dem Glauben aufgezogen, dass wir alle mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht, und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vorm Ausrasten.

Welchen Reim aber sollen wir uns darauf machen, daß eben jene Filmgötter und Rockstars sich als von der Selbstmordepidemie genauso betroffen herausstellen? Benningtons Reinvermögen hat sich auf ungefähr 25 Millionen Dollar belaufen – er wird seinen nächsten Verwandten wohl kaum eine finanzielle Last gewesen sein.

Erinnern wir uns an seine Kinder: Was hätte er ihnen bieten können, wenn er weitergelebt hätte? Im klassischen Zunftwesen – und The Distributist Review eröffnet ihren Artikel gleich mit der Aussage, daß es sich dabei um »die älteste, notwendigste und am tiefsten verwurzelte aller menschlichen Institutionen« handle, die es »in allen stabilen Zivilisationen [gab; N.W.], weil sie eine Grundbedingung der Stabilität ist« – wußte ein Mann, daß er das Gewerbe, dem er sein Leben widmete, an seine Kinder würde weitergeben können.

Er konnte seine Kinder beraten und sie an den Lektionen teilhaben lassen, die er in seinem Leben gelernt hatte und die von unmittelbarer Bedeutung auch für ihren Erfolg sein würden, weil sie einen festen Platz in seinem Beruf sicherhatten.

In der modernen freien Marktwirtschaft wird dieses besondere Band zwischen den Generationen zerschnitten. Sowieso sorgt das öffentliche Schulsystem sicher, daß es nicht mehr wirklich die Väter sind, die ihre Kinder großziehen. Natürlich werden sich die Libertären jetzt beeilen, zu erklären, wieviel wirtschaftlich effizienter das Aufbrechen dieser Bindung durch den freien Markt sei, aber wie kommen wir für die psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer Welt auf, in der Väter ihren Kindern kaum noch etwas weiterzugeben haben?

Diese Libertären werden auch im Handumdrehen behaupten, daß Werte etwas Subjektives seien – könnte es nicht einfach sein, daß unterschiedliche subjektive Einschätzungen über den Wert eines gesteigerten Bruttoinlandsprodukts gegenüber demjenigen einer stabileren und eingewurzelten Gesellschaftsordnung vorliegen? Ich für meinen Teil würde zweifellos einer Welt, in der ich sicher sein könnte, daß ich durch die Verbesserung meiner Fertigkeiten auf einem bestimmten Gebiet Kenntnisse erwerbe, die ich direkt an meine Kinder weitergeben kann, viel mehr Wert beimessen als der Maximierung all des erwerbbaren Plunders im gegenwärtigen System.

Um auf Palahniuk zurückzukommen: Unsere Schwäche ist eine spirituelle Schwäche. Sie liegt in der Art unserer sozialen Bindungen – zueinander, zu unseren Kindern, zu unserer Zukunft.

Und das läßt sich in keinster Weise auf die Menge an Nippes und Krimskrams zurückführen, die uns die Wirtschaft zu bieten hat. Genausowenig wird eine Vergrößerung dieser Menge uns von unserer Schwäche heilen. Wir heiraten auch seltener als unsere Eltern. Gleichzeitig haben wir weniger Anteil an der Wirtschaft als unsere Eltern.

Offensichtlich sind beide Phänomene nicht gänzlich unabhängig voneinander. Beim exzessiven Konsumverhalten der Männer handelt es sich um eine evolutionäre Anpassung, um Frauen zu gefallen. Bridget Brennan, die Autorin von Why She Buys [der Buchtitel ist hier i.S.v. "Warum sie diejenige ist, die die Kaufentscheidung trifft" zu verstehen; N.W.], schreibt in Forbes:

Frauen steuern 70 bis 80 % aller Konsumeinkäufe, und zwar durch eine Kombination aus ihrer Kaufkraft und ihrem Einfluß. Mit Einfluß ist gemeint, daß die Frau, selbst wenn sie nicht selbst für etwas bezahlt, oft entscheidet, was jemand anderes kauft oder nicht kauft.

Sie schließt daraus: »Es besteht kein Zweifel: Die Herrschaft der Frauen über das Konsumverhalten ist auf Dauer angelegt.«

Kurz gesagt ist es eine fundamentale Tatsache, daß Männer zu einem beträchtlichen Anteil überhaupt nur arbeiten, um sich Frauen leisten zu können. Heute jedoch läuft die "Stärkung der Frauen" darauf hinaus, daß beispielsweise die Anforderungen an Feuerwehrleute abgesenkt werden, damit auch Frauen, die körperlich weniger dazu in der Lage sind, die Herausforderungen des Jobs zu bewältigen, mitspielen können. Im Zusammenspiel mit Sozialleistungen führt das dazu, daß – auf die Lebensdauer hochgerechnet – nur Männer überhaupt Steuern zahlen; bis zum Alter von 80 Jahren zahlen Männer unterm Strich mehr an Steuern, als sie herausbekommen, während Frauen im Laufe ihrer Lebensspanne dem Fiskus mit 150.000 Dollar netto zur Last fallen.

Wenn Frauen künstlich in Posten hineinsubventioniert werden und Männer kollektiv dafür bezahlen müssen, daß Frauen existieren, dann entsteht eine vermeidbare Situation, in der keine einzige Frau noch einen einzigen Mann wirklich braucht. Und das Gefühl, gebraucht zu werden, ist es, dessen wir als Menschen am meisten bedürfen.

Übrigens haben Anne Case und Angus Deaton dieses Jahr eine Verlaufskontrolle zu ihrer Studie über den »schockierenden Anstieg der Mortalität unter weißen, nichtspanischen Amerikanern«, ursprünglich von 2015, veröffentlicht. In ihrer ersten Arbeit hatten sie geschlußfolgert, die Zunahme der Todesfälle unter Weißen erkläre sich »zum Großteil durch steigende Todesraten aufgrund von Drogen- und Alkoholmißbrauch, Selbstmord und chronische Lebererkrankungen sowie -zirrhose«. Das Follow-up jedoch korrigiert diese Annahme dahingehend, daß man sich zuvor lediglich auf die zunehmenden Todesfälle konzentriert habe, wodurch das Mißverhältnis zwischen den Sterberaten dieser Gruppe und den sinkenden Sterberaten überall sonst auf der Welt unter den Tisch gefallen sei.

Vor 15 Jahren lagen weiße Amerikaner mittleren Alters gleichauf mit ihren deutschen Pendants; heute ist ihr Sterberisiko um 45 % höher als das der Deutschen. Jedes Jahr sterben dort von 100.000 Menschen durchschnittlich circa 285 im Alter zwischen 45 und 54. In den USA sind es mehr als 410. Und von diesen 125 zusätzlichen Todesfällen lassen sich nur rund 40 auf die Zunahme von Drogenkonsum, Trunksucht und Suizid zurückführen.

Ein Großteil der übrigen zwei Drittel stirbt an Herzerkrankungen – und es ist mittlerweile gängige Annahme in der wissenschaftlichen Literatur, daß psychischer und emotionaler Streß maßgebliche Ursachen von Herzerkrankungen sind.

Für Menschen, die auch nur ein einziges Mal eine klinische Depression durchlebt haben, verdoppelt sich das Risiko eines Herzanfalls für volle zehn Jahre. Eine Studie von 2014 (»Entzündungsverlauf verbindet koronare Herzkrankheit mit Neuralaktivitäten durch kognitive Emotionsregulation«) befand, daß just die psychologische Erfahrung negativer Emotionen unmittelbar zur Entstehung von Entzündungsformen beiträgt, die Herzerkrankungen verursachen. Tatsächlich tragen subjektive psychosoziale Faktoren weit mehr zur Erklärung des Herztods bei als die rein körperliche Lebensführung:

Der rapide Anstieg der Mortalitätsrate unter Männern mittleren Alters aufgrund von Koronarinfarkten in vielen der erst seit kurzer Zeit unabhängigen Staaten Osteuropas ist nicht mit den traditionellen koronaren Risikofaktoren zu erklären. Osteuropäische Männer sind allerdings deutlich stärker von streßbezogenen, psychosozialen Risikofaktoren (z.B. sozialer Isolation oder Burn-out) betroffen als im Westen lebende Männer.

Will heißen: Osteuropäische Männer sterben häufiger an Herzerkrankungen, aber dieser Umstand läßt sich nicht mit den üblichen physischen Faktoren erklären, weil sie sich genausogut ernähren und in Form halten wie ihre Gegenstücke im Westen. Sie leiden jedoch unter stärkerer sozialer Isolation und einer höheren Rate an Burn-out-Erscheinungen (was nur ein Modewort für Nervenzusammenbrüche ist).

Im Durchschnitt haben Männer ihren ersten Herzinfarkt mit 65 Jahren – Frauen mit 72. Und Männer haben nur halb so gute Chancen, ihn zu überleben. Je ältere Gruppen man einbezieht, desto mehr Frauen sterben jährlich an Herzerkrankungen als Männer, aber das liegt einzig daran, daß diese Altersgruppen in Richtung der Frauen verzerrt sind – die meisten Männer sind dann nämlich bereits verstorben.

Normalerweise beziehe ich mich nicht auf Artikel der Huffington Post. Erst recht nicht auf solche von einem Lügner und Plagiator. Schon mal gar nicht, wenn darin die Schuld für Fehlverhalten auf die Umwelt statt auf Eigenentscheidungen oder angeborene Veranlagungen geschoben wird. Drogenkonsum scheint mir aber tatsächlich eine Ausnahme von der Regel zu sein, und ich halte Jonathan Haris Artikel über Abhängigkeit für exzellent.

Zusammengefaßt geht es um das wesentliche Detail, daß viele der Tierversuche über das Suchtpotential harter Drogen daraus bestanden, Ratten in kleine Käfige ohne Ablenkungsmöglichkeiten zu sperren und zu prüfen, wie sehr sie von kokainhaltigem Wasser abhängig wurden. Als aber der Vancouver Professor Bruce Alexander die Tiere in einen "Rattenpark" steckte, in dem es bunte Bälle, Lauftunnel und Kontakt zu anderen Ratten gab, konsumierten sie weniger als ein Viertel der Kokainwassermenge der isolierten Ratten – und keine einzige wurde schwerstabhängig oder starb an einer Überdosis.

Aber damit nicht genug: Wenn er abhängig gewordene Isolationsversuchstiere in einen "Rattenpark" setzte, entwöhnten sich die Tiere sogar wieder von der Droge – spontan und ohne Zwang.

Der Anstieg der Todesrate weißer Männer in einer Zeit, in der die Todesraten der meisten Vergleichsgruppen sinken, beruht also im wesentlichen auf drei Faktoren: Selbstmord, Drogenmißbrauch und Herzkrankheiten. Alle drei sind Kardinalssymptome psychologischen und emotionalen Streß' sowie sozialer Isolation.

Und deshalb sollten wir – ganz egal, was man von Linkin Parks Nu-Rock-Musik über Teenagerprobleme halten mag – nicht zu einer Atmosphäre der allgemeinen Verurteilung Chester Benningtons als Selbstmörder beitragen. Denn was auch immer man mit Fug und Recht anderes über den Vorfall sagen kann, und ganz gleich, ob Bennington selbst es zu erkennen vermochte oder nicht: Er ist auch das Opfer derselben Mächte, die derzeit daran arbeiten, uns alle zu zerstören.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (17)

John Haase
29. Juli 2017 11:20

Wir können es uns als moderne Menschen gar nicht mehr vorstellen, was es heißt, als Gruppe (Volk, Religion, etc) ein sinnvolles Leben zu führen. Ende des 19. Jhds. waren alle davon überzeugt, daß der ewige Fortschritt alles besser machen würde, dann kam der erste Weltkrieg, dann Hitler, dann der Zweite Weltkrieg, zuletzt der Wiederaufbau. Viel Leid also, aber dennoch immer sinnerfüllt mit dem Glauben daran, daß die eigenen Kinder es einmal besser haben werden. Und heute? Niemand, wirklich niemand, glaubt daran, daß es in Zukunft besser sein wird. Wir Rechten sehen dem Untergang Europas entgegen, für die Linke steht die rechte Machtergreifung wie üblich unmittelbar bevor. Nahezu alle Deutschen werden mittlerweile die ein oder andere miese Erfahrung mit denen, die noch nicht so lange hier leben, gemacht haben. Die Kirchen werden immer offener und damit immer leerer. Die berufliche Anspannung wird immer größer, doch die Löhne stagnieren. Von dem normalen Arbeitnehmer wird eine Flexibilität verlangt, die viele einfach nicht leisten können...alle, wirklich alle Deutschen sind sich zumindest in dieser Frage einig: es geht runter.

Für uns ist dieses Gefühl normal und wir hinterfragen gar nicht mehr, ob es auch anders ginge.

Solution
29. Juli 2017 12:45

Die erste Frage, die sich mir stellt, ist: Gibt es - statisch nachweisbar - unter Rockstars eine überdurchschnittlich hohe Selbstmordquote oder sind es eher Einzelfälle?

Zudem: Gibt es Untersuchungen über die Selbstmordquote bei Vermögenden? Sind diese nicht unterdurchschnittlich davon betroffen?

Wie ist es mit Rechten?

Friedrich Nietzsche hat das eigentliche Problem schon früher erkannt, indem er schrieb, daß "der Gedanke an den Selbstmord" einen "schon über so manche schlimme Nacht" gebracht habe.

Das ist der Punkt: Selbstmord aus politischen Gründen begehen nur sehr wenige, dafür stehen aber sehr viele ständig kurz davor.

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, daß Linke und Liberale eher unzufrieden und unglücklicher seien als Rechte. Mag sein, wie es will, auf jeden Fall sind die meisten politisch bewußten und/oder aktiven Leute, die ich kenne, in Anbetracht der katastrophalen Lage im Laufe der Jahrzehnte ziemlich pessimistisch und depressiv geworden.

Das Gute daran ist, daß sie trotzdem weiter machen und "die Nacht" immer wieder lebend und ein Stück härter überstehen.

t.gygax
29. Juli 2017 13:13

Sehr lesenswert hierzu: "Manifest der Zukunft im Klan", von der französischen Gruppe "les brigandes", veröffentlicht im Arnshaugk Verlag in einer  guten deutschen Übersetzung. Der Waldgang ist etwas für Einsame, aber in der Regel leben wir in Gemeinschaften-und da die bei uns nachhaltig zerstört wurden und werden, ist die Sehnsucht der jungen Franzosen nachvollziehbar und für manche ein gangbarer Weg.

Ein gebürtiger Hesse
29. Juli 2017 14:13

Ein exzellenter, augenöffnender Artikel. Besten Dank für die Übersetzung und Bereitstellung, Herr Wegner.

Ich wußte gar nicht, daß die Suizide der beiden Männer sozusagen auf halbem Weg zusammengelaufen sind, der eine noch den (zutiefst frauenskeptizistischen) Cohen-Song auf der Beerdigung des anderen gesungen hat und sich wenig später selbst tötet. Finster! Ein Gedanke jedoch: beide haben den "männlichen" Suizid gewählt, nicht die "weiche" Wegschlaf-Variante mit Tabletten, sondern die harte mit dem Strick. Erschießen (Montherlant, Hemmingway) gehört genauso in diese Abteilung. Bäumte sich da am Ende etwas auf, das die beiden an diesem äußersten Punkt ein letztes Mal Mann sein ließ? Ja.

Chris Cornell ... unvergessen schon für den Song zum besten Bond-Vorspann überhaupt: https://www.youtube.com/watch?v=YnzgdBAKyJo

RMH
29. Juli 2017 14:37

Der Artikel wirkt auf mich persönlich so, als ob der Verfasser offenbar noch sehr wenig echten, persönlichen Kontakt zu psychisch Kranken, klinisch depressiven und Suizidenten hatte. Jetzt bin ich auch kein Psychiater oder Mediziner, aber aus den Kontakten zu solchen Personen, die ich hatte, möchte ich die These aufstellen, dass zumindest in den Endphasen (Spontansuizide sind selten) den Leuten ihre äußeren Umstände ziemlich egal, aber so etwas von egal sind. Sie sind im hohen Maße auf sich und ihre Leiden fixiert und veranstalten gerne zur Ablenkung auch so etwas wie ein Show für Dritte, einschließlich ihren eigenen Angehörigen, dazu gehört auch immer eine Art von Story-Telling dazu, um den Angehörigen das für sie selbst nicht Erklärbare irgendwie fassbar zu machen und dann werden eben gerne äußere Umstände herunter gebetet und in den Vordergrund gestellt oder anderes überspielt, um es der Außenwelt leichter zu machen, dass Sinnlose irgendwie zu verstehen, aber in Wahrheit war man eigentlich zutiefst Seelenkrank (im Übrigen ein sehr schöner, deutscher Ausdruck, dieses "Seelenkrank"). Dies findet sich dann auch gerne in den sog. "Abschiedsbriefen" wieder.

Der Artikel unterscheidet auch nicht zwischen exogenen und endogenen Depressionen, sondern listet nur exogene Ursachenmöglichkeiten auf. Dabei ist es doch vermutlich oft gerade der Mix aus beidem, der die Sache für die erkrankte Person gefährlich macht. Siuizide erscheinen mir zudem in hohem Maße von endogenen Ursachen abhängig - zumindest in den mir bekannten Fällen war es so wie bei C. Bennigton, dass die Leute eigentlich "alles hatten" bzw. keine echten Gründe objektiv feststellbar waren.

Studien - auch an eineiigen Zwillingen - zeigen, dass es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass Depressionen AUCH genetische Ursachen haben.

Aus den im Artikel genannten Statistiken und Zahlen kann man daher zusätzlich ableiten, dass Weiße und manche Asiaten womöglich eine deutlich höhere genetische Disposition zur Depression und damit zum Suizid haben, als andere. Dies mag evolutionäre Vorteile bringen, da eine gewisse Todessehnsucht gewisse Formen der Sublimationen in Technik, Kunst und Kultur befördert haben. Auch in Kriegen mag die Opferbereitschaft bei diesem Personenkreis höher sein, als bei anderen. Dann wären noch Fragen der Selektion zu klären und zu diskutieren (Ausfall einer kriegsbedingten "Auslese" etc.).

Unter dem Strich ist, bei der Frage nach der Henne und dem Ei, aus meiner Sicht es daher vermutlich eher zutreffend, die These des Artikels dahin gehend zu berichtigen, dass die äußeren Umstände nicht die alleinigen Ursachen der erhöhten Suizide und Erkrankungen sind, sondern die vorhandene Depressions- und Suizid- und Krankheitsgeneigtheit von einigen/vielen begünstigen. Insofern kann man auch von diesem Standpunkt aus entsprechende politische und gesellschaftliche Forderungen stellen (salopp forumuliert: Für Weiße nicht geeignete Lebensumstände).

Im Übrigen haben es im Fall C. Bennigton seine Bandkollegen aus meiner Sicht  recht treffend formuliert:

"We are trying to remind ourselves that the demons who took you away from us were always part of the deal. After all, it was the way you sang about these demons that made everyone fall in love with you in the first place" (linkinpark)

Klaus D.
29. Juli 2017 17:47

@John Haase

" Niemand, wirklich niemand, glaubt daran, daß es in Zukunft besser sein wird. "

Wirklich niemand? Ja, in Europa (und wohl auch in der gesamten westlichen Welt) mag das zutreffen, aber weltweit gesehen nicht. In Asien und insbesondere in den aufstrebenden Ländern China und Indien sieht das ganz anders aus. Da ist der Optimismus, der Glaube an die Zukunft fast mit Händen zu greifen. Große Projekte, die auch Europa betreffen, stehen an. Zum Beispiel die Seidenstraße mit ihren Schienen- und Seewegen und dem Drehkreuz Syrien. Das sollte auch uns optimistisch stimmen.

Utz
29. Juli 2017 18:49

Große Projekte, die auch Europa betreffen, stehen an. Zum Beispiel die Seidenstraße mit ihren Schienen- und Seewegen und dem Drehkreuz Syrien. Das sollte auch uns optimistisch stimmen.

Angesichts der Tatsache, daß Deutschland gerade von islamischen Invasoren überrannt wird, hab ich grad gar keine Kapazitäten für Mitfreude mit China, Indien und Syrien mehr frei.

Monika L.
29. Juli 2017 20:01

"Was lernen wir also aus dieser Selbstmordepidemie unter weißen Männern? Erstens ist bemerkenswert, was sie uns über die Natur des weißen Manns verrät: Wir sind keine einfach gestrickten, eindimensionalen, hedonistischen Schweine. Unsere grundlegendsten Bedürfnisse gehen offensichtlich über das Ökonomische hinaus. All das Geld, die Autos und die leicht verfügbaren, sexuell willigen Frauen in der Welt reichten nicht aus, um den Lebenswillen der Sänger von Linkin Park und Audioslave zu erhalten."

1. Die biologischen, anthropologischen , ethnologischen, psychologischen , philosophischen und theologischen Aspekte der "Todesspirale" müssten genauer auseinander gedröselt werden.

2. Während sich der weiße Mann häufiger suicidiert, ertrinkt der schwarze Mann häufiger im Mittelmeer.

3. Der gelbe Mann entdeckt - --- Nietzsche ----

Man staune: Nietzsche ist auf dem besten Weg, ein chinesischer Universalphilosoph des 21. Jahrhunderts zu werden. Derzeit entstehen in China drei Übersetzungen von Nietzsches gesammelten Werken parallel. Ich verweise auf den sehr interessanten Beitrag von Alexander Kissler im Cicero/August. Titel: DENN EIN ÜBERMENSCH KENNT KEINE TRAUER

Schwermütige Denker gab es viele. Man denke an Kierkegaard. Dem das " Christentum zu Zeiten als die unmenschlichste Grausamkeit vorkam". Dem strengen Christentum, das die Menschen dieser Zeit unglücklich machte, setzte Nietzsche seinen Übermenschen entgegen. Nietzsche bezeichnete den Geist der Schwere als den Dämon schlechthin. Daraus entstand sein Sehnsuchtsbild jenes Menschen, " der tanzen kann". 

das zu Klaus und  Utz und China....es gibt einen Weg aus der Todesspirale...

Und: Es gibt natürlich auch schwarze und gelbe Menschen, die nicht einfach gestrickt sind. Und deren Bedürfnisse über das Ökonomische hinausgehen.

Siehe Punkt 1

John Haase
29. Juli 2017 20:47

@Klaus D.

Ja natürlich, das ist es ja. Ich habe während meiner Chinareisen zum ersten Mal bemerkt, daß es kein Normalzustand ist, daß man als Gesellschaft nur auf den Untergang wartet. Das hat mich damals sehr beeindruckt.

Andrenio
30. Juli 2017 10:02

Clinton, Podesta, Pizzagate, Pädophilenmafia: All das wurde in Zusammenhang mit Chris Cornell und Chester Bennington genannt - nicht als Täter, sondern Mordopfer.

Seltsam, dass dies in diesem Zusammenhang nicht einmal erwähnt wird.

Klaus D.
30. Juli 2017 12:52

@Utz

Das Ganze macht ja für (die neue Weltmacht) China nur Sinn, wenn Europa eine wirtschaftlich starke und blühende Region bleibt, mit der es sich lohnt, ausgiebigen Handel (zum gegenseitigen Vorteil) zu betreiben. Klar , im gegenwärtigen Würgegriff der Globalisten und der beabsichtigten Umvolkung ist die Situation in Europa alles andere als rosig zu beurteilen. Aber die Weltlage verändert sich aufgrund des weiteren militärischen und wirtschaftlichen Erstarkens Rußlands und Chinas. Europa muß es gelingen, sich neu zu organisieren, aus dem unmittelbaren Einfluß der USA sich zu lösen und ein souveräner Partner im sich bildenden eurasischen Wirtschaftsverbund zu werden. Das von China beabsichtigten Drehkreuz Syrien wird viele Flüchtlinge zur Rückkehr veranlassen und die Situation hier entspannen. Dies ist meine optimistische Zukunftsvision.

Lotta Vorbeck
31. Juli 2017 00:11

@Klaus D. - 30. Juli 2017 - 10:52
... Europa muß es gelingen, sich neu zu organisieren, aus dem unmittelbaren Einfluß der USA sich zu lösen und ein souveräner Partner im sich bildenden eurasischen Wirtschaftsverbund zu werden.
Das von China beabsichtigte Drehkreuz Syrien wird viele Flüchtlinge zur Rückkehr veranlassen und die Situation hier entspannen. Dies ist meine optimistische Zukunftsvision.
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Und die Besatzungsmacht in Form der US-Army schaut sicherlich tatenlos zu, wie sich der ihr nach dem WK2 zugefallene, gegen Rußland gerichtete, in jahrzehntelanger Arbeit ausgebaute und seit 1990 nochmals wesentlich erweiterte europäische Brückenkopf "aus dem unmittelbaren Einfluß der USA" löst?

Warum sollte irgendjemand nach Syrien zurückkehren, nachdem er sich in der BRD vollalimentiert und rundumversorgt, eingerichtet hat?
In Syrien müßte man - Drehkreuz hin, Drehkreuz her - selber für den eigenen Lebensunterhalt und den der sich stetig vergrößernden Sippe sorgen. Und für die noch Daheimgebliebenen entfielen dann obendrein auch noch die per WESTERN UNION in die alte Heimat transferierten Zahlungen ihrer Verwandten aus GerMoney.

Klaus D.
31. Juli 2017 11:32

@Lotta Vorbeck

In der Sezession 78 S. 48 werden im Artikel "Wissenschaft und Politik - aktuelle Fragestellungen" von Erik Lehnert Themen behandelt, die von der Politik intensiver behandelt werden müßten. Gleich das erste heißt Politische Geographie. Nun bin ich darauf beileibe kein Experte, sondern lediglich ein interessierter Leser und immerhin gibt es zu diesem Komplex im Internet einige sehr gute Informationsquellen. Eine der derzeitige Erkenntnisse daraus ist, daß die USA insgesamt schwächer werden und sich zunehmend von Europa distanzieren (siehe Trump). Gleichzeitig werden andere Mächte, wie gesagt, stärker. Die Zukunft Europas (Europa der Vaterländer) kann mMn nur in Eurasien liegen. Natürlich ist diese Entwicklung ein langwieriger Prozeß. Bezüglich der Flüchtlinge in Europa habe ich die Hoffnung, daß insbesondere durch das wirtschaftliche Engagement der neuen Weltmacht China im nahen Osten  wie auch in Afrika sich die dortigen Bedingungen so positiv entwickeln werden, daß kein Anlaß mehr zur Flucht besteht. Naja, und was die Rückkehr betrifft - immerhin ist es ja ihre Heimat - darauf könnte man ja hier zusätzlich noch Einfluß nehmen ...

Starhemberg
31. Juli 2017 13:02

Ein sehr interessanter Artikel, der zum Weiterdenken anregt. Als "Libertärer" verwahre ich mich aber gegen die Unterstellung, wir würden die marxistische bzw. linksliberale Zerschlagung der Familie begrüssen. Natürlich nicht! Libertär bedeutet für mich, zwar alle Freiheiten (verantwortungsvoll) leben zu dürfen, selbstverständlich auch die Freiheit des Freitodes, doch die aus Vater, Mutter und Kindern (und im Idealfall Haustieren) bestehende Familie als Kern einer funktionierenden Gesellschaft steht vollkommen außer Zweifel. Die Aussage, "Werte seien etwas Subjektives" - nun  - dies würde ich allerdings unterstreichen. Im Übrigen denke ich, dass vor allem junge Männer Gefahr und Abenteuer brauchen um zu sich selber zu finden, bei mir war es früher das anspruchsvolle Bergsteigen. Und dabei kommen auch einige um. Das ist zwar ein persönliches Drama, im großen Bild aber vollkommen in Ordnung. Von meinen ehemals fünf besten Freunden sind mittlerweile zwei tot, einmal Snowboard-Unfall, einmal Freitod. Und ein dritter hat bei einem Motorradunfall ein Auge eingebüsst. Vollkaskomentalität und Nannystaat sollten wir jedenfalls den Frauen und Sozialisten überlassen. Männer sind Männer und das ist gut und wichtig so. Ein paar Leichen gehören dazu, nicht für jeden ist der "Strohtod" ein erstrebenswertes Ziel.

Lotta Vorbeck
31. Juli 2017 13:21

@Klaus D. - 31. Juli 2017 - 09:32

... Bezüglich der Flüchtlinge in Europa habe ich die Hoffnung, daß insbesondere durch das wirtschaftliche Engagement der neuen Weltmacht China im nahen Osten  wie auch in Afrika sich die dortigen Bedingungen so positiv entwickeln werden, daß kein Anlaß mehr zur Flucht besteht. Naja, und was die Rückkehr betrifft - immerhin ist es ja ihre Heimat - darauf könnte man ja hier zusätzlich noch Einfluß nehmen ...
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Die Population Afrikas wächst jede Woche um eine weitere Million. Deren Anstieg verläuft nicht linear, sondern exponential. Bei einer derartig apokalyptischen Bevölkerungsexplosion kann sich nichts aber auch gar nichts positiv entwickeln. Ein Trugschluß, darauf zu hoffen, daß sich, solange die Pullfaktoren nicht abgestellt werden, etwas am gegenwärtigen in Richtung der D-A-CH-Staaten ausgeübten Migrationsdruck ändern wird. Sofern man hierzulande als mitteleuropäische Zivilisation überleben möchte, wird an militärischer Grenzsicherung kein Weg vorbei führen. An dieser Stelle sei nochmals auf Rolf Peter Sieferles Buch "Das Migrationsproblem" https://antaios.de/antaios-liefert-jedes-buch/41959/das-migrationsproblem als weiterführende Lektüre verwiesen.
Klappentext:
In der Migrationskrise offenbaren sich nicht nur die Schwächen und das Scheitern des permissiven Staates, sondern auch die grassierenden Verständnis- und Erklärungsnöte der Öffentlichkeit. Während der deutsche Staat in seiner Führung handlungsunfähig erscheint, fehlt es dem medialen Establishment an krisenfesten Begriffen: der Einbruch der Wirklichkeit wird mit bundesrepublikanischen Wohlfahrtsideen und One-World-Phantasien quittiert: Wohlstand für alle, Grenzen für niemand. Dabei übersieht man die Fragilität eines Gemeinwesens, das durch den Sozialstaat getragen wird. Es fußt auf Solidarität und Vertrauen - Werte, die in einem Land mit ungeregelter Einwanderung gefährdet sind. Der Sozialstaat und seine Segnungen lassen sich nicht ins Unendliche expandieren. Denn im Globalisierungsstrudel, in dem die Ansprüche universal werden und jeder Ort erreichbar scheint, wird das Wohlfahrtsversprechen zu einem Anachronismus, dessen Verheißungen für die meisten Migranten uneinlösbar sind. Die Unvereinbarkeit von Masseneinwanderung und Sozialstaat verdeutlicht der im September 2016 verstorbene Historiker Rolf Peter Sieferle in seiner letzten Studie. Sie ist Aufklärung, weil sie die Irreführungen einer 'emphatischen Politik' entlarvt. Die Sentimentalisierung der 'Flüchtlings'-Debatte kontert der Autor mit ebenso nüchternem Blick wie die Narrenfeuer der Medien. Rolf Peter Sieferle widerspricht der Akklamation, die an die Stelle der Kritik getreten ist und überwindet die Sprachverbote der 'offenen' Gesellschaft.

Klaus D.
31. Juli 2017 19:24

@Lotta Vorbeck

Vielen Dank für Ihre Antwort. Was die gegenwärtige Lage betrifft, haben Sie selbstverständlich recht.

Dietrich Stahl
31. Juli 2017 19:28

Im von mir sehr geschätzten SiN Forum schreiben viele, denen Deutschland und das deutsche Volk am Herzen liegen. Viel Geisteskraft noch dazu ist versammelt. Ich habe eine Menge gelernt und bin dankbar dafür. An einem mangelt es aber hier sehr: An der Berücksichtigung der Verschwörung als [einer] Formkraft der Geschichte. In den Diskussionen zum aktuellen Artikel wird das besonders deutlich. Die Diskussion politischer, soziologischer, psychologischer Aspekte muß hier an der Oberfläche bleiben. Sie kann ohne Berücksichtigung des konspirativen Aspektes nicht zur Ursache der vielen unnatürlichen Todesfälle bei den Protagonisten der Bewußtseinsindustrie vordringen. @ Andrenio ist einer der wenigen der das andeutet:

„Clinton, Podesta, Pizzagate, Pädophilenmafia: All das wurde in Zusammenhang mit Chris Cornell und Chester Bennington genannt - nicht als Täter, sondern Mordopfer. Seltsam, dass dies in diesem Zusammenhang nicht einmal erwähnt wird.“

Nachdem @ RMH vor allem psychologisiert zitiert er am Schluß die Band:

„We are trying to remind ourselves that the demons who took you away from us were always part of the deal. After all, it was the way you sang about these demons that made everyone fall in love with you in the first place“ (linkinpark)

„Dämonen als Teil des Vertrages, die jeden dich lieben machen.“ Die Band wird hier deutlich.

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